Juni

21

Bei hochsommerlichen 35 Grad Außentemperatur und gefühlt mindestens genauso viel im Inneren der Vlinder stand gestern vor allem eines auf dem Programm, alles langsam machen und entschleunigen.
Die Kabinen und das Bad habe ich noch für unsere neuen Gäste vorbereitet, doch danach war an Arbeiten nicht mehr zu denken. Bei diesen Saunatemperaturen zog es uns direkt an Deck unter unser Sonnendach , wo wir es uns gemütlich machten und die Ruhe genossen.
Am Abend schauten Martin und ich das WM-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen die Elfenbeinküste , das hat sich ja in der zweiten Halbzeit noch gedreht und Deutschland ging als Sieger in dieser Partie hervor.


Der Sonntag begann für mich mit einem Einkauf. Praktisch, dass manche Supermärkte in Frankreich auch sonntags bis Mittag geöffnet haben. Gegen 11 Uhr erwarteten wir Andrea und Richard aus der Pfalz.
Unser erstes gemeinsames Frühstück genossen wir entspannt unter den schattigen Bäumen neben dem Boot. Andrea und Richard kennen das Leben an Bord bereits bestens. Gemeinsam mit Martin waren sie schon in der Südsee segeln und auch im vergangenen Jahr haben sie die sommerliche Hitze hier auf der Vlinder miterlebt.
Den Nachmittag verbrachten wir ebenfalls im Schatten. Die Liegestühle wanderten unter die Bäume, und auch der Kaffee schmeckte dort gleich besser. Vor allem wehte hin und wieder ein kleines Lüftchen , was bei diesen Temperaturen ein wahrer Luxus ist.


Für den Abend war Grillen geplant. Dafür habe ich noch einen Kartoffelsalat, einen grünen Salat und eine frische Kräuterbutter vorbereitet. Während Andrea und Richard ihr schattiges Plätzchen genossen, erzählten sie begeistert von ihrer Weltreise auf dem Kreuzfahrtschiff Amera, die sie Ende letzten Jahres begonnen und im April beendet hatten. Dabei gab es viele spannende und lustige Anekdoten, die sie erzählten.
Martin kümmerte sich derweil um den Grill und heizte ihn an. Den Tisch deckten wir mit einer schönen Tischdecke festlich ein, und schon bald duftete es nach Steaks und Würstchen.


Grillen geht einfach immer , besonders an einem lauen Sommerabend neben dem Hausboot.
Mit Geschichten vom Segeln, fernen Ländern und vielen Abenteuern ließen wir den Abend gemütlich ausklingen und gingen in die Kojen.

Juni

22

Nach einem leckeren Frühstück unter den schattigen Bäumen legten wir wieder ab und nahmen Kurs auf Straßburg. Auf dem Weg mussten wir drei Schleusen bergab passieren. Für eine kleine Pause steuerte Martin den Rastplatz mit dem kuriosen Namen „Le Fleischwurst“ an. Natürlich habe ich gleich versucht herauszufinden, woher dieser Name stammt. Nach einer ausgiebigen Recherche musste ich allerdings feststellen: Das Geheimnis bleibt vorerst ungelüftet .Stattdessen wurde empfohlen, sich an den Heimatverein oder das Ortsarchiv zu wenden.


Derweil machten sich Martin und Richard mit den Fahrrädern auf den Weg zurück nach Dettwiller, um die Autos bereits nach Hochfelden zu bringen. Dort wollten wir nach dem Anlegen die Brauerei Meteor besichtigen. Andrea und ich blieben im Schatten am Rastplatz zurück.


Die Brasserie Meteor in Hochfelden ist eine echte Institution der französischen Bierkultur. Sie gilt als die älteste Brauerei Frankreichs, die noch immer an ihrem ursprünglichen Standort produziert. Gegründet wurde sie bereits im Jahr 1640 und befindet sich bis heute in Familienbesitz – inzwischen in der achten Generation der Familie Haag.
Leider stellte sich vor Ort heraus, dass die Brauerei montags geschlossen ist , ganz anders, als es im Internet angegeben war. Also wurde kurzerhand umgeplant: Statt Brauereibesichtigung gab es Kaffee und Rhabarberkuchen an Bord.
Unser Liegeplatz bot erneut Sitzmöglichkeiten im Schatten großer Bäume. Bei hochsommerlichen Temperaturen von 36 Grad war das genau das Richtige . Dort genossen wir später auch unser Abendessen und wurden dabei immer wieder freundlich von vorbeikommenden Spaziergängern und Radfahrern gegrüßt, die trotz der Hitze unterwegs waren.
Am Abend versuchte Martin noch, das Boot mit Wasser etwas herunterzukühlen. Wirklich viel brachte das allerdings nicht, weil sich das Wasser vom Kanal natürlich auch erwärmt hat. . So blieben wir an Deck, spielten eine Runde Kniffel und Wizard und genossen die laue Sommernacht, bis wir nichts mehr gesehen haben.

Juni

23

Heute Morgen wurde das Frühstück wieder außerhalb des Bootes genossen. Unter schattenspendenden Bäumen auf einer gemütlichen Bank ließen sich Andrea und Richard das herzhafte Frühstück schmecken.


Währenddessen rührte ich noch schnell einen Biskuitteig für einen Erdbeerkuchen an. Anschließend machten wir uns auf den Weg zur Brasserie Meteor, deren Besichtigung wir eigentlich schon am Vortag geplant hatten. Bereits der Empfang war ausgesprochen herzlich, und eine freundliche Mitarbeiterin erklärte uns sogar auf Deutsch die einzelnen Stationen der Führung.
Gleich zu Beginn wuchsen meterhohen Hopfenstauden. Auch der Biergarten ist wunderschön angelegt und liegt unter dem Schatten alter Bäume. Die verschiedenen Schritte des Brauprozesses wurden anschaulich erklärt – teilweise sogar mit Filmen und deutschen Untertiteln. Von der Hopfenblüte über das Brauen bis hin zur Flaschenabfüllung und Etikettierung konnten wir den gesamten Weg des Bieres verfolgen. Das war wirklich sehr interessant.


Das eigentliche Highlight wartete jedoch am Ende der Besichtigung: die Bierverkostung. Nicht weniger als elf verschiedene Biersorten konnten probiert werden – und das sogar ohne Mengenbegrenzung. Schade eigentlich, dass es noch Vormittag war, sonst hätten Martin, Richard und Andrea vielleicht etwas ausgiebiger getestet. Andererseits war es wahrscheinlich genau richtig so.


Zurück an Bord belegte ich den Erdbeerkuchen für den Nachmittag fertig und bereitete noch einige Snacks für unsere Gäste vor. So eine Bierprobe macht schließlich hungrig.
Dann hieß es wieder: Leinen los. Andrea und Richard genossen zuerst unser Sonnensegel vorne am Bug, bevor sie sich oben unter den Sonnenschutz gesetzt haben um wenigstens ein bisschen Fahrtwind zu erhaschen. Links und rechts vom Kanal wurde fleißig gedroschen. Gut für die vielen Störche die frische Futter fanden. Zudem sahen wir heute auch zum ersten Mal ein Hopfenfeld, vielleicht ist uns das vor dem Brauereibesuch auch noch nie so aufgefallen.


Kurz nach der Schleuse Nr. 44 machten wir einen kurzen Halt für die Kaffeepause mit dem leckeren Erdbeerkuchen mit Sahne, denn wir hatten noch ein Stück vor uns.
Nach dem Aufräumen ging es auch gleich weiter, bis wir kurz vor fünf in der Nähe von Brumath an einer schönen Waldanlegestellen festmachten für die Nacht. Richard und Martin fuhren mit den Rädern die 11 km am Kanal entlang zurück, um Richards Auto zu holen. Martin ließ sein Auto in Hochfelden stehen, weil wir morgen die Strecke wieder zurückfahren. Hier auf dem Platz kann Martin die Vlinder gut drehen.


Zum Abendessen gab’s nochmal Brotzeit, da niemand bei der Hitze richtig Hunger hatte. Danach kniffelten wir noch zwei Runden und genossen den schönen Abendhimmel, bevor wir in unsere Saunakabinen verschwanden.

Juni

24

Der Tag begann mit dem Abschied von Richard und Andrea. Nach dem Frühstück machten sie sich auf den Heimweg, damit sie der größten Mittagshitze entgehen konnten. Schön war es wieder mit den beiden. Das nächste Mal sehen wir uns auf Zanzibar.

Anschließend schwangen wir uns auf die Fahrräder und fuhren nach Brumath. Die Stadt hat typisch elsässischen Charakter mit deutsch-französischer Geschichte und Kultur. Brumath ist einer der wenigen Orte im Elsass, in denen eine mehr als 6000 Jahre währende Siedlungsgeschichte nachgewiesen ist . Wer sich dafür interessiert, kann die nette kleine Stadt mal googeln. Dort schlenderten wir ein wenig durch die Altstadt. Die vielen hübschen Fachwerkhäuser verleihen dem Städtchen einen ganz besonderen Charme.


Zurück auf dem Schiff hieß es dann: Leinen los! Kaum waren wir unterwegs, kamen uns zahlreiche Radfahrer entgegen. Viele von ihnen winkten uns freundlich zu. Martin antwortete natürlich mit einem Hupen, was bei den Radlern immer für Freude sorgt.
An der ersten Schleuse saßen die bekannten älteren Herren unter den schattenspendenden Bäumen. Sie begrüßten uns wieder herzlich . Einer von ihnen war früher Frachtschiffer und ist sogar bis nach Rotterdam gefahren, wie er Martin bereits gestern erzählt hatte. Solche Begegnungen machen die Fahrt auf dem Kanal immer wieder besonders.
Unterwegs entdeckten wir dann einige Jungs, die von einer Brücke ins Wasser sprangen. Auch sie winkten und grüßten freundlich. Bei den Temperaturen kann man die Lust auf eine Abkühlung natürlich verstehen. Allerdings wäre das Kanalwasser nicht unbedingt meine erste Wahl für einen Sprung ins kühle Nass.


Vor uns lagen heute fünf Schleusen bergauf. Angesichts der anhaltenden Hitze denkt man unweigerlich an Wasserknappheit. Umso erstaunlicher ist es, wie viel Wasser hier durch die Schleusen fließt, teilweise scheint es, dass sie fast überlaufen. Die heutige Strecke führte uns durch eine idyllische Landschaft mit viel Grün, weiten Feldern und immer wieder hübschen kleinen Dörfern in der Ferne.


Unser Sonnendach hat sich übrigens als echtes Multitalent erwiesen. Nicht nur, dass es angenehmen Schatten spendet – als Wäschetrockner funktioniert es ebenfalls hervorragend. Bei diesen Temperaturen ist die frisch gewaschene Wäsche im Handumdrehen wieder trocken.


Angelegt haben wir wieder an dem Anliegeplatz in Hochfelden. Da es aber so heiß war , haben wir heute nicht mehr viel unternommen. Am späten Nachmittag hielt ein erschöpfter Radfahrer neben dem Boot und fragte , ob wir Wasser hätten, ob er seine beiden Flaschen auffüllen dürfe. Na klar, ich gab ihm eine große Flasche aus dem Kühlschrank. Da war er sehr dankbar. Er erzählte, dass er 200km am Tag fährt und am Samstag müsse er in Brügge sein. Schon ein bisschen wahnsinnig bei knapp 40 Grad.
Den Abend ließen wir ganz locker ausklingen und genossen die schöne Abendstimmung.