Okt.

6

Punkt sieben Uhr rasselte die Ankerkette in den Ankerkasten zurück. Alle waren schon früh auf und hatten zumindest eine Kleinigkeit gefrühstückt, da es ja gestern vom Skipper hieß, um sieben ist Abfahrt. Ich hatte beim Bäcker noch ein paar kleine Teilchen besorgt, denn heute stand uns ein echter Ritt bevor: knapp zehn Stunden bis Amorgos.


Also suchte sich jeder an Bord sein persönliches Lieblingsplätzchen. Hauptsache bequem , denn dort würde man die nächsten Stunden vermutlich ziemlich viel Zeit verbringen.
Zunächst meinte es der Wind richtig gut mit uns. Während die Sonne langsam aufging, zeigte sich am Horizont sogar ein Viermaster, und draußen vor dem Hafen lag ein Kreuzfahrtschiff. Amorgos war ebenfalls schon zu sehen – allerdings noch sehr klein und gefühlt eine halbe Ewigkeit entfernt.

Gegen Mittag war dann plötzlich Schluss mit Wind. Einfach weg. Dafür wurde es in der Sonne richtig schön warm und wir mussten etwa zwei Stunden unter Motor weiter. Die Wellen kamen gleichmäßig von der Seite und so schaukelten wir mehr oder weniger gemütlich unserem Ziel entgegen.
Doch irgendwann frischte der Wind wieder auf, die Genua wurde ausgezogen und jetzt ging es richtig zur Sache. Er wurde stärker, die Wellen höher und die Georgina flog mit bis zu acht Knoten übers Wasser. Im Salon schepperte das Geschirr in den Schränken. Kurz nach vier Uhr war dann endlich der Hafen von Amorgos deutlich vor uns zu sehen.

Um halb fünf fiel der Anker und Martin peilte rückwärts die Hafenmauer an. Ein Helfer stand bereits bereit, nahm unsere Leinen entgegen und warf sie wieder zurück. Backbord klappte alles wunderbar. Nur an Steuerbord gab es einen kleinen Moment, in dem nicht ganz aufgepasst wurde und schon hatte sich eine Leine im Propeller verfangen.Na wunderbar.
Das Anlegen war trotzdem geschafft. Allerdings bedeutete das für unseren Skipper: Abtauchen!
Und so bekamen wir in Amorgos noch unser ganz persönliches Hafenkino geboten. Martin verschwand mit Taucherbrille und Flossen im glasklaren Hafenwasser. Einige Leute blieben neugierig stehen und beobachteten das Schauspiel. Aber da alles völlig unspektakulär und professionell ablief, löste sich die kleine Zuschauergruppe auch schnell wieder auf.
Martin hatte die Leine zum Glück bald aus dem Propeller befreit. Problem gelöst.Nach fast zehn Stunden auf See hatten wir jetzt vor allem eines: Hunger.


Also gab es erstmal eine ordentliche Brotzeit. Matthias machte sich zusätzlich noch eine heiße Suppe.
Der Wind war inzwischen wieder ordentlich frisch. Martin und ich machten noch einen kleinen Spaziergang in den gegenüberliegenden Hafen. Dort war es etwas windstiller, allerdings sorgten die Wellen für Bewegung an den Booten. Wir stellten zufrieden fest: Alles richtig gemacht , wir liegen gut da, wo wir sind.
In einer kleinen Bar gönnten wir uns noch einen Aperol und genossen den wunderschönen Sonnenuntergang.
Auch Christian und Katja waren unterwegs, und dem Rest der Crew begegneten wir nach und nach ebenfalls. Offenbar hatten nach zehn Stunden auf dem Boot alle dasselbe Bedürfnis: einfach mal die Beine vertreten.


Zurück an Bord gab es noch eine Runde Backgammon. Heute konnte ich mich tatsächlich mit 2:1 gegen Martin durchsetzen. Beim Kniffel hatte er dafür die Nase vorn. Man muss ja schließlich für einen gerechten Ausgleich sorgen.
Nach und nach verschwanden alle Crewmitglieder in ihren Kojen.
Kein Wunder , zehn Stunden auf See machen müde.
Und morgen wartet schon das nächste Abenteuer , das Felsenkloster von Amorgos.

Okt.

5

Um vier Uhr krähte irgendwo ein Hahn. Ein einziges Mal. Aber immerhin laut genug, um kurz daran zu erinnern, dass auf einer griechischen Insel offenbar auch nachts der Wecker so funktioniert.
Ansonsten: Windstille. Seit langem wieder mal.
Christian schlief draußen in der Hängematte und auf dem Boot rührte sich noch nichts. Um halb sechs schaute ich vorsichtig nach oben , immer noch alles ruhig. Also konnte ich ganz entspannt Kaffee und Tee vorbereiten und noch schnell einen kleinen Obstsalat schnippeln.
Jürgen war der Erste, der auftauchte und schwamm tatsächlich erst einmal eine Runde ums Boot. Allen Respekt.
Er und Doreen machten sich eine Kleinigkeit zum Frühstück und so nach und nach trudelte auch der Rest der Crew ein. Sogar unser Skipper war schon wach. Ein guter Anfang für den Tag.Nach einem kleinen Snack, den sich jeder selbst zubereitete, hieß es wieder: Leinen los und Anker auf.


Die Fender wurden nur schnell über die Reling geholt, die brauchen wir schließlich schon in zwei Stunden wieder.
Bye bye Arki, du kleines süßes Kleinod!
Hoffentlich bleibst du noch lange so ursprünglich, ruhig und bezaubernd, wie wir dich kennengelernt haben.
Schon aus der Ferne konnten wir Patmos erkennen und natürlich das berühmte Johanneskloster, das heute auf dem Besichtigungsprogramm der Crew stand.
Ganz gemütlich, leider ohne ein einziges Segel, motorte die Georgina über die kleinen Wellen. Es war immer noch windstill. Für manche an Bord durchaus erholsam , für die Segler allerdings eher bescheiden.
Kurz vor halb zehn erreichten wir den Hafen von Patmos. Heute bei strahlend blauem Himmel. Das Anlegen ging wie immer ziemlich fix und die Hafenmeisterin war auch sofort zur Stelle, um Strom und Wasser freizuschalten.
Christian und Katja machten sich zu Fuß auf den Weg hinauf zum Kloster. Sabine, Doreen, Jürgen und Matthias liefen schon einmal Richtung Skala und nahmen sich ein Taxi.
Martin und ich spazierten ebenfalls in die Stadt. Bei unserem letzten Besuch hatte die Klosterbesichtigung so viel Zeit verschlungen, dass für einen ausgiebigen Stadtbummel nicht mehr viel übrig geblieben war.


Und was soll ich sagen: Es war ordentlich was los. Zwei Kreuzfahrtschiffe , ein großes und ein kleines , lagen im beziehungsweise außerhalb des Hafens. Entsprechend voll war es in den Gassen. Und auch die Preise hatten sich offensichtlich dem Kreuzfahrtpublikum angepasst.
Wir fanden trotzdem ein süßes kleines Café und machten erst einmal Pause. Martin bekam sein Eis und einen großen Cappuccino , damit war die Welt in Ordnung. Danach schlenderten wir noch durch ein paar nette kleine Läden mit Kunst und allerlei schönen Dingen.


Man muss eben nur kreativ sein , dann findet sich aus fast allem ein kleines Kunstwerk.
Auf dem Rückweg trafen wir wieder auf Christian und Katja. Später trudelte auch der Rest der Crew zurück aufs Schiff. Alle waren begeistert vom Kloster. Danach war erst einmal kollektives Chillen angesagt.


Jeder suchte sich sein Plätzchen zum Lesen, Dösen oder für ein kleines Mittagsschläfchen. Wir waren schließlich heute Morgen auch schon ziemlich früh aufgestanden. Zwischendurch gab es noch Kaffee und Kuchen .
Und dann war es plötzlich vorbei mit der himmlischen Windstille.
Am späten Nachmittag kam er zurück: der Meltemi, mit voller Kraft .
Wir beschlossen deshalb, heute etwas früher zum Essen zu gehen und marschierten gemeinsam wieder Richtung Innenstadt.
Jürgen, Matze, Sabine und Doreen waren mittags bereits essen gewesen und hatten das Restaurant für gut befunden. Also dachten wir uns: Was mittags funktioniert, kann abends ja nicht schlechter sein.
Tja, kann es. Das Essen war diesmal eher so mittelprächtig. Die Fleischbällchen, die Matze und Martin serviert bekamen, hatten offensichtlich schon ein bewegtes Vorleben hinter sich. Nach unserem Eindruck waren sie mindestens zweimal gestorben, bevor sie schließlich auf den Tellern landeten.


Ein Hund und vier Katzen warteten schon erwartungsvoll auf die Reste. Der Hund war jedenfalls sehr von sich überzeugt , dass wir ihn regelrecht austricksen mussten, damit die Katzen auch noch etwas abbekamen.
So wurde aus einem normalen Restaurantbesuch kurzerhand eine kleine Tierschutzmission.


Nach dem Bezahlen machten wir uns zügig auf den Rückweg zum Hafen. Der Meltemi pfiff inzwischen richtig kalt zwischen den Booten hindurch.
Zurück auf der Georgina wurde noch einmal der Tag besprochen , die Klosterbesichtigung, die Stadt und das Essen.
Und dann kam Martins Ankündigung:
Morgen fahren wir um sieben Uhr los.“Kurze Blicke.Leichtes Entsetzen.
Und plötzlich herrschte eine erstaunliche Aufbruchstimmung in Richtung Kojen.
Denn morgen um sieben heißt es wieder:Leinen los.

Okt.

4

Was für eine Nacht.
Deshalb waren heute Morgen auch alle erstaunlich früh wach. Die einhellige Meinung: Nur weg von hier.
Das ständige Ruckeln der Leinen, das Quietschen der Fender und dieses unaufhörliche Auf und Ab im Schwell hatten irgendwann zwar fast etwas Beruhigendes , aber eben nur fast. .An diese Geräuschkulisse möchten wir uns dann doch lieber nicht gewöhnen.
Nach dem Frühstück wollte Martin jedenfalls keine Zeit verlieren. Christian und Doreen machten noch schnell klar Schiff und dann ging jeder auf seinen Posten.
Leinen los, Fender rein und ab.


Nur eine kleine Herausforderung wartete noch auf uns: Wir mussten wieder durch die berühmte Engstelle. Heute wussten wir allerdings, was uns erwartet. Und siehe da ,es war tatsächlich gar nicht mehr so schlimm. Ein bisschen Rumpeln gab es natürlich wieder, aber wir waren vorbereitet und so ging auch diese Passage ohne größere Schäden über die Bühne. Als wir da durch waren, konnte ich einen Käsekuchen in den Ofen schieben .
Unser Ziel heute: Arki.
Und schon die Anfahrt fühlt sich ein bisschen an wie eine Reise in eine andere Welt.
Wir schaukelten mit gesetzter Genua und nur wenig Wind langsam auf die kleine Insel zu. Je näher wir kamen, desto mehr schien die Zeit langsamer zu werden.

Keine großen Hotels.
Kein Trubel.
Keine langen Straßen.
Dafür karge Hügel, ein paar weiße Häuser, Ziegen und dieses unglaublich tiefblaue Meer.
Arki ist winzig. Gerade einmal knapp sieben Quadratkilometer groß und keine 50 Bewohner. Und trotzdem hat die Insel etwas ganz Besonderes. Vielleicht gerade deshalb.
Wir liefen in die kleine, geschützte Bucht von Porto Augusta ein. Ein paar Segelboote lagen bereits vor Anker, dazwischen kleine Fischerboote.
Viel mehr als ein paar Tavernen, kleine Häuser und jede Menge Ziegen gibt es hier eigentlich nicht.
Und genau das macht den Charme von Arki aus.


Das Anlegen war heute wie immer unkompliziert und ging mit Hilfe unserer netten Nachbarn blitzschnell. Kaum war das Boot fest, machten Martin und ich uns zu Fuß auf den Weg zu der kleinen Kapelle am höchsten Punkt der Insel.
Der Weg war voll durch die Prärie über Stock und Stein, die Landschaft sehr karg. Erst später haben wir gesehen, dass eine Straße hoch führt. Dazwischen dufteten Kräuter und immer wieder öffnete sich dieser fantastische Blick über das Meer und die kleinen Inseln ringsum.


Und apropos Meer:
Von oben konnten wir Christian entdecken, der unten in der Bucht mit dem SUP herum paddelte.


Nach unserer kleinen Wanderung ging es zurück zum Boot. Es war schließlich Kaffee und Kuchen Zeit.
Sabine, Doreen und Jürgen machten sich zu dritt mit dem SUP auf den Weg zu einer kleinen Badebucht. Katja blieb mit ihrem Rätselheft auf der Georgina und Christian hatte es sich mit seinem Buch ebenfalls gemütlich gemacht.
Martin und ich gingen derweil in die kleine gemütliche Taverne . Dort haben wir Aperol bestellt, Backgammonbrett auf den Tisch und los ging’s.
Das Ergebnis? 2 : 1 für den Chef.


Der Wirt war ein richtig uriger, herzlicher Typ und passte perfekt zu diesem kleinen Ort.
Am Abend ging es dann mit der gesamten Crew noch einmal in die kleine, typisch griechische Taverne mit den bunten Stühlen. Es wurde richtig schön.
Auf dem Tisch landete alles, was zu einem griechischen Abend dazugehört: Lamm, Souvlaki, Ziege, griechische Salate und natürlich Käse. Dazu gute Stimmung.


Irgendwann gab Martin dann noch die Ansage für den nächsten Tag.
Morgen geht es nach Patmos.
Und wenn die Crew dort unbedingt das Johanneskloster und die Grotte besuchen möchte, heißt es früh aufstehen. Spätestens um 8.00 Uhr müssen wir los, denn montags hat das Kloster nur bis 13:30 Uhr geöffnet.
Nach dieser Ansage war plötzlich erstaunlich schnell Ruhe an Bord und alle schlüpften in die Kabinen. Außer Christian, der schlief in seiner Hängematte bei endlich mal windstiller Nacht.

Okt.

3

Unser Draußenschläfer Christian hatte sich mitten in der Nacht dann doch irgendwann in seine Koje zurückgezogen. Es war einfach zu windig und vor allem ziemlich laut. Irgendwo schepperte immer irgendetwas ,auf einem Schiff gibt es ja erstaunlich viele Dinge, die bei Wind plötzlich ein Eigenleben entwickeln.
Nur Jürgen hielt tapfer durch. Er lag tatsächlich noch immer in seinem Schlafsack im einigermaßen windgeschützten Cockpit, als ich in der Früh hochkam.
Draußen war inzwischen auch schon die Hafenmieze unterwegs. Lautstark miaute sie und machte unmissverständlich klar, dass sie jetzt doch bitte gerne eine Kleinigkeit zum Frühstück hätte.


Der Ort lag noch dick unter Wolken, und es war richtig frisch. Aber kaum hatten wir gefrühstückt, lugte tatsächlich die Sonne zwischen den Wolken hervor. Das machte doch gleich bessere Laune.
Um halb zehn hieß es dann: Leinen los und Anker auf. Die Fender wurden noch ordentlich verräumt, dann rollten wir die Genua aus und segelten ganz gemütlich unserem Ziel entgegen. Unser Ziel heute waren die Fourni-Inseln oder, wie sie früher genannt wurden, die Inseln der Piraten.

Der heutige Name Fourni ist übrigens noch gar nicht so alt. Ursprünglich wurden die Inseln „Korseai“, später „Dimos Korseon“ genannt. Weil der Name ähnlich klang wie das griechische Wort für Pirat, „Koursáros“, behaupteten die Bewohner der Nachbarinseln kurzerhand, die Fournioten seien allesamt Seeräuber.
So kam es schließlich zum Namen Fourni Korseon.
Heute geht es hier allerdings deutlich friedlicher zu. Der charmante Ort ist bekannt für seine traditionellen weißen Häuser, die von schattigen Maulbeerbäumen gesäumte Hauptstraße und vor allem für seine große Fischerflotte ,eine der bedeutendsten der Ägäis.
Eigentlich wollten wir zunächst in einer anderen Bucht ankern. Dort lag allerdings bereits ein Fischerboot, ein Dinghi war im Weg und der Wind hatte inzwischen ordentlich zugelegt. Martin meinte deshalb, dass wir im Nachbarhafen, gleich ums Eck, bestimmt noch einen guten Platz bekommen würden.
Also: Auf geht’s!
Mit dem, was dann kam, hatte allerdings niemand gerechnet.
Wir mussten durch eine Meerenge, in der sich die Wellen ordentlich aufschaukelten. Es ging hoch und dann krachte das Boot wieder aufs Wasser. Und das mehrmals.
Gut, dass vorher wirklich alles gut verstaut und gesichert worden war.
Doreen hatte gerade angefangen, einen Rote-Bete-Salat vorzubereiten und die Rote Bete in der Pfanne angebraten. Die wanderte nun kurzerhand mitsamt Pfanne in die Spüle. Sicherheitshalber wurde noch einmal alles kontrolliert und festgezurrt.
Dann konnten wir eigentlich nur noch nach draußen schauen und diesem Schauspiel zusehen.
Zum Glück war die wilde Passage nur ein kurzes Stück. Als wir endlich durch waren, haben wohl alle an Bord einmal kräftig aufgeatmet.
Im Hafen angekommen, legten wir schließlich Backbord längsseits an. So richtig ruhig war es allerdings auch hier nicht. Die Schaukelei war ordentlich, weshalb auf dieser Seite sämtliche Fender befestigt werden mussten.
Martin brachte zusätzlich noch weitere Leinen aus. Zwischendurch hatte man durchaus das Gefühl, dass gleich irgendwo eine Leine reißen würde.
Aber: Wird schon gutgehen.
Nach dem Kaffee und Doreens Rote Bete Salat gingen fast alle von Bord. Nur Matthias und Sabine blieben auf dem Schiff und erholten sich erst einmal von der etwas abenteuerlichen Segelei.


Martin und ich machten uns zu Fuß auf den Weg. Unser Ziel war eine kleine Kapelle oberhalb des Ortes. Über einen schön angelegten Weg ging es hinauf und schließlich auf der anderen Seite wieder hinunter in die nächste Bucht.
Mittlerweile waren dort die Boote, die vorher gelegen hatten, weitergefahren. Und siehe da: Jetzt wäre dort richtig schön Platz gewesen. Vor allem hätte es dort vermutlich deutlich weniger geschaukelt.
Martin schaute sich den möglichen Liegeplatz noch einmal genauer an, und wir machten uns wieder auf den Rückweg.
Gefühlt waren es dabei 154.897 Treppen.
Das gibt Muckis!
Oben entdeckten wir außerdem noch alte Windmühlen. Eine davon war wunderschön restauriert und ausgebaut, die andere dagegen völlig dem Verfall überlassen. Ein spannender Kontrast und irgendwie gehören solche alten Relikte einfach zu den Inseln dazu.


Wieder unten schlenderten wir noch durch das verschlafene Dörfchen.
Auf der Platia stehen eine Kirche, ein Denkmal und sogar ein antiker Sarkophag. Rund um den Platz findet man einige Tavernen und natürlich einen Bäcker.
Tagsüber geht es hier ausgesprochen ruhig zu. Erst am Abend füllen sich die Lokale langsam.
Am schönsten fanden wir aber die Hauptgasse , die vom Hafen hinauf zur Platia führt.
Eigentlich ist es gar keine typische Gasse, sondern eher eine kleine Allee ,gesäumt von Bäumen und Häusern und mit genau diesem besonderen griechischen Charme, den man auf solchen Inseln einfach liebt.
Ein richtig schnuckeliges kleines Fleckchen.


Zurück auf der Georgina hatten Matthias, Jürgen, Sabine und Doreen offenbar schon Hunger und wollten gleich essen gehen.
Uns anderen war 18 Uhr allerdings noch eindeutig zu früh für das Abendessen. Also beschlossen wir kurzerhand, selbst etwas zu zaubern.
Es gab griechischen Salat, was sonst.
Katja bereitete dazu ein leckeres Tzatziki zu und Matthias kam sogar noch mit frischem Brot vorbei.
Damit war unser Abendessen perfekt.
Nach dem Essen weihten wir Katja und Christian noch in unser inzwischen schon fast legendäres Hornochsen-Spiel ein.
Irgendwann kamen auch die vier Wittenberger wieder zurück.
Jürgen und Doreen machten noch einen kleinen Spaziergang, Matthias und Sabine zogen sich direkt in ihre Kabine zurück und wir schlossen uns wenig später ebenfalls an.
Nach diesem aufregenden Tag war dann doch langsam Feierabend.
Jetzt sind wir gespannt, wie die Nacht wird.
Denn bei dieser ganzen Schaukelei und Ruckelei ist noch lange nicht gesagt, dass heute Nacht alle ruhig in ihren Kojen liegen werden …

Okt.

2

Heute ging es schon beim Frühstück lustig zu. Das große Thema war die KI und natürlich wurde fleißig diskutiert. Was die Zukunft wohl noch so alles bringt? Wir werden sehen.
Um halb zehn hieß es dann: Anker auf! Unser Ziel war die Südseite von Samos, genauer gesagt Marathokambou.
Im Moment waren allerdings noch alle ziemlich warm eingekuschelt, denn der Wind war ordentlich frisch. Wir hofften darauf, dass sich die Sonne noch etwas besser durchsetzen würde. Der Wind blieb zwar kräftig, aber zum Glück wurde es nicht mehr ganz so eisig. Trotzdem suchte sich jeder an Bord schnell sein ganz persönliches, möglichst windgeschütztes Plätzchen.
Unter der Genua segelten wir an der Südküste von Samos entlang. Dabei kamen wir wieder an Pythagorio vorbei , jenem Ort, der nach dem berühmten Mathematiker und Philosophen Pythagoras benannt ist.
Kurz nach eins erreichten wir den Hafen von Marathokambou. Das Anlegemanöver ging diesmal relativ flott. Jeder wusste, was zu tun war, und sogar ein Deutscher vom Nachbarboot packte kurzerhand mit an.


Kaum war das Boot fest, hatten Matze, Jürgen, Sabine und Doreen schon einen Plan: Tavernen gucken.Auch Christian und Katja machten sich auf zum Bummeln.
Ich konnte allerdings noch nicht mit. Bei mir wartete nämlich noch etwas ganz anderes: ein Pflaumenkuchen im Ofen.


Nach dem Kaffee spazierten Martin und ich durch das kleine Örtchen. Dummerweise hatte ich mein Handy vergessen und konnte deshalb zunächst gar keine Fotos machen. Und natürlich war genau heute überall ein Motiv schöner als das nächste. Also musste ich später einfach noch einmal los.
Wir kamen an der schönen Kirche vorbei und trafen immer wieder auf deutsche Touristen. Damit hatten wir gar nicht gerechnet , hier in diesem kleinen verschlafenen Fischerdörfchen war tatsächlich noch erstaunlich viel los.

Als ich später alleine noch einmal durch die Gassen schlenderte um Fotos zu machen, traf ich doch tatsächlich wieder drei unserer Mitsegler vom zweiten Törn. Was für ein Zufall. Langsam stellt sich mir allerdings die Frage: Wer verfolgt hier eigentlich wen?
Zurück an Bord wurde es dann festlich. Alle machten sich schick für unseren griechischen Abend mit Musik. Für halb sieben hatte die Crew einen Tisch im The Local reserviert, einem kleinen, zauberhaften Restaurant direkt am Hafen. Freitags gibt es dort immer Live-Musik , also genau das Richtige für unseren Abend.
Der Service war unglaublich schnell und dazu noch ausgesprochen freundlich. Martin übernahm wieder die Bestellung für alle und suchte die Gerichte nach Wunsch der Gäste aus.
Die Vorspeisen waren etwas moderner interpretiert und nicht ganz so typisch griechisch, wie wir es sonst kennen – aber dafür richtig lecker. Die Hauptspeisen ließen auch nicht lange auf sich warten. Es gab unter anderem Schwertfisch mit Rote-Bete-Salat und Gyros.


Zum Abschluss gab es noch einen kleinen Gruß aus der Küche: Joghurt oder Ouzo. Die Auswahl war also durchaus eindeutig.
Später wurde es draußen doch ziemlich frisch. Deshalb machten sich Martin, Christian, Katja und ich schon einmal auf den Rückweg zum Boot. Der Rest der Crew blieb noch ein bisschen sitzen.
Christian verabschiedete sich an Bord direkt in seine Hängematte draußen an Deck unterm Großsegel, während Katja es sich schon in der Koje gemütlich machte.
Als schließlich auch Matthias, Jürgen, Sabine und Doreen wieder auf dem Schiff eintrudelten, war an Schlaf allerdings noch lange nicht zu denken.
Die Discokugel wurde ausgepackt.


Und dann wurde im Cockpit getanzt. Es war einfach mega lustig und sogar Matze schwang kurz das Tanzbein. Allerdings wirklich nur sehr kurz. Die Musik war ihm dann doch etwas zu schnulzig, und Schlager ließen sich mit seiner Wacken-Jacke offenbar nicht so richtig vereinbaren.
So nach und nach wurden aber auch die letzten Tänzer müde. Einer nach dem anderen verschwand in der Koje.
Und irgendwann war dann auch auf der Georgina wieder Ruhe eingekehrt – zumindest bis zum nächsten Morgen.