Aug.

7

Der heutige Tag stand ganz im Zeichen des Großreinemachens. Nachdem uns an den letzten Anlegestellen der Wind jede Menge Blätter und Staub an Bord geweht hatte, rückte Martin draußen mit dem Wasserschlauch an. Das gesamte Deck wurde gründlich gereinigt und die Vlinder glänzte danach wieder wie neu.
Währenddessen war ich unter Deck beschäftigt und bereitete die Kabinen für unsere neuen Gäste Christiane, Irene und Ursula aus Freiburg vor. Heute brauchte ich nicht backen, denn Irene hatte sich angeboten, einen Kuchen mitzubringen.


Pünktlich zur Kaffeezeit trafen die drei mit einem großen Hallo ein. Christiane kennt Martin schon seit vielen Jahren, entsprechend herzlich war die Begrüßung. Schnell schlug ich noch frische Sahne zu dem leckeren Apfelkuchen auf, und gemeinsam ließen wir uns den Kaffee und den köstlichen Kuchen gemütlich an Deck schmecken.

Anschließend führte Martin unsere Gäste über die Vlinder, zeigte ihnen das Schiff und ihre Kabinen. Danach fuhren die drei noch zum Einkaufen . Martin und ich konnten derweil beim Rudertraining einer Mädchenmannschaft zuschauen. Da herrscht ein rauher Ton, aber die Mädels waren super.


Als unsere Gäste wieder zurück an Bord kamen, machte Martin mit Christiane und Irene noch eine Stadtbesichtigung in Saarlouis. Saarlouis im Saarland ist bekannt als die „französischste Stadt Deutschlands“. Sie wurde im Jahr 1680 vom französischen Sonnenkönig Ludwig XIV. als Festungsstadt gegründet und nach ihm benannt. Die Stadt besticht durch ihren historischen Stadtkern, durch die lebendige Altstadt mit ihren verwinkelten Gassen und durch ein französisches Lebensgefühl mit vielen Bistros und Cafés.


Ich blieb mit Ursula zurück an Bord. Wir wollten uns dann um acht Uhr beim Griechen ums Eck zum Abendessen treffen.
Wir hatten einen tollen Platz auf der Terrasse mit Blick auf die Saar und mit musikalischer Unterhaltung. Im Bistro nebenan war heute eine Schlager und Mollorca Party. Das Essen war lecker und der junge Mann vom Service sehr nett. Zurück an Bord haben wir „Sechs mit“ von Christiane und Irene gespielt. Das gleiche Spiel spielten wir vor zwei Wochen auch bei Amy auf der Vivante . Ursula kannte das Spiel nicht, aber sie hat am Ende gewonnen. So ging dieser Tag recht lustig zu Ende. Als Irene, Christiane und Ursula recht müde von dem langen Tag in die Kabinen gingen, bin ich noch auf die Schlagerparty in den Biergarten gegangen.

Wann hat man schon mal sowas nebenan. Schön war’s , endlich mal wieder zappeln, obwohl ich später im Bett noch über den „Delfin in der Bauchtasche“ sinniert habe🤷‍♀️.

Aug.

6

Wie schnell doch eine Woche vergeht – das wurde uns heute wieder bewusst. Leider hieß es schon Abschied nehmen von unseren Gästen Martina und Norwin. Nach einem gemütlichen Frühstück wurden die Koffer gepackt und wir begleiteten die beiden noch zu ihrem Auto. Bevor sie die Heimreise antreten, wollten sie noch den Archäologiepark Römische Villa Borg besuchen. Ein schöner Abschluss ihrer Reise. Besonders gefreut haben wir uns über den lieben Eintrag von Norwin in unserem Gästebuch. Herzlichen Dank dafür.


Zurück an Bord hieß es für uns wieder: Leinen los! Unser heutiges Ziel war Saarlouis. Unterwegs stand noch eine Schleuse auf dem Programm. Beide Schleusentore standen bereits offen und Martin meldete sich per Funk an. Die Antwort kam jedoch prompt: Aus Gründen des Wassersparens wollte man uns nicht alleine schleusen. Also machten wir am Wartesteg fest und warteten geduldig auf weitere Boote. Offenbar macht man sich inzwischen auch auf der Saar Gedanken über den Wasserstand. Noch ist hier alles gut befahrbar, doch viele Kanäle sind schon wegen Wassermangel gesperrt
Nach gut einer halben Stunde sprang die Ampel endlich auf Grün und wir durften einfahren. Sechs Meter ging es anschließend nach oben.


Ein kleines Highlight wartete wenig später auf uns an einem kleinen Ladehafen: Dort wurde ein Boot von außen mit einem Dampfstrahler gereinigt. Das Kuriose daran: Eine Frau saß dabei in einem Arbeitskorb und fuhr Stück für Stück an der Bordwand entlang. Fast schon das Spannendste, was wir heute unterwegs gesehen haben.


Gegen halb drei erreichten wir Saarlouis. Zu unserer Freude war der Anlegeponton tatsächlich noch frei. Martin hatte gestern Nachmittag vorsorglich ein Reserviert-Schild angebracht. Tja, manchmal gilt eben doch: Frechheit siegt.


Anschließend schwangen wir uns auf unsere Fahrräder und fuhren zurück nach Merzig, um das Auto zu holen. Unterwegs erledigten wir noch den Einkauf, denn morgen dürfen wir bereits die nächsten Gäste an Bord begrüßen.
Den Abend ließen wir schließlich ganz entspannt ausklingen .

Aug.

5

Wieder begrüßte uns ein strahlender Morgen an der Saar bei Besseringen. Ganz früh lag ein Nebelschleier über dem Fluss . In der Nacht kühlt es zum Glück immer angenehm ab, sodass wir unser leckeres Frühstück ganz entspannt an Deck genießen konnten.
Nach dem Frühstück hieß es vom Skipper: Leinen los. Unser Ziel war heute Merzig. Die Etappe war bewusst kurz gewählt, damit Martina und Norwin genügend Zeit für ihren geplanten Ausflug zur Saarschleife hatten. Bereits nach etwa einer Stunde legten wir in Merzig an. Beim Festmachen ist Norwin inzwischen schon richtig eingespielt ,jeder Handgriff sitzt.
Nachdem wir angelegt hatten, machten sich Martina und Norwin auf den Weg zu ihrem Auto, das Norwin bereits am Vortag vorausgefahren hatte. Martin und ich nutzten die Zeit an Bord, erledigten ein paar Arbeiten und ließen gleich noch eine Maschine Wäsche laufen.
Schon bald erreichten uns die ersten Fotos von ihrem Ausflug. Von der Aussichtsplattform Cloef und dem Baumwipfelpfad bot sich ihnen ein wunderschöner Blick auf die Saarschleife. Beide waren begeistert. Anschließend fuhren sie weiter zur Römischen Villa Nennig.


Berühmt ist die Villa vor allem wegen ihres prachtvollen Mosaikbodens, der zu den spektakulärsten seiner Art nördlich der Alpen zählt. Damit gehört sie zu den bedeutendsten römischen Baudenkmälern des Saarlandes. Die Motive des außergewöhnlich gut erhaltenen Mosaiks sind weltweit bekannt und zeigen in acht symmetrisch angeordneten Bildfeldern den Ablauf eines Spektakels im Amphitheater .
Am späten Nachmittag kamen die beiden voller Begeisterung zurück an Bord und erzählten von dem faszinierenden Mosaik und dem herrlichen Ausblick über die Saarschleife. Danach gönnten wir uns alle noch eine kleine Pause, bevor wir uns gegen 19 Uhr zu Fuß auf den Weg in die Merziger Altstadt machten.
Martina hatte ein gemütliches, typisch saarländisches Lokal ausgesucht, das auf eine bewegte Geschichte zurückblicken kann. Der Jugendstilbau entstand um die Jahrhundertwende und beherbergte über drei Jahrzehnte eines der bekanntesten Warenhäuser der Region. Nach dem Zweiten Weltkrieg stand das Gebäude lange leer, wurde später von verschiedenen Eigentümern genutzt und diente zwischenzeitlich sogar als Autohaus. In den vergangenen Jahrzehnten zog schließlich die Gastronomie ein – und das war für uns ein Glücksfall. Das Essen war ausgesprochen lecker und mehr als reichlich.
Auch der Rückweg durch die Stadt war sehr schön. Die vielen gut erhaltenen Barockbauten verleihen Merzig einen ganz besonderen Charme.


Zurück an Bord durfte natürlich unsere inzwischen traditionelle Runde Wizard nicht fehlen. Diesmal spielten wir im Dunkeln bei Lampenlicht. Wir haben so viel gelacht, dass man unsere Kommentare eigentlich hätte aufnehmen müssen. Martin sicherte sich den Sieg, Norwin belegte den zweiten Platz.
Gegen 23 Uhr wurde es draußen spürbar frisch. Müde verschwanden wir nach einem rundum gelungenen Tag in unsere Kabinen. Nur Norwin blieb noch eine Weile an Deck, genoss die klare Nachtluft und die wohltuende Ruhe auf der Saar.

Aug.

4

Das Shoppingfieber ist ausgebrochen. Schließlich lag die Outletmetropole Mettlach direkt vor unserer Haustür. Unser erster Stopp war das Villeroy & Boch Outlet. Während Martin und Norwin sich Eintrittskarten für die Erlebniswelt – eine Kombination aus Geschichte, Ausstellung und Verkauf – kauften, blieben Martina und ich im riesigen Outlet zurück. Zwischen wunderschön gedeckten Tischen, edlem Porzellan und den liebevoll gestalteten Oster- und Weihnachtstellern gab es jede Menge zu entdecken. Martina fand ein kleines Mitbringsel, bevor wir gemeinsam weiter durch die Stadt schlenderten.


Mettlach ist ein wahres Paradies für Shoppingfreunde. Neben Villeroy & Boch gibt es zahlreiche weitere Outlets, unter anderem von WMF, MAC, Trigema, Vossen und Bassetti. Doch trotz der großen Auswahl blieb unser Geldbeutel heute weitgehend verschont. Für den Haushalt brauchen wir nichts und unsere Schränke sind ohnehin gut gefüllt. Lediglich Martina konnte bei Trigema einem schönen Shirt nicht widerstehen, sowie Martin einer Eisdiele, an der wir vorbei kamen. So kehrten wir ganz entspannt und ohne große Einkaufstaschen zum Boot zurück.


Dort wartete schon das nächste kleine Abenteuer. Martin funkte die Schleuse an und fragte, ob wir passieren könnten. Die Antwort lautete: „Fahren Sie schon einmal vor, machen Sie an der Mauer fest – es könnte etwas dauern.“ Also Leinen los und in fünf Minuten hatten wir umgeparkt.
Gerade als wir festgemacht hatten, verließ das Ausflugsschiff Saarstern die kleine Schleusenkammer. Martin dachte natürlich, jetzt könnten wir direkt hineinfahren. Also funkte er noch einmal nach. Doch erneut kam die Antwort: „Bitte an der Mauer warten.“ Besonders begeistert war Martin darüber nicht, weil sich nichts tat.
Ich marschierte schließlich zur Schleuse hinauf, winkte freundlich in die Kamera an der Sprechanlage und fragte höflich, mit welcher Wartezeit wir ungefähr rechnen müssten. Die Antwort war ebenso freundlich wie wenig aussagekräftig: „Ich bin zeitnah so weit.“ Was auch immer „zeitnah“ genau bedeutet.
Kaum war ich wieder zurück auf dem Boot, klingelte auch schon das Funkgerät: Die Schleuse war bereit und wir konnten einfahren. Die grüne Ampel war von unserem Liegeplatz aus schlicht nicht zu sehen. Also hinein in die Kammer! Die zehn Höhenmeter meisterten wir inzwischen schon fast routiniert: Martina und ich kümmerten uns um die Leinen am Bug, Martin und Norwin arbeiteten am Heck – und alles klappte wie am Schnürchen.


Oben angekommen befanden wir uns bereits fast an der berühmten Saarschleife. Für viele Besucher des Saarlandes gehört dieser Ausblick zu den schönsten Erinnerungen überhaupt. Vom Aussichtspunkt Cloef oder vom Baumwipfelpfad aus bietet sich ein atemberaubender Blick auf die große Flussschleife. Aber auch vom Wasser aus zeigt sich dieses Naturwunder von seiner schönsten Seite. Morgen wollen Martina und Norwin den Aussichtspunkt besuchen – schließlich gehört der Blick von oben einfach dazu.
Unser Tagesziel war der lange Kai in Besseringen, wo wir pünktlich zur Kaffeezeit festmachten. Am Morgen hatte ich noch schnell einen Käsekuchen mit Himbeeren und Blaubeeren in den Ofen geschoben, der nun genau zur richtigen Zeit fertig war. So ließen wir uns den Kuchen bei einer Tasse Kaffee schmecken.


Anschließend machten sich Martin und Norwin noch einmal mit den Rädern auf den Weg zurück nach Mettlach, um das Auto zu holen und direkt nach Merzig zu fahren. Martina und ich genossen derweil einen herrlich ruhigen Nachmittag an Deck. Abends gab’s Steaks, Kartoffelsalat und Antipasti, danach wieder ein lustiges Wizard Spiel mit den typischen Äußerungen
„….hätte ich doch….“

im Dunkeln haben wir dann noch die gemischte Palette an Musik vom Hitster geraten. Da hatten wir alle Defizite bei den Künstlern, obwohl die Musik immer im Radio läuft . Heute war ein gelungener Mix aus Shopping, Schleusenabenteuer , Saar-Idylle und Spaß am Abend.

Aug.

3

Ausnahmsweise begann der Tag heute deutlich früher als geplant. Punkt sechs Uhr wurden wir , zumindest alle außer Martin ,von einem tiefen Rauschen und lauten Motorengeräuschen geweckt. Der große Frachter, der gestern Abend mit viel Getöse hinter uns festgemacht hat legte genauso spektakulär , wie er kam, wieder ab.
Nach einem gemütlichen Frühstück machten sich Martina und Norwin mit den Fahrrädern auf den Weg nach
Saarburg. Ihr Ziel war das Glockengießermuseum. Das Museum Glockengießerei Mabilon in Saarburg ist ein einzigartiges, original erhaltenes Industriedenkmal. Gegründet im Jahr 1770 von Urbanus Mabilon, wurde die Gießstätte nach der Schließung Ende 2002 in ein lebendiges Museum und soziokulturelles Zentrum umgewandelt. Besucher können hier den gesamten Entstehungsprozess einer Glocke in den authentischen Werkstätten nachvollziehen. Martin und ich blieben an Bord und kümmerten uns um die Dinge, die eben auch dazugehören. Martin arbeitete am Computer, während ich drinnen und draußen haushaltstechnisch unterwegs war.


Kurz vor zwölf kamen die beiden gut gelaunt zurück. Sie erzählten begeistert von ihrem Museumsbesuch und waren beeindruckt von der interessanten Geschichte des Glockengusses. Außerdem hatten sie noch frisches Brot vom Bäcker mitgebracht
Sobald die Fahrräder wieder verstaut waren, legten wir ab. Langsam fuhren wir an Saarburg vorbei und konnten die wunderschöne Stadt noch einmal vom Wasser aus bewundern.
Bis zur Schleuse Serrig übernahm Norwin erneut das Steuer, während Martina es sich draußen unter dem Sonnendach gemütlich machte und die herrlich grüne Landschaft bewunderte.


An der Schleuse Serrig hieß es dann erst einmal warten. Ein großer Frachter und ein Schubverband sollten gemeinsam mit uns, oder besser gesagt, wir mit ihnen, geschleust werden. Zunächst war geplant, dass wir mit in die große Kammer fahren, doch am Ende reichte der Platz nicht aus. Also bereitete der Schleusenmeister für uns die kleine Kammer vor ,was natürlich wieder etwas Zeit in Anspruch nahm.
Auch in dieser Schleuse waren Martina und Norwin wieder eine große Hilfe. Durch den Höhenunterschied von rund 14 Metern mussten die Leinen mehrfach umgehängt werden. Nach über einer Stunde konnten wir endlich die Schleuse verlassen und unsere Fahrt Richtung Mettlach fortsetzen.


Etwa zwei Stunden später tauchte am Horizont schon der markante Schlot der Keramikmanufaktur auf – das Wahrzeichen der Villeroy-&-Boch-Stadt Mettlach. Zu unserer Freude war der Anleger mitten im Ort frei. Das Anlegen war dort zwar etwas knifflig, klappte aber schließlich problemlos.
Kaum waren wir fest, machten sich Martin und Norwin mit den Fahrrädern wieder auf den Weg. Wie jeden Tag fuhren sie zurück , heute 21 km, nach Saarburg, um die Autos nachzuholen. Martina und ich blieben an Bord. Es war inzwischen drückend heiß und unglaublich schwül. An einen Stadtbummel war gar nicht zu denken, deshalb verschoben wir unser geplantes Shopping auf den nächsten Morgen.


Schon den ganzen Nachmittag hörten wir es immer wieder in der Ferne donnern. Zunächst sah es so aus, als würde das Gewitter an uns vorbeiziehen, doch plötzlich öffnete der Himmel doch noch seine Schleusen. Wir blieben unter dem Sonnendach sitzen und genossen den Regen und die endlich etwas kühlere Luft. In einer trockenen Pause kamen auch Martin und Norwin wieder zurück. Schnell wurden die Fahrräder verstaut, bevor sich jeder mit einem Buch oder einfach dem Blick auf den Regen eine kleine Auszeit gönnte. Leider war der Schauer schnell wieder vorbei, aber zumindest brachte er eine kleine Abkühlung.
Währenddessen bereitete ich das Abendessen vor. Die Bolognese hatte ich bereits mittags gekocht, damit sie schön durchziehen konnte. Der Salat war schnell fertig, die Nudeln ebenso, und Norwin kümmerte sich noch um den Parmesan. Gemeinsam schmeckte das Essen gleich doppelt so gut.


Danach war wieder Spieleabend angesagt. Zuerst spielten wir eine Runde Wizard – diesmal durfte ich mich über den Sieg freuen. Anschließend weihten wir das neue Spiel ein, das Martina und Norwin mitgebracht hatten: Codenames. Wir hatten jede Menge zu lachen. Gegen elf Uhr verabschiedete sich Martina schließlich in ihre Kabine, während Norwin den Abend noch mit einem Buch draußen an der inzwischen angenehm frischen Luft ausklingen ließ.