Nach einigen Tagen voller Vorbereitungen für die Crew und Martins technische Bastelei, um sein gesamtes Equipment wieder auf den neuesten Stand zu bringen, war es heute endlich soweit: Wir machen uns auf den Weg nach Griechenland.
Heute Mittag ging es zunächst nach München zum Flughafen. Ab morgen startet der erste von insgesamt vier Törns durch die herrlichen Kykladen – eine traumhafte Inselwelt mitten in der Ägäis, die uns in den nächsten Wochen hoffentlich mit viel Sonne, Wind und ganz viel griechischem Lebensgefühl verwöhnen wird.
Unser Flug mit Aegean Airlines hatte zwar etwas Verspätung, aber am Flughafen findet sich ja bekanntlich immer etwas, womit man die Zeit totschlagen kann. Der Flug selbst verlief dann erstaunlich entspannt. Kaum in Athen angekommen, begann allerdings der weniger entspannte Teil des Abends … Unser vorab gebuchtes Taxi hatte aufgrund unserer Verspätung kurzerhand storniert. Also hieß es: Koffer schnappen, Menschenmassen durchqueren und möglichst irgendwo ein neues Uber-Taxi auftreiben. Zwischen unzähligen Menschen, Koffern und gefühlt tausend Autos war die Suche nach unserem Fahrer fast schon die erste Hürde . Aber irgendwann war auch diese Herausforderung gemeistert.
Kurz vor ein Uhr nachts erreichten wir schließlich unser kleines Apartment. Jetzt heißt es erst einmal schlafen – denn morgen geht es richtig los! Die Kykladen warten auf uns. Der erste Törn kann beginnen.
Als wir heute Morgen aufwachten, lachte die griechische Sonne vom Himmel. Google empfahl uns ein kleines griechisches Café ganz in der Nähe unseres Apartments. Einige Einheimische hatten das Frühstücksangebot bereits für gut befunden und so setzten wir uns einfach dazu. Kaffee, ein kleines Frühstück , besser konnte der erste Morgen kaum beginnen.
Währenddessen schrieb uns Kostas, der Eigner unseres Schiffes, dass er bereits an Bord der GEORGINA sei. Wir überlegten kurz, ob wir zu Fuß zur Marina gehen sollten, entschieden uns dann aber doch für ein Taxi. Schließlich wollten wir frisch und munter am Schiff ankommen und nicht schon vor dem ersten Segeltag völlig durchgeschwitzt sein.
Kostas empfing uns herzlich und machte mit Martin gleich eine ausführliche Bootsbegehung. Und da konnte man schon nach wenigen Minuten erkennen: Die beiden alten Seebären waren sofort auf einer Wellenlänge. Es wurde gefachsimpelt, geschaut und erklärt. Männer und Boote , manchmal braucht es eben nicht viele Worte. Während Martin sich mit Kostas und der Technik beschäftigte, machte ich mich über die Kabinen her und hübschte die noch ein bisschen auf und inspirierte die Küche. Schließlich will man ja wissen, womit man es in den nächsten Tagen zu tun bekommt.
Die Georgina, übrigens nach der Tochter von Kostas benannt, erwies sich als richtig gut ausgestattetes Schiff. Ich bereitete derweil schon einmal Kaffee und Tee vor. Stefan aus Leipzig wollte sich um Kuchen und Milch kümmern. Kurz nach zwei Uhr hörte ich plötzlich vertraute Stimmen. Susi und Lorenz, meine besten Freunde, waren angekommen und hatten gleich Stefan mitgebracht. Oder war es umgekehrt? So genau ließ sich das im allgemeinen Ankunftstrubel nicht mehr nachvollziehen.
Kurz darauf staunten wir nicht schlecht, als ein Auto mit Münchner Kennzeichen vor dem Boot hielt. Christine und ihr Sohn Johannes stiegen aus. Ihr Mann hatte die beiden gebracht, machte sich danach aber wieder auf den Weg, denn gemeinsam mit dem anderen Sohn Benedikt hatte er noch eine tolle Autotour durch den Balkan vor sich zurück nach München. Unsere Crew war damit fast komplett. Werner aus der Schweiz sollte erst gegen Abend eintreffen.
Bei Kaffee und Kuchen ,Christine hatte zusätzlich noch eine herrlich leckere Melone mitgebracht, begann erst mal das große gegenseitige Kennenlernen. Währenddessen hatte Martin bereits die Einkaufsliste in Angriff genommen. Und perfekt, wie er ist. wird nicht einfach planlos eingekauft, sondern akribisch geplant. Nach etwa einer Stunde schwärmten wir aus. Martin wollte sich lieber weiter mit dem Boot vertraut machen. Wir anderen sechs machten uns auf den Weg, um den Wocheneinkauf für acht Personen zu organisieren. Klingt einfach. War es aber nicht.
Zunächst fragten wir ein Taxi. Der Fahrer sah uns kurz an, überlegte es sich anders und fuhr einfach davon. So schrecklich sahen wir doch gar nicht aus. Ein Uber-Van wollte die kurze Strecke ebenfalls nicht fahren. Also gut. Dann eben zu Fuß. Eine halbe Stunde später standen wir vor einem riesigen Supermarkt. Christine hatte die Einkaufsliste inzwischen in unsere WhatsApp-Gruppe gestellt und jeder übernahm einen Teil. Um 18 Uhr wollten wir uns wieder treffen. Was dann folgte, war eine Art Schnitzeljagd für Erwachsene – nur mit Einkaufswagen. Nach und nach konnte ich viele Dinge von der Liste abhaken. Doch kaum war ein Punkt erledigt, stellte sich heraus, dass irgendetwas anderes fehlte. Also musste wieder jemand zurück durch die endlosen Gänge des Supermarktes. Das brauchen wir noch!“ Wo ist denn das?“ Hat jemand Oliven?“ Wir brauchen noch Milch!“ Und irgendwo dazwischen versuchte wahrscheinlich jeder, den Überblick zu behalten. Endlich hatten wir tatsächlich alles beisammen. Acht voll beladene Einkaufswagen rollten Richtung Kasse. Da wurde uns dann langsam bewusst, was wir eigentlich angerichtet hatten.
Nach dem Bezahlen stellte sich nämlich die nächste Herausforderung: Wie bekommen wir das alles zurück zur Marina? Der Supermarkt liefert am Samstag Nachmittag nicht mehr. Ein Taxi zu bekommen, erwies sich erneut als kleine Herausforderung. Stefan nahm die Sache schließlich selbst in die Hand und hielt einfach ein Taxi auf der Straße an. Der Fahrer staunte nicht schlecht, als er unsere Berge von Kisten und Tüten sah. Alles passte natürlich nicht hinein. Also brauchten wir noch ein zweites Taxi. Lorenz, Susi und Stefan fuhren mit dem ersten Wagen schon einmal Richtung Marina, während Christine, Johannes und ich auf das zweite Taxi warteten. Als es endlich da war, wurde eingeladen, umgeladen und irgendwie alles verstaut. Dann ging es Richtung Marina. An der Hafenschranke wollte uns der Security-Mitarbeiter zunächst nicht durchlassen. Gerade war ein Tageskreuzfahrtschiff zurückgekommen und eine riesige Menschenmenge spazierte durch den Hafen. Es folgten Diskussionen, Erklärungen, Ausladen, wieder Einladen und noch einmal Erklärungen. Nach längerem Hin und Her durften wir dann tatsächlich bis zum Schiff weiterfahren.
Mittlerweile war auch Werner aus der Schweiz angekommen und damit war unsere Crew nun vollständig. Das Verräumen der Einkäufe dauerte allerdings deutlich länger als gedacht. Schließlich mussten Lebensmittel, Getränke und all die anderen wichtigen Dinge ihren Platz finden. Inzwischen war es schon ziemlich spät geworden. Einige hatten keine Lust mehr, noch in die Stadt zum Essen zu gehen. Also wurde kurzerhand improvisiert. Ich zauberte eine typisch einfache griechische Brotzeit auf den Tisch: Tomatensalat, die Tomaten schmecken hier einfach mega, und ein bisschen Salami, Oliven und allerlei Kleinigkeiten. Martin, Christine und Johannes hielten dagegen am ursprünglichen Plan fest und machten sich noch auf den Weg in die Stadt zum Essen. Wir anderen blieben auf der Georgina.
Und das sollte sich als ausgesprochen gute Entscheidung herausstellen. Gegenüber wurde nämlich gerade der 40. Geburtstag einer gewissen Helma gefeiert. Die Musik war dermaßen laut, dass wir auf unserem Schiff praktisch mittendrin statt nur dabei waren. Also wurde kurzerhand auf dem Boot mitgetanzt. Dann sorgte auch noch eine beeindruckende Drohnenshow über dem Hafen für staunende Gesichter. Wir saßen zusammen, sinnierten über Gott und die Welt, erzählten Geschichten, lachten und genossen einfach den ersten Abend. Und natürlich durfte nach diesem durchaus sportlichen Einkaufstag auch eine kleine Belohnung nicht fehlen. Die erste Flasche Ouzo wurde geköpft. Schließlich hatten wir uns das nach acht vollen Einkaufswagen, zwei Taxis und diversen Diskussionen an der Hafenschranke redlich verdient. Wir vergaßen dabei völlig die Zeit.
Als Martin, Christine und Johannes gegen 23 Uhr vom Restaurant zurückkamen, staunten sie nicht schlecht über die ausgelassene Stimmung an Bord. Der erste Tag war damit eigentlich schon perfekt für sich gewesen: Sonne, ein neues Schiff, eine bunt zusammengewürfelte Crew, ein Großeinkauf als logistisches Abenteuer, zwei Taxis, eine Hafensperre, Ouzo, Musik und eine Drohnenshow. Und dabei sollte unser eigentlicher Segeltörn erst morgen beginnen. Wenn das ein Vorgeschmack auf die nächsten Tage war, konnte es eigentlich nur gut werden. und sind gespannt, wohin uns Wind und Wetter am nächsten Tag führen werden.
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