Mai

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Nach über 38 Monaten und 34.000 Meilen war es mal wieder notwendig das Antifouling im Unterwasserbereich zu erneuern. Zuletzt war ich mit VAVA-U im März 2016 auf der Hannibal- Werft in Monfalcone. Dort haben wir schwarzes SEA-JET für Aluminium benutzt und 3 Lagen aufgetragen. Auf dem Weg vom Mittelmeer, durch die Adria, Griechenland, Malta und Gibraltar bis auf die Kanaren und weiter in die Karibik, dann durch die Bahamas bis Miami im Juni 2017 war alles fast wie neu. Auf dem Weg nach Norden entlang der Ostküste der USA, zum Teil im ICW wurde der Bewuchs immer stärker und ich habe alle 4-6 Wochen geschrubbt. Im November 2017 war VAVA-U wieder auf den Bahamas, dort hielt sich alles in Grenzen ebenso auf dem weiteren Weg über Cuba, die Cayman-Islands, San Blas und Panama. In Panama, im März 2018 wurde VAVA-U professionell von Tauchern „geputzt“ um für die Galapagos gewappnet zu sein.

Die restlichen 12 Monate bis Mai diesen Jahres segelte VAVA-U in Französisch Polynesien und die Anwachsungen hielten sich in Grenzen. Aber nun wurde es Zeit, auch im Hinblick auf das Törnziel Neuseeland im November 2019, alles wieder neu zu machen. Zu diesem Zweck war ich im Mai diesen Jahres mit meinem Aluminium Katamaran „VAVA-U“ (18 x 8,6 x 1,45m und 22 Tonnen) für eine Woche auf der Werft in Raiatea. Schon letztes Jahr im September hatte ich für diese Woche einen Termin vor Ort ausgemacht als ich ohnehin mit meinen Chartergästen auf Raiatea war. Als ich dieses Jahr im April von den Marquesas kommend (ich war während der südlichen Sommermonate von November bis April dort um ggf. außerhalb der Cyclone Gebiete im Südpazifik zu sein) wieder in Raiatea vorbei kam, stattete ich der Werft noch mal einen Besuch ab und bestätigte den Termin und den vorab per Mail erhaltenen Kostenvoranschlag. Am Vorabend des Sliptermins machten wir an einer Boje in der Werftbucht fest. Auf dem Schienen-Slip stand noch ein anderer Katamaran an dem bis in die Nacht mit Scheinwerferlicht gearbeitete wurde. Am nächsten morgen war die Crew auch schon früh wach und mit Rolle und Pinsel bewaffnet um einen weiteren Anstrich Antifouling auf zu bringen. Auf meine Frage hin, ob sie im Zeitplan wären und dann am Vormittag wieder ins Wasser kommen, wurde diese bejaht. Sie erzählten mir noch, das letzten Winter (eigentlich ist hier ja Sommer gewesen) der Slipwagen gebrochen ist und komplett erneuert wurde. Das sah man auch. Aber es seien alle Termine verschoben worden, auch der ihre. Aber dann tatsächlich, die Werftarbeiter fangen morgens um 08:00 an, schwamm der andere Kat kurz vor 10:00 Uhr wieder. Er übernahm meine Boje und VAVA-U tuckerte langsam in Richtung Slip, wo wir schon von „Tauchern“ (eigentlich nur Werftarbeiter mit Maske und Barfuß) erwartet wurden. Die Verzurrung der Leinen und das Ausrichten auf dem Schienengestell ging flott und lief professionell ab. Schon um 11:00 Uhr stand VAVA-U hoch und Trocken und gesichert auf der Werft. Wenig später rückte schon eine zwei- Mann-Crew mit Hochdruckreiniger an. Bis zum Nachmittag, dem Arbeitsende um 16:00 Uhr war VAVA-U zunächst von allem Bewuchs befreit. Ich habe in dieser Zeit schon die Segelmacherin kontaktiert, bei der ich mich auch schon gut sechs Wochen vorab gemeldet hatte. Sie holte mit einem Pickup Groß, Genua, Fock, Baumpersenning und Dinghy-Cover sowie meine Rettungsringverkleidungen ab. Überall waren Nähte nachzunähen und ein paar Verstärkungen zu erneuern. Sie bekam mehrere „Pläne“ für die Arbeiten von mir und versprach bis zum Wochenende mit allem fertig zu sein. Das war am Ende dann auch so, nur das Groß konnte sie erst am Sonntag wieder zurückbringen. Das war ok, weil der Sliptermin für VAVA-U war ja erst einen Tag später – also nach einer Woche.

Am nächsten Tag, Dienstag rückten in der Früh wieder zwei und zum Teil drei Arbeiter an, die begannen das Unterwasserschiff anzuschleifen. Nebenbei wurde auch der Wasserpass und ein paar Zentimeter darüber geschrubbt. Mittwoch war ab Mittag Feierabend, weil es überall Stromausfall gab. Donnerstag früh gab es dann die erste Lage Primer und auch schon das neue, diesmal blaue Antifouling von Hempel. Insgesamt wurden dann bis Freitagabend 20 Liter in 2-3 Lagen auf die ca. 100m² große Unterwasserfläche verteilt. Ich habe in dieser Woche selber auch ein paar diverse Kleinigkeiten erledigt und immer wieder die Arbeiten der Werft betreut. So konnte ich einen neuen Gasherd einbauen, habe die Opferannoden der beiden Propeller gewechselt und jeweils einen Getriebeölwechsel bei den Saildrives vorgenommen, sowie ein paar Schweißarbeiten begleitet und meine Gasflaschen wieder füllen lassen. Abends nach Feierabend habe ich den Arbeitern immer mal ein paar Bierchen hingestellt, worüber sie sich sehr gefreut haben. Insgesamt waren alle super freundlich, für tropische Verhältnisse super organisiert und effektiv sowie überaus hilfsbereit. Das Wochenende hab ich zum Aufräumen genutzt und ein paar Malerarbeiten durchgeführt. Somit war alles startklar für den kommenden Tag. Montag morgen war es dann soweit. Ich hab die korrekte Rechnung per VISA bezahlt und schon ging es wieder retour. Genauso professionell wie raus, ging das wieder reinschieben, oder besser gesagt rutschen von statten, so dass VAVA-U bereits gegen 10:00 Uhr wieder im Wasser und an einer der Werftbojen lag.

Draußen wartete schon das Schienengestell. Dies ist übrigens nicht die einzige Slipmöglichkeit. Die Werft hat noch einen kleinen Travellift bis 25 Tonnen und 5 m breite sowie einen Slip mit altem LKW-Trailer, der von einem Traktor gezogen wird um kleinere, leichtere Kats aus dem Wasser zu holen. Insgesamt wurden während meiner Woche dort drei Einrumpfyachten rausgehoben und nach dem Erneuern des Unterwasseranstrichs wieder reingehoben. Außerdem war der Trailerslip in Benutzung. Insgesamt sind sie dort also sehr busy. Angeschlossen an das Werftgelände ist noch eine Bootswerft für offene Kunststoffboote, die dann wahlweise mit Aussen- oder Innenborder bestückt werden. Mit denen geht es dann auf Fischfang und/oder auf Ausflugsund Taxifahrten. Weiterhin werden dort fast in Serie auch offene Aluminiumboote zusammengeschweißt. Auch dies mach alles einen sehr professionellen Eindruck. Vervollständigt wird das Angebot durch einen Segelmacher, der allerdings nur kleine Segel in seiner recht kleinen Werkstatt im ersten Stock erledigen kann. Ich würde „meine“ Segelmacherin empfehlen. Und es gibt einen kleinen Laden für Ausrüstung und vor allem Farben und dergleichen. Größere Ausrüstungsgegenstände müssten bestellt werden und würden auch via Neuseeland recht schnell geliefert. Raiatea hat einen eigenen Flughafen, der nur 5 Km entfernt ist und mehrfach vom internationalen Flughafen in Tahiti aus angeflogen wird. Für Yachten im Transit ist alles zollfrei. Jedoch fallen ein paar Gebühren für die Formalitäten an. Abschließend kann ich sagen es hat sich für mich und VAVA-U sehr gelohnt. Alles war im Zeitplan, die Kosten überschaubar und ich hatte noch eine Woche den Liegeplatz an der Mooringboje sowie Internetanschluss über den Hotspot der Werft. VAVA-U ist also wieder gut gerüstet für die nächsten Meilen und hoffentlich noch blitz-blau wenn wir im November in Neuseeland ankommen.

Im Moment sind wir schon auf Samoa und den weiteren Weg nach Tonga.
Wer gerne mal mit segeln möchte, der findet alle Informationen inklusive Törnplan auf meiner Webseite www.blu-venture.de

Euer Skipper Martin

Adressen und Kostenaufstellung

Für alle die es hierhin verschlägt: Raiatea Carénage Services, Zone Industrielle d’Uturaerae BP 1111 – 98735, Uturoa. Tel: + 689 40 600 545 Für Slip, alle am Unterwasserschiff anfallenden Arbeiten inklusive Materialien (Schleifpapiere, Pinsel, Reinigungsmittel, Primer und Antifouling usw. Umgerechnet € 4.800,- www.raiateacarenage.com

Segelmacherin Regine FAUX, mobile + 689-8772 5112, Voilerie Aveia, PB 942 Uturoa, 98735 Raiatea (auf dem Gelände der Moorings/Sunsail-Marina) für Ausbesserungen an den Segeln insgesamt 52 Stunden mit Material € 1.885,-