Schon in den frühen Morgenstunden herrschte an Bord rege Betriebsamkeit. Unser heutiges Ziel hieß Poros, die grüne Perle im saronischen Golf und bis dorthin lagen rund 45 Seemeilen vor uns. Martin wollte spätestens um acht Uhr ablegen. Bei mäßigem bis gar keinem Wind rechnete er mit etwa zehn Stunden Fahrt. Klaus und ich machten uns noch schnell auf den Weg zum Bäcker, um frisches Brot und ein paar süße Teilchen für unseren langen Schlag zu besorgen. Gefrühstückt wurde heute ganz nach individuellem Bedarf , schließlich wollten wir keine Zeit verlieren. Einige andere Boote waren sogar schon kurz nach sechs Uhr gestartet. Vermutlich wollten auch sie das für morgen vorhergesagte, ungünstige Wetterfenster mit kräftigem Wind umgehen. Pünktlich um acht hieß es dann wie jeden Tag: Anker auf und Leinen los! Für die Verpflegung unterwegs war ebenfalls gesorgt. Waltraud und Norbert zauberten einen leckeren Thunfischdip für später.




Anfangs kamen wir allerdings nur schleppend voran. Es herrschte nahezu Windstille, und so tuckerten wir gemütlich mit dem Motor dahin. Die Flaute wurde kurzerhand zur Gelegenheit für eine kleine Knotenkunde auf der Flybridge. Klaus übte fleißig und Norbert gesellte sich dazu . Alex machte es sich vorne gemütlich, um in Ruhe zu lesen. Auch einige andere Segelboote waren unterwegs. Schließlich passierten wir Agios Georgios, die Insel mit den zahlreichen Windrädern, die schon von Weitem gut zu erkennen waren.
Gegen halb eins war es Zeit für eine kleine Stärkung. Auf den Tisch kamen der selbst gemachte Thunfischdip, Eier, Tomaten und Gurken. Für den süßen Genuss zwischendurch teilte ich die Bougatsa, die wir am Morgen beim Bäcker gekauft hatten. Das griechische Blätterteiggebäck schmeckt wunderbar als kleines süßes Häppchen , genau das Richtige für unterwegs.
Und dann, gegen ein Uhr frischte tatsächlich der Wind plötzlich auf! Die Genua wurde ausgerollt, der Motor ausgeschaltet , was für eine Wohltat! Endlich konnten wir richtig segeln und düsten bei etwa zehn Knoten über das Wasser. Poros war bereits in Sichtweite, und die Stimmung an Bord wurde gleich noch ein bisschen besser.



Um halb vier erreichten wir schließlich den Hafen von Poros-Stadt. Poros verzaubert mit pastellfarbenen Häusern, kleinen Tavernen und einem malerischen Hafen, über dem der weiße Uhrturm thront. Anders als viele griechische Inseln ist Poros wunderbar grün: Pinienwälder reichen bis ans türkisfarbene Meer. Für Segler sind die geschützten Buchten und das lebendige Hafenstädtchen besonders reizvoll. Doch die Freude auf einen gemütlichen Liegeplatz wurde schnell gedämpft. Der Hafen war proppenvoll! Langsam fuhren wir an der Promenade entlang, vorbei an Segelbooten, die dicht an dicht lagen. Manche lagen sogar schon im sogenannten Päckchen, also mehrere Boote nebeneinander. Martin drehte noch eine zweite Runde, doch auch diesmal war weit und breit kein freier Platz zu entdecken.
Da auch außerhalb des Hafens bereits zahlreiche Segler ankerten, entschied Martin, die Stadt hinter uns zu lassen und einen Ankerplatz etwas außerhalb anzusteuern.
An der Russian Bay lagen bereits einige Segelboote, deren Crews ihre Boote mit Leinen an den Felsen gesichert hatten. Nun sollten auch unsere Schwimmleinen zum ersten Mal zum Einsatz kommen. Ludwig und Klaus sprangen ins Wasser und schwammen zu den Felsen hinüber, um die Leinen dort zu befestigen. Was für eine Aktion. Aber beide erledigten ihre Aufgabe super. Anschließend hangelte sich Klaus an der Leine zurück zum Boot, während Martin danach mit dem Dinghi noch einmal alles kontrollierte. Am Ende saß alles, und wir lagen sicher vor Anker.









Dann machten wir uns fertig für den Landgang. Bis nach Poros-Stadt mussten wir knapp eine Stunde laufen. Martin hielt unterwegs kurzerhand ein Auto an, mit dem Waltraud und Norbert schon einmal vorausfahren konnten. Die beiden wollten sich nach einem passenden Restaurant für den Abend umsehen.







In Poros vereinbarten wir einen Treffpunkt für 19 Uhr. Bis dahin konnte jeder die Stadt auf eigene Faust erkunden, ein wenig bummeln oder einfach das griechische Flair genießen. Martin, Ludwig und ich stiegen , nachdem wir uns ein Eis gegönnt haben, viele Treppen hoch zum Glockenturm. Die Aussicht war toll von da oben








Zum gemeinsamen Abendessen trafen wir uns alle zusammen im Poseidon Restaurant. Es war gut besucht, doch die Kellner waren ausgesprochen flink und freundlich. Das Essen schmeckte hervorragend, und auch die Portionen konnten sich wirklich sehen lassen! Nach dem langen Tag auf dem Wasser und dem langen Fußmarsch waren wir allerdings alle ziemlich geschafft. So langsam machte sich die Müdigkeit breit.






Gegen neun Uhr bestellten wir ein Taxi zurück zur Russian Bay. Von dort ging es mit dem Dinghi die letzten Meter hinaus zu unserem Boot.
Wieder an Bord, stand noch ein wichtiger Punkt auf dem Programm: der Wettercheck. Es waren Gewitter, Starkregen und kräftiger Wind angekündigt. Das klang nicht gerade gemütlich. Zum Glück liegen wir in unserer Bucht gut geschützt und hoffen, dass wir die Nacht ruhig überstehen.
Nach diesem langen, ereignisreichen Tag zog sich einer nach dem anderen in die Kojen zurück. Jetzt hoffen wir nur noch auf eine ruhige Nacht und darauf, dass das angekündigte Wetter nicht ganz so ungemütlich wird wie befürchtet.


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