Juli

7

Andrea

Man soll gar nicht glauben, wie gut es tut, einfach mal nichts tun zu müssen. Eigentlich fällt es mir immer noch ein wenig schwer, so einfach in den Tag hinein zu leben, lediglich unterbrochen von den Mahlzeiten und den Wachen, während derer man nach anderen Schiffen Ausschau halten und auch mal die Windgeschwindigkeit überprüfen muss, um ggf. dem Skipper Bescheid zu ge-ben. Also auch nicht wirklich anstrengend.

Seit letzter Nacht ist die See etwas rauher, der Wind hat zugenommen und die Wellen sind höher, was einen schön in den Schlaf schaukelt. Allerdings krachen auch ab und zu niedrigere Wellen an die Unterseite des Katamarans, was einen schon mal erschrecken lässt. Im Laufe des Tages wurde es wieder etwas ruhiger. Martin meint, dass wir bis morgen zur Mittagszeit in Tahuata ankommen werden.

Abends hat der Chef persönlich gekocht, es gab Chili con Carne, hat ganz vor-züglich geschmeckt.
Ich habe mich anschließend gleich ins Bett verzogen, da ich von 22h bis 1h Wache hatte und vorher noch eine Mütze voll Schlaf brauche.
Es ist schon erstaunlich, dass man trotz der ganzen Faulenzerei immer so früh müde ist.

Juli

6

Petra

Dritter Tag auf hoher See, und sie wird in der Tat höher und höher, diese See!
Während Martin seebärmäßig sein Schiff ruhig durchquert, purzeln wir restlichen Drei mehr oder weniger fröhlich über das Deck, ab und an noch ergänzt durch einen kräftigen Schwall Meerwasserdusche pur!

Ich fürchte, für meinen Teil habe ich „Meer satt“ jetzt ausgiebig erfahren und freue mich, wenn wir morgen wieder Land in Sicht haben.

Jeder, wirklich jeder Schritt wird zum Abenteuer, ich habe mich gestern abend schon gefragt, ob es wohl Skipper mit künstlichen Hüft- bzw. Kniegelenken gibt, ich kann es mir fast nicht vorstellen!
Der Gang unter Deck (wirklich nur zum Klo und für eine „Katzenwäsche“) wird dann auch noch eine zusätzliche Herausforderung für meine latent vorhandene Seekrankheit. Die Tabletten sind wirklich super und helfen auch wirklich gut, aber ich habe den leisen Verdacht, dass die im Waschzettel vermerkten möglichen Halluzinationen mich des nachts erwischt haben.

Zumindest habe ich einmal panisch bei meiner Nachtwache Martin aufgeweckt, weil ich am Horizont sehr große Lichter bemerkte, die unglaublich rasch auf uns zukamen (weil sie so schnell größer wurden). Als Martin dann an´s Steuer kam, war es der Mond!!! … dann vollends aufgegangen……nun ja….Tagsüber ist Gott sei Dank alles normal geblieben ;-)).

Außer den Wellenbergen und gelegentlichem Auftauchen einiger Seevögel leider alles ruhig.
„Leider“ deswegen, weil wir außer 3 bis 4 einzelnen fliegenden Fischen keinerlei maritime Fauna bewundern können (bis auf einen kleinen, toten, Kalmar, den es in der Nacht auf Deck geschleudert hat und der uns von irgendeinem schlauen Fisch auch wieder vom Angelhaken geklaut wurde!
Also wieder kein frischer Fisch.

Ich freue mich auf den nächsten Schnorchelgang und wer weiß, vielleicht kommen die Delfine und Wale ja auf der Rückfahrt, bei beinem nachfogenden Törn zurück zu den Gesellschaftsinseln, in Massen!

Juli

5

Andrea

Da ich in der Nacht von 22-1h und 5-7 h Wache hatte, war ich schon früh schlafen gegangen und wurde zu Beginn meiner „Schicht“ von Richard geweckt.

Draußen spannte sich in der stockdunklen, fast wolkenlosen Nacht ein gigantischer Sternenhimmel über uns, die Milchstraße wie ein breites, glitzerndes Band aus unzähligen Sternen.
Welch ein Unterschied zu unserem Himmel zu Hause!
Sehr viel später ging dann der Mond auf und das Wasser glänzte silbrig und erinnerte mich an die Folie, mit der die „Augsburger Puppenkiste“ in ihrem Puppentheater immer das Meer darstellte.

Morgens, nach einem ausgiebigen Frühstück, gab es nicht viel zu tun.
Martin legte die Angel aus (irgendwann müssen sie ja mal beißen), der Rest von uns las und schlief ziemlich den ganzen Tag.

Wind und Seegang nahmen etwas zu, so dass die Zubereitung des Abendessens schon eine kleine Herausforderung war (es gab Hühnerbrustfilet mit Champignon-Rahmsauce, Nudeln und eine Cole Slaw Vari-ante mit Apfel).
Es ist gar nicht so einfach, einen oder mehrere rutschende und hüpfende Töpfe und Pfannen gleichzeitig in Schach zu halten und sich selbst noch so zu stabilisieren, dass man nicht umfällt.

Das war unser zweiter Tag unserer Überfahrt zu den Marquesas.

Juli

4

Petra

Nachdem Richard und Andrea morgens um 6 Uhr wunderbar frische Baguettes aus der Dorfboulangerie geholt hatten (und dabei gefühlt das ganze Dorf trafen, die ebenfalls alle Arme voller Baguettes trugen), gab es wieder ein gemütliches Bordfrühstück mit Blick auf´s Meer und auf den palmenbewachsenen Strand.

Danach erkundeten die beiden nochmal etwas großflächiger das Dorf, ich hoffte immer noch auf die Ankunft des Versorgungsschiffes, um nochmal den Frischproviant für die lange!!! viertägige Überfahrt zu den Marquesas aufzustocken. Leider verging der Vormittag ohne die Ankunft und so entschlossen wir uns, doch schon am Nachmittag weiterzusegeln.

Vorher ging es allerdings nochmal zu einem wunderschönen Schnorchelankerplatz an einem der zahlreichen Riffe, das für diesen Tag unser „Hausriff“ wurde.

Auch hier war es für mich wieder atemberaubend und auch ein bisschen nervenkizelnd, das Riff zu umrunden, denn es konnte ja jederzeit hinter der nächsten Koralle wieder etwas auftauchen, was ich bisher noch nicht gesehen hatte und womöglich sogar zumindest bedrohlich auf mich Anfänger wirken konnte – Drückerfische, Muränen, Barracudas, who knows….. an die schwarzspitzigen „Freunde“ von Andrea war ich ja inzwischen schon etwas gewöhnt.
Alles war wunderschön, Fischschwärme in gelb, in schwarz in silber, ganz kleine leuchtend türkisfarbene Fischlein, „Sergeants“, die wohl Unterwasser zirpen sollen wie Grillen und etliche andere.
Da es keinerlei Strömung gab, konnte ich völlig relaxed über die Korallen schweben und schaute mir von den beiden erfahrenen Tauchern die richtige Haltung ab (Hände vor dem Bauch gefaltet) und ließ mir erklären, was z.B. eine „Putzerstation“ ist.

Dort warten kleine Fischlein auf „Kundschaft“ (andere größere Fische), die sich putzen lassen (gespreizte Kiemen, Haie zeigen eine besstimmte Körperhaltung, die bedeutet: „ich möchte jetzt geputzt werden und fresse euch nicht“).

Wieder an Bord legten wir uns alle auf unsere Lieblingsplätze (ich mag die Schattenseite, am besten auf der „Original super-soft“ Matratze), dösten, schliefen oder versanken wie ich in ihrem jeweiligen Lieblingsbuch („Unterleuten“ von Juli Zeh, ein super extraklasse Buch).

Um 4 Uhr ging es los – auf große Fahrt zu den Marquesas, jetzt nutze ich die Zeit bis zum Abendessen für den Blog, danach heißt es ganz schnell mindestens zwei Mützen voller Schlaf zu nehmen, weil ich heute die „Hundswache“ zwischen 1 und 3 Uhr habe.

 

Juli

3

Andrea

Nach einer ereignislosen und ruhigen durchsegelten Nacht erreichten wir frühmorgens das Atoll Makemo. Wir ankerten zunächst in einer Bucht, frühstückten gemütlich und schnorchelten anschließend im kristallklaren Wasser. Die Korallenblöcke lagen ziemlich tief, trotzdem konnte man die kleinen Rifffische gut sehen, zwei Schwarzspitzenhaie ließen sich auch blicken.

Martin ließ die Drohne aufsteigen und über die Insel bis ans Außenriff fliegen. Das dabei entstandene Video zeigt schön die Vegetation auf der Insel (hauptsächlich Kokospalmen) und die Dünung auf der anderen Seite.

Anschließend fuhren wir weiter nach Pouheva, dem Hauptort von Makemo, direkt am Arikitamiro Pass gelegen.
Wir hatten gehofft, dort nochmals tauchen gehen zu können, aber leider hat die einzige Tauchbasis vor Ort den Betrieb aufgegeben.

Wir liegen direkt am Pier, welcher für den kleinen Ort etwas überdimensioniert scheint. Doch mussten wir nochmals kurz den Anlegeplatz wechseln, da für den nächsten Tag das Versorgungsschiff erwartet wurde und dessen Anleger freigehalten werden musste.

Offenbar kommen nicht viele Touristen mit Yachten nach Makemo, wir wurden jedenfalls von den Kindern begrüßt und bestaunt und ein paar Minuten später kam auch schon die Polizei mit insgesamt 4 Mann, um unsere Pässe zu kontrollieren, einer wichtiger als der andere, aber sehr freundlich.

Jetzt stand erstmal ein Rundgang durch das Dorf auf dem Programm.
Pouheva ist ein Verwaltungszentrum der Tuamotos und hat daher außer der Polizeidienststelle auch andere Behördengebäude. Es gibt eine ziemlich große Schule und einen ganz niedlichen Kindergarten. Außer zwei Kichen und einem Leuchtturm gibt es allerdings sonst nicht viel zu besichtigen. Die Leute sind alle superfreundlich, es gibt mehrere Lebensmittelgeschäfte, deren Angebot sich jedoch stark in Grenzen hält, man merkt, dass es Zeit wird, dass das Versorgungsschiff kommt und die Warenbestände wieder aufgefüllt werden.

Wir deckten uns mit etwas Wurst und Käse ein, um für die lange Überfahrt zu den Marquesas gewappnet zu sein. Frisches Obst und Gemüse gab es leider nicht.

Es ist sehr auffällig, wie sauber und ordentlich das Dorf ist, hierauf wird offensichtlich großen Wert gelegt.

Auf dem Rückweg zur VAVA-U kamen wir an der Post vorbei, wo es tatsächlich einen kostenlosen Hotspot von VINI gab, was wir natürlich gleich ausnutzten.

Anschließend kochten wir unser Abendessen, einen ebenso schmackhaften wie gesunden Gemüseeintopf und gingen wie immer zeitig ins Bett.