Heute Früh hat es ausnahmsweise mal nicht pressiert. Und das war auch gut so, denn über uns hingen dicke, graue Wolken. Also machte ich mich ganz entspannt auf den Weg in die Altstadt zu einer kleinen, netten Bäckerei, um frisches Brot zu holen.
Doch kaum war ich wieder zurück, kam von Stefan :„Das Brot reicht bestimmt nicht!“
Schließlich gäbe es heute Abend/bzw. morgen früh keine Einkaufsmöglichkeit. Also ging ich kurzerhand noch einmal los. Mittlerweile hatte die Bäckerei auch süße Teilchen, da habe ich einfach zugeschlagen , weil für den Nachmittagskaffee musste schließlich auch vorgesorgt werden.
Als ich wieder an Bord kam, saßen Heike, Torsten und Stefan bereits oben auf der Flybridge. Torsten übte fleißig einige Knoten.
Nach und nach trudelte auch der Rest der Crew zum Frühstück ein. Die Stimmung war allerdings ungefähr so grau wie der Himmel. Da musste der gute-Laune-Sonntags-Motivationssong her!

Heike stimmte sofort fröhlich mit ein und tatsächlich: Zumindest ein kleines Lächeln ließ sich damit in einige Gesichter zaubern.
Gegen zehn Uhr hieß es dann: Leinen los Richtung Agathonisi!
Leider nieselte es immer noch. Also wurde der gute-Laune-Song kurzerhand noch einmal angestimmt. Dieses Mal machten sogar Micha, Heike und Christiane mit.
Vielleicht kann man den Wettergott ja musikalisch ein bisschen beeinflussen?
Heike hatte sich schon wetterfest eingepackt, denn sie wollte unbedingt vorne sitzen. Zusammen mit Christiane zog sie dann aber doch die Flybridge bei Martin und Micha vor ,natürlich dick eingemummelt und dem Wetter tapfer trotzend.
Der Rest der Crew machte es sich lieber im Salon gemütlich und begann, ordentlich Seemannsgarn zu spinnen.
Nach und nach kamen allerdings auch die hartgesottenen Flybridge-Sitzer immer wieder nach drinnen. Draußen war es einfach ungemütlich. Nur Christiane hielt oben tapfer bei Martin aus.



Und dann ging es richtig los.
Die Gischt spritzte über den gesamten Bug, das Schiff düste durch die Wellen und in den Schränken begann das Geschirr zu scheppern.
Was für ein Ritt!
Bei allen herrschte irgendwann nur noch ein Gedanke:
Wann sind wir denn endlich da?








Martin musste kreuzen und dadurch wurde aus der geplanten Strecke beinahe die doppelte Distanz. Irgendwann erbarmte sich der Wettergott wenigstens kurz und schickte tatsächlich ein bisschen Sonne vorbei.
Um kurz nach vier war es dann endlich soweit:
Agathonisi in Sicht!











Die Segler vom Nachbarboot halfen uns beim Anlegen und so waren wir im Handumdrehen sicher fest.
Der Kaffee war bereits fertig und die Bougiatsa warm gemacht. Nach der langen und wilden Überfahrt war das genau das Richtige.
Auch das Wetter hatte sich etwas beruhigt. Warm war es allerdings noch nicht wirklich.

Dafür gab es etwas anderes zu bestaunen: das glasklare Wasser.
Man hatte tatsächlich das Gefühl, in ein riesiges Aquarium zu schauen.
Auf dem Nachbarboot machte sich der Fischer inzwischen daran, seine Angelleinen herzurichten , in der Hoffnung auf einen guten Fang. Nebenbei fütterte er von seinem Boot aus die Fische.
Und so konnte ich eine ganze Weile die unterschiedlichsten Fische beobachten – kleine, große und alles dazwischen.



Nach dem Kaffee machten sich fast alle noch zu einem kleinen Spaziergang auf.
Fast alle.
Denn Christiane hatte offenbar beschlossen, dass das Wetter zwar frisch, das Wasser aber trotzdem absolut badetauglich sei.
Also: Badeanzug an und ab in die Fluten! Micha lief am Wasser entlang und kam in eine andere Bucht. Dort entdeckte er tatsächlich einen Oktopus zwischen den Steinen.
Martin und ich liefen derweil hinauf ins Dorf. Für Martin war das ein ganz besonderer Spaziergang, denn er war vor 40 Jahren zum ersten Mal hier.
Damals gab es auf Agathonisi noch keinen Strom. Generatoren und Gaslampen sorgten für Licht und auch die Straßen sahen noch ganz anders aus. Oben im Dorf hatten wir ein schönen Blick auf die Bucht. Dann liefen wir gemütlich zurück aufs Boot.















Kurz nach sieben Uhr wollten wir in Georges Taverne zu Abendessen. Martin war vorher schon dort und reservierte für den Abend.
George ist Grieche, seine Frau Deutsche und nach zehn Jahren , als er das letzte Mal mit der Vava U hier war, erkannten sie ihn tatsächlich wieder . Also hat er ordentlich Eindruck hinterlassen.
Wir wurden sehr nett vom Sohn begrüßt. Dann kam die Frage:
„Wollt ihr Fisch?“
Kurz darauf kam der Wirt persönlich und öffnete seine Kühltruhe, damit sich die Crew einen Fisch aussuchen konnte.
Sie hatten schnell entschieden:
Ein Red Snapper sollte es sein und zwar kein kleiner. 2,2 Kilo wog das Prachtexemplar.
Der Fisch wurde direkt vor der Taverne entschuppt und für die Pfanne vorbereitet.




Dazu gab es natürlich wieder jede Menge Vorspeisen: Fava, Bohnen, Tzatziki, Oktopussalat und griechischen Salat.
Dann kam der Red Snapper. Perfekt gebraten und bereits fachmännisch filetiert lag er auf einer großen Platte.
Alle langten kräftig zu.


Es dauerte wirklich nicht lange, bis von den 2,2 Kilo Fisch nur noch Gräten und Kopf übrig waren. Er war sehr lecker.
Torsten hatte sich zusätzlich Ziegenfleisch bestellt, das ebenfalls wunderbar zart war.



Und heute gab es noch eine kleine Premiere:
Zum ersten Mal auf diesem Törn bekamen wir tatsächlich einen Ouzo nach dem Essen serviert.
Na bitte, geht doch. Danke dafür.

Zurück an Bord war der Abend natürlich noch lange nicht vorbei.
Das Hornochsenspiel musste schließlich noch sein.
Christiane wollte eigentlich schon ins Bett.
Nur ein Spiel, dann gehe ich!“ Aber eins ist keins und überhaupt hat sie die Rechnung leider ohne uns gemacht.
Aus dem einen Spiel wurden sieben lustige Runden.
Und diesmal erwischte es leider sie selbst:
Die Hornochsenkrone ging an Christiane!

Wir hatten jede Menge Spaß und lachten ordentlich.
Aber irgendwann forderte der lange Segeltag dann doch seinen Tribut.
Um Mitternacht war plötzlich Schluss mit lustig und alle verschwanden ziemlich schnurstracks in ihren Kojen.







































































































































































































Kommentare