Okt.

16

In der Nacht hat es uns noch einmal ganz schön durchgeschüttelt. Am Morgen wurde es zwar zunehmend ruhiger, doch draußen war es immer noch empfindlich kühl und der Himmel zeigte sich in einem ziemlich tristen Grau. Aber irgendwo am Horizont war eine kleine blaue Lücke zu erkennen. Unser Ziel war klar: Da wollen wir hin.
Das Frühstück verlegten wir kurzerhand wieder nach drinnen.

Während wir noch gemütlich zusammensaßen, wurde es draußen langsam heller und es kam Bewegung auf. Schon in den frühen Morgenstunden machten sich zahlreiche Segler auf den Weg. Martin kommentierte das Ganze mit einem Grinsen, „Die Flucht aus Poros“
Nachdem bei uns alles klar Schiff war, wurde auch das Dinghi aufgeräumt. Es fehlten nur noch die Schwimmleinen, die wir an den Felsen festgemacht hatten. Klaus erklärte sich freiwillig bereit, sie zu lösen. Martin wies ihn und die Crew noch kurz ein, dann ging alles recht flott. Klaus war wieder an Bord und endlich konnten auch wir nach unserem unfreiwilligen Zwischenstopp die Leinen losmachen.


Mit uns fuhren unzählige andere Segelboote auch Richtung Athen. Was sich da auf dem Wasser abspielte, sah richtig toll aus, fast wie bei einer Segelregatta!
Da noch ordentlich Wind wehte, setzten wir das Großsegel, natürlich gerefft, und rollten die Genua aus. So rauschte die Georgina mit Windgeschwindigkeiten zwischen 15 und 32 Knoten in Richtung Epidaurus. Den Kaffee gab es heute ausnahmsweise unterwegs, sonst wäre es zu spät geworden.


Nach rund sechs Stunden erreichten wir den alten Hafen von Epidaurus. Leider hatten viele andere Segler offenbar dieselbe Idee gehabt und waren vermutlich ein wenig früher gestartet. Für uns war kein Platz mehr zu finden. Also drehten wir um und steuerten den neuen Hafen an. Doch auch dort war alles belegt. Schließlich blieb uns nichts anderes übrig, als draußen zu ankern.


Um 18 Uhr setzte Martin Waltraud, Norbert und mich schon einmal mit dem Dinghi an Land. So blieb uns noch etwas Zeit, das nette Städtchen zu erkunden.Und was soll ich sagen? Hier fühlt man sich auf Anhieb wohl! Die Häuser mit ihren warmen Farben und der charmanten Architektur erinnern irgendwie an die Toskana. Überall waren Orangen und Granatapfelbäume.
An Bord hatten wir uns bereits auf ein Restaurant geeinigt. Ich reservierte für 19 Uhr einen Tisch im Regalo. Der Wirt war ausgesprochen nett und freute sich offenbar über unseren Besuch.


Bevor wir uns zum Essen trafen, schaute ich mir noch die Kirche Agios Nikolaos an. Sie wirkte mit ihrer imposanten Erscheinung beinahe wie ein kleiner Palast. Dank der vielen Segler, die inzwischen im Hafen und vor der Küste lagen, hatten auch noch zahlreiche Geschäfte geöffnet. Es herrschte eine richtig schöne Abendstimmung im Ort.
Norbert und Waltraud hatten es sich inzwischen schon in einem Restaurant am Hafen gemütlich gemacht und warteten dort auf den Rest der Crew. Als wir schließlich alle beisammen waren, ging es gemeinsam ins Regalo.
Der Wirt war aufmerksam, flott und ausgesprochen herzlich. Die Vorspeisen standen im Nu auf dem Tisch und schmeckten hervorragend. Auch bei den Hauptgerichten gab es nichts zu beanstanden. Die guten Google-Bewertungen waren offenbar mehr als verdient.Zum Nachtisch wurde uns noch ein Kuchen serviert, der in Orangensirup getränkt war. Köstlich, aber auch unglaublich süß!

Eigentlich hatten wir danach noch Lust auf ein Eis, doch weil wir so satt waren, beschlossen wir, darauf lieber zu verzichten.Martin übernahm anschließend wieder den Fährdienst mit dem Dinghi und brachte uns in zwei Touren zurück zur Georgina.


Zurück an Bord ließen wir es gemütlich angehen. Nach dem turbulenten Wetter, dem aufregenden Ablegen und der langen Segelstrecke hatten wir uns keine Lust mehr auf ein Spiel. Bei einer Flasche Wein ließen wir den Tag noch einmal Revue passieren.

Okt.

14

Die Nacht hatte es in sich: Es regnete ordentlich, und dazu war es empfindlich frisch. Nur der angekündigte Wind ließ sich zunächst noch etwas Zeit. Dafür war es an Deck bereits so zugig, dass wir heute zum ersten Mal unseren Frühstückstisch nach drinnen verlegten. Leo zauberte Rühreier und im Salon war es am großen Tisch richtig schön kuschelig. Draußen konnte das Wetter machen, was es wollte , wir hatten es auf jeden Fall gemütlich.
Gegen neun Uhr nahm der Wind dann zunehmend Fahrt auf. Der Himmel war dunkelgrau und komplett zugezogen. Bei unseren Nachbarbooten herrschte reges Treiben. Überall waren die Crews an Land unterwegs, um ihre Landleinen zu kontrollieren. Martin nahm unsere Leinen sicherheitshalber mit dem Fernglas unter die Lupe. Alles bestens. Ludwig und Klaus hatten bei der Vorbereitung ganze Arbeit geleistet.


Mit dem stärker werdenden Sturm zog es nach und nach fast alle zurück in die Kojen. Nur Leo hielt tapfer die Stellung und vertiefte sich in sein Buch. Der Wind wurde immer heftiger, und die Georgina schaukelte ordentlich in der Bucht. Leo, Ludwig und Norbert machten es sich im Salon gemütlich und harrten der Dinge.

Der Rest der Crew tauchte zwischendurch immer wieder auf, um sich einen kleinen Snack zu gönnen, bevor es zurück in die Kojen ging.Ein richtiger Sturmstop in der Bucht eben , nicht unbedingt eingeplant, war aber wegen dem Wetter notwendig. Am Nachmittag kam endlich unser Lieblingskartenspiel wieder auf den Tisch „Wizard“ . In den letzten Wochen hatten wir viel zu selten gespielt, also wurde es höchste Zeit. Zwischen den Kartenrunden wurde natürlich auch ausgiebig über die verschiedenen Wetterprognosen gefachsimpelt, auch wenn das Wetter gelegentlich seine ganz eigenen Pläne verfolgt.Gegen den späten Nachmittag ließ der Wind ein wenig nach. Dick eingepackt konnte man sich nun auch wieder nach draußen wagen. Und als hätte das Wetter ein Einsehen mit uns, lugte tatsächlich die Sonne zwischen den Wolken hervor. Sie zauberte ein wunderschönes Licht über die Bucht und ließ den stürmischen Tag für einen Moment gleich viel freundlicher erscheinen.Doch nicht nur wir und die Georgina hatten mit dem Sturm zu kämpfen. Auch ein kleiner, ziemlich erschöpfter Besucher suchte offenbar Schutz bei uns. Eine Taube mit einer ganz besonderen Färbung landete am Bug der Georgina. Dort ruhte sie sich eine Weile aus, bevor sie sich frech und munter übers Trampolin hüpfte.

Alex und Klaus, die es sich oben auf der Flybridge „gemütlich“ oder besser gesagt windtauglich gemacht hatten, berichteten sogar, dass die kleine Federkugel schon länger auf dem Boot war. Offenbar hatte sie die Georgina kurzerhand zu ihrem persönlichen Sturmquartier erklärt. Irgendwann machte sie sich wieder davon , hoffentlich mit etwas mehr Kraft für den Weiterflug.

Am Abend übernahm Waltraud das Kommando in der Kombüse. Es gab Nudeln mit Tomatensoße und Salat. Klaus kümmerte sich um den Tisch, und schon bald saßen wir wieder alle gemütlich beisammen. Das Essen schmeckte, alle wurden satt, und draußen tobte der Wind weiter.

Drinnen war es warm, gemütlich und einfach schön.Ludwig und Leo machten anschließend noch klar Schiff, bevor uns die nächste Herausforderung erwartete: die Hornochsen! Acht lustige Runden lang wurde gezockt, geblufft, mitgefiebert und natürlich jede Menge gelacht. Am Ende des Abends stand unser Youngster Ludwig als Hornochse mit den meisten Punkten fest.


Nach so einem langen, wetterbedingt eher zähen Tag in unserer Ankerbucht waren schließlich alle froh, in die Kojen zu verschwinden. Draußen fegte immer noch der Sturm über die Bucht und alle hofften auf eine ruhige Nacht.

Okt.

13

Schon in den frühen Morgenstunden herrschte an Bord rege Betriebsamkeit. Unser heutiges Ziel hieß Poros, die grüne Perle im saronischen Golf und bis dorthin lagen rund 45 Seemeilen vor uns. Martin wollte spätestens um acht Uhr ablegen. Bei mäßigem bis gar keinem Wind rechnete er mit etwa zehn Stunden Fahrt. Klaus und ich machten uns noch schnell auf den Weg zum Bäcker, um frisches Brot und ein paar süße Teilchen für unseren langen Schlag zu besorgen. Gefrühstückt wurde heute ganz nach individuellem Bedarf , schließlich wollten wir keine Zeit verlieren. Einige andere Boote waren sogar schon kurz nach sechs Uhr gestartet. Vermutlich wollten auch sie das für morgen vorhergesagte, ungünstige Wetterfenster mit kräftigem Wind umgehen. Pünktlich um acht hieß es dann wie jeden Tag: Anker auf und Leinen los! Für die Verpflegung unterwegs war ebenfalls gesorgt. Waltraud und Norbert zauberten einen leckeren Thunfischdip für später.


Anfangs kamen wir allerdings nur schleppend voran. Es herrschte nahezu Windstille, und so tuckerten wir gemütlich mit dem Motor dahin. Die Flaute wurde kurzerhand zur Gelegenheit für eine kleine Knotenkunde auf der Flybridge. Klaus übte fleißig und Norbert gesellte sich dazu . Alex machte es sich vorne gemütlich, um in Ruhe zu lesen. Auch einige andere Segelboote waren unterwegs. Schließlich passierten wir Agios Georgios, die Insel mit den zahlreichen Windrädern, die schon von Weitem gut zu erkennen waren.
Gegen halb eins war es Zeit für eine kleine Stärkung. Auf den Tisch kamen der selbst gemachte Thunfischdip, Eier, Tomaten und Gurken. Für den süßen Genuss zwischendurch teilte ich die Bougatsa, die wir am Morgen beim Bäcker gekauft hatten. Das griechische Blätterteiggebäck schmeckt wunderbar als kleines süßes Häppchen , genau das Richtige für unterwegs.
Und dann, gegen ein Uhr frischte tatsächlich der Wind plötzlich auf! Die Genua wurde ausgerollt, der Motor ausgeschaltet , was für eine Wohltat! Endlich konnten wir richtig segeln und düsten bei etwa zehn Knoten über das Wasser. Poros war bereits in Sichtweite, und die Stimmung an Bord wurde gleich noch ein bisschen besser.


Um halb vier erreichten wir schließlich den Hafen von Poros-Stadt. Poros verzaubert mit pastellfarbenen Häusern, kleinen Tavernen und einem malerischen Hafen, über dem der weiße Uhrturm thront. Anders als viele griechische Inseln ist Poros wunderbar grün: Pinienwälder reichen bis ans türkisfarbene Meer. Für Segler sind die geschützten Buchten und das lebendige Hafenstädtchen besonders reizvoll. Doch die Freude auf einen gemütlichen Liegeplatz wurde schnell gedämpft. Der Hafen war proppenvoll! Langsam fuhren wir an der Promenade entlang, vorbei an Segelbooten, die dicht an dicht lagen. Manche lagen sogar schon im sogenannten Päckchen, also mehrere Boote nebeneinander. Martin drehte noch eine zweite Runde, doch auch diesmal war weit und breit kein freier Platz zu entdecken.
Da auch außerhalb des Hafens bereits zahlreiche Segler ankerten, entschied Martin, die Stadt hinter uns zu lassen und einen Ankerplatz etwas außerhalb anzusteuern.
An der Russian Bay lagen bereits einige Segelboote, deren Crews ihre Boote mit Leinen an den Felsen gesichert hatten. Nun sollten auch unsere Schwimmleinen zum ersten Mal zum Einsatz kommen. Ludwig und Klaus sprangen ins Wasser und schwammen zu den Felsen hinüber, um die Leinen dort zu befestigen. Was für eine Aktion. Aber beide erledigten ihre Aufgabe super. Anschließend hangelte sich Klaus an der Leine zurück zum Boot, während Martin danach mit dem Dinghi noch einmal alles kontrollierte. Am Ende saß alles, und wir lagen sicher vor Anker.


Dann machten wir uns fertig für den Landgang. Bis nach Poros-Stadt mussten wir knapp eine Stunde laufen. Martin hielt unterwegs kurzerhand ein Auto an, mit dem Waltraud und Norbert schon einmal vorausfahren konnten. Die beiden wollten sich nach einem passenden Restaurant für den Abend umsehen.


In Poros vereinbarten wir einen Treffpunkt für 19 Uhr. Bis dahin konnte jeder die Stadt auf eigene Faust erkunden, ein wenig bummeln oder einfach das griechische Flair genießen. Martin, Ludwig und ich stiegen , nachdem wir uns ein Eis gegönnt haben, viele Treppen hoch zum Glockenturm. Die Aussicht war toll von da oben


Zum gemeinsamen Abendessen trafen wir uns alle zusammen im Poseidon Restaurant. Es war gut besucht, doch die Kellner waren ausgesprochen flink und freundlich. Das Essen schmeckte hervorragend, und auch die Portionen konnten sich wirklich sehen lassen! Nach dem langen Tag auf dem Wasser und dem langen Fußmarsch waren wir allerdings alle ziemlich geschafft. So langsam machte sich die Müdigkeit breit.

Gegen neun Uhr bestellten wir ein Taxi zurück zur Russian Bay. Von dort ging es mit dem Dinghi die letzten Meter hinaus zu unserem Boot.
Wieder an Bord, stand noch ein wichtiger Punkt auf dem Programm: der Wettercheck. Es waren Gewitter, Starkregen und kräftiger Wind angekündigt. Das klang nicht gerade gemütlich. Zum Glück liegen wir in unserer Bucht gut geschützt und hoffen, dass wir die Nacht ruhig überstehen.
Nach diesem langen, ereignisreichen Tag zog sich einer nach dem anderen in die Kojen zurück. Jetzt hoffen wir nur noch auf eine ruhige Nacht und darauf, dass das angekündigte Wetter nicht ganz so ungemütlich wird wie befürchtet.

Okt.

12

Die Nacht war eigentlich ganz ruhig ,wenn da nicht das Gequietsche einer Festmacherleine gewesen wäre. Norbert hielt es morgens um vier Uhr schließlich nicht mehr aus und kümmerte sich darum. Danach war wieder Ruhe an Bord.
Am Morgen zeigte sich die Chora von ihrer schönsten Seite, als die aufgehende Sonne die weißen Häuser in einem tollen Licht anstrahlte.. Ein herrlicher Anblick.

Nach unserem wie immer reichhaltigen Frühstück rief Martin die ganze Mannschaft zusammen. Da das Anlegemanöver am Vortag noch etwas holprig verlaufen war, gab es kurzerhand eine kleine Nachhilfestunde. Martin zeigte noch einmal, wie man die Leinen richtig auf den Klampen belegt und wie man sie beim Anlegen geschickt wirft.


Danach hieß es wieder: Leinen los und Anker auf.


Etwa fünf Stunden lagen vor uns. Leider spielte der Wind zunächst nicht mit, sodass wir die Strecke unter Motor zurücklegen mussten. Dafür verwöhnte uns die Sonne, und wir konnten es uns an Deck gemütlich machen. Gegen Mittag kam dann tatsächlich etwas Wind auf ,allerdings genau aus der Richtung, in die wir wollten. Und als wäre das nicht genug, frischte er auch noch ordentlich auf.


Waltraud hatte Martin inzwischen nach einem Badestopp gefragt. Seine Antwort war natürlich: Klar, kein Problem. Um 15 Uhr erreichten wir die wunderschöne Bucht von Kolona. Hier hatten wir beim ersten Törn auf der anderen Seite geankert, ganz in der Nähe der heißen Quelle.
Nach Kaffee und Kuchen hielt es Alex und Klaus nicht mehr an Bord. Sie schnappten sich gleich ein SUP und sprangen ins Wasser. Von dort aus schwammen sie sogar bis hinüber zur Sandbank. Und Waltraud wagte auch den Sprung ins kühle Nass. Die übrige Mannschaft beobachtete das Ganze lieber gemütlich vom Boot aus.


Als alle Schwimmer wieder wohlbehalten an Bord waren, lichteten wir den Anker und machten uns auf den Weg nach Merihas.
Und siehe da: Das Anlegemanöver klappte heute schon deutlich besser! Nach gerade einmal zehn Minuten war alles erledigt. Prima.


Anschließend machte sich die gesamte Crew auf den Weg an Land, um den kleinen Hafenort ein wenig zu erkunden. Martin und ich bummelten ebenfalls durch die Straßen. Zunächst ging es über gefühlt unzählige Treppen nach oben, vorbei an vielen leer stehenden Apartments, die offenbar bereits für die Winterpause vorbereitet waren. Von oben hatten wir dafür einen schönen Blick hinunter auf die Marina.


Mitten im Dorf sprach uns dann ein Wirt an. Wir standen gerade vor seiner Taverne, und er erzählte uns begeistert von den griechischen Gerichten, die seine Mama alle selbst zubereitet. Ob wir nicht am Abend zum Essen kommen wollten? Er drückte Martin noch seine Visitenkarte in die Hand.
Das klang doch richtig gut! Wir wollten die Idee erst einmal mit der Crew besprechen und versprachen, uns zu melden.
Als wir zum Boot zurückkamen, stellte sich heraus, dass der gute Mann offenbar sehr fleißig gewesen war: Jeder hatte mittlerweile seine Visitenkarte bekommen. Er hatte einfach alle Gäste aus unserer Mannschaft angesprochen und das mit einem so angenehmen Charme, dass man ihm kaum widerstehen konnte.
Also machten wir uns um halb sieben gemeinsam auf den Weg zu Kostas’ Taverne.
Die anderen Lokale waren nahezu leer, bei Kostas dagegen war es gerammelt voll. Na, wenn das kein gutes Zeichen war! Irgendetwas musste er schließlich richtig machen.


Wir bestellten verschiedene Vorspeisen zum Teilen und dazu eine bunte Auswahl griechischer Spezialitäten: Babyziege, Souvlaki, Moussaka und Lammkoteletts. Da war für jeden etwas dabei, und schon während des Essens herrschte eine richtig gute Stimmung.
Zurück an Bord ging der gemütliche Abend nahtlos weiter. Heute gab es ausnahmsweise einmal kein Spiel. Stattdessen saßen wir einfach zusammen, plauderten über Gott und die Welt, lachten viel und die Crew gönnte sich das eine oder andere Glas Wein.
Kein großes Programm, keine besonderen Aktivitäten , einfach ein schöner, entspannter Abend.

Okt.

11

Der erste Morgen mit unserer neuen Crew an Bord der Georgina. Natürlich durfte da ein ordentliches Frühstück nicht fehlen. Kaffee, Tee, frisches Obst, Joghurt fürs Müsli, Wurst und Käse standen bereit. Alle hatten mehr oder weniger gut geschlafen, und Klaus war der Erste, der sich im Salon blicken ließ.
Ich wollte noch schnell zum Bäcker, um frisches Brot zu holen. Allerdings hatte der erste Bäcker bereits Winterpause. Beim zweiten hatte ich dann Glück! Inzwischen saßen alle schon am Frühstückstisch und warteten auf das Brot. Als alle satt waren, hieß es für unsere neue Crew zum ersten Mal: Leinen los und Anker auf.
Die Aufgaben wurden verteilt, die Fender in der Vorschiffkabine verstaut und die Leinen ordentlich aufgeschossen und aufgeräumt. Das ist halt der übliche Ablauf.


Unser heutiges Ziel war Serifos, das wir bereits mit der ersten Crew angelaufen hatten. Rund 30 Seemeilen lagen vor uns. Anfangs war der Wind noch recht mäßig, doch im Laufe des Tages frischte er auf. Das Großsegel wurde gesetzt und die Genua aufgerollt. Es wurde gekreuzt, der Wind nahm weiter zu und die Segel mussten gerefft werden. So hatten wir doch noch einen schönen Segeltag, bei dem unsere neue Crew gleich ein bisschen Segelpraxis sammeln konnte.

Gegen 16 Uhr erreichten wir Serifos. Im Hafen hieß es dann wieder: Fender raus, Leinen vorbereiten und das Anlegemanöver angehen. Das klappte eigentlich ganz gut, auch wenn Martin mit dem Wind zu kämpfen hatte. Anschließend mussten wir die Leinen noch einmal umsetzen, weil der Hafenmeister die Pollerbelegung anders haben wollte.

Aber auch das war schnell erledigt, und wir konnten uns erst einmal einen wohlverdienten Kaffee gönnen.Danach lockte uns die Chora, das hoch oben am Hang gelegene Hauptdorf von Serifos. Leo, Klaus, Ludwig, Martin und ich machten uns zu Fuß auf den Weg über den Wanderweg hinauf. Norbert, Waltraud und Alexandra teilten sich derweil mit unseren Bootsnachbarn ein Taxi und fuhren bequem nach oben.
Ludwig und ich waren unserer Wandergruppe ein Stück voraus. Allerdings bogen wir offenbar irgendwann falsch ab. Martin war deshalb als Erster an der Platia und schickte mir kurzerhand seinen Standort. Navigation per Handy , auch beim Wandern manchmal ganz hilfreich.

Unterwegs trafen wir in den verwinkelten Gassen wieder auf Leo und Klaus. Gemeinsam machten wir uns auf den Weg zum höchsten Punkt, hinauf zur kleinen Kapelle. Dort wurden wir mit einem grandiosen Ausblick über die Bucht und den Hafen belohnt.


Von oben entdeckten wir auch den Rest unserer Gruppe, der sich durch die Gassen bewegte. Waltraud, Norbert und Alexandra waren ebenfalls zu Fuß unterwegs. Irgendwann trafen wir uns alle in dem einzigen Café, das noch geöffnet hatte. Leider mussten wir feststellen, dass die Platia bereits im Winterschlaf lag. Die meisten Lokale und Geschäfte hatten geschlossen. Wie anders war es doch noch vor vier Wochen gewesen. Damals hatten wir Serifos voller Leben erlebt, mit geöffneten Tavernen und Menschen in den Gassen. Gottseidank habe ich diese lebendige Seite der Insel noch kennenlernen dürfen. Jetzt kündigt sich langsam das Ende der Saison an.

Also machten wir uns wieder an den Abstieg nach unten. Martin, Ludwig, Norbert, Waltraud und ich ließen es beim Abstieg etwas gemütlicher angehen. Leo, Klaus und Alexandra bildeten die Vorhut und suchten schon einmal nach einem passenden Restaurant fürs Abendessen. Ihre Wahl fiel auf das Mpapakaki . Das Restaurant liegt direkt am Wasser, und die Tische stehen mitten im Sand. Genau die richtige Kulisse für einen entspannten Abend auf einer griechischen Insel.
Als wir unten ankamen, setzten wir uns zu den anderen. Das Essen kam erfreulich schnell und war lecker, denn nach der Wanderung hatten wir alle ordentlich Hunger.


Auch hier war der Unterschied zu den vergangenen vier Wochen deutlich zu spüren. Zwar waren noch einige Touristen unterwegs, aber von dem Trubel, den wir vor einem Monat erlebt hatten, war nicht mehr viel übrig. Bald wird auch auf Serifos endgültig die Winterruhe einkehren. Zurück auf der Georgina war der Abend noch lange nicht vorbei. Schließlich standen noch drei Spiele unserer beliebten Hornochsen-Runde aus. Also: Karten auf den Tisch und los ging’s.
Leider setzte Norbert seine beeindruckende Punktesammlung fort und sicherte sich am Ende des Abends den Titel unseres Hornochsenkönigs. Herzlichen Glückwunsch.
Martin und ich spielten anschließend noch eine Runde Backgammon im Salon. Er hat nicht gewonnen.
Draußen im Cockpit saß der Rest der Crew noch gemütlich zusammen. Es wurden Geschichten rund ums Segeln erzählt, Erinnerungen ausgetauscht und natürlich auch ordentlich Seemannsgarn gesponnen. So verging die Zeit wie im Flug.
Damit ging der erste Tag unserer neuen Crew zu Ende: mit einem schönen Segeltag, einer Wanderung durch die verwinkelten Gassen von Serifos, gutem Essen direkt am Meer und einem geselligen Abend an Bord.