Die Sonne wusste heute Morgen noch nicht so richtig, was sie eigentlich wollte. In der Bucht von Agathonisi wäre es jedenfalls noch ziemlich duster und bewölkt gewesen, wenn nicht das Licht des Vollmondes gewesen wäre.
Ich machte mich wie jeden Morgen ans Frühstück und schob nebenbei noch einen Kuchen in den Ofen. Stefan leistete mir dabei Gesellschaft , ebenfalls wie jeden Morgen. Er war irgendwie immer der Erste von der Crew, der morgens auftauchte.
Heute hatten wir es wieder einmal überhaupt nicht eilig.
Nach dem Frühstück machten sich deshalb alle noch zu einem kleinen Landgang auf. Die Abfahrt war schließlich erst für zehn Uhr geplant. Micha wollte sogar noch in der Nachbarbucht schwimmen gehen und auch Christiane, Irene, Heike und Torsten machten sich zu Fuß auf den Weg dorthin.
Ganz langsam schob sich währenddessen die Sonne über die Berge. Und schon fühlte es sich gleich ein bisschen wärmer an.
Neben uns machte sich auch der schrullige Fischer auf den Weg. Der hatte gestern noch ausgiebig seine Angelleinen präpariert und fuhr nun hinaus aufs Meer. Ich wünschte ihm auf Griechisch „viel Glück“ – natürlich erst nach vorheriger Beratung durch Google. Er grinste jedenfalls freundlich zurück. Ich hoffe einfach mal, dass ich es auch richtig ausgesprochen habe!
Kurz vor zehn trudelte die komplette Crew wieder ein. Und dann kündigte sich von Weitem die große Fähre an, von der George gestern erzählt hatte. Ihr lautes Hupen war jedenfalls nicht zu überhören.




Auf den Nachbarbooten gingen sofort alle in Habachtstellung. Schließlich war uns ein ziemlich heftiger Schwell angekündigt worden. So schlimm wie befürchtet wurde es dann aber zum Glück doch nicht. Die Fähre fuhr gar nicht ganz in die Bucht hinein und war fast genauso schnell wieder verschwunden, wie sie gekommen war.
Martin fragte noch einmal kurz: „Sind alle an Bord?“
Dann konnte es losgehen.
Das Ablegen funktioniert bei uns mittlerweile genauso schnell wie das Anlegen. Und so verließen wir gegen halb elf bei strahlendem Sonnenschein den kleinen Hafen von Agathonisi. Unser Ziel war Samos , allerdings noch nicht der Hafen. Wir wollten zunächst in die wunderschöne Badebucht Poseidonio.











Kaum waren wir aus der geschützten Bucht heraus, wurde es wieder ein wilder Ritt. Unter Großsegel und Genua tanzte die Georgina über die Wellen. Ganz nach dem Wiesn-Motto: Auf und Nieder , immer wieder“. Dabei zog sie dicke Schaumkronen hinter sich her.
Der Wind war immer noch frisch, aber bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein fühlte es sich längst nicht mehr so kalt an wie gestern.
Trotzdem saß auf der Flybridge eine ziemlich vermummte Gesellschaft. Nur Heike streikte heute gegen die Kälte und saß tatsächlich im T-Shirt und in kurzer Hose in der Sonne. Irene hatte es sich gut eingepackt im Cockpit mit ihrem Buch gemütlich gemacht.
Das Geschirr schepperte wieder ordentlich in den Schränken und manchmal hatte man das Gefühl, unser Schiff würde gleich auseinanderbrechen. Aber die Stimmung an Bord war bestens. Es ist schon erstaunlich, was ein bisschen Sonne mit der Laune macht.
Eine dicke Fähre kreuzte unseren Weg. Stefan, Torsten und Heike gönnten sich dazu ein Wellenbier , das gehört inzwischen zum Bordprogramm.
Gegen 14 Uhr erreichten wir die Küste von Samos. Von Weitem zeigte sich wieder diese karge, felsige Landschaft. Mal sehen, ob Samos wohl genauso viel Charme verspricht wie die kleinen Inselchen, die wir in der vergangenen Woche angelaufen haben.
Bis zur Bucht von Poseidonio lagen noch mindestens zwei Stunden vor uns. Aber es wurde gefühlt stetig wärmer. Rechter Hand konnten wir bereits die türkische Küste sehen.Und dann war es endlich soweit: Wir liefen in die Bucht von Poseidonio ein. Der Wind hatte wunderbar nachgelassen und die Wärme der Sonne tat einfach nur soooo gut.








Das Ankerteam machte wieder einen super Job. Anker sitzt, Motor aus und Feierabend für heute!
Dafür war der Käsekuchen fertig und der Kaffee stand auch schon bereit. Und was soll ich sagen: Es blieb nicht ein einziges Krümelchen übrig.
Da es mittlerweile schon später geworden war, waren wir uns einig: Abendessen gibt es heute nicht vor acht.
Irene und Christiane hatten sich für heute Abend etwas Leckeres vorgenommen: Ratatouille. Das Gemüse dafür hatten sie bereits am Vortag eingekauft.
Bis dahin war Zeit zum Schwimmen, Schnorcheln oder einfach nur zum Chillen. So wie ich es gerade mache. Jeder suchte sich irgendwo an Bord sein persönliches Eckchen und genoss die Ruhe.
Ab halb sieben klapperten dann die Töpfe in der Pantry. Micha, Heike und Christiane waren die fleißigen Schnippelhilfen von Irene. Zwiebeln, Knoblauch, Karotten, Zucchini, Auberginen und natürlich die guten griechischen Tomaten wurden geschnippelt und zu einem herrlich duftenden Ratatouille verarbeitet.
Währenddessen wurde im Cockpit der Tisch schön gedeckt.










Und dann bekamen wir noch ein ganz besonderes Abendprogramm geschenkt: einen fulminanten Sonnenuntergang und kurz darauf folgte gleich der Mondaufgang. Nach dem Vollmond in der vergangenen Nacht passte das natürlich perfekt.
Dann kam Irene mit dem riesigen Topf Ratatouille aus der Pantry. Es schmeckte wirklich lecker und auch hier blieb am Ende kein Rest übrig. Nachdem wieder alles aufgeräumt war, kam unser mittlerweile fast schon traditioneller Spieleabend.
Das Hornochsenspiel hat auf diesem Törn das gute alte Wizard ziemlich abgelöst. Der entscheidende Vorteil: Hornochsen kann man auch mit acht Leuten spielen.
Und wie immer wurde viel gelacht.
Auf dem heutigen Hornochsen-Treppchen standen schließlich Christiane, ich und Heike.
Egal – Hauptsache, es hat Spaß gemacht. Und das hat es definitiv!
So ging ein wunderschöner Segeltag zu Ende.





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