Juni

19

ANNETTE

Am Morgen vor Chris Tauchgang hingen dichte Regenwolken in den Bergen Mooreas. Irgendwie schafften sie es jedoch nahe an den Gipfeln zu bleiben und unseren Ankerplatz weitestgehend zu verschonen. So konnten wir dennoch mit Blick auf das sonnige Meer frühstücken und dann in unseren ersten richtigen Moorea-Tag auf der VAVA-U starten. Martin fuhr Chris um viertel nach sieben zur Tauchbasis, denn um 8 Uhr sollte sein Tauchgang am Außenriff stattfinden.

Markus und Felix war in den frühen Morgenstunden noch nicht nach schnorcheln, so dass sie mit mir an Bord blieben. Da ich meine magischen Momente am Schnorchel-Platz der Rochen und Hai ja schon drei Wochen früher mit Chris gemeinsam erlebt hatte, ging Martin somit alleine zur besagten Stelle, welche wir am Vortag gezeigt hatten. Die Ruhe an unserem Ankerplatz genoss ich an diesem Morgen sehr! Ich hoffte dies für einige Stunden erleben zu dürfen: so hatte ich nur Ohren für das sanfte Schwappen des Wassers an den Katamaran, das luftige Wehen des Windes und den Nieselregen, der ab und an auf uns fiel.

Kein Komponist hätte sich das wundervoller ausdenken können! Leider hielt die Ruhe nicht sehr lange! Denn plötzlich schrie der nette Schweizer vom Ankerplatz nebenan Alarm! Soeben noch gemütlich auf der Cockpit-Eckbank sitzend, war ich im nächsten Moment blitzschnell nach oben geschnellt. Es war wahr geworden was sich beim Frühstück bereits angekündigt hatte. Der ebenfalls weiß-grüne Katamaran hatte uns informiert seine Ankerkette verändern zu wollen, da sich die Boote scheinbar nähergekommen waren.

Martin brachte Chris wie geplant zu seinem Tauchgang und überließ die Veränderung den Schweizern. Nachdem unser Kapitän von Bord gegangen war, hatte sich scheinbar irgendetwas an der Situation verändert, was zur Folge hatte, dass die Ankerkette vom Nachbar-Martin (so hieß er wirklich) nun unter unserem Boot verlief. Jedenfalls steuerte sein Katamaran nun mit Wind im Rücken direkt auf die Steuerbord-Seite der VAVA-U zu. „Felix!“ schrie ich nur noch, der sofort mit mir am Heck des Katamarans stand und mit beiden Armen und voller Kraft begann das Boot des Schweizers auf Abstand zu bringen. Als wir binnen der nächsten Sekunden realisierten, dass es sich hier um eine größere Aktion handeln würde, rief ich lautstark Markus heran, der sofort aus seiner Koje herausgerannt kam. „Hol die Fender!“ kam mir ganz spontan von den Lippen, denn lange würden Felix und ich den Katamaran nicht mehr weit genug entfernt halten können. Markus hechtete zur Luke an Deck und holte heran was er konnte. Kaum hatte Markus uns den ersten Fender gebracht, mussten wir ihn auch schon zum Einsatz bringen. Die Steuerbord-Front des anderen Katamarans nahm mit Kraft immer wieder Kurs auf unser Heck. Ob wir das Boot bewegen könnten, fragte uns der Schweizer…nein, wir waren ja nur Gäste! Seine Frau hielt von oben den dicken runden Fender und wir schützten mit Armeskraft und Fender von der VAVA-U aus. Der andere Martin tat mit seiner Frau währenddessen einen richtigen Kraftakt. Er war mittlerweile in sein Dinghy gestiegen, um seinen Katamaran gefahren, um sich mit dem Dinghy zwischen die beiden großen Schiffe zu bringen. Dann gab er seiner Frau Kommandos das Boot zu steuern, die dabei eine Glanzleistung vollbrachte. Irgendwann hatte Martin unseren Katamaran mit seinem Dinghy soweit auf Seite gedrückt, dass die Ankerkette des Schweizer Bootes wieder neben der VAVA-U verlief. Dann wurde es für uns auf der Backbord-Seite nochmals etwas stressig! Felix, Markus und ich (jeweils mit Fender bestückt) hatten uns nun an der anderen Schiffseite in Position gebracht, denn während dem Ankerlichten vom Nachbarkatamaran kam dieser immer auf uns zu und musste auf Abstand gebracht werden. Irgendwann war es Martin gelungen seine Kette zu lösen um den Anker anzuheben und dann mit voller Fahrt die Bucht zu verlassen. Sie suchten sich wohl einen anderen Platz zum Verweilen. Da standen wir drei nun mit unseren Fendern in der Hand auf dem Deck der VAVA-U und konnten ganz schön stolz auf uns sein „unserem Martin“ ein unbeschädigtes Boot übergeben zu können, wenn er von seinem Ausflug mit Chris zurückkehren würde. Markus, der eigentlich Kaffee trinken wollte – Felix, dessen Musik noch in der Koje lief – und meine Wenigkeit, die eigentlich der Ruhe lauschen wollte.

Als eine dreiviertel Stunde später Martin und Chris zurück an Bord der VAVA-U waren, legten wir erst einmal Bericht zur „Rettungsaktion“ ab und informierten die beiden über unseren Vormittag. Chris strahlte über das ganze Gesicht und erzählte von Haien, Meeresschildkröten und eleganten schwarzen Fischen in 20m Meerestiefe. Er hatte 3 von 13 heimischen Haiarten gesichtet, wurde am Ende des Tauchgangs sogar noch von 5 Delphinen abgeholt, welche das Tauchboot bis in den Hafen begleiteten. Was für Gegensätze an diesem Morgen!

Nur wenig später brachte Martin dann Markus und Felix zu ihrem lang ersehnten Landgang-Ausflug, den sie bis 18 Uhr genießen konnten. Bevor die Dunkelheit die Bucht zurückeroberte, wollte Martin sie wieder einfangen. Was mich ganz besonders freute war, dass wir kurz vor Mittag noch Besuch von den Schweizern bekamen! Sie waren tatsächlich extra mit ihrem Dinghy gekommen, um sich bei Markus, Felix und mir für die klasse Aktion zu bedanken!

Wie sehr mich das freute!!! Iris und Martin segelten bereits seit 2013 mit ihrem Katamaran namens Kalea um die Welt und wollten uns unbedingt positives Feedback geben – das war ihnen sehr wichtig – was sie in meinen Augen gleich noch viel sympathischer machte! Ihr Dankeschön wollte ich am Abend ebenso herzlich an Markus und Felix weiterleiten wie ich es in Empfang genommen hatte. Eine Weile plauderten wir mit ihnen, tauschten unsere Reiseblog-Seiten aus und wünschten uns dann im Anschluss alle eine sichere Weiterreise! Damit hatte ich nicht nur eine erfolgreiche Bootabsicherung an diesem Morgen erlebt, sondern auch zwei sehr tolle Menschen kennengelernt! Ab 12Uhr holte ich mir dann die Ruhe ab, die ich mir für den Tag bestellt hatte! Martin entspannte in der Hängematte, Chris schnitt sein Tauchvideo und ich bastelte entspannt am Südsee-Fotoalbum und das alles im perfekten schwimmenden Outdoor-Café.

Um 15Uhr fuhren Martin, Chris und ich mit dem Dinghy auf Erkundungsfahrt in die benachbarte Bucht und vor die Küste des Hotels Hilton, da wir am kommenden Tag unseren Ankerplatz verändern wollten. Jeden Mittwoch Abend gab es in diesem Hotel eine Tanzshow, die wir uns gerne gemeinsam ansehen wollten. Das Boot ganz in der Nähe abzustellen war demnach hilfreich. Mit zwei Ideen im Gepäck kehrten wir zur VAVA-U zurück und genossen erneut die Aussicht auf das Außenriff bis Martin um 18Uhr Felix und Markus vom Landgang abholte.

Die beiden hatten einen großartigen Tag an Land! Sie hatten die Tropical Gardens besucht, Honig gekauft und verschiedenste exotische Köstlichkeiten probiert. Im Anschluss daran schienen sie einen sehr entspannten Aufenthalt im Hilton Hotel gehabt zu haben. Als sie wieder bei uns an Bord waren, richtete ich ihnen sofort die Grüße der Schweizer Segler aus, was die beiden ebenso sehr freute wie mich.

Hungrig vom Südsee-Tag legten wir einen zünftigen bayrischen Abend ein und tischten Fleischküchlie, Kraut- und Kartoffelsalat zum Panama-Bier auf. Nach 10 Monaten auf Reisen war dies für Chris und mich das allererste Mal fränkische Hausmannskost! Mahlzeit!

Juni

18

ANNETTE

Martin hatte mit seinen Planungen für die perfekte Abschlussfahrt in der Nacht gesorgt!
Zwar hatten wir ein wenig Seegang, doch aufgrund des sehr gering bleibenden Windes fuhren wir die gesamte Nacht mit Motor und gondelten somit mit 5 Kn durch eine wahnsinnig romantische Nacht. In meinen Augen hatte ich die beste Zeit für die Wache erwischt, denn ich durfte um viertel nach zehn den Untergang des Mondes hinter mir bewundern. Die orange Halbsichel verschwand mehr und mehr hinter der Kimm, so dass schon bald absolute Finsternis um mich herum herrschte. Doch Dank des wolkenfreien Himmels leuchtete der Sternenhimmel mit derartig vielen Details, dass ich froh war keine störende Lichtquelle um mich herum zu haben.

Von Steuerbord bis Backbord spannte sich die Milchstraße über die VAVA-U und damit über mich hinweg! Ein strahlender Lichterkranz, der so hell war, dass er sich auf der dunklen See wiederspiegelte. Diese Fahrt empfand ich wie ein riesiges Geschenk! Was hatte sich die Crew im Vorfeld Gedanken über diese Überfahrt gemacht. Von „Gegenkreuzen“ und anstrengenden Stunden gegen die Wellen war gesprochen worden! Voller Dankbarkeit saß ich hingegen auf meinem Wachposten und genoss diese Stunden mehr als jede Nachtwache zuvor.

So glücklich wie jeder von uns den Tag begrüßte, schienen wir alle mehr als nur zufrieden mit dieser Überfahrt gewesen zu sein.
Ab 5 Uhr hieß es wieder „Land in Sicht!“. Wir sollten schon bald Moorea erreichen.

Für Chris und mich würde sich damit der Kreis schließen, denn hier hatten wir unser Südseeabenteuer begonnen. Da wir die schönsten Ecken schon ausgekundschaftet hatten, empfahlen wir Martin auch eine Stelle für den ersten Ankerplatz. Für die letzten Seemeilen setzten wir mit dem aufkommenden Wind um 7:15 Uhr die Segel. Da Markus und Felix noch schliefen, erledigten Chris und ich dies erstmals gemeinsam mit Martin.

Hinter uns lag ein perfekter Sonnenaufgang auf der Backbordseite, so dass wir im morgendlichen Sonnenschein mit den Bergen Mooreas eine perfekte Szenerie hatten. Chris kletterte nach Anweisung auf den Mast hinauf und übernahm damit „den Markus-Part“ während ich mit dem geöffneten Reißverschluss das Segel auspackte. Wir zogen noch an ein paar Seilen und folgten Martins Anweisungen, danach hieß es: Motor aus und die Ruhe auf See genießen.

Schön, dass wir dies auch noch einmal zusammen machen durften! Auf den letzten Meilen war es dann so gemütlich, dass wir mit frischem Früchte-Müsli und selbst gebackenem Martin-Brot im Cockpit frühstücken konnten. Genuss-Segeln, nannte ich das immer so schön! Mit strahlendem Sonnenschein rückte Moorea immer näher und die faltigen Berge kamen richtig gut zur Geltung.

Pünktlich zur Mittagszeit ankerten wir auf Höhe von Apo´ota´ata in kristallklarem grünen Wasser, der westlichsten zugelassenen Ankerstelle für Segelschiffe und brachen nach einer kurzen Verschnaufpause zur Erkundungstour mit dem Dinghy auf.
Alle Grün- und Blautöne taten sich abwechselnd neben uns auf als wir Kurs auf den Schnorchelplatz nahmen, welcher für seine Rochen und Haie bekannt war. Da Chris und ich so begeistert von diesem Schnorchel-Erlebnis waren, wollten wir dies den Anderen unbedingt zeigen.

 

Langsam steuerte Martin das Dinghy an die seichte Stelle heran und schon sahen wir die ersten schwebenden Rochen und kreisenden Haie unter uns. Da wir vorerst jedoch andere Pläne hatten, beschlossen wir am folgenden Morgen mit Schnorchel-Ausrüstung zu diesem Platz zurück zu kehren. Ein kurzer Halt an Land verhalf Chris zur Organisation seines Tauchganges am folgenden Morgen, verschaffte uns ein kühles Getränk in der Strandbar, doch leider wie bereits schon so oft in Französisch-Polynesien: kein Wifi!

Unverrichteter Dinge ging unsere Erkundungstour daher erst einmal weiter zur kleinen vorgelagerten Insel Fare One. Die Meeresoberfläche zwischen den Inseln glich einem See, so dass wir auch vom Boot aus wundervolle Korallen und Fische beobachten konnten. An Land stieg, für uns zur Erinnerung, die Drohne empor! Martin und Chris, als die Luftaufnahmen-Beauftragten, sorgten damit für unvergleichliche Eindrücke. Begleitet wurden wir bei unserem Landgang von unzähligen Hühnern, die auf dem bewaldeten Sand herum pickten und fast ein wenig Farmland-Atmosphäre auf dieser idyllischen Insel verbreiteten.

Das türkise Wasser lud uns ein noch mehr von dieser Küstenecke zu erforschen, außerdem hatten wir ja noch kein Wifi gefunden. Daher ging es für uns weiter westlich! Wir fanden herrliche Ausblicke auf die grünen Berge Mooreas und tief türkise Farbverläufe der Buchten, doch ein Internetanschluss schien in weiter Ferne.

Als wir den Weg zurück zur VAVA-U ansteuerten und Martin sich kurzerhand entschied in einen kleinen Wasserkanal abzubiegen, kam uns der Zufall zu Hilfe! Ein sehr exklusiv aussehendes kleines Hotel am Eingang der Wasserstraße zog unsere Blicke auf sich, denn die bequeme Lounge mit Blick auf das Riff war sehr geschmackvoll im polynesischen Stil dekoriert. Spontan entschieden wir uns die nett aussehende Dame des Hauses zu fragen wo wir in der Umgebung Wifi nutzen könnten. Ich weiß nicht ob es an meinem liebevollen Fragen lag oder an der Hilflosigkeit, die sie unseren Augen ablesen konnte, jedenfalls lud uns diese Dame doch tatsächlich ein an diesem Steg anzulegen und das Wifi des Hotels kostenlos zu nutzen. Das konnte ich erst gar nicht so recht glauben, geizten die meisten Luxus-Unterkünfte doch mit ihren Online-Zugängen. Doch als die Dame mit dem Passwort in der Hand zum Boot zurückkehrte und uns wirklich bat an Land zu kommen, bedankten wir uns sehr herzlich.

Jeder von uns fand einen Platz auf der dunklen Terrasse und nutzte die Highspeed-Verbindung! So freute ich mich beispielsweise riesig von meiner Arbeitskollegin zuhause zu hören und einer kleinen lieben Dame daheim ein Dankeschön zu schreiben, denn sie hatte uns für den Segeltörn ein Reisetagebuch geschenkt, welches ich jeden Tag füllte. Die Anderen hatten noch ein paar Reiseorganisationen zu erledigen und schon ging es für uns zurück zur VAVA-U.

In diesen Tagen brauchte es nicht viel uns zu erfreuen: der Kontakt zur Heimat, eine perfekte Nachtfahrt und verschiedene Blautöne genügten um eine tiefe Zufriedenheit herzustellen! Die Crew der VAVA-U ist bereit in den kommenden Tagen den Törn auf Moorea ausklingen zu lassen.

Juni

17

ANNETTE

Partymusik die ganze Nacht! Da denkt man, man ankert vor einer ruhigen Bucht…und dann das! Von 20 Uhr bis morgens um 6 Uhr waren wir quasi Teil einer riesigen Strandparty, was nicht jeden von uns so guten Schlaf finden ließ. Es wurde erst ruhig als unsere Wecker zur Weiterfahrt angingen und der Regen einsetzte.

Da wir uns für den 15. Tag unseres Südseetörns vorgenommen hatten nach Raiatea zu segeln, wollten wir um 7 Uhr Bora Bora verlassen. Noch bevor wir richtig wach wurden, bescherte uns eine nasse Kabine wegen offener Lucke von Markus reichlich Turbulenzen. Eine halbe Stunde Tumult und alle Sachen von Markus waren zur Trocknung im Cockpit verteilt. Puh!

Danach lichteten wir den Anker wie geplant und nahmen, glücklicherweise mit Sonnenschein, Abschied von Bora Bora.

 

Für uns alle ging es mehr als nur gemütlich voran, denn mittlerweile hatten wir den zweiten Tag Windstille und somit eine absolut flache See. Dies sorgte natürlich auch dafür, dass wir kein Segel setzen konnten, sondern mit Motor Raiatea ansteuerten. Auf halber Strecke hatten wir Dank der Schönwetterfront einen absolut phantastischen Rundumblick: hinter uns wurde Bora Bora immer kleiner und vor uns erstreckten sich die Umrisse der Bergkulissen von Raiatea und der Nachbarinsel Taha ´a.

Zur Mittagszeit waren wir so nah herangekommen, dass wir die dunkelgrünen Wälder auf den schroffen Vulkanbergen erkennen konnten. Wunderschöne alte Urwaldriesen hatten sich die Insel als ihr Zuhause ausgesucht. Auf dem Trampolin sitzend genossen wir das Vorbeiziehen der neuen Landschaft und konnten auch hier kaum glauben, wie dunkeltürkis das Wasser entlang des Außenriffs war.


Martin hatte uns im Vorfeld einen atemberaubend schönen Ankerplatz ausgesucht, der sich in der Nähe der Privatinsel Naonao befand. Das Wasser zeigte sich rings um die Insel in allen erdenklichen Nuancen: vom tiefen Ozeanblau, über grün zu helltürkis. Felix hielt fortan nichts mehr auf der VAVA-U, sofort schnorchelte er einmal um die Insel herum, Kurs auf das Außenriff nehmend. Wir hingegen folgten ihm einige Minuten später mit dem kleinen Dinghy.

Nachdem wir geankert hatten, nahm nur kurz danach ein Boot von der Privatinsel Kurs auf uns. Es war ein Angestellter des Inselinhabers! Dieser informierte uns über Versorgungsleitungen, welche sich in der Nähe des Ankerplatzes befanden, die sich von Raiatea bis nach Naonao erstreckten. Da dies auf keiner Karte bekannt gegeben worden war, hatten wir also unglaublich viel Glück beim Ankern gehabt. Wir hatten nichts zerstört! Direkt im Anschluss stiegen Martin, Chris und ich ins Dinghy und steuerten den Strand der Privatinsel an. Auf einem 3m breiten Abschnitt war es erlaubt einem Strandspaziergang nachzugehen. Darauf hatte ich unglaublich viel Lust und überließ daher das Schnorcheln im vorgelagerten Riff den Männern.

Feiner Sand mit Korallen geschmückt lud mich am türkisen Wasser entlang ein und zauberte mich in eine andere Welt. Niemand außer mir! Diese Einsamkeit genoss ich sehr, denn ich wurde nur von einem kleinen Baby-Hai und einem Kofferfischchen im seichten Wasser besucht. Die Männer waren schwer begeistert vom Außenriff, gerade auch weil Felix das aller erste Mal Anemonenfische gesehen hatte. Ich erinnerte mich, wie das für mich in Thailand ein ganz besonderer Moment gewesen war, als die kleinen „Nemos“ aus ihrer Anemone kamen und so freute ich mich mit ihm.

Total zufrieden kehrten wir mit dem Dinghy zur VAVA-U zurück. Gerade noch rechtzeitig bevor der große Regen über uns hinwegrollte. Zwar hatten wir ursprünglich noch einen Landgang auf Raiatea vorgehabt, doch tauschten wir diesen kurzerhand gegen eine ausgiebige Kaffeepause im geschützten Cockpit ein. Markus Sachen waren glücklicherweise wieder trocken, so dass wir alle genug Platz fanden.

Martin nutzte die Pause um uns über die neueste Windvorhersage zu informieren und schlug im Zuge dessen vor besser schon am selben Tag Kurs auf Moorea zu nehmen. Eigentlich wollten wir vor Naonao eine Nacht verweilen, doch war die Wahrscheinlichkeit höher bei sofortigem Aufbruch weniger Gegenwind zu bekommen, der die Fahrt ungemütlicher machen würde. Da wir alle an einer ruhigeren Überfahrt interessiert waren, stimmten wir mit Martin überein spätestens um 17 Uhr Kurs auf Moorea zu nehmen.

Um das kleine Dinghy zu schützen, hoben wir es mittels Seilzug auf das Dach des Katamarans und zurrten es ordentlich fest. Nun konnte die Fahrt beginnen. Um 16:45 Uhr verließen wir Raiatea und stellten uns auf unsere letzte Nachtfahrt an Bord der VAVA-U ein.

Für das unkomplizierte Abendessen bei Seegang planten wir Chicken Nuggets, Kartoffelbrei und den grünen Salat á la Martin ein. So brachte ich in der Abendsonne unsere Erinnerung in Schriftform, blickte auf Raiatea und sah Markus und Felix beim Kartoffelschälen zu.

Es folgte noch eine Wette zum Thema Seekrankheit in dieser Nacht… dann ging es hinaus in den pazifischen Ozean!

Juni

16

Hallo liebe Blogleser,

wir konnten viele Bilder der letzten TAge hochladen und sind jetzt hochaktuell.

Also viel Spass damit bis bald.

Die Crew der VAVA-U

Juni

16

ANNETTE

Der Wecker für die Männer klingelte an Bord schon sehr früh, denn mit Sonnenaufgang wollten sie auf Manta-Jagd gehen. Auch ich krabbelte so bald aus der Koje, zwar war ich nicht gestimmt darauf mit zum Schnorcheln zu fahren, doch wollte ich keine Sekunde dieses wundervollen Tagesbeginns in dieser Bucht verpassen. Mit einem phantastischen Farbenspiel ging hinter dem Motu die Sonne auf und zauberte sowohl oranges Licht auf den Berg Bora Boras als auch ein zartes heller werden des türkisen Wassers. Die Männer stiegen schon bald ins Dinghy und fuhren mit ihren Schnorchel-Sachen zum ca. 15 Minuten entfernten Spot, der angeblich eine hohe Wahrscheinlichkeit zum Sichten der Meeresriesen hatte. Wohingegen ich mit einem warmen Milchkaffee auf Deck aufs Wasser kuckte und für sie die Daumen drückte, dass sie mit Mantas belohnt werden würden. Als sie gegen 8 Uhr zu mir an Bord zurückkehrten, berichteten sie zwar von einem wundervollen Korallengarten und einer prächtigen Anzahl an Fischen, doch hatte all mein Daumendrücken nichts genutzt: wir würden weiterhin auf Manta-Jagd gehen müssen!

 

Ein wenig durchgefroren nahmen sie noch eine heiße Dusche vor dem Frühstück, bevor Martin und Chris erneut auf Drohnen-Rundflug gingen. Die Zeit, bis beide wieder von ihrem Landgang zurück waren, erlebte ich als das absolute Highlight des Tages! Es war still in der morgendlichen Bucht und erneut hatte ich das Gefühl vom Meer magisch angezogen zu werden. So krabbelte ich in das an den Katamaran festgebundene kleine Beiboot, setzte mich auf den Schlauchbootrand und ließ meine nackten Füße in das türkise Wasser baumeln. Vermutlich saß ich mehr als eine Stunde einfach nur da! Nur ich und das herrliche Wasser! Mein Blick wanderte zwischendurch auch mal zum Berg oder auf den Palmenstrand, doch die meiste Zeit klebte er an Wasser und Füßen. Irgendwann bemerkte ich, dass ich vor lauter Ruhe und Freude wie automatisch begonnen hatte vor mich hinzusummen… was mir ein breites Grinsen ins Gesicht gezaubert hatte! Bis Martin und Chris wieder zurück kamen, war dies mein Südsee-Moment gewesen!

Um 10 Uhr fuhr Martin uns mit dem Katamaran zu einem anderen Ankerplatz auf die gegenüberliegende Inselseite, denn wir wollten am kommenden Morgen zügig am Kanal sein um die Nachbarinsel anzusteuern. Wie auch am Vortag erlebten wir eine herrliche Inselrundfahrt. Alle vier fanden wir einen Platz quer vorne auf dem Katamaran, die Beine frei über dem Wasser baumelnd. Lieder wie „somewhere over the rainbow…“ stimmten wir an und fühlten uns dabei megaglücklich und frei. Momente, die einem keiner mehr nehmen konnte! Gerade noch rechtzeitig beim verträumten Singen erhaschte ich einen Blick auf einen riesigen Kerl, der blitzschnell vor unserem Boot kreuzte. Felix und Chris waren flink genug meinem Hinweis zu folgen und so erkannten wir alle noch rechtzeitig vor seinem Abtauchen den ca. 2m langen Barrakuda. Es war verrückt, welche Überraschung das Meer uns immer wieder bot! Zur Mittagszeit hatten wir dann das Motu Toopua erreicht, welches uns einen schönen Ankerplatz bot. In der Nähe des Bora Bora Nui Resort & Spa fanden wir unsere ideale Stelle für die zweite Nacht im Südsee-Paradies.

Auch hier fuhren wir zu einem nahe gelegenen Schnorchelplatz, der uns eine weitere Chance bot einen Manta zu entdecken. Also hatten wir schnell das Dinghy an der Boje fest gemacht und gingen ab ins Wasser. Umzingelt von unzähligen leuchtenden gelben Falterfischen starteten wir in den Korallengarten, der uns von der Artenvielfalt Bora Boras überzeugte. Markus und Felix machten dann doch auch gleich mal nähere Bekanntschaft mit dem Chef dieser Korallenwelt: eine ca. 1,50mm lange braune Moräne schwamm direkt auf die Kamera von Felix zu. Doch nicht nur das! Immer wieder versuchte sie nahe an beide heranzukommen, was Chris und mich mal sicherheitshalber auf Abstand gehen ließ. Nach einigen Sekunden schwamm sie jedoch wieder in den Untergrund hinab und hatte Felix und Markus unversehrt gelassen. Auch Martin durfte feststellen, dass die Fische hier total neugierig waren als ein hübscher großer Südseefisch auf ihn zu schwamm. Wir kehrten alle sehr begeistert auf das Dinghy zurück, auch wenn wir keinen Manta gesehen hatten.

Pünktlich zur nachmittäglichen Kaffeepause auf dem Cockpit trafen wir wieder an der VAVA-U ein und sortierten erst einmal unser Datenmaterial. Jeder zeigte stolz seine besten Aufnahmen vor, die dann Chris zum Videoschnitt zur Verfügung gestellt wurden. Dabei stellte Martin ganz aufgeregt fest, dass wir doch Mantas gesehen hatten! Allerdings nur durch die Augen der Drohne. Am Vormittag hatte die Kamera aus der Luft einen ganzen Schwarm an Mantas im türkisen Wasser festgehalten. Somit war unsere Jagd auf die Mantas Bora Boras dann doch irgendwie erfolgreich verlaufen.

Den Abend verbrachten wir dann auf unterschiedliche Art und Weise. Während Chris und mir eher nach Ruhe am Ankerplatz war, wollten die beiden Jüngeren zur Szene-Bar der Insel fahren. Martin spielte daraufhin Chauffeur und brachte Felix und Markus ins „Bloody-Mary´s“, wo auch schon unzählige Promis verköstigt wurden. Ganz spontan entschieden sich beide im Luxus-Restaurant zu essen und sich per Taxi-Shuttle zur VAVA-U zurück bringen zu lassen. Martin hingegen kehrte an Bord zurück und leistete uns Gesellschaft, so dass die Crew an diesem Abend auf völlig unterschiedliche Art und Weise genoss.