Endlich hat der Autobahnlärm ein Ende. Gegen Mittag legten wir ab Richtung Sarreguemines. Martin drehte die Vlinder und los ging es. Bye bye Saarbrücken. Die Stadt ist ja echt schnuckelig und der Liegeplatz wäre perfekt, wenn die Autobahn nicht daneben laufen würde. Wir fuhren vorbei an den kleinen Partybötchen, die noch ruhig im Wasser lagen und auf Besucher warten.
Dann ging es zur 4560 , das ist die so genannte Graffiti Hall of Fame in Saarbrücken. Da hab ich beim letzten Mal schon darüber geschrieben . An dieser Graffitiwand erlaubt die Stadt, Graffiti zu sprayen, und will auf diese Weise die Kreativität der Jugendkultur fördern. Die Wand erstreckt sich über 450 Meter und besitzt 1800 Quadratmeter Fläche.
Nach einer Stunde kam die erste Schleuse. Nach den riesigen Schleusen auf der Mosel und auf der Saar war die kleine Schleuse mit der üblichen Kammergröße 38×5 m für Kanäle eine Wohltat . Das war die letzte deutsche Schleuse, bei der nächsten sind wir zurück in Frankreich. Deswegen muss auch der Flaggenwechsel wieder vollzogen werden. Nach der zweiten Schleuse kamen wir an einem Kanuverleih vorbei. Da waren einige unterwegs und nachdem Martin hupte, reihten sich alle am Ufer auf und machten uns Platz. Kaum waren wir vorbei, verteilten sie sich wieder und paddelten hinter uns her.
4 Schleusen hatten wir insgesamt bis Sarreguemines. Ab Frankreich haben wir wieder eine Fernbedienung bekommen um die Schleusen per Funk zu aktivieren. Das funktioniert hier super.
Dann gin es noch vorbei am alten Schiffs-Schrottplatz, wo diverse alte Peniche auf ihr Ende warten.
Ankunft im Hafen war kurz nach halb vier. Unser Platz, den wir gestern reserviert hatten, war durch die Amarok belegt. Den haben wir schön öfter getroffen und er hat eigentlich weiter oben einen Jahresliegeplatz. Warum er hier immer Plätze blockiert, muss man nicht verstehen. Egal, weiter vorne war auch noch Platz und Martin hat Millimeter genau eingeparkt. Da war kein ganzer Meter mehr Platz, das kann er halt. In der Capitanerie erledigte er gleich die Bezahlung der Liegegebühr und dann kauften wir noch schnell ein paar Sachen für den Feiertag morgen ein.
Zurück auf der Vlinder forderte Martin eine Revanche ein für die verlorenen Backgammon Spiele von gestern. Auf Deck war es einigermaßen erträglich, hat aber nichts genützt. Wir spielten 2:2 unentschieden. Ich hatte ja einen guten Lehrmeister. Ich genoss noch die schöne abendliche Stimmung an Deck und hab mein Buch weitergelesen, während Martin unten im Salon eine Hausbootreportage über die Lahn angeschaut hat.
Die letzten drei Tage waren eine bunte Mischung aus Arbeit, kleinen Abenteuern und ganz viel sommerlichem Saarland. Am Dienstag stand zunächst das an, was zwischen dem Gästewechsel eben auch erledigt werden muss: Wäsche waschen, Kabinen putzen und alles wieder schön für die nächsten Gäste herrichten. Während ich mich um die üblichen Dinge an Bord kümmerte, hatte Martin eine andere wichtige Mission: Er wollte herausfinden, wo man noch diese begehrten Sofi-Brillen bekommt. In ganz Saarbrücken waren sie ,wie offenbar überall , ausverkauft. Man weiß ja auch erst seit heute, dass Sofi ist. Aber ChatGPT war schlauer. In Sulzbach, rund 20 Kilometer von Saarbrücken entfernt, sollte es angeblich noch welche geben. Also hieß es: zum Auto laufen, nach Sulzbach fahren und schauen, was passiert. Vor dem Geschäft angekommen, wartete allerdings eine riesige Schlange. Ich ging derweil einkaufen und Martin ging über die Straße zu dem Optiker. Natürlich hatte er wieder einmal Glück. Die Brillen gab es nur im Fünferpack für 30 Euro. Gerade als Martin sich hinten anstellte, kam jemand aus dem Geschäft und meinte, er brauche eigentlich nur zwei. Ob ihm jemand die restlichen drei abkaufen wolle?
Martin musste nicht lange überlegen. Er nahm die drei und verkaufte gleich eine davon weiter. So trafen wir uns tatsächlich fast gleichzeitig wieder am Auto. Ich hatte schon befürchtet, ewig in der Hitze warten zu müssen. Zurück in Saarbrücken stellten wir das Auto etwas außerhalb der Innenstadt ab und liefen zu Fuß zurück. Erst gönnten wir uns ein Eis, anschließend bummelten wir gemütlich durch die Fußgängerzone und den Park zurück zur Vlinder. Viel zu tun gab es für den Rest des Nachmittags nicht mehr. Also hieß es: einfach das schöne Wetter genießen.
Gegen sechs Uhr packte ich schnell ein kleines Picknick und eine Decke in meinen Rucksack und dann ging es mit den E-Bikes rund zehn Kilometer hinaus aus der Stadt auf einen Berg. Von dort wollten wir die Sonnenfinsternis beobachten. Natürlich waren wir nicht die Einzigen mit dieser Idee. Der halbe Berg war bereits bevölkert . Familien mit Kindern, Filmer, Fotografen und einfach jede Menge Menschen, die sich dieses Schauspiel nicht entgehen lassen wollten. Da der Mond die Sonne nur zu etwa 90 Prozent bedeckte, blieb es zwar hell, aber das Licht veränderte sich spürbar. Die Stimmung war irgendwie ganz besonders. Weil wir mit den Rädern unterwegs waren, machten wir uns allerdings etwas früher auf den Rückweg. Wenn anschließend alle Autos gleichzeitig über den Feldweg wieder auf die Straße wollten, fühlten wir uns dann doch etwas sicherer.
Die Strecke zurück war wunderschön. Das Wetter und die angenehme Abendstimmung lockten noch viele Menschen auf die Rad- und Spazierwege. Kurz nach neun waren wir wieder auf der Vlinder. Es war noch so angenehm draußen, dass ich mich mit meinem Buch aufs Deck setzte, während Martin es sich vor dem Fernseher gemütlich machte. Sternschnuppen gibt es im Saarland wahrscheinlich keine – jedenfalls habe ich keine einzige gesehen. 💫 Übrigens liegt die Diogene seit gestern hinter uns. Der Skipper kam rüber und begrüßte uns, das war total schön. Am Donnerstagmorgen hatte Martin dann wieder etwas zu tun. Im Steuerstand baute er die neuen Ventilatoren ein. Bei diesen Temperaturen wirklich dringend nötig. Ich nutzte die Zeit für einen kleinen Stadtbummel durch die Saarbrücker Fußgängerzone. Und ich muss sagen: Die Stadt hat wirklich noch einige schöne, kleine und individuelle Geschäfte zu bieten. Es sind eben nicht nur die großen Ketten, die das Stadtbild prägen. Als ich wieder auf die Vlinder kam, war mein fleißiges Bienchen immer noch am Werkeln. Die Ventilatoren waren inzwischen montiert und danach zauberte Martin auch noch Raffrollos für die „Windschutzscheibe“ im Steuerstand hin. Als er endlich fertig war, hatte er sich erst einmal Kaffee und Kuchen verdient.
Der Park, vor dem die Vlinder liegt, wird wegen der Hitze erst am späten Nachmittag und Abend richtig lebendig. Und mehrmals am Nachmittag fährt ein kleiner Eiswagen durch den Park. Er macht dabei mit einer ganz originellen Glocke auf sich aufmerksam.
Gegen halb fünf fuhren wir mit den Rädern zum Auto und brachten es schon einmal nach Sarreguemines, unser morgiges Ziel nach der Pause, voraus. Natürlich musste auf der Autobahn noch schnell ein Schnappschuss von der Vlinder gemacht werden.
In der Marina von Sarreguemines meldeten wir uns in der Capitainerie schon einmal für einen Platz am nächsten Tag an. Kein Problem , da viele Boote übers Wochenende unterwegs sind, können wir dort zwei Tage bleiben. Danach hieß es wieder aufs Fahrrad und am Ufer entlang zurück nach Saarbrücken. Die Strecke ist wirklich idyllisch. Allerdings hat sich das frische Grün längst in trockenes Braun verwandelt. Der fehlende Regen macht sich überall bemerkbar. Besonders die Sonnenblumenfelder und der Mais sehen leider ziemlich trostlos aus.
Trotzdem waren viele Menschen unterwegs. Die Biergärten und Cafés am Wasser waren gut besucht und auch wir legten noch einen kleinen Zwischenstopp bei der „Wilden Ente“ ein. Das Lokal kannten wir noch vom letzten Jahr.
Nach einer kurzen Erfrischung ging es zurück zur Vlinder. Martin bekam noch einen leckeren Eiskaffee und dann haben wir seit Langem mal wieder ein paar spannende Runden Backgammon und Kniffel gespielt.
Das Ergebnis verrate ich hier lieber nicht😬, nur soviel, dafür hab ich letztes Mal verloren. Am Abend drehten wir noch eine gemütliche Runde durch die Saarbrücker Innenstadt. Die Lokale waren fast überall gut gefüllt – kein Wunder, schließlich nutzen bei diesen Temperaturen alle die kühleren Abendstunden.
Heute gab es wegen uns 3 Schlafmützen ein späteres Frühstück, wahrscheinlich lag es an dem zu leckeren Wein 🍷 den wir am Vorabend genießen durften.
Dann legten wir in Völklingen ab mit dem Ziel Landeshauptstadt Saarbrücken. Unterwegs trafen wir dann noch die VIVANTE, auch eine alte Barge mit Eignern aus den USA.
Es war ein sehr heißer Sommersonntag ohne Wind und wir glitten mit Schrittempo die 13 km dahin. In der einzigen Schleuse unterwegs hob uns dieses Mal das Wasser von unten schnell die 5,80m nach oben. Wie gestern managten das An- und Ablegen in der Schleuse Sylvia und Martin souverän.
Angekommen in Saarbrücken drehte Martin die Vlinder auf der Saar, um mit Steuerbord gegenüber dem Landtag festzumachen. Leider verläuft die Autobahn direkt an der Saar und stört die Idylle!
Schnell ging es mit den Rädern zurück nach Völklingen die Autos zu holen. Empfangen an Bord wurden wir mit Johannisbeerkuchen. Hmmm!!! Sylvia ging für eine Nacht von Bord um daheim in Schopfloch nach dem Rechten zu sehen. Wir 3 Gäste spazierten an der Saar entlang und holten Martin gegen 19 Uhr an der Vlinder ab auf der Suche nach einem Restaurant.
Vom Liegeplatz erreichten wir zu Fuß in 10 Minuten die belebte Altstadt und entschieden uns für Café Especial, ein mexikanisches Lokal. Dort wurden wir gut bedient und das Essen hat gemundet. Auf dem Weg zu den Toiletten hang ein gelungener Wegweiser, den wir Frauen sehr begrüßen!
Zurück an Bord spielten wir Kniffel und wer hat wieder gewonnen: Ursula!
9 Uhr gab es wie angekündigt ein fulminantes Frühstück an Deck mit Obstsalat, Wurst- und Käseplatte sogar Wachteleiern: köstlich!
Dann legten wir ab mit Ziel Völklingen ca. 15 km. Sylvia und Martin sind ein perfekt eingespieltes Team und managen das Ablegemanöver routiniert. Irene und ich probierten uns als Steuerfrauen. Tolles Gefühl ein 100 Tonnen Schiff zu manövrieren.
Die Saarufer sind grüner wie gedacht und 5 kmh ist ein angenehmes Tempo. Wir 3 Gäste können dabei herrlich entschleunigen. Eine Schleuse mit 3,80 m Hub nach oben ist zu bewältigen, dank Schwimmpollern und dem Skipperteam ganz easy!
Bei herrlichem Sonnenschein erreichen wir 3 Stunden später Völklingen und machen an einer großen Fahrgastschiff Anlegestelle fest, die nicht mehr genutzt wird. Schnell sind 3 Fahrräder startklar und mit Martin fahren Irene und ich nach Saarlouis zurück, um die Autos zu holen. Wieder an Bord gibt es Silvias herrlichen frisch gebackenen Blaubeerkuchen.
Da Sylvia und Martin das Völklinger Weltkulturerbe schon kennen, machen wir 3 uns auf den Weg das Industriedenkmal zu besichtigen und sind begeistert: Es hat sich gelohnt! Weltkulturerbe Völklinger Hütte.
Zum Abendessen an Deck hat Sylvia uns Kartoffelsalat und grünen Salat gezaubert! Mit Bratwürsten und Merguez ein perfektes Mahl.
Dann lernen wir das Spiel Wizzard. Ursula gelingt es am Besten von uns 3. Hitster folgte d.h. raten von Jahreszahl, Interpret und Titel eines Hits, der über QR Code kurz angehört wird. Auch darin zeigten sich Ursula und Sylvia als Spitze!
So schön ein Sommerabend bei angenehmen Temperaturen an Deck der Vlinder. Dankbar für den wunderbaren Tag sinken wir in unsere gemütlichen Kojen.
Der heutige Tag stand ganz im Zeichen des Großreinemachens. Nachdem uns an den letzten Anlegestellen der Wind jede Menge Blätter und Staub an Bord geweht hatte, rückte Martin draußen mit dem Wasserschlauch an. Das gesamte Deck wurde gründlich gereinigt und die Vlinder glänzte danach wieder wie neu. Währenddessen war ich unter Deck beschäftigt und bereitete die Kabinen für unsere neuen Gäste Christiane, Irene und Ursula aus Freiburg vor. Heute brauchte ich nicht backen, denn Irene hatte sich angeboten, einen Kuchen mitzubringen.
Pünktlich zur Kaffeezeit trafen die drei mit einem großen Hallo ein. Christiane kennt Martin schon seit vielen Jahren, entsprechend herzlich war die Begrüßung. Schnell schlug ich noch frische Sahne zu dem leckeren Apfelkuchen auf, und gemeinsam ließen wir uns den Kaffee und den köstlichen Kuchen gemütlich an Deck schmecken.
Anschließend führte Martin unsere Gäste über die Vlinder, zeigte ihnen das Schiff und ihre Kabinen. Danach fuhren die drei noch zum Einkaufen . Martin und ich konnten derweil beim Rudertraining einer Mädchenmannschaft zuschauen. Da herrscht ein rauher Ton, aber die Mädels waren super.
Als unsere Gäste wieder zurück an Bord kamen, machte Martin mit Christiane und Irene noch eine Stadtbesichtigung in Saarlouis. Saarlouis im Saarland ist bekannt als die „französischste Stadt Deutschlands“. Sie wurde im Jahr 1680 vom französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. als Festungsstadt gegründet und nach ihm benannt. Die Stadt besticht durch ihren historischen Stadtkern, durch die lebendige Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen und durch ein französisches Lebensgefühl mit vielen Bistros und Cafés.
Ich blieb mit Ursula zurück an Bord. Wir wollten uns dann um acht Uhr beim Griechen ums Eck zum Abendessen treffen. Wir hatten einen tollen Platz auf der Terrasse mit Blick auf die Saar und mit musikalischer Unterhaltung. Im Bistro nebenan war heute eine Schlager und Mollorca Party. Das Essen war lecker und der junge Mann vom Service sehr nett. Zurück an Bord haben wir „Sechs mit“ von Christiane und Irene gespielt. Das gleiche Spiel spielten wir vor zwei Wochen auch bei Amy auf der Vivante . Ursula kannte das Spiel nicht, aber sie hat am Ende gewonnen. So ging dieser Tag recht lustig zu Ende. Als Irene, Christiane und Ursula recht müde von dem langen Tag in die Kabinen gingen, bin ich noch auf die Schlagerparty in den Biergarten gegangen.
Wann hat man schon mal sowas nebenan. Schön war’s , endlich mal wieder zappeln, obwohl ich später im Bett noch über den „Delfin in der Bauchtasche“ sinniert habe🤷♀️.
Wie schnell doch eine Woche vergeht – das wurde uns heute wieder bewusst. Leider hieß es schon Abschied nehmen von unseren Gästen Martina und Norwin. Nach einem gemütlichen Frühstück wurden die Koffer gepackt und wir begleiteten die beiden noch zu ihrem Auto. Bevor sie die Heimreise antreten, wollten sie noch den Archäologiepark Römische Villa Borg besuchen. Ein schöner Abschluss ihrer Reise. Besonders gefreut haben wir uns über den lieben Eintrag von Norwin in unserem Gästebuch. Herzlichen Dank dafür.
Zurück an Bord hieß es für uns wieder: Leinen los! Unser heutiges Ziel war Saarlouis. Unterwegs stand noch eine Schleuse auf dem Programm. Beide Schleusentore standen bereits offen und Martin meldete sich per Funk an. Die Antwort kam jedoch prompt: Aus Gründen des Wassersparens wollte man uns nicht alleine schleusen. Also machten wir am Wartesteg fest und warteten geduldig auf weitere Boote. Offenbar macht man sich inzwischen auch auf der Saar Gedanken über den Wasserstand. Noch ist hier alles gut befahrbar, doch viele Kanäle sind schon wegen Wassermangel gesperrt Nach gut einer halben Stunde sprang die Ampel endlich auf Grün und wir durften einfahren. Sechs Meter ging es anschließend nach oben.
Ein kleines Highlight wartete wenig später auf uns an einem kleinen Ladehafen: Dort wurde ein Boot von außen mit einem Dampfstrahler gereinigt. Das Kuriose daran: Eine Frau saß dabei in einem Arbeitskorb und fuhr Stück für Stück an der Bordwand entlang. Fast schon das Spannendste, was wir heute unterwegs gesehen haben.
Gegen halb drei erreichten wir Saarlouis. Zu unserer Freude war der Anlegeponton tatsächlich noch frei. Martin hatte gestern Nachmittag vorsorglich ein Reserviert-Schild angebracht. Tja, manchmal gilt eben doch: Frechheit siegt.
Anschließend schwangen wir uns auf unsere Fahrräder und fuhren zurück nach Merzig, um das Auto zu holen. Unterwegs erledigten wir noch den Einkauf, denn morgen dürfen wir bereits die nächsten Gäste an Bord begrüßen. Den Abend ließen wir schließlich ganz entspannt ausklingen .
Wieder begrüßte uns ein strahlender Morgen an der Saar bei Besseringen. Ganz früh lag ein Nebelschleier über dem Fluss . In der Nacht kühlt es zum Glück immer angenehm ab, sodass wir unser leckeres Frühstück ganz entspannt an Deck genießen konnten. Nach dem Frühstück hieß es vom Skipper: Leinen los. Unser Ziel war heute Merzig. Die Etappe war bewusst kurz gewählt, damit Martina und Norwin genügend Zeit für ihren geplanten Ausflug zur Saarschleife hatten. Bereits nach etwa einer Stunde legten wir in Merzig an. Beim Festmachen ist Norwin inzwischen schon richtig eingespielt ,jeder Handgriff sitzt. Nachdem wir angelegt hatten, machten sich Martina und Norwin auf den Weg zu ihrem Auto, das Norwin bereits am Vortag vorausgefahren hatte. Martin und ich nutzten die Zeit an Bord, erledigten ein paar Arbeiten und ließen gleich noch eine Maschine Wäsche laufen. Schon bald erreichten uns die ersten Fotos von ihrem Ausflug. Von der Aussichtsplattform Cloef und dem Baumwipfelpfad bot sich ihnen ein wunderschöner Blick auf die Saarschleife. Beide waren begeistert. Anschließend fuhren sie weiter zur Römischen Villa Nennig.
Berühmt ist die Villa vor allem wegen ihres prachtvollen Mosaikbodens, der zu den spektakulärsten seiner Art nördlich der Alpen zählt. Damit gehört sie zu den bedeutendsten römischen Baudenkmälern des Saarlandes. Die Motive des außergewöhnlich gut erhaltenen Mosaiks sind weltweit bekannt und zeigen in acht symmetrisch angeordneten Bildfeldern den Ablauf eines Spektakels im Amphitheater . Am späten Nachmittag kamen die beiden voller Begeisterung zurück an Bord und erzählten von dem faszinierenden Mosaik und dem herrlichen Ausblick über die Saarschleife. Danach gönnten wir uns alle noch eine kleine Pause, bevor wir uns gegen 19 Uhr zu Fuß auf den Weg in die Merziger Altstadt machten. Martina hatte ein gemütliches, typisch saarländisches Lokal ausgesucht, das auf eine bewegte Geschichte zurückblicken kann. Der Jugendstilbau entstand um die Jahrhundertwende und beherbergte über drei Jahrzehnte eines der bekanntesten Warenhäuser der Region. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand das Gebäude lange leer, wurde später von verschiedenen Eigentümern genutzt und diente zwischenzeitlich sogar als Autohaus. In den vergangenen Jahrzehnten zog schließlich die Gastronomie ein – und das war für uns ein Glücksfall. Das Essen war ausgesprochen lecker und mehr als reichlich. Auch der Rückweg durch die Stadt war sehr schön. Die vielen gut erhaltenen Barockbauten verleihen Merzig einen ganz besonderen Charme.
Zurück an Bord durfte natürlich unsere inzwischen traditionelle Runde Wizard nicht fehlen. Diesmal spielten wir im Dunkeln bei Lampenlicht. Wir haben so viel gelacht, dass man unsere Kommentare eigentlich hätte aufnehmen müssen. Martin sicherte sich den Sieg, Norwin belegte den zweiten Platz. Gegen 23 Uhr wurde es draußen spürbar frisch. Müde verschwanden wir nach einem rundum gelungenen Tag in unsere Kabinen. Nur Norwin blieb noch eine Weile an Deck, genoss die klare Nachtluft und die wohltuende Ruhe auf der Saar.
Das Shoppingfieber ist ausgebrochen. Schließlich lag die Outletmetropole Mettlach direkt vor unserer Haustür. Unser erster Stopp war das Villeroy & Boch Outlet. Während Martin und Norwin sich Eintrittskarten für die Erlebniswelt – eine Kombination aus Geschichte, Ausstellung und Verkauf – kauften, blieben Martina und ich im riesigen Outlet zurück. Zwischen wunderschön gedeckten Tischen, edlem Porzellan und den liebevoll gestalteten Oster- und Weihnachtstellern gab es jede Menge zu entdecken. Martina fand ein kleines Mitbringsel, bevor wir gemeinsam weiter durch die Stadt schlenderten.
Mettlach ist ein wahres Paradies für Shoppingfreunde. Neben Villeroy & Boch gibt es zahlreiche weitere Outlets, unter anderem von WMF, MAC, Trigema, Vossen und Bassetti. Doch trotz der großen Auswahl blieb unser Geldbeutel heute weitgehend verschont. Für den Haushalt brauchen wir nichts und unsere Schränke sind ohnehin gut gefüllt. Lediglich Martina konnte bei Trigema einem schönen Shirt nicht widerstehen, sowie Martin einer Eisdiele, an der wir vorbei kamen. So kehrten wir ganz entspannt und ohne große Einkaufstaschen zum Boot zurück.
Dort wartete schon das nächste kleine Abenteuer. Martin funkte die Schleuse an und fragte, ob wir passieren könnten. Die Antwort lautete: „Fahren Sie schon einmal vor, machen Sie an der Mauer fest – es könnte etwas dauern.“ Also Leinen los und in fünf Minuten hatten wir umgeparkt. Gerade als wir festgemacht hatten, verließ das Ausflugsschiff Saarstern die kleine Schleusenkammer. Martin dachte natürlich, jetzt könnten wir direkt hineinfahren. Also funkte er noch einmal nach. Doch erneut kam die Antwort: „Bitte an der Mauer warten.“ Besonders begeistert war Martin darüber nicht, weil sich nichts tat. Ich marschierte schließlich zur Schleuse hinauf, winkte freundlich in die Kamera an der Sprechanlage und fragte höflich, mit welcher Wartezeit wir ungefähr rechnen müssten. Die Antwort war ebenso freundlich wie wenig aussagekräftig: „Ich bin zeitnah so weit.“ Was auch immer „zeitnah“ genau bedeutet. Kaum war ich wieder zurück auf dem Boot, klingelte auch schon das Funkgerät: Die Schleuse war bereit und wir konnten einfahren. Die grüne Ampel war von unserem Liegeplatz aus schlicht nicht zu sehen. Also hinein in die Kammer! Die zehn Höhenmeter meisterten wir inzwischen schon fast routiniert: Martina und ich kümmerten uns um die Leinen am Bug, Martin und Norwin arbeiteten am Heck – und alles klappte wie am Schnürchen.
Oben angekommen befanden wir uns bereits fast an der berühmten Saarschleife. Für viele Besucher des Saarlandes gehört dieser Ausblick zu den schönsten Erinnerungen überhaupt. Vom Aussichtspunkt Cloef oder vom Baumwipfelpfad aus bietet sich ein atemberaubender Blick auf die große Flussschleife. Aber auch vom Wasser aus zeigt sich dieses Naturwunder von seiner schönsten Seite. Morgen wollen Martina und Norwin den Aussichtspunkt besuchen – schließlich gehört der Blick von oben einfach dazu. Unser Tagesziel war der lange Kai in Besseringen, wo wir pünktlich zur Kaffeezeit festmachten. Am Morgen hatte ich noch schnell einen Käsekuchen mit Himbeeren und Blaubeeren in den Ofen geschoben, der nun genau zur richtigen Zeit fertig war. So ließen wir uns den Kuchen bei einer Tasse Kaffee schmecken.
Anschließend machten sich Martin und Norwin noch einmal mit den Rädern auf den Weg zurück nach Mettlach, um das Auto zu holen und direkt nach Merzig zu fahren. Martina und ich genossen derweil einen herrlich ruhigen Nachmittag an Deck. Abends gab’s Steaks, Kartoffelsalat und Antipasti, danach wieder ein lustiges Wizard Spiel mit den typischen Äußerungen „….hätte ich doch….“
im Dunkeln haben wir dann noch die gemischte Palette an Musik vom Hitster geraten. Da hatten wir alle Defizite bei den Künstlern, obwohl die Musik immer im Radio läuft . Heute war ein gelungener Mix aus Shopping, Schleusenabenteuer , Saar-Idylle und Spaß am Abend.
Ausnahmsweise begann der Tag heute deutlich früher als geplant. Punkt sechs Uhr wurden wir , zumindest alle außer Martin ,von einem tiefen Rauschen und lauten Motorengeräuschen geweckt. Der große Frachter, der gestern Abend mit viel Getöse hinter uns festgemacht hat legte genauso spektakulär , wie er kam, wieder ab. Nach einem gemütlichen Frühstück machten sich Martina und Norwin mit den Fahrrädern auf den Weg nach Saarburg. Ihr Ziel war das Glockengießermuseum. Das Museum Glockengießerei Mabilon in Saarburg ist ein einzigartiges, original erhaltenes Industriedenkmal. Gegründet im Jahr 1770 von Urbanus Mabilon, wurde die Gießstätte nach der Schließung Ende 2002 in ein lebendiges Museum und soziokulturelles Zentrum umgewandelt. Besucher können hier den gesamten Entstehungsprozess einer Glocke in den authentischen Werkstätten nachvollziehen. Martin und ich blieben an Bord und kümmerten uns um die Dinge, die eben auch dazugehören. Martin arbeitete am Computer, während ich drinnen und draußen haushaltstechnisch unterwegs war.
Kurz vor zwölf kamen die beiden gut gelaunt zurück. Sie erzählten begeistert von ihrem Museumsbesuch und waren beeindruckt von der interessanten Geschichte des Glockengusses. Außerdem hatten sie noch frisches Brot vom Bäcker mitgebracht Sobald die Fahrräder wieder verstaut waren, legten wir ab. Langsam fuhren wir an Saarburg vorbei und konnten die wunderschöne Stadt noch einmal vom Wasser aus bewundern. Bis zur Schleuse Serrig übernahm Norwin erneut das Steuer, während Martina es sich draußen unter dem Sonnendach gemütlich machte und die herrlich grüne Landschaft bewunderte.
An der Schleuse Serrig hieß es dann erst einmal warten. Ein großer Frachter und ein Schubverband sollten gemeinsam mit uns, oder besser gesagt, wir mit ihnen, geschleust werden. Zunächst war geplant, dass wir mit in die große Kammer fahren, doch am Ende reichte der Platz nicht aus. Also bereitete der Schleusenmeister für uns die kleine Kammer vor ,was natürlich wieder etwas Zeit in Anspruch nahm. Auch in dieser Schleuse waren Martina und Norwin wieder eine große Hilfe. Durch den Höhenunterschied von rund 14 Metern mussten die Leinen mehrfach umgehängt werden. Nach über einer Stunde konnten wir endlich die Schleuse verlassen und unsere Fahrt Richtung Mettlach fortsetzen.
Etwa zwei Stunden später tauchte am Horizont schon der markante Schlot der Keramikmanufaktur auf – das Wahrzeichen der Villeroy-&-Boch-Stadt Mettlach. Zu unserer Freude war der Anleger mitten im Ort frei. Das Anlegen war dort zwar etwas knifflig, klappte aber schließlich problemlos. Kaum waren wir fest, machten sich Martin und Norwin mit den Fahrrädern wieder auf den Weg. Wie jeden Tag fuhren sie zurück , heute 21 km, nach Saarburg, um die Autos nachzuholen. Martina und ich blieben an Bord. Es war inzwischen drückend heiß und unglaublich schwül. An einen Stadtbummel war gar nicht zu denken, deshalb verschoben wir unser geplantes Shopping auf den nächsten Morgen.
Schon den ganzen Nachmittag hörten wir es immer wieder in der Ferne donnern. Zunächst sah es so aus, als würde das Gewitter an uns vorbeiziehen, doch plötzlich öffnete der Himmel doch noch seine Schleusen. Wir blieben unter dem Sonnendach sitzen und genossen den Regen und die endlich etwas kühlere Luft. In einer trockenen Pause kamen auch Martin und Norwin wieder zurück. Schnell wurden die Fahrräder verstaut, bevor sich jeder mit einem Buch oder einfach dem Blick auf den Regen eine kleine Auszeit gönnte. Leider war der Schauer schnell wieder vorbei, aber zumindest brachte er eine kleine Abkühlung. Währenddessen bereitete ich das Abendessen vor. Die Bolognese hatte ich bereits mittags gekocht, damit sie schön durchziehen konnte. Der Salat war schnell fertig, die Nudeln ebenso, und Norwin kümmerte sich noch um den Parmesan. Gemeinsam schmeckte das Essen gleich doppelt so gut.
Danach war wieder Spieleabend angesagt. Zuerst spielten wir eine Runde Wizard – diesmal durfte ich mich über den Sieg freuen. Anschließend weihten wir das neue Spiel ein, das Martina und Norwin mitgebracht hatten: Codenames. Wir hatten jede Menge zu lachen. Gegen elf Uhr verabschiedete sich Martina schließlich in ihre Kabine, während Norwin den Abend noch mit einem Buch draußen an der inzwischen angenehm frischen Luft ausklingen ließ.
Der Sonntag begann perfekt mit einem üppigen Frühstück an Deck bei strahlend blauem Himmel. Während wir gemütlich unseren Kaffee genossen, zog die Avalon, ein beeindruckendes Kreuzfahrtschiff aus der Schweiz, an uns vorbei. Sofort entstand eine angeregte Diskussion. Norwin, Martina und ich waren überzeugt, dass sie größer war als die Leonardo da Vinci, die mit ihren 105 Metern direkt vor uns lag. Martin war da ganz anderer Meinung: „Niemals!“ Zum Glück gibt es Google. Und siehe da – die Avalon ist tatsächlich fünf Meter länger. Damit war klar: Wir hatten Recht! Das sorgte natürlich für einige Lacher am Frühstückstisch. Nach einem herzlichen Abschied von unseren netten Nachbarn von der MS Steilvol legten wir ab. Martin drehte die Vlinder, und wir machten uns auf den Weg Richtung Saarburg. Zunächst übernahm Martina das Steuer, bevor sie später wieder an Norwin übergab.
Kurz darauf verließen wir die Mosel und bogen in die Saar ein. Sofort veränderte sich die Landschaft. Die endlosen Weinberge wichen dichten Wäldern links und rechts vom Ufer. Auf dem Saar-Radweg herrschte reger Betrieb mit vielen Radlern. Natürlich durfte auch der Wechsel der Gastlandflagge nicht fehlen. Die luxemburgische Flagge verschwand wieder ordentlich in der Schublade, während die deutsche Gastlandflagge ihren Platz auf der Steuerbordseite einnahm.
Vor der Schleuse Kanzem holte uns die Diogene wieder ein. Leider war die Schleuse nicht groß genug für beide Schiffe, sodass die Diogene auf ihre Einfahrt warten musste. Ganze zwölf Meter ging es für uns nach oben. Martina war am Bug im Einsatz und hängte die Leinen immer wieder um, während Norwin Martin am Heck unterstützte.
Kurz vor zwei Uhr erreichten wir den noch völlig leeren Anleger in Saarburg. Für Martin und Norwin war der Tag allerdings noch nicht vorbei. Sie schwangen sich direkt auf ihre Fahrräder und radelten die 21 Kilometer zurück nach Grevenmacher, um die beiden Autos zu holen. Martina und ich machten es uns derweil an Bord gemütlich, genossen die Ruhe und beobachteten den wenigen Bootsverkehr.
Gegen halb vier kehrten die beiden Radfahrer zurück – genau rechtzeitig zum Nachmittagskaffee, nachdem sie bei Wasserbillig die Mosel per Fähre überquert hatten.
Dazu gab es einen frisch gebackenen Apfelschmandkuchen, den ich morgens nach dem Ablegen vorbereitet hatte.
Den restlichen Nachmittag verbrachten wir entspannt unter dem Sonnendach an Deck. Ein leichter Wind machte die hochsommerlichen Temperaturen angenehm erträglich. Am Abend wollten wir noch gemütlich in Saarburg essen gehen. Doch kurz vor 18 Uhr wurde es am bislang leeren Anleger noch einmal spannend. Ein 110 Meter langer Frachter schob sich langsam auf unseren Liegeplatz zu. Martina sagte noch zu Norwin: „Überleg dir schon mal, wo du dich festhalten willst.“ Je näher das Schiff kam, desto größer wirkte es. Erst kurz vor unserem Heck kam der Frachter schließlich zum Stehen. Das war schon ein beeindruckendes und zugegeben auch ein wenig aufregendes Manöver. Zum Glück ging alles gut.
Wir waren gerade fertig um in die Stadt zu gehen, da kam plötzlich die Leonardo da Vinci angefahren. Die wollten bestimmt auch hier anlegen, das war aber jetzt zu knapp. Sie drehte punktgenau mit ihren 105 Metern um und fuhr direkt rückwärts 1,5 km an die Mauer vor der Stadt. Wir sind noch ein Stück mit den Rädern neben her gefahren.
Als wir unsere Räder abgestellt haben, spazierten wir durch die Stadt, bevor wir ein nettes Lokal gefunden hatten. Essen war gut, Service sehr freundlich, aber die Gelüste auf Eis danach waren größer.
In der ersten Eisdiele gab’s nur noch Eis zum Mitnehmen, das wollten wir nicht. In der zweiten Eisdiele konnten Martina, Martin und Norwin doch noch einen Eisbecher genießen. Bevor wir aufs Boot zurück radelten, kamen uns noch viele Menschen entgegen, die vom Kreuzfahrtschiff aus an einer abendlichen Stadtführung teilnahmen. Martin und ich spielten an Bord noch einige Runden Backgammon, während Martina und Norwin es sich mit einem guten Buch gemütlich machten.
Frühsport am Morgen tut gut. Aber ich bin nicht gelaufen, sondern bin mit dem kleinen Klappradl nach Wormeldange gefahren und hab dort frische Brötchen und Croissants geholt. Zurück an Bord bereitete ich das Frühstück vor und hab angefangen, einen Kuchen mit den selbstgepflückten Brombeeren zu machen. Dann ging mir der Zucker aus und ich musste nochmal zurück in den kleinen Laden. Unserem Nachbarn von der Diogene hab ich auch eine Bäckertüte vor die Türe gehängt, wofür er sich ganz nett bedankte. Inzwischen waren alle an Bord wach, und wir konnten gemeinsam auf dem Sonnendeck frühstücken. Es war herrlich angenehm. Nach den heißen Tagen der vergangenen Woche fühlte sich die kühlere Morgenluft richtig gut an. Eigentlich wollten wir erst am Nachmittag ablegen. Doch Martin entschied sich für eine Planänderung, so dass wir besser früher losfahren sollten. Die Liegeplätze sind in dieser Jahreszeit sehr knapp. Nachdem er die Vlinder gedreht hatte, übernahm Norwin wieder das Steuer. Konzentriert und mit Martins Unterstützung steuerte er das Schiff die Mosel entlang.
Links und rechts waren endlose Weinberge und idyllische kleine Weindörfer . Man merkte sofort, dass Wochenende war. Auf dem Wasser herrschte deutlich mehr Betrieb als an den Tagen zuvor. Große Frachtschiffe, Motorboote, Jetskis und Sportboote waren unterwegs. Fast jeder winkte freundlich herüber und genoss den sonnigen Sommertag. Martina und ich saßen entspannt auf dem Deck.
Die heutige Etappe war nicht besonders lang. Kurz vor der einzigen Schleuse des Tages, die uns sechs Meter bergab brachte, rief Martin plötzlich: „Die Steilvol liegt in Grevenmacher!“ Sofort wurden Erinnerungen wach. Genau dort hatten wir im vergangenen Jahr Jim und Jahin kennengelernt – ein amerikanisches Paar, das seit 2019 gemeinsam mit seinen beiden Hunden Milli und Guiness auf einem großen Hausboot in Europa lebt. An der langen Pier lag außerdem die Leonardo da Vinci, ein beeindruckendes Flusskreuzfahrtschiff mit 105 Metern Länge und Platz für bis zu 144 Passagiere. Als wir auf Höhe der Steilvol ankamen,hupte Martin kräftig. Keine Minute später standen Jim und Jahin schon an Deck und winkten uns zu. Jim fragte sofort, ob wir wieder längsseits bei ihnen festmachen wollten. Martin drehte die Vlinder und wenig später lagen wir Steuerbord an der Steilvol. Zur Begrüßung kamen alle , inklusive Guiness und Millie an Deck.
Wir luden die beiden spontan auf Kaffee und frisch gebackenen Brombeerkuchen ein. Es wurde ein fröhliches Wiedersehen mit vielen lustigen Geschichten über das, was im vergangenen Jahr auf und rund um die Boote passiert war. Auch Martina und Norwin hörten begeistert zu und waren gleich in die Gespräche involviert. Für den Abend verabredeten wir uns noch auf ein Glas Wein.
Da wir die E-Bikes nicht über beide Boote heben konnten, fuhr Martin mit dem Klapprad alleine nach Ehnen, um sein Auto zu holen. Währenddessen nutzten Martina, Norwin und ich die Gelegenheit und besuchten den Schmetterlingsgarten in Grevenmacher. In der letzten Öffnungsstunde war zwar noch einiges los, doch nach und nach leerte sich das Gewächshaus. Die letzten fünfzehn Minuten hatten wir die tropische Welt fast für uns allein , umgeben von farbenprächtigen Schmetterlingen, exotischen Vögeln, Fischen und den erstaunlich großen, ständig hungrigen Raupen.
Als wir zurückkamen, war Martin bereits wieder da und brachte Norwin noch nach Ehnen, damit auch dessen Auto nach Grevenmacher kam. Nach dem Abendessen kamen Jim, Jahin und Guiness wie versprochen zu uns an Bord. Bei einem Glas Wein saßen wir lange zusammen, hatten immer noch viel zu erzählen und lachten viel . Jim ließ Guiness ein paar lustige Kunststücke vorführen. Erst gegen halb zehn wurde es spürbar frisch, sodass sich unsere Gäste verabschiedeten. Schade, dass wir nicht länger Zeit haben.
Für uns war der Tag damit aber noch nicht ganz vorbei. Martina, Norwin, Martin und ich verzogen uns in den Salon und spielten zum Abschluss noch eine gemütliche Runde Wizard , die heute Norwin für sich entscheiden konnte. Ein schöner Ausklang eines rundum gelungenen Tages auf der Mosel.
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