Aug.

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Sonnenaufgang

Sonnenaufgang

Wir liegen jetzt seit Wochen im Hafen von Rethymnon, so kommt es mir vor, der Stapellauf liegt lange zurück. Das Leben an Bord hat sich eingespielt. Morgens wache ich auf, auf blu:kat und geniesse die Ruhe in meiner blauen Kabine. Es ist die einzige bisher bewohnte und daher wird bei Schiffsführungen auch immer wieder diese Kabine gezeigt. Da wir erst um 9 Uhr öffnen, habe ich noch zweieinhalb Stunden. Und doch bin ich traurig, denn das wird mein vorerst letzter Morgen auf dem Katamaran sein; schon heute Abend steige ich in ein Flugzeug und verlasse dieses Paradies. Ein letztes Frühstück auf dem Schiff, nachher, wenn unsere Crew eintrifft. Sie leben noch an Land, bringen dann heissen Kaffee und ofenwarmes Brot. Wir werden gemeinsam am runden Tisch im Salon sitzen, reden und lachen. Danach: Bord-Arbeit. Entspannt und ruhig. Seit Martins Schwester da ist, nimmt die Unordnung ab, manchmal unmerklich, aber stetig. Sie sorgt nicht alleine dafür, sondern jeder macht etwas. So haben wir seit gestern ein richtig schönes Cockpit, mit Polstern und weissen Matten am Boden. Martin und unser Maschinist Stefan testen die Generatoren, die Bugstrahlruder, das Zusammenspiel aller möglichen Komponenten. Martin bleibt immer ruhig: wenn etwas auf Anhieb klappt, wie es sein soll, ebenso, wenn etwas nicht so funktioniert. Dann wird solange gebaut, bis sich die Technik unterordnet und das tut, was sie soll. Funktionieren. Auch beim Stapellauf war Martin immer die Ruhe in Person. Doch jetzt hatte sich etwas zugetragen, das war schlimmer als alles andere, was man sich vorstellen konnte. So katastrophal, das es auch in Martin kochte und brodelte. Die Welt war aus den Fugen geraten. Hier konnte man nicht mehr ruhig bleiben. Das Ungeheuerlichste und Undenkbare war geschehen. Wir mussten ihn beruhigen, alle zusammen und doch dauerte es lange, bis er wieder halbwegs zu Luft kam. Was war? Was ist passiert? Wir waren gestern bei Felix zum Abendessen eingeladen, er hat ein Haus, schön in den Bergen über der Küste gelegen. Wir waren alle in Martins rotem VW-Bus und fuhren gerade durch den letzten kleiner Ort, bevor die steile Strasse begann, die wir hoch mussten. Diese Strasse ist so steil, dass der Bus ächzte und stöhnte und Martin mehrmals den Motor im ersten Gang mit Vollgas treten musste, damit sich der Bus auch nur langsam bewegte. Wir waren schon ein wenig spät dran und Felix wartete bestimmt schon. Er wollte für uns kochen und der Nudelauflauf war schon im Ofen. Salate waren zubereitet, Weisswein und Bier kaltgestellt. Der Tisch im Freien war schon gedeckt und alles hergerichtet. Er wartet und wir quälen den Bus diese Berstrasse hoch. Direkt vor Felix Haus müssen wir dann wieder ein Stück herunter, so steil, dass diesmal die Bremsen alles geben müssen. Doch was ist passiert, in diesem kleinen Ort, vorhin? Die Strasse war noch breit und drei Autos vor uns fuhr ein Kleinwagen mit griechischem Nummernschild. Der Grieche hielt an, am rechten Strassenrand und schaltete die Warnblinkanlage an, die nachfolgenden Autos fuhren vorbei. Das war zuviel! Hier konnte man doch nicht mehr ruhig bleiben und Martin blieb nicht mehr ruhig, sondern wurde laut, das erste Mal seit Tagen, Wochen, Monaten: „Diese Sch… Griechen, diese M……, dass die immer, wenn sie irgendwo stehenbleiben, ihre Warnblinkanlage anschalten müssen!“ Stille. Alle im Bus starren Martin an. Das dann folgende Gelächter verebbt erst, als wir bei Felix aussteigen und in seinen Pool springen.

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3 Responses

  1. Hi Andy
    nochmal alle Achtung vor Deinen Kommentaren!
    „Doxa to Theo“ = Gott sei Dank – ist alles gutgegangen.

  2. Habe jetzt erst diesen Kommentar entdeckt. –
    Endlich hatte Martin mal ein Seelen-Ventil geöffnet. Gut so.
    Laufen denn nun die Motoren und Generatoren? Und gibt es Süßwasser
    an Bord? Jedenfalls entspanne ich mich mit euch, gratuliere nochmals zum Erfolg und wünsche alles Gute. Natürlich hoffe ich auf ein schönes Bild mit blu:kat unter vollen Segeln – irgendwann. Ciaociao.

  3. Siga, siga, re !



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