Juli

25

Petra

Unser nächster Tag in der Südsee beginnt wieder mit einem wunderbaren Sonnenaufgang hinter Palmen, es ist noch ganz ruhig an Deck, als ich heraufkomme, alle schlafen noch. Ich genieße diese morgendliche Stille, auch um mich herum ist noch alles still, bis auf die Hähne an Land, die wie Zuhause schon mindestens eine Stunde lang krähen.
Ich setze das tägliche Ingwerwasser auf, und langsam kommt die Crew aus ihren Kajüten.

Nach dem Frühstück hält uns nichts mehr – ab in die Lagune, schnorcheln bis zum Abwinken ist angesagt. Wir staunen und schauen mit großen Augen auf diese wunderbare Unterwasserwelt, bei der keine Wünsche offen bleiben.
Keine Strömung, wunderbar flach und glasklar, einfach wunder- wunderschön.

Danach schauen wir uns in einem Buch an, welche Fische wir gesehen haben und erfreuen uns an der nächsten Dessertkreation von Stefanie und Barbara.
In Fatuhiva hatte uns der nette Schnitzer jede Menge eierförmiger Früchte geschenkt, die heute zusammen mit Bananen, Sahne, Grießbrei und einem „wönzigen“ Schlückchen Rum eine leckere Crème ergeben.

So gestärkt geht es nochmals mit dem Sup und dem Kajak auf das nächste kleine Inselchen und es wird nochmal nach Herzenslust geschnorchelt.
Morgen früh geht es weiter nach Apataki, wir sind gespannt!

Juli

24

Petra

Wir ankern in der „Baie de Amyot“ und sind entzückt – das toppt alles Bisherige, was die Wasserwelt angeht.
So viele verschiedene Blau- Grün- und Türkistöne bis weit in diese große Bucht hinein, die eigentlich schon eine Lagune ist, in der sich Schwärme von Fischen tummeln und die Appetit auf´s Schnorcheln machen (äh, ok, auch der andere Appetit wurde entsprechend gestillt, aber davon später mehr).

Vor den Müßiggang hat Neptun/Poseidon oder wer auch immer aber das Ankern gesetzt, und das ist hier nicht so einfach, weil wir hier an einer „Mooring“ anlegen müssen, also an einer Boje, die auf dem Meeresboden befestigt ist.

Dazu wird mit einem Bootshaken die Leine der Boje an hochgezogen, und das bei beweglichem Schiff und beweglicher Boje – tricky!
Jörg hat das aber fabulös gemeistert und die ganze Crew hat mitgeholfen. Wenig später konnten wir beobachten, wie man es nicht machen sollte – das Schiff nach uns verfehlte die Boje und der gute Mann ließ dann auch noch den Bootshaken ins Wasser fallen, ein bisschen lächeln mussten wir schon, haben ihm dann aber gleich unseren Bootshaken angeboten.

Martin hatte von einem Restaurant berichtet, wo wohl ein leckeres Abendessen nach Voranmeldung serviert werden würde, und wir alle hatten schon unsere Phantasien von eisgekühlten Drinks und natürlich Wlan!!! in nettem Ambiente spielen lassen.
Die kleine Holzhütte, immerhin mit Anlegesteg, entsprach dann nicht ganz unseren Vorstellungen und die freundliche, aber resolute Inhaberin, die uns gleich begrüßte, machte dann auch ganz schnell klar, dass es vor Donnerstag kein Essen geben würde und Netz (außer den Fischernetzen) war weit und breit nicht zu finden, nun ja, ich hatte mich ja auch auf´s „digitale Fasten“ gefreut, nicht wahr?

Daß es essenstechnisch nicht zum Fasten kam, verdankten wir ihrem genauso freundlichen, aber weniger resoluten Ehemann („Ehemännchen“?), der sich Martin und sein Boot schnappte und wenige Minuten später zwei herrliche Fische aus einer Art Reuse für uns holte. Ein bisschen leid taten mir der Papageienfisch und die Stachelmakrele ja schon, ehrlich gestanden, und ich schaute feigerweise auch nicht hin, als sie vom Leben in der Lagune in den Tod befördert wurden, allerdings schmeckte der Fisch 4 Stunden später beim Abendessen fantastisch.

Nun ja, an dieser Stelle möchte ich jetzt keine Diskussion über nichtveganes Leben lostreten und werde auch definitiv nicht zum Frutarier, aber später beim Schnorcheln habe ich mir die Fische doch mit größerem Vergnügen in ihrem natürlichen Umfeld angeschaut.

Als kleinen Ersatz für einen eiskalten Cocktail habe ich dann meiner Crew einen „Tahitian Punch“ serviert, der sich noch im Kühlschrank versteckte und immerhin ein paar alkoholische Umdrehungen hatte.

Nach unserem famosen Fischgericht mit dem frischesten Fisch, den ich wohl jemals gegessen habe kam keine Zockerlaune mehr auf und – wahrscheinlich auch mangels Alkohol – gab es einen frühen Kojenabend.

Unsere schönen Rot- und Weißweinvorräte, die wir in Hiva Oa für viele polynesische Francs erstanden hatten, haben sich nämlich allesamt als übelste schlammige Brühen herausgestellt, die leider allesamt ungenießbar waren – schade!

Juli

23

Petra

Heute wollen wir noch ein bisschen die Lagune erkunden. Bei der Ankunft ist uns ein kleines malerisches (ok, ALLE Inselchen sind hier malerisch!) Inselchen aufgefallen, ganz winzig mit einem Gebäude und zwei Hütten, drumherum ein wunderbares kleines Hausriff im üblichen kristallklaren türkisgrün. Als wir uns der Insel nähern, steht dort tatsächlich ein Mensch und fegt den wunderbaren weißen feinsandigen Strand.

Barbara muss wieder ran und fragt, ob wir ihn besuchen dürfen, der Mann nickt freundlich und begrüßt alle weiblichen Crewmitglieder gleich mit Küsschen auf beide Wangen, très charmant!
Er ist Franzose und vor ca. 30 Jahren hierhergekommen, hat eine Einheimische geheiratet und auf unsere Frage, ob er je zurückwolle, antwortete er völlig entrüstet „non“!
Das haben wir jetzt schon von einigen Auswanderern gehört, na ja, so richtig verwundern tut es uns ja nicht……

Die Insel vermietet er als Hochzeitslocation, gerade wird das Gestell für die fünfstöckige Hochzeitstorte abtransportiert, es gibt sogar einen Altar in Form eines blumenumrankten Bogens, hier lässt es sich bestimmt wunderbar romantisch heiraten.
Er rückt uns gleich blaue Plastikstühle in den Schatten einer Palme und wir plauschen über Gott und die Welt, er bietet uns sogar Rotwein an (der hier eigentlich unbezahlbar ist), es ist wirklich immer wieder unglaublich, wie gastfreundlich die Menschen hier sind.

Als wir uns – typisch deutsch – mit Blick auf die Uhr verabschieden wollen, weil ja noch das Schnorcheln, das Kuchenessen (ja, Steffanie hat wieder eine neue Kreation gezaubert) UND der Sundowner anstehen, blickt er uns völlig entgeistert an, wir hätten doch Urlaub, oder? Ja, Freizeitstreß nennt man so etwas, oder?

Martin hat schon mal eine schöne Schnorchelstelle für uns gefunden, ganz flach und mit vielen kleinen Korallenstöcken, wo wir uns verteilen und nach Herzenslust Muscheln, Fische und einige Korallen (leider hier nicht mehr viele) anschauen.

Danach gibt es Kaffee und Kuchen und die anderen Fünf machen sich auf zum Pfarrerssohn.


Ich hüte den Ofen, in dem gerade neue Brote backen und beschäftige mich mit unserem neuen Haustier, einem Schiffshalter, der schon den ganzen Tag auf Reste lauert und sofort zur Stelle ist, wenn etwas ins Wasser fällt, wobei er Apfelreste verschmäht, aber Käse und den Fettrand vom Schinken liebt.

Abends sind die „Jungs“ mit dem Essen machen dran und sie schmeißen sich tüchtig ins Zeug! Es wird mariniert, geschnippelt, gebraten und gekocht, dass es die reine Freude (für uns „Mädchen“) ist. Außerdem glänzt die Küche danach womöglich mehr als vorher, worauf wir dann auch nochmal aufmerksam gemacht werden, wir genießen und schweigen……

Danach noch eine schnelle Runde Wizzard, denn wir müssen morgen früh raus, es geht weiter nach Toau!

Juli

22

Petra

Um 5:45 Uhr meldete Jörg „Land in Sicht“, hurra, ein Ende des Schaukelns ist (vorerst) in Sicht. Nicht, dass Ihr mich falsch versteht, gegen das Schaukeln beim Schlafen ist absolut nichts einzuwenden, aber bei der normalen Tagesroutine erweist es sich doch manchmal als etwas lästig, wenn frau wie eine Betrunkene quer über das Deck torkelt, und immer „eine Hand für das Boot“ übrig sein muss…..

Aber jetzt sind wir da! Hier gibt es jetzt Südsee pur – flache, palmenbewachsene Motus, kilometerlange Sandstrände, gesäumt von hellstem, türkisfarbenen Wasser, das langsam immer dunkelgrüner wird wie ein Smaragd. Die gesamte Crew bricht in Begeisterungsstürme aus, es ist wirklich wie eine Kitschpostkarte, zumal wir das einzige Segelboot bzw. Segelschiff in dieser Lagune sind (schön, wenn der Blog unter Beteiligung aller Crewmitglieder geschrieben wird, im Moment geht gerade die große Diskussion hinter meinem Rücken los, ob wir nun ein „Boot“ oder ein „Schiff“ sind, jetzt wird noch der Begriff „Yacht“ in den Raum gestellt, ich beende das jetzt!!!).

Wie dem auch sei, wir sind hier die einzigen Nichteinheimischen in der Lagune, und das empfinde ich als großen Luxus!

Nach dem Frühstück gehen wir sofort alle ins Wasser, 4 mit den Sups, Martin und ich mit Schnorcheln und Flossen. So richtig viel gibt es hier nicht zu sehen, morgen werden wir nochmal ein bisschen weiter nach einer tollen Schnorchelstelle suchen.

Mittags machen wir einen Dinghiausflug zum „Zentrum“ des Atolls, zunächst treffen wir die Männer, die schon einige Bierchen (zuviel?) genossen haben und in ein Brettspiel (soll wohl eine Art Roulette mit Würfeln gewesen sein) vertieft sind.

Das restliche Dörfchen ist schnell erlaufen, eine leere Hütte aus Palmwedeln, schon recht heruntergekommen mit einem Schild „Restaurant chez mon frère“, da gibt es wohl schon lange nichts mehr zu essen! Die winzig kleine Kirche ist liebevoll, aber ohne Prunk eingerichtet, die Weihwasserschale besteht aus der Hälfte einer Riesenmuschel. Dann gibt es noch ein recht neues Verwaltungsgebäude und zwei oder drei Hütten sowie einen kleinen Fuhrpark der „Stadtwerke“, das war es auch schon!

 

Dies ist übrigens die „neue“ Siedlung, die entstanden ist, als der Flughafen gebaut wurde (ich habe ihn nicht gesehen, aber die Länge für die Piste hat´s ja, nur in der Breite könnte etwas fehlen..;-))) ). Die alte Siedlung lag gegenüber auf der anderen Seite des Atolls, da wohnt jetzt nur noch der Pfarrer und sein Sohn, von dem ich später noch berichten werde.

Wir machen einen Spaziergang zur Riffseite, die sehr schön ist, es ist weit und breit niemand außer uns zu sehen, die Brandung rauscht, der Strand ist übersät mit (toten) Korallen. Wir setzen uns ein bisschen hin und genießen die kühle Brise.

Auf dem Rückweg treffen wir noch die Frauen des Dorfes beim Bingo spielen, Rolf nutzt die Gelegenheit und zeigt den Dorfkindern, wie wir Deutschen Fußball spielen (ich verkneife mir jetzt aus naheliegenden Gründen jegliche Bemerkung über die WM 2018).

Am Nachmittag haben die restlichen fünf immer noch nicht genug vom Herumkurven mit dem Dinghi und treffen noch auf der anderen Seite des Atolls den Sohn des Pfarrers, einen netten jungen Mann, der stolz sein Gemüsebeet zeigt und mit dem wir morgen eine Verabredung für einen „Sundowner“ haben, bei dem er dann zu seiner Ukulele ein Ständchen zum Besten geben möchte (er erwähnt ganz nebenbei, dass er zum Lockerwerden etwas Bier benötigen werde, das bringen wir dann natürlich mit!).

Nach dem Abendessen ist es endlich wieder soweit:
Zocker-Abend! Heute spielen wir „Wizzard“, haben eine Menge Spaß mit Narren und Zorros und gehen spät (21 Uhr!!) in unsere Kojen.

Juli

21

Petra

Am vorläufig letzten Seetag in dieser Woche lassen wir es uns kulinarisch so richtig gutgehen, eine leckere Mahlzeit reiht sich quasi an die andere, wir leben wie die sprichwörtlichen Maden im Speck.


Nach einem guten Frühstück serviert uns Rolf mittags die übriggebliebenen Nudeln von gestern in zwei Variationen, danach gibt es das selbstgemachte Papayaeis, hmmm.
Knappe 3 Stunden später serviert uns Stefanie eine neue Kuchenkreation, dazu einen leckeren Kaffee aus Martins Kaffeemaschine – wunderbar.

Wir entschließen uns mangels körperlicher Anstrengung, heute abend nicht mehr zu kochen, denn morgen wollen wir ja am Riff schnorcheln und wer weiß, ob der eine oder andere Hai dann denn doch nicht widerstehen kann……

Jörg bemüht sich weiterhin tapfer an der Angelrute, aber leider, leider tut sich rein gar nichts.
Meine Theorie ist ja folgende: da der Köder immer abgerissen ist, müssen wir ja praktisch immer nur Riesenfische an der Angel haben, die dann aber leider viel zu stark sind für das Angelmaterial!
Da fällt mir doch gleich der gute alte Hemingway mit seinem „Der alte Mann und das Meer“ ein, wie ging die Geschichte seinerzeit doch nochmal aus?
Da fragt ja gleich Rolf nach, WER denn bei uns wohl der alte Mann sei und Barbara wirft in die Runde, ab WANN denn wohl ein Mann alt sei?
Na, ihr könnt Euch vorstellen, dass uns die Gesprächsthemen nicht ausgehen….

Langsam verschwindet die Sonne am Horizont und wir freuen uns auf den nächsten Sternenhimmel und die Tuamotos bei Sonnenaufgang!