Sep.

18

Normalerweise ist es am Morgen der Kaffeeduft, der nach und nach alle aus ihren Kabinen lockt. Heute allerdings lag noch ein ganz anderer Duft in der Luft: Knoblauch und Zwiebeln. Der Skipper persönlich stand am Herd und bereitete seine berühmte Bolo vor. Das ganze Boot roch inzwischen wie eine italienische Trattoria.


Gut, dass Kaffee und Tee bereits fertig waren. Das Frühstück war zwar noch in Vorbereitung, aber Obstsalat und Avocado standen schon bereit.
Beim Frühstück machte Martin den Vorschlag, gleich weiter nach Antiparos zu fahren. Susi hatte gestern Abend schließlich angemerkt, dass die ursprünglich geplante Bucht vielleicht etwas langweilig werden könnte, wenn dort nun ja gar nichts ist. Dem Vorschlag stimmten alle zu. Schließlich konnten wir in Antiparos nicht nur ankern, sondern auch die Stadt besuchen.
Nach dem Frühstück hieß es für das Ankerteam: „Anker auf!“ und los ging’s Richtung Antiparos. Auch in der Küche wurde alles ordentlich gesichert. Jeder nahm wieder seine gewohnte Position ein , ob liegend oder sitzend. Denn die Wellen waren heute durchaus nicht ohne und so mancher bevorzugte die etwas horizontalere Variante.
Bald kam die Küste von Paros in Sicht , unser Ziel für Samstag und leider auch schon unsere Endstation für den ersten Törn. Aber bis dahin haben wir ja noch zwei Tage.


Entlang der Küste waren zahlreiche Kitesurfer unterwegs, die den kräftigen Wind ordentlich ausnutzten. Das sah fast ein bisschen aus wie am Gardasee , nur mit deutlich mehr Griechenland drumherum.


Schließlich erreichten wir eine wunderschöne Bucht mit glasklarem, smaragdfarbenem Wasser. Einige Crewmitglieder ließen sich nicht lange bitten und sprangen sofort ins erfrischende Nass. Das Wasser selbst war erstaunlich angenehm , der kalte Wind danach eher weniger.


Nachdem alle wieder trocken waren, machten sich Christine, Lorenz, Susi, Martin und ich mit dem Dinghi auf den Weg an Land. Unser Ziel: die Altstadt von Antiparos. Ein bisschen bummeln, Beine vertreten und natürlich schauen, was es dort so zu entdecken gibt.
Zunächst mussten wir uns allerdings durch trockenes Gestrüpp kämpfen, bevor wir endlich auf einen richtigen Weg kamen. Aber die kleine Mühe wurde sofort belohnt: Schon am Hafen reihten sich schnuckelige kleine Tavernen aneinander.


Und genau so ging es weiter. Ein kleines Lädchen neben dem anderen – Souvenirs, Keramik, Kleidung und allerlei Dinge, von denen man vorher gar nicht wusste, dass man sie unbedingt braucht. Dazwischen leuchteten riesige Bougainvilleas in kräftigen Farben vor den typisch weißen Häusern. Einfach wunderschön.
Susi sorgte außerdem für den kulinarischen Höhepunkt des Nachmittags: Sie hatte hier die teuerste Kugel Eis ihres Lebens gegessen – für stolze 3,50 Euro. Wir übrigens auch.
Wir machten einen Zeitpunkt aus, zu dem wir uns alle wieder treffen wollten, und dann konnte jeder noch ein bisschen auf eigene Faust bummeln.


Martin und ich schlenderten gemütlich durch die wunderschönen kleinen Gassen . Dann entdeckte er einen Barbershop. Da grad niemand im Laden war ließ er sich rasieren und rund herum noch aufhübschen. Der Shop war etwas skurril , aber ein total netter Friseur oder sagt man tatsächlich „ Barber“ ? Dann kauften wir noch etwas frisches Obst. Um kurz nach sechs trafen wir Lorenz, Susi und Christine wieder in einer kleinen Taverne am Hafen.


Danach ging es zurück zum Dinghi und von dort wieder aufs Boot. Stefan, Werner und Johannes warteten bereits gespannt auf unsere Rückkehr und lauschten neugierig unseren Erzählungen.


Währenddessen war der Skipper schon wieder fleißig: Martin bereitete seine Bolo zu und schmeckte sie noch ein letztes Mal ab. Dazu gab es einen riesigen Topf Spaghetti und den leckeren griechischen Salat von Christine.
Was will man mehr?


Alle langten kräftig zu – und als wäre das Essen allein noch nicht genug, bekamen wir dazu ein perfektes Abendrot serviert. Der Himmel färbte sich in allen Tönen. Einfach ein perfekter Abend.
Die Stimmung an Bord ist jedenfalls großartig. Und das ist schon etwas Besonderes, wenn die Altersspanne von 23 bis 84 Jahren reicht. Es passt einfach.
Nach dem Aufräumen wurde es dann noch gemütlicher. Bei einem Glas Rotwein entwickelten sich tiefgründige Gespräche, die bis tief in die Nacht gingen.

Und so ging wieder ein erlebnisreicher, wunderschöner Tag zu Ende.

Sep.

17

Heute haben wir ein Geburtstagskind an Bord!
Noch bevor das Frühstück vorbereitet wurde, habe ich erst einmal das Cockpit ein bisschen dekoriert und auf dem Geburtstagskuchen natürlich eine „Happy Birthday“-Kerze platziert. Danach ging ich noch schnell zum Bäcker, um frische Croissants zu holen.
Als Stefan dann aus seiner Kabine nach oben kam, hat er erst einmal ziemlich gestaunt. Und damit auch wirklich jeder an Bord wusste, dass heute Geburtstag gefeiert wird, durfte Stevie Wonder sein „Happy Birthday“ gleich in voller Lautstärke zum Besten geben. So kann ein Geburtstagstag auf einem Segelboot beginnen!


Nach einem kleinen Geschenk gab es erst einmal Frühstück für alle. Doch lange konnten wir es uns nicht gemütlich machen. Nach dem Aufräumen hieß es wieder: Leinen los, Anker auf und Adios, du wunderschönes Serifos!
Allerdings war heute nicht gerade der Tag für eine gemütliche Kaffeefahrt. Der Wind hatte ordentlich zugelegt und wir mussten erst einmal alles an Bord sturmsicher verstauen. Die Wellen wurden immer höher und in den Schränken begann es kräftig zu scheppern. Teller und Gläser machten sich akustisch bemerkbar und auch das Boot ächzte sich durch die teilweise sehr hohen Wellen.
Wind kam wieder aus NNE mit bis zu 28 Kn und recht hoher Segang mit Wellen bis zu 2.5m. Aber unter der Genua zu 70% läuft Georgina super.


Da war man ganz froh, wenn alles an seinem Platz blieb und man selbst ebenfalls halbwegs dort blieb, wo man hingehörte.
Irgendwann hatten wir es geschafft und erreichten unsere nächste Bucht. Dort lagen erfreulicherweise nur wenige Boote. Das Wasser sah einfach zu verlockend aus – und so nutzten Johannes und Stefan die Gelegenheit natürlich sofort für eine Runde Schwimmen.


Beim anschließenden Kaffeetrinken wurde dann endlich der Geburtstagskuchen angeschnitten. Stefan durfte natürlich höchstpersönlich die Kerze ausblasen.
Danach fuhr Martin Johannes und mich mit dem Dinghi an Land. Der Rest der Crew entschied sich für das Relaxprogramm an Bord. Ich dagegen hatte noch etwas vor und machte mich zu Fuß auf den Weg zum Kloster Chrysopigi.
Der schön angelegte Weg führte über zahlreiche Stufen mal bergauf, mal bergab, aber immer wunderschön am Wasser entlang. Schon unterwegs gab es immer wieder herrliche Ausblicke auf das tiefblaue Meer.
Vor Chrysopigi liegt die malerische Bucht Apokoftos, deren kristallklares, türkisfarbenes Wasser sofort ins Auge fällt. Gleich danach erreichte ich Panagia Chrysopigi, ein ehemaliges Kloster, das auf einem heiligen Felsen an der Südostküste von Sifnos erbaut wurde.
In früherer Zeit befand sich hier ein Teil des Vrysis-Klosters. Die ältesten Erwähnungen von Chrysopigi stammen aus dem 17. Jahrhundert. Mit dem Kloster sind außerdem zahlreiche Legenden und Geschichten der Insel verbunden ,wie es sich für einen so besonderen Ort natürlich gehört.

Auf dem Rückweg machte ich noch einen Abstecher zu einer kleinen Kapelle. Danach ging es wieder hinunter ins Dorf, wo mich Johannes kurzerhand mit dem SUP abholte und sich Martin mit dran hing.


Inzwischen war schon fast wieder Aufbruchstimmung angesagt – diesmal allerdings nicht zum nächsten Segelmanöver, sondern zum Abendessen.
Also wurden die dicken Pullis herausgeholt, denn sobald die Sonne verschwindet, wird es hier doch erstaunlich frisch. Mit dem Dinghi fuhren wir hinüber in den kleinen Ort und liefen erst einmal die wenigen Tavernen ab. Einige davon waren allerdings preislich eher in einer etwas höheren Kategorie dabei. Das vermutet man in dem kleinen Dörfchen nicht.
Schließlich entschieden wir uns für eine kleine Taverne direkt am Wasser. Die Besitzerin sprach sogar ausgesprochen gut Deutsch – und Werner hatte sich für heute ganz ausdrücklich Moussaka gewünscht. Auch dieser Wunsch konnte erfüllt werden. Die Portion war ordentlich und alle bestellten Gerichte waren wirklich sehr lecker.
Nur auf eines warten wir inzwischen schon die ganze Woche vergeblich: den obligatorischen Ouzo nach dem Essen!
Irgendwie gehört das für uns in Deutschland doch einfach dazu.


Satt und zufrieden ging es mit dem Dinghi zurück zum Boot. Einige Crewmitglieder verschwanden bald in Richtung Koje, während der harte Kern noch zusammensaß und den Tag und die vergangene Woche Revue passieren ließ.

Sep.

16

Heute Morgen herrschte schon früh reges Gewusel in der Pantry. Martin wollte zeitig los, deshalb stand bereits um halb acht das Frühstück auf dem Tisch. Werner sorgte gleich für gute Stimmung und trällerte uns ein lustiges Ständchen vor , so dass wir Gleichnis der Früh gut gelaunt waren.
Nachdem alles wieder verstaut und aufgeräumt war, hieß es für unser Ankerteam Lorenz und Johannes: Anker auf und los Richtung Serifos.
Die Insel ist eng mit dem griechischen Mythos um Perseus verbunden und hat ihren ganz eigenen, ursprünglichen kykladischen Charme. Wir waren gespannt, was uns dort erwarten würde. Zunächst mussten wir allerdings erst einmal hinkommen und das sollte durchaus sportlich werden.


Der Wind legte ordentlich zu. Zeitweise kämpften wir mit bis zu 30 Knoten aus Nord-Nordost. Wir hatten lediglich die Genua gesetzt und rauschten mit Geschwindigkeiten zwischen sechs und acht Knoten über das Wasser. Rundherum waren noch einige andere Segler unterwegs, die ebenfalls mit den Bedingungen zu kämpfen hatten.
Nach einiger Zeit ließ der Wind glücklicherweise etwas nach. Die meisten an Bord nutzten die ruhigere Phase, um sich hinzulegen. Alle bis auf Stefan. Der hielt tapfer die Stellung.
Dann endlich: Serifos in Sicht!

Schon von weitem leuchteten die weißen Häuser der Insel in der Sonne. Wir mussten nur noch um die nächste Kurve und da lag er vor uns: der kleine Hafen, in dem wir anlegen wollten.
Auf den ersten Blick sah alles ziemlich gut aus. Sogar ein Platz an der Pier war frei.
Und dann begann das Hafenkino, leider ohne Popcorn.
Martin setzte den Anker, wir gingen mit dem Heck an die Pier – und plötzlich kam der entscheidende Ruf:
„Der Anker hält nicht! Wir müssen noch einmal Leinen los!“
Also wieder alles zurück auf Anfang.
Währenddessen versuchte ein anderes Motorboot bereits zum dritten Mal, an der Pier festzumachen. Der Skipper fuhr dabei kreuz und quer durch den Hafen und schaffte es mehrmals, uns und auch andere Boote nur knapp zu verfehlen. Martin wich lieber großzügig aus , aber irgendwann war auch seine Geduld am Ende.
Es folgte eine kurze, deutliche Ansage in Richtung des anderen Bootes. Danach konnten wir unser eigenes Anlegemanöver fortsetzen.
Beim zweiten Versuch hielt der Anker. Und diesmal waren wir nach wenigen Minuten sicher fest.
Im Gegensatz zu einigen anderen.


Rund um uns herum wurde das Geschehen offensichtlich mit großem Interesse verfolgt. Hier und da sah man ein Grinsen und hörte leises Lachen. Hafenkino eben , kostenlos und direkt vor der ersten Reihe.
Bei uns an Bord wurde anschließend erst einmal Kaffee gekocht, Kuchen gegessen.
Später wollten einige von uns hinauf zur Chora, der traditionellen Bergstadt von Serifos.
Christine, Susi, Lorenz, Martin und ich machten uns zu Fuß auf den Weg. Fünf Kilometer und rund 230 ziemlich steile Höhenmeter lagen vor uns. Google versprach eine Gehzeit von etwa 50 Minuten.
Google hatte offenbar nicht berücksichtigt, dass wir eine ausgesprochen fotogene Gruppe sind.


Denn kaum hatten wir die ersten schönen Gassen erreicht, wurde fotografiert. Und wieder fotografiert. Und noch einmal fotografiert.
Die kleinen, weiß getünchten Häuser mit ihren blauen Türen, die liebevoll geschmückten Gassen, farbenfrohe Details und immer wieder diese unglaublichen Ausblicke – da konnte man einfach nicht vorbeilaufen.
Also brauchten wir vermutlich ein kleines bisschen länger als die von Google angekündigten 50 Minuten.
Aber die Mühe hat sich definitiv gelohnt.
Oben angekommen, standen wir bei der Kapelle und hatten einen Ausblick, der eigentlich unbezahlbar war. Das tiefblaue Meer, die weißen Häuser und die typisch kykladische Landschaft – einfach wunderschön.


Nur eine Frage blieb offen:
Wo waren eigentlich die Cafés, von denen Martin gesprochen hatte?
Da oben war nämlich weit und breit erst einmal nichts zu sehen.
Aber Martin führte uns schließlich zu einem wunderschönen Platz, der mit seinen vielen Farben und liebevollen Details einfach zauberhaft war.
Wir fanden ein kleines Café mit türkisfarbiger Einrichtung und setzten uns hin.
Und plötzlich fühlte es sich tatsächlich ein bisschen so an, als wären wir mitten in „Mamma Mia“ gelandet.
Also blieben wir einfach sitzen, schauten, staunten und genossen den Moment.


Irgendwann tauchte plötzlich Stefan um die Ecke auf. Er war ganz bequem mit dem Bus nach oben gekommen. Susi und er beschlossen später ebenfalls, den Bus zurück zum Hafen zu nehmen.
Der Rest von uns machte sich irgendwann nach einer gefühlten Ewigkeit, die natürlich trotzdem viel zu kurz war , wieder zu Fuß auf den Rückweg.
Christine und ich nutzten die Gelegenheit noch für eine kleine Shoppingtour. Wobei „Shopping“ vielleicht etwas übertrieben ist , wir schauten hauptsächlich, aber wir gönnten uns noch eine Kugel leckeres Haselnusseis.
Gegen 19.30 Uhr schlenderten wir anschließend durch den Hafen und schauten uns die Restaurants an. Werner hatte sich eigentlich schon für Moussaka entschieden. Allerdings saßen in dem entsprechenden Restaurant kaum Gäste.
Zwei Lokale weiter wurden wir dann von einer äußerst geschäftstüchtigen Griechin freundlich, aber bestimmt in ihr Restaurant gelotst.
Und plötzlich war ein Tisch für sieben Personen frei.
Stefan blieb heute lieber an Bord.
Martin übernahm die Bestellung und entschied sich für eine ganze Reihe kleiner griechischer Vorspeisen – fast wie Tapas. Die Teller kamen einer nach dem anderen auf den Tisch.
Es war alles richtig lecker.
Wir probierten uns durch die verschiedenen Gerichte, reichten die Teller herum und am Ende waren tatsächlich alle satt.
Ein richtig schöner, typisch griechischer Abend.


Zurück an Bord hatte ich noch eine kleine Überraschung vorzubereiten: Für Stefan, der morgen Geburtstag hat, backte ich noch einen Pfirsichkuchen.
Oben in der Pantry und im Cockpit wurde außerdem ein bisschen dekoriert.
Danach verschwanden alle etwas früher als sonst in ihren Kojen.
Hinter uns lag ein langer, windiger, lustiger und wunderschöner Tag.
Serifos hat uns definitiv beeindruckt mit ordentlich Wind, etwas Hafenkino, steilen Wegen, traumhaften Fotomotiven, einem Hauch „Mamma Mia“ und einem Abend, wie man ihn sich in Griechenland nur wünschen kann. Nur einen Hauch wärmer könnte es sein.

Sep.

15

Ich liebe diese ganz besondere Morgenstimmung an Bord, wenn noch alles ruhig ist. Das Meer liegt friedlich da, die ersten Sonnenstrahlen blinzeln um die Ecke und auf dem Schiff noch nicht viel zu hören. Bis sich nach und nach in den Kabinen etwas rührt der frische Kaffeeduft durch den Salon zieht, spätestens dann findet auch der letzte Langschläfer den Weg ins Cockpit.
Am Frühstückstisch geht es meistens schon recht lustig zu und es wird viel gelacht. Martin erklärt uns auch immer, was für den heutigen Tag geplant ist.


Direkt neben uns machte sich die „Aquazoe“ zum Ablegen bereit, eine Yacht der Pershing-Baureihe mit 3.100 PS. Der Dieselverbrauch liegt bei rund 440 Litern pro Stunde.
Da bekommt der Begriff „Spritkosten“ plötzlich eine ganz neue Dimension. Während wir mit unseren Segeln versuchen, möglichst wenig Diesel zu verbrauchen, dürfte bei der Aquazoe wohl eher die Tankstelle zum festen Crewmitglied gehören.
Nach dem Frühstück hieß es dann auch für uns: Leinen los!


Werner und Stefan kümmerten sich um die Heckleinen, während Lorenz und Johannes den Anker einholten. Und dann ging es los zu einem weiteren Ritt mit der Georgina durch die Ägäis – unser heutiges Ziel: Kythnos. Kythnos zählt zu den westlichen Kykladen
Der Wind hatte offenbar beschlossen, ordentlich mitzumischen. Zeitweise hatten wir bis zu 30 Knoten und die Georgina kämpfte sich tapfer durch Wind und Wellen.

Susi war heute vorsorglich mit Vomex gedopt und siehe da: Es ging ihr richtig gut. Sie, Christine und Stefan saßen oben bei Martin und genossen den Ritt, während der Rest der Männer schon bald flach im Cockpit lag.
Auch unter Deck ging es ordentlich zur Sache. In den Fächern und Schränken rumpelte es teilweise ganz schön heftig. Man konnte nur hoffen, dass alles seinen Platz behielt. Zum Glück überlebte alles:


Während die Georgina durch die Wellen pflügte, nutzte ich die etwas ruhigeren Momente und rührte einen Rührteig zusammen. Obst war leider keines an Bord, also musste improvisiert werden. Kurzerhand landeten ein paar Kleckse Marmelade und Nutella im Teig. Mal schauen, wie das ankommt.
Am Nachmittag erreichten wir schließlich eine kleine Bucht vor Kythnos. Das Ankerteam machte einen hervorragenden Job und schon bald lag die Georgina sicher vor Anker.
Beim gemütlichen Kaffeetrinken erzählte Martin dann, dass es auf der Insel eine kleine heiße Quelle gibt. Ob die allerdings nach all den Jahren noch existiert, wusste er nicht so genau.
Das konnten wir natürlich nicht einfach so stehen lassen.
Lorenz und ich schnappten uns ein SUP und machten uns auf die Suche nach der geheimnisvollen Quelle. Stefan folgte kurze Zeit später mit dem zweiten SUP.


Und tatsächlich: Die Quelle gab es noch!
Also schnell den Rest der Crew informiert, dass sie mit dem Dinghi nachkommen können. Wenig später saßen wir tatsächlich alle gemeinsam in dem angenehm warmen Wasser – wie in einem natürlichen Whirlpool mitten in der Bucht.
Irgendwann musste Martin allerdings die Idylle verlassen. Der Generator musste ausgeschaltet werden . Susi fuhr gleich mit dem Dinghi zurück.


Lorenz, Stefan und ich paddelten gemütlich mit den SUPs zurück zur Georgina, während Christine und Johannes kurzerhand die sportliche Variante wählten und die Strecke schwammen.
Und Am Abend hieß es dann: warm einpacken! Denn obwohl der Tag noch herrlich sonnig gewesen war, wurde es nach Sonnenuntergang doch empfindlich frisch. Mit ordentlich Kleidungsschichten ging es mit dem Dinghi zum Kolona Restaurant.


Martin staunte nicht schlecht. Als er vor mindestens zehn Jahren schon einmal hier gewesen war, handelte es sich noch um ein kleines, nettes Restaurant. Heute gehört das Kolona bereits zur gehobeneren Kategorie. Die Zeiten ändern sich halt.
Trotzdem war es ein wunderschöner Abend. Tolles Ambiente, leckeres Essen und eine fantastische Stimmung. Ein perfekter Abschluss für einen ziemlich bewegten Segeltag.


Zurück auf der Georgina wurde dann endlich wieder einmal eine Runde Wizard gespielt. Stefan konnte die Runde für sich entscheiden.


Danach verschwanden nach und nach alle in ihren Kojen.
Denn morgen heißt es: früh aufstehen und zeitig los.

Sep.

14

Spätestens um halb neun krochen heute auch die letzten Crewmitglieder aus den Kojen. Das Frühstück war schon bereit mit Blich auf den Poseidon Tempel . Stefan war sogar schon vor dem Frühstück im Wasser und kam begeistert wieder zurück. Die vielen Fische hatten es ihm angetan.


Und dann war da noch der Wind. Der hatte gestern offensichtlich seinen freien Tag genommen, war heute aber wieder voller Tatendrang. Mit aktuell 25 Knoten aus 20 Grad Nord-Nordwest zeigte er uns ziemlich deutlich: Heute wird gesegelt!
Endlich! Sagte die Crew.
Nach dem Frühstück wurde alles ordentlich segelfest verstaut und dann hieß es: Anker auf Richtung Kea!
Großsegel im ersten Reff, Genua raus – und schon rauschten wir mit ordentlich Schub durch die Ägäis. Später musste Martin sogar noch das Großsegel ins zweite Reff setzen. Bei 25 Knoten Wind war das dann doch ein bisschen zu viel des Guten. Trotzdem machten wir flotte sechs bis acht Knoten Fahrt durch die Wellen.


Für unsere Neuseglerin Susi war die Vorbereitung gestern noch völlig problemlos gewesen. Heute allerdings zeigte die Ägäis, dass sie durchaus ihren eigenen Kopf hat. Der Wellengang und das ständige Auf und Ab des Bootes taten ihr Übriges – Susi wurde zum ersten Opfer der Seekrankheit.
Sie lag da wie ein Häufchen Elend, den Eimer fest im Arm und sagte kein Wort mehr.
Lorenz brachte es irgendwann trocken auf den Punkt:
Das ist ein schlechtes Zeichen.“


Irgendwie musste ich helfen. Also holte ich die Musikbox heraus, drehte die Schlager ordentlich auf und wartete gespannt auf die Wirkung.
Und tatsächlich: Keine Sekunde später stand Susi im Cockpit, sang und tanzte!
Gut, der Eimer kam zwischendurch noch gelegentlich zum Einsatz, aber immerhin war das Lachen wieder da. Stefan kommentierte die musikalische Therapie allerdings ganz lapidar:
Kein Wunder, bei der Musik kann’s einem doch nur schlecht werden!“
Damit war zumindest für allgemeine Erheiterung gesorgt.
So nach und nach verschwanden dann allerdings immer mehr Crewmitglieder in den Kabinen. Leicht gelblich bis grünlich im Gesicht, wurde sich hingelegt und gehofft, dass das Meer sich irgendwann wieder beruhigen würde.
Aber an den Wellengang muss man sich eben auch erst gewöhnen.


Gegen halb drei erreichten wir schließlich die kleine, windgeschützte Bucht von Kea. Stefan, Christine und ich platzierten auf Martins Anweisung noch schnell die Fender, dann parkte unser Skipper souverän rückwärts an der Pier ein.
Mit Unterstützung von Stefan und Johannes war das Boot kurz darauf sicher festgemacht.


Und plötzlich waren sie wieder alle wach.
Normalerweise wäre jetzt Kaffee- und Kuchenzeit gewesen. Aber nach den Strapazen des Vormittags hatte die Crew eindeutig andere Bedürfnisse: etwas Herzhaftes musste her!


Alle – außer dem Skipper.
Der verdrückte nämlich kurzerhand noch den Rest vom Käsekuchen. Jeder hat eben seine eigene Strategie zur Regeneration.
Christine zauberte eine riesige Schüssel griechischen Salat auf den Tisch. Die war allerdings schneller leer, als man „Kali Orexi“ sagen konnte. Kein Wunder, seit dem Frühstück hatte schließlich niemand mehr etwas gegessen.
Da wir direkt an der Pier lagen, konnte nun jeder machen, wonach ihm gerade war.
Christine und Johannes machten sich auf den Weg zum nächsten Strand. Susi, Lorenz und Stefan schlenderten durch das kleine Dörfchen. Werner machte es sich mit seinem Buch gemütlich und der Skipper gönnte sich erst einmal einen wohlverdienten Schönheitsschlaf.


Ich dagegen machte mich zu Fuß auf den Weg zum Supermarkt. Rund zwei Kilometer entfernt sollte es dort alles geben, was wir noch an Kleinigkeiten brauchten.
Der Weg führte wunderschön direkt am Wasser entlang. In einer kleinen Siedlung legten gerade zwei große Fähren an – die Triton und die Hellas Ferry.
Im Dorf bog ich dann allerdings ab und machte mich hinein in die Berge. Immerhin: Im Supermarkt bekam ich tatsächlich alles, was auf meiner Einkaufsliste stand.
Mein Plan war eigentlich, für den Rückweg ein Taxi zu nehmen.
Theoretisch.
Denn die wenigen Taxis, die es dort gab, waren natürlich gerade mit den Fährgästen unterwegs. Also blieb mir nichts anderes übrig, als meine Einkäufe zu schnappen und den gesamten Weg wieder zu Fuß zurückzulaufen.
Zwei Kilometer hin, zwei Kilometer zurück – man könnte auch sagen: Ich habe heute nicht nur gesegelt, sondern gleich noch etwas für die Fitness getan.
Zurück an Bord wurden erst einmal die Kühlsachen verstaut. Danach machten wir uns gemeinsam auf, um noch ein bisschen an der Promenade entlangzubummeln.

Stefan hatte inzwischen auch schon ein Restaurant für den Abend ausgesucht.
Um acht Uhr marschierten wir fast im Gänsemarsch in Richtung Manoli Grill.
Der Wirt war ausgesprochen freundlich und nahm unsere komplette Bestellung auf – ohne einen Zettel, ohne Handy, ohne irgendetwas aufzuschreiben.
Wir sahen uns etwas skeptisch an.
Ob das wohl gut geht?
Nicht nur gut – er brachte tatsächlich alles exakt so, wie wir es bestellt hatten. Chapeau!
Und dann kamen die Portionen.
Riesig wäre noch untertrieben. So riesig, dass wir am Ende sogar eine komplette Portion mit nach Hause nehmen konnten.
Nach diesem Tag hätte vermutlich ohnehin niemand mehr etwas dagegen gehabt, am nächsten Morgen gleich wieder davon zu essen.


Einen Spieleabend gab es heute nicht. Dafür waren wir alle einfach zu platt von diesem anstrengenden, aber wunderschönen Segeltag.
Martin und ich spielten immerhin noch drei Runden Backgammon. Das Ergebnis? Sag ich nicht 😉
2:1 für Martin
Ich verbuche das einfach mal unter „Skipperbonus“.
Irgendwie ergab es sich dann, dass Christine und ich schließlich die letzten am Tisch waren. Und wie das manchmal so ist, wenn man eigentlich nur noch kurz zusammensitzen möchte, wurde aus „kurz“ plötzlich ziemlich lang.
Wir plauderten über Gott und die Welt – und merkten irgendwann, dass es fast halb zwei war.
Nach diesem ereignisreichen Tag ging es dann aber wirklich schnurstracks in die Koje.