Juli

26

Der Tag begann mit strahlend blauem Himmel und herrlichem Sonnenschein , besser hätten die Voraussetzungen für unsere Weiterfahrt kaum sein können. Bevor wir die Leinen loswarfen, verabschiedeten wir uns von unseren netten Nachbarn. Natürlich wurden noch Telefonnummern ausgetauscht und ein paar Erinnerungsfotos gemacht, bevor es für uns hieß: Kurs Luxemburg.


Schon kurz nach dem Ablegen wurden wir von drei Kanus überholt. Einer der Paddler fragte im Vorbeifahren, ob wir ebenfalls zur Schleuse wollten. Ich zeigte ihm nur einen Daumen nach oben . Dass die Kanuten tatsächlich mit uns gemeinsam geschleust werden würden, hatten wir allerdings nicht erwartet.


Kurz vor der Schleuse Kanzem funkte Martin den Schleusenmeister an. Die Antwort kam prompt: Die Kanuten seien bereits in der Schleuse und er würde noch auf uns warten. Martin entlockte das ein kleiner Fluch, denn er legt lieber an Steuerbord an. Dort hatten sich allerdings schon zwei Kanus festgemacht. Ich glaube, die Kanuten bekamen auch kurz Panik, denn wir mussten ziemlich dicht an das Kanu auf der Backbordseite heran. Bei einer Fallhöhe von 11,75 Metern ist das schließlich kein alltägliches Manöver. Aber wie so oft lief alles reibungslos und nachdem die Kanus die Schleuse verlassen hatten, konnten auch wir unsere Fahrt fortsetzen.


Der restliche Abschnitt verlief angenehm ruhig. In Konz verabschiedeten wir uns von der Saar und wechselten auf die Mosel. Eigentlich wollten wir in Wasserbillig festmachen, doch der von Martin ausgesuchte Liegeplatz war bereits belegt. Also ging es weiter nach Grevenmacher.
Dort gibt es eine lange Pier, die überwiegend für Hotelboote reserviert ist. Ein etwa 25 Meter langer Abschnitt ist jedoch für Motorboote vorgesehen – genau dort fanden wir schließlich einen Platz. Die „Rheinprinzessin“ wurde erst für Montagmorgen um sieben Uhr erwartet, sodass wir den Liegeplatz problemlos nutzen konnten.

Nach dem Anlegen folgte das inzwischen gewohnte Ritual. Fahrräder klarmachen und die rund 25 Kilometer zurück zum Auto radeln.

Die „Vivante“ hatte inzwischen ebenfalls abgelegt und war auf dem Weg nach Mettlach.
Den Tag ließen wir schließlich ganz entspannt bei einem leckeren Abendessen in einem Restaurant ausklingen.

Juli

27

Der Tag begann heute mit einem kleinen Schauspiel im Hafen. Kurz vor acht Uhr kam die Rheinprinzessin angefahren. Wir lagen mit unserem Hausboot ganz ordnungsgemäß im erlaubten 25-Meter-Bereich. Vor uns hatte jedoch ein holländisches Boot festgemacht, dessen Skipper offenbar das Hinweisschild übersehen hatte: Ab sieben Uhr ist die lange Anlegestelle ausschließlich für das 110 Meter lange Flusskreuzfahrtschiff reserviert. Nach einer kurzen Diskussion musste der Holländer schließlich Platz machen. Schon beeindruckend, wenn so ein riesiges Schiff direkt vor uns fest macht.

Um neun Uhr hieß es dann auch für uns: Leinen los! Die Fahrt führte uns vorbei an den berühmten Weinbergen der Mosel. Kein Wunder, dass diese Landschaft weltweit für ihren Wein bekannt ist. Die Mosel zählt zu den ältesten Weinanbaugebieten Europas – bereits die Römer bauten hier vor rund 2.000 Jahren Wein an. Außerdem gilt sie als das älteste Anbaugebiet für den Riesling. Neun verschiedene Rebsorten werden in Luxemburg angebaut: Riesling, Pinot noir , Pinot blanc , Pinot gris , Gewürztraminer, Auxerrois, Rivaner, Elbling und Chardonnay. Darüber hinaus werden Schaumweine und Crémants hergestellt.


Mit der Talfahrt war heute Schluss. Stattdessen standen zwei Schleusen auf dem Programm, die uns jeweils rund sechs Meter bergauf brachten. Die Einfahrt in die 170 Meter langen Schleusenkammern ist schon besonders und die die Wahnsinns Technik, die bei jeder Schleusung in Gang gesetzt wird, ist jedes Mal beeindruckend. Etwa 15 Minuten dauert der ganze Prozess . Gegen halb zwei erreichten wir unser Tagesziel Bech-Kleinmacher.

Nach dem Festmachen machten wir uns wie gewohnt mit den Rädern auf den Rückweg mitten durch die Weinberge entlang an der Mosel . Dort gibt es viele Campingplätze entlang des Ufers. Manche wirken, als wären sie im Laufe der Jahre zu einem Sammelplatz für alte Wohnwagen geworden, andere hingegen sind mit viel Liebe gestaltet und echte kleine Wohlfühloasen.

Nach eineinhalb Stunden erreichten wir schließlich unser Auto und fuhren zurück zum Schiff. Dort wartete endlich die wohlverdiente Belohnung für Martin….Kaffee und Kuchen , zwar mit eineinhalb Stunden Verspätung, aber dafür schmeckte beides umso besser.

Juli

28

Heute Morgen war es noch ziemlich frisch, und Martin wollte zeitig zur Schengen Marina nach Schwebsange fahren, um nach unserem reservierten Liegeplatz zu schauen und gleich die Gelegenheit zu nutzen, die Vlinder zum Tanken anzumelden.
Da es nur ein paar Kilometer waren, fuhren wir mit dem Auto voraus. In der Capitanerie gaben wir Bescheid und radelten anschließend gemütlich zurück zum Boot. Dann hieß es auch schon: Leinen los!
Kurz vor elf Uhr erreichten wir die Marina und erfuhren dort, dass wir uns noch etwas gedulden mussten. Die Tankstelle wartete auf eine Lieferung Benzin und Diesel, doch der Tanklaster steckte irgendwo fest. Vor eins würde das wohl nichts werden.
In der Zwischenzeit füllte sich die Tankstelle immer mehr mit Booten. Wir waren eigentlich Nummer zwei in der Reihe, allerdings hatte sich zwischenzeitlich noch jemand vorgedrängelt. Aber wir ließen uns die Wartezeit nicht verderben und genossen erstmal ein ausgiebiges, spätes Frühstück an Bord.


Dann kam endlich der erlösende Moment: Der Tanklaster traf ein und die Arbeit konnte beginnen. Gegen halb drei waren wir schließlich an der Reihe. Martin meinte nur: „Gott sei Dank waren wir so früh da.“

Denn einfach war das Manöver nicht. Zuerst musste er in den Hafen hineinfahren und anschließend die 25 Meter lange Vlinder rückwärts an die Tankstelle bringen. Kein leichtes Unterfangen aber Martin blieb wie immer ganz ruhig und souverän und manövrierte sein Schiff perfekt an den Platz.
Dann begann das Tanken – allerdings in Zeitlupe. Der Diesel lief mit ungefähr 4 Minuten pro 100 Liter in die Tanks. Bei knapp 1200 Litern Bedarf bedeutete das: Warten, warten, warten. So verbrachten wir tatsächlich bis 16 Uhr unsere Zeit direkt an der Tankstelle.
Danach stand noch ein weiteres anspruchsvolles Manöver an: Rückwärts aus der Marina heraus, drehen und anschließend wieder rückwärts hinein, damit wir an unserem Liegeplatz an der Mauer anlegen konnten. Martin macht das wirklich super, aber auch für ihn sind solche Situationen jedes Mal ein Moment voller Konzentration und Spannung.


Als wir endlich festgemacht haben, gab es für den Kapitän ziemlich verspätet seinen Kaffee mit einem Stück Kuchen.
Am Abend machten wir uns auf den Weg zu einem richtig schönen Lokal direkt am Hafen. Mit Blick auf die Mosel ließen wir den ereignisreichen Tag bei einem Aperol und einem leckeren Essen gemütlich ausklingen.

Juli

30

Eigentlich hatten wir uns für Mittwoch vorgenommen, ins Freibad oder an einen Badesee zu fahren. Doch nachdem wir die Bewertungen gelesen hatten, war die Lust darauf schnell verflogen. Also blieben wir einfach an Bord und werkelten.
Martin arbeitete am PC, während ich das Boot für unsere neuen Gäste auf Vordermann brachte, die wir am Donnerstag erwarteten. Der Tag plätscherte gemütlich dahin. Langweilig wurde es trotzdem nicht, denn direkt vor unserer Nase spielte sich das beste Hafenkino ab.
Da die Vlinder unmittelbar an der Tankstelle der Marina Schwebsange liegt, gibt es ständig etwas zu beobachten. Kleine Motorboote, imposante Yachten oder rasante Jetskis , hier ist eigentlich immer etwas los. Besonders gefreut haben wir uns wieder über unsere regelmäßigen Besucher: eine Schwanenfamilie. Die schwimmt so lange schnatternd vor unserem Boot hin und her, bis wir ein Leckerchen rauswerfen.


Der Donnerstag begann drückend schwül. Am Himmel zogen Wolken auf, und wie wohl überall hofften auch hier alle auf den ersehnten Regen. Viel wurde leider nicht daraus. Es nieselte nur ein wenig, dafür fegte etwa eine halbe Stunde lang ein kräftiger Wind durch die Marina. Das Ergebnis: Vom frisch geputzten Boot war nichts mehr zu sehen . Also hieß es noch einmal: Besen, Lappen und das komplette Outdoor-Reinigungsprogramm, dafür waren die Kabinen aber schon schön hergerichtet.


Am Nachmittag war es dann endlich so weit: Martina und Norwin aus Köln kamen an Bord. Nach der herzlichen Begrüßung gab es erst einmal Kaffee und Kuchen. Die beiden waren bereits im vergangenen Jahr unsere Gäste auf der Vlinder. Martina und ich sind seitdem das ganze Jahr über in Kontakt geblieben, sodass das Wiedersehen besonders schön war. Natürlich gab es jede Menge zu erzählen, bevor die beiden ihre Kabine bezogen und sich in Ruhe einrichteten.


Eine schöne Überraschung hatten sie ebenfalls im Gepäck: ein neues Spiel für uns. Im letzten Jahr haben wir sie mit dem Wizard-Fieber angesteckt . Inzwischen gehört das Spiel bei ihnen zu Hause regelmäßig auf den Tisch, wenn die Familie zusammenkommt. Wir sind gespannt, ob wir in den nächsten Tagen wieder die eine oder andere Runde spielen werden. Zeit dafür haben wir auf jeden Fall.
Den Abend ließen wir gemeinsam im Marinarestaurant ausklingen. Mit einem schönen Platz direkt am Hafen und Blick auf die Vlinder . Der Service war ,genau wie bei unserem letzten Besuch ,ausgesprochen freundlich, und auch auf das Essen mussten wir nicht lange warten. Ein rundum gelungener Abschluss eines schönen Tages.

Juli

31

Heute stand ich zum ersten Mal vor einem Baguette-Automaten. Weit und breit war kein Bäcker zu finden, also probierte ich das einfach mal aus. 1,20 € eingeworfen und tatsächlich kam sofort ein frisches, knuspriges Baguette heraus. Super unkompliziert und irgendwie typisch Frankreich beziehungsweise Luxemburg
Der letzte Tag im Juli begann dann mit einem gemütlichen Frühstück zu viert an Deck in der Schengen Marina. Martin füllte noch unseren Wassertank auf, bevor wir ebenfalls ablegten und Kurs auf Ehnen nahmen.


Kurz darauf funkte Martin die Schleuse Palzem an. Dort bekamen wir die Auskunft, dass sich noch ein Sportboot in der Schleuse befinde – es war die Diogene. Ihr Kapitän musste deshalb noch einen Moment auf uns warten. Der Schleusenvorgang selbst ging recht schnell, denn heute überwanden wir nur vier Meter Höhenunterschied bergab.


Nach der Schleuse übernahm Norwin ganz souverän das Steuer. Das kannte er schließlich schon von unserer gemeinsamen Tour im vergangenen Jahr. Martina machte es sich derweil gemütlich auf dem Sonnendeck und genoss den herrlichen Blick auf die steilen Weinberge, die sich rechts und links der Mosel entlangzogen.

Auf dem Wasser hatten einige Leute Wasserski Unterricht.
Unsere heutige Etappe war mit rund 18 Kilometern angenehm kurz. Gegen 13:30 Uhr legten wir am langen Anleger in Ehnen an. Die Diogene lag auch schon da. Der Skipper ist ganz alleine unterwegs, hat er mir erzählt.

Martin und Norwin schnappten sich sofort die Fahrräder und fuhren zurück nach Schwebsange, um die Autos zu holen – schließlich wollten sie pünktlich um drei Uhr wieder zum Nachmittagskaffee zurück sein.


Martina suchte in der Zwischenzeit nach Weingütern und telefonierte wegen einer Weinprobe. Leider waren wir für spontane Besuche etwas zu spät dran, sodass es heute nicht mehr klappte. Ich machte mich stattdessen zu Fuß auf den Weg ins Nachbardorf Wormeldange. Dort entdeckte ich einen kleinen Laden, in dem ich noch Tomaten und Paprika für mein Ratatouille kaufte. Außerdem gab es dort frische Brötchen . Ein guter Grund, morgen früh noch einmal den kleinen Spaziergang dorthin zu machen.
Am späten Nachmittag erkundeten wir gemeinsam Ehnen. Das kleine Winzerdorf gehört zu den schönsten und am besten erhaltenen Orten Luxemburgs. Besonders beeindruckt hat uns die außergewöhnliche Rundkirche aus dem Jahr 1826 mit ihrem deutlich älteren mittelalterlichen Wehrturm. Die schmalen Gassen, die liebevoll restaurierten Winzerhäuser, die Torbögen und versteckten Innenhöfe verleihen dem Ort einen ganz besonderen Charme. Beim Spaziergang fühlt man sich tatsächlich ein wenig ins Mittelalter zurückversetzt. Viele der Häuser stammen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert. Was diese alten Mauern wohl alles erzählen könnten? Und von oben hat man einen tollen Blick auf die Mosel.


Im ehemaligen Wäinhaus befindet sich das Weinmuseum, das die Geschichte des Weinbaus an der Mosel erzählt. Derzeit wird das Gebäude umfassend modernisiert und soll künftig als Erlebniszentrum rund um den Wein und die Mosellandschaft Besucher begeistern.


Nach dem Abendessen wurde es noch einmal richtig unterhaltsam. Gemeinsam spielten wir eine lustige Runde Wizard und anschließend noch Hitster , natürlich in der „Guilty Pleasure“-Version. Es wurde viel gelacht und geraten. So ging wieder ein schöner Tag zu Ende.