Sep.

7

In der Früh ist es oft schon richtig herbstlich mit viel Nebel über dem Wasser. Heute konnten wir uns schön Zeit lassen, unser nächstes Ziel Saarburg war nur 3,5 km entfernt.
Benno entschloss sich zu joggen und wir machten kurz vor Mittag los. Ich bereitet während der Fahrt noch die Bolo für heute Abend vor.

Benno wartete schon am Anlegeplatz, eine lange Spuntwand ca 1 km vor Saarburg.
Martin und ich liefen am Wasser entlang in die Stadt. Zuerst besichtigten wir die Glockengießerei.
Beitrag zum Glockengießermuseum:

In unserem Museum kann man ausprobieren, fühlen, riechen … Urbanus Mabilon oder – noch besser – Urbain Mabillot gründete 1770 das Familienunternehmen, das fast drei Jahrhunderte im Saarburger Staden seinen Sitz hatte und Glocken für die ganze Welt produzierte. Auch heute noch führen er und seine Frau Anna Maria Stocky die Gäste in der History Tour durch das Museum. Kaum zu glauben? Sie können sich gerne selbst davon überzeugen und die Entstehung einer Glocke von der Lehmform hin zu einem klangvollen Bronzekörper nachvollziehen! 

Schade, dass heute wegen dem Weinfest keine Führungen angeboten wurden, interessant war es trotzdem. Vielleicht holen wir das morgen nach. Für das Weinfest war das Wetter traumhaft und in der Stadt steppte der Bär. Wir kamen gerade richtig zum Umzug mit Blaskapellen, Wein und Apfelkönigin und viele verschiedene Vereinsgruppen. Das witzige war, die schenkten alle Wein aus. Man musste nur sein leeres Glas hinhalten schon wurde wieder nachgeschenkt. Das merkte man einigen Zuschauern schon an.

Die Stadt selber ist ein richtiges Schmuckstück mit vielen Sehenswürdigkeiten, wie ein Wasserfall mitten in der Stadt und einigen Museen. Die eigentliche Geschichte von Saarburg begann mit dem Bau der Burg. Erstmals erwähnt wurde die Saarburg in einem Vertrag vom 17. September 964.
Also auf zur Burg. Da war gerade eine Baustelle und kein Durchgangsverbot, das wurde erst später aufgestellt, weil Benno und Marlene konnten nicht mehr durch. Also schlängelten wir uns unter Gerüsten durch und hatten einen tollen Ausblick auf das Saartal. Oben kletterten wir noch auf einer engen steilen Wendeltreppe auf den Turm der Burg. Die Saarburg, erstmals 964 n. Christus urkundlich erwähnt, thront heute über der Saar und der Stadt Saarburg. Sie gilt als eine der ältesten Höhenburgen im Südwesten Deutschlands. Von der Burg sind noch heute große Teile der Umfassungsmauern sowie ein Wohnturm erhalten. Von mehreren Aussichtsplateaus und vom Turm aus kann man den schönen Panoramablick ins Saartal genießen.


Zurück gingen wir aber den offiziellen Weg in die Stadt wieder rein ins Getümmel vom Weinfest. Martin steuerte gleich eine Eisdiele an, vor der eine lange Schlange stand. Kein Wunder bei dem tollen Wetter. Er wollte dann noch ins Mühlenmuseum, während ich mich durch die Menschenmassen kämpfte und zurück aufs Boot ging.

Martin kam eine Stunde später und erzählte vom Museum, während der Kaffee lief.
Marlene und Benno kamen spätnachmittags zurück und ihnen hat das Weinfest und die Stadt auch sehr gut gefallen. Dann war Siesta angesagt.
Beim Abendessen warteten wir auf den Blutmond und die Mondfinsternis, die für heute angesagt war. Leider verpassten wir das Spektakel, weil der Mond sich hinter den Weinbergen versteckt hatte. Mit dem Fernglas konnten wir später noch ein bisschen die Mondfinsternis verfolgen. Dann wurde es hinter uns hell. Es legte wieder ein sehr großes Passagierschiff an und parkte millimetergenau hinter uns ein. Das war die Compass Opera, auch 110 m lang.


Nach dem Abendessen mussten wir uns entscheiden, Wizard oder Tatort. Na, für uns mittlerweile Profizocker war klar „Wizard“. Tatort können wir später immer noch schauen. Leider konnte Marlene ihre Gewinnerserie heute nicht fortsetzen und musste Martin den Sieg überlassen.
Nach dem Münchner Tatort ging es dann in die Koje.

Sep.

6

Mit leckeren Croissants zum Frühstück waren wir gut gestärkt für die heutige Etappe.
Heute geht’s von der Mosel in die Saar. Wir fuhren wieder an Weinbergen vorbei und sahen viele Radler. Das Moseltal ist wunderschön, hat tolle Radwege und das Wetter passt auch.

Da wir jetzt in Deutschland unterwegs sind, tauschte Martin noch die Flaggen aus. Kein Problem, da Benno am Steuer saß.


Die erste Stadt am Ufer der Saar war Konz. Hier gibt es viele Weingüter. Die Saar ist schmäler als die Mosel und sehr grün. Die Saar ist ein nordwärts fließender Fluss und mit 235 Kilometern Fließstrecke ist sie der längste Zufluss der Mosel. Hier waren einige Kanuten und Freizeitmotorbootfahrer unterwegs.
Dann kam eine Schleuse , die ging 11 Meter hoch. Wir durften in die kleine Schleusenkammer mit 40 m Länge fahren. Es gab leider keine Schwimmpoller, so dass wir immer von einem Poller auf den anderen umhängen mussten . Da die Höhe schon besonders ist, waren auf der Brücke einige Zuschauer, die das verfolgten. Es ging ganz gemächlich nach oben.

Kurz nach der Schleuse war schon unser freier Liegeplatz mitten im Grünen.
Zwei Poller zum Festmachen…passt.
Marlene und Benno entschieden sich, eine Radltour mit den E-bikes zu machen.
Ich hab an Deck die Sonne genossen und noch ein bisschen Blog geschrieben und Martin hat etwas gedöst.


Plötzlich spannten sich die Leinen. Gesehen hab ich den Frachter noch nicht, aber die Auswirkungen von seiner überhöhten Geschwindigkeit gemerkt. Als der Frachter Kerstin ums Eck geschossen kam, ging die Vlinder erstmal einen halben Meter runter. Die Bugwelle war so extrem und als er uns fast passiert hat, rissen auf einmal drei Leinen. Ich hab noch Fotos gemacht, aber mehr aus Spaß, weil eine Freundin von mir Kerstin heißt. Dort sieht man deutlich die Welle. Martin kam sofort hoch und funkte den Käptn an. Er überhörte das absichtlich. Dann hat Martin die Schleuse angefunkt, dass sich der Kapitän bei ihm melden soll. Widerwillig maulte er dann in den Funk und prozzelte erst gegen Martin, er sei mit 7 km/h vorbeigefahren . Gottseidank mal ein Lob auf die Technik. Heutzutage wird ja alles aufgezeichnet. Später hat er zugegeben, dass er mit 11 km/h an uns vorbei gedonnert ist. Aber Martin musste erst mit einer Anzeige drohen, damit er einsichtig wurde. Also, ausgemacht ist, dass Martin sich neue Leinen kaufen kann und ihm dann die Rechnung schicken soll. Wir werden berichten. Auf den Schreck, Martin hat dann die restlichen Leinen verknotet zum erneut fest machen und wir haben dann noch jeweils eine Leine zusätzlich gespannt, gab’s dann erst mal Kaffee und Kuchen.

Eine halbe Stunde später kam der nächste Frachter. Der fuhr ganz gemächlich mit 7 km/h vorbei und es rührte sich überhaupt nichts. Ein Schelm, der dabei Böses denkt. Wir haben nämlich ein Funkgespräch zwischen den Kapitänen gehört, in dem sich der eine beschwert hat wegen der Drohung mit der Anzeige.
Marlene und Benno winkten vom gegenüberliegenden Ufer und kamen dann aufs Boot zurück. Sie sind über 30 km gefahren und es hat ihnen viel Spaß gemacht.
Nach der Stärkung mit Kaffee und Kuchen ruhten sich die beiden aus. Martin fuhr mit dem Radl zur nächsten Anliegestelle nach Sarreburg und schaute, sich den Platz für den nächsten Tag an. Da das Wetter so schön war und die Wege gut geteert waren, hab ich nach fast 20 Jahren mal wieder meine Inliner rausgeholt. Martin hat mich noch mit den Schonern verpackt….heieiei, was haben wir früher als Kinder gemacht????, heutzutage braucht man Knie-Ellenbogen und Handschoner. Am besten noch einen Helm und eine Matratze rumgewickelt 🙂 . Hat aber super geklappt und hat sogar Spaß gemacht.
Bin gespannt, ob ich Muskelkater bekomme.


Später haben wir noch Federball gespielt, es war leider zu windig.
Nach dem Abendessen haben wir echt wieder Wizard gespielt. Unsere neuen Gäste sind mittlerweile auch infiziert. Dieses Mal hat Marlene sehr auf Risiko gespielt und hat dafür auch haushoch gewonnen. Wir haben viel gelacht.

Sep.

5

Heute Morgen machten wir in Grevenmacher los Richtung Wasserbillig ( das heißt wirklich so).
Eine Schleuse abwärts war auf dem kurzen Stück.
Der Kai war zum Glück leer und wir konnten, nachdem Martin die Vlinder gewendet hatte, Steuerbord anlegen.


Danach fuhren Martin und Marlene mit den E-bikes zum Auto zurück. Sie wollten noch fürs Abendessen einkaufen. Am Supermarkt Parkplatz hat sich dann das Schloss von Martins Auto nicht mehr starten lassen. Irgendwie ging nichts mehr. Er musste den ADAC anrufen. Der Mechaniker hatte auch keine Lösung und nahm das Auto dann mit nach Trier in eine Werkstatt. Am Montag erfährt er dann, wie lange es dauert. Marlene kam dann derweil zu Fuß und Benno joggte zu Martin ans Auto, um das Fahrrad zu holen. Ein Kuddelmuddel, aber alles andere wäre ja langweilig.


Nach der Aufregung gab’s erstmal verspätet Kaffee und Kuchen und eine kleine Siesta. Danach ging’s ein bisschen spazieren und während dessen hat Marlene angefangen , das Abendessen vorzubereiten . Es roch schon sehr köstlich, als wir nach einer Stunde zurück an Bord kamen.


Es gab einen leckeren Brokkoli/ Kartoffelauflauf. Die Pfanne war ratzfatz bis auf ein kleines Stückchen leer. Die Küche war schon sauber, ich musste nur noch die Teller in die Spülmaschine räumen
Marlene wollte dann eine Wizard Revanche und Martin holte gleich die Karten. Die Revanche ist ihr auch gelungen, sie und Martin hatten Gleichstand, während Benno und ich weniger Glück hatten. Egal, der Abend war wieder sehr lustig.

Sep.

4

Heute fuhren wir nach dem Frühstück los. Wir hatten 25 km und zwei Schleusen vor uns. Zeitweise übernahm Benno das Steuer durch das schöne Moseltal.

Zwischendurch wurde viel fachgesimpelt übers Segeln und über die Boote. Vorbei an den vielen Weinbergen kam die erste Schleuse. Dort saßen massenweise diese Nilgänse, die hier schon fast eine Plage geworden sind.


Ab und zu kam uns ein großer Frachter entgegen. Unser Ziel war Grevenmacher. Martin sah schon durchs Fernglas, dass an dem kurzen öffentlichen Platz , den wir uns ein paar Tage vorher angeschaut haben, ein Boot lag. Er wendete und wir machten an dem langen Kai fest. Dort hat sich für 22.00 Uhr ein großes Passagierschiff angemeldet. Also entweder müssen wir weiterfahren oder wir fragen den netten Nachbarn von der MS Steilvol, ob wir längsseits festmachen durften.

Während Martin und Benno die 25 km mit den E-bikes zurückfuhren um das Auto zu holen, ging ich in den nahegelegenen Schmetterlingsgarten. Das war so eine Art tropisches Gewächshaus mit vielen bunten Schmetterlingen, frei fliegenden Papageien und einem kleinen Teich mit Koikarpfen.

Derweil wieder zurück, hat Martin den netten Nachbarn gefragt und er hatte nichts dagegen. Also wendeten wir erneut und legten dann längsseits an dem 30 Meter langen Boot an. Er hatte uns schon vor seinen beiden „schrecklichen“ Hunden gewarnt, aber Millie und Guinness waren zuckersüß und beobachteten das ganze Manöver an Deck. Martin unterhielt sich lange mit den amerikanischen Nachbarn und tauschte dann Visitenkarten aus.
In der Küche bereitete ich derweil ein Hühnchen Curry Cocos zu.
Nach dem Abendessen waren wir gespannt auf das Schiff, das um 22.00 Uhr kommen sollte. Der Platz war jedenfalls ewig lang.
Um die Zeit zu vertreiben, lernte Martin unseren Gästen Marlene und Benno unser Lieblingsspiel Wizard.
Kaum hatten wir angefangen, näherte sich ein wunderschön beleuchteter Koloss von Schiff, die Amadeus Brilliant. Tatsächlich 110 m lang und 11.40 m breit und hat echt den ganzen Platz beansprucht. War schon beeindruckend, wie die das Teil dort eingeparkt und angelegt hatten. Martin und der Nachbar schauten sich alles von vorne am Bug an.


Als sich alles wieder beruhigt hatte, spielten wir weiter unser Wizard. War ganz lustig, weil Benno und Marlene dachten, Martin schummelt. Er war fast wieder am gewinnen, aber ich konnte ihn doch überholen.
So gegen elf, auf der Amadeus war immer noch alles hell erleuchtet, gingen wir dann alle in die Kabinen.

Sep.

3

Gegen Mittag fuhren wir mit dem Auto nach Trier. Am Nachmittag haben sich neue Gäste angemeldet, die wollten mit dem Bus nach Trier kommen. So hatten wir ein paar Stunden Zeit für diese tolle, interessante Stadt.
Vom Parkhaus ging es über den Hauptmarkt direkt Richtung Porta Nigra. Die Porta Nigra in Trier ist das besterhaltene römische Stadttor Deutschlands und seit 1986 ein UNESCO-Welterbe. Um 170 nach Christus begannen die Römer mit dem Bau der Porta Nigra als Teil der Stadtmauer von Augusta Treverorum. 
Sie wurde aus über 7.200 Quaderblöcken aus Kordeler Sandstein gebaut, die mörtellos aufeinander gesetzt und mit Eisenklammern stabilisiert wurden. Innen haben sie für die drei Stockwerke eine tolle Wendeltreppe integriert. Es war wenig los, die meisten Besucher saßen draußen in den Cafés. So konnte ich viele schöne Fotos ohne Touris machen.


Danach machten wir mit dem Römerexpress eine Stadtrundfahrt, so konnten wir uns die vielen Sehenswürdigkeiten in einer Tour anschauen. Wir fuhren am Amphitheater vorbei, an den Kaiserthermen und dem Dom. Den schauten wir uns nach der Fahrt noch genau von innen an, genau wie die Liebfrauenkirche. Alles sehr beeindruckend. Um drei schaute Martin auf seine Uhr. Zeit für Kaffee 🙂 , wir wurden schnell am Hauptmarkt fündig.


Nach dem Kaffeetrinken spazierten wir noch ein bisschen durch die Stadt, hörten einem Handpanspieler zu. Einfach fantastisch, was der für schöne Melodien gezaubert hat.

In der Altstadt standen auch verteilt Klaviere, auf denen Leute ihr Können zur Schau stellen konnten.
Dann wurde es Zeit, zum Busbahnhof zu gehen. Dort erwarteten wir Marlene und Benno, unsere neuen Gäste.
Das witzige war, sie hatten Martin schon zwei Mal vorher beim Segeln getroffen. 2019 im Minerva Riff und das zweite Mal auf Christmas Island und Cocos Keeling auf dem Weg von Australien zu den Seychellen. Die beiden sind auch Vollblutsegler und seit über 20 Jahren mit ihrem eigenen Katamaran auf der ganzen Welt unterwegs. Na da geht der Gesprächsstoff bestimmt nicht aus.
Nach einer leckeren Brotzeit und netten Erinnerungsgesprächen ging es zeitig in die Kojen, da wir am nächsten Tag knapp 25 Kilometer vor uns haben.