Okt.

19

Mein Fazit dieser Segelreise in den griechischen Kykladen

Wenn ich diese Reise mit einem Satz zusammenfassen müsste, dann wäre es wohl:

Wir hatten alles. Wirklich alles.
Wir hatten keinen Wind, ein bisschen Wind, viel Wind und richtig viel Wind und sogar eine Sturmpause. Der Meltemi hat uns dabei zuverlässig daran erinnert, wer hier eigentlich das Sagen hat und oft war er dazu noch kalt bis eisig.

Und wenn er dann mal nicht da war, kam die Sonne heraus und hat uns so schön gewärmt.

Und eines muss ich über diese Segeltörns sagen:
Ich habe Inseln gesehen, deren Namen ich vorher noch nie gehört hatte, und war immer wieder überrascht, wie unterschiedlich und wunderschön sie sind. Wir sind durch kleine, typisch griechische Dörfer geschlendert, haben die weißen Häuser mit ihren blauen Fensterläden bewundert, die blauen Kirchenkuppeln bestaunt und uns an den Bougainvilleas in allen Farben kaum sattsehen können. Wir haben das Felsenkloster auf Amorgos besucht und auf Patmos das Johannes Kloster , die Höhle der Apokalypse und das Amphitheater in Epidaurus, um nur ein paar Highlights zu nennen. Poros und Epidaurus wiederum schienen total anders, das hätte auch in Italien sein können.


Und natürlich wurde auch ordentlich gegessen. Von der kleinen, urigen typisch griechischen Taverne bis zum feineren griechischen Restaurant war alles dabei. Wir haben viele Vorspeisen und viele typisch griechische Hauptgerichte am Tisch geteilt.
Wir sind gewandert. Über Stock und über Stein, wie die Bergziegen. Über Treppen, sehr viele Treppen und noch mehr Treppen, weil es meistens nach oben ging.


Und dann war da noch unser ganz persönliches Hafenkino und davon gab es reichlich.
Natürlich blieb auch Martin als Skipper davon nicht verschont. Wenn man ein Boot durch ordentlich Wind, enge Häfen und manchmal etwas widerspenstige Ankersituationen manövriert, bleibt das eine oder andere Abenteuer eben nicht aus.
Da war zum Beispiel die Ankerkette, die wir verloren haben, weil am Ende nicht festgemacht. Während wir noch überlegten, wo sie wohl liegt, hat Martin sich auf die Suche gemacht und sie tatsächlich wiedergefunden. Problem gelöst. Andere gehen im Urlaub schnorcheln, Martin taucht eben nach Ankerketten.


Dann die Leine im Propeller, auch so ein Moment, bei dem der Puls kurz etwas höher schlägt. Und natürlich gab es die zahlreichen Anlegemanöver: Mal war die Ankerkette zu kurz, mal kam der Wind genau aus der Richtung, aus der man ihn beim besten Willen nicht gebrauchen konnte. Mal hatten wir cholerische Hafen Rumpelstilzchen, mal super nette Hafenmeister und auch eine hübsche Hafenmeisterin, die mit ihrer Trillerpfeife den Skippern Paroli bot. Und da konnte man Martin in seinem Element erleben: ruhig bleiben, überlegen, ausprobieren, neu ansetzen und irgendwann lag das Boot dann doch dort, wo es hin sollte.
Gerade bei starkem Wind waren manche Manöver schon eine kleine Meisterleistung. Und auch wenn es manchmal mehrere Versuche brauchte, bis alles passte, hat Martin uns immer wieder sicher durch diese Situationen gebracht.
Dafür gab es zwischendurch natürlich auch jede Menge Hafenkino für die Zuschauer. Manchmal standen wir selbst am Steg und beobachteten andere Crews beim Anlegen.


Aber genau diese Momente gehören zu einem Segeltörn dazu. Denn am Ende sind es nicht nur die perfekten Segeltage, die man in Erinnerung behält, sondern vor allem die Situationen, bei denen hinterher alle sagen: „Weißt du noch damals …?“
Wir haben unglaublich viel gelacht und Abschiedstränen geweint . Wir haben gespielt, wir haben Hornochsen gekrönt, diskutiert und über Gott und die Welt philosophiert . Manchmal sehr tiefgründig und manchmal vermutlich nur noch dank des einen oder anderen Getränks.


Und ja, manchmal brauchte man den Spuckeimer. Auch das gehört dazu. Wer behauptet, ein Segeltörn besteht nur aus Sonnenuntergängen, türkisblauem Wasser und entspanntem Dahingleiten, war wahrscheinlich noch nie bei ordentlich Seegang unterwegs.
Es gab kleine Katastrophen, große Abenteuer und ganz viele wunderschöne Momente dazwischen.
Aber vor allem gab es vier tolle Crews.
Menschen, die ich schon kannte und wiedergesehen habe. Menschen, die ich neu kennenlernen durfte. Gemeinsame Mahlzeiten, lange Abende, albernes Lachen, gute Gespräche und sogar getanzt wurde im Cockpit . Das sind diese ganz besonderen Bordmomente.
Da merkt man erst, was so ein gemeinsamer Törn eigentlich bedeutet.


Es war nicht immer perfekt. Manchmal war es chaotisch, manchmal anstrengend und manchmal ziemlich aufregend. Aber genau daraus sind die besten Bloggeschichten entstanden und woraus man am Ende noch viel Seemannsgarn spinnen kann. Alles geht mal zu Ende, so wie diese vier Törns.

Wie es für uns weitergeht?
Martin und ich fliegen erst einmal nach Kreta. Ein bisschen Urlaub machen, die Seele baumeln lassen und die gemeinsame Zeit genießen. Martin möchte mir die Insel zeigen, die für viele Sommer seine Heimat war.


Ob es von dort auch den einen oder anderen Blogeintrag geben wird, weiß ich noch nicht. Schaut einfach ab und zu mal vorbei, vielleicht gibt es ja etwas zu erzählen. Nach unserer Rückkehr steht für Martin daheim die Planung für die nächste Saison mit dem Hausboot Vlinder auf dem Programm.
Was euch dort erwartet, erfahrt ihr wie immer dann bald in Martins Newsletter.

Und nicht vergessen: im Januar bis März sind wir in Sansibar zum Segeln.

Okt.

17

10. bis 17. Oktober 2026

Törnzusammenfassung

Angelaufene Häfen/Buchten:

Paros- Parikia HafenMole
Serifos- Hafen, Kythnos -Fikiadha und Merikha
Poros- Russian Bay, Eoidaurus- Ankerplatz
Athen- Marina Alimos

Gesegelte Strecke: 174 sm
Max. Speed: 11 Kn, Durchschnitt 6-7 Kn
Max Wind: 35 Kn, Meltemi aus NNE, abgewettert in Poros, Russian Bay
Bemerkungen: Zwischendurch bewölkt und frisch, sonst typisch Ägäis- blauer Himmel, ein Tag Sturm mit Regen in Poros

Edit

Okt.

17

Heute in der Früh hieß es dann mit gepackten Koffern und Seesäcken die GEORGINA zu verlassen.
Pünktlich wie vereinbart kam der Eigner Kosta zur Übernahme, die völlig unkompliziert ablief, nach dem wir auch noch per Diesel LKW dierkt am Steg vollketankt hatten.

Es war eine super Zeit und Sylvia hat noch in einen speziellem Post die gesamte Zeit vom 11.9.-17.10.2026 revü passieren lassen.

Okt.

16

Es wird morgens immer später hell, und frisch ist es auch wieder.

Also verlegen wir das Frühstück in den Salon. Eine schöne Früchteplatte und Avocado sind schnell gezaubert. Kaffee und Tee auf den Tisch, dazu Butter, Wurst, Käse, Joghurt , Müsli und schon ist das Frühstück fertig. Wir haben recht gut gewirtschaftet, sodass am Ende gar nicht mehr so viel übrig bleiben dürfte. Mal sehen, ob unsere Vorratsplanung tatsächlich aufgeht. Kurz vor neun wollte Martin los zum Amphitheater. Zwei Dinghi Fahrten später stehen auch schon zwei Taxis bereit, und unser Ausflug kann beginnen. Nach etwa 20 Minuten Fahrt erreichen wir das Amphitheater von Epidaurus.
Mittlerweile werden hier stolze 20 Euro Eintritt verlangt. Aber wir sind ja vier Rentner, und Leo hat einen Presseausweis dabei. Das drückt den Eintrittspreis dann doch ganz ordentlich.


Nun stehen wir vor diesem gewaltigen Monument. Das Theater von Epidaurus entstand vor rund 2.350 Jahren und gehört zu den beeindruckendsten Bauwerken der Antike. Es wurde im 4. Jahrhundert v. Chr. errichtet und war Teil eines bedeutenden Heiligtums, das dem Heilgott Asklepios gewidmet war. Menschen aus vielen Teilen der griechischen Welt kamen hierher, um Heilung zu suchen.
Wie lange die Bauarbeiten tatsächlich dauerten, weiß man heute nicht mehr genau. Sicher ist, dass das Theater später noch erweitert wurde. Harmonisch in die Landschaft eingebettet, begeistert es bis heute Besucher aus aller Welt. Besonders faszinierend ist seine außergewöhnliche Akustik, die noch immer als Meisterleistung antiker Baukunst gilt.
Ein paar Schüler tragen ein Gedicht vor, und einige Besucher klatschen in die Hände. Ein schöner Moment, der uns die besondere Atmosphäre dieses Ortes noch einmal ganz unmittelbar erleben lässt. Anschließend spazieren wir über das weitläufige Gelände und besichtigen die Überreste der einstigen Heilanstalt.

Zum Abschluss schauen wir noch im Museum vorbei. Um elf Uhr stand unser Taxi schon wieder bereit.


Zurück am Boot bringt Martin uns in zwei Dinghi-Fahrten an Bord. Dann heißt es für diesen Törn und auch für uns zum letzten Mal : Anker auf.


Für die Rückfahrt nach Athen hat Martin etwa fünf bis sechs Stunden eingeplant. Zunächst weht nur ein mäßiger Wind, sodass die Motoren trotz gesetztem Großsegel mitlaufen. Auf halber Strecke frischt der Wind endlich auf und wir können richtig segeln.
Allerdings ist es ganz schön frisch geworden. Ein Teil der Crew zieht sich deshalb lieber in die warmen Kabinen zurück, statt draußen den Wind zu genießen. Unterwegs kreuzen einige Fähren und Frachter unseren Weg. Auch zahlreiche Segelboote sind auf dem Rückweg nach Athen. Bei vielen steht ebenfalls der Crewwechsel oder die Rückgabe des Charterschiffes an. Wir sind also nicht die Einzigen, für die sich der Törn langsam dem Ende zuneigt.

halb sechs erreichen wir die Alimos Marina, die größte Marina Athens.

Hier ist bereits ordentlich Betrieb. Unzählige Charterschiffe sind von ihren Törns zurückgekehrt, und überall wird rangiert, festgemacht und gewerkelt. Der Eigner der Georgina hat für uns einen Liegeplatz reserviert. Allerdings geht es ziemlich eng zu. Mit der Unterstützung der Crew gelingt es Martin aber, das Boot sicher und souverän einzuparken.


Die Taschen werden durch die Luke an Deck geholt, und die ersten beginnen bereits mit dem Packen. Das Ende unseres Segeltörns ist nun endgültig angekommen.
Gegen halb sieben machen wir uns auf die Suche nach einem schönen Restaurant. Das erste Lokal ist leider bis auf den letzten Platz belegt. Also müssen wir umdisponieren und entdecken ein anderes Restaurant, das uns gefällt , allerdings ist dort kein einziger Gast zu sehen. Na ja, probieren wir es einfach aus. Die Kellner sind nett, wenn auch ein wenig unbeholfen. Die Speisekarte ist italienisch und nicht ganz einfach zu durchschauen. Klaus bestellt eine Mini-Calzone als Vorspeise und bekommt stattdessen ein wahres Monsterteil serviert. Von wegen mini!
Dann kommen Martins Spareribs. Die Crew kann sich natürlich die passenden Kommentare nicht verkneifen: Obelix hat sein Wildschwein erlegt! Die Portion ist tatsächlich riesig, und auch die Calzone hätte locker als Hauptgericht durchgehen können.
Nach und nach trudeln die übrigen Gerichte ein. Bei Norbert fehlen zunächst die Beilagen, aber dafür darf er Klaus mit dessen Pizza helfen. Waltrauds Portion fällt im Vergleich dazu eher übersichtlich aus. Am Ende werden aber doch alle satt und wir haben einiges zu lachen.


Zurück an Bord kümmern wir uns noch um die Abrechnung über die Splid-App und die Nebenkosten. Schließlich soll am Ende alles seine Ordnung haben.
Dann kommt Leo mit einer Frage um die Ecke: Ob wir nicht noch einmal die Hornochsen herausfordern wollen?


Natürlich wollen wir. Sechs Runden lang wird gespielt, gelacht und geflucht und wir haben wieder jede Menge Spaß. Draußen beginnt es inzwischen ordentlich zu regnen, während wir uns an Bord bestens unterhalten.
Am Ende gewinnt Alex, denn sie hat die wenigsten Punkte gesammelt, ansonsten sind wir alle Sieger.
Mit mulmigem Gefühl verschwinden wir alle in den Kojen, weil morgen ist der Törn zu Ende.

Okt.

15

In der Nacht hat es uns noch einmal ganz schön durchgeschüttelt. Am Morgen wurde es zwar zunehmend ruhiger, doch draußen war es immer noch empfindlich kühl und der Himmel zeigte sich in einem ziemlich tristen Grau. Aber irgendwo am Horizont war eine kleine blaue Lücke zu erkennen. Unser Ziel war klar: Da wollen wir hin.
Das Frühstück verlegten wir kurzerhand wieder nach drinnen.

Während wir noch gemütlich zusammensaßen, wurde es draußen langsam heller und es kam Bewegung auf. Schon in den frühen Morgenstunden machten sich zahlreiche Segler auf den Weg. Martin kommentierte das Ganze mit einem Grinsen, „Die Flucht aus Poros“
Nachdem bei uns alles klar Schiff war, wurde auch das Dinghi aufgeräumt. Es fehlten nur noch die Schwimmleinen, die wir an den Felsen festgemacht hatten. Klaus erklärte sich freiwillig bereit, sie zu lösen. Martin wies ihn und die Crew noch kurz ein, dann ging alles recht flott. Klaus war wieder an Bord und endlich konnten auch wir nach unserem unfreiwilligen Zwischenstopp die Leinen losmachen.


Mit uns fuhren unzählige andere Segelboote auch Richtung Athen. Was sich da auf dem Wasser abspielte, sah richtig toll aus, fast wie bei einer Segelregatta!
Da noch ordentlich Wind wehte, setzten wir das Großsegel, natürlich gerefft, und rollten die Genua aus. So rauschte die Georgina mit Windgeschwindigkeiten zwischen 15 und 32 Knoten in Richtung Epidaurus. Den Kaffee gab es heute ausnahmsweise unterwegs, sonst wäre es zu spät geworden.


Nach rund sechs Stunden erreichten wir den alten Hafen von Epidaurus. Leider hatten viele andere Segler offenbar dieselbe Idee gehabt und waren vermutlich ein wenig früher gestartet. Für uns war kein Platz mehr zu finden. Also drehten wir um und steuerten den neuen Hafen an. Doch auch dort war alles belegt. Schließlich blieb uns nichts anderes übrig, als draußen zu ankern.


Um 18 Uhr setzte Martin Waltraud, Norbert und mich schon einmal mit dem Dinghi an Land. So blieb uns noch etwas Zeit, das nette Städtchen zu erkunden.Und was soll ich sagen? Hier fühlt man sich auf Anhieb wohl! Die Häuser mit ihren warmen Farben und der charmanten Architektur erinnern irgendwie an die Toskana. Überall waren Orangen und Granatapfelbäume.
An Bord hatten wir uns bereits auf ein Restaurant geeinigt. Ich reservierte für 19 Uhr einen Tisch im Regalo. Der Wirt war ausgesprochen nett und freute sich offenbar über unseren Besuch.


Bevor wir uns zum Essen trafen, schaute ich mir noch die Kirche Agios Nikolaos an. Sie wirkte mit ihrer imposanten Erscheinung beinahe wie ein kleiner Palast. Dank der vielen Segler, die inzwischen im Hafen und vor der Küste lagen, hatten auch noch zahlreiche Geschäfte geöffnet. Es herrschte eine richtig schöne Abendstimmung im Ort.
Norbert und Waltraud hatten es sich inzwischen schon in einem Restaurant am Hafen gemütlich gemacht und warteten dort auf den Rest der Crew. Als wir schließlich alle beisammen waren, ging es gemeinsam ins Regalo.
Der Wirt war aufmerksam, flott und ausgesprochen herzlich. Die Vorspeisen standen im Nu auf dem Tisch und schmeckten hervorragend. Auch bei den Hauptgerichten gab es nichts zu beanstanden. Die guten Google-Bewertungen waren offenbar mehr als verdient.Zum Nachtisch wurde uns noch ein Kuchen serviert, der in Orangensirup getränkt war. Köstlich, aber auch unglaublich süß!

Eigentlich hatten wir danach noch Lust auf ein Eis, doch weil wir so satt waren, beschlossen wir, darauf lieber zu verzichten.Martin übernahm anschließend wieder den Fährdienst mit dem Dinghi und brachte uns in zwei Touren zurück zur Georgina.


Zurück an Bord ließen wir es gemütlich angehen. Nach dem turbulenten Wetter, dem aufregenden Ablegen und der langen Segelstrecke hatten wir uns keine Lust mehr auf ein Spiel. Bei einer Flasche Wein ließen wir den Tag noch einmal Revue passieren.