Okt.

8

Noch im Dunkeln kam ich aus der Koje und entdeckte im Salon bereits einen Schlafgast. Also versuchte ich, mich möglichst leise Kaffee und Tee zuzubereiten, ohne gleich die ganze Crew aus dem Schlaf zu reißen. Draußen kämpfte sich langsam das Morgenrot durch, während die Hafenmiezen schon deutlich wacher waren als die Crew und lautstark ihre morgendliche Ration einforderten. Frühstücksservice mal anders.


Nach und nach trudelte die Crew ein, während Matthias sich kurzerhand wieder in seine Koje zurückzog. Jürgen absolvierte wie jeden Morgen erst einmal seine Schwimmrunde um den Katamaran. Doch irgendetwas war heute anders. Richtig, kein Wind, keine Wellen und jede Menge Sonne.
Nach den vergangenen Wochen mit ordentlich Wind und Seegang fühlte sich das echt gut an. Man konnte endlich wieder draußen an Deck sitzen, ohne sich dick eingepackt hinter der Sprayhood ( das ist der Windschutz aus Plastik auf der Flybridge) auf der Flybridge zu verschanzen. Für Segler natürlich eine kleine Katastrophe, der Rest der Crew dagegen freute sich.
Nach einem ausgiebigen Frühstück hieß es: Anker auf und Leinen los! Unser heutiges Ziel war die Marina von Naoussa auf Paros. Rund 25 Seemeilen lagen vor uns.

Bei spiegelglattem Wasser tuckerten wir gemütlich unter Motor dahin. Endlich konnten wir die Umgebung wieder richtig genießen, statt uns auf Wind , Wellen und Kälte zu konzentrieren. Ausflugsboote von Naxos kreuzten unseren Weg, Fähren zogen vorbei und ringsum gab es jede Menge Inseln zu bestaunen. Steuerbord lag Naxos, backbord Ios und dazwischen noch so manche weitere Insel.


Kurz vor eins liefen wir in Naoussa ein. Das Anlegemanöver klappte wie am Schnürchen, und keine zehn Minuten später lagen wir sicher fest. Der Skipper war zufrieden und verkündete spaßig : „Freigang“


Das ließen wir uns natürlich nicht zweimal sagen. Jürgen, Matze, Sabine und Doreen machten sich stadtfein und zogen los. Christian und Katja waren ebenfalls unterwegs. Die Gassen von Naoussa sind allerdings so schmal und verwinkelt, dass man sich ständig wieder über den Weg lief. Man konnte sich also kaum verlaufen, ohne wenigstens einem Crewmitglied zu begegnen.
Wir gönnten uns zunächst eine Pause in einer kleinen Taverne und suchten anschließend noch ein gemütliches Café.

Irgendwann zog es uns zurück aufs Boot .Nach einer Runde Chillen, Lesen und Smalltalk waren schließlich alle wieder an Bord. Doch Martin hatte noch einen Programmpunkt: Er wollte unbedingt zu einer Eisdiele, in der er bereits 2015 gewesen war.
Und tatsächlich , es gab sie noch.
Natürlich kauften wir ein Eis und ließen uns in möglichst derselben Pose wie damals vom Eisverkäufer fotografieren. Dem erzählte er, dass er vor elf Jahren schon mal hier war, aber zu der Zeit war der Eisverkäufer erst 11 Jahre alt.


Anschließend bummelten wir noch durch die hübschen Gässchen von Naoussa. Schon mittags hatten wir ein gut besuchtes Lokal entdeckt, das wir für den Abend ins Auge gefasst hatten. Also schnell umziehen und los , bei acht Personen sollte man schließlich nicht darauf vertrauen, einen freien Tisch zu bekommen.
Wir hatten Glück. Die Bedienung war flott, das Essen ausgesprochen lecker und die Stimmung bestens.


Danach wollten die Wittenberger noch ein wenig um die Häuser ziehen. Katja, Christian, Martin und ich kehrten dagegen aufs Boot zurück. Dort spielten wir endlich mal wieder unser Wizard.
Nach 15 Runden stand der Sieger fest. Und diesmal war es tatsächlich nicht der Skipper.
Als wir fertig waren, kehrte der Rest der Crew gut gelaunt zurück. Doch Doreen hatte noch eine Rechnung offen. Am Vortag hatte sie sich bei Hornochsen die Ehre der Krönung eingehandelt und wollte noch Revanche.
Also wurden die Karten erneut gemischt und einige lustige Runden gespielt. Und tatsächlich: Doreen konnte die Krone weiterreichen. Der neue Hornochsenkönig hieß Matthias.
Das Gelächter war groß, die Schadenfreude hielt sich ,zumindest teilweise ,in Grenzen.
Dann gingen wir alle müde in die Kojen.

Okt.

7

Heute Morgen konnten wir es ganz entspannt angehen. Nach unserem zehnstündigen Schlag vom Vortag waren doch noch einige von uns ein bisschen „malad“. Ausschlafen, gemütlich frühstücken und einfach mal keinen Zeitdruck , auch das gehört im Urlaub dazu.


Vier aus der Crew ,Jürgen, Doreen, Sabine und Katja – wollten gleich früh mit dem Taxi zum Felsenkloster hinauffahren. Nach einem gemütlichen Frühstück packten sie ihre Sachen und machten sich auf den Weg zum Taxistand.
Dabei war eine wichtige Erkenntnis vom letzten Besuch noch bestens im Gedächtnis: Frauen keine Hosen und Männer keine Röcke.


Christian und ich machten inzwischen erst einmal klar Schiff. Danach ging ich mit Martin los, um Amorgos zu erkunden.
Das ist wirklich ein kleines, verschlafenes Inselchen mit dem Kloster als Highlight. Weiße Häuser mit hübschen blauen Türen und Fensterläden, dazwischen Bougainvilleas, die wieder überall in voller Blüte standen. Uns lockte schließlich eine kleine Kapelle direkt am Wasser am Ende des Dorfes.
Dort standen noch ein paar Häuser, fast alle mit Zimmervermietung. Da fragt man sich allerdings, wie es hier wohl in der Hochsaison aussieht. Denn jetzt wirkte alles eher so, als hätte die Insel bereits den Winterschlaf beantragt.
Auf dem Rückweg begegneten wir dann auch schon wieder unseren Klosterbesuchern. Die Taxifahrerin hatte offenbar nicht vor, stundenlang auf die Crew zu warten. Also ging es nach der Besichtigung mit dem Taxi wieder den Berg hinunter , den wir beim letzten Mal tapfer zu Fuß bewältigt hatten.
Das Felsenkloster selbst hatte aber alle beeindruckt.
Während Doreen und Jürgen noch einmal loszogen, um das Dorf anzuschauen, ließ Matze erst einmal Wasser über das Deck laufen und befreite es vom Straßenschmutz.
Ich kümmerte mich derweil um die Kaffeerunde und zauberte ein paar Apfelküchle. Aus dem restlichen Teig wurden noch Pfannkuchen oder Eierkuchen, wie unsere Gäste sagen, gemacht.
Um halb zwölf hieß es dann wie fast jeden Tag: Leinen los und Anker auf.
Alle packten mit an und mittlerweile klappt das Zusammenspiel wirklich wie am Schnürchen. Zuerst hatten wir richtig guten Wind mit etwa 10 bis 15 Knoten. Das komplette Großsegel wurde gesetzt, die Genua ausgerollt und schon ging es unter Segeln mit rund sieben Knoten dahin.Das macht Spaß.

Natürlich hatte der Wind irgendwann wieder andere Pläne und verabschiedete sich. Also dümpelten wir zunächst gemütlich vor uns hin, bevor Martin schließlich die Motoren startete.
Aber die Sonne meinte es gut mit uns. Sie war angenehm warm und so machten es sich Doreen, Sabine und Jürgen sogar vorne im Trampolin bequem. Eigentlich war die ganze Crew draußen an Deck , jeder genoss einfach diesen herrlich entspannten Segeltag.

Kurz vor halb fünf erreichten wir Iraklia.
Ein großes„Welcome“-Schild am Hafen hieß uns schon mal willkommen.


Das Anlegemanöver dauerte keine zehn Minuten und schon lagen wir fest. Nach Kaffee und einer kleinen Brotzeit gingen Sabine, Doreen und Jürgen noch schwimmen, während Christian sich wieder sein SUP schnappte.


Martin und ich machten uns auf, das kleine Dorf zu erkunden.
Ganz ruhig und fast ein bisschen verschlafen liegt es am Hang. Den Hauptweg ging es hinauf, vorbei an weißen Häusern, blauen Türen und natürlich wieder jeder Menge Bougainvillea. Vieles war bereits winterfest gemacht. Nur zwei Tavernen und eine Bar hatten noch geöffnet – und auch dort war die Speisekarte schon etwas kleiner geworden. In den nächsten Tagen sollte auch hier die Saison endgültig zu Ende gehen.
Mitten im Dorf stand eine wunderschöne Kirche mit einer großen blauen Kuppel.
Wer braucht schon Mykonos.


Martin reservierte in einer der Tavernen einen Tisch und wir machten uns wieder auf den Weg zum Boot.
Dort wartete die Crew bereits auf uns., sie hatten alle Hunger. Wir berichteten von unserer Entdeckung und dann liefen wir alle los Richtung Taverne.


Der Wirt begrüßte uns freundlich und erklärte, was er an diesem Abend noch anbieten konnte. Er war ganz allein und machte tatsächlich alles selbst. Nach und nach kamen die verschiedenen Gerichte auf den Tisch – reichlich, lecker und genau das Richtige nach so einem Tag.
Am Ende waren alle satt und zufrieden.


Zurück auf dem Boot wurde es dann noch einmal richtig lustig. Heute spielten wir alle gemeinsam unser Hornochsenspiel. Es wurde gelacht, gezockt und natürlich ordentlich kommentiert.
Leider ging das Hornochsen-Krönchen dieses Mal an Doreen.
Aber keine Sorge, Doreen – eine Revanche gibt es bestimmt noch!
Und so ging wieder ein wunderschöner, sonniger Tag zu Ende.

Okt.

6

Punkt sieben Uhr rasselte die Ankerkette in den Ankerkasten zurück. Alle waren schon früh auf und hatten zumindest eine Kleinigkeit gefrühstückt, da es ja gestern vom Skipper hieß, um sieben ist Abfahrt. Ich hatte beim Bäcker noch ein paar kleine Teilchen besorgt, denn heute stand uns ein echter Ritt bevor: knapp zehn Stunden bis Amorgos.


Also suchte sich jeder an Bord sein persönliches Lieblingsplätzchen. Hauptsache bequem , denn dort würde man die nächsten Stunden vermutlich ziemlich viel Zeit verbringen.
Zunächst meinte es der Wind richtig gut mit uns. Während die Sonne langsam aufging, zeigte sich am Horizont sogar ein Viermaster, und draußen vor dem Hafen lag ein Kreuzfahrtschiff. Amorgos war ebenfalls schon zu sehen – allerdings noch sehr klein und gefühlt eine halbe Ewigkeit entfernt.

Gegen Mittag war dann plötzlich Schluss mit Wind. Einfach weg. Dafür wurde es in der Sonne richtig schön warm und wir mussten etwa zwei Stunden unter Motor weiter. Die Wellen kamen gleichmäßig von der Seite und so schaukelten wir mehr oder weniger gemütlich unserem Ziel entgegen.
Doch irgendwann frischte der Wind wieder auf, die Genua wurde ausgezogen und jetzt ging es richtig zur Sache. Er wurde stärker, die Wellen höher und die Georgina flog mit bis zu acht Knoten übers Wasser. Im Salon schepperte das Geschirr in den Schränken. Kurz nach vier Uhr war dann endlich der Hafen von Amorgos deutlich vor uns zu sehen.

Um halb fünf fiel der Anker und Martin peilte rückwärts die Hafenmauer an. Ein Helfer stand bereits bereit, nahm unsere Leinen entgegen und warf sie wieder zurück. Backbord klappte alles wunderbar. Nur an Steuerbord gab es einen kleinen Moment, in dem nicht ganz aufgepasst wurde und schon hatte sich eine Leine im Propeller verfangen.Na wunderbar.
Das Anlegen war trotzdem geschafft. Allerdings bedeutete das für unseren Skipper: Abtauchen!
Und so bekamen wir in Amorgos noch unser ganz persönliches Hafenkino geboten. Martin verschwand mit Taucherbrille und Flossen im glasklaren Hafenwasser. Einige Leute blieben neugierig stehen und beobachteten das Schauspiel. Aber da alles völlig unspektakulär und professionell ablief, löste sich die kleine Zuschauergruppe auch schnell wieder auf.
Martin hatte die Leine zum Glück bald aus dem Propeller befreit. Problem gelöst.Nach fast zehn Stunden auf See hatten wir jetzt vor allem eines: Hunger.


Also gab es erstmal eine ordentliche Brotzeit. Matthias machte sich zusätzlich noch eine heiße Suppe.
Der Wind war inzwischen wieder ordentlich frisch. Martin und ich machten noch einen kleinen Spaziergang in den gegenüberliegenden Hafen. Dort war es etwas windstiller, allerdings sorgten die Wellen für Bewegung an den Booten. Wir stellten zufrieden fest: Alles richtig gemacht , wir liegen gut da, wo wir sind.
In einer kleinen Bar gönnten wir uns noch einen Aperol und genossen den wunderschönen Sonnenuntergang.
Auch Christian und Katja waren unterwegs, und dem Rest der Crew begegneten wir nach und nach ebenfalls. Offenbar hatten nach zehn Stunden auf dem Boot alle dasselbe Bedürfnis: einfach mal die Beine vertreten.


Zurück an Bord gab es noch eine Runde Backgammon. Heute konnte ich mich tatsächlich mit 2:1 gegen Martin durchsetzen. Beim Kniffel hatte er dafür die Nase vorn. Man muss ja schließlich für einen gerechten Ausgleich sorgen.
Nach und nach verschwanden alle Crewmitglieder in ihren Kojen.
Kein Wunder , zehn Stunden auf See machen müde.
Und morgen wartet schon das nächste Abenteuer , das Felsenkloster von Amorgos.

Okt.

5

Um vier Uhr krähte irgendwo ein Hahn. Ein einziges Mal. Aber immerhin laut genug, um kurz daran zu erinnern, dass auf einer griechischen Insel offenbar auch nachts der Wecker so funktioniert.
Ansonsten: Windstille. Seit langem wieder mal.
Christian schlief draußen in der Hängematte und auf dem Boot rührte sich noch nichts. Um halb sechs schaute ich vorsichtig nach oben , immer noch alles ruhig. Also konnte ich ganz entspannt Kaffee und Tee vorbereiten und noch schnell einen kleinen Obstsalat schnippeln.
Jürgen war der Erste, der auftauchte und schwamm tatsächlich erst einmal eine Runde ums Boot. Allen Respekt.
Er und Doreen machten sich eine Kleinigkeit zum Frühstück und so nach und nach trudelte auch der Rest der Crew ein. Sogar unser Skipper war schon wach. Ein guter Anfang für den Tag.Nach einem kleinen Snack, den sich jeder selbst zubereitete, hieß es wieder: Leinen los und Anker auf.


Die Fender wurden nur schnell über die Reling geholt, die brauchen wir schließlich schon in zwei Stunden wieder.
Bye bye Arki, du kleines süßes Kleinod!
Hoffentlich bleibst du noch lange so ursprünglich, ruhig und bezaubernd, wie wir dich kennengelernt haben.
Schon aus der Ferne konnten wir Patmos erkennen und natürlich das berühmte Johanneskloster, das heute auf dem Besichtigungsprogramm der Crew stand.
Ganz gemütlich, leider ohne ein einziges Segel, motorte die Georgina über die kleinen Wellen. Es war immer noch windstill. Für manche an Bord durchaus erholsam , für die Segler allerdings eher bescheiden.
Kurz vor halb zehn erreichten wir den Hafen von Patmos. Heute bei strahlend blauem Himmel. Das Anlegen ging wie immer ziemlich fix und die Hafenmeisterin war auch sofort zur Stelle, um Strom und Wasser freizuschalten.


Christian und Katja machten sich zu Fuß auf den Weg hinauf zum Kloster. Sabine, Doreen, Jürgen und Matthias liefen schon einmal Richtung Skala und nahmen sich ein Taxi.
Martin und ich spazierten ebenfalls in die Stadt. Bei unserem letzten Besuch hatte die Klosterbesichtigung so viel Zeit verschlungen, dass für einen ausgiebigen Stadtbummel nicht mehr viel übrig geblieben war.


Und was soll ich sagen: Es war ordentlich was los. Zwei Kreuzfahrtschiffe , ein großes und ein kleines , lagen im beziehungsweise außerhalb des Hafens. Entsprechend voll war es in den Gassen. Und auch die Preise hatten sich offensichtlich dem Kreuzfahrtpublikum angepasst.
Wir fanden trotzdem ein süßes kleines Café und machten erst einmal Pause. Martin bekam sein Eis und einen großen Cappuccino , damit war die Welt in Ordnung. Danach schlenderten wir noch durch ein paar nette kleine Läden mit Kunst und allerlei schönen Dingen.


Man muss eben nur kreativ sein , dann findet sich aus fast allem ein kleines Kunstwerk.
Auf dem Rückweg trafen wir wieder auf Christian und Katja. Später trudelte auch der Rest der Crew zurück aufs Schiff. Alle waren begeistert vom Kloster. Danach war erst einmal kollektives Chillen angesagt.


Jeder suchte sich sein Plätzchen zum Lesen, Dösen oder für ein kleines Mittagsschläfchen. Wir waren schließlich heute Morgen auch schon ziemlich früh aufgestanden. Zwischendurch gab es noch Kaffee und Kuchen .
Und dann war es plötzlich vorbei mit der himmlischen Windstille.
Am späten Nachmittag kam er zurück: der Meltemi, mit voller Kraft .
Wir beschlossen deshalb, heute etwas früher zum Essen zu gehen und marschierten gemeinsam wieder Richtung Innenstadt.
Jürgen, Matze, Sabine und Doreen waren mittags bereits essen gewesen und hatten das Restaurant für gut befunden. Also dachten wir uns: Was mittags funktioniert, kann abends ja nicht schlechter sein.
Tja, kann es. Das Essen war diesmal eher so mittelprächtig. Die Fleischbällchen, die Matze und Martin serviert bekamen, hatten offensichtlich schon ein bewegtes Vorleben hinter sich. Nach unserem Eindruck waren sie mindestens zweimal gestorben, bevor sie schließlich auf den Tellern landeten.


Ein Hund und vier Katzen warteten schon erwartungsvoll auf die Reste. Der Hund war jedenfalls sehr von sich überzeugt , dass wir ihn regelrecht austricksen mussten, damit die Katzen auch noch etwas abbekamen.
So wurde aus einem normalen Restaurantbesuch kurzerhand eine kleine Tierschutzmission.


Nach dem Bezahlen machten wir uns zügig auf den Rückweg zum Hafen. Der Meltemi pfiff inzwischen richtig kalt zwischen den Booten hindurch.
Zurück auf der Georgina wurde noch einmal der Tag besprochen , die Klosterbesichtigung, die Stadt und das Essen.
Und dann kam Martins Ankündigung:
Morgen fahren wir um sieben Uhr los.“Kurze Blicke.Leichtes Entsetzen.
Und plötzlich herrschte eine erstaunliche Aufbruchstimmung in Richtung Kojen.
Denn morgen um sieben heißt es wieder:Leinen los.

Okt.

4

Was für eine Nacht.
Deshalb waren heute Morgen auch alle erstaunlich früh wach. Die einhellige Meinung: Nur weg von hier.
Das ständige Ruckeln der Leinen, das Quietschen der Fender und dieses unaufhörliche Auf und Ab im Schwell hatten irgendwann zwar fast etwas Beruhigendes , aber eben nur fast. .An diese Geräuschkulisse möchten wir uns dann doch lieber nicht gewöhnen.
Nach dem Frühstück wollte Martin jedenfalls keine Zeit verlieren. Christian und Doreen machten noch schnell klar Schiff und dann ging jeder auf seinen Posten.
Leinen los, Fender rein und ab.


Nur eine kleine Herausforderung wartete noch auf uns: Wir mussten wieder durch die berühmte Engstelle. Heute wussten wir allerdings, was uns erwartet. Und siehe da ,es war tatsächlich gar nicht mehr so schlimm. Ein bisschen Rumpeln gab es natürlich wieder, aber wir waren vorbereitet und so ging auch diese Passage ohne größere Schäden über die Bühne. Als wir da durch waren, konnte ich einen Käsekuchen in den Ofen schieben .
Unser Ziel heute: Arki.
Und schon die Anfahrt fühlt sich ein bisschen an wie eine Reise in eine andere Welt.
Wir schaukelten mit gesetzter Genua und nur wenig Wind langsam auf die kleine Insel zu. Je näher wir kamen, desto mehr schien die Zeit langsamer zu werden.

Keine großen Hotels.
Kein Trubel.
Keine langen Straßen.
Dafür karge Hügel, ein paar weiße Häuser, Ziegen und dieses unglaublich tiefblaue Meer.
Arki ist winzig. Gerade einmal knapp sieben Quadratkilometer groß und keine 50 Bewohner. Und trotzdem hat die Insel etwas ganz Besonderes. Vielleicht gerade deshalb.
Wir liefen in die kleine, geschützte Bucht von Porto Augusta ein. Ein paar Segelboote lagen bereits vor Anker, dazwischen kleine Fischerboote.
Viel mehr als ein paar Tavernen, kleine Häuser und jede Menge Ziegen gibt es hier eigentlich nicht.
Und genau das macht den Charme von Arki aus.


Das Anlegen war heute wie immer unkompliziert und ging mit Hilfe unserer netten Nachbarn blitzschnell. Kaum war das Boot fest, machten Martin und ich uns zu Fuß auf den Weg zu der kleinen Kapelle am höchsten Punkt der Insel.
Der Weg war voll durch die Prärie über Stock und Stein, die Landschaft sehr karg. Erst später haben wir gesehen, dass eine Straße hoch führt. Dazwischen dufteten Kräuter und immer wieder öffnete sich dieser fantastische Blick über das Meer und die kleinen Inseln ringsum.


Und apropos Meer:
Von oben konnten wir Christian entdecken, der unten in der Bucht mit dem SUP herum paddelte.


Nach unserer kleinen Wanderung ging es zurück zum Boot. Es war schließlich Kaffee und Kuchen Zeit.
Sabine, Doreen und Jürgen machten sich zu dritt mit dem SUP auf den Weg zu einer kleinen Badebucht. Katja blieb mit ihrem Rätselheft auf der Georgina und Christian hatte es sich mit seinem Buch ebenfalls gemütlich gemacht.
Martin und ich gingen derweil in die kleine gemütliche Taverne . Dort haben wir Aperol bestellt, Backgammonbrett auf den Tisch und los ging’s.
Das Ergebnis? 2 : 1 für den Chef.


Der Wirt war ein richtig uriger, herzlicher Typ und passte perfekt zu diesem kleinen Ort.
Am Abend ging es dann mit der gesamten Crew noch einmal in die kleine, typisch griechische Taverne mit den bunten Stühlen. Es wurde richtig schön.
Auf dem Tisch landete alles, was zu einem griechischen Abend dazugehört: Lamm, Souvlaki, Ziege, griechische Salate und natürlich Käse. Dazu gute Stimmung.


Irgendwann gab Martin dann noch die Ansage für den nächsten Tag.
Morgen geht es nach Patmos.
Und wenn die Crew dort unbedingt das Johanneskloster und die Grotte besuchen möchte, heißt es früh aufstehen. Spätestens um 8.00 Uhr müssen wir los, denn montags hat das Kloster nur bis 13:30 Uhr geöffnet.
Nach dieser Ansage war plötzlich erstaunlich schnell Ruhe an Bord und alle schlüpften in die Kabinen. Außer Christian, der schlief in seiner Hängematte bei endlich mal windstiller Nacht.