Okt.

14

Die Nacht hatte es in sich: Es regnete ordentlich, und dazu war es empfindlich frisch. Nur der angekündigte Wind ließ sich zunächst noch etwas Zeit. Dafür war es an Deck bereits so zugig, dass wir heute zum ersten Mal unseren Frühstückstisch nach drinnen verlegten. Leo zauberte Rühreier und im Salon war es am großen Tisch richtig schön kuschelig. Draußen konnte das Wetter machen, was es wollte , wir hatten es auf jeden Fall gemütlich.
Gegen neun Uhr nahm der Wind dann zunehmend Fahrt auf. Der Himmel war dunkelgrau und komplett zugezogen. Bei unseren Nachbarbooten herrschte reges Treiben. Überall waren die Crews an Land unterwegs, um ihre Landleinen zu kontrollieren. Martin nahm unsere Leinen sicherheitshalber mit dem Fernglas unter die Lupe. Alles bestens. Ludwig und Klaus hatten bei der Vorbereitung ganze Arbeit geleistet.


Mit dem stärker werdenden Sturm zog es nach und nach fast alle zurück in die Kojen. Nur Leo hielt tapfer die Stellung und vertiefte sich in sein Buch. Der Wind wurde immer heftiger, und die Georgina schaukelte ordentlich in der Bucht. Leo, Ludwig und Norbert machten es sich im Salon gemütlich und harrten der Dinge.

Der Rest der Crew tauchte zwischendurch immer wieder auf, um sich einen kleinen Snack zu gönnen, bevor es zurück in die Kojen ging.Ein richtiger Sturmstop in der Bucht eben , nicht unbedingt eingeplant, war aber wegen dem Wetter notwendig. Am Nachmittag kam endlich unser Lieblingskartenspiel wieder auf den Tisch „Wizard“ . In den letzten Wochen hatten wir viel zu selten gespielt, also wurde es höchste Zeit. Zwischen den Kartenrunden wurde natürlich auch ausgiebig über die verschiedenen Wetterprognosen gefachsimpelt, auch wenn das Wetter gelegentlich seine ganz eigenen Pläne verfolgt.Gegen den späten Nachmittag ließ der Wind ein wenig nach. Dick eingepackt konnte man sich nun auch wieder nach draußen wagen. Und als hätte das Wetter ein Einsehen mit uns, lugte tatsächlich die Sonne zwischen den Wolken hervor. Sie zauberte ein wunderschönes Licht über die Bucht und ließ den stürmischen Tag für einen Moment gleich viel freundlicher erscheinen.Doch nicht nur wir und die Georgina hatten mit dem Sturm zu kämpfen. Auch ein kleiner, ziemlich erschöpfter Besucher suchte offenbar Schutz bei uns. Eine Taube mit einer ganz besonderen Färbung landete am Bug der Georgina. Dort ruhte sie sich eine Weile aus, bevor sie sich frech und munter übers Trampolin hüpfte.

Alex und Klaus, die es sich oben auf der Flybridge „gemütlich“ oder besser gesagt windtauglich gemacht hatten, berichteten sogar, dass die kleine Federkugel schon länger auf dem Boot war. Offenbar hatte sie die Georgina kurzerhand zu ihrem persönlichen Sturmquartier erklärt. Irgendwann machte sie sich wieder davon , hoffentlich mit etwas mehr Kraft für den Weiterflug.

Am Abend übernahm Waltraud das Kommando in der Kombüse. Es gab Nudeln mit Tomatensoße und Salat. Klaus kümmerte sich um den Tisch, und schon bald saßen wir wieder alle gemütlich beisammen. Das Essen schmeckte, alle wurden satt, und draußen tobte der Wind weiter.

Drinnen war es warm, gemütlich und einfach schön.Ludwig und Leo machten anschließend noch klar Schiff, bevor uns die nächste Herausforderung erwartete: die Hornochsen! Acht lustige Runden lang wurde gezockt, geblufft, mitgefiebert und natürlich jede Menge gelacht. Am Ende des Abends stand unser Youngster Ludwig als Hornochse mit den meisten Punkten fest.


Nach so einem langen, wetterbedingt eher zähen Tag in unserer Ankerbucht waren schließlich alle froh, in die Kojen zu verschwinden. Draußen fegte immer noch der Sturm über die Bucht und alle hofften auf eine ruhige Nacht.