Sep.

16

Heute Morgen herrschte schon früh reges Gewusel in der Pantry. Martin wollte zeitig los, deshalb stand bereits um halb acht das Frühstück auf dem Tisch. Werner sorgte gleich für gute Stimmung und trällerte uns ein lustiges Ständchen vor , so dass wir Gleichnis der Früh gut gelaunt waren.
Nachdem alles wieder verstaut und aufgeräumt war, hieß es für unser Ankerteam Lorenz und Johannes: Anker auf und los Richtung Serifos.
Die Insel ist eng mit dem griechischen Mythos um Perseus verbunden und hat ihren ganz eigenen, ursprünglichen kykladischen Charme. Wir waren gespannt, was uns dort erwarten würde. Zunächst mussten wir allerdings erst einmal hinkommen und das sollte durchaus sportlich werden.


Der Wind legte ordentlich zu. Zeitweise kämpften wir mit bis zu 30 Knoten aus Nord-Nordost. Wir hatten lediglich die Genua gesetzt und rauschten mit Geschwindigkeiten zwischen sechs und acht Knoten über das Wasser. Rundherum waren noch einige andere Segler unterwegs, die ebenfalls mit den Bedingungen zu kämpfen hatten.
Nach einiger Zeit ließ der Wind glücklicherweise etwas nach. Die meisten an Bord nutzten die ruhigere Phase, um sich hinzulegen. Alle bis auf Stefan. Der hielt tapfer die Stellung.
Dann endlich: Serifos in Sicht!

Schon von weitem leuchteten die weißen Häuser der Insel in der Sonne. Wir mussten nur noch um die nächste Kurve und da lag er vor uns: der kleine Hafen, in dem wir anlegen wollten.
Auf den ersten Blick sah alles ziemlich gut aus. Sogar ein Platz an der Pier war frei.
Und dann begann das Hafenkino, leider ohne Popcorn.
Martin setzte den Anker, wir gingen mit dem Heck an die Pier – und plötzlich kam der entscheidende Ruf:
„Der Anker hält nicht! Wir müssen noch einmal Leinen los!“
Also wieder alles zurück auf Anfang.
Währenddessen versuchte ein anderes Motorboot bereits zum dritten Mal, an der Pier festzumachen. Der Skipper fuhr dabei kreuz und quer durch den Hafen und schaffte es mehrmals, uns und auch andere Boote nur knapp zu verfehlen. Martin wich lieber großzügig aus , aber irgendwann war auch seine Geduld am Ende.
Es folgte eine kurze, deutliche Ansage in Richtung des anderen Bootes. Danach konnten wir unser eigenes Anlegemanöver fortsetzen.
Beim zweiten Versuch hielt der Anker. Und diesmal waren wir nach wenigen Minuten sicher fest.
Im Gegensatz zu einigen anderen.


Rund um uns herum wurde das Geschehen offensichtlich mit großem Interesse verfolgt. Hier und da sah man ein Grinsen und hörte leises Lachen. Hafenkino eben , kostenlos und direkt vor der ersten Reihe.
Bei uns an Bord wurde anschließend erst einmal Kaffee gekocht, Kuchen gegessen.
Später wollten einige von uns hinauf zur Chora, der traditionellen Bergstadt von Serifos.
Christine, Susi, Lorenz, Martin und ich machten uns zu Fuß auf den Weg. Fünf Kilometer und rund 230 ziemlich steile Höhenmeter lagen vor uns. Google versprach eine Gehzeit von etwa 50 Minuten.
Google hatte offenbar nicht berücksichtigt, dass wir eine ausgesprochen fotogene Gruppe sind.


Denn kaum hatten wir die ersten schönen Gassen erreicht, wurde fotografiert. Und wieder fotografiert. Und noch einmal fotografiert.
Die kleinen, weiß getünchten Häuser mit ihren blauen Türen, die liebevoll geschmückten Gassen, farbenfrohe Details und immer wieder diese unglaublichen Ausblicke – da konnte man einfach nicht vorbeilaufen.
Also brauchten wir vermutlich ein kleines bisschen länger als die von Google angekündigten 50 Minuten.
Aber die Mühe hat sich definitiv gelohnt.
Oben angekommen, standen wir bei der Kapelle und hatten einen Ausblick, der eigentlich unbezahlbar war. Das tiefblaue Meer, die weißen Häuser und die typisch kykladische Landschaft – einfach wunderschön.


Nur eine Frage blieb offen:
Wo waren eigentlich die Cafés, von denen Martin gesprochen hatte?
Da oben war nämlich weit und breit erst einmal nichts zu sehen.
Aber Martin führte uns schließlich zu einem wunderschönen Platz, der mit seinen vielen Farben und liebevollen Details einfach zauberhaft war.
Wir fanden ein kleines Café mit türkisfarbiger Einrichtung und setzten uns hin.
Und plötzlich fühlte es sich tatsächlich ein bisschen so an, als wären wir mitten in „Mamma Mia“ gelandet.
Also blieben wir einfach sitzen, schauten, staunten und genossen den Moment.


Irgendwann tauchte plötzlich Stefan um die Ecke auf. Er war ganz bequem mit dem Bus nach oben gekommen. Susi und er beschlossen später ebenfalls, den Bus zurück zum Hafen zu nehmen.
Der Rest von uns machte sich irgendwann nach einer gefühlten Ewigkeit, die natürlich trotzdem viel zu kurz war , wieder zu Fuß auf den Rückweg.
Christine und ich nutzten die Gelegenheit noch für eine kleine Shoppingtour. Wobei „Shopping“ vielleicht etwas übertrieben ist , wir schauten hauptsächlich, aber wir gönnten uns noch eine Kugel leckeres Haselnusseis.
Gegen 19.30 Uhr schlenderten wir anschließend durch den Hafen und schauten uns die Restaurants an. Werner hatte sich eigentlich schon für Moussaka entschieden. Allerdings saßen in dem entsprechenden Restaurant kaum Gäste.
Zwei Lokale weiter wurden wir dann von einer äußerst geschäftstüchtigen Griechin freundlich, aber bestimmt in ihr Restaurant gelotst.
Und plötzlich war ein Tisch für sieben Personen frei.
Stefan blieb heute lieber an Bord.
Martin übernahm die Bestellung und entschied sich für eine ganze Reihe kleiner griechischer Vorspeisen – fast wie Tapas. Die Teller kamen einer nach dem anderen auf den Tisch.
Es war alles richtig lecker.
Wir probierten uns durch die verschiedenen Gerichte, reichten die Teller herum und am Ende waren tatsächlich alle satt.
Ein richtig schöner, typisch griechischer Abend.


Zurück an Bord hatte ich noch eine kleine Überraschung vorzubereiten: Für Stefan, der morgen Geburtstag hat, backte ich noch einen Pfirsichkuchen.
Oben in der Pantry und im Cockpit wurde außerdem ein bisschen dekoriert.
Danach verschwanden alle etwas früher als sonst in ihren Kojen.
Hinter uns lag ein langer, windiger, lustiger und wunderschöner Tag.
Serifos hat uns definitiv beeindruckt mit ordentlich Wind, etwas Hafenkino, steilen Wegen, traumhaften Fotomotiven, einem Hauch „Mamma Mia“ und einem Abend, wie man ihn sich in Griechenland nur wünschen kann. Nur einen Hauch wärmer könnte es sein.

Sep.

15

Ich liebe diese ganz besondere Morgenstimmung an Bord, wenn noch alles ruhig ist. Das Meer liegt friedlich da, die ersten Sonnenstrahlen blinzeln um die Ecke und auf dem Schiff noch nicht viel zu hören. Bis sich nach und nach in den Kabinen etwas rührt der frische Kaffeeduft durch den Salon zieht, spätestens dann findet auch der letzte Langschläfer den Weg ins Cockpit.
Am Frühstückstisch geht es meistens schon recht lustig zu und es wird viel gelacht. Martin erklärt uns auch immer, was für den heutigen Tag geplant ist.


Direkt neben uns machte sich die „Aquazoe“ zum Ablegen bereit, eine Yacht der Pershing-Baureihe mit 3.100 PS. Der Dieselverbrauch liegt bei rund 440 Litern pro Stunde.
Da bekommt der Begriff „Spritkosten“ plötzlich eine ganz neue Dimension. Während wir mit unseren Segeln versuchen, möglichst wenig Diesel zu verbrauchen, dürfte bei der Aquazoe wohl eher die Tankstelle zum festen Crewmitglied gehören.
Nach dem Frühstück hieß es dann auch für uns: Leinen los!


Werner und Stefan kümmerten sich um die Heckleinen, während Lorenz und Johannes den Anker einholten. Und dann ging es los zu einem weiteren Ritt mit der Georgina durch die Ägäis – unser heutiges Ziel: Kythnos. Kythnos zählt zu den westlichen Kykladen
Der Wind hatte offenbar beschlossen, ordentlich mitzumischen. Zeitweise hatten wir bis zu 30 Knoten und die Georgina kämpfte sich tapfer durch Wind und Wellen.

Susi war heute vorsorglich mit Vomex gedopt und siehe da: Es ging ihr richtig gut. Sie, Christine und Stefan saßen oben bei Martin und genossen den Ritt, während der Rest der Männer schon bald flach im Cockpit lag.
Auch unter Deck ging es ordentlich zur Sache. In den Fächern und Schränken rumpelte es teilweise ganz schön heftig. Man konnte nur hoffen, dass alles seinen Platz behielt. Zum Glück überlebte alles:


Während die Georgina durch die Wellen pflügte, nutzte ich die etwas ruhigeren Momente und rührte einen Rührteig zusammen. Obst war leider keines an Bord, also musste improvisiert werden. Kurzerhand landeten ein paar Kleckse Marmelade und Nutella im Teig. Mal schauen, wie das ankommt.
Am Nachmittag erreichten wir schließlich eine kleine Bucht vor Kythnos. Das Ankerteam machte einen hervorragenden Job und schon bald lag die Georgina sicher vor Anker.
Beim gemütlichen Kaffeetrinken erzählte Martin dann, dass es auf der Insel eine kleine heiße Quelle gibt. Ob die allerdings nach all den Jahren noch existiert, wusste er nicht so genau.
Das konnten wir natürlich nicht einfach so stehen lassen.
Lorenz und ich schnappten uns ein SUP und machten uns auf die Suche nach der geheimnisvollen Quelle. Stefan folgte kurze Zeit später mit dem zweiten SUP.


Und tatsächlich: Die Quelle gab es noch!
Also schnell den Rest der Crew informiert, dass sie mit dem Dinghi nachkommen können. Wenig später saßen wir tatsächlich alle gemeinsam in dem angenehm warmen Wasser – wie in einem natürlichen Whirlpool mitten in der Bucht.
Irgendwann musste Martin allerdings die Idylle verlassen. Der Generator musste ausgeschaltet werden . Susi fuhr gleich mit dem Dinghi zurück.


Lorenz, Stefan und ich paddelten gemütlich mit den SUPs zurück zur Georgina, während Christine und Johannes kurzerhand die sportliche Variante wählten und die Strecke schwammen.
Und Am Abend hieß es dann: warm einpacken! Denn obwohl der Tag noch herrlich sonnig gewesen war, wurde es nach Sonnenuntergang doch empfindlich frisch. Mit ordentlich Kleidungsschichten ging es mit dem Dinghi zum Kolona Restaurant.


Martin staunte nicht schlecht. Als er vor mindestens zehn Jahren schon einmal hier gewesen war, handelte es sich noch um ein kleines, nettes Restaurant. Heute gehört das Kolona bereits zur gehobeneren Kategorie. Die Zeiten ändern sich halt.
Trotzdem war es ein wunderschöner Abend. Tolles Ambiente, leckeres Essen und eine fantastische Stimmung. Ein perfekter Abschluss für einen ziemlich bewegten Segeltag.


Zurück auf der Georgina wurde dann endlich wieder einmal eine Runde Wizard gespielt. Stefan konnte die Runde für sich entscheiden.


Danach verschwanden nach und nach alle in ihren Kojen.
Denn morgen heißt es: früh aufstehen und zeitig los.

Sep.

14

Spätestens um halb neun krochen heute auch die letzten Crewmitglieder aus den Kojen. Das Frühstück war schon bereit mit Blich auf den Poseidon Tempel . Stefan war sogar schon vor dem Frühstück im Wasser und kam begeistert wieder zurück. Die vielen Fische hatten es ihm angetan.


Und dann war da noch der Wind. Der hatte gestern offensichtlich seinen freien Tag genommen, war heute aber wieder voller Tatendrang. Mit aktuell 25 Knoten aus 20 Grad Nord-Nordwest zeigte er uns ziemlich deutlich: Heute wird gesegelt!
Endlich! Sagte die Crew.
Nach dem Frühstück wurde alles ordentlich segelfest verstaut und dann hieß es: Anker auf Richtung Kea!
Großsegel im ersten Reff, Genua raus – und schon rauschten wir mit ordentlich Schub durch die Ägäis. Später musste Martin sogar noch das Großsegel ins zweite Reff setzen. Bei 25 Knoten Wind war das dann doch ein bisschen zu viel des Guten. Trotzdem machten wir flotte sechs bis acht Knoten Fahrt durch die Wellen.


Für unsere Neuseglerin Susi war die Vorbereitung gestern noch völlig problemlos gewesen. Heute allerdings zeigte die Ägäis, dass sie durchaus ihren eigenen Kopf hat. Der Wellengang und das ständige Auf und Ab des Bootes taten ihr Übriges – Susi wurde zum ersten Opfer der Seekrankheit.
Sie lag da wie ein Häufchen Elend, den Eimer fest im Arm und sagte kein Wort mehr.
Lorenz brachte es irgendwann trocken auf den Punkt:
Das ist ein schlechtes Zeichen.“


Irgendwie musste ich helfen. Also holte ich die Musikbox heraus, drehte die Schlager ordentlich auf und wartete gespannt auf die Wirkung.
Und tatsächlich: Keine Sekunde später stand Susi im Cockpit, sang und tanzte!
Gut, der Eimer kam zwischendurch noch gelegentlich zum Einsatz, aber immerhin war das Lachen wieder da. Stefan kommentierte die musikalische Therapie allerdings ganz lapidar:
Kein Wunder, bei der Musik kann’s einem doch nur schlecht werden!“
Damit war zumindest für allgemeine Erheiterung gesorgt.
So nach und nach verschwanden dann allerdings immer mehr Crewmitglieder in den Kabinen. Leicht gelblich bis grünlich im Gesicht, wurde sich hingelegt und gehofft, dass das Meer sich irgendwann wieder beruhigen würde.
Aber an den Wellengang muss man sich eben auch erst gewöhnen.


Gegen halb drei erreichten wir schließlich die kleine, windgeschützte Bucht von Kea. Stefan, Christine und ich platzierten auf Martins Anweisung noch schnell die Fender, dann parkte unser Skipper souverän rückwärts an der Pier ein.
Mit Unterstützung von Stefan und Johannes war das Boot kurz darauf sicher festgemacht.


Und plötzlich waren sie wieder alle wach.
Normalerweise wäre jetzt Kaffee- und Kuchenzeit gewesen. Aber nach den Strapazen des Vormittags hatte die Crew eindeutig andere Bedürfnisse: etwas Herzhaftes musste her!


Alle – außer dem Skipper.
Der verdrückte nämlich kurzerhand noch den Rest vom Käsekuchen. Jeder hat eben seine eigene Strategie zur Regeneration.
Christine zauberte eine riesige Schüssel griechischen Salat auf den Tisch. Die war allerdings schneller leer, als man „Kali Orexi“ sagen konnte. Kein Wunder, seit dem Frühstück hatte schließlich niemand mehr etwas gegessen.
Da wir direkt an der Pier lagen, konnte nun jeder machen, wonach ihm gerade war.
Christine und Johannes machten sich auf den Weg zum nächsten Strand. Susi, Lorenz und Stefan schlenderten durch das kleine Dörfchen. Werner machte es sich mit seinem Buch gemütlich und der Skipper gönnte sich erst einmal einen wohlverdienten Schönheitsschlaf.


Ich dagegen machte mich zu Fuß auf den Weg zum Supermarkt. Rund zwei Kilometer entfernt sollte es dort alles geben, was wir noch an Kleinigkeiten brauchten.
Der Weg führte wunderschön direkt am Wasser entlang. In einer kleinen Siedlung legten gerade zwei große Fähren an – die Triton und die Hellas Ferry.
Im Dorf bog ich dann allerdings ab und machte mich hinein in die Berge. Immerhin: Im Supermarkt bekam ich tatsächlich alles, was auf meiner Einkaufsliste stand.
Mein Plan war eigentlich, für den Rückweg ein Taxi zu nehmen.
Theoretisch.
Denn die wenigen Taxis, die es dort gab, waren natürlich gerade mit den Fährgästen unterwegs. Also blieb mir nichts anderes übrig, als meine Einkäufe zu schnappen und den gesamten Weg wieder zu Fuß zurückzulaufen.
Zwei Kilometer hin, zwei Kilometer zurück – man könnte auch sagen: Ich habe heute nicht nur gesegelt, sondern gleich noch etwas für die Fitness getan.
Zurück an Bord wurden erst einmal die Kühlsachen verstaut. Danach machten wir uns gemeinsam auf, um noch ein bisschen an der Promenade entlangzubummeln.

Stefan hatte inzwischen auch schon ein Restaurant für den Abend ausgesucht.
Um acht Uhr marschierten wir fast im Gänsemarsch in Richtung Manoli Grill.
Der Wirt war ausgesprochen freundlich und nahm unsere komplette Bestellung auf – ohne einen Zettel, ohne Handy, ohne irgendetwas aufzuschreiben.
Wir sahen uns etwas skeptisch an.
Ob das wohl gut geht?
Nicht nur gut – er brachte tatsächlich alles exakt so, wie wir es bestellt hatten. Chapeau!
Und dann kamen die Portionen.
Riesig wäre noch untertrieben. So riesig, dass wir am Ende sogar eine komplette Portion mit nach Hause nehmen konnten.
Nach diesem Tag hätte vermutlich ohnehin niemand mehr etwas dagegen gehabt, am nächsten Morgen gleich wieder davon zu essen.


Einen Spieleabend gab es heute nicht. Dafür waren wir alle einfach zu platt von diesem anstrengenden, aber wunderschönen Segeltag.
Martin und ich spielten immerhin noch drei Runden Backgammon. Das Ergebnis? Sag ich nicht 😉
2:1 für Martin
Ich verbuche das einfach mal unter „Skipperbonus“.
Irgendwie ergab es sich dann, dass Christine und ich schließlich die letzten am Tisch waren. Und wie das manchmal so ist, wenn man eigentlich nur noch kurz zusammensitzen möchte, wurde aus „kurz“ plötzlich ziemlich lang.
Wir plauderten über Gott und die Welt – und merkten irgendwann, dass es fast halb zwei war.
Nach diesem ereignisreichen Tag ging es dann aber wirklich schnurstracks in die Koje.

Sep.

13

Nach einem etwas späteren leckereren Frühstück war es endlich so weit:

Schiffsbegehung für die Crew mit Martin.
Martin erklärte geduldig die wichtigsten Bordinstrumente, zeigte, wo die Schwimmwesten verstaut sind, erklärte die Funktionen an Deck und natürlich noch ungefähr hundert andere Dinge, die man auf einem Segelboot unbedingt wissen sollte.
Danach hieß es für unseren ersten Törn: Leinen los!


Unser Kurs führte uns in Richtung Kap Sounion, zum berühmten Poseidon-Tempel.
Alle waren hochmotiviert und bereit, endlich die Segel zu setzen. Wirklich alle? Nöööö,
Einer spielte nicht mit: der Wind.
Und so blieb Martin nichts anderes übrig, als die gesamte Strecke zu motoren. Für Susi war das allerdings gar nicht so schlecht. Sie meinte trocken, das sei doch eigentlich der perfekte Einstieg für absolute Segelanfänger. Erst einmal ganz entspannt schauen, wie das alles funktioniert – und das mit dem Segeln kommt dann später. Wo sie Recht hat, hat sie Recht.
Während wir an der Küste entlangfuhren, konnten wir die Landschaft genießen. Die Gegend wirkte sehr karg und trocken, eher braun als grün. Dazwischen tauchten immer wieder kleine, weiße Dörfer auf , typisch Griechenland und ein wunderschöner Kontrast zur Landschaft.


Am Nachmittag erreichten wir schließlich das Kap Sounion.
Bevor wir unseren Ankerplatz einnehmen konnten, war allerdings noch ein bisschen Aufmerksamkeit gefragt. Johannes und Christine beobachteten genau den Meeresgrund, damit der Anker nicht ausgerechnet zwischen den Felsen landete. Sie gaben Martin schließlich das entscheidende „Okay“.
Kurz zuvor hatte es noch eine kleine Schrecksekunde gegeben: Eine beinahe Kollision sorgte für etwas Aufregung an Bord, aber Martin reagierte geistesgegenwärtig und wich dem anderen Boot geschickt aus.Der erste Tag und schon voll die Action.
Zwischen den vielen anderen Segelbooten fanden wir schließlich unseren Platz – direkt unterhalb des Poseidon-Tempels. Was für eine Kulisse!
Und dann kam Lorenz zu seinem großen Moment: Er setzte zum ersten Mal den Anker.
Kaum lag das Boot sicher, wurde die Badeleiter ins Wasser gelassen und es dauerte nicht lange, bis die ersten Crewmitglieder im herrlich klaren Wasser verschwanden.
Johannes und ich schnappten uns währenddessen das SUP und paddelten an Land. Schließlich mussten wir noch einen Tisch in einer der Tavernen für den Abend reservieren.

Diejenigen, die an Bord geblieben waren, durften sich derweil über frischen Käsekuchen zum Kaffee freuen, den ich am Morgen noch gebacken hatte. Man muss schließlich auch auf die kulinarische Versorgung der Crew achten.


Nach und nach waren fast alle im Wasser, anschließend wurde an Bord ausgiebig gechillt. Die letzte Nacht war schließlich für einige doch etwas länger gewesen.
Am Abend ging es dann mit dem Dinghi an Land. Von dort führte ein Aufstieg hinauf zum Poseidon-Tempel.
Mut uns pilgerten gefühlt Tausende Menschen denselben Weg hinauf. Das Ziel war bei den meisten eindeutig: das perfekte Sonnenuntergangsfoto.


Für den stolzen Eintrittspreis von 20 Euro pro Person durften wir schließlich das Tempelgelände betreten.
Aber zugegeben: Die Atmosphäre dort oben war schon beeindruckend.
Der Poseidon-Tempel thront hoch über dem Meer, und die Aussicht ist einfach grandios. Überall Menschen, die vor den alten Säulen posierten, sich gegenseitig fotografierten und versuchten, den perfekten Moment einzufangen.
Wir natürlich auch.
Mit verschiedenen Posen entstanden dabei tatsächlich richtig tolle Fotos.


Und nachdem wir morgens schon so viel Glück mit dem fehlenden Wind hatten, hatten wir auch beim Sonnenuntergang Glück – allerdings auf eine etwas andere Art.
Der Himmel war tatsächlich bewölkt. Wahrscheinlich war das seit Wochen das erste Mal, meinte Johannes.
Aber egal, es war ein wunderschönes Erlebnis. Die Stimmung, der Tempel, das Meer und die Menschenmenge.
Um 19:40 Uhr kam dann die Durchsage, dass das Gelände nun verlassen werden müsse. Verstärkt wurde diese Aufforderung durch Trillerpfeifen.


Nach dem Abstieg ging es zurück in die Taverne, in der Johannes und ich vorher den Tisch reserviert hatten. Werner saß schon da und wartete auf uns.
Das griechische Essen war wirklich lecker! Bei gutem Essen, Wein und netten Gesprächen ließen wir den Tag langsam ausklingen.
Den Ouzo gab es dann allerdings erst wieder auf dem Boot.


Zurück an Bord verabschiedeten sich einige ziemlich schnell in ihre Koje. Die anderen blieben noch sitzen und aus den lustigen Gesprächen wurden irgendwann sogar richtig tiefsinnige.
So wurde es wieder später als geplant.
Der erste Törn hatte begonnen, der Poseidon-Tempel war erobert, der erste Anker erfolgreich gesetzt, die ersten Schwimmzüge waren gemacht – und die Crew hatte bereits bewiesen, dass sie nicht nur segeln, sondern auch gemeinsam lachen, essen und bis spät in die Nacht philosophieren kann.
Nur einer muss noch überzeugt werden:
DER WIND

Sep.

12

Als wir heute Morgen aufwachten, lachte die griechische Sonne vom Himmel.
Google empfahl uns ein kleines griechisches Café ganz in der Nähe unseres Apartments. Einige Einheimische hatten das Frühstücksangebot bereits für gut befunden und so setzten wir uns einfach dazu. Kaffee, ein kleines Frühstück , besser konnte der erste Morgen kaum beginnen.

Währenddessen schrieb uns Kostas, der Eigner unseres Schiffes, dass er bereits an Bord der GEORGINA sei. Wir überlegten kurz, ob wir zu Fuß zur Marina gehen sollten, entschieden uns dann aber doch für ein Taxi. Schließlich wollten wir frisch und munter am Schiff ankommen und nicht schon vor dem ersten Segeltag völlig durchgeschwitzt sein.

Kostas empfing uns herzlich und machte mit Martin gleich eine ausführliche Bootsbegehung. Und da konnte man schon nach wenigen Minuten erkennen: Die beiden alten Seebären waren sofort auf einer Wellenlänge. Es wurde gefachsimpelt, geschaut und erklärt. Männer und Boote , manchmal braucht es eben nicht viele Worte.
Während Martin sich mit Kostas und der Technik beschäftigte, machte ich mich über die Kabinen her und hübschte die noch ein bisschen auf und inspirierte die Küche. Schließlich will man ja wissen, womit man es in den nächsten Tagen zu tun bekommt.

Die Georgina, übrigens nach der Tochter von Kostas benannt, erwies sich als richtig gut ausgestattetes Schiff.
Ich bereitete derweil schon einmal Kaffee und Tee vor. Stefan aus Leipzig wollte sich um Kuchen und Milch kümmern.
Kurz nach zwei Uhr hörte ich plötzlich vertraute Stimmen. Susi und Lorenz, meine besten Freunde, waren angekommen und hatten gleich Stefan mitgebracht. Oder war es umgekehrt? So genau ließ sich das im allgemeinen Ankunftstrubel nicht mehr nachvollziehen.

Kurz darauf staunten wir nicht schlecht, als ein Auto mit Münchner Kennzeichen vor dem Boot hielt. Christine und ihr Sohn Johannes stiegen aus. Ihr Mann hatte die beiden gebracht, machte sich danach aber wieder auf den Weg, denn gemeinsam mit dem anderen Sohn Benedikt hatte er noch eine tolle Autotour durch den Balkan vor sich zurück nach München.
Unsere Crew war damit fast komplett. Werner aus der Schweiz sollte erst gegen Abend eintreffen.

Bei Kaffee und Kuchen ,Christine hatte zusätzlich noch eine herrlich leckere Melone mitgebracht, begann erst mal das große gegenseitige Kennenlernen.
Währenddessen hatte Martin bereits die Einkaufsliste in Angriff genommen. Und perfekt, wie er ist. wird nicht einfach planlos eingekauft, sondern akribisch geplant.
Nach etwa einer Stunde schwärmten wir aus. Martin wollte sich lieber weiter mit dem Boot vertraut machen. Wir anderen sechs machten uns auf den Weg, um den Wocheneinkauf für acht Personen zu organisieren.
Klingt einfach. War es aber nicht.

Zunächst fragten wir ein Taxi. Der Fahrer sah uns kurz an, überlegte es sich anders und fuhr einfach davon. So schrecklich sahen wir doch gar nicht aus. Ein Uber-Van wollte die kurze Strecke ebenfalls nicht fahren.
Also gut. Dann eben zu Fuß.
Eine halbe Stunde später standen wir vor einem riesigen Supermarkt.
Christine hatte die Einkaufsliste inzwischen in unsere WhatsApp-Gruppe gestellt und jeder übernahm einen Teil. Um 18 Uhr wollten wir uns wieder treffen. Was dann folgte, war eine Art Schnitzeljagd für Erwachsene – nur mit Einkaufswagen.
Nach und nach konnte ich viele Dinge von der Liste abhaken. Doch kaum war ein Punkt erledigt, stellte sich heraus, dass irgendetwas anderes fehlte. Also musste wieder jemand zurück durch die endlosen Gänge des Supermarktes.
Das brauchen wir noch!“
Wo ist denn das?“
Hat jemand Oliven?“
Wir brauchen noch Milch!“
Und irgendwo dazwischen versuchte wahrscheinlich jeder, den Überblick zu behalten.
Endlich hatten wir tatsächlich alles beisammen. Acht voll beladene Einkaufswagen rollten Richtung Kasse. Da wurde uns dann langsam bewusst, was wir eigentlich angerichtet hatten.

Nach dem Bezahlen stellte sich nämlich die nächste Herausforderung: Wie bekommen wir das alles zurück zur Marina? Der Supermarkt liefert am Samstag Nachmittag nicht mehr.
Ein Taxi zu bekommen, erwies sich erneut als kleine Herausforderung. Stefan nahm die Sache schließlich selbst in die Hand und hielt einfach ein Taxi auf der Straße an.
Der Fahrer staunte nicht schlecht, als er unsere Berge von Kisten und Tüten sah. Alles passte natürlich nicht hinein.
Also brauchten wir noch ein zweites Taxi.
Lorenz, Susi und Stefan fuhren mit dem ersten Wagen schon einmal Richtung Marina, während Christine, Johannes und ich auf das zweite Taxi warteten.
Als es endlich da war, wurde eingeladen, umgeladen und irgendwie alles verstaut. Dann ging es Richtung Marina.
An der Hafenschranke wollte uns der Security-Mitarbeiter zunächst nicht durchlassen. Gerade war ein Tageskreuzfahrtschiff zurückgekommen und eine riesige Menschenmenge spazierte durch den Hafen.
Es folgten Diskussionen, Erklärungen, Ausladen, wieder Einladen und noch einmal Erklärungen.
Nach längerem Hin und Her durften wir dann tatsächlich bis zum Schiff weiterfahren.

Mittlerweile war auch Werner aus der Schweiz angekommen und damit war unsere Crew nun vollständig.
Das Verräumen der Einkäufe dauerte allerdings deutlich länger als gedacht. Schließlich mussten Lebensmittel, Getränke und all die anderen wichtigen Dinge ihren Platz finden.
Inzwischen war es schon ziemlich spät geworden. Einige hatten keine Lust mehr, noch in die Stadt zum Essen zu gehen.
Also wurde kurzerhand improvisiert.
Ich zauberte eine typisch einfache griechische Brotzeit auf den Tisch: Tomatensalat, die Tomaten schmecken hier einfach mega, und ein bisschen Salami, Oliven und allerlei Kleinigkeiten.
Martin, Christine und Johannes hielten dagegen am ursprünglichen Plan fest und machten sich noch auf den Weg in die Stadt zum Essen.
Wir anderen blieben auf der Georgina.

Und das sollte sich als ausgesprochen gute Entscheidung herausstellen.
Gegenüber wurde nämlich gerade der 40. Geburtstag einer gewissen Helma gefeiert. Die Musik war dermaßen laut, dass wir auf unserem Schiff praktisch mittendrin statt nur dabei waren.
Also wurde kurzerhand auf dem Boot mitgetanzt.
Dann sorgte auch noch eine beeindruckende Drohnenshow über dem Hafen für staunende Gesichter. Wir saßen zusammen, sinnierten über Gott und die Welt, erzählten Geschichten, lachten und genossen einfach den ersten Abend.
Und natürlich durfte nach diesem durchaus sportlichen Einkaufstag auch eine kleine Belohnung nicht fehlen.
Die erste Flasche Ouzo wurde geköpft.
Schließlich hatten wir uns das nach acht vollen Einkaufswagen, zwei Taxis und diversen Diskussionen an der Hafenschranke redlich verdient.
Wir vergaßen dabei völlig die Zeit.

Als Martin, Christine und Johannes gegen 23 Uhr vom Restaurant zurückkamen, staunten sie nicht schlecht über die ausgelassene Stimmung an Bord.
Der erste Tag war damit eigentlich schon perfekt für sich gewesen: Sonne, ein neues Schiff, eine bunt zusammengewürfelte Crew, ein Großeinkauf als logistisches Abenteuer, zwei Taxis, eine Hafensperre, Ouzo, Musik und eine Drohnenshow.
Und dabei sollte unser eigentlicher Segeltörn erst morgen beginnen.
Wenn das ein Vorgeschmack auf die nächsten Tage war, konnte es eigentlich nur gut werden.
und sind gespannt, wohin uns Wind und Wetter am nächsten Tag führen werden.