Da heute gute 30 Kilometer vor uns lagen, hieß es bereits kurz vor acht Uhr: „Leinen los!“ Unser Ziel war Mittersheim am Saarkohlekanal, eine kleine französische Gemeinde mitten im Grünen. Da Wochenende war, herrschte bereits am Vormittag reger Gegenverkehr auf dem Wasser. Auch auf den Radwegen entlang des Kanals waren zahlreiche Rennradfahrer und gemütliche Freizeitradler unterwegs.Einige Boote hatten sich schöne Plätze im Schatten gesucht und einfach mitten in der Natur festgemacht. Das ist einer der großen Vorteile der französischen Kanäle: Man darf und kann fast überall anlegen.
Unterwegs entdeckten wir kleine Häuschen mit liebevoll angelegten Gärten, aber auch die eine oder andere Bootsleiche, die halb auf Grund lag und langsam vor sich hin gammelte. Was wohl die Geschichten hinter diesen verlassenen Booten sind?
Inzwischen fahren wir durch das „Pays des Étangs“, das Land der Seen. Durch die anhaltende Hitze fehlt dem Kanal bereits etwas Wasser, die zahlreichen Seen der Region sind jedoch noch gut gefüllt. Die Uferböschungen dagegen waren schon ganz schön braun und trocken. Ab Mittag war bei den hohen Temperaturen kaum noch jemand unterwegs , als hätte jemand plötzlich den Schalter umgelegt.
Die Wege waren leer, die Kanäle ruhig und die Sonne heizte die Temperaturen auf.Außerdem stand heute ein kleiner Schleusenmarathon auf dem Programm: 13 Schleusen bergab mussten bewältigt werden.Kurz nach halb fünf erreichten wir schließlich die Marina in Mittersheim.
Nach einer wohlverdienten Kaffeepause schwangen wir uns direkt auf die Fahrräder und fuhren die 31 Kilometer entlang des Kanals zurück, um Martins Auto zu holen. Die Strecke schafften wir in anderthalb Stunden.Zurück auf dem Boot genossen wir unser Abendessen an Deck und ließen den langen und ereignisreichen Tag anschließend ganz entspannt ausklingen.
Am Sonntag will mein Süßer mit mir segeln gehen , sofern die Winde wehen😃frei nach Gittes Lied von 1974. Und tatsächlich: Der Wind war da, der Badesee nicht weit entfernt. Doch als Martin die kleinen Kats inspizierte, stellte er ernüchtert fest: „Da müsste man aus drei einen machen.“ So desolat war ihr Zustand.
Auf Nachfrage erfuhren er, dass die kleinen Boote schon länger dort stehen und nicht mehr vermietet werden. Martin versuchte sein Glück noch an anderer Stelle, doch dort handelte es sich um den Segelclub Saarbrücken – und der vermietet seine Boote nicht. Wirklich schade, denn Martin hatte sich schon darauf gefreut, bei diesem Wind über den See zu rauschen.
Also machten wir einfach das Beste daraus. Wir suchten uns ein schönes Plätzchen im Schatten und ich ging sogar ins Wasser , eine herrlich erfrischende Abkühlung bei den sommerlichen Temperaturen. Gegen vier Uhr kehrten wir zurück aufs Boot. Dort gab es erst einmal Kaffee und Kuchen, eine Abkühlung per Schlauch und anschließend eine entspannte Siesta an Deck. Es war einfach herrlich , der Wind machte die Hitze viel angenehmer und sorgte für eine wunderbare Atmosphäre.
Am Abend begnügte sich Martin dann mit einem leckeren Eis mit frischen Früchten. Bei diesen Temperaturen genau das Richtige und der perfekte Abschluss für einen schönen Sommertag.
Heutewird es wieder eine lange Etappe von 21 Kilometern, daher wollten wir bereits um 8.00 Uhr morgens ablegen. Die Betonung liegt allerdings auf „wollten“. Schon an der ersten Schleuse direkt hinter der Marina erwartete uns eine Überraschung: Die Ampel war ausgeschaltet. Martin rief kurzerhand bei VNF an und erfuhr, dass die Schleusen offiziell erst ab neun Uhr geöffnet werden. Also hieß es zunächst warten. Die Zeit vertrieben wir uns mit einer netten Unterhaltung mit einem Schweizer Bootsfahrer, der sich ebenfalls über die dunkle Ampel wunderte. Doch VNF zeigte sich einmal mehr von seiner freundlichen und hilfsbereiten Seite und öffnete die Schleuse bereits um halb neun. Das war dann die erste von insgesamt sieben Schleusen, die uns auf dem Weg bergab Richtung Sarralbe erwarteten.
Der Schiffsverkehr war praktisch nicht vorhanden , lediglich zwei Mietboote begegneten uns auf der gesamten Strecke. Die anhaltende Hitze und Trockenheit setzen der Landschaft inzwischen deutlich zu. Wiesen und Felder färben sich langsam braun, und nur vereinzelt sieht man Störche im ausgedörrten Gras nach Nahrung suchen. Ein kleines Hindernis gab es dennoch: Mitten im Kanal lag ein Baumstamm quer über dem Wasserweg.
Kurz nach drei Uhr machten wir an der langen Kaimauer in Sarralbe fest. Nach einer gemütlichen Kaffeepause schwangen wir uns auf die Fahrräder und machten uns auf den Rückweg nach Mittersheim, wo Martins Auto stand.
Unterwegs wollten wir unbedingt noch einen Abstecher nach Harskirchen zur Moulin Roeser machen. Vor einiger Zeit hatten wir einen Fernsehbericht über die Mühle gesehen. Bereits im vergangenen Jahr waren wir hier gewesen, damals allerdings ohne Erfolg , die Mühle war geschlossen und eine Besichtigung nicht möglich. Heute hatten wir mehr Glück: Der 71-jährige Besitzer persönlich führte uns durch die gesamte Mühle , bis hinauf unters Dach in den vierten Stock. Martins Augen leuchteten, denn die Maschinen dort sind allesamt über 100 Jahre alt. Herr Roeser erklärte uns geduldig die einzelnen Arbeitsabläufe und Maschinen. Man spürt sofort, wie viel Arbeit, Leidenschaft und Herzblut in diesem Familienbetrieb steckt. Rund 350 Tonnen Weizen werden hier jedes Jahr zu Mehl verarbeitet.
Ich erzählte ihm schließlich, dass Martins Boot ebenfalls über 100 Jahre alt ist und immerhin 100 Tonnen wiegt. Das konnte er kaum glauben. Wir verabschiedeten uns mit dem Versprechen, bei unserer Rückfahrt gerne noch einmal vorbeizukommen – am besten an einem Freitag, denn dann soll es dort die besten Flammkuchen der ganzen Region geben.
In den kleinen Dörfern entlang unseres Weges liefen bereits die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag am nächsten Tag. Die Hauptattraktionen sind traditionell die Feuerwerke am Vorabend. Fast jedes Dorf veranstaltet sein eigenes großes Feuerwerk. Auch auf den Radwegen entlang des Kanals waren wir beinahe allein unterwegs.
Als wir schließlich wieder in Mittersheim ankamen, lag auf unserem Platz von den letzten beiden Tagen die „Tradition“, ebenfalls ein ehemaliges Frachtschiff, das zu einem Wohnschiff umgebaut wurde und über das bereits im Fernsehen berichtet worden war. Der Besitzer schaute aus dem Fenster, Martin kam mit ihm ins Gespräch und schon fachsimpelten die beiden über alte Schiffe und vergangene Zeiten.
Vielleicht treffen wir ihn ja noch einmal wieder. Am späten Abend machten wir uns auf den Weg in die Stadt zum Festplatz. Dort herrschte eine ausgelassene Stimmung. Musik, Essen und Getränke sowie zahlreiche Stände und Attraktionen für Kinder sorgten dafür, dass scheinbar die ganze Stadt auf den Beinen war. Kurz vor elf Uhr kehrten wir aufs Boot zurück und hatten dort einen echten Logenplatz. Das Feuerwerk wurde direkt vor uns in den Himmel geschossen und spiegelte sich im Wasser wieder. Ein wunderschöner Abschluss für einen erlebnisreichen Tag.
Um halb sechs morgens prasselten Regentropfen aufs Boot . Endlich Regen für die Natur! Leider blieb es nur bei einem kurzen Gewitter, und schon nach einer halben Stunde war der Spuk wieder vorbei. Vielleicht kennt ja jemand von euch eine gute Anleitung für einen wirkungsvollen Regentanz? Das wäre hier in der ganzen Region sehr notwendig. Etwas später machten wir uns mit dem Auto auf den Weg Richtung Sarreguemines, wohin unsere nächste Etappe führen soll. Die Dörfer entlang der Strecke könnten unterschiedlicher kaum sein: Einige sind liebevoll gepflegt und wunderschön herausgeputzt, andere wirken dagegen eher schmucklos und verlassen und dann kam uns fast noch ein Güterzug entgegen.
In Zettingen an der Schleuse hat Martin das Auto abgestellt. Zurück ging es anschließend mit den Fahrrädern am Wasser entlang. Auch der Kanal zeigt sich hier wieder von einer ganz anderen Seite. Viel Schilf säumt die Ufer, und auch hier sind die Folgen des Wassermangels deutlich sichtbar. Viele Radfahrer waren unterwegs – schließlich ist heute Feiertag in Frankreich.
Um elf Uhr , zurück auf dem Boot ,hieß es dann wieder: Leinen los! Erneut waren wir ganz allein auf dem Kanal unterwegs. Links und rechts leuchteten die frisch abgeernteten Felder in der Sonne, übersät mit riesigen Strohballen.
Aber auch Spuren der Geschichte begegnen einem hier immer wieder. Kleine Bunker mit Schießöffnungen rundherum erinnern an die Zeit zwischen 1932 und 1935, als sie zur Verteidigung des Herbitzheimer Staudamms errichtet wurden.
Kurz vor unserem Tagesziel lag am Ufer noch ein „Rasenmäher“ für den Kanal.
In Zettingen, kurz vor Sarreguemines, legten wir schließlich kurz nach drei an. Die Luft war drückend schwül und die Hitze kaum auszuhalten. Martin gönnte sich deshalb erst einmal eine Siesta auf dem Deck. Am Abend machten wir noch einen Spaziergang durch das kleine Dorf Zetting, das allerdings nicht viel zu bieten hatte – mit einer Ausnahme: der Kirche mit ihrem ungewöhnlichen runden Glockenturm, wie man ihn nur im Saarland oder in Irland findet.
Kaum waren wir wieder zurück auf dem Boot, begann es erneut zu regnen. Doch auch dieses Gewitter war nur von kurzer Dauer und brachte leider nicht die erhoffte Abkühlung. Also blieb uns nichts anderes übrig, als den Ventilator laufen zu lassen. Den Abend ließen wir wieder gemütlich ausklingen.
Der Regen gestern Abend im Saartal tat richtig gut, doch am Morgen war die Schwüle bereits zurück. Nach einem kleinen Frühstück brachten wir zunächst das Auto nach Sarreguemines. Am Yachtclub war allerdings noch niemand anzutreffen – dort sollte erst am Nachmittag Betrieb sein. Martin schaute sich den Schwimmsteg an und stellte fest, dass eigentlich nur ein einziger Liegeplatz zur Verfügung stand. Auf dem Rückweg mit dem Fahrrad entdeckte er jedoch noch zwei weitere Stellen, an denen wir eventuell anlegen können. Anschließend radelten wir zurück zur Vlinder. Unterwegs knackte auch ich mit meinem E-Bike die Marke von 3000 Kilometern . Währenddessen beobachtete Martin noch einen Lastkahn in der Schleuse, bevor wir unsere Fahrt fortsetzten.
Gegen halb zwölf machten wir uns schließlich ganz gemütlich auf den Weg Richtung Sarreguemines. Nur vier Schleusen bergab lagen vor uns. Vorbei ging es an eher trostlosen Wohnsiedlungen direkt am Wasser, in denen einige Häuser zum Verkauf standen. Auch direkt vor der letzten Schleuse stand ein halb verfallener Gebäudekomplex, das war früher eine Mühle, die Mühle Bloch.
Nach rund drei Stunden erreichten wir den Stadthafen von Sarreguemines und legten dort an. Die Anlage wirkte allerdings etwas vernachlässigt. Ein netter, wenn auch ziemlich verpeilter Anlieger gab uns immerhin den Code für das Tor, damit wir später wieder auf den Schwimmsteg und zurück zum Boot gelangen konnten. Und hier liegt auch immer noch das „Kreuzfahrtschiff“ Princess of the Sea.
Im Bürgeramt wollte Martin anschließend den Liegeplatz bezahlen, doch dort erklärte ihm die freundliche Mitarbeiterin, dass dieser Platz bereits belegt sei. Das dazugehörige Boot lag allerdings im Yachthafen – alles etwas verwirrend und kompliziert. Also fuhren wir weiter zur Capitainerie, wo der Hafenmeister schließlich meinte, wir sollten besser noch einmal umparken.Inzwischen wurde der Himmel immer dunkler und lautes Donnergrollen war zu hören. Ausgerechnet während dieser halben Stunde, in der wir den Liegeplatz wechselten, öffnete der Himmel seine Schleusen. Martin konnte zeitweise kaum noch etwas sehen. Doch wir schafften es gut bis in den Hafen, und kaum waren wir festgemacht, war das Unwetter auch schon vorbei. Plötzlich strahlte die Sonne wieder vom blauen Himmel, als wäre nichts gewesen.
Am Abend machten wir uns noch auf den Weg zum Leclerc. Dort konnten wir wieder einmal bei „Too Good To Go“ zuschlagen und brachten schließlich drei prall gefüllte Tüten mit zurück an Bord , das Abendessen war gesichert.
Vlinder liegt in der kleinen Marina „Port du Casino“ mit dem Club Nautique in Sarreguemines an einem Schwimmsteg und macht bis zum Montag, den 20. Juli eine kleine Pause.
Dann gehts weiter auf der Saar, vorbei an Saarbrücken, Völklingen und der Saarschleife zunächst bis Trier und von dort weiter bis zur Marina Schwebsange in Luxemburg.
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