Martin hatte heut nur ein kurzes Stück geplant. Also Leinen los und vor der Schleuse nochmal kurz festmachen. Auf der Brücke hatten Radler Halt gemacht, um uns beim Schleusen zuzuschauen. Es ging 5.40 m abwärts.
Als wir wieder draußen waren, übernahm Gerd das Ruder. Er machte sich gut als Steuermann und meisterte gleich seine Aufgabe, als uns ein großer Frachter passierte.
Unsere Anlegestelle war wieder mitten im Grünen vor der Ortschaft Joux aux Arches, wo das Aquädukt stand .
Am späten Nachmittag machten sich Martin und Gerd auf, das Auto mit den Rädern zu holen. Es waren nur 11 km, aber bei 35 Grad kühlt nicht mal der Fahrtwind ab. Danach wurde einfach nur im Schatten gechillt. Gerd und ich fuhren abends nochmal mit den Rädern in die Stadt, um in einer Bäckerei was von „to good to go“ abzuholen. Und Gerd wollte sich das Aquädukt aus der Nöhe anschauen. Zurück an Bord grillten wir . Dazu gab es verschiedene Salate und Kräuterbutter. Nach dem Essen genossen wir den lauen Abend an Deck und Martin und Gerd fachsimpelten übers Segeln.
Heute wollen wir los in Richtung Metz mit zwei Schleusen auf dem Weg dahin. Martin hatte gedacht, obwohl er zwar eine Absage vom Hafenmeister hatte, trotzdem mal an den Hafen anzufahren. Das war leider nur eine schöne Sightseeingtour. Der Hafen war voll und einige Ausflugsboote von Metz lagen auch da oder kamen uns entgegen.
Dann ging es wieder retour in die nächste Schleuse.
Kurz darauf erreichten wir unser Ziel. Ein Anlegeplatz mitten im Nirgendwo. Wir hätten gar nicht mit den Rädern vom Boot gekonnt, weil die Spuntwand so hoch war. Dann entschloss sich Martin, doch noch nach Talange weiterzufahren. Gute Entscheidung. Das war ein neu angelegtes Hafenbecken in einer neuen Siedlung, wo die Häuser alle gleich ausgeschaut haben.
Nach dem Anlegen meinte Martin, ist hier ein Flugplatz in der Nähe? Flugplatz nicht, aber ein größerer Freizeitpark mit Achterbahn, die genau in unserem Blickfeld lag. Und der Geräuschepegel erinnerte an ein startendes Flugzeug. Die beiden Männer machten sich mit den Rädern die knapp 30 km auf den Weg, um das Auto zu holen. Nach guten zwei Stunden waren sie zurück . Bei den Temperaturen duschten wir uns mit dem kalten Wasser von der Wasserstation draußen ab. Die Abkühlung tat richtig gut.
Nach dem Abendessen spielten Martin und Gerd noch zwei Runden Backgammon, die unentschieden ausging. Da muss noch eine Revanche her.
Nach dem Frühstück fuhren wir mit Gerd nochmal nach Metz und machten dort einen Treffpunkt an der Kathedrale aus, an der wir uns um halb zwei wieder treffen wollten. So kann jeder für sich das anschauen, worauf er Lust hat. Wir gingen in den Hafen, Martin wollte noch nach einer Flagge für Luxemburg schauen. Wurde aber leider nicht fündig und der andere Bootszubehörladen hatte geschlossen. Na dann, auf in die Stadt. Wir schauten halt das an, was wir am Mittwoch noch nicht gesehen haben. Zum Beispiel die wunderschöne protestantische Kirche Temple neuf. Schade, dass sie geschlossen war. Die hätten wir gerne von innen gesehen. Die evangelische Stadtkirche befindet sich an der Südwest-Spitze der „Île du Petit-Saulcy“, der „Kleinen Weideninsel“, die von der Mosel umflossen wird.
Dann schlenderten wir noch durch einen schönen, schlossähnlichen Park mit uralten Eichen zu der Templerkapelle. Von den Templern zwischen 1180 und 1220 erbaut, ist diese achteckige Kapelle (die einzige in dieser Region) ein Beispiel des Übergangs von der romanischen zur gotischen Kunst. Heute ist sie ein Bestandteil der Kulturstätte Arsenal und dient punktuell als Ausstellungsraum.
Abschließend setzten wir uns in ein Café an der Kathedrale und hielten Ausschau nach Gerd. Er hatte leckere Sachen in der Markthalle eingekauft. Die Zeit war eigentlich sehr knapp für Metz, aber wir erwarteten nachmittags noch neue Gäste zum Kaffee, deswegen mussten wir wieder aufs Boot zurück.
Gerd schnappte sich ein Fahrrad und begutachtete die Gegend und fuhr sogar fast bis Metz zurück. Kurz nach drei erreichten dann Martina und Norwin den Anlegeplatz in Talange. Nachdem ihr Gepäck in der Koje verstaut war, gab’s Kaffee und frischen Käsekuchen.
Ich stieg auch aufs Radl. Hier in Talange war ein ein riesiges Outlet mit sämtlichen Premiummarken, da wollte ich mal stöbern. Ich hatte nur noch zwei Stunden Zeit bis Ladenschluss. Also auf. Es war ziemlich viel los und Menschenmassen strömten durch die Läden. Gar nicht so meins, es war trotzdem mal schön, ohne Hektik bummeln zu gehen. Für mich hab ich natürlich nichts gefunden , aber der Skipper hat ne neue Hose bekommen. Abends haben wir ohne Hektik Brotzeit gemacht mit leckerer Melone mit Schinken und Guacamole, die Gerd zubereitete. Den Abend ließen wir dann ganz gemütlich mit netten, interessanten Gesprächen ausklingen .
Heute Nacht hat es richtig schön abgekühlt, dass wir nicht mal auf Deck frühstücken wollten. Im Steuerhaus war es aber schön kuschelig und nach dem Frühstück machten wir los in Richtung Thionville mit einer Schleuse auf dem Weg. Gerd übernahm wieder das Steuer, so dass sich Martin auch mal vorne am Bug blicken lassen konnte. Da saßen Martina und Norwin und genossen die gemütliche Fahrt. Sie winkten den vielen Anglern zu, die am Ufer saßen. Bis auf einem, da verhedderte sich irgendwie die Angelschnur am Boot und er war not amused. Gottseidank hab ich nicht verstanden, was er alles lauthals von sich gegeben hat.
Einige Frachter begegneten uns und wir fuhren an alten Industrieanlagen vorbei, die mitten in einem Wohngebiet standen. Als wir in Thionville angekommen sind, haben Martin und Norwin die Räder auf die Böschung am Liegeplatz hochgeschoben. Für Norwin war es die erste Fahrt auf einem E-bike. Nach einer kurzen Einweisung durch Martin fuhr er schon ganz lässig ein paar Runden. Dann starteten sie ihre knapp 25 km zu den Autos zurück. Unterwegs passierten sie viele Wiesen abseits der geteerten Wege und sahen Kühe und Störche.
Martina, Gerd und ich spazierten derweil am Fluss entlang in die kleine Stadt. Wir sahen schöne alte Häuser und einen kleinen Park. Gerd ging noch ein bisschen weiter und Martina und ich beschlossen, bei der Wärme aufs Boot zurück zu gehen.
Dort chillten und lasen wir unter dem Sonnenschirm im Schatten. Bei einer leichten Brise konnten wir das gut aushalten. Martin und Norwin kamen auch wieder mit den Autos . Für Abends reservierte Martina in einem Restaurant mit dem schönen Namen „ Le Moulin Bleu“. Gerd beschloss mit dem Radl zu fahren und wir gingen noch einmal die gleiche Strecke am Fluss entlang. Martina und ich sind nachmittags etwas zu früh abgebogen, denn ein bisschen weiter entpuppte sich der triste Weg in einen wunderschönen Altstadtkern. Viele kleine Café s und Restaurants und alles spielte sich draußen ab. Unser Restaurant war ganz versteckt in einem Innenhof und war entgegen dem Namen ein Italiener . Das Essen war ganz ok.
Danach gab’s in der Stadt noch ein Eis für Martin und wir bummelten langsam wieder zurück. Gerd wollte noch zu der Feier Location, aber die waren gerade am zumachen. Zurück an Bord haben wir endlich wieder unser Wizard gespielt. Martin hat es erklärt und alle waren gespannt, weil sie das Spiel nicht kannten. Martina hat gewonnen und Martin hat verloren. Ein Schelm, wer dabei Böses denkt. Müde gingen wir nach dem Spiel in die Kojen.
Nach dem Frühstück ging’s von Thionville, heute abwechselnd mit Norwin und Martina am Steuer, weiter eigentlich nach Rettel. Der Anlegeplatz war nicht geeignet für die Vlinder. So schade, das sah nach einem richtig schönen Städtchen aus.
Aber wir wurden belohnt. Der neue Platz war zwar auch nicht optimal, weil sehr kurz. Dafür war der Ausblick auf das Chateau de Sierck der Hammer.
Natürlich wie üblich gab es nach dem Anlegen Kaffee und Kuchen, einen Zwetschgendatschi mit Sahne. Norwin, heute schon erprobter E-bike Fahrer, und Martin machten sich mit den Rädern auf den Rückweg nach Thionville, um die Autos zu holen. Gerd, Martina und ich gingen in den nächsten Carrefour, um noch ein bisschen was fürs Abendessen einzukaufen. Gerd hat sich bereit erklärt, Spaghetti mit frischer Tomatensoße zu kochen.
Norwin und Martin waren doch länger unterwegs, weil sie die Autos gleich nach Schengen weitergefahren haben. Das Abendessen war sehr lecker. Danach haben wir es uns alle noch draußen auf Deck gemütlich gemacht. Der Abend war so schön lau ohne Wind und die Burg leuchtete von ihrem Hügel. Die wollten wir morgen erklimmen. Da sagte Gerd auf einmal, wie wär’s mit einem Wizard. Haben wir unsere Gäste doch ein bisschen angefixt 🙂 . Wir haben sogar zwei Runden gespielt und es war mega lustig….hätte hätte Fahrradkette….die Insider wissen genau, wie das gemeint ist.
Heute Früh nach dem Frühstück spazierten wir auf das schöne Chateau de Sierck, vor deren toller Kulisse wir fest gemacht haben. Durch enge mittelalterliche Gassen ging es steil auf den Hügel. Die Ursprünge der Burg liegen wohl in gallo-römischer Zeit, als hier ein Kastell gebaut worden sein soll, es gibt davon allerdings keine Zeugnisse.
Das Château de Sierck ist ein beeindruckendes mittelalterliches Schloss mit einer reichen Geschichte. Es ist auch bekannt als Château des Ducs de Lorraine, eine alte Festung in Sierck-les-Bains, Frankreich. Die Burg liegt auf einem Felsen oberhalb des Moseltals und bietet einen atemberaubenden Blick auf die Umgebung. Sie wurde im 11. Jahrhundert erbaut und diente den Herzögen von Lothringen als Residenz. Heute ist sie ein beliebtes Touristenziel. Auch wir waren sehr beeindruckt.
Nach der Besichtigung gingen wir zurück aufs Boot und es hieß Leinen los Richtung Schengen Marina in Schwebsange/ Luxemburg mit einer Schleuse. Die Fahrt ging gemütlich durch das schöne Moseltal. An der Grenze zu Luxemburg passierten wir die Nationensäule. Vielleicht fahren wir da nochmal mit den Rädern hin.
In der Marina konnten wir vorerst nur an der Spuntwand/Kaimauer außerhalb vom Hafen anlegen. Da hatten wir nach dem Anlegen ein bisschen mit dem Schwell der kleinen Motorboote zu kämpfen. Die Boote aus dem Hafen sind hier freizeitmäßig mit Wasserski, Banane usw mit ganz schön hoher Geschwindigkeit unterwegs. Die großen Frachter machten nicht so viel Welle. Abends setzten wir uns noch auf ein Getränk in den Beachclub. Endlich wieder barfuß im Sand, ein tolles Gefühl und Livemusik.
Später grillten wir an Bord und danach spielten wir ein Abschluss Wizard, was allen Spaß machte. Die zweite Runde spielten wir im Steuerhaus, da es schon dunkel wurde. Danach ging es in die Kojen.
Danach herrschte große Aufbruchsstimmung. Martina und Norwin reisten mit dem Auto ab . Sie hinterließen noch einen netten Eintrag im Gästebuch. Martin brachte Gerd nach Thionville zum Bahnhof. Er wollte noch einen Tag nach Straßburg. Wie das immer so ist am Abreisetag, da gibt es einiges zu tun. Nachdem Wäschewechsel in den Kabinen hab ich die ganze Wäsche ins Auto gepackt . Die Vlinder macht wieder ein paar Tage Pause während ich nach Hause fahre. Martin hat auch einiges an Bord zu tun, dann ist die Vlinder nächste Woche wieder bereit für die neuen Gäste.
Hier noch ein Nachtrag per Mail von Norwin und Martina vom 24.8.25
Hallo Martin, hallo Sylvia,
wir möchten uns nochmals für die schöne Zeit auf der Vlinder bedanken. Super entspannend, eine andere Welt. Und genauso spannend, ein anderes Lebenskonzept. Wie hat Martinas Fahrlehrer beim Bootsführerschein gesagt: Es gibt zwei Tage, an denen sich ein Bootsbesitzer freut: Der erste Tag, wenn er das Boot kauft. Und der letzte Tag, wenn er es verkauft. Das ist böse, ich weiß. Aber wie anders bei euch. Wir haben uns bei euch richtig mitgenommen gefühlt, eingetaucht in eine andere und ganz eigene Welt, die ihr euch selber gestaltet und gestalten könnt. Außer, wenn die Saone wegen Niedrigwasser gesperrt ist … 😉
Aber es war noch viel mehr, die vielen nicht nur netten, sondern auch sehr anregenden und interessanten Gespräche an Bord, das sozusagen aus dem Stand heraus zwischen Menschen, die sich überhaupt nicht kennen. Sozusagen Kaltakquise, wie der Vertriebler sagt, Sylvia weiß, wie ich das meine.
Auch über das Bootsfahren haben wir viel gelernt. Wir haben ja immer umfangreich von unseren Erfahrungen erzählt, aber wenn man das auf den Punkt bringt, beschränken sich die auf nur zwei Wochen – knapp. Auch wenn wir nicht bei allem so aktiv mithelfen konnten wie Gerd, haben wir immer aufmerksam zugeguckt und alle Erklärungen gespeichert. Und dass wir selber steuern durften, auch super. Kurvenschneiden werden wir uns abgewöhnen … 😉 Und das mit dem behutsamen Fahren ist uns auch jetzt erst so richtig bewusst geworden, bisher hatten wir das immer nur blutigen Anfängern zugeordnet und gedacht, der Profi fährt schnittig schnell …
Und unglaublich, was wir sonst in so kurzer Zeit alles kennengelernt haben. Ich zum ersten Mal auf einem E-Bike. Wirklich. Und 25 Kilometer Rad gefahren bin ich auch schon seit Lichtjahren nicht mehr, wenn auch zugegebenermaßen mit sehr viel elektrischer Unterstützung.
Wizard komplett neu für uns. Ein tolles Spiel, Spielkarten sind schon geordert, genau die richtige Mischung, die auch einem Anfänger mal ein Erfolgserlebnis gönnt, aber am Schluss den richtigen Champion oben sieht … ;-).
Das Grillen war super, und überhaupt Sylvias abwechslungsreiche Küche. Und daneben natürlich der souveräne Skipper …
Euch weiterhin gute Reise, wo auch immer, ganz liebe Grüße von Martina und mir, wir hoffen, dass wir in Kontakt bleiben, bis hoffentlich zu einem nächsten Mal,
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