Okt.

16

In der Nacht hat es uns noch einmal ganz schön durchgeschüttelt. Am Morgen wurde es zwar zunehmend ruhiger, doch draußen war es immer noch empfindlich kühl und der Himmel zeigte sich in einem ziemlich tristen Grau. Aber irgendwo am Horizont war eine kleine blaue Lücke zu erkennen. Unser Ziel war klar: Da wollen wir hin.
Das Frühstück verlegten wir kurzerhand wieder nach drinnen.

Während wir noch gemütlich zusammensaßen, wurde es draußen langsam heller und es kam Bewegung auf. Schon in den frühen Morgenstunden machten sich zahlreiche Segler auf den Weg. Martin kommentierte das Ganze mit einem Grinsen, „Die Flucht aus Poros“
Nachdem bei uns alles klar Schiff war, wurde auch das Dinghi aufgeräumt. Es fehlten nur noch die Schwimmleinen, die wir an den Felsen festgemacht hatten. Klaus erklärte sich freiwillig bereit, sie zu lösen. Martin wies ihn und die Crew noch kurz ein, dann ging alles recht flott. Klaus war wieder an Bord und endlich konnten auch wir nach unserem unfreiwilligen Zwischenstopp die Leinen losmachen.


Mit uns fuhren unzählige andere Segelboote auch Richtung Athen. Was sich da auf dem Wasser abspielte, sah richtig toll aus, fast wie bei einer Segelregatta!
Da noch ordentlich Wind wehte, setzten wir das Großsegel, natürlich gerefft, und rollten die Genua aus. So rauschte die Georgina mit Windgeschwindigkeiten zwischen 15 und 32 Knoten in Richtung Epidaurus. Den Kaffee gab es heute ausnahmsweise unterwegs, sonst wäre es zu spät geworden.


Nach rund sechs Stunden erreichten wir den alten Hafen von Epidaurus. Leider hatten viele andere Segler offenbar dieselbe Idee gehabt und waren vermutlich ein wenig früher gestartet. Für uns war kein Platz mehr zu finden. Also drehten wir um und steuerten den neuen Hafen an. Doch auch dort war alles belegt. Schließlich blieb uns nichts anderes übrig, als draußen zu ankern.


Um 18 Uhr setzte Martin Waltraud, Norbert und mich schon einmal mit dem Dinghi an Land. So blieb uns noch etwas Zeit, das nette Städtchen zu erkunden.Und was soll ich sagen? Hier fühlt man sich auf Anhieb wohl! Die Häuser mit ihren warmen Farben und der charmanten Architektur erinnern irgendwie an die Toskana. Überall waren Orangen und Granatapfelbäume.
An Bord hatten wir uns bereits auf ein Restaurant geeinigt. Ich reservierte für 19 Uhr einen Tisch im Regalo. Der Wirt war ausgesprochen nett und freute sich offenbar über unseren Besuch.


Bevor wir uns zum Essen trafen, schaute ich mir noch die Kirche Agios Nikolaos an. Sie wirkte mit ihrer imposanten Erscheinung beinahe wie ein kleiner Palast. Dank der vielen Segler, die inzwischen im Hafen und vor der Küste lagen, hatten auch noch zahlreiche Geschäfte geöffnet. Es herrschte eine richtig schöne Abendstimmung im Ort.
Norbert und Waltraud hatten es sich inzwischen schon in einem Restaurant am Hafen gemütlich gemacht und warteten dort auf den Rest der Crew. Als wir schließlich alle beisammen waren, ging es gemeinsam ins Regalo.
Der Wirt war aufmerksam, flott und ausgesprochen herzlich. Die Vorspeisen standen im Nu auf dem Tisch und schmeckten hervorragend. Auch bei den Hauptgerichten gab es nichts zu beanstanden. Die guten Google-Bewertungen waren offenbar mehr als verdient.Zum Nachtisch wurde uns noch ein Kuchen serviert, der in Orangensirup getränkt war. Köstlich, aber auch unglaublich süß!

Eigentlich hatten wir danach noch Lust auf ein Eis, doch weil wir so satt waren, beschlossen wir, darauf lieber zu verzichten.Martin übernahm anschließend wieder den Fährdienst mit dem Dinghi und brachte uns in zwei Touren zurück zur Georgina.


Zurück an Bord ließen wir es gemütlich angehen. Nach dem turbulenten Wetter, dem aufregenden Ablegen und der langen Segelstrecke hatten wir uns keine Lust mehr auf ein Spiel. Bei einer Flasche Wein ließen wir den Tag noch einmal Revue passieren.

Okt.

14

Die Nacht hatte es in sich: Es regnete ordentlich, und dazu war es empfindlich frisch. Nur der angekündigte Wind ließ sich zunächst noch etwas Zeit. Dafür war es an Deck bereits so zugig, dass wir heute zum ersten Mal unseren Frühstückstisch nach drinnen verlegten. Leo zauberte Rühreier und im Salon war es am großen Tisch richtig schön kuschelig. Draußen konnte das Wetter machen, was es wollte , wir hatten es auf jeden Fall gemütlich.
Gegen neun Uhr nahm der Wind dann zunehmend Fahrt auf. Der Himmel war dunkelgrau und komplett zugezogen. Bei unseren Nachbarbooten herrschte reges Treiben. Überall waren die Crews an Land unterwegs, um ihre Landleinen zu kontrollieren. Martin nahm unsere Leinen sicherheitshalber mit dem Fernglas unter die Lupe. Alles bestens. Ludwig und Klaus hatten bei der Vorbereitung ganze Arbeit geleistet.


Mit dem stärker werdenden Sturm zog es nach und nach fast alle zurück in die Kojen. Nur Leo hielt tapfer die Stellung und vertiefte sich in sein Buch. Der Wind wurde immer heftiger, und die Georgina schaukelte ordentlich in der Bucht. Leo, Ludwig und Norbert machten es sich im Salon gemütlich und harrten der Dinge.

Der Rest der Crew tauchte zwischendurch immer wieder auf, um sich einen kleinen Snack zu gönnen, bevor es zurück in die Kojen ging.Ein richtiger Sturmstop in der Bucht eben , nicht unbedingt eingeplant, war aber wegen dem Wetter notwendig. Am Nachmittag kam endlich unser Lieblingskartenspiel wieder auf den Tisch „Wizard“ . In den letzten Wochen hatten wir viel zu selten gespielt, also wurde es höchste Zeit. Zwischen den Kartenrunden wurde natürlich auch ausgiebig über die verschiedenen Wetterprognosen gefachsimpelt, auch wenn das Wetter gelegentlich seine ganz eigenen Pläne verfolgt.Gegen den späten Nachmittag ließ der Wind ein wenig nach. Dick eingepackt konnte man sich nun auch wieder nach draußen wagen. Und als hätte das Wetter ein Einsehen mit uns, lugte tatsächlich die Sonne zwischen den Wolken hervor. Sie zauberte ein wunderschönes Licht über die Bucht und ließ den stürmischen Tag für einen Moment gleich viel freundlicher erscheinen.Doch nicht nur wir und die Georgina hatten mit dem Sturm zu kämpfen. Auch ein kleiner, ziemlich erschöpfter Besucher suchte offenbar Schutz bei uns. Eine Taube mit einer ganz besonderen Färbung landete am Bug der Georgina. Dort ruhte sie sich eine Weile aus, bevor sie sich frech und munter übers Trampolin hüpfte.

Alex und Klaus, die es sich oben auf der Flybridge „gemütlich“ oder besser gesagt windtauglich gemacht hatten, berichteten sogar, dass die kleine Federkugel schon länger auf dem Boot war. Offenbar hatte sie die Georgina kurzerhand zu ihrem persönlichen Sturmquartier erklärt. Irgendwann machte sie sich wieder davon , hoffentlich mit etwas mehr Kraft für den Weiterflug.

Am Abend übernahm Waltraud das Kommando in der Kombüse. Es gab Nudeln mit Tomatensoße und Salat. Klaus kümmerte sich um den Tisch, und schon bald saßen wir wieder alle gemütlich beisammen. Das Essen schmeckte, alle wurden satt, und draußen tobte der Wind weiter.

Drinnen war es warm, gemütlich und einfach schön.Ludwig und Leo machten anschließend noch klar Schiff, bevor uns die nächste Herausforderung erwartete: die Hornochsen! Acht lustige Runden lang wurde gezockt, geblufft, mitgefiebert und natürlich jede Menge gelacht. Am Ende des Abends stand unser Youngster Ludwig als Hornochse mit den meisten Punkten fest.


Nach so einem langen, wetterbedingt eher zähen Tag in unserer Ankerbucht waren schließlich alle froh, in die Kojen zu verschwinden. Draußen fegte immer noch der Sturm über die Bucht und alle hofften auf eine ruhige Nacht.

Okt.

13

Schon in den frühen Morgenstunden herrschte an Bord rege Betriebsamkeit. Unser heutiges Ziel hieß Poros, die grüne Perle im saronischen Golf und bis dorthin lagen rund 45 Seemeilen vor uns. Martin wollte spätestens um acht Uhr ablegen. Bei mäßigem bis gar keinem Wind rechnete er mit etwa zehn Stunden Fahrt. Klaus und ich machten uns noch schnell auf den Weg zum Bäcker, um frisches Brot und ein paar süße Teilchen für unseren langen Schlag zu besorgen. Gefrühstückt wurde heute ganz nach individuellem Bedarf , schließlich wollten wir keine Zeit verlieren. Einige andere Boote waren sogar schon kurz nach sechs Uhr gestartet. Vermutlich wollten auch sie das für morgen vorhergesagte, ungünstige Wetterfenster mit kräftigem Wind umgehen. Pünktlich um acht hieß es dann wie jeden Tag: Anker auf und Leinen los! Für die Verpflegung unterwegs war ebenfalls gesorgt. Waltraud und Norbert zauberten einen leckeren Thunfischdip für später.


Anfangs kamen wir allerdings nur schleppend voran. Es herrschte nahezu Windstille, und so tuckerten wir gemütlich mit dem Motor dahin. Die Flaute wurde kurzerhand zur Gelegenheit für eine kleine Knotenkunde auf der Flybridge. Klaus übte fleißig und Norbert gesellte sich dazu . Alex machte es sich vorne gemütlich, um in Ruhe zu lesen. Auch einige andere Segelboote waren unterwegs. Schließlich passierten wir Agios Georgios, die Insel mit den zahlreichen Windrädern, die schon von Weitem gut zu erkennen waren.
Gegen halb eins war es Zeit für eine kleine Stärkung. Auf den Tisch kamen der selbst gemachte Thunfischdip, Eier, Tomaten und Gurken. Für den süßen Genuss zwischendurch teilte ich die Bougatsa, die wir am Morgen beim Bäcker gekauft hatten. Das griechische Blätterteiggebäck schmeckt wunderbar als kleines süßes Häppchen , genau das Richtige für unterwegs.
Und dann, gegen ein Uhr frischte tatsächlich der Wind plötzlich auf! Die Genua wurde ausgerollt, der Motor ausgeschaltet , was für eine Wohltat! Endlich konnten wir richtig segeln und düsten bei etwa zehn Knoten über das Wasser. Poros war bereits in Sichtweite, und die Stimmung an Bord wurde gleich noch ein bisschen besser.


Um halb vier erreichten wir schließlich den Hafen von Poros-Stadt. Poros verzaubert mit pastellfarbenen Häusern, kleinen Tavernen und einem malerischen Hafen, über dem der weiße Uhrturm thront. Anders als viele griechische Inseln ist Poros wunderbar grün: Pinienwälder reichen bis ans türkisfarbene Meer. Für Segler sind die geschützten Buchten und das lebendige Hafenstädtchen besonders reizvoll. Doch die Freude auf einen gemütlichen Liegeplatz wurde schnell gedämpft. Der Hafen war proppenvoll! Langsam fuhren wir an der Promenade entlang, vorbei an Segelbooten, die dicht an dicht lagen. Manche lagen sogar schon im sogenannten Päckchen, also mehrere Boote nebeneinander. Martin drehte noch eine zweite Runde, doch auch diesmal war weit und breit kein freier Platz zu entdecken.
Da auch außerhalb des Hafens bereits zahlreiche Segler ankerten, entschied Martin, die Stadt hinter uns zu lassen und einen Ankerplatz etwas außerhalb anzusteuern.
An der Russian Bay lagen bereits einige Segelboote, deren Crews ihre Boote mit Leinen an den Felsen gesichert hatten. Nun sollten auch unsere Schwimmleinen zum ersten Mal zum Einsatz kommen. Ludwig und Klaus sprangen ins Wasser und schwammen zu den Felsen hinüber, um die Leinen dort zu befestigen. Was für eine Aktion. Aber beide erledigten ihre Aufgabe super. Anschließend hangelte sich Klaus an der Leine zurück zum Boot, während Martin danach mit dem Dinghi noch einmal alles kontrollierte. Am Ende saß alles, und wir lagen sicher vor Anker.


Dann machten wir uns fertig für den Landgang. Bis nach Poros-Stadt mussten wir knapp eine Stunde laufen. Martin hielt unterwegs kurzerhand ein Auto an, mit dem Waltraud und Norbert schon einmal vorausfahren konnten. Die beiden wollten sich nach einem passenden Restaurant für den Abend umsehen.


In Poros vereinbarten wir einen Treffpunkt für 19 Uhr. Bis dahin konnte jeder die Stadt auf eigene Faust erkunden, ein wenig bummeln oder einfach das griechische Flair genießen. Martin, Ludwig und ich stiegen , nachdem wir uns ein Eis gegönnt haben, viele Treppen hoch zum Glockenturm. Die Aussicht war toll von da oben


Zum gemeinsamen Abendessen trafen wir uns alle zusammen im Poseidon Restaurant. Es war gut besucht, doch die Kellner waren ausgesprochen flink und freundlich. Das Essen schmeckte hervorragend, und auch die Portionen konnten sich wirklich sehen lassen! Nach dem langen Tag auf dem Wasser und dem langen Fußmarsch waren wir allerdings alle ziemlich geschafft. So langsam machte sich die Müdigkeit breit.

Gegen neun Uhr bestellten wir ein Taxi zurück zur Russian Bay. Von dort ging es mit dem Dinghi die letzten Meter hinaus zu unserem Boot.
Wieder an Bord, stand noch ein wichtiger Punkt auf dem Programm: der Wettercheck. Es waren Gewitter, Starkregen und kräftiger Wind angekündigt. Das klang nicht gerade gemütlich. Zum Glück liegen wir in unserer Bucht gut geschützt und hoffen, dass wir die Nacht ruhig überstehen.
Nach diesem langen, ereignisreichen Tag zog sich einer nach dem anderen in die Kojen zurück. Jetzt hoffen wir nur noch auf eine ruhige Nacht und darauf, dass das angekündigte Wetter nicht ganz so ungemütlich wird wie befürchtet.

Okt.

12

Die Nacht war eigentlich ganz ruhig ,wenn da nicht das Gequietsche einer Festmacherleine gewesen wäre. Norbert hielt es morgens um vier Uhr schließlich nicht mehr aus und kümmerte sich darum. Danach war wieder Ruhe an Bord.
Am Morgen zeigte sich die Chora von ihrer schönsten Seite, als die aufgehende Sonne die weißen Häuser in einem tollen Licht anstrahlte.. Ein herrlicher Anblick.

Nach unserem wie immer reichhaltigen Frühstück rief Martin die ganze Mannschaft zusammen. Da das Anlegemanöver am Vortag noch etwas holprig verlaufen war, gab es kurzerhand eine kleine Nachhilfestunde. Martin zeigte noch einmal, wie man die Leinen richtig auf den Klampen belegt und wie man sie beim Anlegen geschickt wirft.


Danach hieß es wieder: Leinen los und Anker auf.


Etwa fünf Stunden lagen vor uns. Leider spielte der Wind zunächst nicht mit, sodass wir die Strecke unter Motor zurücklegen mussten. Dafür verwöhnte uns die Sonne, und wir konnten es uns an Deck gemütlich machen. Gegen Mittag kam dann tatsächlich etwas Wind auf ,allerdings genau aus der Richtung, in die wir wollten. Und als wäre das nicht genug, frischte er auch noch ordentlich auf.


Waltraud hatte Martin inzwischen nach einem Badestopp gefragt. Seine Antwort war natürlich: Klar, kein Problem. Um 15 Uhr erreichten wir die wunderschöne Bucht von Kolona. Hier hatten wir beim ersten Törn auf der anderen Seite geankert, ganz in der Nähe der heißen Quelle.
Nach Kaffee und Kuchen hielt es Alex und Klaus nicht mehr an Bord. Sie schnappten sich gleich ein SUP und sprangen ins Wasser. Von dort aus schwammen sie sogar bis hinüber zur Sandbank. Und Waltraud wagte auch den Sprung ins kühle Nass. Die übrige Mannschaft beobachtete das Ganze lieber gemütlich vom Boot aus.


Als alle Schwimmer wieder wohlbehalten an Bord waren, lichteten wir den Anker und machten uns auf den Weg nach Merihas.
Und siehe da: Das Anlegemanöver klappte heute schon deutlich besser! Nach gerade einmal zehn Minuten war alles erledigt. Prima.


Anschließend machte sich die gesamte Crew auf den Weg an Land, um den kleinen Hafenort ein wenig zu erkunden. Martin und ich bummelten ebenfalls durch die Straßen. Zunächst ging es über gefühlt unzählige Treppen nach oben, vorbei an vielen leer stehenden Apartments, die offenbar bereits für die Winterpause vorbereitet waren. Von oben hatten wir dafür einen schönen Blick hinunter auf die Marina.


Mitten im Dorf sprach uns dann ein Wirt an. Wir standen gerade vor seiner Taverne, und er erzählte uns begeistert von den griechischen Gerichten, die seine Mama alle selbst zubereitet. Ob wir nicht am Abend zum Essen kommen wollten? Er drückte Martin noch seine Visitenkarte in die Hand.
Das klang doch richtig gut! Wir wollten die Idee erst einmal mit der Crew besprechen und versprachen, uns zu melden.
Als wir zum Boot zurückkamen, stellte sich heraus, dass der gute Mann offenbar sehr fleißig gewesen war: Jeder hatte mittlerweile seine Visitenkarte bekommen. Er hatte einfach alle Gäste aus unserer Mannschaft angesprochen und das mit einem so angenehmen Charme, dass man ihm kaum widerstehen konnte.
Also machten wir uns um halb sieben gemeinsam auf den Weg zu Kostas’ Taverne.
Die anderen Lokale waren nahezu leer, bei Kostas dagegen war es gerammelt voll. Na, wenn das kein gutes Zeichen war! Irgendetwas musste er schließlich richtig machen.


Wir bestellten verschiedene Vorspeisen zum Teilen und dazu eine bunte Auswahl griechischer Spezialitäten: Babyziege, Souvlaki, Moussaka und Lammkoteletts. Da war für jeden etwas dabei, und schon während des Essens herrschte eine richtig gute Stimmung.
Zurück an Bord ging der gemütliche Abend nahtlos weiter. Heute gab es ausnahmsweise einmal kein Spiel. Stattdessen saßen wir einfach zusammen, plauderten über Gott und die Welt, lachten viel und die Crew gönnte sich das eine oder andere Glas Wein.
Kein großes Programm, keine besonderen Aktivitäten , einfach ein schöner, entspannter Abend.

Okt.

11

Der erste Morgen mit unserer neuen Crew an Bord der Georgina. Natürlich durfte da ein ordentliches Frühstück nicht fehlen. Kaffee, Tee, frisches Obst, Joghurt fürs Müsli, Wurst und Käse standen bereit. Alle hatten mehr oder weniger gut geschlafen, und Klaus war der Erste, der sich im Salon blicken ließ.
Ich wollte noch schnell zum Bäcker, um frisches Brot zu holen. Allerdings hatte der erste Bäcker bereits Winterpause. Beim zweiten hatte ich dann Glück! Inzwischen saßen alle schon am Frühstückstisch und warteten auf das Brot. Als alle satt waren, hieß es für unsere neue Crew zum ersten Mal: Leinen los und Anker auf.
Die Aufgaben wurden verteilt, die Fender in der Vorschiffkabine verstaut und die Leinen ordentlich aufgeschossen und aufgeräumt. Das ist halt der übliche Ablauf.


Unser heutiges Ziel war Serifos, das wir bereits mit der ersten Crew angelaufen hatten. Rund 30 Seemeilen lagen vor uns. Anfangs war der Wind noch recht mäßig, doch im Laufe des Tages frischte er auf. Das Großsegel wurde gesetzt und die Genua aufgerollt. Es wurde gekreuzt, der Wind nahm weiter zu und die Segel mussten gerefft werden. So hatten wir doch noch einen schönen Segeltag, bei dem unsere neue Crew gleich ein bisschen Segelpraxis sammeln konnte.

Gegen 16 Uhr erreichten wir Serifos. Im Hafen hieß es dann wieder: Fender raus, Leinen vorbereiten und das Anlegemanöver angehen. Das klappte eigentlich ganz gut, auch wenn Martin mit dem Wind zu kämpfen hatte. Anschließend mussten wir die Leinen noch einmal umsetzen, weil der Hafenmeister die Pollerbelegung anders haben wollte.

Aber auch das war schnell erledigt, und wir konnten uns erst einmal einen wohlverdienten Kaffee gönnen.Danach lockte uns die Chora, das hoch oben am Hang gelegene Hauptdorf von Serifos. Leo, Klaus, Ludwig, Martin und ich machten uns zu Fuß auf den Weg über den Wanderweg hinauf. Norbert, Waltraud und Alexandra teilten sich derweil mit unseren Bootsnachbarn ein Taxi und fuhren bequem nach oben.
Ludwig und ich waren unserer Wandergruppe ein Stück voraus. Allerdings bogen wir offenbar irgendwann falsch ab. Martin war deshalb als Erster an der Platia und schickte mir kurzerhand seinen Standort. Navigation per Handy , auch beim Wandern manchmal ganz hilfreich.

Unterwegs trafen wir in den verwinkelten Gassen wieder auf Leo und Klaus. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum höchsten Punkt, hinauf zur kleinen Kapelle. Dort wurden wir mit einem grandiosen Ausblick über die Bucht und den Hafen belohnt.


Von oben entdeckten wir auch den Rest unserer Gruppe, der sich durch die Gassen bewegte. Waltraud, Norbert und Alexandra waren ebenfalls zu Fuß unterwegs. Irgendwann trafen wir uns alle in dem einzigen Café, das noch geöffnet hatte. Leider mussten wir feststellen, dass die Platia bereits im Winterschlaf lag. Die meisten Lokale und Geschäfte hatten geschlossen. Wie anders war es doch noch vor vier Wochen gewesen. Damals hatten wir Serifos voller Leben erlebt, mit geöffneten Tavernen und Menschen in den Gassen. Gottseidank habe ich diese lebendige Seite der Insel noch kennenlernen dürfen. Jetzt kündigt sich langsam das Ende der Saison an.

Also machten wir uns wieder an den Abstieg nach unten. Martin, Ludwig, Norbert, Waltraud und ich ließen es beim Abstieg etwas gemütlicher angehen. Leo, Klaus und Alexandra bildeten die Vorhut und suchten schon einmal nach einem passenden Restaurant fürs Abendessen. Ihre Wahl fiel auf das Mpapakaki . Das Restaurant liegt direkt am Wasser, und die Tische stehen mitten im Sand. Genau die richtige Kulisse für einen entspannten Abend auf einer griechischen Insel.
Als wir unten ankamen, setzten wir uns zu den anderen. Das Essen kam erfreulich schnell und war lecker, denn nach der Wanderung hatten wir alle ordentlich Hunger.


Auch hier war der Unterschied zu den vergangenen vier Wochen deutlich zu spüren. Zwar waren noch einige Touristen unterwegs, aber von dem Trubel, den wir vor einem Monat erlebt hatten, war nicht mehr viel übrig. Bald wird auch auf Serifos endgültig die Winterruhe einkehren. Zurück auf der Georgina war der Abend noch lange nicht vorbei. Schließlich standen noch drei Spiele unserer beliebten Hornochsen-Runde aus. Also: Karten auf den Tisch und los ging’s.
Leider setzte Norbert seine beeindruckende Punktesammlung fort und sicherte sich am Ende des Abends den Titel unseres Hornochsenkönigs. Herzlichen Glückwunsch.
Martin und ich spielten anschließend noch eine Runde Backgammon im Salon. Er hat nicht gewonnen.
Draußen im Cockpit saß der Rest der Crew noch gemütlich zusammen. Es wurden Geschichten rund ums Segeln erzählt, Erinnerungen ausgetauscht und natürlich auch ordentlich Seemannsgarn gesponnen. So verging die Zeit wie im Flug.
Damit ging der erste Tag unserer neuen Crew zu Ende: mit einem schönen Segeltag, einer Wanderung durch die verwinkelten Gassen von Serifos, gutem Essen direkt am Meer und einem geselligen Abend an Bord.

Okt.

10

Wie immer beim Crewwechsel gab es jede Menge zu tun. Schließlich sollten sich unsere neuen Gäste an Bord der Georgina von Anfang an wohlfühlen. Also hieß es für mich, Ärmel hochkrempeln und loslegen. Zuerst wurde ein Begrüßungskuchen gebacken, danach waren die Kabinen an der Reihe. Putzen, Betten machen und alles für die neuen Mitsegler vorbereiten .Bis zum Mittag hatte ich aber das meiste geschafft.
Zur Belohnung gönnten Martin und ich uns anschließend ein Eis in der Altstadt von Parikia. Eine kleine Pause musste schließlich sein, bevor unsere neuen Gäste eintrafen.
Kurz vor drei Uhr war es dann so weit. Waltraud und Norbert aus Berlin kamen an Bord. Die beiden hatten bereits eine knappe Woche in Naoussa auf Paros verbracht. Gleich danach trafen auch Alexandra und Klaus aus Österreich ein, die sich ebenfalls schon eine Woche in Parikia und der Umgebung umgesehen hatten.
Nach einem herzlichen Hallo zeigte Martin den beiden Paaren ihre Kabinen. Anschließend gab es erst einmal Kaffee, Kuchen und frisches Obst.
Danach kam wie immer unsere bewährte Einkaufsliste zum Einsatz. Darauf halten wir die Essens- und Getränkewünsche unserer Gäste fest, damit beim anschließenden Einkauf auch möglichst alles dabei ist, was gebraucht wird. Da dies unser letzter Törn für dieses Jahr ist, fiel der Einkauf diesmal etwas überschaubarer aus. Die größten Posten waren Kühlwaren, Getränke und Obst, dazu ein bisschen Gemüse.


Den Einkauf hatten wir inzwischen routiniert verstaut. Mittlerweile sind wir darin ja schon richtig geübt.
Da ertönte plötzlich eine vertraute Stimme von draußen: „Hallo, jemand zu Hause?“
Leo und Ludwig aus München waren angekommen! Die Wiedersehensfreude war groß, und es war richtig schön, die beiden nun ebenfalls an Bord begrüßen zu können. Auch sie machten sich erst einmal daran, ihre Sachen auszupacken.
Für unsere übrigen Gäste hieß es inzwischen: in Ruhe ankommen, sich an Bord umschauen und sich ein wenig akklimatisieren. Schließlich ist so ein Schiff doch etwas anderes als ein Hotelzimmer.
Kurz vor dem Abendessen versammelte Martin die gesamte Crew zur Bootsbegehung. Dabei erklärte er die wichtigsten Dinge an Bord: die Instrumente, die Rettungswesten, seine Navigation und natürlich auch die Funktionsweise des Funkgeräts. Schließlich sollen alle wissen, wo was zu finden ist und wie man sich im Fall der Fälle verhält. Ein bisschen Sicherheit gehört schließlich dazu, bevor es morgen losgeht.

Alexandra und Klaus hatten eine Restaurantempfehlung für uns, die wir gerne aufgriffen. Also machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Almira.
Das Timing hätte kaum besser sein können. Während wir durch die Straßen spazierten, verabschiedete sich die Sonne gerade am Horizont. Was für ein Anblick! Natürlich wurden sofort die Handys gezückt, um diesen Moment.


Im Restaurant angekommen, wurden extra zwei Tische für uns zusammengestellt. Der Wirt vom Almira war ausgesprochen freundlich und wusste zugleich, wie man seine Gäste bewirtet. Das Essen kam flott, sah richtig appetitlich aus und schmeckte auch noch hervorragend. Was will man mehr?


Gut gestärkt und zufrieden machten wir uns später auf den Rückweg.


Zurück an Bord wollten wir eigentlich unsere Wizard-Karten auspacken. Doch bevor es dazu kam, beschlossen wir, unseren neuen Gästen erst einmal in das Kartenspiel Hornochsen einzuweihen . Leo und Ludwig kannten das Spiel natürlich schon.
Es wurde erklärt, gelacht und gespielt. Allerdings waren die ersten Zeichen der Müdigkeit bald nicht mehr zu übersehen. Kein Wunder nach einem Tag voller Anreise, Kabinenbezug, Erklärungen und neuer Eindrücke. Deshalb brachen wir die Runde ab, bevor das Spiel ganz zu Ende war.
Eine erste Tendenz, wer sich zum Hornochsen-König entwickeln könnte, zeichnet sich allerdings bereits ab.
Aber wer es tatsächlich wird, verrate ich erst morgen!

Okt.

10

Mit Ausschlafen war heute wieder einmal nichts. Martin wollte möglichst früh los, damit wir in Parikia auf Paros noch einen Platz an der Hafenmole bekommen. Also hieß es nach dem Frühstück wie jeden Tag: Leinen los und Anker auf. Die Mannschaft stand bereit und schon bald lag unser Ankerplatz hinter uns.
Die rund zwei Stunden Fahrt nach Parikia mussten wir mangels Wind leider wieder unter Motor zurücklegen. Dafür konnten wir die Sonne an Deck in vollen Zügen genießen.


Als wir im Hafen von Parikia ankamen, staunten wir nicht schlecht: jede Menge freie Plätze. Wir freuten uns schon auf einen entspannten Nachmittag und darauf, alles ganz gemütlich angehen zu lassen.
Doch kaum hatten wir angelegt, tauchte unser persönliches Hafen-„Rumpelstilzchen“ auf. Mit den freundlichen Worten: „Georgina, you have one hour, then you must leave!“ machte er uns unmissverständlich klar, dass wir hier offenbar nicht erwünscht waren.
Wir schauten uns alle verdutzt an. Wie bitte? Wir sollten nach einer Stunde wieder verschwinden?
Martin machte sich auf den Weg zum Hafenmeister und zeigte ihm unsere Reservierung. Die Erklärung folgte prompt: Am Freitag habe er keinen Platz für uns, weil dann die ganzen Charterboote zurückkämen. Nun ja, bis dahin war der Hafen noch ziemlich leer, und freie Plätze gab es reichlich.


Wir versuchten alle, die Angelegenheit in Ruhe und mit freundlichen Worten zu klären. Leider stießen wir dabei auf wenig Verständnis. Unser Hafenmeister blieb stur , aber da hatte er die Rechnung ohne unseren Skipper gemacht. Martin kann nämlich ebenfalls ziemlich hartnäckig sein, wenn er von etwas überzeugt ist.
Also blieben wir erst einmal liegen. Schließlich hatten wir eine Reservierung. Währenddessen verabschiedeten sich Christian und Katja von Bord. Für die beiden ging es heute schon wieder nach Hause. Schade, dass ihr uns verlassen musstet. Wir wünschen euch eine gute Heimreise. Am Nachmittag wurde es im Hafen dann tatsächlich lebendig. Ein Katamaran nach dem anderen lief ein, dazu jede Menge weitere Segelboote. Plötzlich war ordentlich Betrieb, und die Hektik nahm spürbar zu. Weil die Plätze knapp zu werden schienen, wurde kurzerhand auch noch der Schwimmsteg belegt.
Martin und ich saßen oben auf der Flybridge und beobachteten das bunte Treiben. Es war durchaus spannend anzusehen, wie sich der Hafen nach und nach füllte. Und trotz aller Aufregung waren immer noch Plätze für die ankommenden Katamarane vorhanden.
Unser Rumpelstilzchen ließ sich davon allerdings nicht beruhigen. Auch gegen Abend gab er keine Ruhe und beschimpfte uns schließlich tatsächlich. Was genau dabei gesagt wurde, möchte ich an dieser Stelle lieber für mich behalten. Man muss ja nicht alles aufschreiben, was einem so im Hafen passiert.
Wir bleiben nun erst einmal bis Sonntagmittag hier und hoffen sehr, dass sich die Gemüter wieder beruhigen. Schließlich sind wir im Urlaub und nicht auf einer Krisensitzung.Nach diesem turbulenten Tag hatten wir uns einen gemütlichen Abend an Bord redlich verdient. Es gab griechischen Salat, Hähnchen und Melone ,einfach, lecker und vor allem gemütlich . Wir saßen zusammen, genossen den Abend und konnten endlich die Anspannung fallen lassen.
Zum Abschluss durfte natürlich auch eine Runde Hornochsenspiel nicht fehlen. Dabei wurde wieder ordentlich gelacht. Manchmal braucht es eben nur gutes Essen, nette Menschen und ein lustiges Kartenspiel.
Da Sabine, Doreen, Matze und Jürgen morgen bereits um sieben Uhr von Bord müssen, ging es anschließend für alle in die Kojen.
Fotos gibt es heute übrigens kaum. Bei all der Aufregung hatten wir schlicht andere Dinge im Kopf, als ständig die Kamera zu zücken.

Okt.

8

Noch im Dunkeln kam ich aus der Koje und entdeckte im Salon bereits einen Schlafgast. Also versuchte ich, mich möglichst leise Kaffee und Tee zuzubereiten, ohne gleich die ganze Crew aus dem Schlaf zu reißen. Draußen kämpfte sich langsam das Morgenrot durch, während die Hafenmiezen schon deutlich wacher waren als die Crew und lautstark ihre morgendliche Ration einforderten. Frühstücksservice mal anders.


Nach und nach trudelte die Crew ein, während Matthias sich kurzerhand wieder in seine Koje zurückzog. Jürgen absolvierte wie jeden Morgen erst einmal seine Schwimmrunde um den Katamaran. Doch irgendetwas war heute anders. Richtig, kein Wind, keine Wellen und jede Menge Sonne.
Nach den vergangenen Wochen mit ordentlich Wind und Seegang fühlte sich das echt gut an. Man konnte endlich wieder draußen an Deck sitzen, ohne sich dick eingepackt hinter der Sprayhood ( das ist der Windschutz aus Plastik auf der Flybridge) auf der Flybridge zu verschanzen. Für Segler natürlich eine kleine Katastrophe, der Rest der Crew dagegen freute sich.
Nach einem ausgiebigen Frühstück hieß es: Anker auf und Leinen los! Unser heutiges Ziel war die Marina von Naoussa auf Paros. Rund 25 Seemeilen lagen vor uns.

Bei spiegelglattem Wasser tuckerten wir gemütlich unter Motor dahin. Endlich konnten wir die Umgebung wieder richtig genießen, statt uns auf Wind , Wellen und Kälte zu konzentrieren. Ausflugsboote von Naxos kreuzten unseren Weg, Fähren zogen vorbei und ringsum gab es jede Menge Inseln zu bestaunen. Steuerbord lag Naxos, backbord Ios und dazwischen noch so manche weitere Insel.


Kurz vor eins liefen wir in Naoussa ein. Das Anlegemanöver klappte wie am Schnürchen, und keine zehn Minuten später lagen wir sicher fest. Der Skipper war zufrieden und verkündete spaßig : „Freigang“


Das ließen wir uns natürlich nicht zweimal sagen. Jürgen, Matze, Sabine und Doreen machten sich stadtfein und zogen los. Christian und Katja waren ebenfalls unterwegs. Die Gassen von Naoussa sind allerdings so schmal und verwinkelt, dass man sich ständig wieder über den Weg lief. Man konnte sich also kaum verlaufen, ohne wenigstens einem Crewmitglied zu begegnen.
Wir gönnten uns zunächst eine Pause in einer kleinen Taverne und suchten anschließend noch ein gemütliches Café.

Irgendwann zog es uns zurück aufs Boot .Nach einer Runde Chillen, Lesen und Smalltalk waren schließlich alle wieder an Bord. Doch Martin hatte noch einen Programmpunkt: Er wollte unbedingt zu einer Eisdiele, in der er bereits 2015 gewesen war.
Und tatsächlich , es gab sie noch.
Natürlich kauften wir ein Eis und ließen uns in möglichst derselben Pose wie damals vom Eisverkäufer fotografieren. Dem erzählte er, dass er vor elf Jahren schon mal hier war, aber zu der Zeit war der Eisverkäufer erst 11 Jahre alt.


Anschließend bummelten wir noch durch die hübschen Gässchen von Naoussa. Schon mittags hatten wir ein gut besuchtes Lokal entdeckt, das wir für den Abend ins Auge gefasst hatten. Also schnell umziehen und los , bei acht Personen sollte man schließlich nicht darauf vertrauen, einen freien Tisch zu bekommen.
Wir hatten Glück. Die Bedienung war flott, das Essen ausgesprochen lecker und die Stimmung bestens.


Danach wollten die Wittenberger noch ein wenig um die Häuser ziehen. Katja, Christian, Martin und ich kehrten dagegen aufs Boot zurück. Dort spielten wir endlich mal wieder unser Wizard.
Nach 15 Runden stand der Sieger fest. Und diesmal war es tatsächlich nicht der Skipper.
Als wir fertig waren, kehrte der Rest der Crew gut gelaunt zurück. Doch Doreen hatte noch eine Rechnung offen. Am Vortag hatte sie sich bei Hornochsen die Ehre der Krönung eingehandelt und wollte noch Revanche.
Also wurden die Karten erneut gemischt und einige lustige Runden gespielt. Und tatsächlich: Doreen konnte die Krone weiterreichen. Der neue Hornochsenkönig hieß Matthias.
Das Gelächter war groß, die Schadenfreude hielt sich ,zumindest teilweise ,in Grenzen.
Dann gingen wir alle müde in die Kojen.

Okt.

7

Heute Morgen konnten wir es ganz entspannt angehen. Nach unserem zehnstündigen Schlag vom Vortag waren doch noch einige von uns ein bisschen „malad“. Ausschlafen, gemütlich frühstücken und einfach mal keinen Zeitdruck , auch das gehört im Urlaub dazu.


Vier aus der Crew ,Jürgen, Doreen, Sabine und Katja – wollten gleich früh mit dem Taxi zum Felsenkloster hinauffahren. Nach einem gemütlichen Frühstück packten sie ihre Sachen und machten sich auf den Weg zum Taxistand.
Dabei war eine wichtige Erkenntnis vom letzten Besuch noch bestens im Gedächtnis: Frauen keine Hosen und Männer keine Röcke.


Christian und ich machten inzwischen erst einmal klar Schiff. Danach ging ich mit Martin los, um Amorgos zu erkunden.
Das ist wirklich ein kleines, verschlafenes Inselchen mit dem Kloster als Highlight. Weiße Häuser mit hübschen blauen Türen und Fensterläden, dazwischen Bougainvilleas, die wieder überall in voller Blüte standen. Uns lockte schließlich eine kleine Kapelle direkt am Wasser am Ende des Dorfes.
Dort standen noch ein paar Häuser, fast alle mit Zimmervermietung. Da fragt man sich allerdings, wie es hier wohl in der Hochsaison aussieht. Denn jetzt wirkte alles eher so, als hätte die Insel bereits den Winterschlaf beantragt.
Auf dem Rückweg begegneten wir dann auch schon wieder unseren Klosterbesuchern. Die Taxifahrerin hatte offenbar nicht vor, stundenlang auf die Crew zu warten. Also ging es nach der Besichtigung mit dem Taxi wieder den Berg hinunter , den wir beim letzten Mal tapfer zu Fuß bewältigt hatten.
Das Felsenkloster selbst hatte aber alle beeindruckt.
Während Doreen und Jürgen noch einmal loszogen, um das Dorf anzuschauen, ließ Matze erst einmal Wasser über das Deck laufen und befreite es vom Straßenschmutz.
Ich kümmerte mich derweil um die Kaffeerunde und zauberte ein paar Apfelküchle. Aus dem restlichen Teig wurden noch Pfannkuchen oder Eierkuchen, wie unsere Gäste sagen, gemacht.
Um halb zwölf hieß es dann wie fast jeden Tag: Leinen los und Anker auf.
Alle packten mit an und mittlerweile klappt das Zusammenspiel wirklich wie am Schnürchen. Zuerst hatten wir richtig guten Wind mit etwa 10 bis 15 Knoten. Das komplette Großsegel wurde gesetzt, die Genua ausgerollt und schon ging es unter Segeln mit rund sieben Knoten dahin.Das macht Spaß.

Natürlich hatte der Wind irgendwann wieder andere Pläne und verabschiedete sich. Also dümpelten wir zunächst gemütlich vor uns hin, bevor Martin schließlich die Motoren startete.
Aber die Sonne meinte es gut mit uns. Sie war angenehm warm und so machten es sich Doreen, Sabine und Jürgen sogar vorne im Trampolin bequem. Eigentlich war die ganze Crew draußen an Deck , jeder genoss einfach diesen herrlich entspannten Segeltag.

Kurz vor halb fünf erreichten wir Iraklia.
Ein großes„Welcome“-Schild am Hafen hieß uns schon mal willkommen.


Das Anlegemanöver dauerte keine zehn Minuten und schon lagen wir fest. Nach Kaffee und einer kleinen Brotzeit gingen Sabine, Doreen und Jürgen noch schwimmen, während Christian sich wieder sein SUP schnappte.


Martin und ich machten uns auf, das kleine Dorf zu erkunden.
Ganz ruhig und fast ein bisschen verschlafen liegt es am Hang. Den Hauptweg ging es hinauf, vorbei an weißen Häusern, blauen Türen und natürlich wieder jeder Menge Bougainvillea. Vieles war bereits winterfest gemacht. Nur zwei Tavernen und eine Bar hatten noch geöffnet – und auch dort war die Speisekarte schon etwas kleiner geworden. In den nächsten Tagen sollte auch hier die Saison endgültig zu Ende gehen.
Mitten im Dorf stand eine wunderschöne Kirche mit einer großen blauen Kuppel.
Wer braucht schon Mykonos.


Martin reservierte in einer der Tavernen einen Tisch und wir machten uns wieder auf den Weg zum Boot.
Dort wartete die Crew bereits auf uns., sie hatten alle Hunger. Wir berichteten von unserer Entdeckung und dann liefen wir alle los Richtung Taverne.


Der Wirt begrüßte uns freundlich und erklärte, was er an diesem Abend noch anbieten konnte. Er war ganz allein und machte tatsächlich alles selbst. Nach und nach kamen die verschiedenen Gerichte auf den Tisch – reichlich, lecker und genau das Richtige nach so einem Tag.
Am Ende waren alle satt und zufrieden.


Zurück auf dem Boot wurde es dann noch einmal richtig lustig. Heute spielten wir alle gemeinsam unser Hornochsenspiel. Es wurde gelacht, gezockt und natürlich ordentlich kommentiert.
Leider ging das Hornochsen-Krönchen dieses Mal an Doreen.
Aber keine Sorge, Doreen – eine Revanche gibt es bestimmt noch!
Und so ging wieder ein wunderschöner, sonniger Tag zu Ende.

Okt.

6

Punkt sieben Uhr rasselte die Ankerkette in den Ankerkasten zurück. Alle waren schon früh auf und hatten zumindest eine Kleinigkeit gefrühstückt, da es ja gestern vom Skipper hieß, um sieben ist Abfahrt. Ich hatte beim Bäcker noch ein paar kleine Teilchen besorgt, denn heute stand uns ein echter Ritt bevor: knapp zehn Stunden bis Amorgos.


Also suchte sich jeder an Bord sein persönliches Lieblingsplätzchen. Hauptsache bequem , denn dort würde man die nächsten Stunden vermutlich ziemlich viel Zeit verbringen.
Zunächst meinte es der Wind richtig gut mit uns. Während die Sonne langsam aufging, zeigte sich am Horizont sogar ein Viermaster, und draußen vor dem Hafen lag ein Kreuzfahrtschiff. Amorgos war ebenfalls schon zu sehen – allerdings noch sehr klein und gefühlt eine halbe Ewigkeit entfernt.

Gegen Mittag war dann plötzlich Schluss mit Wind. Einfach weg. Dafür wurde es in der Sonne richtig schön warm und wir mussten etwa zwei Stunden unter Motor weiter. Die Wellen kamen gleichmäßig von der Seite und so schaukelten wir mehr oder weniger gemütlich unserem Ziel entgegen.
Doch irgendwann frischte der Wind wieder auf, die Genua wurde ausgezogen und jetzt ging es richtig zur Sache. Er wurde stärker, die Wellen höher und die Georgina flog mit bis zu acht Knoten übers Wasser. Im Salon schepperte das Geschirr in den Schränken. Kurz nach vier Uhr war dann endlich der Hafen von Amorgos deutlich vor uns zu sehen.

Um halb fünf fiel der Anker und Martin peilte rückwärts die Hafenmauer an. Ein Helfer stand bereits bereit, nahm unsere Leinen entgegen und warf sie wieder zurück. Backbord klappte alles wunderbar. Nur an Steuerbord gab es einen kleinen Moment, in dem nicht ganz aufgepasst wurde und schon hatte sich eine Leine im Propeller verfangen.Na wunderbar.
Das Anlegen war trotzdem geschafft. Allerdings bedeutete das für unseren Skipper: Abtauchen!
Und so bekamen wir in Amorgos noch unser ganz persönliches Hafenkino geboten. Martin verschwand mit Taucherbrille und Flossen im glasklaren Hafenwasser. Einige Leute blieben neugierig stehen und beobachteten das Schauspiel. Aber da alles völlig unspektakulär und professionell ablief, löste sich die kleine Zuschauergruppe auch schnell wieder auf.
Martin hatte die Leine zum Glück bald aus dem Propeller befreit. Problem gelöst.Nach fast zehn Stunden auf See hatten wir jetzt vor allem eines: Hunger.


Also gab es erstmal eine ordentliche Brotzeit. Matthias machte sich zusätzlich noch eine heiße Suppe.
Der Wind war inzwischen wieder ordentlich frisch. Martin und ich machten noch einen kleinen Spaziergang in den gegenüberliegenden Hafen. Dort war es etwas windstiller, allerdings sorgten die Wellen für Bewegung an den Booten. Wir stellten zufrieden fest: Alles richtig gemacht , wir liegen gut da, wo wir sind.
In einer kleinen Bar gönnten wir uns noch einen Aperol und genossen den wunderschönen Sonnenuntergang.
Auch Christian und Katja waren unterwegs, und dem Rest der Crew begegneten wir nach und nach ebenfalls. Offenbar hatten nach zehn Stunden auf dem Boot alle dasselbe Bedürfnis: einfach mal die Beine vertreten.


Zurück an Bord gab es noch eine Runde Backgammon. Heute konnte ich mich tatsächlich mit 2:1 gegen Martin durchsetzen. Beim Kniffel hatte er dafür die Nase vorn. Man muss ja schließlich für einen gerechten Ausgleich sorgen.
Nach und nach verschwanden alle Crewmitglieder in ihren Kojen.
Kein Wunder , zehn Stunden auf See machen müde.
Und morgen wartet schon das nächste Abenteuer , das Felsenkloster von Amorgos.

Okt.

5

Um vier Uhr krähte irgendwo ein Hahn. Ein einziges Mal. Aber immerhin laut genug, um kurz daran zu erinnern, dass auf einer griechischen Insel offenbar auch nachts der Wecker so funktioniert.
Ansonsten: Windstille. Seit langem wieder mal.
Christian schlief draußen in der Hängematte und auf dem Boot rührte sich noch nichts. Um halb sechs schaute ich vorsichtig nach oben , immer noch alles ruhig. Also konnte ich ganz entspannt Kaffee und Tee vorbereiten und noch schnell einen kleinen Obstsalat schnippeln.
Jürgen war der Erste, der auftauchte und schwamm tatsächlich erst einmal eine Runde ums Boot. Allen Respekt.
Er und Doreen machten sich eine Kleinigkeit zum Frühstück und so nach und nach trudelte auch der Rest der Crew ein. Sogar unser Skipper war schon wach. Ein guter Anfang für den Tag.Nach einem kleinen Snack, den sich jeder selbst zubereitete, hieß es wieder: Leinen los und Anker auf.


Die Fender wurden nur schnell über die Reling geholt, die brauchen wir schließlich schon in zwei Stunden wieder.
Bye bye Arki, du kleines süßes Kleinod!
Hoffentlich bleibst du noch lange so ursprünglich, ruhig und bezaubernd, wie wir dich kennengelernt haben.
Schon aus der Ferne konnten wir Patmos erkennen und natürlich das berühmte Johanneskloster, das heute auf dem Besichtigungsprogramm der Crew stand.
Ganz gemütlich, leider ohne ein einziges Segel, motorte die Georgina über die kleinen Wellen. Es war immer noch windstill. Für manche an Bord durchaus erholsam , für die Segler allerdings eher bescheiden.
Kurz vor halb zehn erreichten wir den Hafen von Patmos. Heute bei strahlend blauem Himmel. Das Anlegen ging wie immer ziemlich fix und die Hafenmeisterin war auch sofort zur Stelle, um Strom und Wasser freizuschalten.


Christian und Katja machten sich zu Fuß auf den Weg hinauf zum Kloster. Sabine, Doreen, Jürgen und Matthias liefen schon einmal Richtung Skala und nahmen sich ein Taxi.
Martin und ich spazierten ebenfalls in die Stadt. Bei unserem letzten Besuch hatte die Klosterbesichtigung so viel Zeit verschlungen, dass für einen ausgiebigen Stadtbummel nicht mehr viel übrig geblieben war.


Und was soll ich sagen: Es war ordentlich was los. Zwei Kreuzfahrtschiffe , ein großes und ein kleines , lagen im beziehungsweise außerhalb des Hafens. Entsprechend voll war es in den Gassen. Und auch die Preise hatten sich offensichtlich dem Kreuzfahrtpublikum angepasst.
Wir fanden trotzdem ein süßes kleines Café und machten erst einmal Pause. Martin bekam sein Eis und einen großen Cappuccino , damit war die Welt in Ordnung. Danach schlenderten wir noch durch ein paar nette kleine Läden mit Kunst und allerlei schönen Dingen.


Man muss eben nur kreativ sein , dann findet sich aus fast allem ein kleines Kunstwerk.
Auf dem Rückweg trafen wir wieder auf Christian und Katja. Später trudelte auch der Rest der Crew zurück aufs Schiff. Alle waren begeistert vom Kloster. Danach war erst einmal kollektives Chillen angesagt.


Jeder suchte sich sein Plätzchen zum Lesen, Dösen oder für ein kleines Mittagsschläfchen. Wir waren schließlich heute Morgen auch schon ziemlich früh aufgestanden. Zwischendurch gab es noch Kaffee und Kuchen .
Und dann war es plötzlich vorbei mit der himmlischen Windstille.
Am späten Nachmittag kam er zurück: der Meltemi, mit voller Kraft .
Wir beschlossen deshalb, heute etwas früher zum Essen zu gehen und marschierten gemeinsam wieder Richtung Innenstadt.
Jürgen, Matze, Sabine und Doreen waren mittags bereits essen gewesen und hatten das Restaurant für gut befunden. Also dachten wir uns: Was mittags funktioniert, kann abends ja nicht schlechter sein.
Tja, kann es. Das Essen war diesmal eher so mittelprächtig. Die Fleischbällchen, die Matze und Martin serviert bekamen, hatten offensichtlich schon ein bewegtes Vorleben hinter sich. Nach unserem Eindruck waren sie mindestens zweimal gestorben, bevor sie schließlich auf den Tellern landeten.


Ein Hund und vier Katzen warteten schon erwartungsvoll auf die Reste. Der Hund war jedenfalls sehr von sich überzeugt , dass wir ihn regelrecht austricksen mussten, damit die Katzen auch noch etwas abbekamen.
So wurde aus einem normalen Restaurantbesuch kurzerhand eine kleine Tierschutzmission.


Nach dem Bezahlen machten wir uns zügig auf den Rückweg zum Hafen. Der Meltemi pfiff inzwischen richtig kalt zwischen den Booten hindurch.
Zurück auf der Georgina wurde noch einmal der Tag besprochen , die Klosterbesichtigung, die Stadt und das Essen.
Und dann kam Martins Ankündigung:
Morgen fahren wir um sieben Uhr los.“Kurze Blicke.Leichtes Entsetzen.
Und plötzlich herrschte eine erstaunliche Aufbruchstimmung in Richtung Kojen.
Denn morgen um sieben heißt es wieder:Leinen los.

Okt.

4

Was für eine Nacht.
Deshalb waren heute Morgen auch alle erstaunlich früh wach. Die einhellige Meinung: Nur weg von hier.
Das ständige Ruckeln der Leinen, das Quietschen der Fender und dieses unaufhörliche Auf und Ab im Schwell hatten irgendwann zwar fast etwas Beruhigendes , aber eben nur fast. .An diese Geräuschkulisse möchten wir uns dann doch lieber nicht gewöhnen.
Nach dem Frühstück wollte Martin jedenfalls keine Zeit verlieren. Christian und Doreen machten noch schnell klar Schiff und dann ging jeder auf seinen Posten.
Leinen los, Fender rein und ab.


Nur eine kleine Herausforderung wartete noch auf uns: Wir mussten wieder durch die berühmte Engstelle. Heute wussten wir allerdings, was uns erwartet. Und siehe da ,es war tatsächlich gar nicht mehr so schlimm. Ein bisschen Rumpeln gab es natürlich wieder, aber wir waren vorbereitet und so ging auch diese Passage ohne größere Schäden über die Bühne. Als wir da durch waren, konnte ich einen Käsekuchen in den Ofen schieben .
Unser Ziel heute: Arki.
Und schon die Anfahrt fühlt sich ein bisschen an wie eine Reise in eine andere Welt.
Wir schaukelten mit gesetzter Genua und nur wenig Wind langsam auf die kleine Insel zu. Je näher wir kamen, desto mehr schien die Zeit langsamer zu werden.

Keine großen Hotels.
Kein Trubel.
Keine langen Straßen.
Dafür karge Hügel, ein paar weiße Häuser, Ziegen und dieses unglaublich tiefblaue Meer.
Arki ist winzig. Gerade einmal knapp sieben Quadratkilometer groß und keine 50 Bewohner. Und trotzdem hat die Insel etwas ganz Besonderes. Vielleicht gerade deshalb.
Wir liefen in die kleine, geschützte Bucht von Porto Augusta ein. Ein paar Segelboote lagen bereits vor Anker, dazwischen kleine Fischerboote.
Viel mehr als ein paar Tavernen, kleine Häuser und jede Menge Ziegen gibt es hier eigentlich nicht.
Und genau das macht den Charme von Arki aus.


Das Anlegen war heute wie immer unkompliziert und ging mit Hilfe unserer netten Nachbarn blitzschnell. Kaum war das Boot fest, machten Martin und ich uns zu Fuß auf den Weg zu der kleinen Kapelle am höchsten Punkt der Insel.
Der Weg war voll durch die Prärie über Stock und Stein, die Landschaft sehr karg. Erst später haben wir gesehen, dass eine Straße hoch führt. Dazwischen dufteten Kräuter und immer wieder öffnete sich dieser fantastische Blick über das Meer und die kleinen Inseln ringsum.


Und apropos Meer:
Von oben konnten wir Christian entdecken, der unten in der Bucht mit dem SUP herum paddelte.


Nach unserer kleinen Wanderung ging es zurück zum Boot. Es war schließlich Kaffee und Kuchen Zeit.
Sabine, Doreen und Jürgen machten sich zu dritt mit dem SUP auf den Weg zu einer kleinen Badebucht. Katja blieb mit ihrem Rätselheft auf der Georgina und Christian hatte es sich mit seinem Buch ebenfalls gemütlich gemacht.
Martin und ich gingen derweil in die kleine gemütliche Taverne . Dort haben wir Aperol bestellt, Backgammonbrett auf den Tisch und los ging’s.
Das Ergebnis? 2 : 1 für den Chef.


Der Wirt war ein richtig uriger, herzlicher Typ und passte perfekt zu diesem kleinen Ort.
Am Abend ging es dann mit der gesamten Crew noch einmal in die kleine, typisch griechische Taverne mit den bunten Stühlen. Es wurde richtig schön.
Auf dem Tisch landete alles, was zu einem griechischen Abend dazugehört: Lamm, Souvlaki, Ziege, griechische Salate und natürlich Käse. Dazu gute Stimmung.


Irgendwann gab Martin dann noch die Ansage für den nächsten Tag.
Morgen geht es nach Patmos.
Und wenn die Crew dort unbedingt das Johanneskloster und die Grotte besuchen möchte, heißt es früh aufstehen. Spätestens um 8.00 Uhr müssen wir los, denn montags hat das Kloster nur bis 13:30 Uhr geöffnet.
Nach dieser Ansage war plötzlich erstaunlich schnell Ruhe an Bord und alle schlüpften in die Kabinen. Außer Christian, der schlief in seiner Hängematte bei endlich mal windstiller Nacht.

Okt.

3

Unser Draußenschläfer Christian hatte sich mitten in der Nacht dann doch irgendwann in seine Koje zurückgezogen. Es war einfach zu windig und vor allem ziemlich laut. Irgendwo schepperte immer irgendetwas ,auf einem Schiff gibt es ja erstaunlich viele Dinge, die bei Wind plötzlich ein Eigenleben entwickeln.
Nur Jürgen hielt tapfer durch. Er lag tatsächlich noch immer in seinem Schlafsack im einigermaßen windgeschützten Cockpit, als ich in der Früh hochkam.
Draußen war inzwischen auch schon die Hafenmieze unterwegs. Lautstark miaute sie und machte unmissverständlich klar, dass sie jetzt doch bitte gerne eine Kleinigkeit zum Frühstück hätte.


Der Ort lag noch dick unter Wolken, und es war richtig frisch. Aber kaum hatten wir gefrühstückt, lugte tatsächlich die Sonne zwischen den Wolken hervor. Das machte doch gleich bessere Laune.
Um halb zehn hieß es dann: Leinen los und Anker auf. Die Fender wurden noch ordentlich verräumt, dann rollten wir die Genua aus und segelten ganz gemütlich unserem Ziel entgegen. Unser Ziel heute waren die Fourni-Inseln oder, wie sie früher genannt wurden, die Inseln der Piraten.

Der heutige Name Fourni ist übrigens noch gar nicht so alt. Ursprünglich wurden die Inseln „Korseai“, später „Dimos Korseon“ genannt. Weil der Name ähnlich klang wie das griechische Wort für Pirat, „Koursáros“, behaupteten die Bewohner der Nachbarinseln kurzerhand, die Fournioten seien allesamt Seeräuber.
So kam es schließlich zum Namen Fourni Korseon.
Heute geht es hier allerdings deutlich friedlicher zu. Der charmante Ort ist bekannt für seine traditionellen weißen Häuser, die von schattigen Maulbeerbäumen gesäumte Hauptstraße und vor allem für seine große Fischerflotte ,eine der bedeutendsten der Ägäis.
Eigentlich wollten wir zunächst in einer anderen Bucht ankern. Dort lag allerdings bereits ein Fischerboot, ein Dinghi war im Weg und der Wind hatte inzwischen ordentlich zugelegt. Martin meinte deshalb, dass wir im Nachbarhafen, gleich ums Eck, bestimmt noch einen guten Platz bekommen würden.
Also: Auf geht’s!
Mit dem, was dann kam, hatte allerdings niemand gerechnet.
Wir mussten durch eine Meerenge, in der sich die Wellen ordentlich aufschaukelten. Es ging hoch und dann krachte das Boot wieder aufs Wasser. Und das mehrmals.
Gut, dass vorher wirklich alles gut verstaut und gesichert worden war.
Doreen hatte gerade angefangen, einen Rote-Bete-Salat vorzubereiten und die Rote Bete in der Pfanne angebraten. Die wanderte nun kurzerhand mitsamt Pfanne in die Spüle. Sicherheitshalber wurde noch einmal alles kontrolliert und festgezurrt.
Dann konnten wir eigentlich nur noch nach draußen schauen und diesem Schauspiel zusehen.
Zum Glück war die wilde Passage nur ein kurzes Stück. Als wir endlich durch waren, haben wohl alle an Bord einmal kräftig aufgeatmet.


Im Hafen angekommen, legten wir schließlich Backbord längsseits an. So richtig ruhig war es allerdings auch hier nicht. Die Schaukelei war ordentlich, weshalb auf dieser Seite sämtliche Fender befestigt werden mussten.
Martin brachte zusätzlich noch weitere Leinen aus. Zwischendurch hatte man durchaus das Gefühl, dass gleich irgendwo eine Leine reißen würde.
Aber: Wird schon gutgehen.
Nach dem Kaffee und Doreens Rote Bete Salat gingen fast alle von Bord. Nur Matthias und Sabine blieben auf dem Schiff und erholten sich erst einmal von der etwas abenteuerlichen Segelei.


Martin und ich machten uns zu Fuß auf den Weg. Unser Ziel war eine kleine Kapelle oberhalb des Ortes. Über einen schön angelegten Weg ging es hinauf und schließlich auf der anderen Seite wieder hinunter in die nächste Bucht.
Mittlerweile waren dort die Boote, die vorher gelegen hatten, weitergefahren. Und siehe da: Jetzt wäre dort richtig schön Platz gewesen. Vor allem hätte es dort vermutlich deutlich weniger geschaukelt.
Martin schaute sich den möglichen Liegeplatz noch einmal genauer an, und wir machten uns wieder auf den Rückweg.
Gefühlt waren es dabei 154.897 Treppen.
Das gibt Muckis!
Oben entdeckten wir außerdem noch alte Windmühlen. Eine davon war wunderschön restauriert und ausgebaut, die andere dagegen völlig dem Verfall überlassen. Ein spannender Kontrast und irgendwie gehören solche alten Relikte einfach zu den Inseln dazu.


Wieder unten schlenderten wir noch durch das verschlafene Dörfchen.
Auf der Platia stehen eine Kirche, ein Denkmal und sogar ein antiker Sarkophag. Rund um den Platz findet man einige Tavernen und natürlich einen Bäcker.
Tagsüber geht es hier ausgesprochen ruhig zu. Erst am Abend füllen sich die Lokale langsam.
Am schönsten fanden wir aber die Hauptgasse , die vom Hafen hinauf zur Platia führt.
Eigentlich ist es gar keine typische Gasse, sondern eher eine kleine Allee ,gesäumt von Bäumen und Häusern und mit genau diesem besonderen griechischen Charme, den man auf solchen Inseln einfach liebt.
Ein richtig schnuckeliges kleines Fleckchen.


Zurück auf der Georgina hatten Matthias, Jürgen, Sabine und Doreen offenbar schon Hunger und wollten gleich essen gehen.
Uns anderen war 18 Uhr allerdings noch eindeutig zu früh für das Abendessen. Also beschlossen wir kurzerhand, selbst etwas zu zaubern.
Es gab griechischen Salat, was sonst.
Katja bereitete dazu ein leckeres Tzatziki zu und Matthias kam sogar noch mit frischem Brot vorbei.
Damit war unser Abendessen perfekt.
Nach dem Essen weihten wir Katja und Christian noch in unser inzwischen schon fast legendäres Hornochsen-Spiel ein.
Irgendwann kamen auch die vier Wittenberger wieder zurück.
Jürgen und Doreen machten noch einen kleinen Spaziergang, Matthias und Sabine zogen sich direkt in ihre Kabine zurück und wir schlossen uns wenig später ebenfalls an.
Nach diesem aufregenden Tag war dann doch langsam Feierabend.
Jetzt sind wir gespannt, wie die Nacht wird.
Denn bei dieser ganzen Schaukelei und Ruckelei ist noch lange nicht gesagt, dass heute Nacht alle ruhig in ihren Kojen liegen werden …

Okt.

2

Heute ging es schon beim Frühstück lustig zu. Das große Thema war die KI und natürlich wurde fleißig diskutiert. Was die Zukunft wohl noch so alles bringt? Wir werden sehen.
Um halb zehn hieß es dann: Anker auf! Unser Ziel war die Südseite von Samos, genauer gesagt Marathokambou.
Im Moment waren allerdings noch alle ziemlich warm eingekuschelt, denn der Wind war ordentlich frisch. Wir hofften darauf, dass sich die Sonne noch etwas besser durchsetzen würde. Der Wind blieb zwar kräftig, aber zum Glück wurde es nicht mehr ganz so eisig. Trotzdem suchte sich jeder an Bord schnell sein ganz persönliches, möglichst windgeschütztes Plätzchen.
Unter der Genua segelten wir an der Südküste von Samos entlang. Dabei kamen wir wieder an Pythagorio vorbei , jenem Ort, der nach dem berühmten Mathematiker und Philosophen Pythagoras benannt ist.
Kurz nach eins erreichten wir den Hafen von Marathokambou. Das Anlegemanöver ging diesmal relativ flott. Jeder wusste, was zu tun war, und sogar ein Deutscher vom Nachbarboot packte kurzerhand mit an.


Kaum war das Boot fest, hatten Matze, Jürgen, Sabine und Doreen schon einen Plan: Tavernen gucken.Auch Christian und Katja machten sich auf zum Bummeln.
Ich konnte allerdings noch nicht mit. Bei mir wartete nämlich noch etwas ganz anderes: ein Pflaumenkuchen im Ofen.


Nach dem Kaffee spazierten Martin und ich durch das kleine Örtchen. Dummerweise hatte ich mein Handy vergessen und konnte deshalb zunächst gar keine Fotos machen. Und natürlich war genau heute überall ein Motiv schöner als das nächste. Also musste ich später einfach noch einmal los.
Wir kamen an der schönen Kirche vorbei und trafen immer wieder auf deutsche Touristen. Damit hatten wir gar nicht gerechnet , hier in diesem kleinen verschlafenen Fischerdörfchen war tatsächlich noch erstaunlich viel los.

Als ich später alleine noch einmal durch die Gassen schlenderte um Fotos zu machen, traf ich doch tatsächlich wieder drei unserer Mitsegler vom zweiten Törn. Was für ein Zufall. Langsam stellt sich mir allerdings die Frage: Wer verfolgt hier eigentlich wen?
Zurück an Bord wurde es dann festlich. Alle machten sich schick für unseren griechischen Abend mit Musik. Für halb sieben hatte die Crew einen Tisch im The Local reserviert, einem kleinen, zauberhaften Restaurant direkt am Hafen. Freitags gibt es dort immer Live-Musik , also genau das Richtige für unseren Abend.
Der Service war unglaublich schnell und dazu noch ausgesprochen freundlich. Martin übernahm wieder die Bestellung für alle und suchte die Gerichte nach Wunsch der Gäste aus.
Die Vorspeisen waren etwas moderner interpretiert und nicht ganz so typisch griechisch, wie wir es sonst kennen – aber dafür richtig lecker. Die Hauptspeisen ließen auch nicht lange auf sich warten. Es gab unter anderem Schwertfisch mit Rote-Bete-Salat und Gyros.


Zum Abschluss gab es noch einen kleinen Gruß aus der Küche: Joghurt oder Ouzo. Die Auswahl war also durchaus eindeutig.
Später wurde es draußen doch ziemlich frisch. Deshalb machten sich Martin, Christian, Katja und ich schon einmal auf den Rückweg zum Boot. Der Rest der Crew blieb noch ein bisschen sitzen.
Christian verabschiedete sich an Bord direkt in seine Hängematte draußen an Deck unterm Großsegel, während Katja es sich schon in der Koje gemütlich machte.
Als schließlich auch Matthias, Jürgen, Sabine und Doreen wieder auf dem Schiff eintrudelten, war an Schlaf allerdings noch lange nicht zu denken.
Die Discokugel wurde ausgepackt.


Und dann wurde im Cockpit getanzt. Es war einfach mega lustig und sogar Matze schwang kurz das Tanzbein. Allerdings wirklich nur sehr kurz. Die Musik war ihm dann doch etwas zu schnulzig, und Schlager ließen sich mit seiner Wacken-Jacke offenbar nicht so richtig vereinbaren.
So nach und nach wurden aber auch die letzten Tänzer müde. Einer nach dem anderen verschwand in der Koje.
Und irgendwann war dann auch auf der Georgina wieder Ruhe eingekehrt – zumindest bis zum nächsten Morgen.

Okt.

1

Wie gewohnt war ich auch heute Morgen die Erste oben in der Pantry und machte mich daran, das Frühstück vorzubereiten. Als ich zwischendurch den Müll nach draußen brachte, entdeckte ich Jürgen schlafend im Cockpit. Lange sollte sein Nickerchen allerdings nicht mehr dauern – wahrscheinlich hatte ihn das Licht inzwischen geweckt.


So nach und nach trudelten alle am Frühstückstisch ein. Nur Matthias ließ noch auf sich warten. Er hat sich in dieser Crew eindeutig den Titel „Langschläfer“ verdient. Aber schließlich ist Urlaub, und da darf er gerne länger liegen bleiben.
Nachdem wir alle gemütlich zusammengesessen hatten, erklärte sich Jürgen freiwillig bereit, den Abwasch zu übernehmen.
Danach machten wir uns fast alle auf den Weg zum etwa 2,5 Kilometer entfernten Supermarkt Sklavenitis. Martin und Matze blieben an Bord. Der Supermarkt liegt in einem neueren Ortsteil von Pythagorio.
Der Weg führte an der Straße entlang, war aber überraschend schön. Viele Olivenhaine, im Hintergrund die Berge und immer wieder Zeugnisse der langen Geschichte dieser Insel. Vorbei kamen wir an antiken Stätten, an denen noch Säulenreste zu sehen waren. Auch eine Grabstätte und ein Stück einer römischen Mauer lagen direkt an unserem Weg. So wurde der Einkaufsmarsch ganz nebenbei noch zu einem kleinen Spaziergang durch die Geschichte.

Im Supermarkt angekommen, handelten wir vorsichtshalber gleich einen Lieferservice zum Boot aus. Danach teilten wir uns auf: Christian und Jürgen kümmerten sich um die Getränke, Sabine, Katja und Doreen übernahmen Obst und Gemüse und ich den Rest.
Der Sklavenitis ist wirklich super ausgestattet , eigentlich gab es dort alles, was das Herz begehrt. Nur an der Kasse herrschte kurz etwas Chaos, weil die Kassiererin nicht so recht verstand, dass wir zwar auf mehrere Einkaufswagen verteilt waren, aber alle zusammengehörten. Irgendwie haben wir es dann aber doch geschafft. Jürgen setzte seinen ganzen Charme ein und dann klappte es.


Anschließend ging es zu Fuß wieder zurück zum Boot. Das war doch schon mal Frühsport. Christian, Katja und ich waren bereits an Bord, als der Lieferservice eintraf. Mit vereinten Kräften ging alles ganz schnell: Eine Kette wurde gebildet, die Einkäufe wanderten von Hand zu Hand und kurze Zeit später war alles an Bord und ordentlich verstaut.
Sabine, Doreen und Jürgen wollten noch ein bisschen durch die Stadt bummeln. Als schließlich auch die letzten Landgänger zurück waren, stand der nächste Programmpunkt an: die obligatorische Schiffseinweisung durch Martin.


Schließlich muss jeder wissen, wo die Schwimmwesten hängen, wie der Steuerstand funktioniert, wo die Rettungsinsel verstaut ist und wo sich die Computerecke befindet. Martin erklärte geduldig alle wichtigen Dinge und beantwortete die letzten Fragen.
Dann hieß es endlich: Leinen los!
Jürgen, Matze und Christian bildeten heute das neue Ankerteam. Die Fender wurden eingeholt und wieder vorne in der Vorschiffkabine verstaut. Dann hieß es: Anker auf!
Fünf Seemeilen ging es unter Motor durch die Samosstraße Richtung Osten. Unser Ziel: die Poseidonio-Bucht – und vor allem ein erstes Bad im Meer.


Dort lagen bereits einige Boote vor Anker. Kaum waren wir angekommen, sprangen Doreen und Sabine ins Wasser, ebenso Christian und Jürgen. Die Wassertemperatur wurde kurz diskutiert.


Wenn man erst mal drin ist, geht’s!“ – so lautete schließlich das allgemeine Urteil.
Während die ersten schon im Wasser planschten, war auch der Kaffee fertig. Dazu gab es den gekauften Kuchen.
Christian beschäftigte sich derweil mit Seemannsknoten, insbesondere mit dem Stopperstek. Den brauchte er , um seine Hightech-Hängematte draußen am Boot zu befestigen.
Mit großem Interesse beobachteten wir, wie er dieses coole Teil auseinanderfaltete und anschließend die dazugehörige Luftmatratze aufblies. Schließlich war alles aufgebaut und festgemacht. Christian machte das erste Probeliegen und Sabine und Doreen schauten neugierig zu.
Ob die Hängematte den Praxistest in der Nacht bestehen würde? Sie schien jedenfalls gemütlich genug zu sein.


Währenddessen nahm auch das Abendessen langsam Gestalt an.
Doreen hatte sich bereit erklärt, gemeinsam mit ihren Schippelhilfen Sabine und Jürgen das Chili con Carne vorzubereiten. Christian kümmerte sich um den Reis und Katja zauberte dazu einen knackigen griechischen Salat.
Perfekt für unseren ersten richtigen Törntag!
Schon bald zog ein herrlicher Duft durch das ganze Boot. Ein riesiger Topf Chili wanderte auf den Esstisch und jeder bediente sich ordentlich.
Das Ergebnis sprach für sich: Es blieb fast nichts übrig.


Nach dem Essen wurde noch gemeinsam „klar Schiff“ gemacht, bevor unser Lieblingskartenspiel auf den Tisch kam: Wizard.
Martin musste diesmal überhaupt nichts erklären. Alle kannten das Spiel und die Regeln ,beste Voraussetzungen also für einen lustigen Abend.
Und tatsächlich wurde wieder viel gelacht.
Am Ende setzte sich ,wie könnte es anders sein ,unser Skipper durch und gewann die Runde.
Aber keine Sorge, Martin: Die Revanche kommt bestimmt!


Nach diesem ereignisreichen ersten Törntag wurde es schließlich ruhig an Bord. Alle verschwanden zeitig in ihren Kojen oder Nachtquartiere draußen, die aber nicht lange besetzt waren. Sogar Christian baute seine Hängematte ab und schlief lieber in der Koje.

Sep.

29

Der vorletzte Morgen an Bord begann ganz gemütlich. Beim Frühstück ließ sich jeder Zeit, und nach und nach trudelten die ersten aus ihren Kojen am bereits gedeckten Tisch ein. Trotzdem war es ungewohnt still.
Das ist vielleicht die Wehmut“, meinte Torsten. Und wahrscheinlich hatte er damit gar nicht so Unrecht.


Immerhin hatte der kalte Wind, der uns seit den frühen Morgenstunden begleitet hatte, inzwischen nachgelassen. Stattdessen strahlten die Sonne und der wunderbar blaue Himmel über der Bucht.
Gegenüber unserem Liegeplatz lag das Mykale-Gebirge an der türkischen Ägäisküste, dessen höchster Punkt etwa 1.237 Meter hoch ist.
Zwischen Poseidonio und der türkischen Küste liegt die Mykale-Straße, die an ihrer schmalsten Stelle gerade einmal etwa 1,2 bis 1,6 Kilometer breit ist. Deshalb wirkte die türkische Küste von unserem Ankerplatz aus tatsächlich fast zum Greifen nah.
Nach Stefan wagten sich auch Christiane und Heike ins Wasser.

Ich gehöre ja bekanntlich zur Warmduscherfraktion und bekam allein schon beim Zuschauen einen Kälteschock. Aber nachdem alle anderen schwimmen waren, konnte es eigentlich gar nicht so schlimm sein. Währenddessen kümmerten sich Martin und Stefan um die Technik und telefonierten mit dem Eigner. Die übrige Crew vertrieb sich die Zeit auf ihre ganz eigene Weise: Einige lasen im Reiseführer, andere träumten ein wenig vor sich hin oder genossen einfach die letzten Stunden an Bord. Die gesamte Crew bleibt noch ein paar Tage in unterschiedlichen Unterkünften auf Samos .
Gegen ein Uhr wurde es dann langsam ernst. Für das Ankerteam hieß es: Auf die Posten!
Der Anker wurde gelichtet und wir nahmen Kurs auf den Hafen von Samos-Pythagoreio.


Torsten beschäftigte sich inzwischen mit dem Palstek und versuchte sich an einer Leine. Martin kam nach vorne und zeigte ihm den Knoten erneut. Wenn er fleißig weiterübt, geht’s irgendwann wie von selbst. . Bei Heike hatte es schließlich schon beim ersten Versuch geklappt.
Torsten grübelte allerdings nach 30 Minuten immer noch über den Knoten. Viel Zeit blieb ihm dafür jedoch nicht, denn schon bald endet unsere letzte Fahrt mit dieser Crew.


Bei moderatem Wind und herrlichem Sonnenschein konnten heute wenigstens alle vorne sitzen, ohne dicke Jacken tragen zu müssen. Sogar der Skipper hatte sich wieder in kurze Hosen gewagt. Während wir langsam auf Pythagorio zuhielten, wurde die Küste zunehmend grüner und war mit hübschen weißen Dörfern gesprenkelt. Schon bald konnten wir den Hafen erkennen.
Damit begann allerdings der aufregendste Teil unserer Ankunft und wir wurden unfreiwillig selbst zum Hafenkino.
Martin wollte rückwärts in einen Liegeplatz fahren. Doch plötzlich rief ein ziemlich unentspannter Hafenmeister, dass er doch woanders einparken solle.
Der Hafenmeister und sein Helfer hüpften inzwischen herum wie zwei Rumpelstilzchen. Sie wurden immer lauter und riefen zunehmend cholerischer irgendwelche Kommandos an die Crew. Nach und nach blieben immer mehr Menschen stehen, um sich das Spektakel anzusehen.
Martin blieb wie immer ganz ruhig, obwohl er stark mit dem Wind zu kämpfen hatte.
Wir anderen waren allerdings ziemlich erleichtert, als der Motor endlich abgestellt wurde und das Manöver nach 20 Minuten vorbei war. Und plötzlich waren auch der Hafenmeister und sein Helfer wie ausgewechselt: Ganz zahm und entspannt standen sie da, als wäre nie etwas gewesen.
Da konnte die Crew erst einmal tief durchatmen.


Zur Belohnung gab es an Bord Kaffee und Kuchen mit ordentlich Schlagsahne . Nervennahrung musste schließlich sein. Micha schenkte sich, Torsten, Heike und Stefan außerdem erst einmal einen Rum ein, und auch das Anlegerbier durfte natürlich nicht fehlen.
Danach hatten alle Freizeit, um das nette Städtchen zu erkunden. Irene und Christiane machten sich auf die Suche nach einem passenden Restaurant für unser Abschlussessen. Martin und ich schlenderten, wie Heike und Torsten,auch noch etwas durch den Ort.


Kurz nach sieben machten wir uns schließlich auf den Weg ins Faros.
Am Abend herrschte im Hafen eine besonders schöne Stimmung. Überall saßen Menschen in den Restaurants, die Lokale waren gut besucht, und jedes hatte seinen eigenen Charme. Auch das Faros gefiel uns auf Anhieb.
Martin bestellte wieder verschiedene Vorspeisen zum Teilen. Auch die Hauptgerichte wurden gemeinsam auf den Tisch gestellt. Es gab leckere Fleischspieße und allerlei andere Köstlichkeiten, sodass jeder von allem probieren konnte. Der Service war super.


Nach diesem gelungenen Abschlussessen ging es zurück an Bord. Dort stand zunächst noch die Abrechnung über die Splid-App auf dem Programm. Doch während die letzten Beträge eingetragen wurden, machte sich allmählich die Aufbruchstimmung breit.Die ersten Koffer wurden gepackt, und allen wurde bewusst, dass die gemeinsamen 10 Tage nun tatsächlich zu Ende ging.
Ganz vorbei war der Abend allerdings noch nicht. Bevor endgültig Schluss war, mussten natürlich noch drei Runden Hornochsenspiel sein.
Und dieses Mal hatte es mich erwischt!
Nach gerade einmal drei Runden hatte ich bereits eine dreistellige Zahl auf meinem Konto.


Wie immer wurde viel gelacht und ordentlich kommentiert. So entstand genau die richtige Mischung aus Abschiedsstimmung, ein bisschen Wehmut und trotzdem viel guter Laune.
Auf diese Weise genossen wir unseren letzten Abend an Bord noch einmal gemeinsam mit dem Gefühl, dass diese Woche viel zu schnell vergangen war.
Und irgendwann hieß es dann wirklich: Gute Nacht, Crew.

Sep.

28

Die Sonne wusste heute Morgen noch nicht so richtig, was sie eigentlich wollte. In der Bucht von Agathonisi wäre es jedenfalls noch ziemlich duster und bewölkt gewesen, wenn nicht das Licht des Vollmondes gewesen wäre.
Ich machte mich wie jeden Morgen ans Frühstück und schob nebenbei noch einen Kuchen in den Ofen. Stefan leistete mir dabei Gesellschaft , ebenfalls wie jeden Morgen. Er war irgendwie immer der Erste von der Crew, der morgens auftauchte.
Heute hatten wir es wieder einmal überhaupt nicht eilig.

Nach dem Frühstück machten sich deshalb alle noch zu einem kleinen Landgang auf. Die Abfahrt war schließlich erst für zehn Uhr geplant. Micha wollte sogar noch in der Nachbarbucht schwimmen gehen und auch Christiane, Irene, Heike und Torsten machten sich zu Fuß auf den Weg dorthin.
Ganz langsam schob sich währenddessen die Sonne über die Berge. Und schon fühlte es sich gleich ein bisschen wärmer an.
Neben uns machte sich auch der schrullige Fischer auf den Weg. Der hatte gestern noch ausgiebig seine Angelleinen präpariert und fuhr nun hinaus aufs Meer. Ich wünschte ihm auf Griechisch „viel Glück“ – natürlich erst nach vorheriger Beratung durch Google. Er grinste jedenfalls freundlich zurück. Ich hoffe einfach mal, dass ich es auch richtig ausgesprochen habe!
Kurz vor zehn trudelte die komplette Crew wieder ein. Und dann kündigte sich von Weitem die große Fähre an, von der George gestern erzählt hatte. Ihr lautes Hupen war jedenfalls nicht zu überhören.


Auf den Nachbarbooten gingen sofort alle in Habachtstellung. Schließlich war uns ein ziemlich heftiger Schwell angekündigt worden. So schlimm wie befürchtet wurde es dann aber zum Glück doch nicht. Die Fähre fuhr gar nicht ganz in die Bucht hinein und war fast genauso schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen war.
Martin fragte noch einmal kurz: „Sind alle an Bord?“
Dann konnte es losgehen.
Das Ablegen funktioniert bei uns mittlerweile genauso schnell wie das Anlegen. Und so verließen wir gegen halb elf bei strahlendem Sonnenschein den kleinen Hafen von Agathonisi. Unser Ziel war Samos , allerdings noch nicht der Hafen. Wir wollten zunächst in die wunderschöne Badebucht Poseidonio.


Kaum waren wir aus der geschützten Bucht heraus, wurde es wieder ein wilder Ritt. Unter Großsegel und Genua tanzte die Georgina über die Wellen. Ganz nach dem Wiesn-Motto: Auf und Nieder , immer wieder“. Dabei zog sie dicke Schaumkronen hinter sich her.
Der Wind war immer noch frisch, aber bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein fühlte es sich längst nicht mehr so kalt an wie gestern.
Trotzdem saß auf der Flybridge eine ziemlich vermummte Gesellschaft. Nur Heike streikte heute gegen die Kälte und saß tatsächlich im T-Shirt und in kurzer Hose in der Sonne. Irene hatte es sich gut eingepackt im Cockpit mit ihrem Buch gemütlich gemacht.
Das Geschirr schepperte wieder ordentlich in den Schränken und manchmal hatte man das Gefühl, unser Schiff würde gleich auseinanderbrechen. Aber die Stimmung an Bord war bestens. Es ist schon erstaunlich, was ein bisschen Sonne mit der Laune macht.
Eine dicke Fähre kreuzte unseren Weg. Stefan, Torsten und Heike gönnten sich dazu ein Wellenbier , das gehört inzwischen zum Bordprogramm.
Gegen 14 Uhr erreichten wir die Küste von Samos. Von Weitem zeigte sich wieder diese karge, felsige Landschaft. Mal sehen, ob Samos wohl genauso viel Charme verspricht wie die kleinen Inselchen, die wir in der vergangenen Woche angelaufen haben.
Bis zur Bucht von Poseidonio lagen noch mindestens zwei Stunden vor uns. Aber es wurde gefühlt stetig wärmer. Rechter Hand konnten wir bereits die türkische Küste sehen.Und dann war es endlich soweit: Wir liefen in die Bucht von Poseidonio ein. Der Wind hatte wunderbar nachgelassen und die Wärme der Sonne tat einfach nur soooo gut.


Das Ankerteam machte wieder einen super Job. Anker sitzt, Motor aus und Feierabend für heute!
Dafür war der Käsekuchen fertig und der Kaffee stand auch schon bereit. Und was soll ich sagen: Es blieb nicht ein einziges Krümelchen übrig.
Da es mittlerweile schon später geworden war, waren wir uns einig: Abendessen gibt es heute nicht vor acht.
Irene und Christiane hatten sich für heute Abend etwas Leckeres vorgenommen: Ratatouille. Das Gemüse dafür hatten sie bereits am Vortag eingekauft.
Bis dahin war Zeit zum Schwimmen, Schnorcheln oder einfach nur zum Chillen. So wie ich es gerade mache. Jeder suchte sich irgendwo an Bord sein persönliches Eckchen und genoss die Ruhe.
Ab halb sieben klapperten dann die Töpfe in der Pantry. Micha, Heike und Christiane waren die fleißigen Schnippelhilfen von Irene. Zwiebeln, Knoblauch, Karotten, Zucchini, Auberginen und natürlich die guten griechischen Tomaten wurden geschnippelt und zu einem herrlich duftenden Ratatouille verarbeitet.
Währenddessen wurde im Cockpit der Tisch schön gedeckt.


Und dann bekamen wir noch ein ganz besonderes Abendprogramm geschenkt: einen fulminanten Sonnenuntergang und kurz darauf folgte gleich der Mondaufgang. Nach dem Vollmond in der vergangenen Nacht passte das natürlich perfekt.
Dann kam Irene mit dem riesigen Topf Ratatouille aus der Pantry. Es schmeckte wirklich lecker und auch hier blieb am Ende kein Rest übrig. Nachdem wieder alles aufgeräumt war, kam unser mittlerweile fast schon traditioneller Spieleabend.
Das Hornochsenspiel hat auf diesem Törn das gute alte Wizard ziemlich abgelöst. Der entscheidende Vorteil: Hornochsen kann man auch mit acht Leuten spielen.
Und wie immer wurde viel gelacht.
Auf dem heutigen Hornochsen-Treppchen standen schließlich Christiane, ich und Heike.
Egal – Hauptsache, es hat Spaß gemacht. Und das hat es definitiv!
So ging ein wunderschöner Segeltag zu Ende.

Sep.

27

Heute Früh hat es ausnahmsweise mal nicht pressiert. Und das war auch gut so, denn über uns hingen dicke, graue Wolken. Also machte ich mich ganz entspannt auf den Weg in die Altstadt zu einer kleinen, netten Bäckerei, um frisches Brot zu holen.
Doch kaum war ich wieder zurück, kam von Stefan :„Das Brot reicht bestimmt nicht!“
Schließlich gäbe es heute Abend/bzw. morgen früh keine Einkaufsmöglichkeit. Also ging ich kurzerhand noch einmal los. Mittlerweile hatte die Bäckerei auch süße Teilchen, da habe ich einfach zugeschlagen , weil für den Nachmittagskaffee musste schließlich auch vorgesorgt werden.
Als ich wieder an Bord kam, saßen Heike, Torsten und Stefan bereits oben auf der Flybridge. Torsten übte fleißig einige Knoten.
Nach und nach trudelte auch der Rest der Crew zum Frühstück ein. Die Stimmung war allerdings ungefähr so grau wie der Himmel. Da musste der gute-Laune-Sonntags-Motivationssong her!


Heike stimmte sofort fröhlich mit ein und tatsächlich: Zumindest ein kleines Lächeln ließ sich damit in einige Gesichter zaubern.
Gegen zehn Uhr hieß es dann: Leinen los Richtung Agathonisi!
Leider nieselte es immer noch. Also wurde der gute-Laune-Song kurzerhand noch einmal angestimmt. Dieses Mal machten sogar Micha, Heike und Christiane mit.
Vielleicht kann man den Wettergott ja musikalisch ein bisschen beeinflussen?
Heike hatte sich schon wetterfest eingepackt, denn sie wollte unbedingt vorne sitzen. Zusammen mit Christiane zog sie dann aber doch die Flybridge bei Martin und Micha vor ,natürlich dick eingemummelt und dem Wetter tapfer trotzend.
Der Rest der Crew machte es sich lieber im Salon gemütlich und begann, ordentlich Seemannsgarn zu spinnen.
Nach und nach kamen allerdings auch die hartgesottenen Flybridge-Sitzer immer wieder nach drinnen. Draußen war es einfach ungemütlich. Nur Christiane hielt oben tapfer bei Martin aus.


Und dann ging es richtig los.
Die Gischt spritzte über den gesamten Bug, das Schiff düste durch die Wellen und in den Schränken begann das Geschirr zu scheppern.
Was für ein Ritt!
Bei allen herrschte irgendwann nur noch ein Gedanke:
Wann sind wir denn endlich da?


Martin musste kreuzen und dadurch wurde aus der geplanten Strecke beinahe die doppelte Distanz. Irgendwann erbarmte sich der Wettergott wenigstens kurz und schickte tatsächlich ein bisschen Sonne vorbei.
Um kurz nach vier war es dann endlich soweit:
Agathonisi in Sicht!


Die Segler vom Nachbarboot halfen uns beim Anlegen und so waren wir im Handumdrehen sicher fest.
Der Kaffee war bereits fertig und die Bougiatsa warm gemacht. Nach der langen und wilden Überfahrt war das genau das Richtige.
Auch das Wetter hatte sich etwas beruhigt. Warm war es allerdings noch nicht wirklich.


Dafür gab es etwas anderes zu bestaunen: das glasklare Wasser.
Man hatte tatsächlich das Gefühl, in ein riesiges Aquarium zu schauen.
Auf dem Nachbarboot machte sich der Fischer inzwischen daran, seine Angelleinen herzurichten , in der Hoffnung auf einen guten Fang. Nebenbei fütterte er von seinem Boot aus die Fische.
Und so konnte ich eine ganze Weile die unterschiedlichsten Fische beobachten – kleine, große und alles dazwischen.


Nach dem Kaffee machten sich fast alle noch zu einem kleinen Spaziergang auf.
Fast alle.
Denn Christiane hatte offenbar beschlossen, dass das Wetter zwar frisch, das Wasser aber trotzdem absolut badetauglich sei.
Also: Badeanzug an und ab in die Fluten! Micha lief am Wasser entlang und kam in eine andere Bucht. Dort entdeckte er tatsächlich einen Oktopus zwischen den Steinen.
Martin und ich liefen derweil hinauf ins Dorf. Für Martin war das ein ganz besonderer Spaziergang, denn er war vor 40 Jahren zum ersten Mal hier.
Damals gab es auf Agathonisi noch keinen Strom. Generatoren und Gaslampen sorgten für Licht und auch die Straßen sahen noch ganz anders aus. Oben im Dorf hatten wir ein schönen Blick auf die Bucht. Dann liefen wir gemütlich zurück aufs Boot.


Kurz nach sieben Uhr wollten wir in Georges Taverne zu Abendessen. Martin war vorher schon dort und reservierte für den Abend.
George ist Grieche, seine Frau Deutsche und nach zehn Jahren , als er das letzte Mal mit der Vava U hier war, erkannten sie ihn tatsächlich wieder . Also hat er ordentlich Eindruck hinterlassen.
Wir wurden sehr nett vom Sohn begrüßt. Dann kam die Frage:
„Wollt ihr Fisch?“
Kurz darauf kam der Wirt persönlich und öffnete seine Kühltruhe, damit sich die Crew einen Fisch aussuchen konnte.
Sie hatten schnell entschieden:
Ein Red Snapper sollte es sein und zwar kein kleiner. 2,2 Kilo wog das Prachtexemplar.
Der Fisch wurde direkt vor der Taverne entschuppt und für die Pfanne vorbereitet.


Dazu gab es natürlich wieder jede Menge Vorspeisen: Fava, Bohnen, Tzatziki, Oktopussalat und griechischen Salat.
Dann kam der Red Snapper. Perfekt gebraten und bereits fachmännisch filetiert lag er auf einer großen Platte.
Alle langten kräftig zu.


Es dauerte wirklich nicht lange, bis von den 2,2 Kilo Fisch nur noch Gräten und Kopf übrig waren. Er war sehr lecker.
Torsten hatte sich zusätzlich Ziegenfleisch bestellt, das ebenfalls wunderbar zart war.


Und heute gab es noch eine kleine Premiere:
Zum ersten Mal auf diesem Törn bekamen wir tatsächlich einen Ouzo nach dem Essen serviert.
Na bitte, geht doch. Danke dafür.


Zurück an Bord war der Abend natürlich noch lange nicht vorbei.
Das Hornochsenspiel musste schließlich noch sein.
Christiane wollte eigentlich schon ins Bett.
Nur ein Spiel, dann gehe ich!“ Aber eins ist keins und überhaupt hat sie die Rechnung leider ohne uns gemacht.
Aus dem einen Spiel wurden sieben lustige Runden.
Und diesmal erwischte es leider sie selbst:
Die Hornochsenkrone ging an Christiane!


Wir hatten jede Menge Spaß und lachten ordentlich.
Aber irgendwann forderte der lange Segeltag dann doch seinen Tribut.
Um Mitternacht war plötzlich Schluss mit lustig und alle verschwanden ziemlich schnurstracks in ihren Kojen.

Sep.

26

Die Stimmung am frühen Morgen in der Bucht von Levitha war einfach mystisch. Der Mond verabschiedete sich langsam am Horizont, während gleichzeitig die Sonne aufging. Ein wunderschönes Schauspiel und definitiv ein Moment, für den sich das frühe Aufstehen gelohnt hat.

Obwohl die Crew wieder so früh aus den Kojen musste, herrschte beim Frühstück gute Laune. Es gab wie immer frisches Obst, Joghurt, Wurst, Käse, etwas Knabber-Gemüse und natürlich Rührei. Nur einer ließ sich das morgendliche Bad nicht nehmen: Stefan sprang tatsächlich ins Wasser. Der kalte Wind hatte inzwischen nachgelassen. Für uns an Bord angenehm , fürs Segeln allerdings eher kontraproduktiv. Richtung Patmos sah es deshalb ziemlich schnell danach aus, als müssten die Motoren die Arbeit übernehmen.Und genau so kam es auch. Dafür war der Seegang heute ausgesprochen ruhig. Ein echter Glücksfall für Christiane, die die komplette Fahrt ganz entspannt vorne sitzen konnte.


Micha hatte es sich oben auf der Flybridge gemütlich gemacht und hielt dort die Stellung. Plötzlich ertönte sein Ruf: Delfine!!!! Und schon waren alle wie elektrisiert. Innerhalb von Sekunden waren die Köpfe nach vorne gerichtet und verfolgten die beiden Tümmler, die vor uns in der Bugwelle herumtollten und offensichtlich mindestens genauso viel Spaß hatten wie wir. Was für ein tolles Schauspiel kurz vor Patmos!


Als wir in den Hafen von Patmos einfuhren, konnten wir schon von Weitem das berühmte Johanneskloster oben auf dem Berg sehen. Ungewöhnlich in einem grauen, steinernen Ton thront es über der Chora und sieht von unten fast mehr nach einer mächtigen Festung als nach einem Kloster aus.

Beim Anlegen hatte Martin heute allerdings irgendwie einen kleinen Distanzfehler. Viermal musste er Anlauf nehmen.Immer war die Ankerkette zu kurz.Irgendwann fiel dann sogar das berühmte F-Wort und Martin monierte anschließend: „Das kommt aber nicht in den Blog!“ Tja, lieber Martin … kleiner Hinweis: Den Blog schreibe ich. Nicht du. Aber Ende gut, alles gut. Als die Kette endlich lang genug war, ging das eigentliche Anlegen wie immer ruckzuck.
(Anm. der Redaktion:
Die Ankerkette ist einfach mit 80m zu kurz – auf der VAVA-U hatte ich 135m 😉 ).
Die Festmacher-Mannschaft hier ist wirklich unglaublich schnell. Und zur Belohnung wartete bereits ein warmer Zwetschgendatschi mit Sahne und Vanilleeis. Da war der kleine Anlege-Krimi sofort vergessen.


Unsere fleißigen Helferlein Christiane und Heike machten anschließend auch gleich wieder klar Schiff in der Küche, sodass jeder noch ein bisschen Freizeit hatte
Um 15.15 Uhr machten wir uns fast im Gänsemarsch auf den Weg zur Bushaltestelle. Der Bus brachte uns gemeinsam mit einigen anderen Touristen hinauf bis kurz vor das berühmte Kloster.

Das Johanneskloster wurde im Jahr 1088 von dem byzantinischen Mönch Christodoulos Latrinos gegründet. Nach einem letzten kleinen, aber steilen Aufstieg standen wir schließlich davor. Und es hat uns wirklich beeindruckt. Ein unglaublich verwinkelter Komplex mit hübschen Innenhöfen, kleinen Kapellen, Mönchszellen und der Hauptkirche. Überall gibt es etwas zu entdecken. Man steht dort oben tatsächlich mitten in einer Geschichte, die über viele Jahrhunderte zurückreicht.

Und dann dieser Ausblick. Von hier oben konnten wir über die gesamte Bucht schauen. Bei klarer Sicht reicht der Blick sogar bis zur türkischen Küste. Gegenüber liegt Ikaria. Ein Kreuzfahrtschiff hatte sich gerade in die Bucht gelegt. Eigentlich passt so ein riesiger Klotz nicht unbedingt perfekt in diese ansonsten wunderschöne Kulisse.

Auf dem Rückweg wollten wir natürlich auch noch die berühmte Höhle der Apokalypse besuchen. Doch vorher schlenderten wir noch ein wenig durch die Chora.

Der Überlieferung nach soll der Apostel Johannes hier im Jahr 95 n. Chr. seine göttlichen Visionen empfangen haben, aus denen später die Offenbarung entstand. Und wir können nur sagen:Wir haben die Apokalypse live erlebt. Während wir oben im Kloster noch gemütlich das Museum anschauten, hatte das Kreuzfahrtschiff inzwischen seine Tenderboote losgeschickt. Und mit ihnen kamen die Menschenmassen. Als wir bei der Höhle ankamen, standen dort bereits Touristen aus aller Welt Schlange. Aber nun waren wir schon einmal da , also Augen zu und durch. Langsam wurden wir gemeinsam mit gefühlt halb Europa durch die Höhle geschoben. Und als wir endlich wieder draußen waren, riss die Schlange immer noch nicht ab. Wir beschlossen deshalb, über kleine Schleichwege langsam wieder Richtung Stadt zurückzukehren.

Christiane, Irene und Stefan blieben gleich in der netten Altstadt und machten sich auf die Suche nach einer netten Taverne für das Abendessen. Ich blieb heute mal an Bord und ging nicht mit zum Essen und genoss einfach in Ruhe zu lesen.

Sie fanden eine kleine, vormals typische Ouzeri, die mittlerweile etwas geachsen ist und vornehmlich von Einheimischen besucht wird. Daher mussten wir auch etwas warten bis ein großer Tisch für uns frei wurde Aber entsorechend gut war das Essen mit verschiedenen Vorspeisen, Kalamari und Dorade.

Sep.

25

Der Skipper wollte heute schon wieder um acht Uhr los. Nach dem Motto: „Der frühe Segler fängt den Wind!“
Also hieß es für uns alle wieder: raus aus der Koje!
Frühstück gab es zwischen sieben und halb acht. Wir brauchten allerdings noch frisches Brot , zum Glück war der Bäcker ja gleich ums Eck.


Unser heutiges Ziel war Levitha. Auf der kleinen Insel lebt mittlerweile in der achten Generation eine Familie, die versucht, ihr Leben möglichst ökologisch auszurichten. Traditionelle Lebens- und Anbaumethoden werden mit erneuerbaren Energien verbunden. Zur Selbstversorgung und zum Verkauf betreibt die Familie Landwirtschaft und hält sage und schreibe etwa 650 Ziegen. Eine Photovoltaikanlage sorgt für die Stromversorgung und mit der kleinen Taverne, in der die Crews der anlegenden Boote bewirtet werden, bessert die Familie ihr Einkommen auf.
Das klang alles sehr spannend und wir waren natürlich schon ziemlich neugierig auf diesen besonderen Ort.
Aber erst einmal mussten wir überhaupt dorthin kommen.
Unsere Crew ist inzwischen richtig gut eingespielt. Jeder weiß, wo er hinlangen muss, und so ging es flott aus dem Hafen. Dort legte am frühen Morgen gerade noch eine große Fähre an. Kaum waren wir um die Kurve, konnten die Segel gesetzt werden.
Und dann ging’s los!
Wir hatten ordentlich Wind 15-18 Kn aus N und 1m Wellen.
Am Anfang war es noch ziemlich schaukelig und die Georgina bewegte sich in alle Richtungen, die ein Schiff so einschlagen kann. Aber nach Umrundung von der Nordostecke Amorgos hatten wir mehr Wind von der Seite und unsere Georgina flog nur so über die Wellen.
Vorbei ging es an bizarren Felsformationen und ausgesprochen kargen Inseln wie Kinaros und Glaros. Dazu strahlend blauer Himmel , eigentlich Postkartenwetter.
Allerdings hatte dieser Postkartenhimmel einen kleinen Haken:
Es war echt kalt.
Der Wind pfiff uns ordentlich um die Ohren und deshalb waren alle dick eingepackt. Wenn ich mir die Fotos im Nachhinein anschaue, könnte man glatt meinen, wir wären nicht in der Ägäis, sondern irgendwo in der Nordsee unterwegs.
Nach gut sieben Stunden erreichten wir schließlich Levitha.


In wunderschönen Bucht gibt es Mooringbojen und dort lagen bereits acht Einrumpfboote und ein Katamaran. Martin entschied sich für die letzte Boje.


Unser Platz lag direkt an den Felsen und die Aussicht war einfach wunderschön. Das Wasser leuchtete in einem unglaublichen Türkis und war glasklar.
Nach unserem langen Ritt gab es erst einmal Kaffee und dazu Apfelküchle und Pfannkuchen. Mit Nutella, Marmelade oder Frischkäse , je nach persönlicher Vorliebe.


Am Abend wartete ja noch ein typisches griechisches Essen bei der Familie auf uns. Die Spannung stieg.
Bevor es soweit war, wurde erst einmal gebadet.
Das Wasser sah schließlich viel zu verlockend aus.
Die komplette Crew ging schwimmen.
Na ja … fast.
Martin und ich nicht, wir sind bekennende Warmduscher 🙂
Um die Zeit bis zum Abendessen zu überbrücken, wurde noch das Hornochsenspiel ausgepackt. Und diesmal hatten Micha und ich das zweifelhafte Vergnügen, die Oberhornochsen zu sein.
Jedoch wie immer gilt: Es geht nicht ums Gewinnen.
Es geht ums Lachen.
Kurz vor sieben war es dann soweit.
Alle Mann ins Dinghi , allerdings ohne Motor.
Micha und Martin paddelten uns die kurze Strecke bis zum Steg.

Von dort ging es noch ein Stück über Stock und Stein bergauf, bis wir schließlich oben am Haus ankamen.
Und da bot sich uns ein wunderschöner Anblick.
Der Mond stand kurz vor dem Vollmond und tauchte die Bucht in ein ganz besonderes Licht.
Eine spektakuläre Szenerie.


Die Taverne selbst war ganz einfach gehalten. Ein paar Tische, die typisch griechischen Wackelstühle und eine herrlich unkomplizierte Atmosphäre. Einige Gäste von den Nachbarbooten waren schon da.
Die Besitzer begrüßten uns sehr freundlich.
Wir hatten heute sogar einen besonderen Grund zum Feiern,
Heike und Torsten hatten Hochzeitstag.
Natürlich mussten wir darauf erst einmal gemeinsam anstoßen.
Der Wirt brachte Wasser und Wein und dann begann das große Auffahren der Vorspeisen.
Es gab unter anderem Kava ( das war übrigens mit Abstand die beste Version die wir bisher auf diesem Törn hatten) –Saganaki, Horta, Bohnen, Zucchinibällchen und natürlich griechischen Salat.
Das war erst der Anfang.
Als Hauptspeisen gab es Ziege, Fisch und Bifteki.
Martin bestellte zweimal Ziege, einmal Fisch und einmal Bifteki.
Das sollte reichen, sogar sehr.
Alle waren anschließend pappsatt.
Bis der Wirt plötzlich vor uns stand und fragte:
Dessert? alle guckten sich an.
Diese Frage sollte man in Griechenland niemals mit „Nein“ beantworten.
Also gab es griechischen Joghurt mit Zitrone, Joghurt mit Feige und dazu die eingelegten Früchte
Süß geht immer!
Und lecker war es sowieso.


Es war ein wunderschöner, ganz besonderer griechischer Abend .
Später paddelten Martin und ich die Crew wieder sicher zurück zur Georgina.
Martin ging anschließend direkt in der Koje.
Der Rest der Mannschaft war offenbar noch nicht müde genug und stieß noch einmal mit Heike und Torsten auf ihren Hochzeitstag an.


Dabei ließen wir den schönen Tag noch einmal Revue passieren.

Sep.

24

Heute war wieder einmal frühes Ablegen nach Skipper-Art angesagt. Das bedeutete : Frühstück vorbereiten um halb sechs.
So nach und nach trudelten dann auch die ersten Frühaufsteher Stefan und Heike aus ihren Kabinen und wurden dafür gleich mit einem sensationellen Sonnenaufgang belohnt. Kaum war die Sonne zu sehen, begann auch schon ein Fotowettbewerb. Jeder bemühte sich, das schönste Sonnenaufgangsfoto zu ergattern.
Zwischen sieben und halb acht gab es Frühstück , heute einmal mit Rührei statt gekochten Eiern. Da wurde ordentlich zugelangt.
Draußen in der Ägäis erwartete uns wieder reichlich Wind. Dafür war unser heutiges Ziel nicht allzu weit entfernt: Amorgos. Dort stand ein ganz besonderes Highlight auf dem Programm: das berühmte Kloster Panagia Hozoviotissa.


Das weiß leuchtende Kloster klebt spektakulär an einer steilen Felswand rund 300 Meter über dem Meer. Gegründet wurde es bereits im 9. Jahrhundert, etwa um 812, und im 11. Jahrhundert erneuert. Das Gebäude ist nur wenige Meter breit, dafür fast 40 Meter hoch und erstreckt sich über acht Etagen in die Felswand hinein. Es ist eines der ältesten Klöster Griechenlands und gleichzeitig das Wahrzeichen von Amorgos.

Schon die Kleiderordnung versprach ein kleines Abenteuer: Männer brauchen lange Hosen, Frauen lange Röcke und bedeckte Schultern. Das wird alles bei Bedarf am Eingang zur Verfügung gestellt.
Wir ließen uns einfach überraschen. Von unserer Crew war jedenfalls noch keiner dort gewesen – außer Martin natürlich.
Um halb neun hieß es dann: Leinen los Richtung Amorgos. Das Ziel lag geradewegs voraus. Und tatsächlich konnten wir bereits kurz vor elf mit dem Heck am Hafen anlegen.


Mittlerweile weiß die Crew genau, was zu tun ist. Jeder Handgriff sitzt, und auch vom Hafenmeister kam Unterstützung. Unter Martins gewohnt präzisen Anweisungen lief das Anlegemanöver zügig und völlig unspektakulär ab.


Danach gab es erst einmal eine Besprechung im Cockpit. Martin hatte den Vorschlag, mit einem Taxi zum Kloster hinaufzufahren. Gesagt, getan.
Wir marschierten zum Taxistand und hatten tatsächlich Glück: Ein Großraumtaxi stand bereit. Also alle acht husch ins Taxi, denn das Kloster schließt bereits um ein Uhr.
Unser Taxifahrer hieß Vangelis und fuhr uns tatsächlich direkt Kloster hinauf. Schon während der Fahrt waren die Ausblicke gigantisch. Aber was uns dort oben erwartete, war noch einmal eine ganz andere Hausnummer.


Etwa 300 Meter über dem Meeresspiegel und rund 300 Stufen führten auf einem steilen Weg hinauf zum Kloster.
Und dann begann die Kleiderordnung.
Die Männer hatten natürlich alle kurze Hosen an. Also hieß es: umziehen. Lange Hosen wurden übergezogen.
Heike, Christiane und Irene hatten zwar lange Hosen an ,aber auch das war nicht erwünscht. So wurden Tücher um die Hüften gewickelt, bis es aussah wie ein Rock.
Ich hatte meinen eigenen langen Wickelrock dabei.
Dann ging es die steilen Stufen hinauf ins Kloster.


Ein junger Mann erzählte uns einiges über die Geschichte des Klosters und erklärte, dass dort inzwischen nur noch zwei Mönche und er selbst leben. Vielleicht wird auch er eines Tages ein Mönch werden.
Von der Terrasse des Klosters aus bot sich ein atemberaubender Blick über die Ägäis. In der Ferne waren verschiedene Inseln zu erkennen, und bei diesem strahlend blauen Himmel konnte man sich wirklich kaum sattsehen.
Im Inneren wurden wir anschließend in einen Raum geführt, der eher wie ein kleines, gemütliches Wohnzimmer wirkte. Dort bekamen wir ein Glas Wasser und den traditionellen Psimeni Raki serviert, einen warmen Likör, der dem Rakomelo ähnelt. Er wird mit lokalem Honig, Zucker und Gewürzen wie Zimt und Nelken zubereitet und zusammen mit einem kleinen Loukoumi Würfel gereicht , als stärkende Begrüßung für die Pilger nach dem doch recht sportlichen Treppenaufstieg.
Unsere Gruppe verweilte noch ein bisschen in diesem gemütlichen Raum, bevor wir das Kloster wieder verließen.


Draußen erwartete uns weiterhin ein strahlend blauer Himmel. Mega Wetter also, um noch zur Chora, dem wunderschönen Bergdorf von Amorgos, zu laufen oder den Bus zu nehmen.
Oben an einem Bushäuschen fragte ich einen jungen Mann, ob er auf den Bus warte und wann dieser denn käme.
Er meinte; in In zehn Minuten.“
Perfektes Timing
Also fuhren wir mit dem Bus hinauf zur Chora und wollten von dort nach einer kleinen Stärkung wieder zu Fuß Richtung Hafen hinunter.


Und dann standen wir plötzlich mitten in einem Bilderbuchdorf.
Weiße Häuser, kleine Gassen, bunte Türen und Fenster, Bougainvilleas, blauer Himmel und Windmühlen , eine einzige große Fotoszenerie.
Leider war mein Handy-Akku inzwischen leer, sonst hätte ich vermutlich noch hunderte weitere Fotos gemacht.
Im Dorf trennten wir uns zunächst. Christiane, Irene und Micha wollten in einer anderen Taverne noch eine Kleinigkeit essen. Wir setzten uns dagegen in ein kleines Café und genossen bei einem Snack und Sonnenschein den Blick auf die Windmühlen.


Als wir uns schließlich auf den Rückweg machten, trafen wir wieder auf den Rest der Crew.
Und nun stand die nächste Entscheidung an:
Bus fahren oder zu Fuß den Berg hinunter?
Natürlich entschied sich alle für den Fußweg.
Der schmale, steinige Weg war ziemlich spektakulär. Er schlängelte sich in Serpentinen den Berg hinunter, vorbei an Ziegen, verlassenen Häusern und trockenen Brunnen.
Martin, Micha und ich bildeten die Vorhut. Der Rest der Crew kam etwas langsamer hinterher.
Auf dem Schild waren für den Weg 55 Minuten angegeben.
Das war schon eine ziemlich sportliche Ansage , aber wir schafften es.


Bis zum Boot waren es anschließend noch einmal etwa zehn Minuten. Dort setzte ich gleich das Kaffeewasser auf.
Dazu gab es heute einen fertigen Schokoladenkuchen , dafür aber mit ordentlich Sahne. Man muss schließlich Prioritäten setzen.
Danach war erst einmal Chillen angesagt.
Alle waren noch völlig geflasht von diesem tollen Tag und den vielen Eindrücken.
Für das Abendessen erklärte sich Irene bereit zu kochen. Wir entschieden uns für Schinkennudeln .
Heike und Torsten gingen noch schwimmen, Christiane zog es ebenfalls an den Strand und einige machten noch einen Spaziergang durchs Dorf.


Ich schaute mir den kleinen botanischen Garten an. Allerdings war der Wind inzwischen so kalt, dass ich aufs Schiff zurück ging.
Auf der Georgina wurde währenddessen schon fleißig in der Küche gewerkelt. Heike und Micha waren als Schnippelhilfen im Einsatz und auch Christiane packte mit an.
Irene zauberte einen großen Topf Schinkennudeln.
Der Tisch wurde schön gedeckt und dann hieß es endlich:
Essen ist fertig.


Und wie schon beim Frühstück wurde wieder kräftig zugelangt.
Als Überraschungsnachtisch von Irene gab es anschließend noch Baklava.
Am Tisch wurde noch gemütlich geklönt und der ereignisreiche Tag Revue passieren gelassen. Aber da wir morgen bereits um acht Uhr wieder loswollen, zog es die Crew doch relativ bald in die Kojen.
Ein Tag voller Wind, Sonne, 300 Stufen, Klosterröcke, Bergwege, Ziegen, Windmühlen und jede Menge schöner Eindrücke geht zu Ende.
Und ich glaube, heute waren sich alle einig:
Amorgos war die Anstrengung mehr als wert.

Sep.

23

Da Martin heute ziemlich früh los wollte, war das Frühstück bereits für halb acht angesetzt. Ich hatte schon sehr früh meinen ersten Besuch des Tages: die Hafenmieze.


Kaum hatte ich die Gangway heruntergelassen, stand sie auch schon mauzend davor. Ein Scheibchen Wurst können wir natürlich entbehren. Und da der Hafen heute ziemlich voll war, würde sie im Laufe des Tages sicherlich noch genügend Gelegenheit bekommen, weitere Bootsbesitzer anzubetteln.
Kurz nach sieben war dann endgültig Schluss mit der Nachtruhe. Eine riesige Fähre legte an und man hatte tatsächlich das Gefühl, dass das ganze Dorf mit seinen Autos auf dieses Schiff wollte. Unglaublich, wie viele Fahrzeuge da plötzlich auftauchten! Aber alles war perfekt organisiert und lief erstaunlich reibungslos ab.
Unsere komplette Crew stand an Deck und beobachtete das Spektakel.
Hafenkino mal anders.


Danach ging es ans Frühstück. Gesprächsthema Nummer eins war natürlich wieder der berühmte Ankersalat.


Und prompt fuhr ein Einrumpfboot aus.
Was dann passierte, war fast schon besser als Fernsehen. Nicht nur auf unserem Boot, sondern auch auf allen anderen Booten im Hafen herrschte plötzlich rege Betriebsamkeit. Jeder schaute gespannt auf das ausfahrende Boot. Und tatsächlich hatte der Skipper ordentlich zu kämpfen. Aber er schaffte es.


Wir waren das zweite Boot, das auslief. Zum Glück betraf uns das Ankerproblem nicht, denn Martin hatte unseren Anker etwas seitlicher geworfen.
Jeder wusste, was zu tun war, jeder hatte seine Aufgabe und so wurde das Ablegen bei uns zum Kinderspiel.
Ende gut, alles gut. Kurz nach halb neun verließen wir planmäßig den kleinen Hafen.
Wenig später wurde das Großsegel gesetzt und mit zunächst mäßigem Wind gings los, aber hinter dem Kap frischte es dann teilweise bis auf 30 Knoten auf und wir düsten auf der Kreuz durch die Ägäis. Weil es allerdings wieder ordentlich frisch war saßen Christiane und Torsten deshalb dick eingemummelt bei Martin oben auf der Flybridge, während sich der Rest der Crew lieber windgeschützt im Cockpit aufhielt.


Eine Stunde früher als geplant erreichten wir schließlich den Hafen von Koufonisi.
Wieder hieß es: alle Mann an die Leinen. Jeder packte mit an und schon kurze Zeit später lagen wir sicher mit dem Heck an der Hafenmauer.


Zur kleinen Stärkung gab es erst einmal einen griechischen Salat für alle.
Danach ging es an Land, um das schöne Dorf zu erkunden.
Koufonisi ist genau so, wie man sich ein kleines griechisches Dorf vorstellt: weiße Häuser mit blauen Türen und Fensterläden, dazwischen leuchtende Bougainvilleen und jede Menge kleine Läden.
Und was uns besonders gefallen hat: In den vielen Souvenirgeschäften gab es nicht den üblichen Kitsch, den man auf manchen Inseln findet. Stattdessen entdeckten wir wunderschöne und wirklich individuelle Keramiksachen, Schals, Magnete und viele andere kreative Dinge. Da konnte man schon mal länger stehen bleiben.
Überhaupt ist Koufonisi ein einziges großes Fotomotiv. Hinter jeder Ecke findet man wieder eine hübsche Tür, eine bunte Blume oder eine kleine Gasse, die unbedingt fotografiert werden möchte.
Nur der blaue Himmel fehlte noch für das perfekte Griechenland-Foto.


Um drei Uhr gab es dann wie üblich Kaffee und Kuchen an Bord. Martin hatte endlich seine Käsekuchensterne gefunden, nach denen er schon auf mehreren Inseln gesucht hatte! Da gab es dann für jeden einen.
Bis zum Abend war noch etwas Zeit zum Chillen.


Christiane nutzte die Gelegenheit und ging am wunderschönen Sandstrand schwimmen. Irene machte einen Spaziergang und der Rest der Crew schlenderte zu einer wunderschönen Cocktailbar direkt am Wasser.
Und plötzlich kam sogar die Sonne heraus.
War ja klar , wenn die Engel unterwegs sind!
Also orderten wir Cocktails . Mai Tai, Pink Sprizz, Campari Spritz und Piña Colada wurden bestellt. Und selbstverständlich mussten die Cocktails erst einmal für diverse Fotos herhalten, bevor sie getrunken werden durften.
Hier konnte man es wirklich gut aushalten.


Leider drängte die Zeit und wir sollten langsam wieder zurück zum Boot. Christiane, Irene und Michael waren ebenfalls gerade unterwegs. Am Horizont ging inzwischen die Sonne unter und natürlich wurde auch dieses Schauspiel noch schnell fotografisch festgehalten .
Dann machten wir uns auf den Weg zum Abendessen.
Martin hatte für halb acht einen Tisch im Melissa reserviert. „Melissa“ bedeutet auf griechisch übrigens Honigbiene.
Christiane hatte in ihrem Reiseführer gelesen, dass es sich um die älteste Taverne der Insel handeln soll. Und offenbar wussten das auch viele andere. Das Lokal war bereits gut besucht und draußen warteten schon Gäste auf einen freien Tisch.
Wie gut, dass wir reserviert hatten!

Martin hatte heute einen Vorschlag: Statt wie üblich verschiedene Vorspeisen zu bestellen, wollten wir einfach unterschiedliche Hauptgerichte nehmen und alles miteinander teilen.
Gesagt, getan.
Nach und nach kamen Souvlaki-Spieße, Oktopus, Lamm, Ziege, Schaf und Rind auf den Tisch. Die Teller wanderten einmal rundherum und jeder konnte von allem probieren.
Es war wirklich alles unglaublich lecker.
Ich blieb allerdings meinem griechischen Salat treu.


Während wir gemütlich aßen, wurde die Taverne noch voller. Draußen warteten inzwischen schon die nächsten Gäste. Also machten wir unseren Tisch frei und zogen weiter.
Auf dem Rückweg blieben wir noch bei zwei Straßenmusikern stehen und hörten ein bisschen zu.
Aber Martin und Heike hatten noch ein ganz anderes Ziel: die Eisdiele.
Sie lag praktischerweise direkt auf unserem Rückweg. Und als wir das Eis sahen, war eigentlich sofort klar, dass niemand widerstehen würde.
Also bestellte jeder von uns zwei Kugeln.
Man muss die Prioritäten im Urlaub schließlich richtig setzen.
Zurück auf der Georgina war der Tag aber noch lange nicht zu Ende.
Wir ließen noch eine kleine Party steigen , mit Rum, Musik und Diskolicht.


Ein richtig schöner Abschluss für einen ereignisreichen Tag auf Koufonisi.
Jetzt heißt es allerdings langsam ins Bett, denn morgen früh müssen wir wieder zeitig raus.

Sep.

22

Genauso farbenreich, wie sich der Himmel gestern Abend verabschiedet hatte, zeigte er sich am nächsten Morgen wieder. So nach und nach kamen alle aus ihren Kabinen. Stefan und Micha nahmen sogar schon vor dem Frühstück ein ausgiebiges Bad. Martin wollte zeitig los, deshalb frühstückten wir ein bisschen früher als sonst.


Aber mit den Abenteuergeschichten rund ums Segeln kommt man ja immer vom Hölzchen aufs Stöckchen. Es ist so gemütlich, man sitzt so schön zusammen, es schmeckt so lecker und überhaupt … Aber es hilft ja nichts, wir wollen ja weiter.
Nachdem die Küche wieder aufgeräumt war, hieß es Anker auf, Kurs Schinoussa. Die kleine Insel gehört zu den Kleinen Kykladen und liegt etwa sechs Kilometer südlich von Naxos. Die Nachbarinseln Iraklia und Kato Koufonisi sind jeweils nur rund drei Kilometer entfernt. Auch der Wind war uns günstig gesonnen, sodass das Großsegel gesetzt werden konnte. Jeder suchte sich wieder sein Plätzchen an Bord und genoss den Ritt durch Wind und Wellen.
Wir hatten heute in der Paros-Naxos-Strasse bis 30 Kn Wind anfangs aus NNE, dann N und später NNW, bis er vor Schoinousa fast ganz einschlief. Also segelten wir Anfangs mit Gr im 2.Reff und der halben Genua, die wir später ganz ausrollten und dann die letzten 3 Meilen von kanppen 20 motorten.

Kurz vor halb zwei fuhren wir in den kleinen Hafen von Schinoussa ein. Der freie Platz, den wir uns ausgesucht hatten, war zwar nicht gerade der einfachste, was beim Anlegen für reichlich Kommandos von allen Seiten sorgte, aber letztendlich waren wir fest. Gott sei Dank! Das Fischerboot, das noch quer an der Mole lag, fuhr ausgerechnet dann weg, als wir angelegt hatten. Da hätten wir uns einiges an Adrenalin sparen können. Aber jetzt liegen wir gut.


Kaum waren wir fest, begann das Hafenkino. Im Minutentakt kamen Einrumpfboote in die Bucht gefahren und legten nach und nach neben uns an. Die Tonstärke war fast noch lauter als bei uns. Hafenkino vom Feinsten! Jedenfalls gibt es morgen früh bestimmt Ankersalat. Martin hatte es später beim Schnorcheln schon gesehen.


Mitten in diesem ganzen Hafentetris setzte ich schnell einen Hefeteig an und bereitete die Zwetschgen für einen Zwetschgendatschi vor.
Micha entdeckte bei seinem Landgang eine große Schildkröte am Ufer. Irene und Christiane packten ihre Badesachen und machten sich auf den Weg zum kleinen Strand neben dem Hafen.
Kurz nach drei duftete es schon durchs ganze Boot. Der Zwetschgendatschi war fertig! Warm schmeckt er sowieso am besten, und mit frischer Sahne dazu war er einfach perfekt. Da konnte man es sich bei einer Tasse Kaffee richtig gutgehen lassen.


Nach dem Kaffeetrinken machten Martin und ich uns auf den Weg ins kleine Bergdorf. Scheinbar ist hier im Sommer doch einiges los, denn es gibt viele Tavernen und auch Zimmer zu vermieten. In einem kleinen Supermarkt fanden wir noch ein bisschen Obst

und reservierten anschließend einen Tisch im Octo Adelphia, einem kleinen Restaurant mit schönem Ausblick auf die Bucht.
Wieder unten an Bord waren nur Stefan und Micha. Die anderen hatten sich noch einmal zum kleinen Strand am Hafen aufgemacht. Und dann ging das Hafenkino in die nächste Runde.


Ein Katamaran, der nach uns gekommen war und an einem reservierten Platz angelegt hatte, musste wieder wegfahren. Sein Anker hatte sich am Grund in irgendeiner Bojenschlaufe verfangen. Von allen Booten schauten die Crews gespannt zu. Aber sie schafften es tatsächlich, den Anker zu lösen. Jubelgeschrei auf dem Boot, und dann düsten sie davon. Wir hatten jedenfalls wieder einmal beste Unterhaltung, ohne Eintritt bezahlen zu müssen.


Um sieben Uhr wollten wir zum Essen los. Die restliche Crew war schon aufgebrochen, um sich noch ein bisschen im Dorf umzuschauen. Als Martin und ich oben ankamen, warteten sie bereits vor dem Restaurant.
Martin bestellte wieder viele leckere Vorspeisen, die alle nach und nach auf den Tisch kamen. So konnte jeder von allem ein bisschen probieren. Und natürlich wollten dann auch alle noch Lamm probieren. Einmal geschmorte Lammkeule und Lammkoteletts kamen auf den Tisch. Das ist griechisches Feeling pur!


Die Crew fand, dass es sehr lecker geschmeckt hat. Und natürlich durfte auch der Wein nicht fehlen. Da wurde sogar noch einmal nachgeordert. Martin erzählte noch den Plan für den nächsten Tag, da wird es nach Koufonisi gehen und wir müssen wieder zeitig los. Deswegen fällt der Spieleabend an Bord aus und es gibt nur noch ein gemütliches Zusammen sitzen.
Ein rundum schöner Tag und ein wunderschöner Abend auf einer kleinen Kykladeninsel, mit gutem Essen in einer griechischen Tavernen und griechischem Wein, da hat man doch gleich einen Ohrwurm.

Sep.

21

Hurra, der Skipper hat Geburtstag.
Salon und Cockpit waren schon festlich geschmückt, als zuerst Stefan und dann Micha aus den Kojen hoch kamen . Kurz darauf folgten Torsten und Heike. Torsten blieb fast mit seinen stattlichen 1,97 Metern in der Girlande hängen.
Das Frühstück war vorbereitet, der Geburtstagskuchen über Nacht heimlich gezaubert und eigentlich fehlte jetzt nur noch einer: der Skipper persönlich.
Als dann lautstark Stevie Wonders „Happy Birthday“ aus der Musikbox klang,
ließ sich Martin endlich blicken!


Auch Christiane und Irene gesellten sich dazu und gratulierten dem Geburtstagskind. Die beiden hatten sogar eine Überraschung dabei: einen Fair-Trade-Seglerkaffee. Er ist schon gespannt, wie er schmeckt. Und von Stefan und Maria bekam er ein lustiges Loriot T-Shirt.
Noch bevor das Frühstück auf den Tisch kam, wurde es aber erst einmal fachlich. Martin nahm die Gäste mit auf die Schiffsbegehung über Deck und erklärte geduldig die wichtigsten Bordinstrumente und ihre Funktionen. Jede Menge Fragen wurden beantwortet, die Rettungswesten gezeigt und natürlich durfte auch ein Blick auf Martins persönliches Navigationssystem nicht fehlen. Schließlich soll die Crew ja wissen, wo sie sich befindet – und vor allem wichtig, wie das Funkgerät bei einem eventuellen Notfall funktioniert .
Danach war es aber höchste Zeit für Frühstück.
Doch was baumelte denn da noch im Cockpit?
Eigentlich sollte dort eine ganz besondere Flaschenpost für den Skipper hängen. Aber die Wellen schlugen heute so heftig gegen die Kaimauer, dass ich befürchtete, dass sie dort zerschellt.
Was in der Flaschenpost stand, verraten wir an dieser Stelle noch nicht. Wenn alles klappt, gibt es dazu später einen eigenen Blogeintrag aus Kreta.


Natürlich durfte auch das obligatorische Geburtstagsständchen nicht fehlen. Die Crew sang für Martin und damit war das Geburtstagsprogramm offiziell eröffnet.
Nach dem Frühstück brachte Martin noch die Wäsche in die Wäscherei. Dadurch hatten wir tatsächlich noch zwei Stunden Landgang, bevor die Wäsche fertig sein sollte.
Im Supermarkt traf ich kurz darauf dann prompt wieder auf Irene und Christiane. Die beiden waren auf der Suche nach Hackfleisch , schließlich stand für den Abend Chili con Carne auf dem Speiseplan.


Zurück an Bord gab es allerdings erst einmal eine kleine Planänderung.
Wir würden gleich ablegen, sobald alle wieder an Bord waren. Die Wäsche können wir einfach bei unserem nächsten Besuch hier abholen. Also hieß es: Leinen los und weiter!
Martin erklärte Stefan und Micha noch, wie das mit dem verlorenen Anker an der Leine zu händeln ist. Am Heck wurden die Leinen losgemacht und langsam setzte sich das Schiff in Bewegung.
Der Anker war gerade wieder in seiner vorgesehenen Spur, als Micha plötzlich rief:
“Da ist was am Anker!“
Dieser verflixte Anker!
Eine große Motoryacht hatte tatsächlich ihren Anker über unseren heruntergelassen. Martin musste erst einmal selbst nachsehen, was da eigentlich los war. Micha bekam den Auftrag, eine Leine irgendwo durch- und wieder umzufädeln. Wie genau das alles funktioniert hat, lassen wir lieber den Skipper erklären , jedenfalls war es eine dieser Aktionen, die man an Bord nicht unbedingt braucht.


Irgendwann war aber auch dieses kleine Ankerdrama gelöst und wir konnten endlich Kurs auf den Süden von Paros nehmen.
Wieder vorbei an den Kite-Surfern und entlang an der Küste.

Die karge Landschaft wurde immer wieder von kleinen, strahlend weißen Dörfern unterbrochen, die wie hingetupft an den Hängen lagen.
Dazwischen klingelte Martins Telefon immer wieder. Familie und Freunde wollten natürlich gratulieren und so bekam unser Geburtstagskind heute jede Menge Glückwünsche aus der Heimat.
Wir hatten uns für heute nur eine kurze Strecke vorgenommen. Martin hatte ursprünglich damit gerechnet, dass wir erst weit nach Mittag loskommen würden. Kurz nach zwei fiel deshalb bereits der Anker in der wunderschönen Parangess-Bucht.
Und damit war es Zeit für den Geburtstagskuchen und Kaffee!


Heute ausnahmsweise etwas früher , schließlich sollte für das Chili später auch noch Platz sein.
Martin durfte sein Geburtstagskerzchen ausblasen und anschließend den leckeren Kuchen verteilen.
Die Mutigen unter uns sprangen danach gleich ins Wasser .
Wobei, wenn man drin ist, geht’s .
Später saßen Heike und Torsten oben auf der Flybridge, während ich es mir unten mit meinem Buch gemütlich gemacht hatte.


Plötzlich rief Heike:
Ui – ein Delfin!“
Und tatsächlich!
Neben der Georgina schwamm ein großer Tümmler vorbei, drehte nach einer eleganten Kurve noch einmal ums Boot und verschwand anschließend wieder im tiefblauen Wasser.
Was für ein Geburtstagsgeschenk!
Und das gleich am ersten Tag mit der ersten Crew.


So langsam klapperten in der Küche auch die Töpfe.
Christiane, Irene und Heike machten sich ans Chili con Carne. Nach und nach zog ein herrlich würziger Duft durch das ganze Boot und ließ die Vorfreude auf das Abendessen ordentlich steigen.
Um sieben Uhr war es dann soweit. Christiane stellte einen großen Topf mit dampfendem Chili in die Mitte des Tisches und alle langten kräftig zu.
So kräftig, dass am Ende vom großen Topf kein Krümelchen Chili mehr übrig war.
Zum Nachtisch gab es noch griechischen Joghurt mit Honig.


Irene und Christiane machten anschließend noch klar Schiff und dann wurde der Tisch kurzerhand zur Spielearena umfunktioniert.
Acht Spieler, ein Hornochsenspiel und dazu eine traumhafte Kulisse mit wunderschönem Abendrot.
Wir hatten jede Menge Spaß und es wurde ordentlich gelacht.
Und die Krönung des Abends?
Ich hatte heute die wenigsten Punkte und damit gewonnen!
Stefan hingegen erwischte es ganz anders:
Er wurde Hornochsenkönig.


So ging Martins Geburtstagstag an Bord zu Ende: mit gutem Essen, viel Lachen, einem Delfin als Überraschungsgast, einem herrlichen Sonnenuntergang und einer netten Spielerunde.

Sep.

20

Leider war heute schon der letzte Tag unseres ersten Törns gekommen.
Werner musste als Erster zum Flughafen. Noch bevor die Sonne richtig in den Tag gestartet war, standen wir alle auf, um uns von ihm zu verabschieden. Die ganze Crew ließ es sich nicht nehmen, persönlich „Gute Reise“ zu sagen. Es war ein sehr herzlicher Abschied und natürlich auch ein bisschen wehmütig.
Beim anschließenden Frühstück war die Stimmung entsprechend. Aber wir wissen ja: Ein Törn geht zu Ende, aber das heißt nicht, dass man sich für immer verabschiedet.


Susi hatte für jeden von uns noch eine kleine Erinnerung vorbereitet: einen Küchenmagneten von Serifos. Eine wunderschöne Idee, damit ein kleines Stück Törn auch zu Hause noch am Kühlschrank weitersegelt.

Ich kümmerte mich derweil um die Gruppenfotos und druckte sie für die kleinen Törnbüchlein aus. Schließlich sollen die gemeinsamen Erlebnisse nicht einfach mit dem Ablegen von Bord gehen.
Als Nächster ging Stefan von Bord. Er hatte sich einen Scooter gemietet und bleibt noch ein paar Tage auf Paros.
Dann ging plötzlich alles ratzfatz: Lorenz und seine tapfere Susi mussten zur Fähre und verließen ebenfalls das Schiff. Die beiden bleiben noch eine Nacht in Athen. Es war sooo schön mit ihnen! Aber zum Glück ist der Abschied nur von kurzer Dauer ,ich sehe die beiden schon bald wieder, wenn ich nach Hause komme.
Christine und Johannes waren die Letzten, die sich verabschiedeten. Christine kennt Martin inzwischen schon über zehn Jahre und möchte unbedingt im nächsten Jahr wiederkommen. Ein schöneres Kompliment kann man einem Törn eigentlich kaum machen. Auch die beiden bleiben noch ein paar Tage auf Paros.