Juli

20

Nach einem tollen, wenn auch viel zu kurzen Wochenende auf dem Bergfest in Aspach mit vielen lieben Freunden bin ich gestern Abend wieder nach Sarreguemines auf die Vlinder zurückgekehrt.

Derweil gaben sich die Reiher ein Stelldichein am Kanal.


Am Morgen machten wir uns dann auf den Weg Richtung Saarbrücken. Martin war bereits am Samstag mit dem Fahrrad dort gewesen und hatte sich nach einem geeigneten Liegeplatz umgesehen. Im kleinen Hafen war leider kein Platz, aber am Stadtpark war noch alles frei.
Vom Saarkohlekanal fuhren wir direkt auf die Saar. Kurz vor der deutsch-französischen Grenze passierten wir das stillgelegte Kohlekraftwerk Großbliederstroff. Der riesige, markante Schornstein ist schon von Weitem zu sehen und erinnert an die industrielle Vergangenheit der Region. Nach der dritten Schleuse waren wir wieder in Deutschland. Hier begegneten uns auch deutlich mehr Freizeitboote.


Je näher wir Saarbrücken kamen, desto mehr wich die ländliche Idylle den ersten urbanen Ausläufern. Auffällig waren vor allem die unzähligen Graffitis. Graffiti gehört zu den sichtbarsten und sicher auch meistdiskutierten Ausdrucksformen der Jugendkultur. Während es in vielen Städten vor allem als Sachbeschädigung gilt, stellt Saarbrücken bewusst legale Flächen für diese Kunstform zur Verfügung. Besonders bekannt ist die 4560 Graffiti Hall of Fame, eine riesige Mauer gegenüber dem Stadtpark Staden, auf der Künstler beeindruckende Werke gestalten. Natürlich werden illegale Graffitis dennoch konsequent geahndet.


Martins Zeitplan ging wieder einmal perfekt auf: Pünktlich zum Nachmittagskaffee mit leckerem Zwetschgenkuchen legten wir bei strahlendem Sonnenschein am Stadtpark an. Der Liegeplatz ist zwar schön gelegen, allerdings verläuft direkt gegenüber die Stadtautobahn , entsprechend laut ist es dort.


Kurz nach dem Festmachen schwangen wir uns wieder auf die Fahrräder und fuhren zurück nach Sarreguemines, um das Auto zu holen. Bei dem herrlichen Wetter waren die Wege entlang des Wassers voller Spaziergänger, Radfahrer und Menschen, die den Sommertag genossen. Als wir später wieder aufs Boot zurückkamen, saßen noch immer viele Besucher im Park genossen den Feierabend.
Unser Abendessen hatten wir nicht auf Deck, der Verkehrslärm war einfach zu laut. Den Tag ließen wir schließlich ganz gemütlich mit einer französischen Komödie ausklingen.

Juli

21

Da heute über 30 Kilometer vor uns lagen, machten wir uns schon früh am Morgen auf den Weg. Martin konnte bei dem Autobahnlärm eh nicht mehr schlafen, also ging es zeitig los. So idyllisch wie auf den französischen Kanälen ist die Strecke inzwischen nicht mehr. Die Fahrt durch Saarbrücken mit der schönen Uferpromenade und den vielen Geschäften hat zwar ihren Reiz, trotzdem waren wir froh, als wir die Stadt hinter uns lassen konnten.

Vor der ersten Schleuse mussten wir zunächst festmachen. Die Schleusenkammer ist mit ihren 190 Metern Länge wirklich beeindruckend. Hier sind schließlich auch die großen Binnenfrachter der Berufsschifffahrt unterwegs. Praktisch ist, dass die Schleuse für kleinere Schiffe und Freizeitboote geteilt werden kann. So muss nicht jedes Mal die gesamte Kammer gefüllt werden, was eine Menge Wasser spart.

Das Wetter meinte es gut mit uns. Ein frischer Wind sorgte für angenehme Temperaturen , eine willkommene Abwechslung nach der Hitze der vergangenen Wochen.Auf unserem Weg nach Dillingen kamen wir auch an Völklingen vorbei. Das UNESCO-Weltkulturerbe haben wir bereits im letzten Jahr besichtigt und fanden es sehr beeindruckend.

Auf dem Rückweg werden wir hier noch einmal vorbeikommen. Unterwegs begegneten uns die ersten großen Frachter, einige Sport- und Hausboote und sogar Stand-up-Paddler. Die Saar ist halt doch stärker befahren ist als die ruhigen Kanäle in Frankreich.

An einer langen Spundwand machten wir schließlich fest. Kurz darauf legte die Dymel , ein 100 Meter langer , französischer Frachter, direkt hinter uns an. Besonders spannend war es zu beobachten, wie die Besatzung mit dem bordeigenen Kran ihr Auto vom Schiff hob. Das sieht man schließlich auch nicht alle Tage. Doch lange konnten wir nicht zuschauen, denn unsere nächste Etappe wartete bereits.

Mit den Fahrrädern machten wir uns auf den Weg , schließlich mussten wir die 30 Kilometer wieder mit den Rädern zurück zum Auto. Wir fuhren die Strecke entlang des Kanals Richtung Saarbrücken. Dabei passierten wir riesige Fernwärmerohre, und die gewaltigen Stahlwerke waren fast durchgehend in Sicht.

Nach etwa eineinhalb Stunden erreichten wir Saarbrücken. Dort gönnten wir uns an der Promenade erst einmal einen leckeren Eisbecher, bevor wir mit dem Auto zurück zu unserer Anlegestelle fuhren. Heute haben wir den Tag ganz geruhsam ausklingen lassen .

Juli

22

Der Tag begann wieder einigermaßen früh, für die nächsten 20 Kilometer bis Besseringen hieß es erneut zeitig: Leinen los!


Das Frühstück gab’s ganz entspannt während der Fahrt, und unterwegs hab ich noch einen frischen Johannisbeerkuchen gebacken.
Die einzige Schleuse auf unserer heutigen Etappe hatte zwei nebeneinanderliegende Kammern. Gerade als wir einfuhren, kam aus der großen Kammer ein beeindruckender, 170 Meter langer Frachter. Daneben wirkte die Vlinder fast wie ein kleines Spielzeugboot, wobei sie im Vergleich zu den kleinen Fischerbooten hier wiederum richtig groß aussieht. Perspektive ist eben alles.


Die Landschaft war ziemlich grün. Dichte Wälder säumten das Ufer. In Besseringen machten wir schließlich wieder an einer langen Spundwand fest , direkt hinter einem kleinen Anglerboot.


Von dort aus schwangen wir uns auf unsere Fahrräder und radelten zurück zum Auto. Der Weg führte vorbei an Merzig, kleinen Bootsverleihern und immer entlang des SaarRadwegs. Bei herrlichem Sommerwetter waren unzählige Radfahrer unterwegs.

Das Auto brachten wir gleich weiter nach Mettlach. Die Stadt ist vor allem für ihre vielen Outlets bekannt , allen voran Villeroy & Boch. Zum Bummeln blieb diesmal allerdings keine Zeit, denn der Skipper wollte zurück aufs Boot und Kaffee trinken.
Also ging es gemütlich mit dem Fahrrad rund um die Saarschleife zurück zur Vlinder. Morgen werden wir das dann vom Wasser aus erleben.
An Bord wartete schließlich der frisch gebackene Johannisbeerkuchen auf uns, den wir ganz entspannt an Deck genossen. Während Martin anschließend noch etwas Büroarbeit erledigte, machte ich es mir draußen mit einem Buch gemütlich. Währenddessen legte hinter uns die Dymel an, der große Frachter, der schon gestern in Dillingen hinter uns gelegen ist.

Juli

23

Manchmal ist die beste Idee, einfach einmal nichts zu tun. Martin hatte heute genau so einen Einfall, ein Ruhetag im Thermalbad Merzig.
Nach dem Frühstück schwangen wir uns auf die Räder. Die sechs Kilometer bis zum Bad wären eigentlich schnell geschafft gewesen , wenn Martin nicht wieder eine seiner „Abkürzungen“ gefunden hätte. Also ging es über Stock und Stein, quer durch die Prärie. Zum Glück war alles trocken.


Eine gute halbe Stunde später erreichten wir das Thermalbad Merzig. Klein, aber fein, liebevoll angelegt und mit angenehm warmem Wasser , genau das Richtige, um die Seele baumeln zu lassen.
So verbrachten wir einen entspannten Tag, ließen die Wärme auf uns wirken und genossen einfach die kleine Auszeit vom Alltag auf dem Wasser.


Gegen 17 Uhr machten wir uns auf den Rückweg. Diesmal ganz entspannt auf dem direkten Weg entlang des Wassers , ein schöner Abschluss für einen rundum gelungenen Wohlfühltag.

Und dann haben wir noch ein kleines Meisennest direkt am Anleger zwischen den Festmacherpollern an den Dalben entdeckt.

Juli

24

Kurz nach acht Uhr morgens legten wir ab und machten uns auf den Weg nach Saarburg. Über der Saar lag noch ein leichter Nebelschleier, der dem Fluss eine fast schon herbstliche Stimmung verlieh. Die Luft war frisch, der Himmel strahlend blau ,ein wunderschöner Start in den Tag.
Ganz gemütlich fuhren wir durch die Saarschleife. Der Blick hinauf zum Baumwipfelpfad war bei diesem klaren Wetter besonders beeindruckend.


Die heutige Etappe war knapp 30 Kilometer lang und führte uns durch zwei große Schleusen. Zuerst passierten wir die Staustufe Mettlach mit ihrer imposanten Fallhöhe von 11 Metern. Sie ist ein bedeutendes Bauwerk der Saarschifffahrt und verfügt über eine Großschleuse für die Berufsschifffahrt sowie eine kleinere Schleuse für Sportboote.

Wenig später erreichten wir die Staustufe Serrig, Deutschlands größte Flussstaustufe mit 14,5 m Fallhöhe, an einem natürlichen Flusslauf. Als wir rausfuhren, warteten bereits sieben Boote auf die Schleusung , vermutlich alle auf Wochenendausflug.


Gegen 13 Uhr liefen wir schließlich in Saarburg ein. Unser tägliches Fahrradprogramm durfte natürlich auch heute nicht fehlen. Da wir das Auto bereits nach Mettlach gebracht hatten, radelten wir zunächst rund 25 Kilometer am Fluss entlang zurück, holten das Auto und fuhren anschließend wieder nach Saarburg zum Boot. Unterwegs erledigten wir noch einen Einkauf.


Als wir zurückkamen, hatte hinter der VLINDER ein weiteres Boot festgemacht. Sein Aufbau ähnelte unserem erstaunlich. Wenig später kamen die Besitzer vorbei. Sie stammen aus Kalifornien und wir kamen sofort ins Gespräch. Wie schön, dass man auf dem Wasser so unkompliziert Menschen aus aller Welt kennenlernt.


Am Abend radelten Martin und ich noch in die Altstadt. Direkt am Wasserfall kehrten wir in die Zunftstube ein und gönnten uns einen leckeren Flammkuchen. Eine klare Empfehlung von uns: gutes Essen, schneller Service und eine ausgesprochen freundliche Bedienung. Zum Abschluss durfte natürlich noch ein Eis für Martin nicht fehlen.


Doch das eigentliche Highlight des Tages wartete erst auf dem Rückweg. Direkt hinter unserem Boot kämpfte ein Angler mit einem großen Fisch. Nach einiger Zeit tauchte der Grund auf: ein Wels von etwa 1,20 Metern Länge! Gemeinsam mit Martin gelang es ihm schließlich, den Fisch aus dem Wasser zu holen. Da der Angler eigentlich lieber einen Zander mit nach Hause nehmen wollte, entfernte er vorsichtig den Haken und setzte den beeindruckenden Wels (verbotenerweise)wieder in die Saar zurück.


Was für ein Tag! Traumhaftes Wetter, eindrucksvolle Schleusen, nette Begegnungen und zum Abschluss noch ein großer Fisch. Langweilig wird es eigentlich nie.

Juli

25

Der Tag begann ganz entspannt. Martin erledigte am Morgen noch ein bisschen Büroarbeit und ich nutzte die Zeit, um einen Kuchen zu backen. Gerade als ich fertig war, klopfte es an der Tür. Amy vom Nachbarboot schaute vorbei, um Hallo zu sagen. Ganz spontan fragte ich sie, ob sie und ihr Mann Rob mit uns frühstücken möchten. Sie nahmen die Einladung gerne an.
Also wurde schnell der Tisch an Deck gedeckt und schon saßen wir gemeinsam bei einem leckeren Frühstück in der Morgensonne. Unsere amerikanischen Nachbarn sind , genau wie Martin , begeisterte Segler, sodass der Gesprächsstoff natürlich nie ausging. Und noch bevor das Frühstück zu Ende war, hatten wir bereits eine Gegeneinladung zum Abendessen. Außerdem erwarteten Amy und Rob noch Besuch: Bruce aus Australien, dessen Boot in Südfrankreich liegt.


Nach dem gemütlichen Frühstück arbeitete Martin weiter im „Office“, während ich mir einen richtig entspannten Nachmittag gönnte und mein spannendes Buch zu Ende las.
Am frühen Abend bereitete ich noch ein paar Antipasti vor, bevor wir zur Vivante hinübergingen. Auch sie ist ein wunderschönes Boot mit einer etwas anderen Innenaufteilung. Rob hatte den Grill bereits angeheizt und Amy einige leckere Appetizer vorbereitet.
Dabei erzählte sie noch einmal von ihrem nächtlichen Abenteuer: Um halb drei wurden sie von einem großen Hotelboot geweckt und mussten ihren Liegeplatz räumen. Zum Glück konnten sie längsseits an dem riesigen 110 Meter langen Hotelschiff festmachen.

Trotzdem war es fast halb vier, bis endlich wieder Ruhe einkehrte und sie schlafen konnten. In der Nacht sicher ein echter Albtraum , heute können sie zum Glück schon mit einem Schmunzeln davon erzählen.
Nach gegrillten Würstchen mit Kartoffelsalat und einer leckeren italienischen Panzanella gab es als Dessert noch meinen Mohn-Käsekuchen.
Zu unserer Freude kannten alle drei unser Lieblingskartenspiel Wizard. Martin die Runde mit großem Vorsprung … wer auch sonst? Anschließend zeigte uns Amy noch ein französisches Kartenspiel, das ebenfalls richtig viel Spaß machte.
Kurz vor elf verabschiedeten wir uns schließlich. Es war ein wunderschöner Abend mit vielen interessanten Gesprächen, gutem Essen und neuen Freunden. Jetzt hoffen wir natürlich, dass sich unsere Wege auf dem Rückweg noch einmal kreuzen.

Juli

26

Der Tag begann mit strahlend blauem Himmel und herrlichem Sonnenschein , besser hätten die Voraussetzungen für unsere Weiterfahrt kaum sein können. Bevor wir die Leinen loswarfen, verabschiedeten wir uns von unseren netten Nachbarn. Natürlich wurden noch Telefonnummern ausgetauscht und ein paar Erinnerungsfotos gemacht, bevor es für uns hieß: Kurs Luxemburg.


Schon kurz nach dem Ablegen wurden wir von drei Kanus überholt. Einer der Paddler fragte im Vorbeifahren, ob wir ebenfalls zur Schleuse wollten. Ich zeigte ihm nur einen Daumen nach oben . Dass die Kanuten tatsächlich mit uns gemeinsam geschleust werden würden, hatten wir allerdings nicht erwartet.


Kurz vor der Schleuse Kanzem funkte Martin den Schleusenmeister an. Die Antwort kam prompt: Die Kanuten seien bereits in der Schleuse und er würde noch auf uns warten. Martin entlockte das ein kleiner Fluch, denn er legt lieber an Steuerbord an. Dort hatten sich allerdings schon zwei Kanus festgemacht. Ich glaube, die Kanuten bekamen auch kurz Panik, denn wir mussten ziemlich dicht an das Kanu auf der Backbordseite heran. Bei einer Fallhöhe von 11,75 Metern ist das schließlich kein alltägliches Manöver. Aber wie so oft lief alles reibungslos und nachdem die Kanus die Schleuse verlassen hatten, konnten auch wir unsere Fahrt fortsetzen.


Der restliche Abschnitt verlief angenehm ruhig. In Konz verabschiedeten wir uns von der Saar und wechselten auf die Mosel. Eigentlich wollten wir in Wasserbillig festmachen, doch der von Martin ausgesuchte Liegeplatz war bereits belegt. Also ging es weiter nach Grevenmacher.
Dort gibt es eine lange Pier, die überwiegend für Hotelboote reserviert ist. Ein etwa 25 Meter langer Abschnitt ist jedoch für Motorboote vorgesehen – genau dort fanden wir schließlich einen Platz. Die „Rheinprinzessin“ wurde erst für Montagmorgen um sieben Uhr erwartet, sodass wir den Liegeplatz problemlos nutzen konnten.

Nach dem Anlegen folgte das inzwischen gewohnte Ritual. Fahrräder klarmachen und die rund 25 Kilometer zurück zum Auto radeln.

Die „Vivante“ hatte inzwischen ebenfalls abgelegt und war auf dem Weg nach Mettlach.
Den Tag ließen wir schließlich ganz entspannt bei einem leckeren Abendessen in einem Restaurant ausklingen.