Juni

17

Der Morgen begann ganz entspannt. In den frühen Stunden nieselte es noch ein wenig, doch der Regen verzog sich schnell wieder. Bereits um sieben Uhr ächzte der Schräglift zum ersten Mal talwärts, während auf unserem Hausboot noch alles ruhig blieb.
Erst nach und nach kamen alle an Deck. Der Frühstückswunsch war schnell geklärt: Spiegeleier mit Schinken sollten es sein.

Nachdem alle satt und zufrieden waren, ertönte wie gewohnt die Ansage unseres Skippers: „Leinen los!“
Aber da fuhr noch ein Boot an uns vorbei , das seine Leinen noch hinter sich her durchs Wasser zog. Martin machte die Crew darauf aufmerksam, die sich gleich bedankte. Es schien ein Männerausflug zu sein – wir ließen sie lieber vorausfahren, damit wir später nicht unnötig lange vor den Schleusen warten mussten.
Währenddessen hatte Manuela eine gute Idee, sie wollte noch einmal Apfelstrudel backen. Die Zustimmung der Crew ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Also ging es direkt in die Bordküche. Manuela bereitete den Teig vor, während ich die Äpfel schälte. Mit viel Geschick zog sie den Teig wieder hauchdünn aus, und unser Couchtisch wurde erneut als Unterlage umfunktioniert.


Kurz darauf näherten wir uns der ersten Schleuse. Allerdings befand sich bereits ein anderes Boot darin. Martin meinte : „Ich glaube, die warten auf uns , aber wir passen da gar nicht mehr mit rein.“
Also machten wir vor der Schleuse fest, und Martin ging nach vorne, um nachzusehen, was los war. Noch bevor er die Schleuse erreichte, kam ihm jemand entgegen und fragte, ob er eine funktionierende Fernbedienung hätte , ihre würde nicht reagieren.
Habt ihr denn schon die blaue Stange hochgeschoben?“, fragte Martin.
Die erstaunte Antwort lautete: „Welche Stange?“


Da war allen schnell klar: Hier waren echte Schleusen-Neulinge unterwegs. Auf unserem Boot mussten wir uns das Grinsen verkneifen. Martin erklärte ihnen geduldig, wie das Schleusen bergab funktioniert und worauf man achten muss, damit sich die Leinen nicht verklemmen. Auch das hätten sie beinahe falsch gemacht. Entweder hatten sie bei der Einweisung nicht richtig aufgepasst, oder die Einweisung war nicht besonders gut.
Nachdem das Missverständnis geklärt war und sie erfolgreich rausgefahren sind, durften wir endlich in die Schleuse einfahren. Bergab zu schleusen erfordert etwas Aufmerksamkeit, doch unser bewährtes Schleusenteam Johannes und Peter meisterte die Aufgabe mit Bravour.
Nach insgesamt vier Schleusen erreichten wir schließlich Lutzelbourg.


Schon beim Anlegen zog ein herrlicher Duft durchs Boot: Der Apfelstrudel war fertig. Während Manuela und Martin mit den Fahrrädern zurückfuhren, um die Autos zu holen, blieb der Rest der Crew entspannt an Bord.


Als die beiden zurückkehrten, gab es Kaffee und noch lauwarmen Apfelstrudel mit Vanillesoße . Das war richtig lecker.
Gut gestärkt machten sich unsere Gäste anschließend auf den Weg hinauf zur Lutzelbourg und anschließend sind sie noch in einem Biergarten eingekehrt.


Martin und ich machten eine kleine Dorfrunde und besuchten ein Künstlerehepaar in einem sehr alten renovierten Haus. Sie zeichnete und er machte Metallarbeiten.
Unsere Schleusenhelden hatten auch an dem langen Quai festgemacht, aber sie versicherten und, dass jetzt alles super klappt. Heute war auf dem Kanal überhaupt viel los. Zahlreiche Boote waren unterwegs, die Mietstationen waren offenbar gut gebucht.
Während unsere Gäste unterwegs waren, nutzte ich die Zeit, um das Abendessen vorzubereiten. Manuela wollte ein typisches Tiroler Gröschtl zubereiten , ein herzhaftes Gericht aus gekochten Kartoffeln, Zwiebeln, Wurst und einer guten Portion Knoblauch.
Passend dazu bereitete ich zwei verschiedene Salate zu, die das rustikale Essen ergänzten. . Gemeinsam genossen wir dieses leckere Abendessen an Deck , mit Blick auf den Kanal und in entspannter Atmosphäre.


Anschließend fuhren Manuela und ich die Autos schon einmal nach Saverne voraus. Von dort aus radelten wir gemütlich entlang des Kanals zurück nach Lutzelburg und konnten die wunderschöne Abendstimmung am Wasser genießen.
Da die Fußballspiele leider so übertragen wurden, dass wir sie an Bord nicht empfangen konnten, griffen wir erneut zu unserem Lieblingskartenspiel „Wizard“. Drei fröhliche Spielrunden später waren wir uns sicher: Wir haben unsere Gäste wohl mit dem Wizard-Fieber angesteckt.