Sep.

16

Heute Morgen herrschte schon früh reges Gewusel in der Pantry. Martin wollte zeitig los, deshalb stand bereits um halb acht das Frühstück auf dem Tisch. Werner sorgte gleich für gute Stimmung und trällerte uns ein lustiges Ständchen vor , so dass wir Gleichnis der Früh gut gelaunt waren.
Nachdem alles wieder verstaut und aufgeräumt war, hieß es für unser Ankerteam Lorenz und Johannes: Anker auf und los Richtung Serifos.
Die Insel ist eng mit dem griechischen Mythos um Perseus verbunden und hat ihren ganz eigenen, ursprünglichen kykladischen Charme. Wir waren gespannt, was uns dort erwarten würde. Zunächst mussten wir allerdings erst einmal hinkommen und das sollte durchaus sportlich werden.


Der Wind legte ordentlich zu. Zeitweise kämpften wir mit bis zu 30 Knoten aus Nord-Nordost. Wir hatten lediglich die Genua gesetzt und rauschten mit Geschwindigkeiten zwischen sechs und acht Knoten über das Wasser. Rundherum waren noch einige andere Segler unterwegs, die ebenfalls mit den Bedingungen zu kämpfen hatten.
Nach einiger Zeit ließ der Wind glücklicherweise etwas nach. Die meisten an Bord nutzten die ruhigere Phase, um sich hinzulegen. Alle bis auf Stefan. Der hielt tapfer die Stellung.
Dann endlich: Serifos in Sicht!

Schon von weitem leuchteten die weißen Häuser der Insel in der Sonne. Wir mussten nur noch um die nächste Kurve und da lag er vor uns: der kleine Hafen, in dem wir anlegen wollten.
Auf den ersten Blick sah alles ziemlich gut aus. Sogar ein Platz an der Pier war frei.
Und dann begann das Hafenkino, leider ohne Popcorn.
Martin setzte den Anker, wir gingen mit dem Heck an die Pier – und plötzlich kam der entscheidende Ruf:
„Der Anker hält nicht! Wir müssen noch einmal Leinen los!“
Also wieder alles zurück auf Anfang.
Währenddessen versuchte ein anderes Motorboot bereits zum dritten Mal, an der Pier festzumachen. Der Skipper fuhr dabei kreuz und quer durch den Hafen und schaffte es mehrmals, uns und auch andere Boote nur knapp zu verfehlen. Martin wich lieber großzügig aus , aber irgendwann war auch seine Geduld am Ende.
Es folgte eine kurze, deutliche Ansage in Richtung des anderen Bootes. Danach konnten wir unser eigenes Anlegemanöver fortsetzen.
Beim zweiten Versuch hielt der Anker. Und diesmal waren wir nach wenigen Minuten sicher fest.
Im Gegensatz zu einigen anderen.


Rund um uns herum wurde das Geschehen offensichtlich mit großem Interesse verfolgt. Hier und da sah man ein Grinsen und hörte leises Lachen. Hafenkino eben , kostenlos und direkt vor der ersten Reihe.
Bei uns an Bord wurde anschließend erst einmal Kaffee gekocht, Kuchen gegessen.
Später wollten einige von uns hinauf zur Chora, der traditionellen Bergstadt von Serifos.
Christine, Susi, Lorenz, Martin und ich machten uns zu Fuß auf den Weg. Fünf Kilometer und rund 230 ziemlich steile Höhenmeter lagen vor uns. Google versprach eine Gehzeit von etwa 50 Minuten.
Google hatte offenbar nicht berücksichtigt, dass wir eine ausgesprochen fotogene Gruppe sind.


Denn kaum hatten wir die ersten schönen Gassen erreicht, wurde fotografiert. Und wieder fotografiert. Und noch einmal fotografiert.
Die kleinen, weiß getünchten Häuser mit ihren blauen Türen, die liebevoll geschmückten Gassen, farbenfrohe Details und immer wieder diese unglaublichen Ausblicke – da konnte man einfach nicht vorbeilaufen.
Also brauchten wir vermutlich ein kleines bisschen länger als die von Google angekündigten 50 Minuten.
Aber die Mühe hat sich definitiv gelohnt.
Oben angekommen, standen wir bei der Kapelle und hatten einen Ausblick, der eigentlich unbezahlbar war. Das tiefblaue Meer, die weißen Häuser und die typisch kykladische Landschaft – einfach wunderschön.


Nur eine Frage blieb offen:
Wo waren eigentlich die Cafés, von denen Martin gesprochen hatte?
Da oben war nämlich weit und breit erst einmal nichts zu sehen.
Aber Martin führte uns schließlich zu einem wunderschönen Platz, der mit seinen vielen Farben und liebevollen Details einfach zauberhaft war.
Wir fanden ein kleines Café mit türkisfarbiger Einrichtung und setzten uns hin.
Und plötzlich fühlte es sich tatsächlich ein bisschen so an, als wären wir mitten in „Mamma Mia“ gelandet.
Also blieben wir einfach sitzen, schauten, staunten und genossen den Moment.


Irgendwann tauchte plötzlich Stefan um die Ecke auf. Er war ganz bequem mit dem Bus nach oben gekommen. Susi und er beschlossen später ebenfalls, den Bus zurück zum Hafen zu nehmen.
Der Rest von uns machte sich irgendwann nach einer gefühlten Ewigkeit, die natürlich trotzdem viel zu kurz war , wieder zu Fuß auf den Rückweg.
Christine und ich nutzten die Gelegenheit noch für eine kleine Shoppingtour. Wobei „Shopping“ vielleicht etwas übertrieben ist , wir schauten hauptsächlich, aber wir gönnten uns noch eine Kugel leckeres Haselnusseis.
Gegen 19.30 Uhr schlenderten wir anschließend durch den Hafen und schauten uns die Restaurants an. Werner hatte sich eigentlich schon für Moussaka entschieden. Allerdings saßen in dem entsprechenden Restaurant kaum Gäste.
Zwei Lokale weiter wurden wir dann von einer äußerst geschäftstüchtigen Griechin freundlich, aber bestimmt in ihr Restaurant gelotst.
Und plötzlich war ein Tisch für sieben Personen frei.
Stefan blieb heute lieber an Bord.
Martin übernahm die Bestellung und entschied sich für eine ganze Reihe kleiner griechischer Vorspeisen – fast wie Tapas. Die Teller kamen einer nach dem anderen auf den Tisch.
Es war alles richtig lecker.
Wir probierten uns durch die verschiedenen Gerichte, reichten die Teller herum und am Ende waren tatsächlich alle satt.
Ein richtig schöner, typisch griechischer Abend.


Zurück an Bord hatte ich noch eine kleine Überraschung vorzubereiten: Für Stefan, der morgen Geburtstag hat, backte ich noch einen Pfirsichkuchen.
Oben in der Pantry und im Cockpit wurde außerdem ein bisschen dekoriert.
Danach verschwanden alle etwas früher als sonst in ihren Kojen.
Hinter uns lag ein langer, windiger, lustiger und wunderschöner Tag.
Serifos hat uns definitiv beeindruckt mit ordentlich Wind, etwas Hafenkino, steilen Wegen, traumhaften Fotomotiven, einem Hauch „Mamma Mia“ und einem Abend, wie man ihn sich in Griechenland nur wünschen kann. Nur einen Hauch wärmer könnte es sein.