Dez

10

Thomas

Als wir aufwachten war es immer noch stark bewölkt und auch nicht so warm wie an den Vortragen. Zum ausgiebigen Frühstück gab es Rührei. Wie es sich für den 2. Advent gehört, kamen auch Kerze
auf den Tisch. Aufgrund des Windes im Cockpit mussten wir die Kerzen allerdings in Gläser stellen.
Alle saßen mit einer Jacke am Frühstückstisch und die ersten Rufe nach Glühwein wurden laut.

Entspannt ging es dann auf einem ruhigen Raumwindkurs nach Little Farmers Cay.

Dort angekommenmussten wir eine ganze Weile nach einem geeigneten Ankerplatz für die VAVA-U suchen. Der heftige Wind und die starke Strömung erschwerten das Ankern. Mehrfach hielt der Anker nicht und schleifte über den Grund. Nach drei Versuchen war es dann geschafft und wir lagen fest und sicher.

Martin hatte gehört, dass man auf Little Farmers Cay mit Schildkröten schwimmen kann. Angesichts
des kühlen Wetters bestand aber wenig Begeisterung für Badeausflüge. Da aber für den nächsten Tagnur eine kurze Strecke geplant war, beschlossen wir am Nachmittag mit dem Dinghi zum Strand zu fahren, in den Ort zu laufen und den „Turtleman“ zu suchen. Wir wollten versuchen den Ausflug auf den nächsten Morgen zu legen. Auf dem Weg in den Ort begegneten uns mehrere junge Hunde. Am Hafen waren alle Geschäfte geschlossenen, überhaupt war kaum jemand unterwegs.

 

Also führte uns Martin zum Holzschnitzer, der uns erfreut all seine Figuren präsentierte. Eine Eule wechselte dann
den Besitzer und wird demnächst in Bayern angesiedelt.

Auf dem Rückweg kamen wir wieder an der Dorfkneipe vorbei, die inzwischen auch geöffnet hatte. Der Skipper spendierte uns ein kühles Bier.
Die Kneipe war ziemlich urig. Überall an der Decke hingen Wimpel und Flaggen aus allen Teilen der Welt. Den Wirt fragten wir, ob er uns helfen könnte den Ausflug für den nächsten Tag um 9 Uhr zu organisieren. Er wollte sich bemühen, aber der Ausgang schien dem karibischen Temperament entsprechend ungewiss. In der Dämmerung ging es mit dem Dinghi zurück um Schiff.

Passend zu unserem Liegeplatz (Little Farmers Cay) gab es einen sehr gelungenen Gemüseauflauf. Kurz nach dem Abendessen gingen schon die Ersten zu Bett. Ob dies dem ungemütlichen Wetter oder dem für 9 Uhr festgelegtem Wecken geschuldet war sei dahin gestellt…

Dez

9

Thomas

Allmählich wird der Tagesbeginn zur Routine. Aufstehen mit oder ohne Baden. Frühstücken und
Anker lichten, dann die Segel setzen und auf zur nächsten Insel. Wir starten bei herrlichen
Sonnenschein und einem ordentlichen Wind. Leider ist die Richtung nicht so toll für uns und wir
planen noch einmal um. Unser neues Ziel ist Great Guana Cay.

Schon von weitem sind Strommasten
zu erkennen. So etwas haben wir schon seit Tagen nicht mehr gesehen. Scheint eine größere Siedlung
zu sein. Dann ein freudiger Aufschrei der Jugend an Bord. Endlich mal wieder Internet.
Nach vier Tagen ohne sind bei einigen erste Entzugserscheinungen zu erkennen.

Diesmal geht es mit dem kleineren Dinghi zum Ufer. Endlich mal eine Gelegenheit um unseren Müll
zu entsorgen. Wir machen unser Boot an einem kleinen Kai fest. Im Hafenbecken tummeln sich
mehrere Rochen und ein paar Ammenhaie. Gegenüber der Hafenzufahrt befindet sich das Postamt.
Aber es ist leider geschlossen. Entlang der Hauptstraße geht es durch den Ort, der offensichtlich auch
schon bessere Zeiten gesehen hat. Am Ortsausgang drehen wir um und trinken auf dem Rückweg
noch ein gut gekühltes Radler (ja, genau so steht es auf den Flaschen).

Uns gegenüber hatten sich ein paar neugierige Kinder niedergelassenen mit denen wir auch etwas ins Gespräch kamen.


Svenja ersteht für „günstige“ 20 US$ noch 2 Schachteln Marlboro light und dann geht es zurück zur
VAVA-U. Inzwischen hat es sich bewölkt und die Zeit bis zum Abendessen wird sich mit Lesen oder
Surfen im Internet verbracht. Diesmal war Tatjana an der Reihe. Sie verwöhnte uns mit einem feinen Chili Con Carne. Inzwischen regnete es ziemlich stark und einer nach dem anderen verschwand in
seine Koje.

Dez

8

Thomas

Noch vor dem Frühstück fuhren ein Teil der Crew noch einmal zur Nationalparkverwaltung.
Martin hatte am Vortag vergessen das als Geschenk für Monika vorgesehene Sixpack Bier
mitzunehmen. Begleitet wurde er von Svenja und Steffi die im Souvenirshop doch noch
Ansichtskarten kaufen wollten. Der Rest der Crew bereitete derweilen das Frühstück vor für das
schon eine große Schüssel  Obstsalat bereit stand. Nach dem Frühstück wurde klar Schiff gemacht,
der Anker gelichtet und kurz darauf die Segel gesetzt.

Nach etwa einer Stunde helle Aufregung.
Das vom Autopilot gesteuerte Schiff lief wegen einer Windbö aus dem Ruder. Dabei verfing sich die
Leine vom hinterhergezogenen Dinghi im Ruder an Backbordseite.
Alles Ziehen und Zerren half nichts jemand musste ins Wasser.
Also schnappte sich Martin sein Schnorchelzeug, sicherte sich mit einem Lifebelt und einem Seil am
Boot und ab ging es ins Meer. Lustig sah das Ganze nicht aus und wir hatten ein wenig Angst um
unseren Skipper. Aber es ging alles gut und Martin konnte das Dinghiseil mit einem Messer vom
Ruder trennen und wieder sicher an Bord kommen. An seinem anschließenden Apfelsaftkonsum
konnten wir erkennen, dass sein „Tauchgang“ wohl recht anstrengend war.

Nach ein paar Mal Kreuzen kamen wir an unserem heutigen Ziel, in Sampson Cay an. Wir ankerten
direkt vor der Privatinsel auf der in großen Lettern am Anleger und am Strand hingewiesen wurden.

Kurz nachdem wir festlagen bekamen wir Besuch von einem Wasserflugzeug, das nach einer Schleife direkt neben uns im Wasser landete. Danach fuhr es über eine aus dem Meer ragende Rampe und verschwand hinter einem Felsen.

Als nach Einbruch der Dunkelheit im Haus auf der Privatinsel kein
Licht erschien, malten wir uns in den wildesten Phantasien aus, was wohl auf dieser Insel geschieht.

Die Zubereitung des Abendessens wurde diesmal zur Männersache erklärt. Martin zauberte uns ein
sauleckeres Couscous und als Vorspeise gab es einen Salate Mista. Beides wurde von der Damenwelt gelobt, was will Man(n) mehr. Nach ein paar mehr oder weniger intelligenten Spielen ging es dann in die Kojen.

Dez

7

Thomas

Der Tag begann sehr gemütlich, denn wir wollten an diesem Ort eine weitere Nacht verbringen.
Nach einem kurzen Schwimmausflug zur nahe gelegenen Schwimmplattform und
einem reichlichen Frühstück ging es mit dem Beiboot zum Stützpunkt der Nationalparkverwaltung
um die Liegegebühr für unsere Mooringboje zu bezahlen (pro Nacht 40 U$) und ein paar
Ansichtskarten zu kaufen. Da die Auswahl nicht sehr groß war und es eh keine Briefmarken gab,
ließen wir das allerdings sein.

Am Strand konnte man das Skelett eines gestrandeten Wales besichtigen,
den wir spontan Waltraut tauften. Nach den obligatorischen Schnappschüssen wollten wir über die Insel bis zu dem Strand laufen, vor dem die VAVA-U lag.

Geschätzte 2 Kilometer alles flach,
also kein Problem. Von dort wollte uns Martin dann mit dem Beiboot wieder abholen.
Nach einem netten Gespräch mit Monika, einer Rumänin aus Timisoara, die auf einem Törn in diesemResort hängen geblieben ist und dort ein wenig arbeitet stand fest, dass nur Zwei aus unserer Gruppe
für die Wanderung in Frage kamen, da dringende Voraussetzung für die Bewältigung der Strecke
festes Schuhwerk war.

Los ging es ausgestattet mit ein paar Wasserflaschen und dem Handfunkgerät über eine Art
Gehwegplatten also völlig easy. Doch nach wenigen Metern war damit Schluss und der Weg mündete
in eine Lagune mit knöcheltiefen Wasser. Ok wird nicht weit sein, also Schuhe aus und hinein ins
Wasser. Keine gute Idee, denn erstens wurden die Steine am Boden immer spitzer und zweitens lag
ab und zu auch noch ein kleiner Stachelrochen dazwischen. Es half also nichts, die Wanderschuhe
mussten als Badelatschen herhalten. Zu allem Übel fiel bei einem Ausrutscher noch die Fototasche
kurz ins Wasser. Schnell noch die Batterien herausgenommen um den Totalverlust vielleicht noch zu verhindern, aber mit Fotografieren war es das erst einmal. Wir hatten ja noch ein Smartphone.
Anfänglich war der Weg kaum erkennbar, später merkten wir, dass sich in Abständen gelbe
Markierungen am Boden befanden. Nach der „Wasserwanderung“ ging es trockenen Fußes über
verwitterte Kalksteinfelsen weiter, die vermutlich in Urzeiten von Korallen gebaut wurden.
Die Trockenperiode dauerte nicht lange, dann sichteten wir die uns avisierte Brücke. Solides Holzteil allerdings musste man bis zur Brücke zehn Meter durch kniehohes Wasser waten und nach der
Brücke waren es noch mindestens 70 Meter mit Wellen und einer erkennbaren Strömung bis zur
anderen Seite. Augen auf und durch. Glücklicherweise kamen wir ohne Badestopp am anderen Ufer
an und es ging bergauf über den Hutia Hill Trail und bergab über den Butterfly Trail zum Butterfly
Beach. Dort wollten wir dann einfach am Strand weiterlaufen. Mit Schrecken stellten wir jedoch fest, dass es dort keinen Weg am Strand gab, nur schroffe Felsen.

Es gab nur zwei Möglichkeiten, entweder aufgeben und uns per Funk mit dem Beiboot abholen lassen oder zurück gehen und über
den Shady Tree Trail auf die Atlantikseite der Insel. Das haben wir dann auch getan.
Dort angekommen sind wir eine ganze Weile herumgeirrt um den weiteren Weg zu finden.
Erschreckend war der viele Müll, den der Atlantik am Ufer angeschwemmt hatte. Ein kleiner See
versperrte uns den Weg auf die andere Seite. Mitten in diesem See lagen Bretter, sollte das vielleicht unser Weg sein? Ein Versuch war es wert und unsere Schuhe waren eh nass. Am anderen Ufer
fanden wir das ersehnte Schild Tabebuia Trail auf dem wir den gleichnamigen Beach erreichten. Von dort aus ging es ein kleines Stück über den Sahara Desert Trail zum Emerald Beach. Hinter den Hügel konnten wir auch schon den Mast der VAVA-U erkennen. Über den Emerald Trail ging es zur Termit Beach. Vor uns lag nur noch der Rendevous Trail, der uns zu unserem Endpunkt führen sollte. Es ging noch einmal steil bergauf. Oben hatten wir einen herrlichen Blick auf die ankernde VAVA-U

und baten Martin über Funk uns abzuholen. Kurz bevor wir den Strand erreichten, kam er uns schon mit den bestellen zwei kalten Colas entgegen. Geschafft, kurz noch die Schuhe gewaschen und dann ging
es auch schon ins Wasser, um uns etwas herunter zu kühlen.

Allzuviel Zeit zum Erholen blieb nicht, denn es stand noch ein Schnorchelgang am Emerald Rock auf
dem Plan. Zuerst schwammen wir über das kleine Riff davor und beobachteten das bunte Treiben derzahlreichen Fische. Danach ging es zum Emerald Rock um den wir herum schnorchelten.
Martin fotografierte mit seiner GoProCam einen Fischschwarm, der sich wie ein Schlauch um die
Insel gelegt hatte. Mit etwas Abstand folgte uns ein stattlicher Barrakuda in dessen Beuteschema wir jedoch erfreulicherweise nicht  passten.

Zum Abendbrot gab es dann Hühnchen mit Gemüse und Salzkartoffeln. Wie immer sehr lecker. Anschließend sahen wir uns über den Beamer die bis dahin geschossenen Fotos an.
Nach einer Runde Kniffel mit einem Sieg von Svenja ging es müde am Ende eines anstrengenden
Tages in die Kojen.

Dez

6

Thomas

Nach einem morgendlichen Bad und einem ausgiebigen Frühstück ging es mit dem gut motorisierten Beiboot auf die andere Seite der Insel.

Erstes Ziel war ein kleiner hübscher Strand umgeben von kleinen Inseln und Lagunen.
Ein faszinierendes Farbenspiel zwischen ganz feinen weißen Sand, abwechselnd türkisfarbenen und
blauem Wasser und der dunkelgrünen Inselvegetation. Nach dem Fund einiger Schnecken und
Muscheln ging es dann weiter.

Zweites Ziel war das im Wasser liegende Flugzeugwrack des Drogenschmugglers Carlos Lehder.
Die zweimotorige Propellermaschine stürzte während eines Übungsfluges in den 60-igern ab.
Das gut erhaltene Wrack liegt im flachen Wasser und fällt bei Ebbe fast trocken.
Als wir ankamen war allerdings Hochwasser und wir erkundeten das Wrack per Schnorchelgang.
Im Wasser wurden wir von einem Schwarm kecker, gestreifter Riffbarsche die hier anscheinend des
Öfteren gefüttert werden empfangen. Natürlich hatten auch wir etwas für sie dabei.
Neben einigen anderen bunten Korallen und Fischen die das Wrack inzwischen bewohnen, sahen wir auch noch drei Rochen, die es sich im Sand gemütlich gemacht hatten.

Wieder an der VAVA-U angekommen wurde das Beiboot verstaut und es ging zu unseren nächsten
Ziel nach Warderick Wells Cay. Leider war der Wind für unseren Kurs nicht so günstig.
Nachdem wir ein paar Meilen schön segeln konnten, ging es dann weiter unter Motor, damit wir unseren Liegeplatz noch vor Sonnenuntergang erreichen.
Unser Liegeplatz liegt mitten in einem Nationalpark, daher war Ankern nicht erlaubt und wir machten
an einer der zahlreichen Mooringtonnen fest. Zuvor gab uns Martin eine kurze Einweisung mit
Aufgabenverteilung und dann wurde die Boje auch schon angefahren.
Alles lief wie am Schnürchen. Boje auswählen und langsam ansteuern, Richtung zeigen,
Abstand nennen, sauber aufstoppen, Leine aufnehmen, Hilfsseil durchstecken,
auf der Klampe fixieren und mit den beiden Vorleinen am Bug endgültig festmachen.
Damit hatten wir uns das Bad im 28,5° C warmen flachen Wasser redlich verdient.
Um die Möhren nicht den Fischen zu opfern zauberte die Küchencrew einen sehr schmackhaften
Gemüsetopf mit Reis. Während die einen sich in der Küche abmühten, hatte sich der andere Teil  der Crew zu einer Skatrunde zusammen gefunden und musste dann gerechterweise den Abwasch
übernehmen. Der Abend klang dann wieder mit einem alten Bond-Film, „Der Morgen stirbt nie“, aus.