Sep.

28

Die Sonne wusste heute Morgen noch nicht so richtig, was sie eigentlich wollte. In der Bucht von Agathonisi wäre es jedenfalls noch ziemlich duster und bewölkt gewesen, wenn nicht das Licht des Vollmondes gewesen wäre.
Ich machte mich wie jeden Morgen ans Frühstück und schob nebenbei noch einen Kuchen in den Ofen. Stefan leistete mir dabei Gesellschaft , ebenfalls wie jeden Morgen. Er war irgendwie immer der Erste von der Crew, der morgens auftauchte.
Heute hatten wir es wieder einmal überhaupt nicht eilig.

Nach dem Frühstück machten sich deshalb alle noch zu einem kleinen Landgang auf. Die Abfahrt war schließlich erst für zehn Uhr geplant. Micha wollte sogar noch in der Nachbarbucht schwimmen gehen und auch Christiane, Irene, Heike und Torsten machten sich zu Fuß auf den Weg dorthin.
Ganz langsam schob sich währenddessen die Sonne über die Berge. Und schon fühlte es sich gleich ein bisschen wärmer an.
Neben uns machte sich auch der schrullige Fischer auf den Weg. Der hatte gestern noch ausgiebig seine Angelleinen präpariert und fuhr nun hinaus aufs Meer. Ich wünschte ihm auf Griechisch „viel Glück“ – natürlich erst nach vorheriger Beratung durch Google. Er grinste jedenfalls freundlich zurück. Ich hoffe einfach mal, dass ich es auch richtig ausgesprochen habe!
Kurz vor zehn trudelte die komplette Crew wieder ein. Und dann kündigte sich von Weitem die große Fähre an, von der George gestern erzählt hatte. Ihr lautes Hupen war jedenfalls nicht zu überhören.


Auf den Nachbarbooten gingen sofort alle in Habachtstellung. Schließlich war uns ein ziemlich heftiger Schwell angekündigt worden. So schlimm wie befürchtet wurde es dann aber zum Glück doch nicht. Die Fähre fuhr gar nicht ganz in die Bucht hinein und war fast genauso schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen war.
Martin fragte noch einmal kurz: „Sind alle an Bord?“
Dann konnte es losgehen.
Das Ablegen funktioniert bei uns mittlerweile genauso schnell wie das Anlegen. Und so verließen wir gegen halb elf bei strahlendem Sonnenschein den kleinen Hafen von Agathonisi. Unser Ziel war Samos , allerdings noch nicht der Hafen. Wir wollten zunächst in die wunderschöne Badebucht Poseidonio.


Kaum waren wir aus der geschützten Bucht heraus, wurde es wieder ein wilder Ritt. Unter Großsegel und Genua tanzte die Georgina über die Wellen. Ganz nach dem Wiesn-Motto: Auf und Nieder , immer wieder“. Dabei zog sie dicke Schaumkronen hinter sich her.
Der Wind war immer noch frisch, aber bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein fühlte es sich längst nicht mehr so kalt an wie gestern.
Trotzdem saß auf der Flybridge eine ziemlich vermummte Gesellschaft. Nur Heike streikte heute gegen die Kälte und saß tatsächlich im T-Shirt und in kurzer Hose in der Sonne. Irene hatte es sich gut eingepackt im Cockpit mit ihrem Buch gemütlich gemacht.
Das Geschirr schepperte wieder ordentlich in den Schränken und manchmal hatte man das Gefühl, unser Schiff würde gleich auseinanderbrechen. Aber die Stimmung an Bord war bestens. Es ist schon erstaunlich, was ein bisschen Sonne mit der Laune macht.
Eine dicke Fähre kreuzte unseren Weg. Stefan, Torsten und Heike gönnten sich dazu ein Wellenbier , das gehört inzwischen zum Bordprogramm.
Gegen 14 Uhr erreichten wir die Küste von Samos. Von Weitem zeigte sich wieder diese karge, felsige Landschaft. Mal sehen, ob Samos wohl genauso viel Charme verspricht wie die kleinen Inselchen, die wir in der vergangenen Woche angelaufen haben.
Bis zur Bucht von Poseidonio lagen noch mindestens zwei Stunden vor uns. Aber es wurde gefühlt stetig wärmer. Rechter Hand konnten wir bereits die türkische Küste sehen.Und dann war es endlich soweit: Wir liefen in die Bucht von Poseidonio ein. Der Wind hatte wunderbar nachgelassen und die Wärme der Sonne tat einfach nur soooo gut.


Das Ankerteam machte wieder einen super Job. Anker sitzt, Motor aus und Feierabend für heute!
Dafür war der Käsekuchen fertig und der Kaffee stand auch schon bereit. Und was soll ich sagen: Es blieb nicht ein einziges Krümelchen übrig.
Da es mittlerweile schon später geworden war, waren wir uns einig: Abendessen gibt es heute nicht vor acht.
Irene und Christiane hatten sich für heute Abend etwas Leckeres vorgenommen: Ratatouille. Das Gemüse dafür hatten sie bereits am Vortag eingekauft.
Bis dahin war Zeit zum Schwimmen, Schnorcheln oder einfach nur zum Chillen. So wie ich es gerade mache. Jeder suchte sich irgendwo an Bord sein persönliches Eckchen und genoss die Ruhe.
Ab halb sieben klapperten dann die Töpfe in der Pantry. Micha, Heike und Christiane waren die fleißigen Schnippelhilfen von Irene. Zwiebeln, Knoblauch, Karotten, Zucchini, Auberginen und natürlich die guten griechischen Tomaten wurden geschnippelt und zu einem herrlich duftenden Ratatouille verarbeitet.
Währenddessen wurde im Cockpit der Tisch schön gedeckt.


Und dann bekamen wir noch ein ganz besonderes Abendprogramm geschenkt: einen fulminanten Sonnenuntergang und kurz darauf folgte gleich der Mondaufgang. Nach dem Vollmond in der vergangenen Nacht passte das natürlich perfekt.
Dann kam Irene mit dem riesigen Topf Ratatouille aus der Pantry. Es schmeckte wirklich lecker und auch hier blieb am Ende kein Rest übrig. Nachdem wieder alles aufgeräumt war, kam unser mittlerweile fast schon traditioneller Spieleabend.
Das Hornochsenspiel hat auf diesem Törn das gute alte Wizard ziemlich abgelöst. Der entscheidende Vorteil: Hornochsen kann man auch mit acht Leuten spielen.
Und wie immer wurde viel gelacht.
Auf dem heutigen Hornochsen-Treppchen standen schließlich Christiane, ich und Heike.
Egal – Hauptsache, es hat Spaß gemacht. Und das hat es definitiv!
So ging ein wunderschöner Segeltag zu Ende.

Sep.

27

Heute Früh hat es ausnahmsweise mal nicht pressiert. Und das war auch gut so, denn über uns hingen dicke, graue Wolken. Also machte ich mich ganz entspannt auf den Weg in die Altstadt zu einer kleinen, netten Bäckerei, um frisches Brot zu holen.
Doch kaum war ich wieder zurück, kam von Stefan :„Das Brot reicht bestimmt nicht!“
Schließlich gäbe es heute Abend/bzw. morgen früh keine Einkaufsmöglichkeit. Also ging ich kurzerhand noch einmal los. Mittlerweile hatte die Bäckerei auch süße Teilchen, da habe ich einfach zugeschlagen , weil für den Nachmittagskaffee musste schließlich auch vorgesorgt werden.
Als ich wieder an Bord kam, saßen Heike, Torsten und Stefan bereits oben auf der Flybridge. Torsten übte fleißig einige Knoten.
Nach und nach trudelte auch der Rest der Crew zum Frühstück ein. Die Stimmung war allerdings ungefähr so grau wie der Himmel. Da musste der gute-Laune-Sonntags-Motivationssong her!


Heike stimmte sofort fröhlich mit ein und tatsächlich: Zumindest ein kleines Lächeln ließ sich damit in einige Gesichter zaubern.
Gegen zehn Uhr hieß es dann: Leinen los Richtung Agathonisi!
Leider nieselte es immer noch. Also wurde der gute-Laune-Song kurzerhand noch einmal angestimmt. Dieses Mal machten sogar Micha, Heike und Christiane mit.
Vielleicht kann man den Wettergott ja musikalisch ein bisschen beeinflussen?
Heike hatte sich schon wetterfest eingepackt, denn sie wollte unbedingt vorne sitzen. Zusammen mit Christiane zog sie dann aber doch die Flybridge bei Martin und Micha vor ,natürlich dick eingemummelt und dem Wetter tapfer trotzend.
Der Rest der Crew machte es sich lieber im Salon gemütlich und begann, ordentlich Seemannsgarn zu spinnen.
Nach und nach kamen allerdings auch die hartgesottenen Flybridge-Sitzer immer wieder nach drinnen. Draußen war es einfach ungemütlich. Nur Christiane hielt oben tapfer bei Martin aus.


Und dann ging es richtig los.
Die Gischt spritzte über den gesamten Bug, das Schiff düste durch die Wellen und in den Schränken begann das Geschirr zu scheppern.
Was für ein Ritt!
Bei allen herrschte irgendwann nur noch ein Gedanke:
Wann sind wir denn endlich da?


Martin musste kreuzen und dadurch wurde aus der geplanten Strecke beinahe die doppelte Distanz. Irgendwann erbarmte sich der Wettergott wenigstens kurz und schickte tatsächlich ein bisschen Sonne vorbei.
Um kurz nach vier war es dann endlich soweit:
Agathonisi in Sicht!


Die Segler vom Nachbarboot halfen uns beim Anlegen und so waren wir im Handumdrehen sicher fest.
Der Kaffee war bereits fertig und die Bougiatsa warm gemacht. Nach der langen und wilden Überfahrt war das genau das Richtige.
Auch das Wetter hatte sich etwas beruhigt. Warm war es allerdings noch nicht wirklich.


Dafür gab es etwas anderes zu bestaunen: das glasklare Wasser.
Man hatte tatsächlich das Gefühl, in ein riesiges Aquarium zu schauen.
Auf dem Nachbarboot machte sich der Fischer inzwischen daran, seine Angelleinen herzurichten , in der Hoffnung auf einen guten Fang. Nebenbei fütterte er von seinem Boot aus die Fische.
Und so konnte ich eine ganze Weile die unterschiedlichsten Fische beobachten – kleine, große und alles dazwischen.


Nach dem Kaffee machten sich fast alle noch zu einem kleinen Spaziergang auf.
Fast alle.
Denn Christiane hatte offenbar beschlossen, dass das Wetter zwar frisch, das Wasser aber trotzdem absolut badetauglich sei.
Also: Badeanzug an und ab in die Fluten! Micha lief am Wasser entlang und kam in eine andere Bucht. Dort entdeckte er tatsächlich einen Oktopus zwischen den Steinen.
Martin und ich liefen derweil hinauf ins Dorf. Für Martin war das ein ganz besonderer Spaziergang, denn er war vor 40 Jahren zum ersten Mal hier.
Damals gab es auf Agathonisi noch keinen Strom. Generatoren und Gaslampen sorgten für Licht und auch die Straßen sahen noch ganz anders aus. Oben im Dorf hatten wir ein schönen Blick auf die Bucht. Dann liefen wir gemütlich zurück aufs Boot.


Kurz nach sieben Uhr wollten wir in Georges Taverne zu Abendessen. Martin war vorher schon dort und reservierte für den Abend.
George ist Grieche, seine Frau Deutsche und nach zehn Jahren , als er das letzte Mal mit der Vava U hier war, erkannten sie ihn tatsächlich wieder . Also hat er ordentlich Eindruck hinterlassen.
Wir wurden sehr nett vom Sohn begrüßt. Dann kam die Frage:
„Wollt ihr Fisch?“
Kurz darauf kam der Wirt persönlich und öffnete seine Kühltruhe, damit sich die Crew einen Fisch aussuchen konnte.
Sie hatten schnell entschieden:
Ein Red Snapper sollte es sein und zwar kein kleiner. 2,2 Kilo wog das Prachtexemplar.
Der Fisch wurde direkt vor der Taverne entschuppt und für die Pfanne vorbereitet.


Dazu gab es natürlich wieder jede Menge Vorspeisen: Fava, Bohnen, Tzatziki, Oktopussalat und griechischen Salat.
Dann kam der Red Snapper. Perfekt gebraten und bereits fachmännisch filetiert lag er auf einer großen Platte.
Alle langten kräftig zu.


Es dauerte wirklich nicht lange, bis von den 2,2 Kilo Fisch nur noch Gräten und Kopf übrig waren. Er war sehr lecker.
Torsten hatte sich zusätzlich Ziegenfleisch bestellt, das ebenfalls wunderbar zart war.


Und heute gab es noch eine kleine Premiere:
Zum ersten Mal auf diesem Törn bekamen wir tatsächlich einen Ouzo nach dem Essen serviert.
Na bitte, geht doch. Danke dafür.


Zurück an Bord war der Abend natürlich noch lange nicht vorbei.
Das Hornochsenspiel musste schließlich noch sein.
Christiane wollte eigentlich schon ins Bett.
Nur ein Spiel, dann gehe ich!“ Aber eins ist keins und überhaupt hat sie die Rechnung leider ohne uns gemacht.
Aus dem einen Spiel wurden sieben lustige Runden.
Und diesmal erwischte es leider sie selbst:
Die Hornochsenkrone ging an Christiane!


Wir hatten jede Menge Spaß und lachten ordentlich.
Aber irgendwann forderte der lange Segeltag dann doch seinen Tribut.
Um Mitternacht war plötzlich Schluss mit lustig und alle verschwanden ziemlich schnurstracks in ihren Kojen.

Sep.

26

Die Stimmung am frühen Morgen in der Bucht von Levitha war einfach mystisch. Der Mond verabschiedete sich langsam am Horizont, während gleichzeitig die Sonne aufging. Ein wunderschönes Schauspiel und definitiv ein Moment, für den sich das frühe Aufstehen gelohnt hat.

Obwohl die Crew wieder so früh aus den Kojen musste, herrschte beim Frühstück gute Laune. Es gab wie immer frisches Obst, Joghurt, Wurst, Käse, etwas Knabber-Gemüse und natürlich Rührei. Nur einer ließ sich das morgendliche Bad nicht nehmen: Stefan sprang tatsächlich ins Wasser. Der kalte Wind hatte inzwischen nachgelassen. Für uns an Bord angenehm , fürs Segeln allerdings eher kontraproduktiv. Richtung Patmos sah es deshalb ziemlich schnell danach aus, als müssten die Motoren die Arbeit übernehmen.Und genau so kam es auch. Dafür war der Seegang heute ausgesprochen ruhig. Ein echter Glücksfall für Christiane, die die komplette Fahrt ganz entspannt vorne sitzen konnte.


Micha hatte es sich oben auf der Flybridge gemütlich gemacht und hielt dort die Stellung. Plötzlich ertönte sein Ruf: Delfine!!!! Und schon waren alle wie elektrisiert. Innerhalb von Sekunden waren die Köpfe nach vorne gerichtet und verfolgten die beiden Tümmler, die vor uns in der Bugwelle herumtollten und offensichtlich mindestens genauso viel Spaß hatten wie wir. Was für ein tolles Schauspiel kurz vor Patmos!


Als wir in den Hafen von Patmos einfuhren, konnten wir schon von Weitem das berühmte Johanneskloster oben auf dem Berg sehen. Ungewöhnlich in einem grauen, steinernen Ton thront es über der Chora und sieht von unten fast mehr nach einer mächtigen Festung als nach einem Kloster aus.

Beim Anlegen hatte Martin heute allerdings irgendwie einen kleinen Distanzfehler. Viermal musste er Anlauf nehmen.Immer war die Ankerkette zu kurz.Irgendwann fiel dann sogar das berühmte F-Wort und Martin monierte anschließend: „Das kommt aber nicht in den Blog!“ Tja, lieber Martin … kleiner Hinweis: Den Blog schreibe ich. Nicht du. Aber Ende gut, alles gut. Als die Kette endlich lang genug war, ging das eigentliche Anlegen wie immer ruckzuck.
(Anm. der Redaktion:
Die Ankerkette ist einfach mit 80m zu kurz – auf der VAVA-U hatte ich 135m 😉 ).
Die Festmacher-Mannschaft hier ist wirklich unglaublich schnell. Und zur Belohnung wartete bereits ein warmer Zwetschgendatschi mit Sahne und Vanilleeis. Da war der kleine Anlege-Krimi sofort vergessen.


Unsere fleißigen Helferlein Christiane und Heike machten anschließend auch gleich wieder klar Schiff in der Küche, sodass jeder noch ein bisschen Freizeit hatte
Um 15.15 Uhr machten wir uns fast im Gänsemarsch auf den Weg zur Bushaltestelle. Der Bus brachte uns gemeinsam mit einigen anderen Touristen hinauf bis kurz vor das berühmte Kloster.

Das Johanneskloster wurde im Jahr 1088 von dem byzantinischen Mönch Christodoulos Latrinos gegründet. Nach einem letzten kleinen, aber steilen Aufstieg standen wir schließlich davor. Und es hat uns wirklich beeindruckt. Ein unglaublich verwinkelter Komplex mit hübschen Innenhöfen, kleinen Kapellen, Mönchszellen und der Hauptkirche. Überall gibt es etwas zu entdecken. Man steht dort oben tatsächlich mitten in einer Geschichte, die über viele Jahrhunderte zurückreicht.

Und dann dieser Ausblick. Von hier oben konnten wir über die gesamte Bucht schauen. Bei klarer Sicht reicht der Blick sogar bis zur türkischen Küste. Gegenüber liegt Ikaria. Ein Kreuzfahrtschiff hatte sich gerade in die Bucht gelegt. Eigentlich passt so ein riesiger Klotz nicht unbedingt perfekt in diese ansonsten wunderschöne Kulisse.

Auf dem Rückweg wollten wir natürlich auch noch die berühmte Höhle der Apokalypse besuchen. Doch vorher schlenderten wir noch ein wenig durch die Chora.

Der Überlieferung nach soll der Apostel Johannes hier im Jahr 95 n. Chr. seine göttlichen Visionen empfangen haben, aus denen später die Offenbarung entstand. Und wir können nur sagen:Wir haben die Apokalypse live erlebt. Während wir oben im Kloster noch gemütlich das Museum anschauten, hatte das Kreuzfahrtschiff inzwischen seine Tenderboote losgeschickt. Und mit ihnen kamen die Menschenmassen. Als wir bei der Höhle ankamen, standen dort bereits Touristen aus aller Welt Schlange. Aber nun waren wir schon einmal da , also Augen zu und durch. Langsam wurden wir gemeinsam mit gefühlt halb Europa durch die Höhle geschoben. Und als wir endlich wieder draußen waren, riss die Schlange immer noch nicht ab. Wir beschlossen deshalb, über kleine Schleichwege langsam wieder Richtung Stadt zurückzukehren.

Christiane, Irene und Stefan blieben gleich in der netten Altstadt und machten sich auf die Suche nach einer netten Taverne für das Abendessen. Ich blieb heute mal an Bord und ging nicht mit zum Essen und genoss einfach in Ruhe zu lesen.

Sie fanden eine kleine, vormals typische Ouzeri, die mittlerweile etwas geachsen ist und vornehmlich von Einheimischen besucht wird. Daher mussten wir auch etwas warten bis ein großer Tisch für uns frei wurde Aber entsorechend gut war das Essen mit verschiedenen Vorspeisen, Kalamari und Dorade.

Sep.

25

Der Skipper wollte heute schon wieder um acht Uhr los. Nach dem Motto: „Der frühe Segler fängt den Wind!“
Also hieß es für uns alle wieder: raus aus der Koje!
Frühstück gab es zwischen sieben und halb acht. Wir brauchten allerdings noch frisches Brot , zum Glück war der Bäcker ja gleich ums Eck.


Unser heutiges Ziel war Levitha. Auf der kleinen Insel lebt mittlerweile in der achten Generation eine Familie, die versucht, ihr Leben möglichst ökologisch auszurichten. Traditionelle Lebens- und Anbaumethoden werden mit erneuerbaren Energien verbunden. Zur Selbstversorgung und zum Verkauf betreibt die Familie Landwirtschaft und hält sage und schreibe etwa 650 Ziegen. Eine Photovoltaikanlage sorgt für die Stromversorgung und mit der kleinen Taverne, in der die Crews der anlegenden Boote bewirtet werden, bessert die Familie ihr Einkommen auf.
Das klang alles sehr spannend und wir waren natürlich schon ziemlich neugierig auf diesen besonderen Ort.
Aber erst einmal mussten wir überhaupt dorthin kommen.
Unsere Crew ist inzwischen richtig gut eingespielt. Jeder weiß, wo er hinlangen muss, und so ging es flott aus dem Hafen. Dort legte am frühen Morgen gerade noch eine große Fähre an. Kaum waren wir um die Kurve, konnten die Segel gesetzt werden.
Und dann ging’s los!
Wir hatten ordentlich Wind 15-18 Kn aus N und 1m Wellen.
Am Anfang war es noch ziemlich schaukelig und die Georgina bewegte sich in alle Richtungen, die ein Schiff so einschlagen kann. Aber nach Umrundung von der Nordostecke Amorgos hatten wir mehr Wind von der Seite und unsere Georgina flog nur so über die Wellen.
Vorbei ging es an bizarren Felsformationen und ausgesprochen kargen Inseln wie Kinaros und Glaros. Dazu strahlend blauer Himmel , eigentlich Postkartenwetter.
Allerdings hatte dieser Postkartenhimmel einen kleinen Haken:
Es war echt kalt.
Der Wind pfiff uns ordentlich um die Ohren und deshalb waren alle dick eingepackt. Wenn ich mir die Fotos im Nachhinein anschaue, könnte man glatt meinen, wir wären nicht in der Ägäis, sondern irgendwo in der Nordsee unterwegs.
Nach gut sieben Stunden erreichten wir schließlich Levitha.


In wunderschönen Bucht gibt es Mooringbojen und dort lagen bereits acht Einrumpfboote und ein Katamaran. Martin entschied sich für die letzte Boje.


Unser Platz lag direkt an den Felsen und die Aussicht war einfach wunderschön. Das Wasser leuchtete in einem unglaublichen Türkis und war glasklar.
Nach unserem langen Ritt gab es erst einmal Kaffee und dazu Apfelküchle und Pfannkuchen. Mit Nutella, Marmelade oder Frischkäse , je nach persönlicher Vorliebe.


Am Abend wartete ja noch ein typisches griechisches Essen bei der Familie auf uns. Die Spannung stieg.
Bevor es soweit war, wurde erst einmal gebadet.
Das Wasser sah schließlich viel zu verlockend aus.
Die komplette Crew ging schwimmen.
Na ja … fast.
Martin und ich nicht, wir sind bekennende Warmduscher 🙂
Um die Zeit bis zum Abendessen zu überbrücken, wurde noch das Hornochsenspiel ausgepackt. Und diesmal hatten Micha und ich das zweifelhafte Vergnügen, die Oberhornochsen zu sein.
Jedoch wie immer gilt: Es geht nicht ums Gewinnen.
Es geht ums Lachen.
Kurz vor sieben war es dann soweit.
Alle Mann ins Dinghi , allerdings ohne Motor.
Micha und Martin paddelten uns die kurze Strecke bis zum Steg.

Von dort ging es noch ein Stück über Stock und Stein bergauf, bis wir schließlich oben am Haus ankamen.
Und da bot sich uns ein wunderschöner Anblick.
Der Mond stand kurz vor dem Vollmond und tauchte die Bucht in ein ganz besonderes Licht.
Eine spektakuläre Szenerie.


Die Taverne selbst war ganz einfach gehalten. Ein paar Tische, die typisch griechischen Wackelstühle und eine herrlich unkomplizierte Atmosphäre. Einige Gäste von den Nachbarbooten waren schon da.
Die Besitzer begrüßten uns sehr freundlich.
Wir hatten heute sogar einen besonderen Grund zum Feiern,
Heike und Torsten hatten Hochzeitstag.
Natürlich mussten wir darauf erst einmal gemeinsam anstoßen.
Der Wirt brachte Wasser und Wein und dann begann das große Auffahren der Vorspeisen.
Es gab unter anderem Kava ( das war übrigens mit Abstand die beste Version die wir bisher auf diesem Törn hatten) –Saganaki, Horta, Bohnen, Zucchinibällchen und natürlich griechischen Salat.
Das war erst der Anfang.
Als Hauptspeisen gab es Ziege, Fisch und Bifteki.
Martin bestellte zweimal Ziege, einmal Fisch und einmal Bifteki.
Das sollte reichen, sogar sehr.
Alle waren anschließend pappsatt.
Bis der Wirt plötzlich vor uns stand und fragte:
Dessert? alle guckten sich an.
Diese Frage sollte man in Griechenland niemals mit „Nein“ beantworten.
Also gab es griechischen Joghurt mit Zitrone, Joghurt mit Feige und dazu die eingelegten Früchte
Süß geht immer!
Und lecker war es sowieso.


Es war ein wunderschöner, ganz besonderer griechischer Abend .
Später paddelten Martin und ich die Crew wieder sicher zurück zur Georgina.
Martin ging anschließend direkt in der Koje.
Der Rest der Mannschaft war offenbar noch nicht müde genug und stieß noch einmal mit Heike und Torsten auf ihren Hochzeitstag an.


Dabei ließen wir den schönen Tag noch einmal Revue passieren.

Sep.

24

Heute war wieder einmal frühes Ablegen nach Skipper-Art angesagt. Das bedeutete : Frühstück vorbereiten um halb sechs.
So nach und nach trudelten dann auch die ersten Frühaufsteher Stefan und Heike aus ihren Kabinen und wurden dafür gleich mit einem sensationellen Sonnenaufgang belohnt. Kaum war die Sonne zu sehen, begann auch schon ein Fotowettbewerb. Jeder bemühte sich, das schönste Sonnenaufgangsfoto zu ergattern.
Zwischen sieben und halb acht gab es Frühstück , heute einmal mit Rührei statt gekochten Eiern. Da wurde ordentlich zugelangt.
Draußen in der Ägäis erwartete uns wieder reichlich Wind. Dafür war unser heutiges Ziel nicht allzu weit entfernt: Amorgos. Dort stand ein ganz besonderes Highlight auf dem Programm: das berühmte Kloster Panagia Hozoviotissa.


Das weiß leuchtende Kloster klebt spektakulär an einer steilen Felswand rund 300 Meter über dem Meer. Gegründet wurde es bereits im 9. Jahrhundert, etwa um 812, und im 11. Jahrhundert erneuert. Das Gebäude ist nur wenige Meter breit, dafür fast 40 Meter hoch und erstreckt sich über acht Etagen in die Felswand hinein. Es ist eines der ältesten Klöster Griechenlands und gleichzeitig das Wahrzeichen von Amorgos.

Schon die Kleiderordnung versprach ein kleines Abenteuer: Männer brauchen lange Hosen, Frauen lange Röcke und bedeckte Schultern. Das wird alles bei Bedarf am Eingang zur Verfügung gestellt.
Wir ließen uns einfach überraschen. Von unserer Crew war jedenfalls noch keiner dort gewesen – außer Martin natürlich.
Um halb neun hieß es dann: Leinen los Richtung Amorgos. Das Ziel lag geradewegs voraus. Und tatsächlich konnten wir bereits kurz vor elf mit dem Heck am Hafen anlegen.


Mittlerweile weiß die Crew genau, was zu tun ist. Jeder Handgriff sitzt, und auch vom Hafenmeister kam Unterstützung. Unter Martins gewohnt präzisen Anweisungen lief das Anlegemanöver zügig und völlig unspektakulär ab.


Danach gab es erst einmal eine Besprechung im Cockpit. Martin hatte den Vorschlag, mit einem Taxi zum Kloster hinaufzufahren. Gesagt, getan.
Wir marschierten zum Taxistand und hatten tatsächlich Glück: Ein Großraumtaxi stand bereit. Also alle acht husch ins Taxi, denn das Kloster schließt bereits um ein Uhr.
Unser Taxifahrer hieß Vangelis und fuhr uns tatsächlich direkt Kloster hinauf. Schon während der Fahrt waren die Ausblicke gigantisch. Aber was uns dort oben erwartete, war noch einmal eine ganz andere Hausnummer.


Etwa 300 Meter über dem Meeresspiegel und rund 300 Stufen führten auf einem steilen Weg hinauf zum Kloster.
Und dann begann die Kleiderordnung.
Die Männer hatten natürlich alle kurze Hosen an. Also hieß es: umziehen. Lange Hosen wurden übergezogen.
Heike, Christiane und Irene hatten zwar lange Hosen an ,aber auch das war nicht erwünscht. So wurden Tücher um die Hüften gewickelt, bis es aussah wie ein Rock.
Ich hatte meinen eigenen langen Wickelrock dabei.
Dann ging es die steilen Stufen hinauf ins Kloster.


Ein junger Mann erzählte uns einiges über die Geschichte des Klosters und erklärte, dass dort inzwischen nur noch zwei Mönche und er selbst leben. Vielleicht wird auch er eines Tages ein Mönch werden.
Von der Terrasse des Klosters aus bot sich ein atemberaubender Blick über die Ägäis. In der Ferne waren verschiedene Inseln zu erkennen, und bei diesem strahlend blauen Himmel konnte man sich wirklich kaum sattsehen.
Im Inneren wurden wir anschließend in einen Raum geführt, der eher wie ein kleines, gemütliches Wohnzimmer wirkte. Dort bekamen wir ein Glas Wasser und den traditionellen Psimeni Raki serviert, einen warmen Likör, der dem Rakomelo ähnelt. Er wird mit lokalem Honig, Zucker und Gewürzen wie Zimt und Nelken zubereitet und zusammen mit einem kleinen Loukoumi Würfel gereicht , als stärkende Begrüßung für die Pilger nach dem doch recht sportlichen Treppenaufstieg.
Unsere Gruppe verweilte noch ein bisschen in diesem gemütlichen Raum, bevor wir das Kloster wieder verließen.


Draußen erwartete uns weiterhin ein strahlend blauer Himmel. Mega Wetter also, um noch zur Chora, dem wunderschönen Bergdorf von Amorgos, zu laufen oder den Bus zu nehmen.
Oben an einem Bushäuschen fragte ich einen jungen Mann, ob er auf den Bus warte und wann dieser denn käme.
Er meinte; in In zehn Minuten.“
Perfektes Timing
Also fuhren wir mit dem Bus hinauf zur Chora und wollten von dort nach einer kleinen Stärkung wieder zu Fuß Richtung Hafen hinunter.


Und dann standen wir plötzlich mitten in einem Bilderbuchdorf.
Weiße Häuser, kleine Gassen, bunte Türen und Fenster, Bougainvilleas, blauer Himmel und Windmühlen , eine einzige große Fotoszenerie.
Leider war mein Handy-Akku inzwischen leer, sonst hätte ich vermutlich noch hunderte weitere Fotos gemacht.
Im Dorf trennten wir uns zunächst. Christiane, Irene und Micha wollten in einer anderen Taverne noch eine Kleinigkeit essen. Wir setzten uns dagegen in ein kleines Café und genossen bei einem Snack und Sonnenschein den Blick auf die Windmühlen.


Als wir uns schließlich auf den Rückweg machten, trafen wir wieder auf den Rest der Crew.
Und nun stand die nächste Entscheidung an:
Bus fahren oder zu Fuß den Berg hinunter?
Natürlich entschied sich alle für den Fußweg.
Der schmale, steinige Weg war ziemlich spektakulär. Er schlängelte sich in Serpentinen den Berg hinunter, vorbei an Ziegen, verlassenen Häusern und trockenen Brunnen.
Martin, Micha und ich bildeten die Vorhut. Der Rest der Crew kam etwas langsamer hinterher.
Auf dem Schild waren für den Weg 55 Minuten angegeben.
Das war schon eine ziemlich sportliche Ansage , aber wir schafften es.


Bis zum Boot waren es anschließend noch einmal etwa zehn Minuten. Dort setzte ich gleich das Kaffeewasser auf.
Dazu gab es heute einen fertigen Schokoladenkuchen , dafür aber mit ordentlich Sahne. Man muss schließlich Prioritäten setzen.
Danach war erst einmal Chillen angesagt.
Alle waren noch völlig geflasht von diesem tollen Tag und den vielen Eindrücken.
Für das Abendessen erklärte sich Irene bereit zu kochen. Wir entschieden uns für Schinkennudeln .
Heike und Torsten gingen noch schwimmen, Christiane zog es ebenfalls an den Strand und einige machten noch einen Spaziergang durchs Dorf.


Ich schaute mir den kleinen botanischen Garten an. Allerdings war der Wind inzwischen so kalt, dass ich aufs Schiff zurück ging.
Auf der Georgina wurde währenddessen schon fleißig in der Küche gewerkelt. Heike und Micha waren als Schnippelhilfen im Einsatz und auch Christiane packte mit an.
Irene zauberte einen großen Topf Schinkennudeln.
Der Tisch wurde schön gedeckt und dann hieß es endlich:
Essen ist fertig.


Und wie schon beim Frühstück wurde wieder kräftig zugelangt.
Als Überraschungsnachtisch von Irene gab es anschließend noch Baklava.
Am Tisch wurde noch gemütlich geklönt und der ereignisreiche Tag Revue passieren gelassen. Aber da wir morgen bereits um acht Uhr wieder loswollen, zog es die Crew doch relativ bald in die Kojen.
Ein Tag voller Wind, Sonne, 300 Stufen, Klosterröcke, Bergwege, Ziegen, Windmühlen und jede Menge schöner Eindrücke geht zu Ende.
Und ich glaube, heute waren sich alle einig:
Amorgos war die Anstrengung mehr als wert.