Juni

2

Heute Morgen war schon Frühsport angesagt. Ich hab das Auto an die große Schleuse nach Rechicourt gefahren und bin mit dem kleinen Klapprad im Regen wieder zurück gefahren. Nach ca 1 1/2 Stunden war ich wieder zurück an Bord , danach haben wir auch gleich abgelegt.


Es hat den ganzen Tag geregnet und wir haben von draußen den ganzen Tag nicht viel gesehen. Es waren auch kaum andere Boote unterwegs. Wir sind dann Saarkanal in den Rhein Marne Kanal abgebogen und Martin steuerte die höchste Schleuse Frankreichs an. Die Schleuse in Réchicourt-le-Château ist ein wares Kunstwerk,  welches in 1965 auf dem Rhein Marne Kanal gebaut wurde.Die Schleuse hat eine Fallhöhe von 15,45 und 16,10 m, abhängig vom Wasserstand im Kanal und ersetzt 6 Schleusen. Auf diese Weise kann ein Boot in dreißig Minuten den Höhenunterschied durchfahren anstatt sechs Stunde zuvor. Die Schleusenkammer hat eine Mindesttiefe von 2,6 m, eine Breite von 6 m und eine Länge von 40 m bei einem Volumen von ca. 3796 m3. Stromabwärts wird die Schleusenkammer mit einer Hubtür geschlossen und Stromaufwärts sorgen zwei 20 m hohe Bogentüren für den Verschluss. Alle Komponenten (Türen und Ventile) werden von Hydraulikzylindern und von einer Betriebskabine aus gesteuert. In der Schleuse müssen Schwimmwesten getragen werden und beim Wasser rauslassen hat die Schleuse an allen Ecken geächzt und gequietscht.


Wir haben gleich nach der Schleuse Steuerbord angelegt. Auf der stromabwärts gelegenen Betonfront befindet sich eine 600 m² große monumentale Freske des französischen Künstlers Adec. Das Werk zeigt einen riesigen Reiher (Héron) als Wächter des Kanals, in dessen Körper zahlreiche Figuren und kleine Szenen verborgen sind. Die Freske thematisiert die Beziehung zwischen Mensch, Natur und Wasserlandschaft.
Den Abend ließen wir bei einer Spinat Quiche mit Salat ausklingen.

Juni

1

Ruth und Joki

Juni

1

Der Morgen begann recht frisch, trotzdem genossen wir unser Frühstück an Deck. Einige Boote waren bereits unterwegs, meist Richtung Schräglift oder zur Le Boat Marina in Hesse.Nach dem Frühstück hieß es „Leinen los“. Joki übernahm schon kurz nach dem Ablegen routiniert das Steuer. Die rund 12 Kilometer lange Strecke führte uns durch einen schmalen Kanal, der sich malerisch durch grüne Auen und Wälder schlängelt. Mit der stärker werdenden Sonne machten es sich Ruth und Ursel auf den Liegestühlen gemütlich und genossen die entspannte Fahrt. Auf der Strecke passierten wir eine Schleuse  abwärts . Im Saar-Kanal fuhren wir über den Étang du Stock, einen der größten Seen Lothringens. Ursprünglich im Mittelalter angelegt, wurde er Anfang des 20. Jahrhunderts als Wasserreservoir für den Kanal stark erweitert. Heute ist er ein beliebtes Freizeitgebiet für Wassersportler. 

Martin und Joki machten sich sofort mit den Fahrrädern auf den Weg, um die Autos zu holen, nachdem wir angelegt hatten. Wir Mädels genossen derweil die Sonne an Deck. Ruth packte bereits ihre Koffer, denn für sie und Joki stand am späten Nachmittag die Heimreise an. Nach gut einer Stunde kehrten die Männer zurück, und Kaffee und  Kuchen warteten schon auf sie.Ein besonderer Höhepunkt war die feierliche Ernennung von Joki zum Co-Matrosen. Die Übergabe der Urkunde sorgte für ein Schmunzeln und einen gelungenen Abschied.

Ruth hinterließ außerdem einige liebe Worte in Martins Gästebuch.

Danke dafür . Den Abend ließen wir gemeinsam mit Ursel in einem kleinen Bistro in Sarrebourg ausklingen. Bei Flammkuchen, Rippchen und guten Gesprächen ging ein schöner Tag zu Ende.

Mai

31

Endlich hatte es etwas abgekühlt. Ursel war ganz glücklich über den Temperaturrückgang . Die angekündigten Regenwolken ließen Martin allerdings keine Ruhe, und so hatte er bereits das nächste Projekt im Kopf. Das neue Sonnendach musste so befestigt werden, dass sich bei Regen kein Wasser darauf sammeln konnte. Gut, dass Joki noch an Bord ist , er ist mindestens genauso ein begeisterter Tüftler wie Martin. Gemeinsam konstruierten die beiden eine Stange, die das Gestänge in der Mitte anhebt und für den nötigen Wasserablauf sorgt. Außerdem brachten sie ihr Türprojekt erfolgreich zum Abschluss. Zwei fleißige Bienchen, die immer etwas zu werkeln finden.


Währenddessen spielten Ruth und ich eine Runde Boule. Der Himmel sah zwar stark nach Gewitter aus, weshalb wir vorsichtshalber im Boot frühstückten, doch letztendlich blieb es trocken.


Anschließend hieß es wieder: Leinen los und Kurs auf Gondrexange. Die Strecke dorthin ist herrlich entspannt, ganz ohne Schleusen. Ruth und Ursel machten es sich auf dem Sonnendeck in den Liegestühlen gemütlich und genossen die Fahrt. Die Landschaft unterwegs wird von einem riesigen Zementwerk geprägt – eine laute und ziemlich staubige Angelegenheit. Jokis Kommentar dazu: „Hier kann man bestimmt günstig Grundstücke kaufen.“


Unser Tagesziel war Gondrexange, eine kleine Gemeinde am Rhein-Marne-Kanal. Zur Gemeinde gehört fast der gesamte sieben Quadratkilometer große Gondrexange-Weiher. Ursprünglich wurde dieser bereits im 14. Jahrhundert zur Fischzucht angelegt. Mit dem Bau des Rhein-Marne-Kanals wurde er als Wasserreservoir erschlossen und vergrößert. Noch heute dient er auch der Speisung des Saarkanals, der hier vom Rhein-Marne-Kanal abzweigt. In den Jahren 1880 bis 1882 erhielt der Weiher durch die Erhöhung des Dammes sein heutiges Fassungsvermögen.
Kaum hatten wir festgemacht, wurden schon wieder Werkzeuge ausgepackt. An den Fahrrädern gab es noch etwas zu schrauben und zu basteln , natürlich kein Problem für unsere beiden Technikexperten. Und auch die Fender waren noch mal dran mit Sika abzudichten.


Ruth und ich nutzten die Zeit für einen Spaziergang durch die kleine Ortschaft, während Ursel auf dem Boot die Stellung hielt.

Zurück an Bord gab es Kaffee und Kuchen auf dem Deck. Doch schon bald wurde es deutlich kühler, sodass wir uns nach drinnen verzogen und zwei Runden Wizard spielten. Die letzte Runde gewann Martin endlich wieder einmal – und zwar haushoch.
Für das Abendessen suchten wir zunächst nach einem Restaurant. Doch in Frankreich ist das sonntagabends oft schwierig, da viele Lokale geschlossen haben. Also improvisierten Ruth und ich kurzerhand in der Bordküche und zauberten leckere Spaghetti Carbonara sowie Spaghetti mit Lachs.


Der Abend war damit aber noch lange nicht vorbei. Nach interessanten Gesprächen über Gott, die Welt und allerlei andere Themen wurde die Küche aufgeräumt und anschließend noch einige lustige Runden Hitster gespielt. Ich muss unbedingt noch eine Schlager-Edition besorgen. Ruth und ich hielten bis zum Schluss durch und spielten, bis wirklich keine Karte mehr übrig war.
So ging ein weiterer schöner und abwechslungsreicher Tag auf dem Wasser zu Ende.

Mai

30

Der Tag begann ganz gemütlich mit einem leckeren Frühstück auf unserem Sonnendeck. Anschließend machten wir uns auf den Weg Richtung Xouaxange. Joki übernahm wieder das Steuer und brachte uns sicher voran. Für einen kleinen Schreckmoment sorgte ein plötzliches Überholmanöver eines anderen Boots , damit hatte er nun wirklich nicht gerechnet.
Das Wetter zeigte sich von seiner extremen Seite. Es war unglaublich schwül. Kaum zu glauben, dass wir vor zwei Wochen noch gefroren haben.


Am frühen Nachmittag erreichten wir Xouaxange. Der alte, morsche Steg vom vergangenen Jahr war verschwunden . Stattdessen gibt es nun einen stabilen Steg mit neuen Puffern. Der gesamte Platz macht einen sehr gepflegten Eindruck. Neben großzügigen Liegeflächen stehen Grills und sogar ein Bouleplatz zur Verfügung.
Martin und Joki schnappten sich die E-Bikes und fuhren zurück nach Niderviller, um die Autos zu holen. Ruth und ich nutzten die Zeit und testeten schon einmal den Bouleplatz. Zwar ist die Fläche etwas uneben, aber das Spiel klappte trotzdem ganz gut. Wegen der großen Hitze beließen wir es bei einer kleinen Trainingseinheit für den Abend. Ruth gewann unsere Proberunde souverän.
Als die Männer zurückkehrten, wartete bereits Erdbeerkuchen mit Sahne auf sie,  genau das Richtige nach der Anstrengung.
Danach fuhren wir mit dem Auto nach Sarrebourg. Ursel wollte unbedingt das berühmte Chagall-Fenster „La Paix“ von Marc Chagall in der Chapelle des Cordeliers besichtigen, Ruth und Joki begleiteten sie. Das farbenfrohe, zwölf Meter hohe Kirchenfenster ist das größte Werk dieser Art, das Chagall entworfen hat, und beeindruckte uns sehr.


Lange hielten wir uns allerdings nicht in der Stadt auf. Für eine ausführlichere Besichtigung war es einfach noch zu heiß. So beschränkten wir uns auf einen kurzen Rundgang, bevor wir wieder zum Boot zurückkehrten.
Dort gönnten wir Mädels uns erst einmal eine entspannte Auszeit. Die Männer hingegen hatten andere Pläne. Stefan brachte Martin auf eine Idee, wie man die Türen am Boot verbessern könnte. Also wurde den restlichen Nachmittag getüftelt, gesägt, geflext und zwischendurch auch ein wenig geflucht. Am Ende hatte sich die Arbeit gelohnt: Die Türen lassen sich nun deutlich weiter öffnen und man kommt wesentlich besser hindurch.
Nach der Brotzeit machte es sich Ursel mit Blick auf das Boulefeld im Liegestuhl gemütlich. Währenddessen spielten Joki, Ruth, Martin und ich zwei spannende Boule-Runden. Die Männer konnten beide Partien knapp für sich entscheiden, bevor die Mücken uns schließlich als ihr Nachtmahl betrachteten.


Später ließen wir den Tag gemütlich ausklingen. Die Jungs diskutierten noch eine Weile über die Ereignisse des Tages, während Ruth und ich mehrere Runden Kniffel spielten. Meistens hatte sie das bessere Würfelglück, aber wir hatten jede Menge Spaß. Ursel und Martin wurden irgendwann müde und verabschiedeten sich in ihre Kojen. Joki ließ sich schließlich noch zu einer weiteren Runde Kniffel überreden, bevor auch dieser erlebnisreiche Tag zu Ende ging.