Juni

11

Heute Morgen starteten wir ganz entspannt mit einem ausgiebigen Frühstück in den Tag. Gut gestärkt machten sich Manuela und ich anschließend auf den Weg, um die Autos nach Lagarde vorzufahren. Für die kurze Strecke benötigten wir mit dem Auto gerade einmal knapp 15 Minuten.


In Lagarde angekommen, schauten wir uns zunächst den Hafen an und prüften, ob dort genügend Platz für die Vlinder sein würde. Das große Flusskreuzfahrtschiff Madeleine lag bereits im Hafen und die kleineren Mietboote hatten sich in Reih und Glied verteilt. Sicherheitshalber fragte ich in der Capitainerie nach, ob wir am Nachmittag hinter der Madeleine festmachen könnten. Die freundliche Dame meinte: Klar, kein Problem.“
Damit war alles geklärt und wir machten uns mit den Fahrrädern auf den Rückweg nach Parroy zum Boot. Kaum angekommen, hieß es auch schon wieder, Leinen los!


Während wir Kurs auf Lagarde nahmen, wurde in der Bordküche fleißig gearbeitet. Manuela setzte einen Hefeteig für Buchteln an. Nach der Gehzeit wurde der Teig fachgerecht in gleich große Stücke geteilt und Brigitte half beim Füllen. Ein Teil bekam Aprikosenmarmelade, der andere Zwetschgenmarmelade – das sah schon beim Zubereiten total lecker aus.


Auf unserer Strecke lagen drei Schleusen bergauf. Mittlerweile klappt das Schleusen bei uns wirklich super .Die Landschaft wird wieder immer ländlicher, grüner und ruhiger.


Schließlich erreichten wir Lagarde. Und dann das: Irgendein Möchtegern-Kapitän hatte tatsächlich unseren reservierten Liegeplatz belegt! Martin machte sich mit der Hupe bemerkbar, doch die Verantwortlichen waren leider nicht an Bord . Dabei hätten sie im vorderen Bereich des Hafens problemlos Platz gehabt.
Kurzerhand entschied Martin, am kurzen Schwimmsteg festzumachen. Das war eine etwas wackelige Angelegenheit. Doch ganz ruhig und professionell dirigierte er das Anlegemanöver, und gemeinsam schafften wir es, die Vlinder sicher festzumachen. Zwar ragte das Boot vorne und hinten jeweils mehrere Meter über den Steg hinaus, aber irgendwie passte es doch.
Inzwischen hatte sich an Bord ein herrlicher Duft verbreitet. Die frisch gebackenen Buchteln waren fertig. Schnell wurde die Kaffeemaschine eingeschaltet. Da auch das Wetter perfekt mitspielte, konnten wir Kaffee und Buchteln gemütlich an Deck genießen.
Nebenbei kümmerte ich mich noch um die Garnelen und puhlte sie fertig, damit wir sie einfrieren konnten und später keinen Stress mit dem Verderb hatten.
Währenddessen gingen Brigitte und Johannes zum Hafenrestaurant und reservierten einen Tisch für das Abendessen. Anschließend nutzten unsere Gäste die Gelegenheit für einen kleinen Spaziergang durch das Dorf.


Nach einer entspannten Pause an Bord machten wir uns schließlich auf den Weg ins Restaurant. Die Bedienung war ausgesprochen aufmerksam und brachte uns sofort eine deutsche Speisekarte. Schnell waren die Bestellungen aufgegeben.
Das Essen war für alle hervorragend. Besonders Martin und Manuela staunten nicht schlecht, als ihnen ein riesiges Cordon Bleu serviert wurde. Aber auch die anderen Gerichte sahen ausgezeichnet aus und schmeckten ebenso gut.


Nach dem Essen zog es die Männer recht zügig zurück aufs Boot vor den Fernseher, denn das Eröffnungsspiel der Fußball-Weltmeisterschaft stand auf dem Programm. Wir Mädels ließen den Abend dagegen ganz gemütlich oben im Steuerstand ausklingen und genossen die ruhige Stimmung im Hafen von Lagarde.

Juni

10

Den heutigen Morgen ließen wir ganz entspannt angehen. Nach einem kleinen Frühstück machten sich Manuela, Johannes, Brigitte und Peter auf den Weg nach Lunéville, um das beeindruckende Stadtschloss zu besichtigen und ein wenig französisches Flair zu genießen.


Währenddessen fuhr ich das Auto nach Parroy und machte mich anschließend mit dem Fahrrad auf den Rückweg entlang des Kanals. Die Strecke ist einfach wunderschön und Natur pur.
Leider meinte es der Wettergott heute nicht ganz so gut mit uns. Kurz bevor ich das Hausboot erreichte, erwischte mich noch eine ordentliche Dusche von oben. Auch unsere Ausflügler blieben vom Regen nicht verschont und kamen etwas durchnässt kurz nach mir zurück.

Zum Aufwärmen gab es erst einmal heißen Tee oder Kaffee sowie eine kleine Brotzeit – oder, wie unsere österreichischen Gäste sagen würden, eine gemütliche Jause. So konnten alle wieder zu Kräften kommen und die nassen Jacken und Schirme trocknen, bevor in Richtung Parroy ablegten.

Vom gestrigen Abend war noch ein ganzes gegrilltes Hendl übrig geblieben. Manuela machte sich sofort ans Werk, zerlegte das Hähnchen mit professioneller Routine und zauberte daraus einen herrlich leckeren Geflügelsalat.


Doch damit nicht genug: Plötzlich kam ihr die Idee, ganz spontan einen Apfelstrudel zu backen. Gesagt, getan! Während ich die Äpfel schälte, knetete sie kurzerhand einen Teig und schnitt anschließend die Äpfel genau so, wie sie sie für ihren Strudel brauchte. Solche spontanen Einfälle sind oft die besten und meistens entstehen dabei die leckersten Köstlichkeiten.
Kurzerhand wurde unser Wohnzimmertisch zweckentfremdet und zum Arbeitsplatz für den Strudelteig umfunktioniert. Mit viel Geschick zog Manuela den Teig hauchdünn aus – ganz so, wie es sich für einen echten Apfelstrudel gehört.


Pünktlich um drei Uhr legten wir in Parroy an. Auf dem Weg dorthin mussten wir nur zwei Schleusen passieren, die unser eingespieltes Schleusenteam inzwischen schon mit beeindruckender Routine meisterte.


Heute gab es ausnahmsweise kein klassisches Anlegebier, sondern einen Anlegeprosecco. Dazu lief gute Laune Musik, die sofort für die passende Stimmung sorgte.


Auch in der Bordküche lief alles nach Plan: Der Apfelstrudel war fertig gebacken und Brigitte rührte noch eine leckere Vanillesoße dazu. Sogar der Himmel hatte gute Laune und die Sonne kam raus.
Der Apfelstrudel kam so gut an, dass am Ende nicht einmal ein Krümel übrig blieb. Nach dem gemütlichen Kaffeetrinken machten sich Peter und Johannes mit den Fahrrädern auf den Weg, um das Auto zurückzuholen.
Am Abend stand der leckere Geflügelsalat auf dem Speiseplan, der den ganzen Tag wunderbar durchgezogen hat. Leider zog pünktlich zum Abendessen ein Gewitter auf, so dass wir unser Essen nach drinnen verlegen mussten. Der guten Stimmung tat das allerdings keinen Abbruch.
Da wir heute etwas früher gegessen hatten, blieb noch genügend Zeit für eine Partie Boule auf dem Platz des Campingplatzes. Anfangs sah alles nach einem klaren Sieg der Männer aus, denn sie lagen stets vorne. Doch wir Mädels bewiesen Kampfgeist und drehten das Spiel. Am Ende konnten wir sogar zweimal hintereinander gewinnen!


Damit nicht genug, weil der Tag eh so ereignisreich war, lernte Martin unseren Gästen noch unser Lieblingskartenspiel Wizard.
So spielten wir noch zwei richtig lustige Runden, die einmal Manuela und einmal Martin für sich gewinnen konnte.

Juni

9

Um kurz nach acht Uhr startete Martin den Motor und es hieß wieder „Leinen los“. Bye bye Nancy – vor uns lagen erneut knapp 30 Kilometer bis nach Einville-au-Jard sowie neun Schleusen – alle bergauf, die wir passieren müssen.
Für ein besonderes Highlight sorgte unser Einkaufsstopp unterwegs. Direkt am Supermarkt mit dem Hausboot anzulegen, erlebt man schließlich nicht alle Tage. Die Poller waren allerdings im kniehohen Gras kaum zu erkennen. Also blieb mir nichts anderes übrig, als im richtigen Moment an Land zu springen. Manuela und Johannes kamen ebenfalls von Bord, um die Heckleinen festzumachen. Da die Poller recht weit auseinanderstanden, mussten wir sogar zwei Leinen an Bäumen befestigen.
Währenddessen machte sich Martin mit unseren Gästen auf den Weg zum Einkaufen. Wenig später kamen sie mit voll beladenen Einkaufswagen zurück zum Boot. Das sah schon ziemlich lustig aus – näher kann man mit dem Einkaufswagen bis vor die Haustür wohl kaum kommen. Bequemer geht es wirklich nicht.


Nachdem alle Vorräte verstaut waren, setzten wir unsere Fahrt fort. Zwischendurch übernahm Johannes das Steuer und tuckerte ganz entspannt über den Rhein-Marne-Kanal. In den Schleusen haben sich die Aufgaben inzwischen bestens eingespielt: Johannes und Manuela kümmern sich um die Heckleine, während Peter die Signalstange bedient.


Brigitte und Peter hatten es sich zuvor auf unserem neuen Lieblingsplatz gemütlich gemacht. Auf der Bank am Bug, die Martin im Frühjahr gebaut hat, genossen sie die herrliche Aussicht und das schöne Wetter.

Doch nach einigen Schleusen wurde Peter das Zuschauen zu langweilig. Er wollte selbst mit anpacken und die Bugleine übernehmen. Nach einer kurzen Einweisung klappte das einwandfrei. Und Johannes übernahm teilweise das Ruder.

Um kurz vor 17.00 Uhr kamen wir in Einville du Jard an. Wir mussten ein bisschen ausweichen, weil ein Sonntagsfahrer mittendrin an der Anlegestelle angelegt hat.
Egal, wir haben einen Platz gefunden und im Team festgemacht. Martin und Johannes fuhren nach Nancy zurück um Johannes‘ Auto zu holen und Manuela, Brigitte und Peter gingen ein Runde durchs Dorf. Dort haben sie bei einem Hähnchengriller unser Abendessen organisiert. Perfekt, so haben wir nach dem langen Tag nicht viel Arbeit.
Um kurz vor halb sieben kamen Martin und Johannes von Nancy zurück und Peter holte die Gockel. Wir konnten sogar an Deck Abendessen.


Die waren richtig lecker. Es gab noch Ofenkartoffeln und einen Salat dazu.
Nach dem Essen gingen Manuela und Brigitte noch laufen. Die Jungs waren ein bisschen ko, es war ja doch ein langer, aber aufregender Tag.

Juni

8

Ursel

Juni

8

Heute stand ein Crewwechsel auf dem Programm. Nach zwei erlebnisreichen Wochen an Bord hieß es Abschied nehmen von Ursel, Martins langjähriger Freundin. Gemeinsam haben wir viele Eindrücke vom Leben auf einem Hausboot gesammelt und zahlreiche unvergessliche Momente erlebt. Bevor sie ihre Heimreise antrat, hinterließ sie uns noch einen lieben Eintrag in unserem Gästebuch.Mittags brachte Martin sie zum Bahnhof. Von dort aus machte sie sich zunächst auf den Weg nach Frankfurt, wo sie einen Zwischenstopp einlegt, bevor es Ende der Woche zurück nach Berlin geht.

Währenddessen bereitete ich die Ankunft unserer neuen Gäste vor. Ein frisch gebackener Kuchen durfte natürlich nicht fehlen, und auch die Kabinen wurden für die nächsten Mitreisenden hergerichtet. Kurz nach drei Uhr klopfte es dann an die Tür des Steuerhauses: Johannes und Manuela aus Österreich, die bereits mit Martin auf der VAVA-U unterwegs waren, sowie Peter und Brigitte, ebenfalls aus Österreich, kamen an Bord der Vlinder.Nach einem herzlichen Wiedersehen mit Martin gab es zunächst Kaffee und Kuchen. Anschließend zeigte Martin den Gästen die Kabinen und erklärte alles Wichtige rund um das Leben an Bord. Nachdem das Gepäck verstaut war, blieb noch Zeit für ein kleines Aperölchen, bevor wir uns am Abend entschieden, gemeinsam in die Stadt zum Essen zu gehen.

Zum Abendessen spazierten wir über Platz Stanislav und ein paar Gassen der Altstadt.


Wie schon öfter zog es uns zur typisch französischen Küche, und so landeten wir im „Chez Gilles“. Dort erwartete uns ein schöner runder Tisch direkt am Fenster. Für einen Platz im Freien war es um diese Uhrzeit einfach schon zu frisch. Ein ausgesprochen freundlicher Kellner nahm unsere Bestellung auf, und sowohl die Getränke als auch das Essen wurden erstaunlich schnell serviert. Alles war hervorragend zubereitet und hat uns sehr gut geschmeckt.


Zurück an Bord ließen wir den Abend gemütlich in einer lustigen Runde im Steuerhaus ausklingen. Bei angeregten Gesprächen tauschten wir Geschichten und Erlebnisse aus, wobei sich vieles um das Segeln, das Bootfahren und die zahlreichen Abenteuer auf dem Wasser drehte.
Da morgen bereits um acht Uhr die Leinen losgemacht werden sollen, ging es für uns schließlich rechtzeitig in die Kojen.