Juni

6

Heute war frühes Aufstehen angesagt. Bereits um 7.00 Uhr legten wir ab, denn vor uns lagen knapp 30 Kilometer und gleich neun Schleusen. Da wollten wir keine Zeit verlieren.
Vor dem Ablegen habe ich es aber noch schnell zum Bäcker geschafft. So konnten wir frische Croissants zum Frühstück genießen.

Die Strecke zeigte sich heute von ihrer besonders abwechslungsreichen Seite. Zeitweise fuhren wir durch wunderschöne grüne und bewaldete Abschnitte, in denen man fast nur Vogelstimmen hörte.

Kurz darauf bot sich ein völlig anderes Bild: Große Industrieanlagen prägten die Landschaft, allen voran die riesigen Anlagen von Solvay bei Dombasle-sur-Meurthe. Gerade diese Gegensätze machen eine Fahrt auf dem Kanal immer wieder spannend.
Ursel konnte heute endlich wieder ihren Lieblingsplatz auf dem Vordeck einnehmen. Zwar versteckte sich die Sonne meist hinter den Wolken, doch die Temperaturen waren angenehm warm.

Nach neun Schleusen und guten acht Stunden erreichten wir endlich den Hafen von Nancy und fanden auch gleich einen freien Liegeplatz im Basin Sainte Catherine Gleich nach dem Festmachen bekam Martin Besuch im Steuerstand von zwei neugierigen kleinen französichen Jungs. Die kamen aufs Boot und bestaunten den Fahrstand mit dem großen Ruder und dem vielen Platz im Salon. Einfach „coool“

Kaffee haben wir wieder bei Sonnenschein auf dem Deck getrunken.
Danach machte Martin kurz Powernapping, Ursel las und ich ging in die Stadt und besorgte noch was fürs Abendessen.
Am Place de la Carriere hörte ich laute Musik und sah schon von weitem die Regenbogenfahnen. Plötzlich stand ich mitten im Getümmel vom CSD. War lustig, das kannte ich ja von meinem Job. Die Parade war aber gerade dabei, sich aufzulösen. Ich ging noch ein bisschen durch die gut besuchte Stadtmitte am Place de Stanislas und zurück aufs Schiff.

Nach dem Abendessen mit lauter leckeren elsässischen Spezialitäten gingen Martin und ich nochmal in die Stadt um ein Eis zu essen. Zurück schlenderten wir gemütlich durch den parc de la pepiniere.

Juni

5

Nach den Wetterkapriolen gestern Abend und in der vergangenen Nacht zeigte sich heute Morgen zumindest wieder die Sonne. Zwar war der Himmel deutlich freundlicher, doch der Wind war noch ziemlich frisch.

Am Morgen traf ich Rudi von der Capitainerie. Rudi und Doriane hatten im vergangenen Jahr unser kleines Findelkind „Bruno“ aufgenommen , das Katzenbaby, das uns damals völlig unverhofft auf das Boot gesprungen war . Natürlich musste ich nachfragen, wie es ihm inzwischen geht.
Rudi lachte sofort und antwortete mit einem breiten Grinsen….the cat is sooooo big now…..Dabei machte er eine ausladende Handbewegung, die keine Zweifel daran ließ, dass aus dem kleinen Bruno ein stattlicher Kater geworden ist.

Währenddessen füllte Martin noch einmal unseren Wassertank auf. Anschließend gönnten wir uns ein gemütliches Frühstück mit frischen Croissants und selbstgemachtem Erdbeerfruchtaufstrich .
Dann hieß es wieder: Leinen los! Vor uns lagen etwa zehn Kilometer Kanal sowie zwei Schleusen bergab.
Unser Ziel war Einville-au-Jard, der letzte Halt vor Nancy.

Nach dem Kaffeetrinken machten wir mit Ursel einen kleinen Spaziergang durch das Dorf. Außer ein paar schön angelegte Gärten war aber nichts Besonderes zu sehen.
Gleich gegenüber von unserem Anlegeplatz war ein kleines französisches Lokal.
Dort waren wir zum Abendessen.

Zurück an Bord schauten wir noch eine Reportage über die Kykladen, das Ziel für unsere Segelcharterreise für den Herbst.

Juni

4

Von Xures aus waren es heute Morgen nur drei Kilometer mit dem Fahrrad zurück nach Lagarde.
Unterwegs kam mir die „Horizon II“ entgegen – genau das Hotelboot, wegen dem wir gestern noch weiterfahren mussten.
Nach etwa 15 Minuten erreichte ich das Auto, verstaute das kleine Klapprad im Kofferraum und fuhr voraus nach Parroy. Von dort ging es noch einmal fünf Kilometer mit dem Fahrrad am Kanal zurück zum Boot.

Kurz nach 10 Uhr legten wir bei grauem Himmel ab. Wir befinden uns immer noch im Pays du Etangs- im Land der Seen. Ursel bedauerte sehr, dass das Wetter ihr einen Platz draußen an Deck vermieste. Vor uns lagen zunächst zwei Schleusen bergab, bevor wir nach rund anderthalb Stunden Fahrt in Parroy festmachten.

Eigentlich hatten wir uns vorgenommen, das wunderschöne Barockschloss in Lunéville zu besichtigen. Doch das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung. Immer wieder setzte kräftiger Regen ein, und zwar nicht nur für ein paar Minuten. So vertrieben wir uns die Zeit an Bord mit einer Partie Backgammon, während Ursel gelesen hat.
Das Schloss fiel damit buchstäblich ins Wasser. Martin und ich fuhren dennoch nach Lunéville, allerdings nur zum Einkaufen. Ursel hielt währenddessen an Bord die Stellung.

Zum Abendessen gab es eine leckere Shrimpspfanne mit Reis und Salat. Kaum waren wir fertig, öffnete der Himmel erneut seine Schleusen. Ein Gewitter zog auf und plötzlich leuchtete der Himmel in den unterschiedlichsten Farben.
Damit stand die nächste Bewährungsprobe für unser selbst genähtes Sonnendach an. Mit etwas Sorge blickten wir immer wieder aus dem Fenster auf das Deck: Würde das Dach dem aufkommenden Sturm und den Wassermassen standhalten? Aber alles hielt perfekt. Danach wurden wir noch mit einem Regenbogen belohnt.


Später spielten wir noch eine halbe Runde Wizard, bevor Ursels Augen eine Pause verlangten. Den Abend ließen wir mit einem kurzweiligen Film auf Ursels Empfehlung mit Hape Kerkeling ausklingen .

Juni

3

Unser Sonnendach wurde heute auf eine echte Bewährungsprobe gestellt. Sturm und kräftiger Regen zogen über uns hinweg und stellten die Konstruktion auf die Probe. Es hat sich erstaunlich gut geschlagen, auch wenn ich zunächst immer wieder an Deck musste, um das angesammelte Wasser vom Dach zu schubsen. Die perfekte Lösung hatte dann Martin: Mit einer heißen Nadel bohrte er drei kleine Löcher in die entsprechenden Stellen. Danach lief das Wasser sauber ab .
Am Morgen fuhren wir von der großen Schleuse Rechicourt in Richtung Lagarde, unserem nächsten Ziel mit neun Schleusen bergab. Das Auto hatte ich bereits frühmorgens vorgefahren. Anschließend ging es mit dem kleinen Klapprad zurück zum Boot. Vorher wollte ich allerdings noch eine Bäckerei finden, um frische Pain au Chocolat und Croissants für das Frühstück mitzubringen. Aus den geplanten 13 Kilometern wurden dadurch schnell 19 Kilometer , aber das Frühstück war die zusätzliche Strecke wert.


In Lagarde angekommen, mussten wir feststellen, dass alle Liegeplätze bereits belegt waren. Hinter dem Hotelschiff „Jeanine“ fanden wir noch einen freien Platz und konnten festmachen. Kaum lagen wir sicher am Steg, wurde natürlich erst einmal die Kaffeemaschine angeworfen.
Kurz darauf klopfte der freundliche Kapitän des Hotelschiffes in seiner schmucken Uniform bei uns an. Er erklärte uns, dass später noch die „Horizon II“, ein weiteres großes Hotelschiff, erwartet werde und wir deshalb leider nicht bleiben könnten.
Also gut: Martin trank in aller Ruhe noch seinen Kaffee und gönnte sich ein Stück Blaubeerkuchen, während Ursel heute mal etwas Deftigeres bevorzugte. Danach legten wir wieder ab.


Noch zwei Schleusen lagen vor uns, die wir wie gewohnt per Fernbedinung für uns anmeldeten, bevor wir die Ortschaft Xures erreichten. Dort fanden wir einen kleinen Hafen mit einem stabilen Steg und einer freien Anlegestelle.


Ursel und ich machten anschließend noch einen Spaziergang durch das Dorf. Unser Ziel war die Kirche, die wir uns gerne von innen angesehen hätten. Leider war sie verschlossen, sodass wir uns mit einem Blick von außen begnügen mussten.
Nach dem Abendessen spielten wir zu dritt eine lustige Runde Wizard, die Martin, trotz Ursels düsterer Voraussagen gewann.

Juni

2

Heute Morgen war schon Frühsport angesagt. Ich hab das Auto an die große Schleuse nach Rechicourt gefahren und bin mit dem kleinen Klapprad im Regen wieder zurück gefahren. Nach ca 1 1/2 Stunden war ich wieder zurück an Bord , danach haben wir auch gleich abgelegt.


Es hat den ganzen Tag geregnet und wir haben von draußen den ganzen Tag nicht viel gesehen. Es waren auch kaum andere Boote unterwegs. Wir sind dann Saarkanal in den Rhein Marne Kanal abgebogen und Martin steuerte die höchste Schleuse Frankreichs an. Die Schleuse in Réchicourt-le-Château ist ein wares Kunstwerk,  welches in 1965 auf dem Rhein Marne Kanal gebaut wurde.Die Schleuse hat eine Fallhöhe von 15,45 und 16,10 m, abhängig vom Wasserstand im Kanal und ersetzt 6 Schleusen. Auf diese Weise kann ein Boot in dreißig Minuten den Höhenunterschied durchfahren anstatt sechs Stunde zuvor. Die Schleusenkammer hat eine Mindesttiefe von 2,6 m, eine Breite von 6 m und eine Länge von 40 m bei einem Volumen von ca. 3796 m3. Stromabwärts wird die Schleusenkammer mit einer Hubtür geschlossen und Stromaufwärts sorgen zwei 20 m hohe Bogentüren für den Verschluss. Alle Komponenten (Türen und Ventile) werden von Hydraulikzylindern und von einer Betriebskabine aus gesteuert. In der Schleuse müssen Schwimmwesten getragen werden und beim Wasser rauslassen hat die Schleuse an allen Ecken geächzt und gequietscht.


Wir haben gleich nach der Schleuse Steuerbord angelegt. Auf der stromabwärts gelegenen Betonfront befindet sich eine 600 m² große monumentale Freske des französischen Künstlers Adec. Das Werk zeigt einen riesigen Reiher (Héron) als Wächter des Kanals, in dessen Körper zahlreiche Figuren und kleine Szenen verborgen sind. Die Freske thematisiert die Beziehung zwischen Mensch, Natur und Wasserlandschaft.
Den Abend ließen wir bei einer Spinat Quiche mit Salat ausklingen.