Okt.

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Unser Draußenschläfer Christian hatte sich mitten in der Nacht dann doch irgendwann in seine Koje zurückgezogen. Es war einfach zu windig und vor allem ziemlich laut. Irgendwo schepperte immer irgendetwas ,auf einem Schiff gibt es ja erstaunlich viele Dinge, die bei Wind plötzlich ein Eigenleben entwickeln.
Nur Jürgen hielt tapfer durch. Er lag tatsächlich noch immer in seinem Schlafsack im einigermaßen windgeschützten Cockpit, als ich in der Früh hochkam.
Draußen war inzwischen auch schon die Hafenmieze unterwegs. Lautstark miaute sie und machte unmissverständlich klar, dass sie jetzt doch bitte gerne eine Kleinigkeit zum Frühstück hätte.


Der Ort lag noch dick unter Wolken, und es war richtig frisch. Aber kaum hatten wir gefrühstückt, lugte tatsächlich die Sonne zwischen den Wolken hervor. Das machte doch gleich bessere Laune.
Um halb zehn hieß es dann: Leinen los und Anker auf. Die Fender wurden noch ordentlich verräumt, dann rollten wir die Genua aus und segelten ganz gemütlich unserem Ziel entgegen. Unser Ziel heute waren die Fourni-Inseln oder, wie sie früher genannt wurden, die Inseln der Piraten.

Der heutige Name Fourni ist übrigens noch gar nicht so alt. Ursprünglich wurden die Inseln „Korseai“, später „Dimos Korseon“ genannt. Weil der Name ähnlich klang wie das griechische Wort für Pirat, „Koursáros“, behaupteten die Bewohner der Nachbarinseln kurzerhand, die Fournioten seien allesamt Seeräuber.
So kam es schließlich zum Namen Fourni Korseon.
Heute geht es hier allerdings deutlich friedlicher zu. Der charmante Ort ist bekannt für seine traditionellen weißen Häuser, die von schattigen Maulbeerbäumen gesäumte Hauptstraße und vor allem für seine große Fischerflotte ,eine der bedeutendsten der Ägäis.
Eigentlich wollten wir zunächst in einer anderen Bucht ankern. Dort lag allerdings bereits ein Fischerboot, ein Dinghi war im Weg und der Wind hatte inzwischen ordentlich zugelegt. Martin meinte deshalb, dass wir im Nachbarhafen, gleich ums Eck, bestimmt noch einen guten Platz bekommen würden.
Also: Auf geht’s!
Mit dem, was dann kam, hatte allerdings niemand gerechnet.
Wir mussten durch eine Meerenge, in der sich die Wellen ordentlich aufschaukelten. Es ging hoch und dann krachte das Boot wieder aufs Wasser. Und das mehrmals.
Gut, dass vorher wirklich alles gut verstaut und gesichert worden war.
Doreen hatte gerade angefangen, einen Rote-Bete-Salat vorzubereiten und die Rote Bete in der Pfanne angebraten. Die wanderte nun kurzerhand mitsamt Pfanne in die Spüle. Sicherheitshalber wurde noch einmal alles kontrolliert und festgezurrt.
Dann konnten wir eigentlich nur noch nach draußen schauen und diesem Schauspiel zusehen.
Zum Glück war die wilde Passage nur ein kurzes Stück. Als wir endlich durch waren, haben wohl alle an Bord einmal kräftig aufgeatmet.
Im Hafen angekommen, legten wir schließlich Backbord längsseits an. So richtig ruhig war es allerdings auch hier nicht. Die Schaukelei war ordentlich, weshalb auf dieser Seite sämtliche Fender befestigt werden mussten.
Martin brachte zusätzlich noch weitere Leinen aus. Zwischendurch hatte man durchaus das Gefühl, dass gleich irgendwo eine Leine reißen würde.
Aber: Wird schon gutgehen.
Nach dem Kaffee und Doreens Rote Bete Salat gingen fast alle von Bord. Nur Matthias und Sabine blieben auf dem Schiff und erholten sich erst einmal von der etwas abenteuerlichen Segelei.


Martin und ich machten uns zu Fuß auf den Weg. Unser Ziel war eine kleine Kapelle oberhalb des Ortes. Über einen schön angelegten Weg ging es hinauf und schließlich auf der anderen Seite wieder hinunter in die nächste Bucht.
Mittlerweile waren dort die Boote, die vorher gelegen hatten, weitergefahren. Und siehe da: Jetzt wäre dort richtig schön Platz gewesen. Vor allem hätte es dort vermutlich deutlich weniger geschaukelt.
Martin schaute sich den möglichen Liegeplatz noch einmal genauer an, und wir machten uns wieder auf den Rückweg.
Gefühlt waren es dabei 154.897 Treppen.
Das gibt Muckis!
Oben entdeckten wir außerdem noch alte Windmühlen. Eine davon war wunderschön restauriert und ausgebaut, die andere dagegen völlig dem Verfall überlassen. Ein spannender Kontrast und irgendwie gehören solche alten Relikte einfach zu den Inseln dazu.


Wieder unten schlenderten wir noch durch das verschlafene Dörfchen.
Auf der Platia stehen eine Kirche, ein Denkmal und sogar ein antiker Sarkophag. Rund um den Platz findet man einige Tavernen und natürlich einen Bäcker.
Tagsüber geht es hier ausgesprochen ruhig zu. Erst am Abend füllen sich die Lokale langsam.
Am schönsten fanden wir aber die Hauptgasse , die vom Hafen hinauf zur Platia führt.
Eigentlich ist es gar keine typische Gasse, sondern eher eine kleine Allee ,gesäumt von Bäumen und Häusern und mit genau diesem besonderen griechischen Charme, den man auf solchen Inseln einfach liebt.
Ein richtig schnuckeliges kleines Fleckchen.


Zurück auf der Georgina hatten Matthias, Jürgen, Sabine und Doreen offenbar schon Hunger und wollten gleich essen gehen.
Uns anderen war 18 Uhr allerdings noch eindeutig zu früh für das Abendessen. Also beschlossen wir kurzerhand, selbst etwas zu zaubern.
Es gab griechischen Salat, was sonst.
Katja bereitete dazu ein leckeres Tzatziki zu und Matthias kam sogar noch mit frischem Brot vorbei.
Damit war unser Abendessen perfekt.
Nach dem Essen weihten wir Katja und Christian noch in unser inzwischen schon fast legendäres Hornochsen-Spiel ein.
Irgendwann kamen auch die vier Wittenberger wieder zurück.
Jürgen und Doreen machten noch einen kleinen Spaziergang, Matthias und Sabine zogen sich direkt in ihre Kabine zurück und wir schlossen uns wenig später ebenfalls an.
Nach diesem aufregenden Tag war dann doch langsam Feierabend.
Jetzt sind wir gespannt, wie die Nacht wird.
Denn bei dieser ganzen Schaukelei und Ruckelei ist noch lange nicht gesagt, dass heute Nacht alle ruhig in ihren Kojen liegen werden …