Sep.

30

Heute gab es eigentlich gar nicht so viel zu berichten und trotzdem war es ein ereignisreicher Tag.
Mit etwas Wehmut verabschiedeten wir uns von unserer zweiten Crew. Eine schöne lustige Woche ging zu Ende, und wieder einmal wurde uns bewusst, wie schnell einem die Menschen an Bord ans Herz wachsen. Man verbringt ja auch eine längere Zeit auf engem Raum zusammen.
Danach hieß es: Kabinen für die neuen Gäste vorbereiten .Diesmal ist die Crew sehr besonders, denn alle sind alte Segelfreunde von Martin. Schön, dass sie ihn immer wieder über die Jahre hinweg begleiten.
Am Nachmittag meldeten sich Christian und seine Frau Katja als Erste an. Die Wittenberger sollten erst gegen Abend eintreffen. Nach einem Begrüßungskaffee bummelten Christian und Katja noch durch das Städtchen, während Martin und ich eine typische griechische Taverne für unseren ersten gemeinsamen Abend suchten.


Unsere Wahl fiel auf die kleine Taverne Esperides. Da dort keine Reservierungen angenommen werden, machten Christian, Katja und ich kurzerhand die Vorhut.
Gerade als wir kurz vor sieben aufbrechen wollten, hörten wir Koffer über den Steg rollen. Die Wittenberger waren angekommen! Matthias, Sabine, Jürgen und Doreen standen vor dem Boot. Nach einem herzlichen Hallo gingen wir schon einmal voraus, damit die vier in Ruhe an Bord ankommen konnten.
Die Koffer waren schnell verstaut, Martin zeigte noch die Kabinen ,dann kamen die vier zu uns in die Taverne.
Das Esperides ist ein kleines griechisches Kleinod. Man sitzt dort wunderschön unter Orangen- und Granatapfelbäumen. Der Wirt spricht sehr gut Deutsch, da er einige Zeit in Deutschland gelebt hat, und auch die Speisekarte gehört zu den wenigen hier, die ausführlich auf Deutsch angeboten werden.
Für den ersten Abend bestellten wir verschiedene Vorspeisen, griechische Salate sowie etwas Fisch und Fleisch – sodass jeder von allem probieren konnte.

Das Essen kam erstaunlich schnell, der Service war ausgesprochen freundlich, und so verbrachten wir einen rundum schönen ersten Abend zusammen. Natürlich wurden auch alte Geschichten erzählt, denn Matthias und Martin kennen sich schon ewig, genau wie Jürgen und Christian.
Zurück auf der Georgina gingen wir noch gemeinsam die Einkaufsliste durch. Jeder durfte seine Wünsche äußern , schließlich soll in den nächsten Tagen auch kulinarisch niemand zu kurz kommen.


Während Christian und Katja sich nach dem langen Tag in ihre Kojen zurückzogen und auch Martin bald schlafen ging, waren Matthias, Sabine, Jürgen und Doreen noch längst nicht müde. Sie wollten Samos nicht nur vom Wasser aus kennenlernen und machten sich auf, das Nachtleben der Insel zu erkunden.


Ich blieb an Bord und erledigte noch, was inzwischen fast zum festen Tagesabschluss gehört: den Blog fertig schreiben.
Ein Crewwechsel ist immer wieder spannend. Auch wenn man einige Menschen bereits kennt, beginnt mit jeder neuen Crew eine ganz eigene kleine Reise.
Und morgen wird es definitiv nicht langweilig: Dann steht erst einmal der große Einkauf auf dem Programm.

Sep.

30

By Martin

20.- 30. September 2026

Törnzusammenfassung

Angelaufene Häfen/Buchten:

Paros-Paroikia Marina und Paranges Bucht
Schoinousa, Koufonisi, Amorgos-Katapola
Levitha, Patmos, Agathonisi,
Samos-Poseidon Bucht und Stadthafen Pythagoreio

Gesegelte Strecke: 195 sm
Max. Speed: 11 Kn, Durchschnitt 6-7 Kn
Max Wind: 30 Kn, Meltemi aus NNE
Bemerkungen: Zwischendurch bewölkt und frisch, mit kurzem Regen auf Patmos, sonst typisch Ägäis- blauer Himmel

Sep.

30

Aufbruchstimmung ist immer etwas sentimental, das sieht man auch am Sonnenaufgang über dem Hafen.


Aber trotzdem ließen wir uns das wie üblich leckere und reichhaltige Früstück bei Sonne im Cockpit schmecken.

Danach hieß es leider nicht Anker auf zu neunen Zielen, sondern Koffer packen und auf zum Landgang in die Unterkünfte an Land, denn alle bleiben noch ein paar Tage auf Samos um die Insel zu erkunden.

Schön wars wie immer, wir waren eine tolle Crew und sehen uns hoffentlich bald mal wieder.

Euer Skipper und Bordfee Sylvia.

Sep.

29

Der vorletzte Morgen an Bord begann ganz gemütlich. Beim Frühstück ließ sich jeder Zeit, und nach und nach trudelten die ersten aus ihren Kojen am bereits gedeckten Tisch ein. Trotzdem war es ungewohnt still.
Das ist vielleicht die Wehmut“, meinte Torsten. Und wahrscheinlich hatte er damit gar nicht so Unrecht.


Immerhin hatte der kalte Wind, der uns seit den frühen Morgenstunden begleitet hatte, inzwischen nachgelassen. Stattdessen strahlten die Sonne und der wunderbar blaue Himmel über der Bucht.
Gegenüber unserem Liegeplatz lag das Mykale-Gebirge an der türkischen Ägäisküste, dessen höchster Punkt etwa 1.237 Meter hoch ist.
Zwischen Poseidonio und der türkischen Küste liegt die Mykale-Straße, die an ihrer schmalsten Stelle gerade einmal etwa 1,2 bis 1,6 Kilometer breit ist. Deshalb wirkte die türkische Küste von unserem Ankerplatz aus tatsächlich fast zum Greifen nah.
Nach Stefan wagten sich auch Christiane und Heike ins Wasser.

Ich gehöre ja bekanntlich zur Warmduscherfraktion und bekam allein schon beim Zuschauen einen Kälteschock. Aber nachdem alle anderen schwimmen waren, konnte es eigentlich gar nicht so schlimm sein. Währenddessen kümmerten sich Martin und Stefan um die Technik und telefonierten mit dem Eigner. Die übrige Crew vertrieb sich die Zeit auf ihre ganz eigene Weise: Einige lasen im Reiseführer, andere träumten ein wenig vor sich hin oder genossen einfach die letzten Stunden an Bord. Die gesamte Crew bleibt noch ein paar Tage in unterschiedlichen Unterkünften auf Samos .
Gegen ein Uhr wurde es dann langsam ernst. Für das Ankerteam hieß es: Auf die Posten!
Der Anker wurde gelichtet und wir nahmen Kurs auf den Hafen von Samos-Pythagoreio.


Torsten beschäftigte sich inzwischen mit dem Palstek und versuchte sich an einer Leine. Martin kam nach vorne und zeigte ihm den Knoten erneut. Wenn er fleißig weiterübt, geht’s irgendwann wie von selbst. . Bei Heike hatte es schließlich schon beim ersten Versuch geklappt.
Torsten grübelte allerdings nach 30 Minuten immer noch über den Knoten. Viel Zeit blieb ihm dafür jedoch nicht, denn schon bald endet unsere letzte Fahrt mit dieser Crew.


Bei moderatem Wind und herrlichem Sonnenschein konnten heute wenigstens alle vorne sitzen, ohne dicke Jacken tragen zu müssen. Sogar der Skipper hatte sich wieder in kurze Hosen gewagt. Während wir langsam auf Pythagorio zuhielten, wurde die Küste zunehmend grüner und war mit hübschen weißen Dörfern gesprenkelt. Schon bald konnten wir den Hafen erkennen.
Damit begann allerdings der aufregendste Teil unserer Ankunft und wir wurden unfreiwillig selbst zum Hafenkino.
Martin wollte rückwärts in einen Liegeplatz fahren. Doch plötzlich rief ein ziemlich unentspannter Hafenmeister, dass er doch woanders einparken solle.
Der Hafenmeister und sein Helfer hüpften inzwischen herum wie zwei Rumpelstilzchen. Sie wurden immer lauter und riefen zunehmend cholerischer irgendwelche Kommandos an die Crew. Nach und nach blieben immer mehr Menschen stehen, um sich das Spektakel anzusehen.
Martin blieb wie immer ganz ruhig, obwohl er stark mit dem Wind zu kämpfen hatte.
Wir anderen waren allerdings ziemlich erleichtert, als der Motor endlich abgestellt wurde und das Manöver nach 20 Minuten vorbei war. Und plötzlich waren auch der Hafenmeister und sein Helfer wie ausgewechselt: Ganz zahm und entspannt standen sie da, als wäre nie etwas gewesen.
Da konnte die Crew erst einmal tief durchatmen.


Zur Belohnung gab es an Bord Kaffee und Kuchen mit ordentlich Schlagsahne . Nervennahrung musste schließlich sein. Micha schenkte sich, Torsten, Heike und Stefan außerdem erst einmal einen Rum ein, und auch das Anlegerbier durfte natürlich nicht fehlen.
Danach hatten alle Freizeit, um das nette Städtchen zu erkunden. Irene und Christiane machten sich auf die Suche nach einem passenden Restaurant für unser Abschlussessen. Martin und ich schlenderten, wie Heike und Torsten,auch noch etwas durch den Ort.


Kurz nach sieben machten wir uns schließlich auf den Weg ins Faros.
Am Abend herrschte im Hafen eine besonders schöne Stimmung. Überall saßen Menschen in den Restaurants, die Lokale waren gut besucht, und jedes hatte seinen eigenen Charme. Auch das Faros gefiel uns auf Anhieb.
Martin bestellte wieder verschiedene Vorspeisen zum Teilen. Auch die Hauptgerichte wurden gemeinsam auf den Tisch gestellt. Es gab leckere Fleischspieße und allerlei andere Köstlichkeiten, sodass jeder von allem probieren konnte. Der Service war super.


Nach diesem gelungenen Abschlussessen ging es zurück an Bord. Dort stand zunächst noch die Abrechnung über die Splid-App auf dem Programm. Doch während die letzten Beträge eingetragen wurden, machte sich allmählich die Aufbruchstimmung breit.Die ersten Koffer wurden gepackt, und allen wurde bewusst, dass die gemeinsamen 10 Tage nun tatsächlich zu Ende ging.
Ganz vorbei war der Abend allerdings noch nicht. Bevor endgültig Schluss war, mussten natürlich noch drei Runden Hornochsenspiel sein.
Und dieses Mal hatte es mich erwischt!
Nach gerade einmal drei Runden hatte ich bereits eine dreistellige Zahl auf meinem Konto.


Wie immer wurde viel gelacht und ordentlich kommentiert. So entstand genau die richtige Mischung aus Abschiedsstimmung, ein bisschen Wehmut und trotzdem viel guter Laune.
Auf diese Weise genossen wir unseren letzten Abend an Bord noch einmal gemeinsam mit dem Gefühl, dass diese Woche viel zu schnell vergangen war.
Und irgendwann hieß es dann wirklich: Gute Nacht, Crew.

Sep.

28

Die Sonne wusste heute Morgen noch nicht so richtig, was sie eigentlich wollte. In der Bucht von Agathonisi wäre es jedenfalls noch ziemlich duster und bewölkt gewesen, wenn nicht das Licht des Vollmondes gewesen wäre.
Ich machte mich wie jeden Morgen ans Frühstück und schob nebenbei noch einen Kuchen in den Ofen. Stefan leistete mir dabei Gesellschaft , ebenfalls wie jeden Morgen. Er war irgendwie immer der Erste von der Crew, der morgens auftauchte.
Heute hatten wir es wieder einmal überhaupt nicht eilig.

Nach dem Frühstück machten sich deshalb alle noch zu einem kleinen Landgang auf. Die Abfahrt war schließlich erst für zehn Uhr geplant. Micha wollte sogar noch in der Nachbarbucht schwimmen gehen und auch Christiane, Irene, Heike und Torsten machten sich zu Fuß auf den Weg dorthin.
Ganz langsam schob sich währenddessen die Sonne über die Berge. Und schon fühlte es sich gleich ein bisschen wärmer an.
Neben uns machte sich auch der schrullige Fischer auf den Weg. Der hatte gestern noch ausgiebig seine Angelleinen präpariert und fuhr nun hinaus aufs Meer. Ich wünschte ihm auf Griechisch „viel Glück“ – natürlich erst nach vorheriger Beratung durch Google. Er grinste jedenfalls freundlich zurück. Ich hoffe einfach mal, dass ich es auch richtig ausgesprochen habe!
Kurz vor zehn trudelte die komplette Crew wieder ein. Und dann kündigte sich von Weitem die große Fähre an, von der George gestern erzählt hatte. Ihr lautes Hupen war jedenfalls nicht zu überhören.


Auf den Nachbarbooten gingen sofort alle in Habachtstellung. Schließlich war uns ein ziemlich heftiger Schwell angekündigt worden. So schlimm wie befürchtet wurde es dann aber zum Glück doch nicht. Die Fähre fuhr gar nicht ganz in die Bucht hinein und war fast genauso schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen war.
Martin fragte noch einmal kurz: „Sind alle an Bord?“
Dann konnte es losgehen.
Das Ablegen funktioniert bei uns mittlerweile genauso schnell wie das Anlegen. Und so verließen wir gegen halb elf bei strahlendem Sonnenschein den kleinen Hafen von Agathonisi. Unser Ziel war Samos , allerdings noch nicht der Hafen. Wir wollten zunächst in die wunderschöne Badebucht Poseidonio.


Kaum waren wir aus der geschützten Bucht heraus, wurde es wieder ein wilder Ritt. Unter Großsegel und Genua tanzte die Georgina über die Wellen. Ganz nach dem Wiesn-Motto: Auf und Nieder , immer wieder“. Dabei zog sie dicke Schaumkronen hinter sich her.
Der Wind war immer noch frisch, aber bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein fühlte es sich längst nicht mehr so kalt an wie gestern.
Trotzdem saß auf der Flybridge eine ziemlich vermummte Gesellschaft. Nur Heike streikte heute gegen die Kälte und saß tatsächlich im T-Shirt und in kurzer Hose in der Sonne. Irene hatte es sich gut eingepackt im Cockpit mit ihrem Buch gemütlich gemacht.
Das Geschirr schepperte wieder ordentlich in den Schränken und manchmal hatte man das Gefühl, unser Schiff würde gleich auseinanderbrechen. Aber die Stimmung an Bord war bestens. Es ist schon erstaunlich, was ein bisschen Sonne mit der Laune macht.
Eine dicke Fähre kreuzte unseren Weg. Stefan, Torsten und Heike gönnten sich dazu ein Wellenbier , das gehört inzwischen zum Bordprogramm.
Gegen 14 Uhr erreichten wir die Küste von Samos. Von Weitem zeigte sich wieder diese karge, felsige Landschaft. Mal sehen, ob Samos wohl genauso viel Charme verspricht wie die kleinen Inselchen, die wir in der vergangenen Woche angelaufen haben.
Bis zur Bucht von Poseidonio lagen noch mindestens zwei Stunden vor uns. Aber es wurde gefühlt stetig wärmer. Rechter Hand konnten wir bereits die türkische Küste sehen.Und dann war es endlich soweit: Wir liefen in die Bucht von Poseidonio ein. Der Wind hatte wunderbar nachgelassen und die Wärme der Sonne tat einfach nur soooo gut.


Das Ankerteam machte wieder einen super Job. Anker sitzt, Motor aus und Feierabend für heute!
Dafür war der Käsekuchen fertig und der Kaffee stand auch schon bereit. Und was soll ich sagen: Es blieb nicht ein einziges Krümelchen übrig.
Da es mittlerweile schon später geworden war, waren wir uns einig: Abendessen gibt es heute nicht vor acht.
Irene und Christiane hatten sich für heute Abend etwas Leckeres vorgenommen: Ratatouille. Das Gemüse dafür hatten sie bereits am Vortag eingekauft.
Bis dahin war Zeit zum Schwimmen, Schnorcheln oder einfach nur zum Chillen. So wie ich es gerade mache. Jeder suchte sich irgendwo an Bord sein persönliches Eckchen und genoss die Ruhe.
Ab halb sieben klapperten dann die Töpfe in der Pantry. Micha, Heike und Christiane waren die fleißigen Schnippelhilfen von Irene. Zwiebeln, Knoblauch, Karotten, Zucchini, Auberginen und natürlich die guten griechischen Tomaten wurden geschnippelt und zu einem herrlich duftenden Ratatouille verarbeitet.
Währenddessen wurde im Cockpit der Tisch schön gedeckt.


Und dann bekamen wir noch ein ganz besonderes Abendprogramm geschenkt: einen fulminanten Sonnenuntergang und kurz darauf folgte gleich der Mondaufgang. Nach dem Vollmond in der vergangenen Nacht passte das natürlich perfekt.
Dann kam Irene mit dem riesigen Topf Ratatouille aus der Pantry. Es schmeckte wirklich lecker und auch hier blieb am Ende kein Rest übrig. Nachdem wieder alles aufgeräumt war, kam unser mittlerweile fast schon traditioneller Spieleabend.
Das Hornochsenspiel hat auf diesem Törn das gute alte Wizard ziemlich abgelöst. Der entscheidende Vorteil: Hornochsen kann man auch mit acht Leuten spielen.
Und wie immer wurde viel gelacht.
Auf dem heutigen Hornochsen-Treppchen standen schließlich Christiane, ich und Heike.
Egal – Hauptsache, es hat Spaß gemacht. Und das hat es definitiv!
So ging ein wunderschöner Segeltag zu Ende.