Am Morgen hieß es Leinen los aus Hesse. Es ging ein kurzes Stück ohne Schleusen in ein Dorf, dessen Namen unaussprechlich ist. Xouaxange.
Nach dem Anlegen fuhren wir mit dem Auto nach Sarrebourg zum Einkaufen. Werner wollte heute ein Risotto mit Gemüse kochen und da fehlten noch ein paar Zutaten .
In der Stadt war leider die Chapelle de Cordeliers geschlossen. Schade, Werner und Petra hätten gerne das große Glasfenster von Marc Chagall angeschaut.
Die Stadt war richtig leer und trostlos im Gegensatz zum Samstag bei Sonnenschein und Markt. Martin gönnte sich in einem Barbershop eine Rasur. Nach einem kurzen Spaziergang durch die Fußgängerzone fuhren wir zurück aufs Boot. Wir spielten seit langem mal Mensch ärgere dich nicht und Dame. War eine spannende Verfolgungsjagd, wenigstens da konnte ich mal gewinnen. Zum Abendessen gab es das leckere, schön cremige Risotto mit Gemüse von Werner und dazu tolle Gesangseinlagen von alten Schlagern. Werner ist ein richtiger Entertainer und wir hatten viel Spaß. Neben dem Liegeplatz war ein Bouleplatz. Endlich konnten wir mal unsere Boulekugeln einweihen. Wir bildeten zwei Teams und ließen die Kugeln rollen. Alle drei Partien gingen ziemlich knapp aus, aber Martin und ich haben 3x gewonnen . Danach ließen wir den Abend gemütlich im Salon ausklingen.
Heute Nachmittag kamen dann Werner und Petra aus der Schweiz. Nachdem sie das Gepäck verstaut hatten, gab es erstmal Kaffee und Kuchen zum Relaxen, da die Fahrt bei Dauerregen wohl recht anstrengend war.
Werner erzählte von gemeinsamen Segeltörns. Petra war Tanzlehrerin für klassischen indischen Tanz. Begeistert schauten wir uns davon Videos an. Die Zeit verging so recht schnell . Während sich Werner und Petra noch ein bissel ausruhten, bereitete ich das Abendessen zu. Nach den Nudeln mit Zucchini gab’s noch Schweizer Schoki als Nachtisch, die die beiden mitgebracht haben. Es war noch nicht spät, also kniffelten wir noch eine Runde und hatten richtig Spaß. Petra war der Favorit . Noch ein bissel ratschen, bevor wir in die Kojen gingen.
Heute hatten wir nur ein kurzes Stück nach Hesse, ein kleines Dorf mit einer großen Mietbootstation. Wir durften kurz davor bei VNF anlegen und hatten während unserer Pause bis Dienstag so einige Manöverkinos. Einfach im Steuerstand Platz nehmen, beobachten und schmunzeln. Aber wir haben natürlich auch einiges unternommen. Samstag mittags machten wir uns mit den Rädern auf den Weg ins 8 km entfernte Sarrebourg. Auf dem Weg dorthin in Imling wurde gerade für ein Dorffest die Musikanlage getestet. Die haben die Feier für den Nationaltag am 14. Juli schon vorverlegt . In Sarrebourg war Markttag. Es gab alles was man sich nur denken kann.
Wir stellten die Räder ab und gingen zu Fuß weiter durch die Menschenmassen in die Chapelle des Cordeliers. Die Kapelle ist ein Gebäude aus dem 13. Jahrhundert und beherbergt Bleiglasfenster von Marc Chagall, darunter La Paix, ein außergewöhnliches Werk. Dieses 12 m hohe und 7m breite Glasfenster ist das höchste, das jemals vom Künstler entworfen wurde.
Der Ticketpreis enthielt auch noch den Eintritt in das Musée du Pays, das wir uns ebenfalls angeschaut haben. Auf dem Heimweg machten wir noch kurz Halt bei Franziska und Roli, die schon vormittags mit ihrer Horizon an uns vorbei gefahren sind.
Nach einer kleinen Stärkung ging’s zurück aufs Boot. Später fuhren wir mit den Rädern noch nach Imling auf das Dorffest. Es gab Burger, Flammkuchen usw. Wir spazierten noch ein bisschen durchs Dorf und uns ist aufgefallen, dass fast auf jedem Telefonmast ein Storchennest war. Viele waren schon mit den Jungen beschäftigt und einige saßen ganz alleine auf den Laternen. Jedenfalls klapperte es ordentlich von oben. Das Feuerwerk haben wir nicht mehr abgewartet und sind gegen elf wieder mit Licht aufs Boot retour geradelt.
Heute nach dem Frühstück verabschiedeten sich Andrea und Richard und fuhren wieder nach Hause. Martin und ich brachten das Auto zum nächsten Liegeplatz und entdeckten beim Zurückfahren noch einen kleinen Hofladen. Dort kauften wir leckeren, sehr milden Ziegenkäse in den Geschmacksrichtungen Chili, Bruschetta und Kräuter, den gab’s dann auch gleich zum Abendessen. Wir beschlossen, nichts mehr zu unternehmen außer diem Stille hier am Liegeplatz zu genießen.
Heute hatten wir auch einiges vor uns . Der Schräglift, zwei Tunnels und 4 Schleusen. Nach unserem, wie üblich leckeren Frühstück ging es los.
Die erste Schleuse war gleich am Dorfende. Dann fuhren wir gemütlich durch die schöne Gegend. Irgendwann trennte sich der Kanal und der Schräglift war nicht mehr weit. Einige Boote lagen an der Kaimauer, aber in entgegengesetzte Richtung. Wir machten auch kurz fest, da die Ampel auf rot war. Martin stieg aus und fragte beim Lift-Häuschen nach. Sie warteten noch auf ein Passagierschiff, danach wären wir dran. Das Passagierschiff fuhr nach oben und zwei Mietboote kamen von oben runter. Schon Wahnsinn, diese Technik. Endlich durften wir reinfahren, schnell festmachen und dann einfach nur noch staunen. Das Schiffshebewerk von Arzviller ist einzigartig in Europa.
Es ersetzt 17 herkömmliche Schleusen und sorgt damit für eine erhebliche Zeitersparnis. Es besteht die Möglichkeit einer ausführlichen Besichtigung, einer Führung oder einer Rundfahrt mit einem Schiff. Das am 27. Januar 1969 in Betrieb genommene Schiffshebewerk hat Saint-Louis und Arzviller über die Landesgrenzen hinaus bekannt gemacht. Das Bauwerk ersetzt 17 Schleusen, die über eine Strecke von 4 km verteilt waren, Dadurch ergibt sich eine enorme Zeitersparnis für die Binnenschifffahrt. Früher mußte man für die Strecke einen ganzen Tag einplanen. Die Wanne (41,50 m x 5,50 m) bewegt sich auf Schienen, auf einer Schräge mit einem Gefälle von 41 % bei einem Höhenunterschied von 44,55 Meter – und das Ganze fast ohne Energie! Das Bauwerk wird geräuschlos mit Wasser und zwei Gegengewichten betrieben und nur anfangs mit einem Motor „angeschubst“.
Dieser Schrägaufzug verkürzt die Schifffahrt zwischen Strasbourg und Paris um einen ganzen Tag. Die ganze Fahrzeit dauerte keine ca 5 Minuten. Oben wurden wir freudig von deutschen Zuschauern begrüßt, die sich über unsere bayr. Flagge freuten. Nach unten war mehr los. In der Warteschlange standen bestimmt 10 Boote. Der neue Kanal wirkt gegen den alten richtig steril. Vielleicht muss er auch erst über 100 Jahre alt werden. Kurz nach dem Lift kam schon das nächste Highlight . Ein 2,5 Kilometer langer beleuchteter Tunnel. Das funktioniert über ein Ampelsystem. In unsere Richtung war erst mal rot, also kurz in der Erkennungs-Zone festmachen und warten. Zwei kleinere Boote kamen raus und schon durften wir, nachdem die Ampel auf grün schaltete, losfahren. Auf der Seite sah man noch die Schienen, mit denen früher die Boote da durchgezogen wurden. Wenigstens sahen wir schonmal das Licht am Ende des Tunnels. Es war richtig schön kühl im Berg drin.
Kurz nach dem ersten Tunnel kam noch ein weiterer mit knapp 500 Meter.
Gleich danach haben wir unsere Anlegestelle erreicht. Schön ruhig an einem kleinen Hafen am Waldrand. Außer uns lag da nur ein alter verlassener Kahn. Wir bauten schnell unseren Pavillion als Schattenspender auf. Martin und Richard fuhren die Strecke am alten Kanal mit den Rädern zurück um die Autos zu holen. Richard war auch begeistert von dem schön angelegten Radweg. Andrea machte ein bisschen Siesta und ich ging derweil in Richtung Reiterhof spazieren . Selbst die Pferde drängten sich alle in den Schatten bei diesen Temperaturen.
Gegen Abend auf Deck, wir waren gerade mit dem Abendessen fertig, schlug plötzlich das Wetter um. Wie aus dem nichts stürmten heftige Windboen übers Deck, das wir Mühe hatten, den Pavillion abzubauen. Gespannt warteten wir oben im Steuerstand auf das Gewitter, dass sich so schnell, wie es kam auch wieder verzog. Ein paar Blitze, ein bisschen Donnergrollen und 5 Tropfen Regen, vorbei war der ganze Spuk. Aber es hat zumindest etwas abgekühlt. Dann kniffelten wir noch zwei Runden , die jeweils an unsere Gäste Richard und Andrea gingen, bevor wir schlafen gingen.
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