Christine
Der Tag beginnt vor Anker in einer ruhigen Bucht auf der Westseite von Taha’a, unweit der grossen Schwesterinsel Raiatea. Gestern Abend lag noch warmes Licht über der Lagune, doch in der Nacht hatte es kräftig geregnet. Auch im Laufe des Tages zeigt sich, dass das Wetter heute eine eigene Rolle spielen wird.
Skipper Martin hat für die Crew eine Inseltour organisiert. Ziel ist ein Ausflug mit Noah von Vanilla Tours Tahaa (www.vanillatours.pf). Kurz nach neun bringt das Dinghy die Gruppe zum kleinen Steg auf Noahs Grundstück, wo der Gastgeber bereits wartet. Noah ist auf Taha’a geboren, Sohn eines französisch-schweizerischen Paares. Nach Studium und Arbeit in Frankreich lebt er seit rund zehn Jahren wieder auf der Insel und hat das Familiengeschäft übernommen. Der Rundgang beginnt im wunderbaren Garten. Zwischen üppig blühenden Pflanzen erklärt Noah die Bedeutung vieler Gewächse – manche dekorativ, andere medizinisch genutzt, viele tief verwurzelt in der polynesischen Kultur.











Danach wartet bereits der 4×4-Jeep. Im Wagen steht ein Gefäß mit Zitronenwasser, ausserdem hat Noah Trinkkokosnüsse und Obst aus seinem Garten dabei. Mit ein paar schnellen Schnitten seiner Machete zeigt er eine kleine Alltagstechnik: aus den Stielen von Papayablättern lassen sich erstaunlich gute, komplett natürliche Trinkhalme herstellen. Der erste Stopp führt zu einer kleinen Vanilleplantage. Noah erklärt, warum Vanille in Polynesien aufgrund der aufwändigen Produktion so teuer ist. In ihrer ursprünglichen Heimat Südamerika übernimmt eine spezielle Biene die Bestäubung der Blüten. Auf Taha’a fehlt dieses Insekt – deshalb wird jede einzelne Blüte von Hand bestäubt. Dies wird Vanilla Wedding genannt. Aus jeder Blüte wächst später genau eine Schote. Nach etwa sieben Monaten erfolgt die Ernte, gefolgt von einem monatelangen Prozess aus Trocknen, Fermentieren und wiederholtem Massieren der Schoten, bis die aromatische schwarze Vanille entsteht, für die die Insel bekannt ist.



Anschliessend geht es abenteuerlich weiter. Noah lässt Luft aus den Reifen – jetzt kommt der Jeep richtig zum Einsatz. Über schmale, matschige Trails arbeitet sich das Fahrzeug durch den dichten Dschungel nach oben. Vom Bergkamm eröffnet sich eine spektakuläre Aussicht über beide Seiten der Insel, über das satte Grün der Landschaft und die Lagune. In der Ferne zieht bereits eine dunkle Gewitterfront auf. Noah nutzt die Gelegenheit für einen kurzen Snack. Auf einer improvisierten Platte aus wilden Hibiskusblättern liegt frisch geschnittenes Obst aus seinem Garten. Dazu werden die Kokosnüsse geöffnet – getrunken wird natürlich mit den Papayastrohhalmen. Währenddessen grollt der Donner immer näher, bis die Wolken die Aussicht komplett verschlucken und der tropische Regen über den Bergen losbricht. Die Rückfahrt durch den nassen Dschungel hat fast etwas Magisches. Alles wirkt noch grüner, Wasser tropft von den Blättern, und der Wald duftet nach frischer Erde.







Der nächste Halt ist die kleine Pari Pari Rum Distillery. In der Produktionshalle gibt es eine kurze Erklärung zur Herstellung des Rums aus Zuckerrohr, gefolgt von einer sehr kleinen Verkostung. Geschmacklich kann der Rum nicht jeden überzeugen, doch der Einblick in die Destillation ist spannend.







Danach führt der Weg zurück zu Noahs Garten. Dort wird noch Vanille gekauft. Die Daheimgebliebenen dürfen sich bereits auf köstliche Speisen freuen.






Am Nachmittag bringt das Dinghy die Crew zurück an Bord. Inzwischen schüttet es wieder heftig. Auf Sylvias Fotos vom Anlegen wirkt die Szene fast wie ein Segeltörn auf der Nordsee im tiefsten Winter – vom Südsee-Postkartenmotiv ist in diesem Moment wenig übrig.

Kurz darauf verholt das Boot wieder zum Ankerplatz ausserhalb der Lagune, wo Generator und Wassermacher betrieben werden dürfen.


Der Abend beginnt entspannt mit einer Runde Wizard, dem Lieblingskartenspiel von Martin und Sylvia – eine Art Warm-up vor dem Essen. Danach gibt es Spaghetti mit Martins Spezialität, Bolognese. In kürzester Zeit sind alle Teller leer.

Beim Kartenspiel muss sich Skipper Martin mehrfach geschlagen geben – ein ungewohnter Zustand, der sofort zu scherzhaften Drohungen führt, die Crew am nächsten Morgen über Bord zu schicken. Natürlich bleibt es beim Scherz.
Währenddessen bereitet Sylvia noch einen Geburtstagskuchen für Isabel vor. Ein langer, abwechslungsreicher Inseltag auf Taha’a geht zu Ende – mit Vanille, Dschungel, Regen und vielen Geschichten, die bleiben.


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