Feb.

12

Irene

Es ist noch nicht mal 8 Uhr, als wir an einer Boje festgemacht sind. Martin meldet sich über Funk bei der Marina, um die Einklarierungsformalitäten zu erledigen, wir kümmern uns um die Wäsche und das Frühstück. Die zuständigen Offiziellen kommen vorbeigefahren, bringen die Formulare zum Ausfüllen vorbei und holen Martin dann mitsamt den Unterlagen zum Einklarieren ab. So ein Service!

Pünktlich zum Frühstück bekommen wir unseren Skipper wieder zurück und dürfen ganz offiziell ins Wasser. Welche Wonne! Schnell noch werden die Einkaufslisten erstellt, schließlich hat die sozialistische Mangelwirtschaft hier ein Ende. Wir freuen uns schon auf das hoffentlich üppige Supermarktangebot ? Da es auf den St. Blas Inseln mit Einkaufen nicht so optimal ausschauen wird, planen wir auch schon im Voraus.

Sobald wir alle „stadtfein“ sind, geht es los – erst die Pflicht, dann das Vergnügen. Sprich, erst wird eingekauft, dann dürfen wir in die Stadt. Mit ein bisschen Glück sind die paar tausend Kreuzfahrer dann schon wieder weg und wir haben Georgetown für uns! Bis dahin lassen wir uns von der Hafenmusik mit Steelbandmusik und Reggae unterhalten.

Mit dem Dinghi und bewaffnet mit Einkaufslisten – für jeden Bereich gibt es ein Einkaufsteam – geht es an Land und dann zum Einkaufen. Der Supermarkt ist, nach dem kargen Angebot in Kuba, überwältigend, allerdings auch ziemlich teuer. Wir haben am Ende vier volle Einkaufswägen und Wladi, der die Bordkasse verwaltet, hat sofort das Gutscheinsystem durchschaut. Schnell werden unsere Wägen entsprechend sortiert und wir nutzen den Einkaufsrabatt so gut wie irgend möglich. Mehrmals müssen die Sachen mit dem Dinghi auf die VAVA-U gebracht werden. Irgendwann kommt auch der Bierkauftrupp, den begehrten Gerstensaft bekommt man nur in separaten Läden, zurück. Wir hatten schon befürchtet, dass die Ladung während des Transportes dezimiert wird ?

Zu fünft setzen wir dann nochmal zu einem Bummel mit Einkauf in das Städtchen über, wild entschlossen, jede Menge Dollars umzusetzen. Die Enttäuschung folgt schnell, außer fragwürdig bedruckten T-Shirts gibt es neben Schmuck und Uhren (zollfrei, versteht sich) nur Ramsch und nochmal Ramsch. Liebe Familien daheim, es sieht nicht gut aus mit Mitbringseln, dafür schonen wir die Reisekasse!

Es geht also schnell zurück an Bord, um die VAVA-U umzusetzen, wir wollen von der Kreuzfahrteinfahrtschneise weg und viel ruhiger am 7-Miles-Sandstrand übernachten. Schnell hüpfen wir noch ins Wasser – abendliche 30,1 ° sind ein Genuss! Morgen geht es dann in den nördlichen Teil zu einem superschönen Sandstrand, wo wir schnorcheln können.

Sobald wir sicher an einer Boje festgemacht sind, wirft Martin den Grill an, es gibt Steaks und feine, ganz zarte Schweinekoteletts mit Salat. So lecker!

Feb.

11

Irene

Wir lassen den Morgen ruhig angehen, frühstücken gemütlich und machen uns dann abreisefertig. Heute geht es auf die Caymans, wir haben, je nach Wind, rund 24 Stunden Fahrt vor uns. Da wir immer noch kein offizielles Bild von uns allen haben, wird schnell eine andere deutsche Seglerin zur Fotografin umfunktioniert und voilà, schon erledigt. Danach warten wir noch auf die Ausreisepapiere – nach dem Motto wenn es mal wieder länger dauert… Schließlich ist auch das erledigt, um 11 Uhr legen wir ab, lassen die Kulisse aus Sandstrand und Mangroven an uns vorbeiziehen und schicken Kuba noch ein „Adios“.

Bei hervorragendem Wind aus der richtigen Richtung machen wir sehr gute Fahrt, rund sieben bis zehn Knoten! Die Wellen, die gar nicht so niedrig sind, erfassen die VAVA-U allerdings seitlich, lange dauert es nicht, bis einige ein bisschen Fische füttern gehen. Wir lassen Mittagessen oder Nachmittagssnack ausfallen und halten uns an die „Papperdeckelkekse“, trockene, leicht salzige Kekse aus dem USA-Bestand. Der Wachplan spielt sich ziemlich reibungslos ein, der Sitz auf der Luv-Seite ist am beliebtesten – Lee besteht die Gefahr einer jederzeitigen Dusche.

Niemand hat wirklich Hunger auf Abendessen, Helmut aber trotzdem Mitleid, stellt sich in die Küche und zaubert uns eine wirklich feine Kuba-Cayman-Suppe aus Kürbis und Süßkartoffeln. Unser Skipper wird mit seinem Suppenanteil kreativ und gibt, der Vitamine wegen, noch Spinat dazu. Über das Aussehen decken wir den Mantel des Schweigens, zum Glück hatten wir gedimmtes Rotlicht…

Der gute Wind bleibt uns erhalten, in gerade einmal 21 Stunden sind wir im Hafen! Neben uns liegen drei Kreuzfahrtriesen und wir beobachten fasziniert, wie militärisch präzise die Passagiere über Lautsprecher auf die Shuttleboote kommandiert werden, die sie an Land bringen. Wir sind alle klebrig, müde und durchgeschüttelt, tauschen würden wir trotzdem niemals!

Feb.

10

Irene

Heute haben wir Ausflugstag:
Wir wollen uns Quads mieten und damit die Pisten rund um unsere Marina erkunden. Wladi nimmt die Reservierung in Angriff, wir machen Kassensturz und tauschen noch ein bisschen Geld. Martin repariert in der Zwischenzeit das Groß, dann endlich sind wir abfahrtsbereit. Lediglich Markus bleibt auf der VAVA-U, er will viel lieber das ruhige Boot genießen. Ruhig ist es sonst ja eher nicht ??

Mit dem Taxi fahren wir zur Vermietstation, erledigen den Papierkram, schnappen uns die Helme, bekommen eine sehr kurze Einweisung und los geht’s!
Erst ist es wirklich ungewohnt und wir sind auf dem ersten Straßenabschnitt sehr vorsichtig, dann, nach dem Abbiegen auf die „Piste“, geben wir schon mehr Gas.
Unsere erste Station ist ein Hotelstrand mit Delfinarium.
Wir steigen ab und gehen durch den puderzuckerweißen, ganz feinen Sand zum Strand und genießen den Blick. Das Wasser ist türkisfarben, einfach wunderschön.
Das Delfinarium existiert nicht mehr, vielleicht seit dem letzten Hurrikan.

Danach düsen wir zu einer kleinen Bar und genehmigen uns die erste Stärkung. Wladi hat sein Quad schon „kaputtgefahren“, er tauscht schnell, dann wollen wir in die Dünen. Über Stock und Stein geht es im wahrsten Sinne des Worte offroad übers Gelände. Jeder bleibt einmal im Sand stecken, wir lernen, auf die Bremse weitgehend zu verzichten und einfach Gas zu geben. An einigen schönen Aussichtspunkten mit Blick aufs Meer bleiben wir stehen und genießen einfach. So schee scho!

Ein kurzer Abstecher in die Marina wird für einen Imbiss genutzt, dann fahren wir in der Abendsonne durch wildes Gelände, bevor wir die Quads zurückgeben.
Wir sind von oben bis unten mit Staub überzogen, sandig und uns einig, dass es ein wirklich toller Tag war.

Zum Abendessen gehen wir ins Restaurant der Marina, schließlich ist das Kroko auch mit der dortigen Verpflegung zufrieden, schlecht kann es nicht sein.

Feb.

9

Irene

Nachdem wir gestern erst bei völliger Dunkelheit angekommen sind, erhaschen wir heute den ersten Blick auf Cayo Largo und die Halbinseln und Mangroven drumherum.

Türkisfarbenes Wasser und Sandstrände, ein Traum!

 

Nach unserem üblichen Frühstück suchen wir uns ein neues Ankerplätzchen und starten von dort aus zu viert zu einer Erkundungstour – der Rest faulenzt an Bord.
Ein kleiner Strand in der Nähe des sog. „Pools“, einer sandigen, sehr flachen Wasserstelle, ist unser erstes Ziel. Sobald wir aus dem Dinghi steigen, stehen wir wadentief im weißen Schlamm. Es riecht ein bisschen nach Schwefel, trotzdem kämpfen wir uns vor und gehen, der Schmodder drückt sich so schön durch die Zehen, ein gutes Stück am Strand entlang. Wir entdecken ein Termitennest an einem Baum, Krabbenschalen (hier ist also das Esszimmer der Möwen) und einen Seestern im Wasser.

 

 

Wieder zurück im Dinghi werden vor dem Einsteigen erst einmal die Füße gewaschen, ein ziemlich schwieriges Unterfangen.
Danach fahren wir ein kurzes Stück, steigen aus – dieses Mal im weißen Sand – und schieben das Dinghi über die Flachstellen. Danach geht es in die Fahrstraßen durch die Mangroven, wir sind auf der Suche nach einem Weg um die Insel herum. Immer wieder wird es sehr flach, raus geht es nicht, wir treten den Rückweg an und versuchen Wasserstraße Nummer 2.
Hier sieht es besser aus. Die Landschaft ist unglaublich, in der Ferne sehen wir Reiher, kleine, neu wachsende Mangroven, das Wasser wechselt zwischen türkis und hellem grün in allen Schattierungen. Vor uns schießt eine Wasserschlange heraus und flüchtet sehr schnell in Richtung Unterschlupf. Wir sehen einen Rochen, dann zwei ziemlich große Ammenhaie, die auf dem Grund vor uns liegen und, in der üblichen Ruhe gestört, sehr schnell die Flossen in die Hand nehmen und das Weite suchen.

Leider ist auch bei diesem Weg kein weiteres Durchkommen, wir fahren zurück, schieben unser Dinghi wieder über die Flachstellen (Training für Fortgeschrittene) und fahren zur VAVA-U zurück – gegen den Wind – und kommen komplett nassgespritzt dort an.

Die „Daheimbleiber“ haben unter der Federführung von Helmut und Wladi mittlerweile das Abendessen in Angriff genommen, unser Barsch ist, da er sich als ungefährlich erwiesen hat, bereits eingelegt.

Wir faulenzen noch ein bisschen in der Sonne, dann melden wir uns in der Marina an und motoren die paar Minuten dorthin. Nachdem wir einen komfortablen Liegeplatz haben und die Marina mit Guardia Frontera im Schlepptau uns für ungefährlich befunden hat, erkunden wir die kleine Anlage.

Wieder zurück am Boot, werden wir von einem ganz anderen Meeresbewohner passiert:
Das marinaeigene Krokodil schwimmt zwischen den Rümpfen der VAVA-U durch, wir liegen nämlich auf dem Weg zu seinem Restaurant. Dort kehrt es allabendlich ein und wird mit Hühnchen gefüttert. Im Schlepptau hat es eine Menge kleinere und einige sehr große Fische, die sich ebenfalls eine Mahlzeit abholen.

Auch wir bekommen Hunger und es gibt Barsch, Kürbisgemüse a là Isabel und Reis. Es ist unglaublich lecker.
Begleitet werden wir von Live-Musik aus dem Restaurant.
Viva la vida!

Feb.

8

Irene

Pünktlich um 2 Uhr in der Früh ist die VAVA-U startklar, Werner und Markus haben die erste Nachtschicht, dürfen aber um 3 Uhr schon wieder ins Bett.
Der Rhythmus der Nachtwachen pendelt sich schnell ein, Isabel und Irene haben Glück und die Sonnenaufgangsschicht.

Der Wind ist nicht so stark wie vorhergesagt, weshalb noch vor dem Frühstück der Spinnaker gehisst wird und wir dann trotzdem gute Fahrt machen.

Das Motto der Kubawoche ist: „Besser wie nix“. In diesem Sinne gibt es zum Frühstück wieder Obstsalat aus den bekannten drei Zutaten, das erste Glas von Isabels Marmelade wird geköpft, wir haben selbstgebackenes, getoastetes Brot, Joghurt und sonst alles Nötige.
Nach der gestrigen Pasta und bei der Hitze heute hält sich der Hunger (noch) in Grenzen.

Fortsetzung:

Tagsüber ist es richtig heiß, wir denken an unsere Lieben daheim, die wahrscheinlich gerade Schnee schaufeln.
Tauschen wollen wir nicht!

Wir liegen auf den Schattenplätzchen und schlafen, keiner bewegt sich mehr als unbedingt nötig.

Die Wettervorhersagen stimmen hier so wenig wie daheim, der angekündigte Wind schläft fast völlig ein, wir müssen motoren.

Isabel zaubert einen Kirschkuchen mit Kirschen aus Miami-Beständen, die Kaffeepause wird allerdings jäh durch ein surrendes Geräusch unterbrochen:
Es hängt etwas an der Angel!
Wladi und Martin kämpfen mit unserem Abendessen, alles lauert gespannt, was wir gefangen haben:
Es ist ein richtig großer, dicker Zackenbarsch, der nicht damit einverstanden ist, auf unserem Teller zu landen. Mit vereinten Kräften wird er an Bord geholt, bekommt einen Schluck Rum und wird zerlegt.

Danach allerdings setzen Überlegungen ein – kann man ihn überhaupt essen? Es soll vorkommen, dass Riffjäger, und dazu gehört unser Fang, durch das Leben mit giftigen Korallen selber für den Menschen giftig werden. Das Fleisch ist fest, weiß und schaut lecker aus, aber sollen wir wirklich? Das Gift bewirkt Muskelschwäche, nicht so optimal.

Schließlich finden sich fünf Freiwillige, die auf jeden Fall Fisch zum Abendessen wollen:
Wladi (er hat ihn ja auch gefangen), Isabel (was mich nicht umbringt, macht mich härter), Markus (no risk, no fun) und Werner (lieber tot als nur Grünzeug) und
Skipper Martin (ohne Motto zum Fischessen).

Der Rest bleibt bei einer großen Schüssel Salat und achtet auf Anzeichen plötzlich einsetzender Schwächezustände bei den Mitseglern.

Unser Skipper spendiert ein Stamperl des schwesterlichen Johannesbeerlikörs, danach verschwinden wir nach und nach in die Kojen. Buenas noches!