Jun

15

ANNETTE

Morgens um 6:30 Uhr gab Martin das Kommando zum Segel einholen, so dass wir mit Sicht auf Bora Bora auf den Katamaran kletterten.

Markus war unser Mann an Bord! Er hatte schon am meisten von Martin gelernt und daher immer den verantwortlichsten Posten inne. Geschickt kletterte er den Mast empor um das Segel sicher zu verpacken, wir halfen ihm dabei. Mit Motor ging es dann hinein in den Hafen unserer ersten Gesellschaftsinsel, wo wir um 7 Uhr an einer Boje festmachten. Jeder genoss erst einmal die Ruhe des Hafens, atmete durch, gönnte sich eine heiße Dusche an Bord und ließ sich im Anschluss daran ein gemütliches Frühstück mit Blick auf den Mont Otemanu schmecken. Der Berg erhob sich vor uns in beeindruckender Schönheit! Genau so hatten wir ihn auf unzähligen Postkarten in Erinnerung!

Begeistert hiervon brachen wir recht zügig mit unserem kleinen Ausflugsboot ans Ufer der Insel auf. Zum einen brauchten wir Sprit und frisches Obst, zum anderen waren wir aber auch neugierig auf den kleinen Ort in der Nähe des Hafens. Bis zur Mittagszeit blieben wir, kauften Passionsfrüchte, Pampelmuse und frische Mangos, welche auf kleinen Holztischen vor den Wohnhäusern angeboten wurden, schlenderten durch den Ort Vaitape und nutzten das Wifi im Café um endlich Nachrichten an die Familie zu schicken. Herrlich wie sehr wir uns freuten den Lieben zuhause von der Ankunft in Bora Bora zu berichten. Es war einfach wie ein Riesen-Geschenk! Der Ort zeigte sich in typischer Südsee-Manier: Männer spielten mit Blütenkränzen auf dem Kopf in der Dorfmitte Ukulele, Souvenirshops voller Perlen/ Tikis und Pareos, bunte Kirchen umrahmt von Vulkanbergen, usw. Somit verging die Zeit wie im Flug bis wir mit dem Dinghy wieder zur VAVA-U ablegten.

 

Am Schiff angekommen beschlossen wir kurzerhand uns einen „schöneren“ Ankerplatz zu suchen.

Der Hafen bot zwar eine gute Aussicht auf den hohen Berg, doch war er eben nicht von den unendlich weiten Türkisflächen des Meeres umgeben. Dies wussten wir auf der anderen Inselseite zu finden. Martin steuerte uns daher mit seinem Schiff in knapp zwei Stunden in Richtung des Point Faarone und bescherte uns damit eine der herrlichsten Rundfahrten, die wir je hatten. In einer Traumkulisse ging es zwischen Bora Bora und den umliegenden Motus hindurch, über Wasseroberflächen, die in hunderten Nuancen zu schimmern schienen. An uns zogen alle erdenklichen Luxus-Resorts mit ihren Überwasserbungalows vorüber, eines pompöser als das andere.

Wir fuhren soweit wir nur konnten mit dem Katamaran voran und ankerten schließlich am hübschesten Platz, den Bora Bora vermutlich bieten konnte. Ringsum nur Superlative! Niemals zuvor hatten wir auf derartig riesige helle türkise Flächen geblickt. Eigentlich hätten wir gar nichts unternehmen müssen außer auf Deck zu sitzen und sich jeden Quadratzentimeter zu Herzen gehen zu lassen. Doch waren wir schon auch neugierig wie es auf Bora Bora um die Unterwasserwelt bestellt war.

Daher richteten wir uns für einen Schnorchel-Ausflug in der Nähe eines Motu. Als wir um die erste vorgelagerte kleine Insel fuhren und auf das Außenriff blickten, entfaltete Bora Bora in meinen Augen erst seine vollständige Schönheit. Denn hinter dem Motu Piti Aau schien das Meer noch klarer, noch blauer und voller allem noch viel weitläufiger in allen Tönen zu leuchten. Unseren Platz zum Erkunden der Unterwasserwelt fanden wir am Coral Garden in der Nähe des Sofitel hinter dem kleinen Inselchen Motu Piti Uu Uta, wo wir das Dinghy an einer Boje festmachten und direkt ins Meer hüpfen konnten.

Schon vom Dinghy aus hatten wir beobachten können wie es unter uns nur so wimmelte. Beim ersten Abtauchen war man schon inmitten von Fischschwärmen und unsere Augen wurden von der Vielfalt der Südseefische fast ein wenig erschlagen. Im Gegensatz zu den anderen Schnorchelspots konnte von Scheu der Fische keine Rede sein! Ganz in Ruhe konnten wir jeden einzelnen von ihnen beobachten. Da das Wasser so klar war, sah man jede Einzelheit am Grund. So musste ich schon zweimal hinsehen, als sich am hellen Sandboden ein ganzer Schwarm von ebenso hellen Fischen liegend befand. Waren sie tot? – fragte ich mich erst. Doch das passte nicht, sie lagen ja auf dem Meeresgrund. Völlig bewegungslos schienen sie am Meeresgrund auf der Seite zu liegen und zu schlafen. Ich muss das wohl zeitgleich mit Martin gesehen haben, denn gerade als ich die anderen rufen wollte, sah ich das Martin Chris und Felix in diese Richtung lenkte. Weit tauchten sie mit ihren Kameras hinab um die Sache zu erkunden und kamen dabei tief genug um den Schwarm in Bewegung zu setzen. Verrückt! Für uns alle eine Premiere!

Doch der Platz bot noch viel mehr: blaue leuchtende Muscheln, Fische in allen Farben und Größen und einen Meeresgrund, der Martin zu einem Kunstwerk einlud. Er legte „VAVA-U“ in (selbstverständlich abgestorbenen) Korallenstückchen auf den Sand. Mit „I love Bora“ hatte sich schon ein anderer Taucher verewigt. Wundervolle Fotomotive waren dies für die Männer unter Wasser.

Um 17:30 Uhr holten wir mit einer tiefen inneren Zufriedenheit Markus von seinem Landausflug hinter dem Pointe Matira ab indem wir am Local-Strand vom Boot gingen. Eine Weile blickten wir auch hier auf die schöne Bucht bevor wir mit Dinghy über die türkisen Wellen Richtung VAVA-U ritten. Tag 13 des Törns hatte uns richtig viel Glück gebracht, so dass wir uns die Kürbiscremesuppe und den Kürbisauflauf aus der VAVA-U Küche schmecken lassen konnten.