Juli

7

Nach einem ausgiebigen Frühstück starteten wir entspannt in den Tag. Zunächst gab es noch eine kleine Planänderung: Unsere Gäste wollten in der Früh die Hexengrotte besuchen. Dieser Ausflug wurde jedoch kurzerhand auf den Nachmittag verschoben. Martin füllte noch den Wassertank auf, danach machten wir uns schließlich auf den Weg.

Unsere Fahrt führte uns zunächst am wunderschönen Stadtschloss Rohan und am Hafen von Saverne vorbei. Vor der großen Schleuse hieß es dann erst einmal warten. Nach etwa zehn Minuten war es soweit und wir waren dabei fast die eigentliche Attraktion. Zahlreiche Zuschauer hatten sich oben am Geländer versammelt und verfolgten gespannt, wie wir geschleust wurden.
Rund zwanzig Minuten später ging die Fahrt weiter zu unserem Ziel Lutzelburg. Auf dieser Strecke warteten noch acht weitere Schleusen auf uns. Der Kanal schlängelte sich durch eine herrliche, waldreiche Landschaft , eine wunderschöne Kulisse für unsere Gäste.


Nach den ersten zwei oder drei Schleusen hatte Helene den Ablauf aufmerksam beobachtet. Dann überließ ich ihr die Aufgabe und sie meisterte sie mit Bravour. Unterwegs fischten wir sogar noch einen Fender eines Mietbootes aus dem Wasser. Auf dem Kanal war heute richtig viel Betrieb. Unzählige Boote kamen uns entgegen, was den angenehmen Nebeneffekt hatte, dass die Schleusen für unsere Einfahrt meist schon vorbereitet waren. Helene war dabei eine große Hilfe und hatte die Handgriffe in der Schleuse schnell verinnerlicht.
In Lutzelburg angekommen, erwartete uns ebenfalls reger Betrieb. Viele Boote lagen bereits am Kai und auch wir fanden an der langen Ufermauer einen Liegeplatz. Anschließend machten sich Helene, Martin und Ramona mit den Fahrrädern auf zurück nach Saverne, um die Autos nach Lutzelburg zu holen. Danach hatten wir uns den wohlverdienten Kaffee und Kuchen wirklich verdient.
Unsere Gäste wollten anschließend noch die Felsenhäuser in Graufthal und die geheimnisvolle Hexengrotte Le Sourciere besichtigen. Martin und ich kannten die Felsenhäuser bereits von einem früheren Besuch, deshalb blieben wir an Bord.
Derweil stellte Martin den aktuellen Blog online und ich bereitete das Abendessen vor. Kurz vor halb acht kamen Helene, Ramona und Silvia wieder zurück und schwärmten von den Grotten, die sie besichtigt haben.
St.Vit, Le Sourciere und eine Feengrotte. Die Fotos waren jedenfalls echt toll.


Nach dem Abendessen spielten wir endlich wieder mal eine Runde Wizard bis es zu dunkel wurde. Helene , Ramona und Silvia waren müde vom Ausflug und Martin und ich spielten danach noch zwei Runden Backgammon.

Juli

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Ramona und Silvia gehören ebenfalls zu den Frühaufstehern. Nach ihrem ersten Kaffee begleiteten sie mich zum Bäcker, wo wir uns allerlei leckere Sachen für das Frühstück aussuchten. Anschließend machten die beiden noch einen kleinen Spaziergang durch den Ort, während ich zurück aufs Boot ging und das Frühstück vorbereitete.
Helene ist von unserem Törn in der Südsee schöne Fruchtplatten zum Frühstück gewohnt. Deshalb zauberte ich heute statt Obstsalat eine lustig angerichtete Fruchtplatte. Die sorgte prompt für Erinnerungen an Palmen, Sonne und türkisblaues Wasser. Für einen kurzen Moment lag die Vlinder gedanklich vor Bora Bora.


Danach machten sich Helene und Martin gemeinsam auf den Weg zum Gemeindeamt, das auch für den langen Kai und die Marina zuständig ist. Martin hatte eine Frage und Helene übernahm freundlicherweise das Dolmetschen für ihn. Vielen Dank dafür 💖
Später besuchten unsere Gäste noch einen Glasschleifer sowie den Künstler, der Dachziegel bemalt. Beim Letzteren wurde Helene sogar fündig und nahm eine schöne Erinnerung mit.
Als schließlich alle wieder an Bord waren, hieß es „Leinen los! Heute stand allerdings nur eine kurze Etappe mit vier Schleusen auf dem Programm. Die Landschaft wurde wieder felsiger, blieb aber genauso grün und waldreich wie zuvor.


Zwischendurch übernahm Slivia das Ruder, auch als es mal ziemlich eng wurde schlängelte sie sich elegant mit der Vlinder hindurch.

Auf dem Wasser war einiges los und als wir unterhalb des Schrägaufzugs ankamen, war nur noch der Liegeplatz für die großen Passagierschiffe frei. So voll haben wir diesen Platz tatsächlich noch nie erlebt. Für den Nachmittag und die Nacht passte der Platz, da weder die Madeleine noch die Jeanine im Anmarsch waren.

Vor dem Nachmittagskaffee schauten wir noch bei den Glasbläsern vorbei. Dort war es heute allerdings besonders warm, denn die Öfen liefen auf Hochtouren.


Nach dem Kaffee und Kuchen machten sich Helene und Martin mit den E-bikes auf den Weg zurück nach Lutzelbourg, um die Autos zu holen. Diese haben sie dann nach Niderviller vorausgefahren und kamen anschließend über den alten Schleusenweg wieder zurück zum Boot.
Silvia und Ramona nutzten die anderen Fahrräder, um ebenfalls den alten Schleusenweg zu erkunden und das „Valle des Éclusiers“ kennenzulernen. Die beeindruckende Schleusentreppe bestand aus insgesamt 17 Schleusen auf einer Strecke von nur 3,8 Kilometern und ermöglichte es früher, einen Höhenunterschied von 44,55 Metern zu überwinden.
Das Tal ist ein beeindruckender Zeuge der intensiven Fluss- und Industrieaktivität des 19. Jahrhunderts. Seit der Inbetriebnahme des Schiffshebewerks von Arzviller im Jahr 1969 ist die Schleusentreppe für die Schifffahrt geschlossen. Heute ist dieser besondere Ort ein Paradies für Wanderer, Radfahrer, Kletterer sowie Natur- und Kulturliebhaber. Als Rad- und Wanderweg angelegt, lässt sich das Tal der Schleusenwärter wunderbar zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden.


Am späten Nachmittag wurde dann erst einmal ausgiebig gechillt und die Seele baumeln gelassen, bevor ich in der Küche das Abendessen vorbereitete. Es gab zweierlei Tortellini , da Ramona Vegetarierin ist, mit Tomatensoße und zum Nachtisch eine leckere Mousse au Chocolat.
Helene hatte außerdem ihre Drohne dabei. Nach dem Abendessen ließen sie und Martin diese noch in Richtung Schrägaufzug aufsteigen. Die beiden möchten morgen unsere Fahrt mit dem Lift filmen, ja, die Vlinder fährt morgen wieder Aufzug. Zu viert spielten wir noch zwei lustige Runden Wizard, Silvia war müde und verabschiedete sich in ihre Kabine.

Juli

9

Wir parkten direkt unterhalb des Schräglifts in Arzviller. Schon früh am Morgen schien die Sonne und der Lift strahlte im schönsten Licht. Über dem Wasser zogen allerdings bereits die ersten Nebelschwaden auf , fast schon eine herbstliche Stimmung.
Den Tag begannen wir mit einem leckeren und reichhaltigen Frühstück auf dem Deck. Anschließend probierten Martin und Helene die Drohne noch einmal aus, um später beim Lift spektakuläre Aufnahmen machen zu können.


Schon bald war es soweit: Das Ausflugsschiff „Paris“ kam herunter und wir durften in den Schräglift einfahren. Helene ließ die Drohne starten, doch die Fahrt verzögerte sich, weil noch ein weiteres Boot zu uns in die Wanne fuhr. Für den Flug dauerte die Wartezeit zu lange, also holte sie die Drohne zunächst zurück und startete sie erneut, als wir oben angekommen waren. Leider machte uns ein Mitarbeiter des Lifts darauf aufmerksam, dass das Fliegen lassen dort verboten ist,also kehrte die Drohne wieder sicher an Bord zurück.


Danach tuckerten wir gemütlich weiter durch den Kanal bis vor den Tunnel. Dort hieß es erst einmal warten, denn von der anderen Seite kamen vier Boote entgegen. Langweilig wurde es uns dabei nicht, denn wir hatten Zuschauer am Ufer und kamen schnell mit ihnen ins Gespräch. Sie befanden sich gerade auf der Rückreise nach einem vierwöchigen Frankreich-Urlaub.
Währenddessen machten es sich Helene, Ramona und Silvia vorne auf dem Bug für die lange Tunneldurchfahrt gemütlich. Gemächlich fuhr die Vlinder durch den rund 2,5 Kilometer langen Tunnel. Für die Boote hinter uns bedeutete das ebenfalls gemütliche 4 km/h – schneller ging es schließlich nicht.


Im zweiten, kürzeren Tunnel wartete dann noch eine kleine Herausforderung auf uns: Ein etwa zwei Meter langer Baumstamm hatte sich quer über den Bug gelegt und wurde von uns zunächst vor uns hergeschoben. Schließlich musste Martin selbst eingreifen, denn ich konnte das gute Stück bei voller Fahrt nicht bewegen.


In Niderviller fanden wir einen freien Platz und legten an dem uns bereits bekannten Schwimmsteg an.

Wir Mädels machten uns sofort auf den Weg zur Chèvrerie, um den leckeren Ziegenkäse zu besorgen. Nach Kaffee und Kuchen fuhren wir weiter nach Sarrebourg. Helene, Ramona und Silvia wollten unbedingt das berühmte Chagall-Fenster und das Museum besichtigen, während ich draußen die Zeit genoss und auf sie wartete. Begeistert kamen die drei später wieder heraus.


Anschließend mussten noch Grillsachen eingekauft werden, denn in der Marina gibt es einen kleinen Grillplatz, der sich dafür geradezu anbietet. Der kleine Carrefour in der Stadt hatte zum Glück fast alles, was wir für unser Abendessen brauchten. Da es mittlerweile recht heiß geworden war, beschlossen wir, zum Boot zurückzukehren.
Helene und Martin fuhren mit ein Auto schon einmal nach Xouaxange voraus. Währenddessen bereitete ich die Zutaten fürs Grillen vor: Fleisch wurde eingelegt, die Crème fraîche gewürzt und der Salat geschnippelt. Später heizte Martin den Grill an. Inzwischen hatte sich die Marina, wie so oft am Abend, gut gefüllt. Viele Boote kamen an, einige mussten jedoch weiterfahren, weil kein Platz mehr frei war.


Wir ließen uns unser leckeres Abendessen mit Steaks, Burgern, Würstchen und Grillkäse samt vieler Beilagen schmecken. Zum krönenden Abschluss zauberte Helene noch einen Nachtisch mit frischen Erdbeeren, Sahne, Meringen und dem in Rum eingelegten Gugelhupf aus Straßburg.
Gut gesättigt spielten wir anschließend zwei herrlich lustige Runden Wizard. Ich glaub, auch Ramona haben wir mit dem Wizard Fieber infiziert. Danach probierten wir noch die „Guilty Pleasure“-Version von Hipster aus. Alles in allem war es wieder ein rundum gelungener und erlebnisreicher Tag auf dem Wasser.

Juli

10

Der Morgen begann heute mit einem ungewöhnlichen Anblick, der sich eigentlich schon am Vorabend anbahnte. Die gesamte Kuhnle Marina war plötzlich grün gefärbt. Wahrscheinlich hatten sich über Nacht unzählige Wasserlinsen auf der Oberfläche ausgebreitet und den Hafen in einen grünen Teppich verwandelt. Dazu schien die Sonne, ein leichter Wind wehte – was will man mehr? Vielleicht noch ein leckeres Frühstück an Deck?
Gerade diese gemeinsamen Frühstücke gehören zu den schönsten Momenten an Bord. Mit netten Gästen bei herrlichem Wetter ein reichhaltiges Frühstück auf dem Deck zu genießen, hat einfach etwas Besonderes.


Bevor es weiterging, füllte Martin in der Marina noch einmal frisches Wasser auf. Dann hieß es wieder: Leinen los und Kurs auf … China? Nein, natürlich nicht. Unser Ziel war lediglich der exotische, fast genauso schwer auszusprechende Ort Xouaxange. Dieses Mal übernahm Helene souverän das Steuer und navigierte die Vlinder sicher durch die wunderschöne grüne Landschaft.
Gemächlich glitten wir durch die idyllische Kulisse. Unterwegs ging es auch über eine Brücke , beziehungsweise genauer gesagt fuhr der Kanal über die Straße. Schon verrückt, wenn man plötzlich mit dem Hausboot über den Autos unterwegs ist. Eine beeindruckende Ingenieursleistung ist das auf jeden Fall.

Langsam beginnen nun auch die riesigen Sonnenblumenfelder entlang der Strecke zu blühen. Die leuchtend gelben Blüten vor dem satten Grün der Landschaft bieten jedes Mal wieder einen herrlichen Anblick. Währenddessen genossen Ramona und Silvia die Fahrt ganz entspannt an Deck im Liegestuhl.


Heute stand nur eine kurze Etappe auf dem Programm. Schleusen gab es keine, denn wir befinden uns derzeit auf dem höchsten Punkt der Strecke. Nach etwa zweieinhalb Stunden erreichten wir den noch leeren Steg von Xouaxange.


Nach dem Anlegen machten sich Helene und Martin auf den Weg zurück nach Niderviller, um das Auto von Helene zu holen. In der Zwischenzeit verewigten sich Silvia und Ramona mit einem schönen Eintrag in unserem Gästebuch. Helene hatte einen netten Eintrag bereits am Vormittag geschrieben.
Dann kam leider der Moment, den man am liebsten überspringen würde: der Abschied von unseren Gästen aus der Schweiz. Die gemeinsame Zeit vergeht an Bord einfach immer viel zu schnell. Vielleicht kreuzen sich unsere Wege ja irgendwann wieder – auf der Vlinder oder vielleicht sogar auf einem Katamaran irgendwo auf den Weltmeeren.


Den Rest des Tages verbrachten wir bei der großen Hitze ganz entspannt an Bord. Währenddessen legte die Madeleine an ihrem reservierten Platz an und ihre Gäste wurden bereits von einem Bus erwartet. Vermutlich ging es für sie weiter nach Sarrebourg, um das berühmte Chagall-Fenster zu besichtigen.
Ich ließ gleich die Waschmaschine laufen, bei den Temperaturen war die Wäsche im Nu trocken.
Den Abend ließen wir bei ein paar Snacks gemütlich ausklingen.

Juli

10

Helene, Slivia und Ramona

Juli

11

Da heute gute 30 Kilometer vor uns lagen, hieß es bereits kurz vor acht Uhr: „Leinen los!“
Unser Ziel war Mittersheim am Saarkohlekanal, eine kleine französische Gemeinde mitten im Grünen. Da Wochenende war, herrschte bereits am Vormittag reger Gegenverkehr auf dem Wasser. Auch auf den Radwegen entlang des Kanals waren zahlreiche Rennradfahrer und gemütliche Freizeitradler unterwegs.Einige Boote hatten sich schöne Plätze im Schatten gesucht und einfach mitten in der Natur festgemacht. Das ist einer der großen Vorteile der französischen Kanäle: Man darf und kann fast überall anlegen.

Unterwegs entdeckten wir kleine Häuschen mit liebevoll angelegten Gärten, aber auch die eine oder andere Bootsleiche, die halb auf Grund lag und langsam vor sich hin gammelte. Was wohl die Geschichten hinter diesen verlassenen Booten sind?


Inzwischen fahren wir durch das „Pays des Étangs“, das Land der Seen. Durch die anhaltende Hitze fehlt dem Kanal bereits etwas Wasser, die zahlreichen Seen der Region sind jedoch noch gut gefüllt. Die Uferböschungen dagegen waren schon ganz schön braun und trocken. Ab Mittag war bei den hohen Temperaturen kaum noch jemand unterwegs , als hätte jemand plötzlich den Schalter umgelegt.

Die Wege waren leer, die Kanäle ruhig und die Sonne heizte die Temperaturen auf.Außerdem stand heute ein kleiner Schleusenmarathon auf dem Programm: 13 Schleusen bergab mussten bewältigt werden.Kurz nach halb fünf erreichten wir schließlich die Marina in Mittersheim.

Nach einer wohlverdienten Kaffeepause schwangen wir uns direkt auf die Fahrräder und fuhren die 31 Kilometer entlang des Kanals zurück, um Martins Auto zu holen. Die Strecke schafften wir in anderthalb Stunden.Zurück auf dem Boot genossen wir unser Abendessen an Deck und ließen den langen und ereignisreichen Tag anschließend ganz entspannt ausklingen.

Juli

12

Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen , sofern die Winde wehen😃frei nach Gittes Lied von 1974. Und tatsächlich: Der Wind war da, der Badesee nicht weit entfernt. Doch als Martin die kleinen Kats inspizierte, stellte er ernüchtert fest: „Da müsste man aus drei einen machen.“ So desolat war ihr Zustand.


Auf Nachfrage erfuhren er, dass die kleinen Boote schon länger dort stehen und nicht mehr vermietet werden. Martin versuchte sein Glück noch an anderer Stelle, doch dort handelte es sich um den Segelclub Saarbrücken – und der vermietet seine Boote nicht. Wirklich schade, denn Martin hatte sich schon darauf gefreut, bei diesem Wind über den See zu rauschen.


Also machten wir einfach das Beste daraus. Wir suchten uns ein schönes Plätzchen im Schatten und ich ging sogar ins Wasser , eine herrlich erfrischende Abkühlung bei den sommerlichen Temperaturen.
Gegen vier Uhr kehrten wir zurück aufs Boot. Dort gab es erst einmal Kaffee und Kuchen, eine Abkühlung per Schlauch und anschließend eine entspannte Siesta an Deck. Es war einfach herrlich , der Wind machte die Hitze viel angenehmer und sorgte für eine wunderbare Atmosphäre.


Am Abend begnügte sich Martin dann mit einem leckeren Eis mit frischen Früchten. Bei diesen Temperaturen genau das Richtige und der perfekte Abschluss für einen schönen Sommertag.

Juli

13

Heutewird es wieder eine lange Etappe von 21 Kilometern, daher wollten wir bereits um 8.00 Uhr morgens ablegen. Die Betonung liegt allerdings auf „wollten“.
Schon an der ersten Schleuse direkt hinter der Marina erwartete uns eine Überraschung: Die Ampel war ausgeschaltet. Martin rief kurzerhand bei VNF an und erfuhr, dass die Schleusen offiziell erst ab neun Uhr geöffnet werden. Also hieß es zunächst warten. Die Zeit vertrieben wir uns mit einer netten Unterhaltung mit einem Schweizer Bootsfahrer, der sich ebenfalls über die dunkle Ampel wunderte.
Doch VNF zeigte sich einmal mehr von seiner freundlichen und hilfsbereiten Seite und öffnete die Schleuse bereits um halb neun. Das war dann die erste von insgesamt sieben Schleusen, die uns auf dem Weg bergab Richtung Sarralbe erwarteten.


Der Schiffsverkehr war praktisch nicht vorhanden , lediglich zwei Mietboote begegneten uns auf der gesamten Strecke. Die anhaltende Hitze und Trockenheit setzen der Landschaft inzwischen deutlich zu. Wiesen und Felder färben sich langsam braun, und nur vereinzelt sieht man Störche im ausgedörrten Gras nach Nahrung suchen. Ein kleines Hindernis gab es dennoch: Mitten im Kanal lag ein Baumstamm quer über dem Wasserweg.


Kurz nach drei Uhr machten wir an der langen Kaimauer in Sarralbe fest. Nach einer gemütlichen Kaffeepause schwangen wir uns auf die Fahrräder und machten uns auf den Rückweg nach Mittersheim, wo Martins Auto stand.


Unterwegs wollten wir unbedingt noch einen Abstecher nach Harskirchen zur Moulin Roeser machen. Vor einiger Zeit hatten wir einen Fernsehbericht über die Mühle gesehen. Bereits im vergangenen Jahr waren wir hier gewesen, damals allerdings ohne Erfolg , die Mühle war geschlossen und eine Besichtigung nicht möglich.
Heute hatten wir mehr Glück: Der 71-jährige Besitzer persönlich führte uns durch die gesamte Mühle , bis hinauf unters Dach in den vierten Stock. Martins Augen leuchteten, denn die Maschinen dort sind allesamt über 100 Jahre alt. Herr Roeser erklärte uns geduldig die einzelnen Arbeitsabläufe und Maschinen. Man spürt sofort, wie viel Arbeit, Leidenschaft und Herzblut in diesem Familienbetrieb steckt. Rund 350 Tonnen Weizen werden hier jedes Jahr zu Mehl verarbeitet.


Ich erzählte ihm schließlich, dass Martins Boot ebenfalls über 100 Jahre alt ist und immerhin 100 Tonnen wiegt. Das konnte er kaum glauben. Wir verabschiedeten uns mit dem Versprechen, bei unserer Rückfahrt gerne noch einmal vorbeizukommen – am besten an einem Freitag, denn dann soll es dort die besten Flammkuchen der ganzen Region geben.


In den kleinen Dörfern entlang unseres Weges liefen bereits die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag am nächsten Tag. Die Hauptattraktionen sind traditionell die Feuerwerke am Vorabend. Fast jedes Dorf veranstaltet sein eigenes großes Feuerwerk.
Auch auf den Radwegen entlang des Kanals waren wir beinahe allein unterwegs.


Als wir schließlich wieder in Mittersheim ankamen, lag auf unserem Platz von den letzten beiden Tagen die „Tradition“, ebenfalls ein ehemaliges Frachtschiff, das zu einem Wohnschiff umgebaut wurde und über das bereits im Fernsehen berichtet worden war. Der Besitzer schaute aus dem Fenster, Martin kam mit ihm ins Gespräch und schon fachsimpelten die beiden über alte Schiffe und vergangene Zeiten.


Vielleicht treffen wir ihn ja noch einmal wieder.
Am späten Abend machten wir uns auf den Weg in die Stadt zum Festplatz. Dort herrschte eine ausgelassene Stimmung. Musik, Essen und Getränke sowie zahlreiche Stände und Attraktionen für Kinder sorgten dafür, dass scheinbar die ganze Stadt auf den Beinen war. Kurz vor elf Uhr kehrten wir aufs Boot zurück und hatten dort einen echten Logenplatz. Das Feuerwerk wurde direkt vor uns in den Himmel geschossen und spiegelte sich im Wasser wieder. Ein wunderschöner Abschluss für einen erlebnisreichen Tag.

Juli

14

Um halb sechs morgens prasselten Regentropfen aufs Boot . Endlich Regen für die Natur! Leider blieb es nur bei einem kurzen Gewitter, und schon nach einer halben Stunde war der Spuk wieder vorbei. Vielleicht kennt ja jemand von euch eine gute Anleitung für einen wirkungsvollen Regentanz? Das wäre hier in der ganzen Region sehr notwendig.
Etwas später machten wir uns mit dem Auto auf den Weg Richtung Sarreguemines, wohin unsere nächste Etappe führen soll. Die Dörfer entlang der Strecke könnten unterschiedlicher kaum sein: Einige sind liebevoll gepflegt und wunderschön herausgeputzt, andere wirken dagegen eher schmucklos und verlassen und dann kam uns fast noch ein Güterzug entgegen.

In Zettingen an der Schleuse hat Martin das Auto abgestellt.
Zurück ging es anschließend mit den Fahrrädern am Wasser entlang. Auch der Kanal zeigt sich hier wieder von einer ganz anderen Seite. Viel Schilf säumt die Ufer, und auch hier sind die Folgen des Wassermangels deutlich sichtbar. Viele Radfahrer waren unterwegs – schließlich ist heute Feiertag in Frankreich.


Um elf Uhr , zurück auf dem Boot ,hieß es dann wieder: Leinen los! Erneut waren wir ganz allein auf dem Kanal unterwegs. Links und rechts leuchteten die frisch abgeernteten Felder in der Sonne, übersät mit riesigen Strohballen.

Aber auch Spuren der Geschichte begegnen einem hier immer wieder. Kleine Bunker mit Schießöffnungen rundherum erinnern an die Zeit zwischen 1932 und 1935, als sie zur Verteidigung des Herbitzheimer Staudamms errichtet wurden.


Kurz vor unserem Tagesziel lag am Ufer noch ein „Rasenmäher“ für den Kanal.

In Zettingen, kurz vor Sarreguemines, legten wir schließlich kurz nach drei an. Die Luft war drückend schwül und die Hitze kaum auszuhalten. Martin gönnte sich deshalb erst einmal eine Siesta auf dem Deck.
Am Abend machten wir noch einen Spaziergang durch das kleine Dorf Zetting, das allerdings nicht viel zu bieten hatte – mit einer Ausnahme: der Kirche mit ihrem ungewöhnlichen runden Glockenturm, wie man ihn nur im Saarland oder in Irland findet.


Kaum waren wir wieder zurück auf dem Boot, begann es erneut zu regnen. Doch auch dieses Gewitter war nur von kurzer Dauer und brachte leider nicht die erhoffte Abkühlung. Also blieb uns nichts anderes übrig, als den Ventilator laufen zu lassen.
Den Abend ließen wir wieder gemütlich ausklingen.

Juli

15

Der Regen gestern Abend im Saartal tat richtig gut, doch am Morgen war die Schwüle bereits zurück. Nach einem kleinen Frühstück brachten wir zunächst das Auto nach Sarreguemines. Am Yachtclub war allerdings noch niemand anzutreffen – dort sollte erst am Nachmittag Betrieb sein. Martin schaute sich den Schwimmsteg an und stellte fest, dass eigentlich nur ein einziger Liegeplatz zur Verfügung stand. Auf dem Rückweg mit dem Fahrrad entdeckte er jedoch noch zwei weitere Stellen, an denen wir eventuell anlegen können.
Anschließend radelten wir zurück zur Vlinder. Unterwegs knackte auch ich mit meinem E-Bike die Marke von 3000 Kilometern . Währenddessen beobachtete Martin noch einen Lastkahn in der Schleuse, bevor wir unsere Fahrt fortsetzten.


Gegen halb zwölf machten wir uns schließlich ganz gemütlich auf den Weg Richtung Sarreguemines. Nur vier Schleusen bergab lagen vor uns. Vorbei ging es an eher trostlosen Wohnsiedlungen direkt am Wasser, in denen einige Häuser zum Verkauf standen. Auch direkt vor der letzten Schleuse stand ein halb verfallener Gebäudekomplex, das war früher eine Mühle, die Mühle Bloch.


Nach rund drei Stunden erreichten wir den Stadthafen von Sarreguemines und legten dort an. Die Anlage wirkte allerdings etwas vernachlässigt. Ein netter, wenn auch ziemlich verpeilter Anlieger gab uns immerhin den Code für das Tor, damit wir später wieder auf den Schwimmsteg und zurück zum Boot gelangen konnten.
Und hier liegt auch immer noch das „Kreuzfahrtschiff“ Princess of the Sea.


Im Bürgeramt wollte Martin anschließend den Liegeplatz bezahlen, doch dort erklärte ihm die freundliche Mitarbeiterin, dass dieser Platz bereits belegt sei. Das dazugehörige Boot lag allerdings im Yachthafen – alles etwas verwirrend und kompliziert. Also fuhren wir weiter zur Capitainerie, wo der Hafenmeister schließlich meinte, wir sollten besser noch einmal umparken.Inzwischen wurde der Himmel immer dunkler und lautes Donnergrollen war zu hören. Ausgerechnet während dieser halben Stunde, in der wir den Liegeplatz wechselten, öffnete der Himmel seine Schleusen. Martin konnte zeitweise kaum noch etwas sehen. Doch wir schafften es gut bis in den Hafen, und kaum waren wir festgemacht, war das Unwetter auch schon vorbei. Plötzlich strahlte die Sonne wieder vom blauen Himmel, als wäre nichts gewesen.


Am Abend machten wir uns noch auf den Weg zum Leclerc. Dort konnten wir wieder einmal bei „Too Good To Go“ zuschlagen und brachten schließlich drei prall gefüllte Tüten mit zurück an Bord , das Abendessen war gesichert.

Juli

16

Vlinder liegt in der kleinen Marina „Port du Casino“ mit dem Club Nautique in Sarreguemines an einem Schwimmsteg
und macht bis zum Montag, den 20. Juli eine kleine Pause.

Dann gehts weiter auf der Saar, vorbei an Saarbrücken, Völklingen und der Saarschleife zunächst bis Trier
und von dort weiter bis zur Marina Schwebsange in Luxemburg.

Fortsetzungen folgen….

Juli

20

Nach einem tollen, wenn auch viel zu kurzen Wochenende auf dem Bergfest in Aspach mit vielen lieben Freunden bin ich gestern Abend wieder nach Sarreguemines auf die Vlinder zurückgekehrt.

Derweil gaben sich die Reiher ein Stelldichein am Kanal.


Am Morgen machten wir uns dann auf den Weg Richtung Saarbrücken. Martin war bereits am Samstag mit dem Fahrrad dort gewesen und hatte sich nach einem geeigneten Liegeplatz umgesehen. Im kleinen Hafen war leider kein Platz, aber am Stadtpark war noch alles frei.
Vom Saarkohlekanal fuhren wir direkt auf die Saar. Kurz vor der deutsch-französischen Grenze passierten wir das stillgelegte Kohlekraftwerk Großbliederstroff. Der riesige, markante Schornstein ist schon von Weitem zu sehen und erinnert an die industrielle Vergangenheit der Region. Nach der dritten Schleuse waren wir wieder in Deutschland. Hier begegneten uns auch deutlich mehr Freizeitboote.


Je näher wir Saarbrücken kamen, desto mehr wich die ländliche Idylle den ersten urbanen Ausläufern. Auffällig waren vor allem die unzähligen Graffitis. Graffiti gehört zu den sichtbarsten und sicher auch meistdiskutierten Ausdrucksformen der Jugendkultur. Während es in vielen Städten vor allem als Sachbeschädigung gilt, stellt Saarbrücken bewusst legale Flächen für diese Kunstform zur Verfügung. Besonders bekannt ist die 4560 Graffiti Hall of Fame, eine riesige Mauer gegenüber dem Stadtpark Staden, auf der Künstler beeindruckende Werke gestalten. Natürlich werden illegale Graffitis dennoch konsequent geahndet.


Martins Zeitplan ging wieder einmal perfekt auf: Pünktlich zum Nachmittagskaffee mit leckerem Zwetschgenkuchen legten wir bei strahlendem Sonnenschein am Stadtpark an. Der Liegeplatz ist zwar schön gelegen, allerdings verläuft direkt gegenüber die Stadtautobahn , entsprechend laut ist es dort.


Kurz nach dem Festmachen schwangen wir uns wieder auf die Fahrräder und fuhren zurück nach Sarreguemines, um das Auto zu holen. Bei dem herrlichen Wetter waren die Wege entlang des Wassers voller Spaziergänger, Radfahrer und Menschen, die den Sommertag genossen. Als wir später wieder aufs Boot zurückkamen, saßen noch immer viele Besucher im Park genossen den Feierabend.
Unser Abendessen hatten wir nicht auf Deck, der Verkehrslärm war einfach zu laut. Den Tag ließen wir schließlich ganz gemütlich mit einer französischen Komödie ausklingen.

Juli

21

Da heute über 30 Kilometer vor uns lagen, machten wir uns schon früh am Morgen auf den Weg. Martin konnte bei dem Autobahnlärm eh nicht mehr schlafen, also ging es zeitig los. So idyllisch wie auf den französischen Kanälen ist die Strecke inzwischen nicht mehr. Die Fahrt durch Saarbrücken mit der schönen Uferpromenade und den vielen Geschäften hat zwar ihren Reiz, trotzdem waren wir froh, als wir die Stadt hinter uns lassen konnten.

Vor der ersten Schleuse mussten wir zunächst festmachen. Die Schleusenkammer ist mit ihren 190 Metern Länge wirklich beeindruckend. Hier sind schließlich auch die großen Binnenfrachter der Berufsschifffahrt unterwegs. Praktisch ist, dass die Schleuse für kleinere Schiffe und Freizeitboote geteilt werden kann. So muss nicht jedes Mal die gesamte Kammer gefüllt werden, was eine Menge Wasser spart.

Das Wetter meinte es gut mit uns. Ein frischer Wind sorgte für angenehme Temperaturen , eine willkommene Abwechslung nach der Hitze der vergangenen Wochen.Auf unserem Weg nach Dillingen kamen wir auch an Völklingen vorbei. Das UNESCO-Weltkulturerbe haben wir bereits im letzten Jahr besichtigt und fanden es sehr beeindruckend.

Auf dem Rückweg werden wir hier noch einmal vorbeikommen. Unterwegs begegneten uns die ersten großen Frachter, einige Sport- und Hausboote und sogar Stand-up-Paddler. Die Saar ist halt doch stärker befahren ist als die ruhigen Kanäle in Frankreich.

An einer langen Spundwand machten wir schließlich fest. Kurz darauf legte die Dymel , ein 100 Meter langer , französischer Frachter, direkt hinter uns an. Besonders spannend war es zu beobachten, wie die Besatzung mit dem bordeigenen Kran ihr Auto vom Schiff hob. Das sieht man schließlich auch nicht alle Tage. Doch lange konnten wir nicht zuschauen, denn unsere nächste Etappe wartete bereits.

Mit den Fahrrädern machten wir uns auf den Weg , schließlich mussten wir die 30 Kilometer wieder mit den Rädern zurück zum Auto. Wir fuhren die Strecke entlang des Kanals Richtung Saarbrücken. Dabei passierten wir riesige Fernwärmerohre, und die gewaltigen Stahlwerke waren fast durchgehend in Sicht.

Nach etwa eineinhalb Stunden erreichten wir Saarbrücken. Dort gönnten wir uns an der Promenade erst einmal einen leckeren Eisbecher, bevor wir mit dem Auto zurück zu unserer Anlegestelle fuhren. Heute haben wir den Tag ganz geruhsam ausklingen lassen .

Juli

22

Der Tag begann wieder einigermaßen früh, für die nächsten 20 Kilometer bis Besseringen hieß es erneut zeitig: Leinen los!


Das Frühstück gab’s ganz entspannt während der Fahrt, und unterwegs hab ich noch einen frischen Johannisbeerkuchen gebacken.
Die einzige Schleuse auf unserer heutigen Etappe hatte zwei nebeneinanderliegende Kammern. Gerade als wir einfuhren, kam aus der großen Kammer ein beeindruckender, 170 Meter langer Frachter. Daneben wirkte die Vlinder fast wie ein kleines Spielzeugboot, wobei sie im Vergleich zu den kleinen Fischerbooten hier wiederum richtig groß aussieht. Perspektive ist eben alles.


Die Landschaft war ziemlich grün. Dichte Wälder säumten das Ufer. In Besseringen machten wir schließlich wieder an einer langen Spundwand fest , direkt hinter einem kleinen Anglerboot.


Von dort aus schwangen wir uns auf unsere Fahrräder und radelten zurück zum Auto. Der Weg führte vorbei an Merzig, kleinen Bootsverleihern und immer entlang des SaarRadwegs. Bei herrlichem Sommerwetter waren unzählige Radfahrer unterwegs.

Das Auto brachten wir gleich weiter nach Mettlach. Die Stadt ist vor allem für ihre vielen Outlets bekannt , allen voran Villeroy & Boch. Zum Bummeln blieb diesmal allerdings keine Zeit, denn der Skipper wollte zurück aufs Boot und Kaffee trinken.
Also ging es gemütlich mit dem Fahrrad rund um die Saarschleife zurück zur Vlinder. Morgen werden wir das dann vom Wasser aus erleben.
An Bord wartete schließlich der frisch gebackene Johannisbeerkuchen auf uns, den wir ganz entspannt an Deck genossen. Während Martin anschließend noch etwas Büroarbeit erledigte, machte ich es mir draußen mit einem Buch gemütlich. Währenddessen legte hinter uns die Dymel an, der große Frachter, der schon gestern in Dillingen hinter uns gelegen ist.

Juli

23

Manchmal ist die beste Idee, einfach einmal nichts zu tun. Martin hatte heute genau so einen Einfall, ein Ruhetag im Thermalbad Merzig.
Nach dem Frühstück schwangen wir uns auf die Räder. Die sechs Kilometer bis zum Bad wären eigentlich schnell geschafft gewesen , wenn Martin nicht wieder eine seiner „Abkürzungen“ gefunden hätte. Also ging es über Stock und Stein, quer durch die Prärie. Zum Glück war alles trocken.


Eine gute halbe Stunde später erreichten wir das Thermalbad Merzig. Klein, aber fein, liebevoll angelegt und mit angenehm warmem Wasser , genau das Richtige, um die Seele baumeln zu lassen.
So verbrachten wir einen entspannten Tag, ließen die Wärme auf uns wirken und genossen einfach die kleine Auszeit vom Alltag auf dem Wasser.


Gegen 17 Uhr machten wir uns auf den Rückweg. Diesmal ganz entspannt auf dem direkten Weg entlang des Wassers , ein schöner Abschluss für einen rundum gelungenen Wohlfühltag.

Und dann haben wir noch ein kleines Meisennest direkt am Anleger zwischen den Festmacherpollern an den Dalben entdeckt.

Juli

24

Kurz nach acht Uhr morgens legten wir ab und machten uns auf den Weg nach Saarburg. Über der Saar lag noch ein leichter Nebelschleier, der dem Fluss eine fast schon herbstliche Stimmung verlieh. Die Luft war frisch, der Himmel strahlend blau ,ein wunderschöner Start in den Tag.
Ganz gemütlich fuhren wir durch die Saarschleife. Der Blick hinauf zum Baumwipfelpfad war bei diesem klaren Wetter besonders beeindruckend.


Die heutige Etappe war knapp 30 Kilometer lang und führte uns durch zwei große Schleusen. Zuerst passierten wir die Staustufe Mettlach mit ihrer imposanten Fallhöhe von 11 Metern. Sie ist ein bedeutendes Bauwerk der Saarschifffahrt und verfügt über eine Großschleuse für die Berufsschifffahrt sowie eine kleinere Schleuse für Sportboote.

Wenig später erreichten wir die Staustufe Serrig, Deutschlands größte Flussstaustufe mit 14,5 m Fallhöhe, an einem natürlichen Flusslauf. Als wir rausfuhren, warteten bereits sieben Boote auf die Schleusung , vermutlich alle auf Wochenendausflug.


Gegen 13 Uhr liefen wir schließlich in Saarburg ein. Unser tägliches Fahrradprogramm durfte natürlich auch heute nicht fehlen. Da wir das Auto bereits nach Mettlach gebracht hatten, radelten wir zunächst rund 25 Kilometer am Fluss entlang zurück, holten das Auto und fuhren anschließend wieder nach Saarburg zum Boot. Unterwegs erledigten wir noch einen Einkauf.


Als wir zurückkamen, hatte hinter der VLINDER ein weiteres Boot festgemacht. Sein Aufbau ähnelte unserem erstaunlich. Wenig später kamen die Besitzer vorbei. Sie stammen aus Kalifornien und wir kamen sofort ins Gespräch. Wie schön, dass man auf dem Wasser so unkompliziert Menschen aus aller Welt kennenlernt.


Am Abend radelten Martin und ich noch in die Altstadt. Direkt am Wasserfall kehrten wir in die Zunftstube ein und gönnten uns einen leckeren Flammkuchen. Eine klare Empfehlung von uns: gutes Essen, schneller Service und eine ausgesprochen freundliche Bedienung. Zum Abschluss durfte natürlich noch ein Eis für Martin nicht fehlen.


Doch das eigentliche Highlight des Tages wartete erst auf dem Rückweg. Direkt hinter unserem Boot kämpfte ein Angler mit einem großen Fisch. Nach einiger Zeit tauchte der Grund auf: ein Wels von etwa 1,20 Metern Länge! Gemeinsam mit Martin gelang es ihm schließlich, den Fisch aus dem Wasser zu holen. Da der Angler eigentlich lieber einen Zander mit nach Hause nehmen wollte, entfernte er vorsichtig den Haken und setzte den beeindruckenden Wels (verbotenerweise)wieder in die Saar zurück.


Was für ein Tag! Traumhaftes Wetter, eindrucksvolle Schleusen, nette Begegnungen und zum Abschluss noch ein großer Fisch. Langweilig wird es eigentlich nie.

Juli

25

Der Tag begann ganz entspannt. Martin erledigte am Morgen noch ein bisschen Büroarbeit und ich nutzte die Zeit, um einen Kuchen zu backen. Gerade als ich fertig war, klopfte es an der Tür. Amy vom Nachbarboot schaute vorbei, um Hallo zu sagen. Ganz spontan fragte ich sie, ob sie und ihr Mann Rob mit uns frühstücken möchten. Sie nahmen die Einladung gerne an.
Also wurde schnell der Tisch an Deck gedeckt und schon saßen wir gemeinsam bei einem leckeren Frühstück in der Morgensonne. Unsere amerikanischen Nachbarn sind , genau wie Martin , begeisterte Segler, sodass der Gesprächsstoff natürlich nie ausging. Und noch bevor das Frühstück zu Ende war, hatten wir bereits eine Gegeneinladung zum Abendessen. Außerdem erwarteten Amy und Rob noch Besuch: Bruce aus Australien, dessen Boot in Südfrankreich liegt.


Nach dem gemütlichen Frühstück arbeitete Martin weiter im „Office“, während ich mir einen richtig entspannten Nachmittag gönnte und mein spannendes Buch zu Ende las.
Am frühen Abend bereitete ich noch ein paar Antipasti vor, bevor wir zur Vivante hinübergingen. Auch sie ist ein wunderschönes Boot mit einer etwas anderen Innenaufteilung. Rob hatte den Grill bereits angeheizt und Amy einige leckere Appetizer vorbereitet.
Dabei erzählte sie noch einmal von ihrem nächtlichen Abenteuer: Um halb drei wurden sie von einem großen Hotelboot geweckt und mussten ihren Liegeplatz räumen. Zum Glück konnten sie längsseits an dem riesigen 110 Meter langen Hotelschiff festmachen.

Trotzdem war es fast halb vier, bis endlich wieder Ruhe einkehrte und sie schlafen konnten. In der Nacht sicher ein echter Albtraum , heute können sie zum Glück schon mit einem Schmunzeln davon erzählen.
Nach gegrillten Würstchen mit Kartoffelsalat und einer leckeren italienischen Panzanella gab es als Dessert noch meinen Mohn-Käsekuchen.
Zu unserer Freude kannten alle drei unser Lieblingskartenspiel Wizard. Martin die Runde mit großem Vorsprung … wer auch sonst? Anschließend zeigte uns Amy noch ein französisches Kartenspiel, das ebenfalls richtig viel Spaß machte.
Kurz vor elf verabschiedeten wir uns schließlich. Es war ein wunderschöner Abend mit vielen interessanten Gesprächen, gutem Essen und neuen Freunden. Jetzt hoffen wir natürlich, dass sich unsere Wege auf dem Rückweg noch einmal kreuzen.

Juli

26

Der Tag begann mit strahlend blauem Himmel und herrlichem Sonnenschein , besser hätten die Voraussetzungen für unsere Weiterfahrt kaum sein können. Bevor wir die Leinen loswarfen, verabschiedeten wir uns von unseren netten Nachbarn. Natürlich wurden noch Telefonnummern ausgetauscht und ein paar Erinnerungsfotos gemacht, bevor es für uns hieß: Kurs Luxemburg.


Schon kurz nach dem Ablegen wurden wir von drei Kanus überholt. Einer der Paddler fragte im Vorbeifahren, ob wir ebenfalls zur Schleuse wollten. Ich zeigte ihm nur einen Daumen nach oben . Dass die Kanuten tatsächlich mit uns gemeinsam geschleust werden würden, hatten wir allerdings nicht erwartet.


Kurz vor der Schleuse Kanzem funkte Martin den Schleusenmeister an. Die Antwort kam prompt: Die Kanuten seien bereits in der Schleuse und er würde noch auf uns warten. Martin entlockte das ein kleiner Fluch, denn er legt lieber an Steuerbord an. Dort hatten sich allerdings schon zwei Kanus festgemacht. Ich glaube, die Kanuten bekamen auch kurz Panik, denn wir mussten ziemlich dicht an das Kanu auf der Backbordseite heran. Bei einer Fallhöhe von 11,75 Metern ist das schließlich kein alltägliches Manöver. Aber wie so oft lief alles reibungslos und nachdem die Kanus die Schleuse verlassen hatten, konnten auch wir unsere Fahrt fortsetzen.


Der restliche Abschnitt verlief angenehm ruhig. In Konz verabschiedeten wir uns von der Saar und wechselten auf die Mosel. Eigentlich wollten wir in Wasserbillig festmachen, doch der von Martin ausgesuchte Liegeplatz war bereits belegt. Also ging es weiter nach Grevenmacher.
Dort gibt es eine lange Pier, die überwiegend für Hotelboote reserviert ist. Ein etwa 25 Meter langer Abschnitt ist jedoch für Motorboote vorgesehen – genau dort fanden wir schließlich einen Platz. Die „Rheinprinzessin“ wurde erst für Montagmorgen um sieben Uhr erwartet, sodass wir den Liegeplatz problemlos nutzen konnten.

Nach dem Anlegen folgte das inzwischen gewohnte Ritual. Fahrräder klarmachen und die rund 25 Kilometer zurück zum Auto radeln.

Die „Vivante“ hatte inzwischen ebenfalls abgelegt und war auf dem Weg nach Mettlach.
Den Tag ließen wir schließlich ganz entspannt bei einem leckeren Abendessen in einem Restaurant ausklingen.

Juli

27

Der Tag begann heute mit einem kleinen Schauspiel im Hafen. Kurz vor acht Uhr kam die Rheinprinzessin angefahren. Wir lagen mit unserem Hausboot ganz ordnungsgemäß im erlaubten 25-Meter-Bereich. Vor uns hatte jedoch ein holländisches Boot festgemacht, dessen Skipper offenbar das Hinweisschild übersehen hatte: Ab sieben Uhr ist die lange Anlegestelle ausschließlich für das 110 Meter lange Flusskreuzfahrtschiff reserviert. Nach einer kurzen Diskussion musste der Holländer schließlich Platz machen. Schon beeindruckend, wenn so ein riesiges Schiff direkt vor uns fest macht.

Um neun Uhr hieß es dann auch für uns: Leinen los! Die Fahrt führte uns vorbei an den berühmten Weinbergen der Mosel. Kein Wunder, dass diese Landschaft weltweit für ihren Wein bekannt ist. Die Mosel zählt zu den ältesten Weinanbaugebieten Europas – bereits die Römer bauten hier vor rund 2.000 Jahren Wein an. Außerdem gilt sie als das älteste Anbaugebiet für den Riesling. Neun verschiedene Rebsorten werden in Luxemburg angebaut: Riesling, Pinot noir , Pinot blanc , Pinot gris , Gewürztraminer, Auxerrois, Rivaner, Elbling und Chardonnay. Darüber hinaus werden Schaumweine und Crémants hergestellt.


Mit der Talfahrt war heute Schluss. Stattdessen standen zwei Schleusen auf dem Programm, die uns jeweils rund sechs Meter bergauf brachten. Die Einfahrt in die 170 Meter langen Schleusenkammern ist schon besonders und die die Wahnsinns Technik, die bei jeder Schleusung in Gang gesetzt wird, ist jedes Mal beeindruckend. Etwa 15 Minuten dauert der ganze Prozess . Gegen halb zwei erreichten wir unser Tagesziel Bech-Kleinmacher.

Nach dem Festmachen machten wir uns wie gewohnt mit den Rädern auf den Rückweg mitten durch die Weinberge entlang an der Mosel . Dort gibt es viele Campingplätze entlang des Ufers. Manche wirken, als wären sie im Laufe der Jahre zu einem Sammelplatz für alte Wohnwagen geworden, andere hingegen sind mit viel Liebe gestaltet und echte kleine Wohlfühloasen.

Nach eineinhalb Stunden erreichten wir schließlich unser Auto und fuhren zurück zum Schiff. Dort wartete endlich die wohlverdiente Belohnung für Martin….Kaffee und Kuchen , zwar mit eineinhalb Stunden Verspätung, aber dafür schmeckte beides umso besser.

Juli

28

Heute Morgen war es noch ziemlich frisch, und Martin wollte zeitig zur Schengen Marina nach Schwebsange fahren, um nach unserem reservierten Liegeplatz zu schauen und gleich die Gelegenheit zu nutzen, die Vlinder zum Tanken anzumelden.
Da es nur ein paar Kilometer waren, fuhren wir mit dem Auto voraus. In der Capitanerie gaben wir Bescheid und radelten anschließend gemütlich zurück zum Boot. Dann hieß es auch schon: Leinen los!
Kurz vor elf Uhr erreichten wir die Marina und erfuhren dort, dass wir uns noch etwas gedulden mussten. Die Tankstelle wartete auf eine Lieferung Benzin und Diesel, doch der Tanklaster steckte irgendwo fest. Vor eins würde das wohl nichts werden.
In der Zwischenzeit füllte sich die Tankstelle immer mehr mit Booten. Wir waren eigentlich Nummer zwei in der Reihe, allerdings hatte sich zwischenzeitlich noch jemand vorgedrängelt. Aber wir ließen uns die Wartezeit nicht verderben und genossen erstmal ein ausgiebiges, spätes Frühstück an Bord.


Dann kam endlich der erlösende Moment: Der Tanklaster traf ein und die Arbeit konnte beginnen. Gegen halb drei waren wir schließlich an der Reihe. Martin meinte nur: „Gott sei Dank waren wir so früh da.“

Denn einfach war das Manöver nicht. Zuerst musste er in den Hafen hineinfahren und anschließend die 25 Meter lange Vlinder rückwärts an die Tankstelle bringen. Kein leichtes Unterfangen aber Martin blieb wie immer ganz ruhig und souverän und manövrierte sein Schiff perfekt an den Platz.
Dann begann das Tanken – allerdings in Zeitlupe. Der Diesel lief mit ungefähr 4 Minuten pro 100 Liter in die Tanks. Bei knapp 1200 Litern Bedarf bedeutete das: Warten, warten, warten. So verbrachten wir tatsächlich bis 16 Uhr unsere Zeit direkt an der Tankstelle.
Danach stand noch ein weiteres anspruchsvolles Manöver an: Rückwärts aus der Marina heraus, drehen und anschließend wieder rückwärts hinein, damit wir an unserem Liegeplatz an der Mauer anlegen konnten. Martin macht das wirklich super, aber auch für ihn sind solche Situationen jedes Mal ein Moment voller Konzentration und Spannung.


Als wir endlich festgemacht haben, gab es für den Kapitän ziemlich verspätet seinen Kaffee mit einem Stück Kuchen.
Am Abend machten wir uns auf den Weg zu einem richtig schönen Lokal direkt am Hafen. Mit Blick auf die Mosel ließen wir den ereignisreichen Tag bei einem Aperol und einem leckeren Essen gemütlich ausklingen.

Juli

30

Eigentlich hatten wir uns für Mittwoch vorgenommen, ins Freibad oder an einen Badesee zu fahren. Doch nachdem wir die Bewertungen gelesen hatten, war die Lust darauf schnell verflogen. Also blieben wir einfach an Bord und werkelten.
Martin arbeitete am PC, während ich das Boot für unsere neuen Gäste auf Vordermann brachte, die wir am Donnerstag erwarteten. Der Tag plätscherte gemütlich dahin. Langweilig wurde es trotzdem nicht, denn direkt vor unserer Nase spielte sich das beste Hafenkino ab.
Da die Vlinder unmittelbar an der Tankstelle der Marina Schwebsange liegt, gibt es ständig etwas zu beobachten. Kleine Motorboote, imposante Yachten oder rasante Jetskis , hier ist eigentlich immer etwas los. Besonders gefreut haben wir uns wieder über unsere regelmäßigen Besucher: eine Schwanenfamilie. Die schwimmt so lange schnatternd vor unserem Boot hin und her, bis wir ein Leckerchen rauswerfen.


Der Donnerstag begann drückend schwül. Am Himmel zogen Wolken auf, und wie wohl überall hofften auch hier alle auf den ersehnten Regen. Viel wurde leider nicht daraus. Es nieselte nur ein wenig, dafür fegte etwa eine halbe Stunde lang ein kräftiger Wind durch die Marina. Das Ergebnis: Vom frisch geputzten Boot war nichts mehr zu sehen . Also hieß es noch einmal: Besen, Lappen und das komplette Outdoor-Reinigungsprogramm, dafür waren die Kabinen aber schon schön hergerichtet.


Am Nachmittag war es dann endlich so weit: Martina und Norwin aus Köln kamen an Bord. Nach der herzlichen Begrüßung gab es erst einmal Kaffee und Kuchen. Die beiden waren bereits im vergangenen Jahr unsere Gäste auf der Vlinder. Martina und ich sind seitdem das ganze Jahr über in Kontakt geblieben, sodass das Wiedersehen besonders schön war. Natürlich gab es jede Menge zu erzählen, bevor die beiden ihre Kabine bezogen und sich in Ruhe einrichteten.


Eine schöne Überraschung hatten sie ebenfalls im Gepäck: ein neues Spiel für uns. Im letzten Jahr haben wir sie mit dem Wizard-Fieber angesteckt . Inzwischen gehört das Spiel bei ihnen zu Hause regelmäßig auf den Tisch, wenn die Familie zusammenkommt. Wir sind gespannt, ob wir in den nächsten Tagen wieder die eine oder andere Runde spielen werden. Zeit dafür haben wir auf jeden Fall.
Den Abend ließen wir gemeinsam im Marinarestaurant ausklingen. Mit einem schönen Platz direkt am Hafen und Blick auf die Vlinder . Der Service war ,genau wie bei unserem letzten Besuch ,ausgesprochen freundlich, und auch auf das Essen mussten wir nicht lange warten. Ein rundum gelungener Abschluss eines schönen Tages.

Juli

31

Heute stand ich zum ersten Mal vor einem Baguette-Automaten. Weit und breit war kein Bäcker zu finden, also probierte ich das einfach mal aus. 1,20 € eingeworfen und tatsächlich kam sofort ein frisches, knuspriges Baguette heraus. Super unkompliziert und irgendwie typisch Frankreich beziehungsweise Luxemburg
Der letzte Tag im Juli begann dann mit einem gemütlichen Frühstück zu viert an Deck in der Schengen Marina. Martin füllte noch unseren Wassertank auf, bevor wir ebenfalls ablegten und Kurs auf Ehnen nahmen.


Kurz darauf funkte Martin die Schleuse Palzem an. Dort bekamen wir die Auskunft, dass sich noch ein Sportboot in der Schleuse befinde – es war die Diogene. Ihr Kapitän musste deshalb noch einen Moment auf uns warten. Der Schleusenvorgang selbst ging recht schnell, denn heute überwanden wir nur vier Meter Höhenunterschied bergab.


Nach der Schleuse übernahm Norwin ganz souverän das Steuer. Das kannte er schließlich schon von unserer gemeinsamen Tour im vergangenen Jahr. Martina machte es sich derweil gemütlich auf dem Sonnendeck und genoss den herrlichen Blick auf die steilen Weinberge, die sich rechts und links der Mosel entlangzogen.

Auf dem Wasser hatten einige Leute Wasserski Unterricht.
Unsere heutige Etappe war mit rund 18 Kilometern angenehm kurz. Gegen 13:30 Uhr legten wir am langen Anleger in Ehnen an. Die Diogene lag auch schon da. Der Skipper ist ganz alleine unterwegs, hat er mir erzählt.

Martin und Norwin schnappten sich sofort die Fahrräder und fuhren zurück nach Schwebsange, um die Autos zu holen – schließlich wollten sie pünktlich um drei Uhr wieder zum Nachmittagskaffee zurück sein.


Martina suchte in der Zwischenzeit nach Weingütern und telefonierte wegen einer Weinprobe. Leider waren wir für spontane Besuche etwas zu spät dran, sodass es heute nicht mehr klappte. Ich machte mich stattdessen zu Fuß auf den Weg ins Nachbardorf Wormeldange. Dort entdeckte ich einen kleinen Laden, in dem ich noch Tomaten und Paprika für mein Ratatouille kaufte. Außerdem gab es dort frische Brötchen . Ein guter Grund, morgen früh noch einmal den kleinen Spaziergang dorthin zu machen.
Am späten Nachmittag erkundeten wir gemeinsam Ehnen. Das kleine Winzerdorf gehört zu den schönsten und am besten erhaltenen Orten Luxemburgs. Besonders beeindruckt hat uns die außergewöhnliche Rundkirche aus dem Jahr 1826 mit ihrem deutlich älteren mittelalterlichen Wehrturm. Die schmalen Gassen, die liebevoll restaurierten Winzerhäuser, die Torbögen und versteckten Innenhöfe verleihen dem Ort einen ganz besonderen Charme. Beim Spaziergang fühlt man sich tatsächlich ein wenig ins Mittelalter zurückversetzt. Viele der Häuser stammen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Was diese alten Mauern wohl alles erzählen könnten? Und von oben hat man einen tollen Blick auf die Mosel.


Im ehemaligen Wäinhaus befindet sich das Weinmuseum, das die Geschichte des Weinbaus an der Mosel erzählt. Derzeit wird das Gebäude umfassend modernisiert und soll künftig als Erlebniszentrum rund um den Wein und die Mosellandschaft Besucher begeistern.


Nach dem Abendessen wurde es noch einmal richtig unterhaltsam. Gemeinsam spielten wir eine lustige Runde Wizard und anschließend noch Hitster , natürlich in der „Guilty Pleasure“-Version. Es wurde viel gelacht und geraten. So ging wieder ein schöner Tag zu Ende.

Aug.

1

Frühsport am Morgen tut gut. Aber ich bin nicht gelaufen, sondern bin mit dem kleinen Klappradl nach Wormeldange gefahren und hab dort frische Brötchen und Croissants geholt. Zurück an Bord bereitete ich das Frühstück vor und hab angefangen, einen Kuchen mit den selbstgepflückten Brombeeren zu machen. Dann ging mir der Zucker aus und ich musste nochmal zurück in den kleinen Laden. Unserem Nachbarn von der Diogene hab ich auch eine Bäckertüte vor die Türe gehängt, wofür er sich ganz nett bedankte.
Inzwischen waren alle an Bord wach, und wir konnten gemeinsam auf dem Sonnendeck frühstücken. Es war herrlich angenehm. Nach den heißen Tagen der vergangenen Woche fühlte sich die kühlere Morgenluft richtig gut an.
Eigentlich wollten wir erst am Nachmittag ablegen. Doch Martin entschied sich für eine Planänderung, so dass wir besser früher losfahren sollten. Die Liegeplätze sind in dieser Jahreszeit sehr knapp. Nachdem er die Vlinder gedreht hatte, übernahm Norwin wieder das Steuer. Konzentriert und mit Martins Unterstützung steuerte er das Schiff die Mosel entlang.


Links und rechts waren endlose Weinberge und idyllische kleine Weindörfer . Man merkte sofort, dass Wochenende war. Auf dem Wasser herrschte deutlich mehr Betrieb als an den Tagen zuvor. Große Frachtschiffe, Motorboote, Jetskis und Sportboote waren unterwegs. Fast jeder winkte freundlich herüber und genoss den sonnigen Sommertag. Martina und ich saßen entspannt auf dem Deck.

Die heutige Etappe war nicht besonders lang. Kurz vor der einzigen Schleuse des Tages, die uns sechs Meter bergab brachte, rief Martin plötzlich: „Die Steilvol liegt in Grevenmacher!“ Sofort wurden Erinnerungen wach. Genau dort hatten wir im vergangenen Jahr Jim und Jahin kennengelernt – ein amerikanisches Paar, das seit 2019 gemeinsam mit seinen beiden Hunden Milli und Guiness auf einem großen Hausboot in Europa lebt.
An der langen Pier lag außerdem die Leonardo da Vinci, ein beeindruckendes Flusskreuzfahrtschiff mit 105 Metern Länge und Platz für bis zu 144 Passagiere.
Als wir auf Höhe der Steilvol ankamen,hupte Martin kräftig. Keine Minute später standen Jim und Jahin schon an Deck und winkten uns zu. Jim fragte sofort, ob wir wieder längsseits bei ihnen festmachen wollten. Martin drehte die Vlinder und wenig später lagen wir Steuerbord an der Steilvol. Zur Begrüßung kamen alle , inklusive Guiness und Millie an Deck.


Wir luden die beiden spontan auf Kaffee und frisch gebackenen Brombeerkuchen ein. Es wurde ein fröhliches Wiedersehen mit vielen lustigen Geschichten über das, was im vergangenen Jahr auf und rund um die Boote passiert war. Auch Martina und Norwin hörten begeistert zu und waren gleich in die Gespräche involviert. Für den Abend verabredeten wir uns noch auf ein Glas Wein.


Da wir die E-Bikes nicht über beide Boote heben konnten, fuhr Martin mit dem Klapprad alleine nach Ehnen, um sein Auto zu holen. Währenddessen nutzten Martina, Norwin und ich die Gelegenheit und besuchten den Schmetterlingsgarten in Grevenmacher. In der letzten Öffnungsstunde war zwar noch einiges los, doch nach und nach leerte sich das Gewächshaus. Die letzten fünfzehn Minuten hatten wir die tropische Welt fast für uns allein , umgeben von farbenprächtigen Schmetterlingen, exotischen Vögeln, Fischen und den erstaunlich großen, ständig hungrigen Raupen.


Als wir zurückkamen, war Martin bereits wieder da und brachte Norwin noch nach Ehnen, damit auch dessen Auto nach Grevenmacher kam.
Nach dem Abendessen kamen Jim, Jahin und Guiness wie versprochen zu uns an Bord. Bei einem Glas Wein saßen wir lange zusammen, hatten immer noch viel zu erzählen und lachten viel . Jim ließ Guiness ein paar lustige Kunststücke vorführen. Erst gegen halb zehn wurde es spürbar frisch, sodass sich unsere Gäste verabschiedeten. Schade, dass wir nicht länger Zeit haben.


Für uns war der Tag damit aber noch nicht ganz vorbei. Martina, Norwin, Martin und ich verzogen uns in den Salon und spielten zum Abschluss noch eine gemütliche Runde Wizard , die heute Norwin für sich entscheiden konnte. Ein schöner Ausklang eines rundum gelungenen Tages auf der Mosel.

Aug.

2

Der Sonntag begann perfekt mit einem üppigen Frühstück an Deck bei strahlend blauem Himmel. Während wir gemütlich unseren Kaffee genossen, zog die Avalon, ein beeindruckendes Kreuzfahrtschiff aus der Schweiz, an uns vorbei. Sofort entstand eine angeregte Diskussion. Norwin, Martina und ich waren überzeugt, dass sie größer war als die Leonardo da Vinci, die mit ihren 105 Metern direkt vor uns lag. Martin war da ganz anderer Meinung: „Niemals!“ Zum Glück gibt es Google. Und siehe da – die Avalon ist tatsächlich fünf Meter länger. Damit war klar: Wir hatten Recht! Das sorgte natürlich für einige Lacher am Frühstückstisch.
Nach einem herzlichen Abschied von unseren netten Nachbarn von der MS Steilvol legten wir ab. Martin drehte die Vlinder, und wir machten uns auf den Weg Richtung Saarburg. Zunächst übernahm Martina das Steuer, bevor sie später wieder an Norwin übergab.


Kurz darauf verließen wir die Mosel und bogen in die Saar ein. Sofort veränderte sich die Landschaft. Die endlosen Weinberge wichen dichten Wäldern links und rechts vom Ufer. Auf dem Saar-Radweg herrschte reger Betrieb mit vielen Radlern.
Natürlich durfte auch der Wechsel der Gastlandflagge nicht fehlen. Die luxemburgische Flagge verschwand wieder ordentlich in der Schublade, während die deutsche Gastlandflagge ihren Platz auf der Steuerbordseite einnahm.


Vor der Schleuse Kanzem holte uns die Diogene wieder ein. Leider war die Schleuse nicht groß genug für beide Schiffe, sodass die Diogene auf ihre Einfahrt warten musste. Ganze zwölf Meter ging es für uns nach oben. Martina war am Bug im Einsatz und hängte die Leinen immer wieder um, während Norwin Martin am Heck unterstützte.

Kurz vor zwei Uhr erreichten wir den noch völlig leeren Anleger in Saarburg. Für Martin und Norwin war der Tag allerdings noch nicht vorbei. Sie schwangen sich direkt auf ihre Fahrräder und radelten die 21 Kilometer zurück nach Grevenmacher, um die beiden Autos zu holen. Martina und ich machten es uns derweil an Bord gemütlich, genossen die Ruhe und beobachteten den wenigen Bootsverkehr.


Gegen halb vier kehrten die beiden Radfahrer zurück – genau rechtzeitig zum Nachmittagskaffee, nachdem sie bei Wasserbillig die Mosel per Fähre überquert hatten.

Dazu gab es einen frisch gebackenen Apfelschmandkuchen, den ich morgens nach dem Ablegen vorbereitet hatte.

Den restlichen Nachmittag verbrachten wir entspannt unter dem Sonnendach an Deck. Ein leichter Wind machte die hochsommerlichen Temperaturen angenehm erträglich. Am Abend wollten wir noch gemütlich in Saarburg essen gehen.
Doch kurz vor 18 Uhr wurde es am bislang leeren Anleger noch einmal spannend. Ein 110 Meter langer Frachter schob sich langsam auf unseren Liegeplatz zu. Martina sagte noch zu Norwin: „Überleg dir schon mal, wo du dich festhalten willst.“ Je näher das Schiff kam, desto größer wirkte es. Erst kurz vor unserem Heck kam der Frachter schließlich zum Stehen. Das war schon ein beeindruckendes und zugegeben auch ein wenig aufregendes Manöver. Zum Glück ging alles gut.


Wir waren gerade fertig um in die Stadt zu gehen, da kam plötzlich die Leonardo da Vinci angefahren. Die wollten bestimmt auch hier anlegen, das war aber jetzt zu knapp. Sie drehte punktgenau mit ihren 105 Metern um und fuhr direkt rückwärts 1,5 km an die Mauer vor der Stadt. Wir sind noch ein Stück mit den Rädern neben her gefahren.

Als wir unsere Räder abgestellt haben, spazierten wir durch die Stadt, bevor wir ein nettes Lokal gefunden hatten. Essen war gut, Service sehr freundlich, aber die Gelüste auf Eis danach waren größer.

In der ersten Eisdiele gab’s nur noch Eis zum Mitnehmen, das wollten wir nicht. In der zweiten Eisdiele konnten Martina, Martin und Norwin doch noch einen Eisbecher genießen. Bevor wir aufs Boot zurück radelten, kamen uns noch viele Menschen entgegen, die vom Kreuzfahrtschiff aus an einer abendlichen Stadtführung teilnahmen. Martin und ich spielten an Bord noch einige Runden Backgammon, während Martina und Norwin es sich mit einem guten Buch gemütlich machten.

Aug.

3

Ausnahmsweise begann der Tag heute deutlich früher als geplant. Punkt sechs Uhr wurden wir , zumindest alle außer Martin ,von einem tiefen Rauschen und lauten Motorengeräuschen geweckt. Der große Frachter, der gestern Abend mit viel Getöse hinter uns festgemacht hat legte genauso spektakulär , wie er kam, wieder ab.
Nach einem gemütlichen Frühstück machten sich Martina und Norwin mit den Fahrrädern auf den Weg nach
Saarburg. Ihr Ziel war das Glockengießermuseum. Das Museum Glockengießerei Mabilon in Saarburg ist ein einzigartiges, original erhaltenes Industriedenkmal. Gegründet im Jahr 1770 von Urbanus Mabilon, wurde die Gießstätte nach der Schließung Ende 2002 in ein lebendiges Museum und soziokulturelles Zentrum umgewandelt. Besucher können hier den gesamten Entstehungsprozess einer Glocke in den authentischen Werkstätten nachvollziehen. Martin und ich blieben an Bord und kümmerten uns um die Dinge, die eben auch dazugehören. Martin arbeitete am Computer, während ich drinnen und draußen haushaltstechnisch unterwegs war.


Kurz vor zwölf kamen die beiden gut gelaunt zurück. Sie erzählten begeistert von ihrem Museumsbesuch und waren beeindruckt von der interessanten Geschichte des Glockengusses. Außerdem hatten sie noch frisches Brot vom Bäcker mitgebracht
Sobald die Fahrräder wieder verstaut waren, legten wir ab. Langsam fuhren wir an Saarburg vorbei und konnten die wunderschöne Stadt noch einmal vom Wasser aus bewundern.
Bis zur Schleuse Serrig übernahm Norwin erneut das Steuer, während Martina es sich draußen unter dem Sonnendach gemütlich machte und die herrlich grüne Landschaft bewunderte.


An der Schleuse Serrig hieß es dann erst einmal warten. Ein großer Frachter und ein Schubverband sollten gemeinsam mit uns, oder besser gesagt, wir mit ihnen, geschleust werden. Zunächst war geplant, dass wir mit in die große Kammer fahren, doch am Ende reichte der Platz nicht aus. Also bereitete der Schleusenmeister für uns die kleine Kammer vor ,was natürlich wieder etwas Zeit in Anspruch nahm.
Auch in dieser Schleuse waren Martina und Norwin wieder eine große Hilfe. Durch den Höhenunterschied von rund 14 Metern mussten die Leinen mehrfach umgehängt werden. Nach über einer Stunde konnten wir endlich die Schleuse verlassen und unsere Fahrt Richtung Mettlach fortsetzen.


Etwa zwei Stunden später tauchte am Horizont schon der markante Schlot der Keramikmanufaktur auf – das Wahrzeichen der Villeroy-&-Boch-Stadt Mettlach. Zu unserer Freude war der Anleger mitten im Ort frei. Das Anlegen war dort zwar etwas knifflig, klappte aber schließlich problemlos.
Kaum waren wir fest, machten sich Martin und Norwin mit den Fahrrädern wieder auf den Weg. Wie jeden Tag fuhren sie zurück , heute 21 km, nach Saarburg, um die Autos nachzuholen. Martina und ich blieben an Bord. Es war inzwischen drückend heiß und unglaublich schwül. An einen Stadtbummel war gar nicht zu denken, deshalb verschoben wir unser geplantes Shopping auf den nächsten Morgen.


Schon den ganzen Nachmittag hörten wir es immer wieder in der Ferne donnern. Zunächst sah es so aus, als würde das Gewitter an uns vorbeiziehen, doch plötzlich öffnete der Himmel doch noch seine Schleusen. Wir blieben unter dem Sonnendach sitzen und genossen den Regen und die endlich etwas kühlere Luft. In einer trockenen Pause kamen auch Martin und Norwin wieder zurück. Schnell wurden die Fahrräder verstaut, bevor sich jeder mit einem Buch oder einfach dem Blick auf den Regen eine kleine Auszeit gönnte. Leider war der Schauer schnell wieder vorbei, aber zumindest brachte er eine kleine Abkühlung.
Währenddessen bereitete ich das Abendessen vor. Die Bolognese hatte ich bereits mittags gekocht, damit sie schön durchziehen konnte. Der Salat war schnell fertig, die Nudeln ebenso, und Norwin kümmerte sich noch um den Parmesan. Gemeinsam schmeckte das Essen gleich doppelt so gut.


Danach war wieder Spieleabend angesagt. Zuerst spielten wir eine Runde Wizard – diesmal durfte ich mich über den Sieg freuen. Anschließend weihten wir das neue Spiel ein, das Martina und Norwin mitgebracht hatten: Codenames. Wir hatten jede Menge zu lachen. Gegen elf Uhr verabschiedete sich Martina schließlich in ihre Kabine, während Norwin den Abend noch mit einem Buch draußen an der inzwischen angenehm frischen Luft ausklingen ließ.