Der vorletzte Morgen an Bord begann ganz gemütlich. Beim Frühstück ließ sich jeder Zeit, und nach und nach trudelten die ersten aus ihren Kojen am bereits gedeckten Tisch ein. Trotzdem war es ungewohnt still.
Das ist vielleicht die Wehmut“, meinte Torsten. Und wahrscheinlich hatte er damit gar nicht so Unrecht.

Immerhin hatte der kalte Wind, der uns seit den frühen Morgenstunden begleitet hatte, inzwischen nachgelassen. Stattdessen strahlten die Sonne und der wunderbar blaue Himmel über der Bucht.
Gegenüber unserem Liegeplatz lag das Mykale-Gebirge an der türkischen Ägäisküste, dessen höchster Punkt etwa 1.237 Meter hoch ist.
Zwischen Poseidonio und der türkischen Küste liegt die Mykale-Straße, die an ihrer schmalsten Stelle gerade einmal etwa 1,2 bis 1,6 Kilometer breit ist. Deshalb wirkte die türkische Küste von unserem Ankerplatz aus tatsächlich fast zum Greifen nah.
Nach Stefan wagten sich auch Christiane und Heike ins Wasser.



Ich gehöre ja bekanntlich zur Warmduscherfraktion und bekam allein schon beim Zuschauen einen Kälteschock. Aber nachdem alle anderen schwimmen waren, konnte es eigentlich gar nicht so schlimm sein. Währenddessen kümmerten sich Martin und Stefan um die Technik und telefonierten mit dem Eigner. Die übrige Crew vertrieb sich die Zeit auf ihre ganz eigene Weise: Einige lasen im Reiseführer, andere träumten ein wenig vor sich hin oder genossen einfach die letzten Stunden an Bord. Die gesamte Crew bleibt noch ein paar Tage in unterschiedlichen Unterkünften auf Samos .
Gegen ein Uhr wurde es dann langsam ernst. Für das Ankerteam hieß es: Auf die Posten!
Der Anker wurde gelichtet und wir nahmen Kurs auf den Hafen von Samos-Pythagoreio.






Torsten beschäftigte sich inzwischen mit dem Palstek und versuchte sich an einer Leine. Martin kam nach vorne und zeigte ihm den Knoten erneut. Wenn er fleißig weiterübt, geht’s irgendwann wie von selbst. . Bei Heike hatte es schließlich schon beim ersten Versuch geklappt.
Torsten grübelte allerdings nach 30 Minuten immer noch über den Knoten. Viel Zeit blieb ihm dafür jedoch nicht, denn schon bald endet unsere letzte Fahrt mit dieser Crew.





Bei moderatem Wind und herrlichem Sonnenschein konnten heute wenigstens alle vorne sitzen, ohne dicke Jacken tragen zu müssen. Sogar der Skipper hatte sich wieder in kurze Hosen gewagt. Während wir langsam auf Pythagorio zuhielten, wurde die Küste zunehmend grüner und war mit hübschen weißen Dörfern gesprenkelt. Schon bald konnten wir den Hafen erkennen.
Damit begann allerdings der aufregendste Teil unserer Ankunft und wir wurden unfreiwillig selbst zum Hafenkino.
Martin wollte rückwärts in einen Liegeplatz fahren. Doch plötzlich rief ein ziemlich unentspannter Hafenmeister, dass er doch woanders einparken solle.
Der Hafenmeister und sein Helfer hüpften inzwischen herum wie zwei Rumpelstilzchen. Sie wurden immer lauter und riefen zunehmend cholerischer irgendwelche Kommandos an die Crew. Nach und nach blieben immer mehr Menschen stehen, um sich das Spektakel anzusehen.
Martin blieb wie immer ganz ruhig, obwohl er stark mit dem Wind zu kämpfen hatte.
Wir anderen waren allerdings ziemlich erleichtert, als der Motor endlich abgestellt wurde und das Manöver nach 20 Minuten vorbei war. Und plötzlich waren auch der Hafenmeister und sein Helfer wie ausgewechselt: Ganz zahm und entspannt standen sie da, als wäre nie etwas gewesen.
Da konnte die Crew erst einmal tief durchatmen.





Zur Belohnung gab es an Bord Kaffee und Kuchen mit ordentlich Schlagsahne . Nervennahrung musste schließlich sein. Micha schenkte sich, Torsten, Heike und Stefan außerdem erst einmal einen Rum ein, und auch das Anlegerbier durfte natürlich nicht fehlen.
Danach hatten alle Freizeit, um das nette Städtchen zu erkunden. Irene und Christiane machten sich auf die Suche nach einem passenden Restaurant für unser Abschlussessen. Martin und ich schlenderten, wie Heike und Torsten,auch noch etwas durch den Ort.









Kurz nach sieben machten wir uns schließlich auf den Weg ins Faros.
Am Abend herrschte im Hafen eine besonders schöne Stimmung. Überall saßen Menschen in den Restaurants, die Lokale waren gut besucht, und jedes hatte seinen eigenen Charme. Auch das Faros gefiel uns auf Anhieb.
Martin bestellte wieder verschiedene Vorspeisen zum Teilen. Auch die Hauptgerichte wurden gemeinsam auf den Tisch gestellt. Es gab leckere Fleischspieße und allerlei andere Köstlichkeiten, sodass jeder von allem probieren konnte. Der Service war super.












Nach diesem gelungenen Abschlussessen ging es zurück an Bord. Dort stand zunächst noch die Abrechnung über die Splid-App auf dem Programm. Doch während die letzten Beträge eingetragen wurden, machte sich allmählich die Aufbruchstimmung breit.Die ersten Koffer wurden gepackt, und allen wurde bewusst, dass die gemeinsamen 10 Tage nun tatsächlich zu Ende ging.
Ganz vorbei war der Abend allerdings noch nicht. Bevor endgültig Schluss war, mussten natürlich noch drei Runden Hornochsenspiel sein.
Und dieses Mal hatte es mich erwischt!
Nach gerade einmal drei Runden hatte ich bereits eine dreistellige Zahl auf meinem Konto.

Wie immer wurde viel gelacht und ordentlich kommentiert. So entstand genau die richtige Mischung aus Abschiedsstimmung, ein bisschen Wehmut und trotzdem viel guter Laune.
Auf diese Weise genossen wir unseren letzten Abend an Bord noch einmal gemeinsam mit dem Gefühl, dass diese Woche viel zu schnell vergangen war.
Und irgendwann hieß es dann wirklich: Gute Nacht, Crew.

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