Frühsport am Morgen tut gut. Aber ich bin nicht gelaufen, sondern bin mit dem kleinen Klappradl nach Wormeldange gefahren und hab dort frische Brötchen und Croissants geholt. Zurück an Bord bereitete ich das Frühstück vor und hab angefangen, einen Kuchen mit den selbstgepflückten Brombeeren zu machen. Dann ging mir der Zucker aus und ich musste nochmal zurück in den kleinen Laden. Unserem Nachbarn von der Diogene hab ich auch eine Bäckertüte vor die Türe gehängt, wofür er sich ganz nett bedankte.
Inzwischen waren alle an Bord wach, und wir konnten gemeinsam auf dem Sonnendeck frühstücken. Es war herrlich angenehm. Nach den heißen Tagen der vergangenen Woche fühlte sich die kühlere Morgenluft richtig gut an.
Eigentlich wollten wir erst am Nachmittag ablegen. Doch Martin entschied sich für eine Planänderung, so dass wir besser früher losfahren sollten. Die Liegeplätze sind in dieser Jahreszeit sehr knapp. Nachdem er die Vlinder gedreht hatte, übernahm Norwin wieder das Steuer. Konzentriert und mit Martins Unterstützung steuerte er das Schiff die Mosel entlang.

Links und rechts waren endlose Weinberge und idyllische kleine Weindörfer . Man merkte sofort, dass Wochenende war. Auf dem Wasser herrschte deutlich mehr Betrieb als an den Tagen zuvor. Große Frachtschiffe, Motorboote, Jetskis und Sportboote waren unterwegs. Fast jeder winkte freundlich herüber und genoss den sonnigen Sommertag. Martina und ich saßen entspannt auf dem Deck.





Die heutige Etappe war nicht besonders lang. Kurz vor der einzigen Schleuse des Tages, die uns sechs Meter bergab brachte, rief Martin plötzlich: „Die Steilvol liegt in Grevenmacher!“ Sofort wurden Erinnerungen wach. Genau dort hatten wir im vergangenen Jahr Jim und Jahin kennengelernt – ein amerikanisches Paar, das seit 2019 gemeinsam mit seinen beiden Hunden Milli und Guiness auf einem großen Hausboot in Europa lebt.
An der langen Pier lag außerdem die Leonardo da Vinci, ein beeindruckendes Flusskreuzfahrtschiff mit 105 Metern Länge und Platz für bis zu 144 Passagiere.
Als wir auf Höhe der Steilvol ankamen,hupte Martin kräftig. Keine Minute später standen Jim und Jahin schon an Deck und winkten uns zu. Jim fragte sofort, ob wir wieder längsseits bei ihnen festmachen wollten. Martin drehte die Vlinder und wenig später lagen wir Steuerbord an der Steilvol. Zur Begrüßung kamen alle , inklusive Guiness und Millie an Deck.




Wir luden die beiden spontan auf Kaffee und frisch gebackenen Brombeerkuchen ein. Es wurde ein fröhliches Wiedersehen mit vielen lustigen Geschichten über das, was im vergangenen Jahr auf und rund um die Boote passiert war. Auch Martina und Norwin hörten begeistert zu und waren gleich in die Gespräche involviert. Für den Abend verabredeten wir uns noch auf ein Glas Wein.


Da wir die E-Bikes nicht über beide Boote heben konnten, fuhr Martin mit dem Klapprad alleine nach Ehnen, um sein Auto zu holen. Währenddessen nutzten Martina, Norwin und ich die Gelegenheit und besuchten den Schmetterlingsgarten in Grevenmacher. In der letzten Öffnungsstunde war zwar noch einiges los, doch nach und nach leerte sich das Gewächshaus. Die letzten fünfzehn Minuten hatten wir die tropische Welt fast für uns allein , umgeben von farbenprächtigen Schmetterlingen, exotischen Vögeln, Fischen und den erstaunlich großen, ständig hungrigen Raupen.


Als wir zurückkamen, war Martin bereits wieder da und brachte Norwin noch nach Ehnen, damit auch dessen Auto nach Grevenmacher kam.
Nach dem Abendessen kamen Jim, Jahin und Guiness wie versprochen zu uns an Bord. Bei einem Glas Wein saßen wir lange zusammen, hatten immer noch viel zu erzählen und lachten viel . Jim ließ Guiness ein paar lustige Kunststücke vorführen. Erst gegen halb zehn wurde es spürbar frisch, sodass sich unsere Gäste verabschiedeten. Schade, dass wir nicht länger Zeit haben.

Für uns war der Tag damit aber noch nicht ganz vorbei. Martina, Norwin, Martin und ich verzogen uns in den Salon und spielten zum Abschluss noch eine gemütliche Runde Wizard , die heute Norwin für sich entscheiden konnte. Ein schöner Ausklang eines rundum gelungenen Tages auf der Mosel.
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