Heutewird es wieder eine lange Etappe von 21 Kilometern, daher wollten wir bereits um 8.00 Uhr morgens ablegen. Die Betonung liegt allerdings auf „wollten“.
Schon an der ersten Schleuse direkt hinter der Marina erwartete uns eine Überraschung: Die Ampel war ausgeschaltet. Martin rief kurzerhand bei VNF an und erfuhr, dass die Schleusen offiziell erst ab neun Uhr geöffnet werden. Also hieß es zunächst warten. Die Zeit vertrieben wir uns mit einer netten Unterhaltung mit einem Schweizer Bootsfahrer, der sich ebenfalls über die dunkle Ampel wunderte.
Doch VNF zeigte sich einmal mehr von seiner freundlichen und hilfsbereiten Seite und öffnete die Schleuse bereits um halb neun. Das war dann die erste von insgesamt sieben Schleusen, die uns auf dem Weg bergab Richtung Sarralbe erwarteten.





Der Schiffsverkehr war praktisch nicht vorhanden , lediglich zwei Mietboote begegneten uns auf der gesamten Strecke. Die anhaltende Hitze und Trockenheit setzen der Landschaft inzwischen deutlich zu. Wiesen und Felder färben sich langsam braun, und nur vereinzelt sieht man Störche im ausgedörrten Gras nach Nahrung suchen. Ein kleines Hindernis gab es dennoch: Mitten im Kanal lag ein Baumstamm quer über dem Wasserweg.




Kurz nach drei Uhr machten wir an der langen Kaimauer in Sarralbe fest. Nach einer gemütlichen Kaffeepause schwangen wir uns auf die Fahrräder und machten uns auf den Rückweg nach Mittersheim, wo Martins Auto stand.


Unterwegs wollten wir unbedingt noch einen Abstecher nach Harskirchen zur Moulin Roeser machen. Vor einiger Zeit hatten wir einen Fernsehbericht über die Mühle gesehen. Bereits im vergangenen Jahr waren wir hier gewesen, damals allerdings ohne Erfolg , die Mühle war geschlossen und eine Besichtigung nicht möglich.
Heute hatten wir mehr Glück: Der 71-jährige Besitzer persönlich führte uns durch die gesamte Mühle , bis hinauf unters Dach in den vierten Stock. Martins Augen leuchteten, denn die Maschinen dort sind allesamt über 100 Jahre alt. Herr Roeser erklärte uns geduldig die einzelnen Arbeitsabläufe und Maschinen. Man spürt sofort, wie viel Arbeit, Leidenschaft und Herzblut in diesem Familienbetrieb steckt. Rund 350 Tonnen Weizen werden hier jedes Jahr zu Mehl verarbeitet.















Ich erzählte ihm schließlich, dass Martins Boot ebenfalls über 100 Jahre alt ist und immerhin 100 Tonnen wiegt. Das konnte er kaum glauben. Wir verabschiedeten uns mit dem Versprechen, bei unserer Rückfahrt gerne noch einmal vorbeizukommen – am besten an einem Freitag, denn dann soll es dort die besten Flammkuchen der ganzen Region geben.


In den kleinen Dörfern entlang unseres Weges liefen bereits die Vorbereitungen für die Feierlichkeiten zum Nationalfeiertag am nächsten Tag. Die Hauptattraktionen sind traditionell die Feuerwerke am Vorabend. Fast jedes Dorf veranstaltet sein eigenes großes Feuerwerk.
Auch auf den Radwegen entlang des Kanals waren wir beinahe allein unterwegs.





Als wir schließlich wieder in Mittersheim ankamen, lag auf unserem Platz von den letzten beiden Tagen die „Tradition“, ebenfalls ein ehemaliges Frachtschiff, das zu einem Wohnschiff umgebaut wurde und über das bereits im Fernsehen berichtet worden war. Der Besitzer schaute aus dem Fenster, Martin kam mit ihm ins Gespräch und schon fachsimpelten die beiden über alte Schiffe und vergangene Zeiten.



Vielleicht treffen wir ihn ja noch einmal wieder.
Am späten Abend machten wir uns auf den Weg in die Stadt zum Festplatz. Dort herrschte eine ausgelassene Stimmung. Musik, Essen und Getränke sowie zahlreiche Stände und Attraktionen für Kinder sorgten dafür, dass scheinbar die ganze Stadt auf den Beinen war. Kurz vor elf Uhr kehrten wir aufs Boot zurück und hatten dort einen echten Logenplatz. Das Feuerwerk wurde direkt vor uns in den Himmel geschossen und spiegelte sich im Wasser wieder. Ein wunderschöner Abschluss für einen erlebnisreichen Tag.


Kommentare