Da heute gute 30 Kilometer vor uns lagen, hieß es bereits kurz vor acht Uhr: „Leinen los!“ Unser Ziel war Mittersheim am Saarkohlekanal, eine kleine französische Gemeinde mitten im Grünen. Da Wochenende war, herrschte bereits am Vormittag reger Gegenverkehr auf dem Wasser. Auch auf den Radwegen entlang des Kanals waren zahlreiche Rennradfahrer und gemütliche Freizeitradler unterwegs.Einige Boote hatten sich schöne Plätze im Schatten gesucht und einfach mitten in der Natur festgemacht. Das ist einer der großen Vorteile der französischen Kanäle: Man darf und kann fast überall anlegen.
Unterwegs entdeckten wir kleine Häuschen mit liebevoll angelegten Gärten, aber auch die eine oder andere Bootsleiche, die halb auf Grund lag und langsam vor sich hin gammelte. Was wohl die Geschichten hinter diesen verlassenen Booten sind?
Inzwischen fahren wir durch das „Pays des Étangs“, das Land der Seen. Durch die anhaltende Hitze fehlt dem Kanal bereits etwas Wasser, die zahlreichen Seen der Region sind jedoch noch gut gefüllt. Die Uferböschungen dagegen waren schon ganz schön braun und trocken. Ab Mittag war bei den hohen Temperaturen kaum noch jemand unterwegs , als hätte jemand plötzlich den Schalter umgelegt.
Die Wege waren leer, die Kanäle ruhig und die Sonne heizte die Temperaturen auf.Außerdem stand heute ein kleiner Schleusenmarathon auf dem Programm: 13 Schleusen bergab mussten bewältigt werden.Kurz nach halb fünf erreichten wir schließlich die Marina in Mittersheim.
Nach einer wohlverdienten Kaffeepause schwangen wir uns direkt auf die Fahrräder und fuhren die 31 Kilometer entlang des Kanals zurück, um Martins Auto zu holen. Die Strecke schafften wir in anderthalb Stunden.Zurück auf dem Boot genossen wir unser Abendessen an Deck und ließen den langen und ereignisreichen Tag anschließend ganz entspannt ausklingen.
Der Morgen begann heute mit einem ungewöhnlichen Anblick, der sich eigentlich schon am Vorabend anbahnte. Die gesamte Kuhnle Marina war plötzlich grün gefärbt. Wahrscheinlich hatten sich über Nacht unzählige Wasserlinsen auf der Oberfläche ausgebreitet und den Hafen in einen grünen Teppich verwandelt. Dazu schien die Sonne, ein leichter Wind wehte – was will man mehr? Vielleicht noch ein leckeres Frühstück an Deck? Gerade diese gemeinsamen Frühstücke gehören zu den schönsten Momenten an Bord. Mit netten Gästen bei herrlichem Wetter ein reichhaltiges Frühstück auf dem Deck zu genießen, hat einfach etwas Besonderes.
Bevor es weiterging, füllte Martin in der Marina noch einmal frisches Wasser auf. Dann hieß es wieder: Leinen los und Kurs auf … China? Nein, natürlich nicht. Unser Ziel war lediglich der exotische, fast genauso schwer auszusprechende Ort Xouaxange. Dieses Mal übernahm Helene souverän das Steuer und navigierte die Vlinder sicher durch die wunderschöne grüne Landschaft. Gemächlich glitten wir durch die idyllische Kulisse. Unterwegs ging es auch über eine Brücke , beziehungsweise genauer gesagt fuhr der Kanal über die Straße. Schon verrückt, wenn man plötzlich mit dem Hausboot über den Autos unterwegs ist. Eine beeindruckende Ingenieursleistung ist das auf jeden Fall.
Langsam beginnen nun auch die riesigen Sonnenblumenfelder entlang der Strecke zu blühen. Die leuchtend gelben Blüten vor dem satten Grün der Landschaft bieten jedes Mal wieder einen herrlichen Anblick. Währenddessen genossen Ramona und Silvia die Fahrt ganz entspannt an Deck im Liegestuhl.
Heute stand nur eine kurze Etappe auf dem Programm. Schleusen gab es keine, denn wir befinden uns derzeit auf dem höchsten Punkt der Strecke. Nach etwa zweieinhalb Stunden erreichten wir den noch leeren Steg von Xouaxange.
Nach dem Anlegen machten sich Helene und Martin auf den Weg zurück nach Niderviller, um das Auto von Helene zu holen. In der Zwischenzeit verewigten sich Silvia und Ramona mit einem schönen Eintrag in unserem Gästebuch. Helene hatte einen netten Eintrag bereits am Vormittag geschrieben. Dann kam leider der Moment, den man am liebsten überspringen würde: der Abschied von unseren Gästen aus der Schweiz. Die gemeinsame Zeit vergeht an Bord einfach immer viel zu schnell. Vielleicht kreuzen sich unsere Wege ja irgendwann wieder – auf der Vlinder oder vielleicht sogar auf einem Katamaran irgendwo auf den Weltmeeren.
Den Rest des Tages verbrachten wir bei der großen Hitze ganz entspannt an Bord. Währenddessen legte die Madeleine an ihrem reservierten Platz an und ihre Gäste wurden bereits von einem Bus erwartet. Vermutlich ging es für sie weiter nach Sarrebourg, um das berühmte Chagall-Fenster zu besichtigen. Ich ließ gleich die Waschmaschine laufen, bei den Temperaturen war die Wäsche im Nu trocken. Den Abend ließen wir bei ein paar Snacks gemütlich ausklingen.
Wir parkten direkt unterhalb des Schräglifts in Arzviller. Schon früh am Morgen schien die Sonne und der Lift strahlte im schönsten Licht. Über dem Wasser zogen allerdings bereits die ersten Nebelschwaden auf , fast schon eine herbstliche Stimmung. Den Tag begannen wir mit einem leckeren und reichhaltigen Frühstück auf dem Deck. Anschließend probierten Martin und Helene die Drohne noch einmal aus, um später beim Lift spektakuläre Aufnahmen machen zu können.
Schon bald war es soweit: Das Ausflugsschiff „Paris“ kam herunter und wir durften in den Schräglift einfahren. Helene ließ die Drohne starten, doch die Fahrt verzögerte sich, weil noch ein weiteres Boot zu uns in die Wanne fuhr. Für den Flug dauerte die Wartezeit zu lange, also holte sie die Drohne zunächst zurück und startete sie erneut, als wir oben angekommen waren. Leider machte uns ein Mitarbeiter des Lifts darauf aufmerksam, dass das Fliegen lassen dort verboten ist,also kehrte die Drohne wieder sicher an Bord zurück.
Danach tuckerten wir gemütlich weiter durch den Kanal bis vor den Tunnel. Dort hieß es erst einmal warten, denn von der anderen Seite kamen vier Boote entgegen. Langweilig wurde es uns dabei nicht, denn wir hatten Zuschauer am Ufer und kamen schnell mit ihnen ins Gespräch. Sie befanden sich gerade auf der Rückreise nach einem vierwöchigen Frankreich-Urlaub. Währenddessen machten es sich Helene, Ramona und Silvia vorne auf dem Bug für die lange Tunneldurchfahrt gemütlich. Gemächlich fuhr die Vlinder durch den rund 2,5 Kilometer langen Tunnel. Für die Boote hinter uns bedeutete das ebenfalls gemütliche 4 km/h – schneller ging es schließlich nicht.
Im zweiten, kürzeren Tunnel wartete dann noch eine kleine Herausforderung auf uns: Ein etwa zwei Meter langer Baumstamm hatte sich quer über den Bug gelegt und wurde von uns zunächst vor uns hergeschoben. Schließlich musste Martin selbst eingreifen, denn ich konnte das gute Stück bei voller Fahrt nicht bewegen.
In Niderviller fanden wir einen freien Platz und legten an dem uns bereits bekannten Schwimmsteg an.
Wir Mädels machten uns sofort auf den Weg zur Chèvrerie, um den leckeren Ziegenkäse zu besorgen. Nach Kaffee und Kuchen fuhren wir weiter nach Sarrebourg. Helene, Ramona und Silvia wollten unbedingt das berühmte Chagall-Fenster und das Museum besichtigen, während ich draußen die Zeit genoss und auf sie wartete. Begeistert kamen die drei später wieder heraus.
Anschließend mussten noch Grillsachen eingekauft werden, denn in der Marina gibt es einen kleinen Grillplatz, der sich dafür geradezu anbietet. Der kleine Carrefour in der Stadt hatte zum Glück fast alles, was wir für unser Abendessen brauchten. Da es mittlerweile recht heiß geworden war, beschlossen wir, zum Boot zurückzukehren. Helene und Martin fuhren mit ein Auto schon einmal nach Xouaxange voraus. Währenddessen bereitete ich die Zutaten fürs Grillen vor: Fleisch wurde eingelegt, die Crème fraîche gewürzt und der Salat geschnippelt. Später heizte Martin den Grill an. Inzwischen hatte sich die Marina, wie so oft am Abend, gut gefüllt. Viele Boote kamen an, einige mussten jedoch weiterfahren, weil kein Platz mehr frei war.
Wir ließen uns unser leckeres Abendessen mit Steaks, Burgern, Würstchen und Grillkäse samt vieler Beilagen schmecken. Zum krönenden Abschluss zauberte Helene noch einen Nachtisch mit frischen Erdbeeren, Sahne, Meringen und dem in Rum eingelegten Gugelhupf aus Straßburg. Gut gesättigt spielten wir anschließend zwei herrlich lustige Runden Wizard. Ich glaub, auch Ramona haben wir mit dem Wizard Fieber infiziert. Danach probierten wir noch die „Guilty Pleasure“-Version von Hipster aus. Alles in allem war es wieder ein rundum gelungener und erlebnisreicher Tag auf dem Wasser.
Ramona und Silvia gehören ebenfalls zu den Frühaufstehern. Nach ihrem ersten Kaffee begleiteten sie mich zum Bäcker, wo wir uns allerlei leckere Sachen für das Frühstück aussuchten. Anschließend machten die beiden noch einen kleinen Spaziergang durch den Ort, während ich zurück aufs Boot ging und das Frühstück vorbereitete. Helene ist von unserem Törn in der Südsee schöne Fruchtplatten zum Frühstück gewohnt. Deshalb zauberte ich heute statt Obstsalat eine lustig angerichtete Fruchtplatte. Die sorgte prompt für Erinnerungen an Palmen, Sonne und türkisblaues Wasser. Für einen kurzen Moment lag die Vlinder gedanklich vor Bora Bora.
Danach machten sich Helene und Martin gemeinsam auf den Weg zum Gemeindeamt, das auch für den langen Kai und die Marina zuständig ist. Martin hatte eine Frage und Helene übernahm freundlicherweise das Dolmetschen für ihn. Vielen Dank dafür 💖 Später besuchten unsere Gäste noch einen Glasschleifer sowie den Künstler, der Dachziegel bemalt. Beim Letzteren wurde Helene sogar fündig und nahm eine schöne Erinnerung mit. Als schließlich alle wieder an Bord waren, hieß es „Leinen los! Heute stand allerdings nur eine kurze Etappe mit vier Schleusen auf dem Programm. Die Landschaft wurde wieder felsiger, blieb aber genauso grün und waldreich wie zuvor.
Zwischendurch übernahm Slivia das Ruder, auch als es mal ziemlich eng wurde schlängelte sie sich elegant mit der Vlinder hindurch.
Auf dem Wasser war einiges los und als wir unterhalb des Schrägaufzugs ankamen, war nur noch der Liegeplatz für die großen Passagierschiffe frei. So voll haben wir diesen Platz tatsächlich noch nie erlebt. Für den Nachmittag und die Nacht passte der Platz, da weder die Madeleine noch die Jeanine im Anmarsch waren.
Vor dem Nachmittagskaffee schauten wir noch bei den Glasbläsern vorbei. Dort war es heute allerdings besonders warm, denn die Öfen liefen auf Hochtouren.
Nach dem Kaffee und Kuchen machten sich Helene und Martin mit den E-bikes auf den Weg zurück nach Lutzelbourg, um die Autos zu holen. Diese haben sie dann nach Niderviller vorausgefahren und kamen anschließend über den alten Schleusenweg wieder zurück zum Boot. Silvia und Ramona nutzten die anderen Fahrräder, um ebenfalls den alten Schleusenweg zu erkunden und das „Valle des Éclusiers“ kennenzulernen. Die beeindruckende Schleusentreppe bestand aus insgesamt 17 Schleusen auf einer Strecke von nur 3,8 Kilometern und ermöglichte es früher, einen Höhenunterschied von 44,55 Metern zu überwinden. Das Tal ist ein beeindruckender Zeuge der intensiven Fluss- und Industrieaktivität des 19. Jahrhunderts. Seit der Inbetriebnahme des Schiffshebewerks von Arzviller im Jahr 1969 ist die Schleusentreppe für die Schifffahrt geschlossen. Heute ist dieser besondere Ort ein Paradies für Wanderer, Radfahrer, Kletterer sowie Natur- und Kulturliebhaber. Als Rad- und Wanderweg angelegt, lässt sich das Tal der Schleusenwärter wunderbar zu Fuß oder mit dem Fahrrad erkunden.
Am späten Nachmittag wurde dann erst einmal ausgiebig gechillt und die Seele baumeln gelassen, bevor ich in der Küche das Abendessen vorbereitete. Es gab zweierlei Tortellini , da Ramona Vegetarierin ist, mit Tomatensoße und zum Nachtisch eine leckere Mousse au Chocolat. Helene hatte außerdem ihre Drohne dabei. Nach dem Abendessen ließen sie und Martin diese noch in Richtung Schrägaufzug aufsteigen. Die beiden möchten morgen unsere Fahrt mit dem Lift filmen, ja, die Vlinder fährt morgen wieder Aufzug. Zu viert spielten wir noch zwei lustige Runden Wizard, Silvia war müde und verabschiedete sich in ihre Kabine.
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