Sep.

25

Der Skipper wollte heute schon wieder um acht Uhr los. Nach dem Motto: „Der frühe Segler fängt den Wind!“
Also hieß es für uns alle wieder: raus aus der Koje!
Frühstück gab es zwischen sieben und halb acht. Wir brauchten allerdings noch frisches Brot , zum Glück war der Bäcker ja gleich ums Eck.


Unser heutiges Ziel war Levitha. Auf der kleinen Insel lebt mittlerweile in der achten Generation eine Familie, die versucht, ihr Leben möglichst ökologisch auszurichten. Traditionelle Lebens- und Anbaumethoden werden mit erneuerbaren Energien verbunden. Zur Selbstversorgung und zum Verkauf betreibt die Familie Landwirtschaft und hält sage und schreibe etwa 650 Ziegen. Eine Photovoltaikanlage sorgt für die Stromversorgung und mit der kleinen Taverne, in der die Crews der anlegenden Boote bewirtet werden, bessert die Familie ihr Einkommen auf.
Das klang alles sehr spannend und wir waren natürlich schon ziemlich neugierig auf diesen besonderen Ort.
Aber erst einmal mussten wir überhaupt dorthin kommen.
Unsere Crew ist inzwischen richtig gut eingespielt. Jeder weiß, wo er hinlangen muss, und so ging es flott aus dem Hafen. Dort legte am frühen Morgen gerade noch eine große Fähre an. Kaum waren wir um die Kurve, konnten die Segel gesetzt werden.
Und dann ging’s los!
Wir hatten ordentlich Wind 15-18 Kn aus N und 1m Wellen.
Am Anfang war es noch ziemlich schaukelig und die Georgina bewegte sich in alle Richtungen, die ein Schiff so einschlagen kann. Aber nach umrundung von der Nordostecke Amorgos hatten wir mehr wind von derder Seite und unsere Georgina flog nur so über die Wellen.
Vorbei ging es an bizarren Felsformationen und ausgesprochen kargen Inseln wie Kinaros und Glaros. Dazu strahlend blauer Himmel , eigentlich Postkartenwetter.
Allerdings hatte dieser Postkartenhimmel einen kleinen Haken:
Es war echt kalt.
Der Wind pfiff uns ordentlich um die Ohren und deshalb waren alle dick eingepackt. Wenn ich mir die Fotos im Nachhinein anschaue, könnte man glatt meinen, wir wären nicht in der Ägäis, sondern irgendwo in der Nordsee unterwegs.
Nach gut sieben Stunden erreichten wir schließlich Levitha.


In wunderschönen Bucht gibt es Mooringbojen und dort lagen bereits acht Einrumpfboote und ein Katamaran. Martin entschied sich für die letzte Boje.


Unser Platz lag direkt an den Felsen und die Aussicht war einfach wunderschön. Das Wasser leuchtete in einem unglaublichen Türkis und war glasklar.
Nach unserem langen Ritt gab es erst einmal Kaffee und dazu Apfelküchle und Pfannkuchen. Mit Nutella, Marmelade oder Frischkäse , je nach persönlicher Vorliebe.


Am Abend wartete ja noch ein typisches griechisches Essen bei der Familie auf uns. Die Spannung stieg.
Bevor es soweit war, wurde erst einmal gebadet.
Das Wasser sah schließlich viel zu verlockend aus.
Die komplette Crew ging schwimmen.
Na ja … fast.
Martin und ich nicht, wir sind bekennende Warmduscher 🙂
Um die Zeit bis zum Abendessen zu überbrücken, wurde noch das Hornochsenspiel ausgepackt. Und diesmal hatten Micha und ich das zweifelhafte Vergnügen, die Oberhornochsen zu sein.
Jedoch wie immer gilt: Es geht nicht ums Gewinnen.
Es geht ums Lachen.
Kurz vor sieben war es dann soweit.
Alle Mann ins Dinghi , allerdings ohne Motor.
Micha und Martin paddelten uns die kurze Strecke bis zum Steg.

Von dort ging es noch ein Stück über Stock und Stein bergauf, bis wir schließlich oben am Haus ankamen.
Und da bot sich uns ein wunderschöner Anblick.
Der Mond stand kurz vor dem Vollmond und tauchte die Bucht in ein ganz besonderes Licht.
Eine spektakuläre Szenerie.


Die Taverne selbst war ganz einfach gehalten. Ein paar Tische, die typisch griechischen Wackelstühle und eine herrlich unkomplizierte Atmosphäre. Einige Gäste von den Nachbarbooten waren schon da.
Die Besitzer begrüßten uns sehr freundlich.
Wir hatten heute sogar einen besonderen Grund zum Feiern,
Heike und Torsten hatten Hochzeitstag.
Natürlich mussten wir darauf erst einmal gemeinsam anstoßen.
Der Wirt brachte Wasser und Wein und dann begann das große Auffahren der Vorspeisen.
Es gab unter anderem Kava ( das war übrigens mit Abstand die beste Version die wir bisher auf diesem Törn hatten) –Saganaki, Horta, Bohnen, Zucchinibällchen und natürlich griechischen Salat.
Das war erst der Anfang.
Als Hauptspeisen gab es Ziege, Fisch und Bifteki.
Martin bestellte zweimal Ziege, einmal Fisch und einmal Bifteki.
Das sollte reichen, sogar sehr.
Alle waren anschließend pappsatt.
Bis der Wirt plötzlich vor uns stand und fragte:
Dessert? alle guckten sich an.
Diese Frage sollte man in Griechenland niemals mit „Nein“ beantworten.
Also gab es griechischen Joghurt mit Zitrone, Joghurt mit Feige und dazu die eingelegten Früchte
Süß geht immer!
Und lecker war es sowieso.


Es war ein wunderschöner, ganz besonderer griechischer Abend .
Später paddelten Martin und ich die Crew wieder sicher zurück zur Georgina.
Martin ging anschließend direkt in der Koje.
Der Rest der Mannschaft war offenbar noch nicht müde genug und stieß noch einmal mit Heike und Torsten auf ihren Hochzeitstag an.


Dabei ließen wir den schönen Tag noch einmal Revue passieren.