Aug.

5

Kurz: der Kat schwimmt, ist kein bisschen undicht und er hält anscheinend ziemlich was aus. Auch nach Tauchgängen zur Begutachtung des Unterwasserschiffs konnten wir nur geringfügige Schäden und Kratzer im Lack feststellen. Martin hat im Hafen einklariert, ohne Probleme, wir haben die gelbe Flagge Q eingeholt und sind jetzt offiziell da.
Die Reaktionen waren überwältigend. Seit den frühestens Morgenstunden kommen Einheimische und Touristen zum Schiff, beglückwünschen uns und bewundern Martins Leistung. Das heute meistgebrauchte Wort war „poli oreia“, sehr schön. Gerade die Griechen standen zum Teil stundenlang in Gruppen an der Pier und unterhielten sich über den Katamaran. Viele wollten ihn auch von innen besichtigen, unter anderem kam der orthodoxe Pope zweimal zum Schiff. Beim ersten Mal segnete er es, die Mannschaft und alle Mitfahrer, beim zweiten Mal hat er sich gefreut, wie ein Kind, als ich ihn einlud das Schiff von innen zu besichtigen. poli oreia. poli oreia. poli oreia. Was uns auffiel, war: die Griechen schauen durch die tausend Kisten, das Werkzeug und die Geräte, die sich auf dem Schiff verteilen, einfach hindurch. Sie finden die Küche schön, freuen sich über die Bodenklappe unter der Küche zum Fischen, bestaunen die Kabinen, den Motorraum, die Grösse, einfach alles. Alles poli oreia. Internationale Touristen kommen und berichten uns, sie seien am Strand gewesen, hätten alles mitbekommen, die Spannung und alles. Alle fieberten mit, kommen und gratulieren.
Zur Siesta lag ich im Cockpit, auf den Bänken mit Sofa-Ausmassen, blickte am Mast hoch und freute mich auf meinen ersten Törn mit blu:kat.
blu:kat bei Sonnenaufgang

blu:kat bei Sonnenaufgang

Kurz: der Kat schwimmt, ist kein bisschen undicht und er hält ziemlich was aus. Auch nach Tauchgängen zur Begutachtung des Unterwasserschiffs konnten wir nur geringfügige Schäden und Kratzer im Lack feststellen. Martin hat im Hafen einklariert, ohne Probleme, wir haben die gelbe Flagge Q eingeholt und sind jetzt offiziell da.

Die Reaktionen waren überwältigend. Seit den frühestens Morgenstunden kommen Einheimische und Touristen zum Schiff, beglückwünschen uns und bewundern Martins Leistung. Das heute meistgebrauchte Wort war „poli oreia“, sehr schön. Gerade die Griechen standen zum Teil stundenlang in Gruppen an der Pier und unterhielten sich über den Katamaran. Viele wollten ihn auch von innen besichtigen, unter anderem kam der orthodoxe Pope zweimal zum Schiff. Beim ersten Mal segnete er es, die Mannschaft und alle Mitfahrer, beim zweiten Mal hat er sich gefreut, wie ein Kind, als ich ihn einlud das Schiff von innen zu besichtigen. poli oreia. poli oreia. poli oreia. Was uns auffiel, war: die Griechen schauen durch die tausend Kisten, das Werkzeug und die Geräte, die sich auf dem Schiff verteilen, einfach hindurch. Sie finden die Küche schön, freuen sich über die Bodenklappe unter der Küche zum Fischen, bestaunen die Kabinen, den Motorraum, die Grösse, einfach alles. Alles poli oreia. Internationale Touristen kommen und berichten uns, sie seien am Strand gewesen, hätten alles mitbekommen, die Spannung und alles. Alle fieberten mit, kommen und gratulieren.

Zur Siesta lag ich im Cockpit, auf den Bänken mit Sofa-Ausmassen, blickte am Mast hoch und freute mich auf meinen ersten Törn mit blu:kat.

Unsere Crew nach dem allerersten Anleger von blu:kat

Unsere Crew nach dem allerersten Anleger von blu:kat

Aug.

4

Sonnenaufgang

Sonnenaufgang

Wir liegen jetzt seit Wochen im Hafen von Rethymnon, so kommt es mir vor, der Stapellauf liegt lange zurück. Das Leben an Bord hat sich eingespielt. Morgens wache ich auf, auf blu:kat und geniesse die Ruhe in meiner blauen Kabine. Es ist die einzige bisher bewohnte und daher wird bei Schiffsführungen auch immer wieder diese Kabine gezeigt. Da wir erst um 9 Uhr öffnen, habe ich noch zweieinhalb Stunden. Und doch bin ich traurig, denn das wird mein vorerst letzter Morgen auf dem Katamaran sein; schon heute Abend steige ich in ein Flugzeug und verlasse dieses Paradies. Ein letztes Frühstück auf dem Schiff, nachher, wenn unsere Crew eintrifft. Sie leben noch an Land, bringen dann heissen Kaffee und ofenwarmes Brot. Wir werden gemeinsam am runden Tisch im Salon sitzen, reden und lachen. Danach: Bord-Arbeit. Entspannt und ruhig. Seit Martins Schwester da ist, nimmt die Unordnung ab, manchmal unmerklich, aber stetig. Sie sorgt nicht alleine dafür, sondern jeder macht etwas. So haben wir seit gestern ein richtig schönes Cockpit, mit Polstern und weissen Matten am Boden. Martin und unser Maschinist Stefan testen die Generatoren, die Bugstrahlruder, das Zusammenspiel aller möglichen Komponenten. Martin bleibt immer ruhig: wenn etwas auf Anhieb klappt, wie es sein soll, ebenso, wenn etwas nicht so funktioniert. Dann wird solange gebaut, bis sich die Technik unterordnet und das tut, was sie soll. Funktionieren. Auch beim Stapellauf war Martin immer die Ruhe in Person. Doch jetzt hatte sich etwas zugetragen, das war schlimmer als alles andere, was man sich vorstellen konnte. So katastrophal, das es auch in Martin kochte und brodelte. Die Welt war aus den Fugen geraten. Hier konnte man nicht mehr ruhig bleiben. Das Ungeheuerlichste und Undenkbare war geschehen. Wir mussten ihn beruhigen, alle zusammen und doch dauerte es lange, bis er wieder halbwegs zu Luft kam. Was war? Was ist passiert? Wir waren gestern bei Felix zum Abendessen eingeladen, er hat ein Haus, schön in den Bergen über der Küste gelegen. Wir waren alle in Martins rotem VW-Bus und fuhren gerade durch den letzten kleiner Ort, bevor die steile Strasse begann, die wir hoch mussten. Diese Strasse ist so steil, dass der Bus ächzte und stöhnte und Martin mehrmals den Motor im ersten Gang mit Vollgas treten musste, damit sich der Bus auch nur langsam bewegte. Wir waren schon ein wenig spät dran und Felix wartete bestimmt schon. Er wollte für uns kochen und der Nudelauflauf war schon im Ofen. Salate waren zubereitet, Weisswein und Bier kaltgestellt. Der Tisch im Freien war schon gedeckt und alles hergerichtet. Er wartet und wir quälen den Bus diese Berstrasse hoch. Direkt vor Felix Haus müssen wir dann wieder ein Stück herunter, so steil, dass diesmal die Bremsen alles geben müssen. Doch was ist passiert, in diesem kleinen Ort, vorhin? Die Strasse war noch breit und drei Autos vor uns fuhr ein Kleinwagen mit griechischem Nummernschild. Der Grieche hielt an, am rechten Strassenrand und schaltete die Warnblinkanlage an, die nachfolgenden Autos fuhren vorbei. Das war zuviel! Hier konnte man doch nicht mehr ruhig bleiben und Martin blieb nicht mehr ruhig, sondern wurde laut, das erste Mal seit Tagen, Wochen, Monaten: „Diese Sch… Griechen, diese M……, dass die immer, wenn sie irgendwo stehenbleiben, ihre Warnblinkanlage anschalten müssen!“ Stille. Alle im Bus starren Martin an. Das dann folgende Gelächter verebbt erst, als wir bei Felix aussteigen und in seinen Pool springen.

Aug.

4

Rethymnon. Ich sitze im Hafen auf der Mole und reibe mir die Augen. Sofort bereue ich diesen Fehler. Meine Haut, meine Haare, mein Gesicht ist salzverkrustet. Salz. Ich bin noch ganz benebelt. Was war das? Ich habe geträumt. Gleich wird die Sonne aufgehen und alles wird klar. Salz. Neben mir liegt blu:kat gut vertäut und wiegt sich ganz leicht in der Morgendämmerung. Was für eine Nacht. Hinter mir gehen sich zwei Griechen entgegen. Treffen sich. Grüssen sich. Direkt neben mir. Ich sitze auf einer Ecke an der Mole. Wieso trifft man sich hier? Die Griechen halten nicht inne. Gehen weiter. Ich sitze. Salz. Eine Kirchenglocke schlägt. Sie versucht meinen Kopf klar zu bekommen. Ein Traum?
Wir sind am Strand. Michi und ich stehen auf blu:kat und sehen auf das Volk am Strand herab. Viele haben sich versammelt, um zu sehen, was es zu sehen gibt. Glocken. Unsere Jungs arbeiten an den Bohlen, die unter die Räder gelegt werden müssen, im weichen Sand. Die Raupe schiebt, der Kat bewegt sich. Auf’s Meer zu, dahin wo er hingehört, seiner Bestimmung entgegen. Jetzt wird keine Pause mehr gemacht. Die Ruderblätter tauchen ein, die Motoren. Dann ein Schubs. So leicht, als wolle man ein Papierschiffchen auf die Reise bringen. Glocken. Wir schwimmen. Ungläubig schauen wir zum Ufer, Menschen stehen dort und klatschen. Martin und Stefan kommen aus dem Wasser an Bord und starten die Generatoren. Versuchen es. Drücken, Fluchen. Dann: Motor läuft. Glocken. Wellen schlagen gegen das Schiff, sie wollen das, was eben nicht da war, wieder zurück an Land bringen. Alarmtöne schrillen und rote Warnlampen gehen an, der Motor geht aus.
Der volle Mond steht über der Altstadt von Rethymnon und allmählich erwacht die Stadt. Autos fahren an der Uferstrasse entlang, drüben, weit weg von meiner Mole. Gerüche steigen in meine Nase. Der Duft der Maccia und Phrygana. Läufer an der Strandpromenade nutzen den Morgen. Gleich ist die Sonne da und wird unbarmherzig die Erde erwärmen und jede Betätigung zur Qual werden lassen. Wieder kommt ein Grieche an meiner Ecke vorbei. Sie kommen, als würde es hier weitergehen, kehren dann um und verschwinden wieder. Hier geht es nicht weiter.
Wir sind auf blu:kat im Meer und es geht nicht weiter. Die Leute schauen. Auch wir sind jetzt die Leute. Knöpfe werden gedrückt, Flüche ausgestossen, aber das Meer interessiert sich nicht dafür. Die Wellen drücken uns ganz langsam quer zum Ufer. Sie heben blu:kat eine wenig an und lassen ihn wieder auf die Lastwagenräder fallen. Immer und immer wieder. Dann: eine Idee. Ich springe ins Wasser, schwimme zum Ufer, renne zum Bauplatz. Dort steht das Beiboot mit einem 50 PS Motor. Mit dem Slipwagen ans Meer, Motor starten, Leinen übernehmen und los. Das Meer interessiert sich nicht für einen 50PS Motor. blu:kat wird hochgehoben und fallen gelassen. Ein weiteres Boot kommt herbei, mit 250PS Motor und noch eins genauso stark. Die Sonne geht unter und es ist wieder ein wunderschöner Sonnenuntergang. Wahrscheinlich. Keiner an Bord nimmt ihn wahr. Das Meer interessiert sich auch nicht für zwei Boote mit zusammen 500PS. Bumm. Wieder hat eine besonders grosse Welle blu:kat fallen gelassen. Man zieht von hier, man zieht von da. Bumm. Es wird Nacht.
Die Sonne geht auf. Über einem kleinen Wolkenband ist jetzt die Sonne für Rethymnon und für blu:kat aufgegangen. Sofort wird mein Rücken warm. Kleine Fische springen aus dem Wasser. Begrüssen die Sonne. Grössere Fische springen aus dem Wasser und frühstücken. Ich stehe auf und mache ein Foto von blu:kat. Sofort kommen mir Griechen entgegen. Ich bin jetzt einer von ihnen, ein Entgegenkommer, auf diesem Eck der Mole. Ihre Frequenz erhöht sich. Vielleicht sollte ich hier eine Bar eröffnen. Rethymnon hat eine schöne Silouette, die Kirchen, der alte Hafen, der Leuchtturm, der die Hafeneinfahrt markiert. Und hinter allem und immer sichtbar: die Festung, die Fortezza.
blu:kat ist gestrandet. Der Mann mit seinem kleinen roten Motorboot zieht seine Kreise. Was passiert? Wie geht es weiter? Bumm. Der Mann denkt: halten die Achsen unter dem Schiff dem Meer stand? Das Meer beginnt, die Achsen zu entfernen. Es wird telefoniert. Ein grosses Schiff wird kommen. Megalla Skafos. Leinen werden bereitet, es wird gewartet. Die Nacht wird erhellt von Scheinwerfern am Ufer. Die Planierraupe der Radlader und einige Quads. Bumm. Sie leuchten auf blu:kat und das Meer. Das Meer schluckt das Licht. Bumm. Das kleine Motorboot tanzt auf den Wellen. Es gibt nicht den Takt an. Die Wellen geben den Takt an. Das Meer schickt grössere Wellen. Bummmm. Das grosse Schiff kommt, das kleine rote Boot bringt die Leine zum grossen Schiff. Die Leinen werden festgemacht auf beiden Seiten. Das grosse Schiff zieht. Bummmm. Die Leine reisst. Die Enden werden jetzt von beiden Seiten gebracht. Das kleine rote Boot bringt die Leine von blu:kat, ein anderes Boot die Leine von dem grossen Schiff. Die Leinen werden verknotet. Das andere Boot bring die Leine zum grossen Schiff und verliert sie. Bummmm. Nochmal. Es klappt. Das Meer ist auch einen Schritt weiter. Das Meer hat jetzt die Achsen entfernt. Die Raupe zieht alle Achsen, wie an einer Perlenschnur aufgereiht an den Strand. Das Meer hat jetzt einen Teil von blu:kat wieder zurück an Land geworfen. Die Leine an blu:kat ist diesmal am Bug vertäut. Das grosse Schiff zieht.
Es ist ein weisses Ausflugsschiff, das dort an der Hafeneinfahrt des alten venezianischen Hafens liegt. Es bringt Touristen weg von hier, an andere schöne Orte. Normalerweise. Letzte Nacht hatte auch das grosse weisse Ausflugsschiff einen seltsamen Traum. Doch jetzt liegt es wieder dort in der aufgehenden Sonne und alles ist so, wie es sein soll. Ein Frachter kommt in den Hafen eingelaufen, dreht ganz langsam, wirft Anker, dreht weiter, fährt rückwärts an die Pier. Festmacherleinen werden um grosse Poller gelegt: fertig. Glocken. Griechen kommen in meiner Bar vorbei und schauen blu:kat an. Worte wie „megalla“ fallen. Sie trinken einen Frappé an der Theke, zahlen und gehen wieder. Ich räume die Gläser weg.
Bummmm. Das grosse weisse Ausflugsboot zieht. Die Leine und die Leute sind gespannt. Der Mann auf dem roten Boot auch. blu:kat dreht sich zum Meer, nimmt Fahrt auf und folgt dem grossen weissen Ausflugsboot. Applaus vom Strand. Ich gebe Gas und fahre mit dem roten Tender von blu:kat hinterher. Einmal noch zurück, Christan am Ufer absetzen, er wird den Bus holen. Wieder zurück Richtung blu:kat. Das rote Boot pflügt leichtfüssig durch die Wellen, dem Schleppverband hinterher. Ich hänge mich mit einer Leine an blu:kat und lasse mich gemütlich in den Hafen ziehen. Es ist 23 Uhr, als wir ankommen. blu:kat wird an der Mole vertäut. Champagnerkorken knallen, Siegerfotos werden gemacht. Ich schlafe wieder auf blu:kat, das erste mal auf dem Meer, stehe früh auf und setze mich an die Mole. In einer halben Stunde wird Martin kommen und mir Kaffee bringen. Ich warte. Das Meer wartet auch.
Rethymnon. Ich sitze im Hafen auf der Mole und reibe mir die Augen. Sofort bereue ich diesen Fehler. Meine Haut, meine Haare, mein Gesicht ist salzverkrustet. Salz. Ich bin noch ganz benebelt. Was war das? Ich habe geträumt. Gleich wird die Sonne aufgehen und alles wird klar. Salz. Neben mir liegt blu:kat gut vertäut und wiegt sich ganz leicht in der Morgendämmerung. Was für eine Nacht. Hinter mir gehen sich zwei Griechen entgegen. Treffen sich. Grüssen sich. Direkt neben mir. Ich sitze auf einer Ecke an der Mole. Wieso trifft man sich hier? Die Griechen halten nicht inne. Gehen weiter. Ich sitze. Salz. Eine Kirchenglocke schlägt. Sie versucht meinen Kopf klar zu bekommen. Ein Traum?
First Contact

First Contact

Wir sind am Strand. Michi und ich stehen auf blu:kat und sehen auf das Volk am Strand herab. Viele haben sich versammelt, um zu sehen, was es zu sehen gibt. Glocken. Unsere Jungs arbeiten an den Bohlen, die unter die Räder gelegt werden müssen, im weichen Sand. Die Raupe schiebt, der Kat bewegt sich. Auf’s Meer zu, dahin wo er hingehört, seiner Bestimmung entgegen. Jetzt wird keine Pause mehr gemacht. Die Ruderblätter tauchen ein, die Motoren. Dann ein Schubs. So leicht, als wolle man ein Papierschiffchen auf die Reise bringen. Glocken. Wir schwimmen. Ungläubig schauen wir zum Ufer, Menschen stehen dort und klatschen. Martin und Stefan kommen aus dem Wasser an Bord und starten die Generatoren. Versuchen es. Drücken, Fluchen. Dann: Motor läuft. Glocken. Wellen schlagen gegen das Schiff, sie wollen das, was eben nicht da war, wieder zurück an Land bringen. Alarmtöne schrillen und rote Warnlampen gehen an, der Motor geht aus.

Der volle Mond steht über der Altstadt von Rethymnon und allmählich erwacht die Stadt. Autos fahren an der Uferstrasse entlang, drüben, weit weg von meiner Mole. Gerüche steigen in meine Nase. Der Duft der Maccia und Phrygana. Läufer an der Strandpromenade nutzen den Morgen. Gleich ist die Sonne da und wird unbarmherzig die Erde erwärmen und jede Betätigung zur Qual werden lassen. Wieder kommt ein Grieche an meiner Ecke vorbei. Sie kommen, als würde es hier weitergehen, kehren dann um und verschwinden wieder. Hier geht es nicht weiter.
Wir sind auf blu:kat im Meer und es geht nicht weiter. Die Leute schauen. Auch wir sind jetzt die Leute. Knöpfe werden gedrückt, Flüche ausgestossen, aber das Meer interessiert sich nicht dafür. Die Wellen drücken uns ganz langsam quer zum Ufer. Sie heben blu:kat eine wenig an und lassen ihn wieder auf die Lastwagenräder fallen. Immer und immer wieder. Dann: eine Idee. Ich springe ins Wasser, schwimme zum Ufer, renne zum Bauplatz. Dort steht das Beiboot mit einem 50 PS Motor. Mit dem Slipwagen ans Meer, Motor starten, Leinen übernehmen und los. Das Meer interessiert sich nicht für einen 50PS Motor. blu:kat wird hochgehoben und fallen gelassen. Ein weiteres Boot kommt herbei, mit 250PS Motor und noch eins genauso stark. Die Sonne geht unter und es ist wieder ein wunderschöner Sonnenuntergang. Wahrscheinlich. Keiner an Bord nimmt ihn wahr. Das Meer interessiert sich auch nicht für zwei Boote mit zusammen 500PS. Bumm. Wieder hat eine besonders grosse Welle blu:kat fallen gelassen. Man zieht von hier, man zieht von da. Bumm. Es wird Nacht.
Die Sonne geht auf. Über einem kleinen Wolkenband ist jetzt die Sonne für Rethymnon und für blu:kat aufgegangen. Sofort wird mein Rücken warm. Kleine Fische springen aus dem Wasser. Begrüssen die Sonne. Grössere Fische springen aus dem Wasser und frühstücken. Ich stehe auf und mache ein Foto von blu:kat. Sofort kommen mir Griechen entgegen. Ich bin jetzt einer von ihnen, ein Entgegenkommer, auf diesem Eck der Mole. Ihre Frequenz erhöht sich. Vielleicht sollte ich hier eine Bar eröffnen. Rethymnon hat eine schöne Silouette, die Kirchen, der alte Hafen, der Leuchtturm, der die Hafeneinfahrt markiert. Und hinter allem und immer sichtbar: die Festung, die Fortezza.
blu:kat ist gestrandet. Der Mann mit seinem kleinen roten Motorboot zieht seine Kreise. Was passiert? Wie geht es weiter? Bumm. Der Mann denkt: halten die Achsen unter dem Schiff dem Meer stand? Das Meer beginnt, die Achsen zu entfernen. Es wird telefoniert. Ein grosses Schiff wird kommen. Megalla Skafos. Leinen werden bereitet, es wird gewartet. Die Nacht wird erhellt von Scheinwerfern am Ufer. Die Planierraupe der Radlader und einige Quads. Bumm. Sie leuchten auf blu:kat und das Meer. Das Meer schluckt das Licht. Bumm. Das kleine Motorboot tanzt auf den Wellen. Es gibt nicht den Takt an. Die Wellen geben den Takt an. Das Meer schickt grössere Wellen. Bummmm. Das grosse Schiff kommt, das kleine rote Boot bringt die Leine zum grossen Schiff. Die Leinen werden festgemacht auf beiden Seiten. Das grosse Schiff zieht. Bummmm. Die Leine reisst. Die Enden werden jetzt von beiden Seiten gebracht. Das kleine rote Boot bringt die Leine von blu:kat, ein anderes Boot die Leine von dem grossen Schiff. Die Leinen werden verknotet. Das andere Boot bring die Leine zum grossen Schiff und verliert sie. Bummmm. Nochmal. Es klappt. Das Meer ist auch einen Schritt weiter. Das Meer hat jetzt die Achsen entfernt. Die Raupe zieht alle Achsen, wie an einer Perlenschnur aufgereiht an den Strand. Das Meer hat jetzt einen Teil von blu:kat wieder zurück an Land geworfen. Die Leine an blu:kat ist diesmal am Bug vertäut. Das grosse Schiff zieht.
Es ist ein weisses Ausflugsschiff, das dort an der Hafeneinfahrt des alten venezianischen Hafens liegt. Es bringt Touristen weg von hier, an andere schöne Orte. Normalerweise. Letzte Nacht hatte auch das grosse weisse Ausflugsschiff einen seltsamen Traum. Doch jetzt liegt es wieder dort in der aufgehenden Sonne und alles ist so, wie es sein soll. Ein Frachter kommt in den Hafen eingelaufen, dreht ganz langsam, wirft Anker, dreht weiter, fährt rückwärts an die Pier. Festmacherleinen werden um grosse Poller gelegt: fertig. Glocken. Griechen kommen in meiner Bar vorbei und schauen blu:kat an. Worte wie „megalla“ fallen. Sie trinken einen Frappé an der Theke, zahlen und gehen wieder. Ich räume die Gläser weg.
Bummmm. Das grosse weisse Ausflugsboot zieht. Die Leine und die Leute sind gespannt. Der Mann auf dem roten Boot auch. blu:kat dreht sich zum Meer, nimmt Fahrt auf und folgt dem grossen weissen Ausflugsboot. Applaus vom Strand. Ich gebe Gas und fahre mit dem roten Tender von blu:kat hinterher. Einmal noch zurück, Christan am Ufer absetzen, er wird den Bus holen. Wieder zurück Richtung blu:kat. Das rote Boot pflügt leichtfüssig durch die Wellen, dem Schleppverband hinterher. Ich hänge mich mit einer Leine an blu:kat und lasse mich gemütlich in den Hafen ziehen. Es ist 23 Uhr, als wir ankommen. blu:kat wird an der Mole vertäut. Champagnerkorken knallen, Siegerfotos werden gemacht. Ich schlafe wieder auf blu:kat, das erste mal auf dem Meer, stehe früh auf und setze mich an die Mole. In einer halben Stunde wird Martin kommen und mir Kaffee bringen.
Ich warte. Das Meer wartet auch.

Aug.

4

  • Achse in Position fixiert – check

    Mission Control Center

    Mission Control Center

  • Planierraupe entfernen – check
  • Werkzeug wegräumen – check
  • Drehstromkabel vom Strand abbauen – check
  • Schubstangen: Verlängerung holen – check
  • Wellengang verringern – check
  • Lange Schubstangen: befestigen – check
  • Schweissgerät wegräumen – check
  • Planierraupe: Eingang ins Meer räumen – check
  • 10..9..8..7..6..5..4..3..1..Take off
  • First Contact: 18:40 LOT, Ruderblätter + Motoren

Aug.

4

Unter dem Schiff wird geflext, geschweisst, gehämmert, geratscht, geschaut, gegessen, geruht und geschlafen.

Die neue Achse ist jetzt in Position

Die neue Achse ist jetzt in Position

Die Achse ist montiert, da es eine Lenkachse ist musste die Lenkung natürlich festgeschweisst werden. Martin befestigt gerade wieder die Verbindung von Vorderachse zu Hinterachse; wir haben da vorgestern noch ein paar 16mm Drähte besorgt, die dafür sorgen, dass der Kat mit der Vorderachse nicht von der Hinterachse runtergezogen wird.

Mittlerweile wurden auch etliche sehr lange Holzbretter herbeigeschafft, die auf den letzten Metern ins Meer im weichen Sand als Unterlage dienen sollen.