Okt.

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Ein Wiedersehen mit der Insel für Martin nach 10 und Sylvia nach 34 Jahren

Von Athen nach Kreta

Nach fünf Wochen verließen wir die Georgina und hatten vor unserem Abendflug nach Kreta noch Zeit für einen Bummel durch Athen. In der Straßenbahn konnten wir sogar einen Blick auf die Akropolis erhaschen. Bei eisiger Kälte schlenderten wir durch die vollen Gassen, bevor es zurück zum Flughafen ging. Der kurze Flug war schnell geschafft.

Mit unserem kleinen roten Fiat 500, einer richtigen Knutschkugel, den Martin kurzerhand als Ersatz für den problematischen Mietwagen ausgesucht hatte, ging es nach einem Pita Gyros spätabends endlich ins Hotel.

Der Wirt freute sich, Martin wiederzusehen. Ein schönes, geräumiges Zimmer und vor allem wieder ein richtiges Bett erwarteten uns.

Sonntag – Rethymnon

Während Martin ausschlief, hab ich unsere Sachen ein bisschen sortiert. Später besuchte ich mit ihm seine ehemalige „Werft“ gegenüber von unserem Hotel, wo er einst seinen Katamaran Blu:Kat gebaut hatte. Ein bewegender Moment für ihn, denn von der alten Anlage war nur noch die Betonbodenplatte übrig.

Anschließend erkundeten wir die verwinkelten Gassen der Altstadt von Rethymnon, den venezianischen Hafen und die Fortezza. Nach über zehn Kilometern zu Fuß gönnten wir uns eine Siesta am Pool. Abends ließen wir uns in der Taverne Sisi mit leckerem Essen ,großen Portionen und sehr nettem Service verwöhnen .

Montag – Argiropouli und Kornassee

Mit unserer roten Knutschkugel fuhren wir am Montag nach Argyroupoli, wo Martin den früheren Bürgermeister Sterios traf und in alten Zeiten schwelgte.

Auch den ehemaligen Avocadoöl-Shop gibt es noch , natürlich nahm ich etwas mit. Danach bestaunten wir die gewaltige, über tausendjährige Platane bei den Fünf Jungfrauen. Direkt unterhalb des Baumes entspringt eine kühle Quelle mit fünf Auslässen, die leider in den letzten Jahren irgendwann versiegt ist. Der Name „Fünf Jungfrauen“ (Thekla, Marianna, Ethane, Martha und Mary) geht auf eine historische Überlieferung zurück. Die fünf Frauen wurden der Legende nach an diesem Ort getötet. Die fünf Wasserhähne der Quelle symbolisieren diese fünf Jungfrauen.

Danach besuchten wir den Kournas-See, den einzigen natürlichen Süßwassersee Kretas. Abends wurde Martin in der Taverne Vasilis in Pigi herzlich von alten Bekannten begrüßt. Überall wurden Erinnerungen wach.

Dienstag – Kloster Arkadi und das Töpferdorf Margarites

Bei herrlichem Wetter besuchten wir das geschichtsträchtige Kloster Arkadi, das während des kretischen Aufstands 1866 zum Schauplatz einer tragischen Geschichte wurde. Meine geplante Geburtstagsüberraschung für Martin hätte dort stattfinden sollen, das hatte das Wetter leider verhindert.

Anschließend fuhren wir ins zauberhafte Töpferdorf Margarites. Überall gab es wunderschöne Fotomotive, herzliche Menschen und tolle Keramik. Bei einem Töpfer durften wir sogar über die Schulter schauen.

Später besuchten wir einen ehemaligen griechischen Kollegen von Martin an seiner Wassersportstation. Überall wurden wir herzlich empfangen. Abends trafen wir einen weiteren deutschen Freund von ihm und sie schwelgten in Erinnerungen an die früheren Zeiten auf Kreta und an die Zeit, während der Katamaran gebaut wurde.

Mittwoch – Chania

Unser Ausflug führte uns nach Chania mit seinem malerischen venezianischen Hafen, dem berühmten Leuchtturm und den vielen kleinen Gassen mit noch mehr Souvenirläden. Bei Sonnenschein waren unzählige Menschen unterwegs, zusätzlich lag ein Kreuzfahrtschiff in der Souda-Bay. Wir genossen einen Kaffee am Hafen und beobachteten das bunte Treiben.

Auf dem Rückweg nach Rethymnon zeigte Martin mir sein früheres Wohnhaus. Den Abend verbrachten wir mit dem ehemaligen Chefanimateur von dem Hotel, wo Martins Wassersportstation war und vielen Geschichten aus den wilden Clubzeiten.

Donnerstag – Spili

Auf einem Bergplateau suchten wir vergeblich nach der früheren Taverne Fantastico , sie war komplett verschwunden. Martin war ganz fassungslos.

Umso schöner war unser Besuch im Bergdorf Spili mit seinem historischen Brunnen, aus dessen zahlreichen Löwenköpfen eiskaltes Quellwasser fließt.

Dort sorgte ich unfreiwillig für einen Lacher: Als ich vor einer kleinen Bauruine mit nur einem einzigen Raum stand und scherzhaft meinte, wir bräuchten unbedingt ein zweites Zimmer, damit wir uns , wenn wir uns auf den Zeiger gehen, (mein Ausspruch war sogar noch etwas unflätiger ;-)) aus dem Weg gehen könnten, ertönte plötzlich eine Stimme hinter einer Hecke: „Richtig so!“ Eine deutsche Dame, die seit 40 Jahren in Spili lebt, hatte unser Gespräch belauscht. Was für eine lustige Begegnung, wir hatten dann noch ein längeres, nettes Gespräch mit ihr. Nach einem  Abstecher zu einer deutschen Brauerei , deren Besitzer Martin auch nach der langen Zeit wieder erkannt hat, ließen wir den Tag  gemütlich mit einem alten Bekannten und leckerem Essen im Zizis ausklingen.

Freitag – wie der Name schon sagt „frei“

Heute gönnte ich mir bewusst eine kleine Auszeit zum Lesen und Relaxen. Das herrliche Wetter war einfach zu schön, um den ganzen Tag im Auto zu sitzen. Natürlich durfte auch ein bisschen Pool und Strand nicht fehlen. Martin traf sich wieder mit alten Freunden.

Abends waren wir in einer kleinen Taverne in Rethymnon old Town und danach besuchten wir einen früheren Bekannten von Martin, der ein Juweliergeschäft betreibt. Sein Pudel Maxi mit Glitzerhalsband und Haarklammern war fast so auffällig wie der Schmuck im Laden. Ein Eis durfte zum Abschluss natürlich nicht fehlen.

Samstag – Durch die Weißen Berge an die Südküste

Unser kleiner Fiat 500 musste heute zeigen, was in ihm steckt! Über unzählige Serpentinen, steil bergauf und wieder hinunter, fuhren wir durch die Weißen Berge nach Chora Sfakion.

Nach einem kleinen Frühstück am Hafen ging es weiter zum geschlossenen Frangokastello und anschließend nach Plakias, wo wir ein leckeres Eis aus kretischer Ziegenmilch probierten.

Ein besonderes Highlight war das Kloster Preveli oberhalb des Libyschen Meeres. Die wunderschöne orthodoxe Klosteranlage beeindruckte uns nicht nur mit ihren Fotomotiven, sondern auch mit ihrer bewegenden Geschichte: 1941 halfen die Mönche zahlreichen alliierten Soldaten bei der Flucht vor den deutschen Truppen nach Ägypten.

Unser letztes Ziel war Agia Galini. Kurve um Kurve kämpfte sich unser kleiner Fiat tapfer durch die Berge. Martin fuhr souverän, auch wenn uns eine verpasste Abfahrt einen kleinen Umweg bescherte.

Am späten Nachmittag erreichten wir das hübsche Fischerdorf. Nach einem herzlichen ausgerichteten Gruß von meiner Freundin für Nikos im Sky Hotel kehrten wir in Kostas’ kleiner Taverne ein, auch eine Empfehlung von ihr und genossen ein leckeres Abendessen, bevor wir uns auf den Heimweg machten. Der Tag war ziemlich anstrengend für Martin, vor allem die Kurverei durch die Berge.

Mein erneutes Fazit

Eine tolle Woche voller Sonnenschein, wunderschöner Landschaften, vielen kleinen schnuckeligen Dörfern, kleiner Abenteuer und vor allem vieler Wiedersehen. Für Martin war es eine Reise in die Vergangenheit und für mich eine schöne Gelegenheit, ein Stück seines früheren Lebens auf Kreta kennenzulernen.